5,99 €
Seit Jahrzehnten gehen die Spermien zurück, aktuell um ca. 2 Prozent pro Jahr, und auch das männliche Sexualhormon, das Testosteron, sinkt. Gemessen an diesen beiden Produkten ist schon ca. die Hälfte der Hodenfunktion verloren, entsprechend einer immer ausgeprägteren chemischen Kastration. Diese Kastration geschieht im ersten Schwangerschaftsdrittel an den ungeborenen Jungen. In dieser hochempfindlichen Phase wird die Hodenentwicklung durch Umweltgifte dauerhaft behindert, namentlich durch Zusatzstoffe im Plastik, welche vor allem über die Lebensmittelverpackungen in die Lebensmittel und dann in unseren Körper gelangen. Dieselben Schadstoffe erhalten wir auch aus Kosmetika, Plastikobjekten, synthetischen Textilien, Elektronik, Kunstrasen und Hausstaub. Pestizide gehören in eine andere Stoffklasse, wirken jedoch teilweise ganz ähnlich. Die Wirkung trifft den gesamten männlichen Nachwuchs, aber darunter überproportional die Söhne von Kosmetikerinnen und Friseurinnen, welche häufig mit Phthalaten in Kontakt kommen, und dann vor allem die Bauernsöhne, welche schon vor der Geburt den Pestiziden ganz besonders ausgesetzt sind. Der Effekt hält lebenslang an. Verminderte Spermien vermindern nur die Fruchtbarkeit. Die Enttestosteronisierung hingegen hat weit mehr Konsequenzen: In vielen Ländern nimmt Impotenz zu, und gleichzeitig nehmen nicht nur sexuelles Interesse und sexuelle Aktivität ab, sondern auch der Unterschied der Geschlechtsidentitäten mit Verunsicherung und Diskussion über Geschlechtsrollen und Zunahme von Bi- und Asexualität. Testosteronmangel begünstigt auch Übergewicht, von dem jedes Kilo ein Prozent Testosteron (und ein Jahr Potenz) kostet, was wiederum das Übergewicht verstärkt, ein Teufelskreis. Schon bei jedem sechsten Paar bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, und bis 2050 werden Babys wohl überwiegend künstlich empfangen. Während diese chemische Kontrazeption beim Mann durchaus im Interesse des geplagten Planeten liegt, sind weitere Folgen der chemischen Vergiftung weniger erwünscht: Besorgniserregend sind vor allem die Zunahmen von Kinder- und Hodenkrebs, sowie von Verhaltens- und Lernstörungen bei Kindern, von denen Pädagogen und Schulen berichten, allerdings, ohne bisher diese Giftstoffe zu erwähnen. Ausgehend von diesen wissenschaftlichen Befunden stellt sich die Frage, ob weitere zeitgeistige Erscheinungen durch den Testosteronmangel mitverursacht sein könnten. Den Alarmrufen aus Wissenschaft und Fachgesellschaften steht die Trägheit von Industrie, Behörden und veralteten Vorschriften gegenüber, unterstützt von der blauäugigen Fraktion, welche die Augen vor den «facts of life» verschliesst. Diese Schrift will den Entscheidungsträgern in Teppichetagen und Politik nahelegen, dass auch sie und ihr Nachwuchs von der chemischen Kastration nicht verschont bleiben. Auch Pädagogen, Juristen, Gendermediziner und selbst die Armeeführung sind aufgerufen, die Rolle der chemischen Disruption nicht auszublenden, und sich vielleicht sogar für Massnahmen an der Ursache einzusetzen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 273
Veröffentlichungsjahr: 2025
Testosteronkollaps
Ursachen- Folgen - Schutz
Dr. med. Lukas Fierz
(Ergänzte Neufassung von "Kastriert im Mutterleib" und "Endokrine Disruptoren", update vom 18.1.2026)
Copyright © 2026 Dr. med. Lukas Fierz
Website: www.lukasfierz.com
ISBN Softcover: 978-3-384-71273-8
ISBN Hardcover: 978-3-384-71274-5
ISBN: E-Book: 978-3-384-71275-2
Ergänzte Neufassung von "Kastriert im Mutterleib" und "Endokrine Disruptoren" (2025)
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5,
22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.d-nb.de
Dieses Buch verweist in der Printausgabe und in der elektronischen Ausgabe auf externe Links im World-Wide-Web. Wir erklären ausdrücklich, dass wir auf die Gestaltung dieser externen Links keinen Einfluss haben. Deshalb distanzieren wir uns ausdrücklich von den Inhalten dieser Seiten und machen sie uns nicht zu eigen. Diese Erklärung gilt für alle in diesem Buch angezeigten Links und für alle Inhalte der verlinkten Seite.
Testosteronkollaps
Ursachen - Folgen - Schutz
Alle sind Versuchskaninchen
Dr. med. Lukas Fierz
(Ergänzte Neufassung von "Kastriert im Mutterleib" und "Endokrine Disruptoren", update 18.1.2026)
«La réalité dépasse l’imagination»
Seit Jahren liest man von einem Rückgang der Spermien. Inzwischen ist klar, dass auch das Testosteron zurückgeht. Das kommt auf eine fortschreitende Kastration heraus. Sie geschieht schon im Mutterleib durch Umweltschadstoffe.
Diese Fragen schienen eher theoretisch, bis wir im engeren Familienkreis durch Auswirkungen betroffen wurden. Die Diskretion verbietet Details. Damals habe ich mir geschworen, irgendwann anzutreten gegen die chemische Gewalt, welche wir der Natur und unserer Jugend antun.
Um die Übersicht nicht zu verlieren, konzentrieren wir uns auf Testosteron, Plastik und Phthalate. Pestizide und andere Problembereiche werden kürzer zusammengefasst.
Die ersten Fassungen dieses Büchleins hiessen "Kastriert im Mutterleib" und dann "Endokrine Disruptoren". Danach fiel mir der aussagekräftigere Titel "Testosteronkollaps" ein.
Um das vielgestaltige Material in eine Form zu bringen, liess ich mich von den Haydn’schen Streichquartetten leiten.
Ermutigung und Korrekturen erhielt ich vor allem von Prof. Dr. med. Klaus Neftel, der das fertige Produkt leider nicht mehr erlebt hat, dann von Dr. sc. tech. und Dipl.Ing. agr. ETH Marianne Bodenmann, Dr. Hans Fierz, Rahel Fierz-Schmidhauser, Maria Gervasi, Dr.med. Magdalena Hamberger, Dr. phil. René Hauswirth, Prof. Jochen Hellbeck, Prof. Dr. med. Reto Krapf, Dr. med. Hermann Maurer, Dr. med. Hans L. Rieder, Dr. med. Jacques Schiltknecht, Kathrin Schäppi, Edgar Schuler und Prof. Dr. med. Beat Steinmann. Ihnen allen schulde ich Dank.
Neue Erkenntnisse machten eine Neufassung der Kapitel 3, 26 und 66 bzw. dieses Update von 18.1.2026 nötig.
L.F., 18. Januar 2026
Cover
Halbe Titelseite
Urheberrechte
Titelblatt
I. BLIND FÜR DIE CHEMISCHE KASTRATION?
Kap. 1: Spermien, Testosteron und Minenfelder
Kap. 2: Nur künstliche Befruchtung und Retorte ab 2045?
Kap. 3: Testosteron weltweit im Keller
Kap. 4: Wahrnehmungsstörungen
Kap. 5: Machen sich Böcke zum Gärtner?
Kap. 6: Wirkung
II. WAS TESTOSTERON ANSTELLT
Kap. 7: Testosteron macht den Mann
Kap. 8: Testosteron und Körperbau
Kap. 9: Testosteron und Spielverhalten
Kap. 10: Ein Naturexperiment
Kap. 11: Testosteron organisiert und aktiviert
Kap. 12: Testosteron und Aggression im Tierreich
Kap. 13: Aggressionstrieb und zwei Aggressionsformen
Kap. 14: Reaktive und proaktive menschliche Aggression
Kap. 15: Aggression im Geschlechtervergleich
Kap. 16: Testosteron, Sexualität und Alter
Kap. 17: Hormone und Paarbindung
Kap. 18: Testosteron, Tiefenpsychologie und Gehirn
Kap. 19: Hormone im Selbstversuch
Kap. 20: Unbewusste Steuerung
Kap. 21: Testosteron als Botschaft
III. PHTHALATE REDUZIEREN TESTOSTERON
Kap. 22: Altbekannte Gründe genügen nicht
Kap. 23: Entwicklungsstörung als Schlüssel
Kap. 24: Weichmacher aus Plastik und Kosmetika
Kap. 25: Testosteron im Mutterleib und anogenitale Distanz
Kap. 26: Phthalatwirkungen beim Menschen
Kap. 27: Extragenitale Effekte und Verhaltensstörungen
Kap. 28: Gestörte chemische Signalisation im Zellstaat
Kap. 29: Plastikmüll und Mikroplastik
IV. ENTTESTOSTERONISIERTE MÄNNER
Kap. 30: Auswirkungen des Testosteronrückgangs
Kap. 31: Wertung der Befunde
Kap. 32: Ja, die Böcke machen sich zum Gärtner
Kap. 33: Sinkende Geburtenraten
Kap. 34: Wirtschaft, Renten und Geburtenpolitik
Kap. 35: Fahrlässige Zauberlehrlinge
Kap. 36: Weitere Schadstoffe, Krebs und Parkinson
Kap. 37: Der Club of Rome sah es voraus
V. HANDLUNGBEDARF
Kap. 38: Einstimmige Fachleute
Kap. 39: Verharmlosende Behörden
Kap. 40: Kastration und Recht
VI. HANDLUNGSFELDER
Kap. 41: Unverpackt, Glas, Keramik, Edelstahl sind sicher
Kap. 42: Prioritäten und Pioniere
Kap. 43: Der Wahnsinn der Mineralwasser
Kap. 44: Der Wahnsinn der Softdrinks
Kap. 45: Bio in Plastik ist Schwindel: Milch und Fleisch
Kap. 46: Checkliste für individuelles Handeln
Kap. 47: Die Rolle der Gemeinschaft und des Staates
Kap. 48: Kosten des Umstiegs
Kap. 49: Die Kosten der Untätigkeit trägt die Jugend
Kap. 50: Fazit: Niemand ist vor Kastration geschützt
VII. KOMPLIKATIONEN UND TABUS
Kap. 51: Disruptoren sind mehr als «normale» Gifte
Kap. 52: Gleitende Normen bei den Spermien
Kap. 53: Testosteron als Lifestyle-Droge
Kap. 54: Forschungsansätze
Kap. 55: Behörden, Handel und Betroffene
Kap. 56: Die Fälle Hooven und Vollbrecht
Kap. 57: Die Tabuisierung der Biologie
Kap. 58: Erlebte Cancel-Kultur
Kap. 59: Die Tabuisierung der Naturwissenschaft
VIII. ENTTESTOSTERONISIERTE WELT
Kap. 60: Erweiterte Optik
Kap. 61: Die enttestosteronisierte Armee
Kap. 62: Die Konstruktion von Attrappen
Kap. 63: Das neue Skript
Kap. 64: Enttestosteronisierte Menschheitsgeschichte
Kap. 65: Das Patriarchat im Affenreich
Kap. 66: Vertreibung aus dem Paradies und Statistik
Kap. 67: Enttestosteronisierte Schweizergeschichte
Kap. 68: Realistisches Menschenbild gesucht
Kap. 69: Die Realität heisst Dr. Jekyll and Mr. Hyde
Kap. 70: Junge Männer und Kriegsindex
Kap. 71: Wo Frauen besser sind
Kap. 72: Der Mann als Defektvariante
Kap. 73: Fall des Patriarchats und Konstruktumkehr
IX. ENTTESTOSTERONISIERTE POLITIK
Kap. 74: Territorialität bei Tier und Mensch
Kap. 75: Ausbleibende Territorialkontrolle
Kap. 76: Der blauäugige Glaube an den guten Menschen
Kap. 77: Wetterleuchten
Kap. 78: Deutschland schafft sich ab
Kap. 79: Formen der Migration und verdrängte Zahlen
Kap. 80: Sarrazin wird zum Fall
Kap. 81: Klärung durch Ibsen
Kap. 82: Sarrazin als Volksfeind
Kap.83: Die Keulen
X. GUTSEIN ALS KRIEGSGRUND
Kap. 84: Propaganda versus Sun Tzu
Kap. 85: Ein anderer Blick
Kap. 86: Was Deutschland nicht wissen will
Kap. 87: Was Russland nicht vergisst
Kap. 88: Ein blinder Fleck und eine Beschönigung
Kap. 89: Alkohol, Testosteron, straffreie Täter
Kap. 90: Napoleon und der erste Weltkrieg
Kap. 91: Die harmlosen Grünen
Kap. 92: Expandierende NATO
Kap. 93: Die röteste aller roten Linien: Ukraine
Kap. 94: Der Wolf im Schafspelz der NATO
Kap. 95: Die Angriffsdistanz des russischen Bären
Kap. 96: Wie klug ist es, kein Putinversteher zu sein?
Kap. 97: Enttestosteronisierte Naivität als Kriegsgrund
Kap. 98: Eskalation und Deeskalation
XI. SPERMIEN, TESTOSTERON, ZUKUNFT
Kap. 99: Blindflug in der kontrollierten Halluzination
Kap. 100: Die Zukunft der endokrinen Disruption
Kap. 101: Demographischer Migrationsdruck
Kap. 102: Ein Schritt zurück
Kap. 103: Epilog aus Affensicht
XII. ZUSAMMENFASSUNG
LITERATUR
Index
Cover
Urheberrechte
Titelblatt
I.BLIND FÜR DIE CHEMISCHE KASTRATION?
Index
Cover
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
I. BLIND FÜR DIE CHEMISCHE KASTRATION?
Endokrine Disruptoren führen zu einer fortschreitenden chemischen Kastration mit Rückgang von Spermien und Testosteron. Dass diese ohne den öffentlichen Aufschrei abläuft, den z. B. die COVID-Impfung ausgelöst hat, das ist das Merkwürdigste an dieser merkwürdigen Geschichte.
Wer nur die Folgen dieser Kastration kennen will, springe zu Kapitel 30: «Auswirkungen des Testosteronrückganges» und bekommt das Wesentliche mit. Wer wissen will, warum und wie diese Kastration abläuft, liest weiter.
Kap. 1: Spermien, Testosteron und Minenfelder
Von Anfang an: Als ich im Kindergarten war, wünschte ich mir eine Puppe. Mama reagierte befremdet. Ich verstand das nicht. Nach besorgten Konsultationen mit der Grossmutter erhielt ich wenigstens einen grossen Teddybären. Die Urgrossmutter machte ihm ein Bettchen mit Bettlaken, Daunendecke und Kopfkissen, wie es sich gehört.
Ist es mir zu verargen, dass ich mich seither für geschlechtsspezifisches Spielverhalten interessiere, für Hormone und überhaupt für die Steuerung des Verhaltens? Jahrzehntelang verfolgte ich die aufregenden Forschungsergebnisse über das Testosteron, seinen Einfluss auf Körperbau und Geschlechtsbestimmung, oder auf Spielverhalten und Charakter. Amüsiert nahm man zur Kenntnis, dass Missionare einen tieferen Testosteronspiegel haben als Football-Spieler, oder, dass das Testosteron beim Tangotanzen sowie nach einem Fussballsieg ansteigt.
Das war rein privates Interesse, und nie wäre mir in den Sinn gekommen, darüber zu schreiben. Jetzt aber haben wir einen neuen Tatbestand:
Weltweit ist die Spermienzahl auf etwa die Hälfte gesunken, so steht es in den Medien.
Auch das männliche Sexualhormon, das Testosteron, nimmt ähnlich ab. Davon hört man kaum, was eigentlich überrascht: Während die Spermienzahl fast nur die Fruchtbarkeit betrifft, und auch diese vorerst noch nicht wesentlich, sind die Effekte des Testosteronrückgangs vielfältiger und einschneidender: Sie betreffen zwar auch die Fruchtbarkeit, dazu aber den Körperbau und das Verhalten. Deshalb müsste die Testosteronabnahme interessante individuelle und vielleicht sogar gesellschaftliche Auswirkungen haben. Nur wird das Thema – wenn überhaupt – höchstens in vorsichtigen Andeutungen angesprochen, weil man in den Minenfeldern von Geschlechterdiskussion und politischer Korrektheit Kopf, Kragen und Position riskiert.
Damit wird nicht nur eines der spannendsten Kapitel der modernen Biologie verpasst, sondern vor allem bleibt man blind für jenes Experiment, dem heute jedes männliche Menschlein ungefragt schon im Mutterleib unterzogen wird: die schleichende chemische Kastration.
Mich interessierten diese Themen schon, als es weder ideologische Geschlechterdiskussionen noch politische Korrektheit gab. Überdies habe ich nichts zu verlieren. Aber wie sollte man es erzählen?
Ein Arzt erlebt die Grenzen des Lebens. Dabei kann er die Tiernatur des Menschen nicht übersehen, und wenn er in die Politik hinaustritt, sieht er in der Partei den Herdentrieb und im Parlament den Affenfelsen – Säugetierverhalten überall. Und nach Jahren in Seziersaal, Labor, Intensivstation und Irrenhaus glaubt er nicht mehr daran, dass alles stimmt, was einleuchtet und hütet sich vor allem vor hehrem Selbstbetrug.
Und nachdem ihm ein Leben lang lauthals vorgehalten wurde, dass ihm als Schul- und Organmediziner der Sinn für das «Ganzheitliche» abgehe, hat er keine Lust, ein gepflegt objektives Sachbuch vorzulegen, das in den abgezirkelten Rahmen von Fachdisziplinen passt, sondern dann liefert er es, dieses Ganzheitliche, in seiner ganzen Pracht, vom Embryo bis zum Sarg, vom Körper bis zur Seele, von der Einzelzelle bis zur Bibel, Geschichtsschreibung und Geopolitik. Und wenn Empörung droht, wohlan, so sei sie Kompliment.
Noch einmal: Wer es gerne einfacher hat, springe zu Kapitel 30: «Auswirkungen des Testosteronrückganges» und bekommt das Wesentliche mit.
Kap. 2: Nur künstliche Befruchtung und Retorte ab 2045?
Ab 2045 könnten die meisten Paare Babys nur noch mit künstlicher Befruchtung oder Retorte bekommen – so die Prognose von Prof. Shanna Swan in einem Interview mit dem englischen Guardian von 2021 [1]. Dies, weil die Spermienzahl seit Mitte des letzten Jahrhunderts um ein Prozent pro Jahr abnimmt [2], was bis 2045 eine für die natürliche Fortpflanzung ungenügende Spermienzahl erwarten lässt.
Prompt sprach eine prominente Autorität von «völliger Überinterpretation der Datenlage» [3], und eine führende Spermienforscherin meinte noch 2023, die Männer sollten sich keine Sorgen machen, denn Reproduktionsschwierigkeiten seien nur eine «Fantasie» [4].
Eine Woche später dokumentierte die neue grosse Übersichtsarbeit von Levine eine Beschleunigung der weltweiten Spermienabnahme auf über zwei Prozent pro Jahr [5]. Damit erschien die Prognose von Swan geradezu optimistisch, und die verharmlosenden Experten verstummten.
Inzwischen sind die Spermien bei weniger als 50 Prozent des Ausgangswertes. Nach 223 Untersuchungen an 57‘168 Männern in 53 Ländern ist das keine Fantasie mehr, und man spricht von einer Unfruchtbarkeitsfalle [6]. Immer mehr Spermien sind auch schlecht beweglich oder abnorm geformt. Auch in Deutschland befinden sich die Spermien in besorgniserregendem Zustand [7]. In der Schweiz haben nur noch 38 Prozent der militärisch Stellungspflichtigen Normalbefunde gemäss WHO-Kriterien [8], aber Kap. 52 wird zeigen, dass dieses Resultat geschönt ist. Besonders betroffen sind Söhne von Bauern, sowie von Friseurinnen und Kosmetikerinnen, was den Verdacht auf Pestizide und Phthalate lenkt [426]. Analoge Befunde findet man bei Labradorhunden [9], Pferden und Stieren [10].
Je geringer Spermienzahl und -Qualität, desto geringer die Lebenserwartung, der Unterschied kann fast 3 Jahre kosten [11].
Um die Öffentlichkeit auf das Spermaproblem aufmerksam zu machen hat ein 17-jähriger Student in Los Angeles das Spermienrennen erfunden, wo Teilnehmer ihre Spermien um die Wette schwimmen lassen, was sehr possierlich aussieht. Der erste Wettkampf im April 2025 war ein Riesenerfolg und soll nicht der letzte bleiben [12].
Erst später wurde man auf den Testosteronrückgang aufmerksam, der für den Spermienrückgang mitverantworltich sein muss, weil Testosteron für die Spermienbildung unerlässlich ist.
Kap. 3: Testosteron weltweit im Keller
Der Testosteronspiegel ist erblich festgelegt [13]. Höhere Werte findet man in Afrika, Russland und Zentralasien, niedrigere in Westeuropa und den USA [22]. In sieben von acht Langzeitstudien ist auch er rückläufig und zwar in Dänemark [14], Finnland [15], USA [16, 17, 18] Israel [19] und Brasilien [20]. Eine einzige Langzeitstudie fand keine Abnahme, dafür andere hormonelle Auffälligkeiten [21]. Die Abnahme ist seit den Siebzigerjahren nachgewiesen und beträgt in den vorliegenden Zeitfenstern auch ca. ein Prozent pro Jahr.
Auch ausserhalb von Langzeitstudien kann man Einzelmessungen an verschiedenen Kollektiven vergleichen. Die Website www.testosteronedecline.com liefert eine Zusammenstellung [22]: Drastisch ist der Abwärtstrend im Mittleren Westen der USA mit 40 Prozent in 30 Jahren. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung dieses «Brotkorbs der Nation» stellt auch dort Pestizide unter Verdacht. In den Küstenregionen der USA ist der Rückgang weniger ausgeprägt, was gegen eine Rolle von Dichtestress spricht
Eine neue Metaanalyse von Santi [440] verwertet über 1500 untersuchte Kollektive mit über einer Million Individuen aus allen Kontinenten. Dort betrug der Testosteronrückgang seit 1970 0,3-0,6 Prozent pro Jahr, d.h. insgesamt 25-35 Prozent und er hat sich neuerdings beschleunigt. Dazu geht auch das aus der Hirnanhangsdrüse stammende luteinisierende Hormon (LH) zurück. Dieses wird vom Gehirn gesteuert, regt die Testosteronproduktion an und würde bei einer primären Hodenschädigung ansteigen. Sein Abfall spricht dafür, dass die Ursachen des Testosteronabfalls primär (auch) im Gehirn und/oder der Hirnanhangsdrüse ansetzen.
Zu diesen Ursachen gehören Phthlate (Kap. 26) und Pestizide (Kap. 36), sie reduzieren die Testosteronproduktion [433] und machen durch Testosteronmangel verursachte Missbildungen der männlichen Geschlechtsteile (Hypospadie, Kryptorchismus)[437], beide reduzieren auch die Spermien [432].
Übergewicht wirkt anders, indem Fettgewebe das Testosteron zum weiblichen Sexualhormon Östradiol abbaut, wobei der Testosteronmangel das Übergewicht wiederum verstärkt, ein Teufelskreis. Phthalate (und andere Schadstoffe) können auch direkt zu Übergewicht führen und wirken dann zusätzlich auf diesem Weg (Kap. 30H).
Insgesamt haben wir es mit einem flächendeckenden Rückgang nicht nur der Spermien, sondern auch des Testosterons zu tun.
Weil der Testosteronrückgang zu Spermienrückgang führt, weil beide viele Ursachen teilen (Übergewicht, Phthalate, Pestizide, Stress, Haschisch) und weil sich beide beschleunigen, muss auch das Testosteron schon seit 1950 zurückgehen, wie die Spermien. Aus den Daten von Santi errechnet sich dann ein totaler Rückgang von 31-45 Prozent und aus den Langzeitstudien von über 50 Prozent, mit regionalen Unterschieden.
Um den Überblick nicht zu verlieren, konzentrieren wir uns zunächst auf Spermien und Testosteron, sowie auf die Giftklasse der Phthalate. Auf andere Hormone, Pestizide und Chemikalien sowie auf die Situation bei Frauen werden wir zurückkommen.
Bevor wir das Minenfeld der Testosteronwirkungen betreten und uns der Keule der politischen Korrektheit aussetzen, sei vermerkt, dass ich ein militanter Verfechter der weiblichen Emanzipation bin: Meine Urgrossmutter (diejenige, die das Bärenbettchen genäht hat) war die erste Telefonistin in ihrem Bergtal, das war noch im 19. Jahrhundert und hatte den Stellenwert von Computer Science.
Meine heissgeliebte Grossmutter Linda Fierz-David (diejenige, die wegen der Puppe konsultiert wurde, hier mit Terrier Jimmy) war Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Mädchen, das in Basel das Gymnasium besuchte, weil ihr Vater, der Basler Erziehungsdirektor, sie als Pilotprojekt für den Zugang der Mädchen benutzte.
Später hatte sie eine scharfe Zunge, ein eigenes Lancia-Cabriolet und eine elegante Damenpistole im Nachttisch. Alle mir bekannten weiblichen Vorfahren und alle Frauen in meinem Leben hatten eine qualifizierte Ausbildung und waren völlig eigenständig. Wenn wir hier von unterschiedlichen Fähigkeiten, Verhaltensweisen oder Rollen der Geschlechter sprechen, so geht es nicht um sexistische Standpunkte, sondern um das Verstehen von Eigenschaften.
Kap. 4: Wahrnehmungsstörungen
Dies gesagt, ist das Wirkungsfeld des Testosterons die Bestimmung des Geschlechts und des geschlechtstypischen Verhaltens. Und hier bestehen allerlei Wahrnehmungsprobleme: Von der muslimischen Welt über Russland bis hin zu den Rechtspopulisten Europas und Trumps Amerika werden Homosexualität und andere Varianten des Geschlechterverhaltens dämonisiert und zum populistischen Politikum gemacht. Trump hat sich den Kampf gegen die Wokeness auf die Fahne geschrieben, und die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat den «Kampf gegen den Woke-Wahnsinn» sogar ins Parteiprogramm aufgenommen [23]. Dabei lehrt die Biologie, dass viele dieser Varianten biologisch mitbestimmt sind. Die Betroffenen können nichts dafür, und es ist daran nichts zu ändern, weder mit Psychotherapie noch mit Politik.
Manche Linke und Grüne wollen dagegen die Geschlechtsrollen nur als soziales Konstrukt sehen. Vorhandene biologische Grundlagen werden negiert oder militant bekämpft. Das geht bis zum Zerstören von Karrieren, dazu später mehr. Damit wird die Chance vertan, sich mit der existierenden Biologie angemessen einzurichten. Und vor allem wird man die pikante Paradoxie der folgenden Überlegung nicht verstehen.
Kap. 5: Machen sich Böcke zum Gärtner?
Unmittelbarer Anlass, diesen Text zu schreiben, war der Abschied unseres damaligen bürgerlichen SVP-Bundesrates Ueli Maurer Ende 2022, bei dem er sich provokant und ablehnend zur Woke-Kultur äusserte. Das wirft eine pikante politische Frage auf: Die durchschnittliche Abnahme von Spermien und Testosteron überschreitet funktionell bereits eine Hemikastration (Entfernung eines Hodens) und wird wesentlich durch Umweltchemikalien mit toxischer und hormoneller Wirkung verursacht.
Dafür, dass die Vergiftung nicht aufhört, sorgen weltweit die Rechtsparteien: In Deutschland zum Beispiel blockierte die FDP ein Exportverbot für giftige Pestizide in die Dritte Welt. In den USA ist Trump daran, die Umweltbehörde EPA zu demontieren [24]. In der Schweiz torpedierte die Schweizerische Volkspartei (SVP) die Pestizid- und die Trinkwasserinitiative. Die Beispiele liessen sich mehren. Die gleichen Kreise treten gegen die vielbeschworene «Woke-Kultur» an.
Und was, wenn diese Woke-Kultur auf den Testosteronabfall zurückginge? Wären dann die Rechtsparteien über die Umweltvergiftung an eben jenem Woke-Wahnsinn mitschuldig, den zu bekämpfen sie vorgeben? Kurz: Machen sich da Böcke zum Gärtner? Diese Idee erschien so paradox und reizvoll, dass ich sie näher verfolgen und begründen wollte.
Wie zu berichten sein wird (Kap. 58), trafen diese Gedankengänge auf Widerstände und Unglauben. Deshalb werden die Aussagen lückenlos mit Literaturverzeichnis und Links belegt, welche Leserinnen und Leser selber überprüfen können.
Kap. 6: Wirkung
Es geht nicht darum, Böcke anzuprangern oder zu bekehren. Es geht darum, die Giftexposition zu vermindern.
Ein Arzt verdient seinen Lohn nicht mit dem Absondern gelehrter Meinungen, sondern nur mit der Verbesserung eines Zustandes. Dazu bedarf es der Diagnose. Erst danach kann man über Therapie reden. Wo stehen wir heute?
Die Probleme, um die es hier geht, sind seit über 30 Jahren bekannt. Geschehen ist wenig. Die Verantwortlichen reden sich mit angeblich unklarer Beweislage heraus. So werden die Folgen von Jahr zu Jahr schlimmer, obwohl die Untätigkeit rechts-, verfassungs- und grundgesetzwidrig ist.
Solange wir nur den ohnehin überzeugten vegetarischen Grünen und Linken predigen, werden wir keine entscheidungsfähigen Mehrheiten finden. Entscheide sind nur zu erreichen, wenn wir nicht nur von links bis rechts Konsumenten, Produzenten, Handel, Behörden, Politik und Medien mit ins Boot holen, sondern vor allem die Entscheidungsträger, die sich mit Mercedes und BMW zwischen Villen und Teppichetagen chauffieren lassen. Gerade diesen muss klar gemacht werden, dass die schleichende und illegale Kastration auch vor den Chefs und ihren Nachkommen nicht Halt macht. Soweit zum Therapieplan.
Bevor ein Arzt eine Therapie beginnt, sollte er ein messbares Therapieziel setzen: Was soll erreicht werden? Minimalziel wäre, dass ich im Tante-Emma-Laden um die Ecke wieder Milch, Käse und Fleisch ohne Plastik kaufen kann. Ein weiteres Ziel wäre, dass dies in vielen Läden möglich wäre. Ein weiteres, dass auch Grossverteiler mitmachen, damit jeder Verbraucher eine echte Wahl hat. Man kann weiterdenken, bis hin zum Verbraucherstreik gegen Mineralwasser und Plastikverpackungen und darüber hinaus bis hin zu kommunalem und staatlichem Handeln. Jeder Schritt schafft neues Bewusstsein und neue Möglichkeiten …
Die folgenden Kapitel sind kurz wie Zeitungsmeldungen, meist in sich abgeschlossen und können auch ausserhalb der Reihenfolge gelesen werden. Eilige Leser können direkt zu Kapitel 30, «Auswirkungen des Testosteronrückganges» springen. Für die anderen wollen wir so vorgehen:
Der nächste Abschnitt II bespricht die Rolle des Testosterons.
Abschnitt III zeigt die Wirkung von Plastik und Phthalaten auf Testosteron, Entwicklung und Verhalten.
Derzentrale Abschnitt IV (ab Kap. 30) überprüft, wo die Abnahme des Testosterons schon Auswirkungen hat, sei es auf Körper, Verhalten oder gesellschaftliche Einstellungen.
Die Abschnitte Vund VI stellen die Frage nach Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten, und Abschnitt VII holt einige vernachlässigte Gesichtspunkte nach.
Nach diesem naturwissenschaftlichen Pflichtpensum folgt noch die ganzheitliche Kür zu einigen zeitgeschichtlichen und politischen Fragen.
II. WAS TESTOSTERON ANSTELLT
Die Forschung über Testosteron und Verhalten bis ins Jahr 2000 hat das Ehepaar Dabbs im unterhaltsamen Klassiker «Heroes, Rogues, and Lovers: Testosterone and Behavior» zusammengefasst, der im Internet frei zugänglich ist [25]. Seither explodiert die experimentelle Forschung. Besonders fruchtbar sind Verhaltensstudien nach kleinen Testosterongaben. Den aktuellen Stand gibt Carole Hooven in «T wie Testosteron» [26]. Ein grossartiges Panorama über Hormone, Nervensystem und Verhalten liefert Robert Sapolsky in «Gewalt und Mitgefühl» [27].
Wir hingegen beschränken uns holzschnittartig auf das, was wir Ueli Maurer (und Donald Trump) sagen müssen.
Kap. 7: Testosteron macht den Mann
Das Testosteron kennt man seit 1935. Dieses winzige Molekül besteht aus 49 Atomen – 19 Kohlenstoff, 28 Wasserstoff, 2 Sauerstoff – und legt fest, ob wir Mann oder Frau werden. Es gibt einige Varianten mit etwas verschiedenen Wirkungsspektren [28], aber für unsere Zwecke fassen wir sie als «Testosteron» zusammen.
Im ersten Schwangerschaftsdrittel hat der männliche Embryo noch keine Hoden, produziert aber bereits Testosteron, welches die Entwicklung der Hoden erst anregt, die ihrerseits später grössere Mengen Testosteron produzieren und damit die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane und des männlichen Körperbaus auslösen [26]. Ebenfalls unter dem Einfluss von Testosteron steigen die Hoden in den Hodensack ab, wo sie die für die Spermienproduktion notwendige kühlere Temperatur vorfinden.
Ohne Testosteronwirkung und Hoden entwickelt sich der Embryo zu einer Frau. Dies beweist das Naturexperiment jener sehr seltenen Männer, welche aufgrund einer Störung des Testosteronrezeptors gegenüber diesem Hormon völlig unempfindlich sind. Diese Männer entwickeln sich körperlich und seelisch zu Frauen, nur Gebärmutter und Eierstöcke fehlen, und ihre verkümmerten Hoden verbleiben im Bauchraum [29]. Es gibt auch abgeschwächte Formen, wo die Entwicklung zum Mann unvollständig bleibt.
Auch Frauen produzieren kleine Testosteronmengen, aber die Werte sind beim Mann knapp zehnmal höher als bei Frauen und ohne Überschneidungen weit getrennt.
Kap. 8: Testosteron und Körperbau
In der späteren Entwicklung macht Testosteron die Knochen kräftiger, z. B. an Kopf und Gesicht, was zu den kantigeren männlichen Gesichtszügen führt. Dieser Unterschied wird nach Geschlechtsumwandlungen zu Spielfeld und Erwerbsquelle für plastische Chirurgen.
Testosteron macht die Muskulatur voluminöser, mit höherem Anteil an schnell kontrahierenden Muskelfasern [30]. In meiner Zeit als Oberarzt war ich in unserer Klinik für die mikroskopischen Muskeluntersuchungen zuständig. Muskeln sehen bei Mann und Frau gleich aus. Sie bestehen aus Muskelfasern, etwa so dick wie menschliche Haare, manche kontrahieren sich schnell, andere langsamer, man kann die beiden durch Spezialfärbungen unterscheiden.
Staunend sah man im Mikroskop, dass Männer mehr schnell kontrahierende Muskelfasern haben als Frauen, ein Vorteil beim Werfen oder beim Boxen und anderen Kampfsportarten. Die Muskeln der Frauen dagegen sind ausdauernder, ebenfalls ein Vorteil. Damals wurde das ohne ideologische Diskussion als weise Einrichtung von Mutter Natur zur Kenntnis genommen.
Die sportliche Leistungsfähigkeit ist bei Männern um 10 bis 20 Prozent höher, und die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität sogar um 25 bis 30 Prozent höher als bei Frauen [31].
Nach einer Geschlechtsumwandlung von Mann zu Frau bleibt ein muskulärer Vorteil teilweise erhalten [26], was zur Kontroverse führt, ob die Teilnahme von Transfrauen an sportlichen Wettbewerben für Frauen fair sei.
Testosteron reduziert beim Mann Körperfettanteil und die Neigung zu Übergewicht [32]. Bei Prostatakarzinom wird manchmal ein Testosteronentzug therapeutisch eingesetzt: Dies reduziert Muskelvolumen und Muskelkraft und erhöht den Körperfettanteil [33].
Kap. 9: Testosteron und Spielverhalten
Heutige Mode sieht Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern nicht als biologisch bestimmt, sondern als soziales Konstrukt, welches durch Erziehung und Sozialisation weitergegeben werde [34]. Altbekannte biologische Tatsachen werden als «Genderstereotypien» abgetan oder nicht mehr wahrgenommen, auch aus Angst vor Sozialdarwinismus [35]. Diesem ist allerdings nicht durch Verdrängung von Tatsachen beizukommen, sondern nur damit, dass man diese Tatsachen anerkennt und sich entsprechend einrichtet.
Schon ab Kindesalter ist die anatomische Gehirnstruktur bei Frauen und Männern etwas verschieden [36]. Frauen denken und verhalten sich in allen Kulturen durchschnittlich anders als Männer [37]. Sie sind sprachlich im Vorteil [38], ihre Geländeorientierung basiert mehr auf Wegmarken als auf einer abstrakten Planvorstellung, sie sind besser im Finden verlorener Gegenstände und in Feinmotorik, während Männer beim Werfen besser treffen und fangen oder bei gewissen Aufgaben mit Mathematik und Raumvorstellung im Vorteil sind; Diese geschlechtsspezifischen Vorteile schwanken sogar mit dem weiblichen Sexualhormon Östrogen im Zyklus oder mit dem Schwanken des Testosterons in den Jahreszeiten [39]. Frauen können Gesichtsausdrücke besser lesen [40] und sie haben eine bessere Einfühlung [41], wir werden später sehen, wie sie das einsetzen. Schon Vater Leopold Mozart bemerkte über die Geigerin Regina Strinasacchi: «Überhaupts finde ich, dass ein Frauenzimmer, das Talent hat, mehr mit Ausdruck spielt, als eine Mannsperson» (was sich bis heute an Geigerinnen wie Vilde Frang [42] oder Patricia Kopatchinskaja [43] bestätigt).
Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass die Verhaltensunterschiede der Geschlechter nicht nur durch Tradition, Erziehung und Sozialisation bestimmt sind, sondern auch durch die Biologie:
Zum Beispiel raufen sich viele junge männliche Säugetiere häufiger und heftiger als weibliche [44], man spricht vom sogenannten «rough and tumble play». Männliche Affenjungen bevorzugen Spielzeug mit Rädern, während die weiblichen lieber mit Puppen [45, 46] oder noch jüngeren Affen spielen [47]. Eine einzige Studie aus dem Jahr 2023 fand diesen Unterschied nicht [48], es ist darauf zurückzukommen (Kap.30 G).
Auch bei den Menschen prügeln sich Jungen häufiger [49, 50]. Sie spielen lieber mit Spielautos, Bällen, Schwertern und Spielzeugschusswaffen [51], und zwar schon im ersten Lebensjahr [52]. Dafür sprechen Mädchen früher und bevorzugen Kochtöpfe und Puppen. Wie männlich bzw. weiblich ein Spiel ist, lässt sich in Tests messen [53].
Kap. 10: Ein Naturexperiment
Es gibt nicht nur die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auch innerhalb des Geschlechtes von Mann und Frau gibt es je ein Spektrum: Jungen z. B. können sehr männlich sein, oder sie können sich für Puppen und Teddybären interessieren.
Bei den Frauen gibt es ein Naturexperiment, das für den Einfluss der Biologie spricht: Bei Mädchen mit dem sog. adrenogenitalen Syndrom produzieren die Nebennieren vor der Geburt zu viel Testosteron. Nach der Geburt kann der erhöhte Testosteronspiegel durch Behandlung normalisiert werden, so dass man bei diesen Kindern herausfinden kann, was Testosteron vor der Geburt bewirkt:
Seit bald einem halben Jahrhundert wird berichtet, dass das Spielverhalten dieser Mädchen dem von Jungen ähnelt [54]: z. B. bevorzugen sie Ballspiele vor Puppen [55, 56], obschon sie wie andere Mädchen lieber unter weiblichen Spielkameradinnen bleiben. Eine neuere kritische Übersicht von Berenbaum berücksichtigt auch gesellschaftliche Aspekte und ist im Internet frei zugänglich [57].
Solche Varianten gibt es auch ausserhalb des adrenogenitalen Syndroms. Beispielsweise führt ein hoher Testosteronspiegel der Mutter in der Schwangerschaft bei Mädchen zu männlicherem Spielverhalten, welches nicht durch soziale Einflüsse erklärt werden kann [58], und das Testosteron eines männlichen Zwillings macht die Zwillingsschwester später etwas aggressiver [59].
Kap. 11: Testosteron organisiert und aktiviert
Die Beobachtungen am frühen Spielverhalten bei Tier und Mensch sind nicht erklärbar mit alleiniger Festlegung des Geschlechtsverhaltens durch äussere Einflüsse. Das ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde schon 1979 von Annemarie Allemann-Tschopp im mittlerweile klassischen Buch «Geschlechtsrollen» [55] zusammengefasst, ohne dass sich jene erhitzten Diskussionen entzündeten, welche das Thema heute auslöst. Die Biologie existiert doch.
Der Einfluss des Testosterons ist zweiphasig:
Bereits vor und um die Geburt herum hat es eine organisierende Wirkung auf Gehirn und Verhalten: Nicht nur das Spielverhalten, sondern auch der spätere Trieb der Männchen, ihre Weibchen zu bespringen oder zu besteigen, bzw. die Bereitschaft der Weibchen, diesem Ansinnen entgegenzukommen, wird bereits während oder kurz nach der Schwangerschaft durch das Vorhandensein oder Fehlen von Testosteron festgelegt. Wenn einem Männchen zu diesem frühen Zeitpunkt Testosteron fehlt, so kann eine spätere Testosterongabe kein regelrechtes männliches Verhalten mehr auslösen [60]. Biologische und hormonelle Bestimmung existiert nicht nur für die sexuelle Orientierung, sondern auch für die sexuelle Identität [61].
Neben dieser frühen programmierenden bzw. organisierenden Rolle wirkt das Testosteron später aktivierend auf die früh festgelegten Verhaltensmuster. Vor der Pubertät haben Jungen wenig Testosteron und dementsprechend wenig sexuelles Interesse. Wenn das Testosteron in der Pubertät ansteigt, so aktiviert es den Sexualtrieb in derjenigen Form, wie er vormals in der frühen Entwicklung organisiert wurde.
Für ein normales männliches Verhalten ist beides notwendig, die frühe organisierende Wirkung des Testosterons und die aktivierende Wirkung im späteren Leben.
Kap. 12: Testosteron und Aggression im Tierreich
Seit fünf Jahrtausenden kastriert man Stiere, weil sie als Ochsen fügsamer werden und sich danach als Zugtiere eignen [35
