Tausche Ehe minus gegen Freundschaft plus - Thomas Kowa - E-Book
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Tausche Ehe minus gegen Freundschaft plus E-Book

Thomas Kowa

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Beschreibung

Die erste romantische Liebeskomödie, die auch Männern gefällt! Und coolen Frauen sowieso. Ein Roadtrip durch China voller tiefgründigem Blödsinn, wagemutigen Heldinnen und fesselnden Tinderdates. Kommentiert von Gott, Buddha, Donald Trump und Hugo, dem Rauhaardackel. Alles in diesem Buch ist wirklich so passiert. Zu 110 Prozent. Also fast. Jedenfalls haben wir viel weniger gelogen als sonst. Christian Purwien & Thomas Kowa Mitgefühl ist total überbewertet. Buddha Dass ich mich zu diesem Buch geäußert habe, sind pure Fake News. Sehr unfair! Donald Trump Wuff, Wuff! Grr! Wuff! Hugo, Rauhaardackel Luke, ich bin dein Vater. Boris Becker

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Inhaltsverzeichnis

01 Ludwigshafen, 31. Oktober

02 Ludwigshafen, 31. Oktober

03 Ludwigshafen, 31. Oktober

04 Ludwigshafen, 31. Oktober

05 Frankfurt, 1. November

06 Frankfurt, 1. November

07 Über Russland, Flughöhe zwölftausend Meter, 1. November

08 Peking, 2. November

09 Peking, 2. November

10 Peking, 2. November

11 Peking, 2. November

12 Peking, 3. November

13 Peking, 3. November

14 Peking, 3. November

15 Peking, 3. November

16 Peking, 3. November

17 Peking, 4. November

18 Peking, 4. November

19 Shanghai, 4. November

20 Shanghai, 4. November

21 Shanghai, 4. November

22 Shanghai, 4. November

23 Shanghai, 4. November

24 Shanghai, 4. November

25 Shanghai, 4. November

26 Shanghai, 4. November

27 Yulin, 5. November

28 Yulin, 5. November

29 Gefängnistransporter, 6. November

30 Sing Sing, 7. November

31 Sing Sing, 7. November

32 Sing Sing, 7. November

33 Sing Sing, 7. November

34 Sing Sing, 7. November

35 Sing Sing, 8. November

36 Sing Sing, 8. November

37 Sing Sing, 8. November

38 Hochgeschwindigkeitszug, 8. November

39 Hochgeschwindigkeitszug, 8. November

40 Hongkong, 9. November

41 Hongkong, 9. November

42 Hongkong, 9. November

Schwierig ist es bloß, den Mann zu finden, dem man treu sein kann.

Marlene Dietrich, deutsche Schauspielerin

01 Ludwigshafen, 31. Oktober

»Ich bin Manfred, arbeite bei der Staatsanwaltschaft in Karlsruhe, und meine Hobbys sind Kegeln und Couchfisting.«

Manfred blickte mich so stolz an, als würde er eine Spezialeinheit zur Rettung von Katzenbabys leiten. Er war bestimmt zehn Jahre älter als ich, zehn Kilo dicker, doch sein IQ zählte mindestens zwanzig Punkte weniger als der meines bisher schlimmsten Dates.

Von meinem IQ ganz zu schweigen.

Da ich die große Liebe suchte, war das eine denkbar ungünstige Voraussetzung. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben.

Heute nicht.

»Couchfisting?«, fragte ich und wusste sofort, dass es ein Fehler war.

Manfred strahlte. »Na, ich steck meine Faust in die Couchritze und stell mir vor …«

Ich stand auf. Das wollte ich mir ganz bestimmt nicht vorstellen.

»Am liebsten hab ich die Ostermann Wattenscheid. Da kommst du auch gut von unten rein.«

Ich ließ ihn stehen, ohne mich zu verabschieden.

»Hey, das geht auch in edel, also die Lignet Rose Multy, ich sach dir …«

Ich lief schneller.

»Ich baue gerne mal einen Spannungsbogen auf, so erst mit Handschuhen …«

Ich rannte so schnell, mein langes blondes Haar überholte mich beinah. Okay, vielleicht lag das auch am Rückenwind, in Physik war ich immer schon phänomenal unbegabt gewesen.

»Entjungfert wurde ich auf der Ikea Stockholm …«

Ein Bus hielt an, und ich stieg ein, keine Ahnung, wo der hinfuhr, Hauptsache weg von diesem Verrückten.

Kaum war der Bus losgefahren, schrieb Manfred mir über Tinder.

Falls du moralische Bedenken hast, kann ich die entkräften. Ich führe nämlich eine halboffene Ehe. Also ich eine offene und meine Frau weiß von nix.

Ich blockierte ihn und legte das Handy beiseite.

Schade, sein Foto hatte ganz nett ausgesehen, inhaltlich war er allerdings – wie die meisten Männer bei Tinder – eine Katastrophe.

Wobei das nicht nur für Tinder galt. Warum redeten Männer immer von den inneren Werten bei Frauen, meinten damit jedoch bloß das möglichst tiefe Dekolleté?

Und warum ist der einzige innere Wert, der Männer bei sich selbst interessiert, der Promillepegel?

Bei dem zählten allein die recht groben Abstufungen zwischen fahrtüchtig, fahruntüchtig, aber ich fahr trotzdem und Weltrekord.

Dennoch, ohne das männliche Geschlecht ging es nun mal nicht. Ich nahm wieder mein Handy, wischte ein paar Männer weiter und ließ sie im wahrsten Sinne des Wortes links liegen.

Ich kam zu einem Mann, dessen Oberkörper nur aus Bauch bestand, und wischte schneller.

Natürlich war es nicht fair, Männer nach Äußerlichkeiten zu beurteilen, andererseits lief das umgekehrt auch nicht anders.

Meine Doktortitel in Philosophie, Kybernetik und vergleichender Literaturwissenschaft hatten bisher noch jeden Mann weniger beeindruckt als ein Minirock.

Gut, dass ich die Doktortitel erfunden hatte, nicht auszudenken, ich hätte wirklich Jahre mit einer Promotion oder einem Studium verschwendet, um am Ende am Herd zu stehen.

Das Erschreckende daran war, dass mir bloß ein einziger Mann hatte nachweisen können, dass ich keine Kybernetik studiert hatte.

Natürlich war er schwul.

Nichtsdestoweniger hatte ich mir vorgenommen, heute mindestens zwei weitere Männer zu treffen, bevor ich Plan C aktivierte.

Denn der war hochriskant, aufwendig und ein wenig anrüchig. Und er würde mein Leben verändern, für immer.

Danach gab es keine Ausrede mehr.

Doch bevor ich Plan C umsetzte, musste ich mir absolut sicher sein, dass es auf normalem Weg nicht funktionierte.

Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.

Imke Wübbenhorst,

erste Profifußballtrainerin einer Männermannschaft

02 Ludwigshafen, 31. Oktober

Ich wischte mich weiter durch die Männerwelt Ludwigshafens und blieb bei Robert hängen.

Zwei Jahre jünger als ich, schöne Grübchen, maßgeschneiderter Anzug, Nikotinchic.

Das konnte von Vorteil sein, schließlich starben Raucher schneller, und ich würde ihn nicht bis an mein Lebensende pflegen müssen.

Andererseits, wäre es nicht der größte Liebesbeweis, wenn er mir zuliebe mit dem Rauchen aufhören würde?

Ich wischte nach rechts und war gerade mal drei Männer weiter, als Robert das Gleiche tat.

Tinder nannte es einen »Match«, und manches Mal erinnerte mich das tatsächlich an ein Spiel.

Offensichtlich fanden wir uns beide gegenseitig attraktiv, denn nur dann konnte man bei Tinder miteinander chatten.

Wir schrieben ein paar Belanglosigkeiten und stellten schnell fest, er übernachtete ganz in der Nähe in einem Hotel. Er war Buchhalter, wenn er das zugab, hieß es immerhin, dass er ehrlich war.

Oder er hatte einen noch peinlicheren Beruf wie Tierfuttertester, Geflügelgeschlechtsbestimmer oder Dixie-Klo-Entleerer.

Um das und anderes herauszufinden, trafen wir uns kurzerhand in seiner Hotelbar.

Sein Anzug saß so gut wie auf dem Foto, und er hatte ein schüchternes, aber nettes Lächeln.

»Ich bin nicht so gut in Smalltalk«, sagte er und roch dabei mehr als ein wenig nach Tabak. »Daher gleich die wichtigste Frage: Möchtest du die hundertvierundzwanzigste Frau sein, mit der ich Sex habe?«

Ich schluckte.

»Wobei ich fünfzehnmal gekommen bin, bevor es richtig losging, und elfmal … Na ja, man wird ja auch nicht jünger.«

Ich stand auf. Offensichtlich war er wirklich Buchhalter, ich wollte jedoch keine Nummer auf einer Liste sein.

Ich ging, zückte mein Smartphone, blockierte Robert und wischte weiter.

Schon immer hatte ich geahnt, dass Tinder nichts für mich war. Allerdings hatte ich meiner besten Freundin Christine versprechen müssen, die App zu installieren, um davon wegzukommen, ständig die große Liebe zu suchen.

Doch hier fand ich nicht mal die kleine.

Damit ich Christine – und mir selbst – beweisen konnte, alles versucht zu haben, brauchte ich heute Nacht noch einen Mann.

Einigermaßen gut aussehend, nett, intelligent. So schwer konnte das nicht sein.

Bevor ich vom Wischen eine Sehnenscheidenentzündung bekam, erblickte ich ihn. Bernd, Bodybuilder, Mitte vierzig, Student der Kommunikationswissenschaften.

Das war zumindest ungewöhnlich. Er sah offensichtlich, dass ich ihn favorisiert hatte, und tat es mir nach.

Wieder ein Match.

Wir verabredeten uns in einer Cocktailbar. Nach dem Begrüßungsküsschen legte er seinen Porscheschlüssel auf den Tisch, als wäre dafür kein Platz in seiner Hose.

Ich hasse Männer, die sich über ihr Auto definieren, je teurer der Wagen, desto häufiger ist das der Fall.

Okay, wer will sich schon mit einem Fiat Punto identifizieren? Ich muss zugeben, das würde mir bei einem Porsche leichter fallen.

Trotzdem, es gibt nicht umsonst das Vorurteil, dass ein schnelles und möglichst großes Fahrzeug eine Schwanzverlängerung darstellt. Wobei ich die Frage viel spannender finde, welche Männer eigentlich einen Mini fahren.

Doch Bernd fuhr nun mal Porsche. Immerhin hatte er ein markantes Gesicht, so redete ich mir jedenfalls schön, dass seine Augenbrauen aussahen wie Marsriegel. Seinen Bildern nach zu urteilen, besaß er jedoch ein Sixpack und war nicht so aufgepumpt wie die meisten Bodybuilder, also gab ich ihm eine Chance.

Denn würden mich nur die inneren Werten interessieren, müsste ich zwangsläufig lesbisch werden.

Bernd setzte sich neben mich, sein Parfüm war ein wenig aufdringlich, aber besser so als bei Aschenbecher-Robert.

Auf seinen Unterarmen standen irgendwelche Sinnsprüche, als würde er seine Arme für Abrisskalender halten. Die Tätowierer von heute hatten keinen Anstand mehr, gegen Geld tätowierten die jede Mülltonne oder, noch schlimmer, Paulo-Coelho-Zitate.

Ach, das Leben ist ein einziger Kompromiss.

»Du studierst Kommunikationswissenschaften?«, fragte ich.

»Wollte noch mal was Neues machen«, antwortete er.

Das klang für mich mehr danach, als hätte er in der Volkshochschule aus Versehen einen Bauch-Beine-Po-Kurs belegt.

»Und du bist Single?«, wollte er wissen.

»Nein, ich bin verheiratet.«

Er lupfte einen Marsriegel. »Was machst du dann bei Tinder?«

»Hab vor einer Woche die Scheidung eingereicht und suche jetzt …« Es klang kitschig, aber ich musste ehrlich sein. »Na ja, ich suche die große Liebe.«

Er lupfte schon wieder einen Marsriegel, diesmal den anderen. »Und darunter machst du es nicht?«

Ich ignorierte die Doppeldeutigkeit seiner Frage, schließlich hatte ich im Gegensatz zu ihm nicht Kommunikationswissenschaften studiert.

»In meiner Jugend habe ich übrigens Neil Postman gelesen«, sagte ich.

Er blickte mich an, als hätte ich ihn gerade gebeten, mir die Relativitätstheorie zu erklären.

Was recht aussagekräftig war, denn Neil Postman war nun mal der bekannteste Kommunikationswissenschaftler der Welt, wie ich vor unserem Date bei Wikipedia recherchiert hatte.

»Ich amüsiere mich gern«, fuhr ich fort. »Aber nicht zu Tode.«

Jetzt lupfte er beide Marsriegel, was darauf hindeutete, dass er das bekannteste Werk der Kommunikationswissenschaft ebenso wenig kannte.

Bernd war also ein Aufschneider.

Das war per se nichts Schlechtes, doch gab es intelligente Aufschneider, und es gab die anderen.

Ich erinnerte mich an den kürzesten Intelligenztest der Welt, über den ich mal in einer Frauenzeitschrift gelesen hatte. Er bestand nur aus drei Fragen, und natürlich hatte ich ihn mit Bravour bestanden.

Jedenfalls nachdem ich mir die Antworten angeschaut hatte.

»Ich kenne da ein kleines Quiz«, sagte ich. »Also pass auf, ein Schläger und ein Ball kosten zusammen einen Euro zehn Cent. Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?«

»Äh, na, zehn Cent.«

»Wenn der Schläger einen Euro mehr kostet, würde er allein schon einen Euro und zehn Cent kosten, oder?«

»Was?«

Bevor hier jetzt jemand den Taschenrechner rausholt, die richtige Antwort lautet: Der Ball kostet fünf Cent, der Schläger einen Euro und fünf Cent, macht zusammen einen Euro zehn. Ich bin übrigens Christine Purwien, die Frau, die alles kommentiert, korrigiert und konterkariert, was Tomasa so von sich gibt.

Christine

Die anderen beiden Fragen konnte ich mir wohl sparen. Vielleicht war das auch der falsche Ansatz.

»Was würdest du wählen? Die wahre Liebe oder einen Sechser im Lotto?«, fragte ich stattdessen.

»Den Sechser im Lotto.« Bernd antwortete so schnell, dass es ehrlich sein musste. »Und du?«

»Ich war nie sonderlich an Geld interessiert.«

»Jetzt hab ich ebenfalls eine Frage«, sagte er und nahm meine Hand. »Bringst du mich wie mein Porsche in drei Sekunden von null auf hundert?«

Nun lupfte ich eine Augenbraue, denn ich befürchtete, dass er danach genauso schnell wieder bei null landete. Man kennt ja diese Bodybuilder, bei denen jeder Muskel riesig ist, bis auf den einen, auf den es ankommt.

»Ich geh dann wohl besser«, sagte ich und stand auf.

»He, warte doch mal.«

Ich wartete nicht. »Sorry, meine Zeit ist zu kostbar für Typen wie dich.«

Kaum hatte ich die Hotelbar verlassen, vibrierte mein Smartphone. Eine Nachricht von Bernd bei Tinder.

Ich bin eine Granate im Bett!

Wer das behauptet, stellt sich meist als Rohrkrepierer heraus, tippte ich und blockierte ihn.

Daheim angekommen, legte ich mich ins Bett.

An Schlaf war allerdings nicht zu denken. Ich verstand die Männer einfach nicht!

Als ich dennoch ganz Tinder leer gewischt hatte, ging ich an unsere Bar, nahm den vierunddreißig Jahre alten Macallan meines zukünftigen Ex-Manns und schenkte mir das Glas randvoll.

Den ersten Schluck goss ich seiner Yuccapalme ein, nur um ihm zu beweisen, dass er keinen grünen Daumen hatte. Den zweiten genehmigte ich mir selbst.

Es wurde höchste Zeit, hier rauszukommen, das war keine Ehe, das war ein Gefängnis.

Es war eine Ehe minus.

Doch ich wollte die wahre Liebe.

Die würde ich bei Tinder nicht finden, soviel war jetzt klar.

Also war es Zeit für Plan C.

Der ideale Mann:

der Mann, von dem alle Frauen träumen und den keine kennt.

Anna Magnani, italienische Schauspielerin

03 Ludwigshafen, 31. Oktober

Ich nahm mein Telefon und wählte die Nummer meiner besten Freundin Christine. Sie meldete sich sofort, kein Wunder, auch sie war unglücklich verheiratet.

»Weißt du noch, wie wir damals auf Ibiza gewesen sind?«, begann ich, weil ich wusste, dass sie die Vergangenheit genauso verklärte wie ich. Schließlich waren wir dieses Jahr beide vierzig geworden, da war es nun mal schöner, in der Vergangenheit zu schwelgen, statt in die Zukunft zu schauen. »Und erinnerst du dich noch an Las Vegas?«

»Ich hab meine musikalische Karriere beendet«, antwortete sie. »Und du weißt genau, dass es sinnlos ist, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Wir veröffentlichen unser neues Album, und das war es dann.«

»Und für die Promotion des Albums gehen wir zusammen auf Chinatournee. Peking, Shanghai, Hongkong.« Ich strahlte ins Telefon. »Was meinst du?«

»Hans lässt mich niemals gehen, er wird immer so depressiv, wenn er morgens nicht seine beiden weichgekochten Bioeier bekommt. Und vom Abendessen rede ich gar nicht erst.«

»Ich denke, du hast die Scheidung eingereicht?«

»Deswegen darf ich mir erst recht keine Fehler erlauben.«

Sie seufzte. »Immerhin geht es um das Sorgerecht für Hugo.«

Hugo war der Rauhaardackel von Christine, und ich musste zugeben, er war wirklich knuddelig, liebenswert und treuherzig.

Und das, obwohl er ein Mann war.

Wobei Hunde ohnehin intelligenter sind als Menschen, schließlich akzeptieren sie weibliche Führungskräfte und haben nicht den ganzen Planeten mit Autobahnen, Chemiefabriken und Atomreaktoren überzogen.

»Wenn du Hugo mit nach China nimmst, entwöhnt er sich von deinem zukünftigen Ex-Mann«, sagte ich.

»Einen Hund mit nach China zu nehmen, ist ja wohl ähnlich bescheuert wie eine Maß Bier aufs Oktoberfest. Die überlebt keine fünf Minuten.«

»Das ist nur der übliche westliche Kulturimperialismus«, entgegnete ich. »China ist ein modernes Land. Die essen keine Hunde. Höchstens Schlangen und Spinnen und Kakerlaken, weil die viel nahrhafter sind als Chicken McNuggets.«

»Alles ist nahrhafter als Chicken McNuggets, selbst die Kartonbox, in der sie stecken. Außerdem lenkst du ab. Es gab doch damals diesen Dokumentarfilm. In China essen sie Hunde.«

»Das war kein Dokumentarfilm, sondern eine dänische Actionkomödientragödie, großartiger Film, Tarantino wäre stolz darauf.« Ich winkte ab. »Im ganzen Film wurde kein einziger Hund gegessen.«

»Ein Beweis ist das noch lange nicht!«

»Stimmt, dann sind wir uns ja einig«, sagte ich. »Der Flug geht morgen um fünf Uhr nachmittags.«

Christine schnaufte auf. »Bist du ein Mann, dass du glaubst, über mein Leben bestimmen zu können?«

»Natürlich nicht«, widersprach ich. »Aber weißt du noch, wie wir damals in den fünf neuen Ländern gespielt haben, kurz nachdem die Mauer gefallen ist?«

»O ja«, seufzte Christine. »Es war wie eine Entjungferung auf der Bühne. Für das Publikum war alles neu, sie waren wie frisch verliebt.«

»Und jetzt schau dir heute mal ein Konzert selbst der besten Liveband an. Alle sind mehr oder weniger gelangweilt, egal ob sie oben auf der Bühne stehen oder unten im Publikum. Und von denen auf den Sitzplätzen rede ich besser gar nicht. Man tänzelt ein bisschen herum, trinkt zwei Bier, um in Stimmung zu kommen, und ruft am Ende laut ›Zugabe‹, weil der eine Song bisher nicht gespielt wurde, auf den man wartet. Selbstverständlich wird der dann trotzdem nicht gespielt.« Ich legte ein wenig Verzweiflung in meine Stimme. »Ich will mal wieder vor Publikum spielen, das nicht übersättigt ist, sondern enthusiastisch.«

»Und warum ausgerechnet China?«

»Weil dort alles aus dem Westen cool ist. Das ist wie damals in der ehemaligen DDR. Also was ist, bist du eine Memme, oder bist du eine mutige Frau?«

»Ich kann hier nicht weg«, sagte sie. »Es tut mir leid.« Und dann legte sie auf.

In unserer hektischen Welt muss man ab und an innehalten,

um sich in aller Ruhe etwas Unanständiges auszudenken.

B. Traven, Pseudonym eines deutschen Bestsellerautors

04 Ludwigshafen, 31. Oktober

Ich war schon als Kind stur gewesen, so hatte ich mich in der ersten Klasse geweigert, dem Nikolaus etwas vorzutragen, weil ich fand, dass man das Auswendiglernen von irgendwelchen Gedichten nicht mit Unmengen von Süßigkeiten belohnen sollte.

Genau genommen hatte ich es total verschwitzt, etwas auswendig zu lernen, aber dank meiner Intervention hab ich damals trotzdem Süßigkeiten bekommen.

Und die Kinder, die etwas auswendig gelernt hatten, fanden plötzlich nur Mandarinen und Erdnüsse in ihren Nikolausstrümpfen.

Moralische Überlegenheit siegt eben immer. Jedenfalls wenn sie mit Egoismus gepaart ist.

Also gab ich auch jetzt nicht auf, sondern rief Christine erneut an.

Natürlich mit unterdrückter Rufnummer, sonst wäre sie ja nie rangegangen.

»Ich bin’s noch mal«, meldete ich mich. »Die Leitung war irgendwie gestört.« Es ist immer gut, dem Gegenüber einen Ausweg anzubieten. »Hugo fliegt mit uns, der muss nicht in den Frachtraum.«

»Das ist ja wohl das Mindeste.«

Bei manchen Flügen nach Mallorca zwischen ein paar besoffenen Kegelklubs wäre ich zwar im Nachhinein lieber im Frachtraum geflogen, das behielt ich jedoch besser für mich.

Immerhin diskutierten wir jetzt wieder über den Flug.

»Also wegen Hugo musst du dir schon mal keine Gedanken machen«, redete ich weiter. »Ich verspreche dir, wir lassen ihn keine Sekunde aus den Augen.«

Christine räusperte sich. Das machte sie immer, wenn es etwas Unangenehmes zu beichten gab. »Ich hab kein Geld, das reicht nicht mal mehr, um Steuern zu hinterziehen.«

»Das ist bei mir nicht anders.«

»Ja, bei mir ist bloß totale Ebbe. Meine letzte Geschäftsidee hat nicht zu hundert Prozent funktioniert.«

Ich schloss die Augen. »Du bist mal wieder pleite.«

»Yep«, erwiderte Christine. »Mein zwanzigster Bankrott, auch irgendwie ein Jubiläum.«

»Was war es diesmal?«

»Purwieni-Sticker.«

»Was, Panini-Sticker?«

»Nein, Purwieni, wie Purwien.« Sie seufzte. »So Sammelsticker eben.«

»Und was war darauf abgebildet? Fußballer? Die Chippendales? Die Jungs mit Sixpack, aber ohne Hirn, die der Bachelorette im Fernsehen hinterhersteigen?«

Christine räusperte sich schon wieder. »Es waren … Ach, ist doch egal, ich bin pleite, reicht das nicht?«

»Du bist meine beste Freundin«, sagte ich. »Wem willst du es erzählen, wenn nicht mir?« Ich bin nämlich nicht nur stur, sondern auch verdammt neugierig. »Ich sag es ganz bestimmt nicht weiter.«

Du bist eine verdammte Tratschtante. Hätte ich gewusst, dass du das in einem Buch mit Millionenauflage verbreitest, hätte ich dir es nie erzählt!

Christine

Keine Angst, wahrscheinlich sind die Einzigen, die das Buch lesen, die Lektorin und wir beide. Tomasa

»Also gut«, sagte Christine. »Ich hab Zigarettenwarnbilder zum Sammeln verkauft.«

»Wer soll die denn, bitte schön, sammeln?«

»Das war der Vorschlag einer künstlichen Intelligenz, also hab ich es nicht infrage gestellt …«

»Welche künstliche Intelligenz?« Ich ahnte das Schlimmste. »Deep Blue? Ein chinesischer Superrechner? HAL 9000?«

»Die künstliche Intelligenz meinte, das seien die meistgedruckten Bilder der Welt, also gebe es offensichtlich eine riesige Nachfrage und …«

»Das klingt nicht nach künstlicher Intelligenz, das klingt nach künstlicher Dummheit. Lass mich raten, du hast Siri nach einer Geschäftsidee gefragt.« Ich seufzte auf. »Oder Alexa? Warum nicht gleich Anna von IKEA?«

Christine atmetet hörbar durch die Nase. »Siri meinte, sie sei sich absolut sicher.«

»Donald Trump war sich ebenfalls absolut sicher, dass Belgien eine Stadt ist.«

Und das ist auch so! Alles andere sind Fake News!

Donald Trump

»Ich bin aber kein US-Präsident und kann irgendjemanden bescheißen, um mir mein Geld zurückzuholen. Also kann ich nicht mitkommen.« Sie seufzte. »Mach’s gut, ich …«

»Das Goethe-Institut bezahlt alles.«

Ich konnte Christines ungläubigen Gesichtsausdruck beinah durchs Telefon sehen.

»Falls wir jemals entdeckt werden, hätte ich eher an das Harald-Glööckler-Institut gedacht oder an die Minderbegabtenhochschule in Bochum-Langendreer.«

»Es ist aber das Goethe-Institut«, erwiderte ich. »Vielleicht ist ihnen aufgefallen, dass sie die letzten hundert Jahre nur Männer gefördert haben oder Bands, die ausschließlich auf Englisch singen, jedenfalls sind wir jetzt an der Reihe.«

»Und warum hast du mir das nicht gleich erzählt?«

»Es sollte eine Überraschung sein.«

»Und wie willst du die ganzen Synthesizer nach China bringen?«

»Ich beschränke mich auf das Nötigste, zwei, drei Koffer …«