Texte, basierend auf Mu - Ralf Scherer - E-Book

Texte, basierend auf Mu E-Book

Ralf Scherer

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Beschreibung

In mehr als sechzig Texten beschreibt Ralf Scherer das den Menschen Angehende. Hierbei basieren alle Texte auf Mu, dem zen-buddhistischen Ausdruck für das absolute Nichts. Nicht Ralf Scherer hat damit die Texte geschrieben, sondern die Erde, die Schöpfung.

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Zu diesem Buch

In mehr als sechzig Texten beschreibt Ralf Scherer das den Menschen Angehende. Hierbei basieren alle Texte auf Mu, dem zen-buddhistischen Ausdruck für das absolute Nichts. Nicht Ralf Scherer hat damit die Texte geschrieben, sondern die Erde, die Schöpfung.

Über den Autor

Ralf Scherers Wahrnehmung änderte sich durch die Arbeit mit dem Kôan Mu, dem paradoxen Rätsel des großen Zen-Meisters Jôshû Jushin (778 – 897). Seine Sicht der Dinge war nun nicht mehr verfälscht durch sein Ich. Aus dieser Ichlosigkeit heraus beschreibt er Zen.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung, „Wofür Zen?“

Texte:

Weisheit – Das Gegenmittel der Verzweiflung

Zwinge dich nicht alle Lieder von Led Zeppelin gut zu finden

Die Änderung des Blickwinkels

Vergib, indem du bist

Angst, Kôan Mu

Das Erkennen des Wesens der Dinge

„Ich will es jedem recht machen“, Geht das?

„Bin ich arrogant oder selbstbewusst?”

Love it, leave it or change it… oder die Nicht-Entscheidung des Zen

„Ich fühle mich völlig wertlos“, Kôan Mu

Warum ist die Würde des Menschen unantastbar?

Gewalt, Die Unpünktlichkeit des Gesetzes

Die Meinungshoheit

Das Eheversprechen und die Berechtigung der Scheidung

Die höchste Hürde eines Amoklaufs

Der Märtyrertod

Religion ist Gott

Mu und Narzissmus

Bulimie, Der Spiegel der ewigen Schönheit

Zen und der Mensch in Haft

Positiv denken? Nein, Zen? Ja

Sozial ist, was Arbeit schafft? Nein

Die Deckung des Geldes

Die Korrektur der eigenen Erziehung

Der Neoliberalismus und die tatsächliche Freiheit

Der von sich entfernte Soldat

Die fehlerhafte Aufrechnung des Glücks

Die Emanzipation von Frau und Mann

Der einzige Feind des Menschen

Beziehung, Wenn der Mann zum Trottel wird

Der gläserne Mensch

Plapper nicht nach, finde deine eigenen Worte

Die Akzeptanz des Unfassbaren

Der kategorische Imperativ von Kant und das Nicht-Handeln, das Zen ist

„Das Gott“, Der Artikel von Gott

Baron Münchhausen: Am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, Das geht nur in Zen

Die Egozentrik Gottes, die keine ist

IWF: Negativzins? Nein, Positivzins? Nein

„Guter Cop, böser Cop“, Nicht mit Gott

Zen beendet alle Bücher

Mu: Das einzige Perpetuum Mobile

„Nimm das, was dich veranlasst...“, Das tiefe Loslassen, das Zen ist

Die soziale Komponente Gottes

Die Staatsform der Freiheit, Nicht-Anarchie

Das perfekte Verbrechen

„Der Weg ist das Ziel“, Eine Umschreibung für Gott

Politik, Die Schlafwandler von heute

Das absolute Zeitmanagement

Die Entfremdung des Lebens durch das Wort

Die Regenerationszeit vom Ärger

Die Reinigung des Geistes

Der Ausbruch aus dem Teufelskreis

Rassismus, Mu gibt das nicht her

„Was machst du denn für ein Gesicht?“, Das Ur-Antlitz

Der Gegensatz von Arm und Reich, Systemwechsel und Umverteilung

Die schlechteste Nachricht ist Gott

„Woran glaubst du denn?“ „An nichts“, Zen und Nihilismus

Mu - Das einzige, das nicht im Glashaus sitzt

„Wie soll ich mich entscheiden?“, Das Nicht-Handeln

Der selige Zustand der Ichlosigkeit

Menschenrechte sind keine Privilegien

„Immer ist irgendwas“, Der Tumult des samsara

Die politische Mitte

Die Frage des Geldes in der Spiritualität

Blut ist dicker als Wasser, und Mu ist dicker als Blut

„Ich bin“, Das politischste Statement überhaupt

Schlusswort

Vorbemerkung

Wofür Zen?

Menschen stellen diese Frage. Sie sagen „Was soll ich mit Zen, wofür ist Zen gut?“

Würde die Frage einem Zen-Meister gestellt, so könnte dieser dem Fragesteller, ohne ihn auf den Arm zu nehmen, in vollem Ernst, antworten: „Ich weiß auch nicht, wofür Zen gut ist, sag du es mir“, d.h. Zen ist von jener Art, die dem Anderen nicht auferlegt werden kann, sondern dieser aus sich heraus zu dem Verständnis gelangen muss, warum Zen tiefsten Sinn macht.

Zen lehnt es also ab, den Anderen von sich zu überzeugen, ihn zu überreden, sich ihm schmackhaft zu machen, sich zu verkaufen, sich anzupreisen, sich anzubiedern, sich aufzudrängen. Der Mensch soll selbst zur Einsicht kommen, einer Einsicht, zu der der Zen- Meister bereits gekommen ist.

Ich kam zu dieser Einsicht, als ich bemerkte, dass ich die Dinge des Lebens falsch bewertete. Ich bewegte mich in die falsche Richtung: Weg von mir, statt zu mir hin. Hin zur Zerrissenheit, statt zum Einssein. Der Maßstab, den ich zur Bewertung verwandte, stimmte nicht mit der Realität überein. Und das ist schon ein Riesenmist, man stelle sich vor, ein Architekt benützte bei seiner Arbeit ein Lineal mit einer falschen Skala. So kam ich zu Zen, und Zen wurde zu meinem Maßstab. Zen ermöglichte mir zu mir zu kommen, sowohl in der Wortbedeutung der Bewegung als auch der des Erwachens.

Als Mensch des Westens geboren und in dessen Werten großgezogen, ist es interessant sich dem zu widmen, was eigentlich dem Osten zugerechnet wird. Doch was sind überhaupt die Werte des Westens? Wie unterscheiden sie sich von denen des Ostens? Eine ältere Frau meinte einmal zu mir, dass wir hier im Westen durch die Aufklärung ja doch sehr viel weiter seien als andere Völker. Doch die Frage muss schon erlaubt sein, ob wir mit unseren zwei verheerenden Weltkriegen tatsächlich weiter sind? Die Aufklärung, die angetreten war dem Menschen die Vernunft zu bringen, hat diese jedenfalls nicht verhindert. Um es also deutlich zu sagen: Es gibt keine westlichen oder östlichen Werte, es gibt nur den universellen Wert. Zen ist dieser universelle Wert. Er gilt für das eine, wie für das andere, d.h. dieser Wert ist nicht ein Wert, sondern zwei Werte, die aber eins sind. Jeder Mensch, ob im Westen oder Osten, kann also Zen praktizieren.

Wie tut er das? Im Grunde ist es ganz einfach: Er bemüht sich ernsthaft um eine Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“, der Frage der Selbst- oder Gotteserkenntnis. So sehr dies auch stimmt, können viele Menschen damit nur wenig anfangen. Nicht nur sind sie nicht in der Lage zu verstehen, dass diese Frage die Grundfrage aller Dinge ist, und damit die Lösung aller Probleme, selbst wenn sie die enorme Wichtigkeit dieser Frage erahnen, fehlt es daran, wie diese Frage konkret anzugehen ist. Den Zen-Meistern alter Zeit war dieses Problem bekannt und sie erschufen ein Hilfsmittel, das erlaubt, diese wichtigste aller Fragen methodisch anzugehen. Sie erschufen das sogenannte Kôan.

Ein solches ist beispielsweise das Kôan Mu. Seine Methode liegt darin, dem Menschen etwas zu geben, woran er sich gedanklich halten kann, bis er die Frage „Wer bin ich?“ geklärt hat. Der mit dem Kôan Mu arbeitende Mensch erhält also nicht wie Eugen Herrigel, der Autor des Zen-Klassikers „Zen in der Kunst des Bogenschießens“, einen Bogen, um anhand des Bogenschießens zu erfahren, wer er ist, sondern ein dingloses Ding, ein unbedingtes Ding, ein Nicht-Ding, das ihm die einzuschlagende Richtung anzeigt.

Dieses unbedingte Ding ist Mu.

Die Tragweite von Mu ist eine unendliche, eine allumfassende, denn:

Mu ist Gott.

Durch das Erfahren von Mu beantwortet der Mensch die Frage, er ist frei. Da ist nichts mehr, das ihn fesselt. Er hat alle Konditionierungen verloren und durch diesen Verlust alles gewonnen. Er hat die falsche Skala des Architekten korrigiert, und zwar so, dass das Maß nun mit sich übereinstimmt. Der Baum ist wirklich der Baum, nicht das Abbild des Baumes. Das Ich verfälscht nicht mehr die Dinge, weil es nicht mehr besteht. Alle Illusionen, Trugbilder, Verblendungen sind vernichtet. Die Welt ist verschwunden, d.h. die Welt ist von nun an sein Ich. Diese höchste Nähe zu ihr, dieses Einssein mit der Schöpfung, ist der Wunsch des Menschen sie zu bewahren.

Tatsächlich handelt nicht mehr er, sondern er wird gehandelt. Obwohl er gehandelt wird, ist dies sein freier Wille. Also keinesfalls eine Unterwerfung, etwa unter Gott, sondern im Einssein mit dem Absoluten die höchste Mündigkeit und damit genau das, was die Aufklärung mit dem „Ausgang aus der Unmündigkeit“ (s. Immanuel Kant) anstrebte. Zen ist also höchste Aufklärung. Zen ist höchste Vernunft.

Als ich begann mit dem Kôan Mu nach meinem Ich zu suchen, mich also bemühte die Frage der Selbsterkenntnis zu klären, erkannte ich etwa sechs Wochen später für einen kurzen Moment Mu. Eine äußerst faszinierende und nicht zu beschreibende Wahrnehmung der Transzendenz. Ein Wahrnehmen ohne Subjekt und ohne Objekt, ein Wahrnehmen, das weder Anfang noch Ende kannte und mir zum ersten Mal die Grenzenlosigkeit meines Daseins offenbarte.

Völlig überwältigt von dieser Erfahrung und mir der enormen Bedeutung von Zen zum Wohle aller Menschen, sprich ihrer Freiheit, mehr und mehr bewusst, wollte ich das Erfahrene auch anderen Menschen mitteilen, und ich begann Bücher zu schreiben und eine Website aufzubauen.

Mit den Jahren meines weiteren Übens um das Erkennen zu vertiefen, wurde der Prozess meines Nicht-Werdens, also der Weg zu dem, was ich wirklich bin, feiner und feiner, d.h. das Ich, durch das ich gehandelt wurde, wurde reiner und reiner. So wie Herrigel die Pfeile abschießt, indem er auf das Innere zielt, um das Äußere, die von ihm entfernte Zielscheibe, ins Schwarze zu treffen und damit den (ge)rechten Schuss zu erzielen, sind, so kann ich mehr und mehr behaupten, meine Texte geschrieben. Mehr und mehr kann ich sagen: Nicht ich schreibe, sondern Mu schreibt, oder religiös ausgedrückt, Gott schreibt durch mich. Ein absichtsloses Schreiben. Ein unabhängiges Schreiben. Ein Schreiben, das umso mehr die Wahrheit wiedergibt, je mehr mein Nicht-Werden voranschreitet.

Zu Beginn dieses Prozesses waren die Texte sehr lang, eher erzählerisch, doch mit der Verfeinerung wurden sie zu einem Substrat, sie verloren das Überflüssige und wurden an mancher Stelle selbst zum Kôan. Mancher tut sich damit schwer und mag dies nicht gern lesen. Ich glaube, die meisten Menschen kommen eher damit zurecht, wenn ich, wie jetzt hier, in einem erläuternden Stil schreibe, doch darf man nicht vergessen, dass die reine Substanz den höchsten Anteil an der Wahrheit enthält, also den Leser am wenigsten trügt. Letzten Endes reicht es Mu oder Gott zu sagen: Damit ist alles gesagt. Auf diesen einen namenlosen Namen (oder Nicht-Begriff) laufen alle Texte hinaus.

So ist deren Thema auch immer nur Mu, d.h. es geht immer um das den Menschen Angehende.

Hierbei sind manche der Texte mit Zitaten großer Meister (Weiser) versehen. Es ist nicht so, dass ich den Zitaten folge, sondern ich schreibe, was zu schreiben ist, d.h. die Zitate folgen mir. Mir meint die zunehmende Ichlosigkeit, um die ich bemüht bin und die unser aller Quelle ist, weswegen die Zitate passen. Ich könnte auf sie verzichten, möchte aber dem Leser, der an mancher Stelle nur ungläubig nickt, das Vertrauen erleichtern, wenn er sieht, dass auch andere, und sehr große Namen, vieles sehr ähnlich formulierten. Doch sollte er auch verstehen, dass der größte Namen der namenlose Namen ist. Der Name, der auch er ist, auch wenn seine Konditionierungen ihn noch davon abhalten dies zu erkennen.