Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
*Auftakt der Covens-Reihe von Dominic Mertins. Ein Sensenmann, drei Hexen und die Apokalypse - was soll da schon schief gehen?* Der Tod ist nicht das Ende. Er ist der Anfang. Der Anfang vom Ende. Darrens Leben ist vorbei. Dachte er zumindest, als er eines Abends auf dem klebrigen Boden eines Kiosks starb. Im Jenseits eröffnet sich ihm dann das Jobangebot seines Lebens, äh … Todes. Als Sensenmann soll er zukünftig die Seelen der verstorbenen Menschen begleiten. Noch während seiner eigenen Beerdigung stellt sich heraus, dass die Götter andere Pläne für Darren haben, denn er ist nicht nur ein Sensenmann, sondern soll auch sein Erbe als Hexe antreten. Darren Coven ist tot, doch Dix Covens Reise hat gerade erst begonnen. Und er hat nur ein Ziel vor Augen: die anstehende Apokalypse zu verhindern. Tropes: Magie - Übernatürliche Wesen - Zeitreisen - Mehrere Welten - Queer in all colors
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 555
Veröffentlichungsjahr: 2026
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Copyright 2026 by
Dunkelstern Verlag GbR
Lindenhof 1
76698 Ubstadt-Weiher
http://www.dunkelstern-verlag.de
E-Mail: [email protected]
Dieses Werk darf weder im Gesamten noch in Auszügen zum Training künstlicher Intelligenzen, Programmen oder Systemen genutzt werden.
Lektorat: Dunkelstern Verlag GbR
Korrektorat: Nicole Gratzfeld
Cover: Bleeding Colours Coverdesing
unter Verwendung von Stockmaterial von Adobe Stock
Satz: Bleeding Colours Coverdesing
ISBN: 978-3-98947-116-0
Alle Rechte vorbehalten
Ungekürzte Taschenbuchausgabe
Dieses Buch widme ich allen, die sich nicht trauen, ein neues Abenteuer zu beginnen. Lasse das Bekannte hinter dir und finde heraus, was das Leben zu bieten hat.
Dieses Buch widme ich Noa und Lisa.
Denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne.
Inhalt
Und so starb ich also …
Ankunft in der Vergangenheit
Magische Lehrstunde
Tränke
Durch Raum und Zeit
Die Feenwelt.
Reise durch die Welt der Feen
Durch Raum und Zeit
Reise in die Hexenwelt
How to be a Sensenmann
Die Fengg
Abstecher nach Hause
Durch Raum und Zeit
Ankunft in der Welt der Dämonen
Krieg der Welten
Die Winselmütter
Durch Raum und Zeit
Inzwischen
Physical Touch
Grumpy meets Sunshine
Jedes Licht wirft Schatten
Durch Raum und Zeit
Der Faden zieht sich zu
Die Artefakte der Weltentrennung
Nichts bröckelt
Weltenwechsel
Der hoffentlich nicht letzte Kampf
Der letzte Anfang, Versprochen.
Danksagung
Content Notes
Und so starb ich also …
… auf dem klebrigen Boden eines Kiosks.
Doch lasst euch eins an dieser Stelle sagen: Es klingt zwar wie die kürzeste Geschichte dieser Welt, doch das Abenteuer fängt gerade erst an!
Auch diesem Ende wohnt ein Anfang inne!
Im Nachhinein kann man sagen, dass mich die Verspätung des Zuges und mein Bedürfnis nach Cola das Leben gekostet hatten. Oft wird man ja gewarnt vor dem Zucker in Softdrinks oder den künstlichen Farbstoffen. Diese Umstände waren aber nicht schuld an meinem Tod, die Gier von jemand anderem dagegen durchaus.
Ich trat durch die Tür und sah von außen nicht, dass bereits Kundschaft im Laden war. Wie auch, denn obwohl die Tür verglast war, hingen dort Poster mit Werbung, sodass man nicht sah, was sich im Inneren des Kiosks abspielte. Ich glaube, dass genau das der Grund war, warum sich die beiden das Büdchen überhaupt als Ziel ausgesucht hatten.
Aus Versehen rammte ich die Tür in die Seite eines Mannes, der zu nah am Ausgang stand. Ich stieß den Versuch einer Entschuldigung aus, kam aber nicht weit. In einem Moment dachte ich noch darüber nach, dass der Mann, den ich angerempelt hatte, viel zu erschrocken reagierte, im nächsten hörte ich schon einen lauten Knall und roch etwas Verbranntes.
Der Geruch erinnerte mich an ein Stück Fleisch, das in der Pfanne gebraten wurde. Das Wasser lief mir im Mund zusammen.
Wobei?
War es Speichel, den ich im Gaumen registrierte? So schmeckte doch keine Spucke!
Ich fühlte ein Stechen in der Brust und sackte mitten im Eingang auf die Knie. Ein leises »Tschuldigung« kroch mir dann doch noch aus dem Mund. Meine Knie gaben nach und die Hände bewegten sich automatisch zu einer Wunde am Oberkörper, aus der Blut floss. Bevor ich überhaupt realisierte, was genau geschehen war, knallte ich auf die Brust. Mein Kopf klatschte auf die kalten und dreckigen Fliesen und meine Augen starrten in die Leere. Atmete ich noch?
Nein!
Die Tür fiel langsam zu und ich fungierte als makaberer Türstopper. Das letzte, das ich hörte, war: »Scheiße, Eric.«
***
Ein Zeitgefühl besaß ich nicht mehr. Ich erinnerte mich nicht, die Augen geschlossen zu haben. Plötzlich und unter Panik riss ich sie auf und schaute mich hektisch um. Wo war ich?
Was war passiert?
Ich wurde angeschossen!
Irgendwie erwartete ich, in einem Krankenhausbett zu liegen, und rechnete mit der Anwesenheit meiner Mutter. Ich sah ihre verquollenen Augen schon geistig vor mir und ihre Angst, mich zu verlieren. Wo war der Oberarzt, der lächelnd am Bett stand, mit den Worten: »Nochmal Glück gehabt, Junge«?
Was sich hier abspielte, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Ich versuchte zu schreien, aber mein Mund fühlte sich komisch trocken an. Ja sogar staubig. Ich riss ihn auf, doch es kam nichts über meine Lippen außer einem kurzen und leisen Krächzen. Meine Zunge fühlte sich glitschig an und der Belag auf ihr schmeckte metallisch, als hätte ich an einem rostigen Nagel geleckt.
»Hallo, Herr Coven. Mein Name ist Stella und ich bin heute Ihre Sensenfrau. Haben Sie etwas dagegen, wenn wir uns duzen?«, holte mich eine weibliche Stimme aus den Gedanken.
Ich schaute in ein bleiches Gesicht, aus dem zwei dunkle, mahagonifarbene Augen hervorstachen.
Ich lag in keinem Krankenhausbett, sondern saß in einem Bürostuhl. In einem sehr bequemen, wenn ich ihn mit dem bei der Arbeit verglich. Keinesfalls die Ware von der Resterampe, die ich sonst gewohnt war.
Die Frau sah mich fragend an. Sie hatte ihren Kopf leicht zur Seite geneigt. Ihr Lächeln wirkte künstlich und aufgesetzt, was nicht an ihren strahlend weißen Zähnen lag, sondern an ihren Mundwinkeln.
Ich sah mich um. Der Raum war blütenweiß. Kein Fleckchen Farbe oder irgendein Akzent war an den Wänden zu erkennen. Bilder? Fehlanzeige! Nicht mal eine altbackene Bordüre. Die Umgebung wirkte klinisch, roch aber keinesfalls nach Desinfektionsmittel.
Pfingstrosen. Wenn ich mich nicht täuschte, roch es nach Pfingstrosen.
Der Raum war eingerichtet wie ein normales Büro und erinnerte mich sogar an mein eigenes. Ein Schreibtisch, zwei Kommoden und ein großer Aktenschrank. Alle aus schneeweißem Holz, ohne Maserung. Selbst die Computerbildschirme hatten einen weißen Rahmen, ja sogar Maus und Tastatur erstrahlten in der hellen Farbe.
Erstaunlich, wie viele unterschiedliche Weißtöne im Farbspektrum es gab. Die Schattierungen sorgten für Tiefe und setzten die Gegenstände voneinander ab. Surreal wirkte die Umgebung aber trotzdem. Das Licht wurde von den glänzenden Oberflächen reflektiert und stach in den Augen. Ich merkte, wie ich leichte Kopfschmerzen bekam.
Kopfschmerzen waren ein gutes Zeichen, oder? Hieß das nicht, dass ich lebte? Instinktiv griff ich an die Stelle an meiner Brust, wo mich die Kugel getroffen hatte. Der nächste Schock übermannte mich.
Ich sah an mir herunter und entdeckte ein komisches Gewand. Nicht anders zu erwarten ebenfalls in Weiß. Schuhe hatte ich keine an, ich war barfuß.
Trug ich Unterwäsche?
Dem Lüftchen nach zu urteilen nicht. Wo war ich und was hatte das zu bedeuten?
Die blasse Frau trug im Gegensatz zu mir kein weißes Gewand. Mein Outfit sah aus wie eine Kutte oder ein altes Bettlaken. Sie hatte ein typisches Bürooutfit an. Es war komplett schwarz. Ihre Hose und Bluse wirkten förmlich und hatten einen Jumpsuit-ähnlichen Schnitt. Ihr Outfit betonte ihre schlanke Figur und schmiegte sich an ihren Körper wie eine zweite Haut.
Sie hatte seidiges, rabenschwarzes Haar, das eng am Kopf anlag. Ich fragte mich, ob sie es geglättet hatte, oder ob sie generell keinerlei Volumen in den Haaren hatte. Ihr bleiches Gesicht untermalte ihre weichen Züge und stand in einem starken Kontrast zu den schwarzen Klamotten und Haaren.
Sie wirkte sehr interessant und alleine ihre Gesichtszüge hatten eine so anziehende Wirkung, dass ich sie auf der Straße angesprochen und nach ihrer Nummer gefragt hätte. Und das soll schon was heißen, denn ich war eher von der schüchternen Sorte. Jetzt fühlte ich mich noch unangenehmer, hier vor ihr zu sitzen. Halb nackt und nicht wissend, was los war.
Das Umfeld wirkte unnormal und aufgesetzt. Der Raum wurde erhellt von LED-Röhren, die ein kaltes und künstliches Licht abgaben. Das typische Surren von diesen Dingern hallte in meinen Ohren, so still war es. Das Einzige, was sonst noch zu hören war, war meine Atmung.
Ich atmete!
Ein weiteres Zeichen, dass ich lebte.
»Bitte was?«, fragte ich, noch völlig neben der Spur, und blickte die junge Frau ungläubig an. Sie lächelte und ihre strahlend weißen Zähne blitzten wieder auf. Sie würde ein gutes Model für eine Zahnpastawerbung abgeben. Ich hatte immer noch einen trockenen Mund und auch das Gefühl, den Geschmack von Kupfer auf der Zunge zu haben. Ob ich ein Wasser bekommen würde?
»Es tut mir leid, ich mache den Job schon so lange, ich vergesse regelmäßig, dass es für meine Klienten alles andere als normal ist«, entschuldigte sie sich bei mir. »Aber dieser ewige Zeitdruck macht das Ganze auch nicht viel besser. Weißt du eigentlich, wie viele Menschen jeden Tag sterben und wie wenige Begleiter es gibt?«, fragte sie mich. Ich schaute sie fassungslos an. Wovon sprach sie?
»Ach, ich schweife ab, natürlich kannst du das nicht wissen.«
»Wo bin ich hier?«, unterbrach ich sie und betrachtete weiter das Büro. Erst jetzt fiel mir auf, dass es überhaupt keine Fenster gab, sondern nur eine Glastür, durch die man den ebenso weißen Flur sah.
»Wir befinden uns im Nexus«, antwortete sie wie selbstverständlich. Ich hatte diesen Namen bisher noch nicht im Zusammenhang mit einem Krankenhaus gehört. War das eine Abkürzung für die katholische Klinik?
»In welchem Krankenhaus?«, fragte ich sie, weil ich nicht weiter rätseln wollte.
»Oh, entschuldige. Du bist tot, das Krankenhaus wäre etwas zu spät, befürchte ich«, antwortete sie und lächelte mich wieder an. Ich sah in ihrem Gesicht, dass sie ein Kichern unterdrückte. Sie schielte erneut verstohlen auf ihre Armbanduhr. Nicht anders zu erwarten war diese schwarz. Eine Rebellin, die mit ihrer Klamottenwahl versuchte, die weißen Räumlichkeiten zu durchbrechen.
»Ich komme gerade überhaupt nicht mehr mit. Bin ich jetzt wirklich tot? Was zur Hölle ist der Nexus und warum zur Hölle sitze ich in einem weißen Raum? Ich war auf dem Weg nach Hause und plötzlich sitze ich hier«, stammelte ich vor mich hin.
War das ein Scherz? Wer kam auf die abgefahrene Idee, mich so dermaßen zu veralbern? War es nicht auch illegal, jemanden für einen solchen Witz unter Drogen zu setzen? In einen Moment war ich in einem Kiosk, im anderen im Büro einer mir unbekannten Frau.
Wer hatte mich eigentlich umgezogen? Wer hatte mir die Unterwäsche ausgezogen? Die Gedanken hinterließen ein Frösteln auf meiner Haut und die Panik breitete sich weiter aus.
Ich wollte hier weg.
Dringend!
Am liebsten wäre ich aufgestanden, doch mein Körper fühlte sich fremdartig an. Ich hatte das Gefühl, dass jede Gliedmaße eingeschlafen war. Ich war zwar in der Lage, mich umzuschauen, zum Aufstehen reichte es aber nicht.
»Also, ich versuche es mal zu erklären. Auch wenn ich keine Zeit dafür habe.« Sie stöhnte und erzählte weiter. »Du warst auf dem Weg nach Hause«, sagte sie und klickte mit der Maus herum. Sie beugte sich näher an den Monitor heran, um besser zu erkennen, was darauf stand. »Du wolltest in den Kiosk gehen und hast zwei Herren überrascht, die gerade dabei waren, diesen auszurauben. Blöder Zufall, deine Zeit war eigentlich noch nicht gekommen, dennoch hat sich einer der beiden so erschrocken, dass er dich aus Versehen erschossen hat«, erklärte sie mir und schaute abwechselnd in mein Gesicht und auf den Bildschirm. »Fragen geklärt?«
»Aus Versehen erschossen? Meine Zeit war noch nicht gekommen?«, fragte ich ungläubig und merkte, wie Wut in mir aufstieg. »Von wegen, Fragen geklärt! Ich glaub, du spinnst«, schimpfte ich und donnerte mit der Faust auf den Tisch.
Ich war wieder in der Lage, die Arme zu bewegen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Rest meines Körpers ebenfalls funktionieren würde und ich aufstehen und wegrennen könnte.
Eine Flasche Cola und zwei Hornochsen, die meinten, sich schnell ein wenig Geld zu beschaffen, waren der Grund, weshalb ich tot war? Ich träumte, anders war das nicht zu erklären. An den Schuss erinnerte ich mich. Auch an das Gefühl in der Brust, als sich das Projektil in mein Fleisch gebohrt hatte.
Ich lag wahrscheinlich auf einem OP-Tisch und mein Unterbewusstsein versuchte, etwas Zeit totzuschlagen. Oder es handelte sich wirklich um einen Scherz. Einen sehr makaberen. Makaber, aber richtig gut umgesetzt. Wenn dem so war, würde es eine saftige Klage hageln, und je nachdem, wer mich hier verarschte, vielleicht auch einen Faustschlag mitten ins Gesicht.
»Da an dieser Stelle eigentlich immer die Frage aufkommt, ob man träumt, das muss ich leider verneinen«, unterbrach sie meinen Gedankengang regelrecht. »Ich kann dir versichern, dass du tot bist. Und nach dem Tod kommt jede Seele zu uns in den Nexus und wir schauen gemeinsam in den Computer, ob es gereicht hat für die Weiterfahrt ins Licht, ob eine gewisse Auszeit in der Dunkelheit auf dich wartet, oder ob deine Seele gar vernichtet werden muss«, erklärte sie und schaute wieder auf den Bildschirm.
»In den Computer? Licht? Dunkelheit?«, fragte ich. Was war das für ein verwirrender Ort? Hatte die Frau recht? Wie hieß sie nochmal? Stella?
»Ja, wir nutzen mittlerweile Computer«, sagte sie grinsend. »Auch der Tod geht mit der Zeit. Wir sind zwar eine Art Verwaltung, aber ganz so zurückgeblieben wie eure sind wir dann doch nicht. Und mit Licht und Dunkelheit meine ich quasi Himmel und Hölle. Ich finde die Begriffe aber etwas kitschig und überladen, deswegen heißt es in unserem Fachjargon nur Licht und Dunkelheit. Wir haben hier unterschiedliche Religionsangehörige sitzen und jeder glaubt etwas anderes, Licht und Dunkelheit ist dabei einfach das neutrale Mittelmaß von allem«, antwortete sie schnell.
»In bitte welchem Fachjargon?«, unterbrach ich sie. Stella quasselte wie ein Wasserfall, aber ihre Antworten halfen mir nicht weiter. Sie wirbelte mehr Fragen auf, als ich überhaupt fassen konnte.
»Na, in dem von uns Sensenmännern und Sensenfrauen. Und wenn du jetzt aufhörst, so viele Fragen zu stellen, können wir weitermachen und haben dann vielleicht noch Zeit, uns deine Beerdigung anzuschauen«, antwortete sie leicht schnippisch. Wieder sah sie auf ihre Armbanduhr und seufzte leise. »Ich gehe gerne auf Beerdigungen, also versau mir diesen kurzen Ausflug nicht.«
Gesetz den Fall, es handelte sich nicht um einen Traum oder einen echt gutgemachten Scherz vor versteckter Kamera, dann sollte ich es mir mit diesem Sensenmann, äh, ich meinte natürlich mit dieser Sensenfrau, nicht verscherzen. Andererseits juckte es mich in den Fingern, sie nach einem Bewertungsbogen zu fragen, denn ihr Umgang mit Kunden ließ deutlich zu wünschen übrig. Ob ich noch die Gelegenheit hatte, mal nach deren Google-Bewertungen zu schauen?
Wenn ich so darüber nachdachte, interessierte es mich brennend, wer auf meiner Beerdigung anwesend war und wer nicht. Eins wusste ich jedenfalls, die oberste Personalreferentin war es bestimmt. Sowas würde sie sich nicht nehmen lassen, immerhin hatte ich durch meinen Tod ja nicht die Möglichkeit, die Zugangskarte fürs Büro abzugeben. Danach würde sie Mutter sicher fragen. Außerdem ließ sich die gute Frau kein kostenloses Essen entgehen.
Inständig hoffte ich, dass meine Familie von einem Buffet abgesehen hatte. Zum einen, weil ich es dieser Frau nicht gönnte, zum anderen wussten alle, wie makaber ich den Gedanken zu Lebzeiten immer gefunden hatte.
Ich war bisher nicht auf vielen Beerdigungen gewesen, aber auf jeder hatte es Kaffee, Kuchen oder gar belegte Fischbrötchen gegeben. Für mich gehörte es sich auf einer Trauerfeier einfach nicht.
Bei einer dieser Bestattungen war meine Großtante noch dringend in den Supermarkt gefahren, denn ohne seine Flaschen Bier wäre ihr Mann sehr niedergeschlagen gewesen. Fast so außer sich, wie wir anderen wegen der Beerdigung selbst.
Aber irgendwie driftete ich ab. Komisch, wie schnell meine Gedanken plötzlich das Thema wechselten und ich die Situation zu akzeptieren schien. Warum arrangierte ich mich mit der Sache hier? Warum nahm ich alles für bare Münze? Andererseits, was blieb mir auch übrig? Ich hatte das Gefühl, dass ich aus dieser Sache nicht mehr rauskam.
»Also, wie ich es mir schon gedacht habe … laut meiner Unterlagen hast du ein recht normales Leben geführt und es spricht nichts dagegen, dich ins Licht weiterzuleiten«, sagte sie und holte mich mit ihrer seidigen Stimme wieder aus meinen Gedanken.
»Ich muss gestehen, ich möchte überhaupt nicht ins Licht«, antwortete ich prompt. Ich wollte zurück ins Leben. Ich war Mitte zwanzig, wer wollte da schon sterben? Vielleicht war ich ja wirklich tot, vielleicht saß ich im Büro einer Sensenfrau, aber irgendwie musste ich doch aus dieser Situation herauskommen. Was hatte ich denn schon groß erlebt? Mein Leben war ein Witz gewesen. Ein gut organisierter und langweiliger, aber trotzdem ein Witz.
»Das ist hier aber kein Wunschkonzert. Ich kann dich doch nicht einfach in die Dunkelheit schicken, wenn die Unterlagen etwas anderes besagen«, antwortete sie streng. »Ich habe Regeln einzuhalten, Reservierungen und Belegungsplätze zu erfüllen. Wir sind eine Behörde und kein fancy Start-up«, schrie sie mich fast an, so wütend war sie über meine Aussage. Ihre Stimme bebte etwas. Sie fuhr sich aufgeregt durch ihre Haare.
Na, immerhin waren die Dokumente alle digitalisiert. Es fehlten noch der Papierhaufen und der Stempel am Ende des Antrages auf Überweisung ins Licht. Das »Nächster, bitte«, lag ihr jedenfalls schon auf der Zunge.
»Nein, das meine ich nicht. Ich will überhaupt nicht tot sein. Ich will weiterleben. Wie muss ich mir das Licht vorstellen?«, fragte ich neugierig und hoffte, dass es einen Ausweg oder eine Hintertür, für mich gab.
»Also an deinem Tod kann ich leider nichts mehr ändern und auch deine Familie hat leider erst viel zu spät davon erfahren, als dass sie einen Ausweg hätte finden können«, erklärte sie, doch ich verstand nicht, was meine Familie damit zu schaffen hatte. Niemand, den ich kannte, war Arzt. »Damit musst du dich leider abfinden. Naja, und im Licht ist es eigentlich ganz angenehm. Stell dir einfach ein riesiges Wellnesshotel vor mit all deinen toten Liebsten, mit Massagen und Sportangeboten, Essen, quasi das Rundumsorglospaket«, schwärmte sie wie eine Mitarbeiterin aus einem Reisebüro, die mir die nächste Urlaubsreise schmackhaft machen wollte.
»Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt. Alle Toten, die ich kenne, sind über achtzig. Die kannst du gerne von mir grüßen, aber ich habe keine Lust auf diese große Langeweile. Gibt es nicht die Möglichkeit, als Geist zu spuken?«, fragte ich hoffnungsvoll, klang aber leicht gereizt. Meine Stimme bekam diesen frechen Unterton, der sich nur schwer unterdrücken ließ, wenn ich mich so fühlte.
»Nein, leider nicht. Wenn es für dich noch etwas Unerledigtes gegeben hätte, dann wärst du jetzt schon ein Geist und überhaupt nicht in den Nexus gekommen. Wer einmal hier ist, kommt entweder in das Licht oder in die Dunkelheit, es gibt da nur eine einzige Ausnahme … «, sagte sie, aber fuhr nicht mit der Erklärung fort. Jetzt wurde es spannend.
Da war sie. Die Ausnahme der Regel. Ich hoffte doch noch auf eine klitzekleine Möglichkeit. Ich merkte langsam selbst, wie penetrant ich wurde. Ich hielt das Gespräch am Laufen, klammerte mich daran fest. Gab es eine Rechtsschutzversicherung für paranormale Angelegenheiten? Ich hatte das dringende Bedürfnis dieser Frau, eine Anwältin auf den Hals zu hetzen.
»Die da wäre?«
»Naja, laut den Dokumenten besteht ein Großteil deiner Familie aus übernatürlichen Wesen. Auch wenn es sich bei dir nicht manifestiert hat, könntest du ein Sensenmann werden und einen Job bei uns anfangen«, fing sie an. »Sofern die Transmutation bei dir Wirkung zeigt, versteht sich. Es kommt auf einen Versuch an«, beschrieb sie mir die Möglichkeit, während sie grübelnd ihre Augen zusammenkniff und auf die Unterlippe biss. »Bei normalen Menschen ist es sehr selten, dass die Verwandlung überhaupt greift, bei Übernatürlichen klappt es zu fünfzig Prozent.«
Ich ging nicht auf ihre Aussage ein, dass meine Familie aus magischen Geschöpfen bestehen sollte, ich wollte nicht wieder mit Fragen auffallen. Meine Familie und magische Geschöpfe? Klar. Ich fragte: »Was muss ich tun? Wie muss ich mir das vorstellen?«
»Nur die wenigsten Sensenmänner werden geboren. Die meisten von uns werden nach ihrem Leben verwandelt. Da die Bevölkerung der Welt immer weiter anwächst, müssen wir unseren Personaldeckel stetig erhöhen«, erklärte sie mir.
Ich hoffte innerlich, dass sie mich mit den Details ihrer Personalplanung verschonte.
»Unsere Neuen fangen eigentlich immer im Streifendienst an. Ich würde dich zuallererst zu einem von uns machen, alles Weitere erkläre ich dir danach«, bot sie mir an und ich nickte. »Damit wir deine Beerdigung nicht verpassen, müssen wir etwas auf die Tube drücken, aber keine Sorge, wenn dich doch irgendwann mal die Lust auf das Licht packt, hast du jederzeit die Möglichkeit, bei uns auszusteigen.«
Es fühlte sich komisch an. Es ging alles so schnell, dabei war ich gerade noch auf dem Weg nach Hause gewesen und plötzlich hatte ich ein neues Jobangebot, auf das ich mich nicht mal aktiv beworben hatte. Einen Job in einer Behörde. Gab es etwas Schlimmeres? Ich kannte nicht mal die Details der Bezahlung. Gab es überhaupt Geld für diesen Job? Brauchte ich als Sensenmann Geld?
Oh Mann, worauf hatte ich mich nur eingelassen? Ich war der wahrgewordene Traum eines jeden Haustürverkäufers. Ich fühlte mich, als hätte ich grenzdebil nickend einen Vertrag unterschrieben, ohne den Inhalt zu kennen.
»So einfach geht das? Ich will mich nicht beschweren, aber so schnell und einfach habe ich noch keinen Job bekommen«, sagte ich und verkniff mir ein Lachen. Ich war tot. Warum war mir zum Lachen zumute? Driftete ich in eine Art Hysterie ab? Wie konnte ich mir das Leben als Sensenmann überhaupt vorstellen? Nannte man es Leben? Hatte diese Stella eigentlich Freizeit? Durfte ich meine Familie und Freunde wiedersehen?
»Ja, Angestellte sind bei uns Mangelware. Die meisten freuen sich auf das Leben nach dem Tod und diejenigen, die in deinem Alter sterben und sich noch selbst verwirklichen wollen, gehen nach einigen Jahren, wenn der Rest der Familie und Freunde hier auf diesen Stühlen sitzen«, erklärte sie mir. »Der demografische Wandel macht auch vor dem Nexus keinen Halt.« Sie lachte. »Und da die Welt mal wieder am Durchdrehen ist mit all den Kriegen und Toten, haben wir einen Haufen Arbeit.«
Sie stand von ihrem Platz auf und lief um den Schreibtisch herum auf mich zu. Sie bat mich aufzustehen. Ich hatte mittlerweile wieder die komplette Kontrolle über meinen Körper, auch wenn er sich etwas komisch anfühlte. Ich überlegte kurz, ob ich einfach wegrennen sollte, doch entschied mich dagegen.
Ich dachte, Stella würde mir einen Mitarbeiterausweis überreichen oder die Hand schütteln, oder wirklich einen seitenlangen Vertrag geben, den ich unterschreiben sollte. Als ob ich noch nicht verwirrt genug wäre, packte sie mich am Hinterkopf und küsste mich. Ihre warme und feuchte Zunge drang in meinen Mund. Ich hatte die Stelle nicht mal angetreten und wurde schon sexuell belästigt? Das konnte ja was geben. Wo war ich hier nur gelandet?
Ein seltsames Kribbeln breitete sich auf meinen Lippen aus. Es fühlte sich so an, als hätte sie mir Zigarettenrauch in den Mund gepustet. Bevor ich überhaupt realisiert hatte, was jetzt wieder geschah, oder darüber nachdachte, wie zart ihre Lippen waren, war sie auch schon fertig. Von Romantik fehlte jede Spur. Genauso von Zustimmung. Ein ›darf ich?‹ hätte ausgereicht.
»So, der Funke ist gesät, schauen wir, ob es sich manifestiert oder nicht«, sagte sie und fuhr sich mit dem Daumen über ihre vollen Lippen.
»Das war alles?«, fragte ich. Ich hatte etwas Spektakuläreres erwartet. Der Kuss war nicht schlecht gewesen, aber eine Verwandlung in einen Sensenmann stellte ich mir doch schon etwas anders vor.
»Ja genau. Die Manifestation dauert etwas, ich denke, nach unserem Ausflug wissen wir mehr«, erklärte sie und reichte mir ihre Hand.
Doch bevor meine die ihre erreicht hatte, fühlte sich mein Körper an, als würde er explodieren. Als würde er irgendwohin gerissen werden. So, als würde jemand an einem riesigen Gummiband ziehen, das an mir befestigt war. Ich wurde der weißen Umgebung entrissen und abrupt war alles schwarz.
Es war dunkel um mich herum, der Untergrund war samtig und kuschelig und mein Kopf lag auf einem Kissen. Ich vermisste das Gefühl des Lakens auf der Haut und stellte fest, dass ich einen Anzug anhatte. Ich trug eine Krawatte. Scheiße! Was war jetzt wieder los?
Mein Mund war immer noch staubig und trocken und ich roch Make-up. Der Geruch nach Talkum kroch mir in die Nase und erinnerte mich an eine alte und überschminkte Oma. Wie viel Schminke brauchte es eigentlich, um einen Toten wieder annähernd herzurichten?
Meine Glieder fühlten sich schlagartig normal an. Ich fühlte mich kräftig und vor allem lebendig. Ich bekam kaum Sauerstoff und der Geruch des Make-ups in der Luft, legte sich auf meine Zunge.
Ich zählte eins und eins zusammen und befürchtete, dass ich in meinem Sarg lag. Unter Beerdigung besuchen hatte ich mir ein bisschen was anderes vorgestellt. Ich dachte, wir säßen dabei in der letzten Reihe, aßen etwas geisterhaftes Popcorn und rissen Witze über die Gäste.
Meine Nerven lagen blank, ich war aufgeregt, mein Magen krampfte sich zusammen und diese Enge war unerträglich. Die Panik stieg wieder in mir auf. Ich versuchte, mir die Krawatte vom Hals zu reißen, schaffte es aber nicht. Meine Augen gewöhnten sich auch nicht an die Dunkelheit.
Wenn ich so darüber nachdachte, gleich eingebuddelt zu werden, bekam ich noch mehr Panik und verfiel in Angst. Wo war diese verdammte Stella?
Was sollte ich tun? Ich schlug mit beiden Fäusten gegen den Deckel des Sarges. Nichts rührte sich. Ich schrie. Der Sargdeckel wurde aus seiner Verankerung gerissen. Er flog nicht nur auf, sondern drei Meter von mir weg und landete auf dem Boden. Die Scharniere hingen sogar daran und wippten leicht, als dieser zum Stillstand kam. Ich spürte die Schallwellen, die meinen Mund verlassen hatten. Meine Lippen kribbelten etwas und das staubige Gefühl war wie weggeblasen. Hatte ich gerade einen Sargdeckel durch einen Schrei zerstört?
Das Licht blendete nicht. Was mir aber sofort auffiel, waren die vielen Farben, die mich quasi überfielen. Ein himmlischer Kontrast zum weißen Nexus und zur dunklen Kiste. Die Trauergesellschaft war zwar in Schwarz gekleidet, aber alleine die riesigen bunten Fensterscheiben der Kirche beruhigten mich.
Sie vermittelten mir die Nuancen des Lebens.
Ich kippte aus dem Sarg, landete auf den Knien und fing den Sturz mit den Händen ab. Es war fast die gleiche Pose, die ich bei dem Schusswechsel innegehabt hatte. Ich hob den Blick und schaute meine Familie an. Keiner sagte ein Wort, lediglich meine Oma schrie einmal laut auf.
Ich war in einer Kirche und meine Beisetzung in vollem Gange. Der Pastor guckte mich erstaunt an und war offenbar kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Er war bleich und stützte sich an seinem Rednerpult ab. Er war fast so weiß wie Stella, wobei ich vermutete, dass es nicht sein normaler Hautton war.
Alle sahen mich entgeistert an, als hätten sie noch nie jemanden gesehen, der bei seiner eigenen Beerdigung aus dem Sarg gesprungen kam. Wie sollte ich diese Nummer nur erklären? Ich überlegte kurz, ob »Überrasschung« zu rufen eine gute Idee war, wurde aber von Onkel Benny unterbrochen.
Mein exzentrischer Onkel sprang von seinem Sitz, klatschte in die Hände und rief: »Großartig. Großartiger Auftritt. Ich habe euch immer gesagt, dass der Junge in der Lage ist, Magie zu wirken. Großartig. Du hättest Überraschung rufen sollen, das wäre mal ein Knaller gewesen.«
Stella kam schnellen Schrittes und wutentbrannt den Mittelgang entlanggelaufen. Ihre porzellanartige Haut hatte einen leichten rosa Ton bekommen. Die Blicke richteten sich jetzt auf sie. Ihre schwarzen, seidigen Haare wurden durch ihre Geschwindigkeit etwas zerzaust, doch das störte sie scheinbar nicht. Sie wirkte hektisch und aufgebracht. »Verdammte Scheiße. Darren, was hast du angestellt?«, fragte sie an mich gewandt und packte meinem Arm. Für eine so zierliche Person hatte sie einen enorm starken Griff. Sie half mir auf die Beine.
»Das wollte ich dich auch gerade fragen. Ich dachte, wir stehen am Rand und gucken nur zu «, motzte ich zurück. »Ist es normal, dass mich alle sehen können?«
»Nein. Das hätte nicht passieren dürfen, da ist etwas schrecklich schiefgelaufen. Verdammte Scheiße, ich habe dafür überhaupt keine Zeit«, fluchte sie.
»Dein miserables Zeitmanagement ist mir gerade scheißegal. Erklär mir bitte, was hier vor sich geht. Erst werde ich erschossen, dann sitze ich bei dir im Büro und dann bin ich wieder quicklebendig?«, schrie ich sie an, meine Stimme überschlug sich dabei und ich merkte, wie die Lippen wieder anfingen zu kribbeln. Ein kleiner Schall löste sich aus meinem Mund und zerzausten ihre Haare noch mehr.
»Krieg dich ein, Darren. Ich muss meinen Vater herrufen, befürchte ich. Das ist mir in meiner ganzen Laufbahn noch nicht untergekommen. Ich wüsste nicht mal, ob es überhaupt jemals passiert ist. Die kompletten Prozesse wurden nicht eingehalten. Das ist eine Katastrophe«, schrie sie zurück und aus ihrem Mund löste sich ebenfalls eine kleine Welle. Sie fegte den hässlichen Hut meiner Tante vom Kopf, die erschrocken zusammenzuckte.
Das war sicher ein verwirrendes Bild für die Gäste. Der Tote stieg aus seinem Sarg, als wäre nichts geschehen und stritt sich mit einer Sensenfrau über den eigenen Tod.
Wie naiv ich damals gewesen war. So ungewöhnlich war dieser Anblick für meine Familie nämlich überhaupt nicht. Doch das erfuhr ich erst viel später. Kuriose und vor allem magische Momente waren nämlich ein Markenzeichen der Covens.
Stella murmelte vor sich hin und ich sah mich in der Kirche um.
Wer hatte bitte dieses hässliche Bild von mir ausgesucht, das vorne beim Sarg stand? Mein Kopf wirkte darauf gigantisch. Dafür gehörte irgendwer bestraft!
Zu eurer Info, es war meine Mutter. Da sie aufgrund meines Todes aufgelöst gewesen war, sparte ich mir das Donnerwetter über die Auswahl des Fotos dann aber doch.
Ich wandte den Blick ab und schaute mir die Trauergäste an. Die meisten Gesichter waren mir bekannt, meine Personalreferentin war tatsächlich nicht gekommen. Frechheit. Vier der Gäste kannte ich aber nicht und fragte mich, was diese auf der Trauerfeier zu suchen hatten. Wer waren sie?
Das wollt ihr jetzt auch wissen, oder? Dieses Geheimnis behalte ich aber noch einen Moment für mich, immerhin will ich euch nicht die Spannung nehmen.
Es waren drei Männer und eine Frau. Der eine Mann war auffällig groß und breit gebaut. Er hatte kurze pechschwarze Haare. An den Seiten waren sie raspelkurz, sodass man die Kopfhaut sah. Sie duellierten sich mit denen von Stella hinsichtlich der Frage, welche schwärzer waren. Oben waren sie länger allerdings nicht glatt, sondern so dick wie meine und lockig.
Er hatte einen südländischen Teint und er erinnerte mich an einen ägyptischen Krieger aus alten Zeiten. Eine Narbe am Kinn fiel mir auf, weil an dieser Stelle der Bartwuchs ausblieb. Sein Anzug lag ihm eng am Körper und ich hoffte, dass er nicht schlagartig Luft holte, denn das hätte einen seiner Knöpfe bestimmt durch die Kirche geschossen.
Neben ihm saß die Frau. Ihre großgelockten Haare fielen ihr auf die Brust. Sie hatten den gleichen aschblonden Ton wie meine. Sie sah aus wie ein normaler Mensch, wirkte je nach Blickwinkel aber etwas nebulös.
Später erfuhr ich, dass es damit zusammenhing, dass sie ein Geist war. Und Spoiler: Ihr Tod war viel krasser als meiner.
Sie schaute mich an, sah dann aber weg, als würde sie nicht wollen, dass ich sie überhaupt bemerkte.
Der zweite Mann, der neben ihr saß, hatte blondes wuscheliges Haar. Straßenköterblond. Es reichte ihm fast bis auf die Schultern. Er trug einen Mittelscheitel. Seine Gesichtszüge kamen mir bekannt vor und ich fragte mich, ob er ein Cousin von mir war, den ich nicht gut kannte. Im Vergleich zu der ersten Person wirkte sein Körperbau schmal. Die beiden Männer ähnelten sich wie Himmel und Hölle, aber passten doch zusammen. So unterschiedlich sie aussahen, zusammen ergaben sie ein stimmiges Bild.
Der Letzte von ihnen hatte seine Hand in die Hand des Blonden gelegt. Er war etwas muskulöser gebaut, aber war kein Vergleich zu dem schwarzhaarigen Berg.
Während der erste eher bullig, aber dennoch muskulös gebaut war, hatte dieser Mann eine drahtige Figur. Er hatte etwas Animalisches an sich und ich konnte nicht ganz ausmachen, woran das lag. Er wirkte gefährlich, ohne wirklich so auszusehen. Irgendetwas hatte er in seinem Blick, was ein Frösteln in mir auslöste.
Er schaute mich gebannt an. Ich hatte das Gefühl, dass er mich richtig anstarrte und dabei nicht blinzelte. Gruselig, dieser Kerl. Seine Gesichtszüge sahen fragend aus, als würde er auf eine Reaktion von mir warten. Irgendwie sendete er Schwingungen aus, die mich an einen Auftragskiller erinnerten.
Aber hey, ich brauchte mir keine Sorgen machen, immerhin war ich schon tot.
Meine Mutter fing an, die Gäste nach und nach hinauszubitten. Sie versicherte allen, sie auf dem Laufenden zu halten. Alle waren neugierig über meine Auferstehung, aber Mutter wollte mir etwas Ruhe gönnen. Ich dankte ihr in aller Stille dafür.
Sie tuschelte kurz mit den vier Unbekannten, doch ich verstand nicht, worum es ging. Anscheinend kannte sie die Vier. Jetzt fiel mir auf, dass meine Ohren kribbelten und ich ein Piepen darin hörte, wie bei einem Tinnitus.
***
Wir waren mittlerweile nicht mehr in der Kirche, sondern bei meiner Mutter zu Hause. Ich sog den bekannten Geruch tief ein und genoss es, hier zu stehen. Ihre Küche roch immer nach frisch gebackenem Brot, egal wann man sie betrat. Meine Mutter war eine talentierte Köchin und Bäckerin und nutzte jede freie Minute, um irgendetwas zuzubereiten. Die Küche war ihr liebster Ort in ihrer Wohnung.
Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich diesen Geruch noch vermissen werde.
Anscheinend verging die Zeit nach dem Tod nicht so, wie es sich für mich angefühlt hatte. Sie verging so schnell, dass man mich vom Boden abkratzen konnte, Zeit für eine Autopsie war, meine Beerdigung vorbereitet werden konnte und meine Mutter genug Zeit gehabt hatte, meine Wohnung zu kündigen und schonmal leerzuräumen.
Ich war nicht nur obdachlos, all die Sachen, die ich besaß, waren bis auf einige Andenken verschenkt oder verkauft worden.
Ich hatte ein paar Kratzer, die auf Schnitte einer Obduktion hindeuteten. Mein Körper schien jetzt recht schnell zu heilen und in unregelmäßigen Abständen ploppten Tackernadeln aus den Wunden. Sie kullerten aus dem Hosenbein. Ich hinterließ eine regelrechte Spur davon.
Die Transformation, die Stella an mir vorgenommen hatte, erkannte man nicht auf den ersten Blick, aber ich selbst bemerkte Veränderungen an mir. Mein Gehör hatte sich verbessert und reagierte auf jedes noch so kleine Geräusch. Ich nahm Gespräche wahr, von Menschen, die sich draußen unterhielten und das, obwohl wir uns im dritten Stock befanden und die Fenster fest verschlossen waren. Körperlich fühlte ich mich ebenfalls anders. Fitter und aktiver. Ich war gespannt darauf, was sich sonst noch verändert hatte.
Normalerweise hätte eine Beerdigung deutlich schneller stattgefunden. Da meine Leiche aber mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht worden war, ließ sich die Polizei für die Freigabe Zeit. Seit meinem Tod waren acht Wochen vergangen. Eine verdammt lange Zeit, von der ich absolut nichts mitbekommen hatte.
Es fühlte sich komisch an zu wissen, dass der eigene Körper acht Wochen lang wie ein Paket hin und her transportiert worden war. Wollte ich wissen, wie viele unterschiedliche Menschen mich angefasst und an mir herum geschnippelt hatten? – Eher nicht!
Was mich aktuell störte, war die Tatsache, dass ich geschminkt war wie eine schlecht hergerichtete Dragqueen. Der Bestatter hatte tief in die Schminkkiste gegriffen und alles gegeben, was er so hatte. Wie hatte ich nach der Zeit ausgesehen, wenn er so viel davon gebraucht hatte?
Mutter sah mir den Gedanken anscheinend an, denn wie bereits in der Kirche wischte sie mit der Hand durch die Luft. Ich spürte, wie meine Haut plötzlich wieder atmete, und meine Lippen schmeckten nicht mehr nach Lippenstift.
»Es gibt so viel, was ich dir beichten muss, Schatz«, sagte sie und umarmte mich jetzt schon zum gefühlt hundertsten Mal. Ihre Stimme klang glücklich und betrübt zugleich. In ihren Augen erkannte ich, dass ein schlechtes Gewissen sie plagte.
Was sie mir zu beichten hatte, war auch nicht leicht zu verdauen. Ich erfuhr kurze Zeit später, dass meine Familie aus Hexen bestand. Also hauptsächlich. Ein paar Menschen waren darunter, aber im Gegensatz zu mir waren diese alle eingeweiht gewesen in die Geheimnisse der Familie Coven.
»Ich bin sofort fertig. Spart euch das Familienwiedersehen für ein anderes Mal auf«, sagte Stella, lugte zu uns herüber und wirkte immer noch höchst gestresst. Ich sah kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn glitzern. Angestrengt zeichnete sie weiter. Meine persönliche Sensenfrau war damit beschäftigt, ein Pentagramm auf dem Boden zu kreieren, das von Sigillen erweitert wurde. Den Hexenstern hatte ich schon in Büchern gesehen aber die anderen Kunstwerke von ihr waren mir nicht bekannt.
Schnörkel um Schnörkel vergrößerte sie ihre Malerei, bis sie mit ihr zufrieden war. Wie selbstverständlich marschierte sie zu einem Schrank, in dem meine Mutter ein paar Kräuter lagerte und bediente sich daran. Jetzt, wo ich so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass ich ihre Küchenkräuter nie infrage gestellt hatte, obwohl viele ausgefallene Gewürze dabei waren.
Stella stellte sich in die Mitte, nachdem sie die unterschiedlichsten Inhalte der Gläser in ihrem Kunstwerk verteilt hatte. Sie murmelte etwas in einer Sprache, die ich normalerweise nicht hätte verstehen dürfen, doch irgendwie ergaben ihre Worte einen Sinn. Sie rief ihren Vater.
Stella hatte mir vorher erklärt, dass ihr Vater der Tod persönlich war. Ein Wesen der natürlichen Ordnung und Chef aller Sensenmänner dieser Welt. Wenn jemand wusste, was hier vor sich ging, dann er.
Die Härchen auf meinem Arm stellten sich auf. Eine Gänsehaut durchfuhr mich und die Luft fühlte sich plötzlich geladen an. Es knisterte. Es war kein Geräusch, eher fühlbar, als wäre ein Blitz kurz davor, in die Erde einzuschlagen. Mein Herzschlag, den ich tatsächlich noch hatte, wurde schneller und instinktiv hielt ich die Luft an. Ich spürte, wie das Blut durch meinen Körper gepumpt wurde, und Aufregung durchfuhr mich.
»Das ist die Magie. Du fühlst das Aufwallen der Magie, Schätzchen«, sagte Mutter, die wieder wusste, was ich dachte, ohne dass ich es laut ausgesprochen hatte. War sie immer schon so emphatisch gewesen? Oder las sie meine Gedanken? Ich war glücklich, dem Tod entkommen zu sein, aber auch wütend, dass sie mich all die Jahre belogen hatte. Warum?
Ich hatte wieder mehr erwartet, als tatsächlich geschah. Einen Hauch Aufregendes und Effektvolles. Rauch. Oder einen lauten Knall, doch Stellas Vater erschien von der einen auf die andere Sekunde in der Küche. Er stand plötzlich neben meiner Mutter, die mit der Ankunft des Todes zwar gerechnet hatte, sich aber trotzdem tierisch erschreckte. Sie zuckte zusammen. Hätte Stellas Vater »Buh« gerufen, hätte sie ihm eine geschmiert.
Wenn ich mir den Tod als Person vorgestellt hätte, dann wäre mir das Bild eines knochigen alten Greises in den Sinn gekommen. Jemand, der die besten Jahre seines Lebens bereits hinter sich hatte. Eine Gestalt mit Kapuze und einer Sense. Der Mann, der in der Küche stand, entsprach diesem Bild aber überhaupt nicht. Meine Mutter schien ebenfalls überrascht von seinem Anblick.
Er war recht groß, ich schätzte ihn auf knapp zwei Meter. Er trug einen schicken Anzug und unter dem Hemd zeichnete sich eine sportliche Figur ab. Bei seinem Alter tippte ich auf vierzig Jahre, doch ein Gefühl verriet mir, das er sehr weit davon entfernt war. Er wirkte auf mich wie jemand, der penibel auf seinen Körper achtete und sich morgens eine halbe Stunde überlegte, welches Outfit er anzog.
Mit seiner Erscheinung ließ er sicher so einige Singleherzen höherschlagen und wäre das perfekte Model für eine Singlebörsenwerbung. Meine Mutter fuhr sich durch die Haare und richtete sie. Am liebsten hätte ich sie in die Seite gepikst, denn fürs Flirten war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Ich hörte die Stimme einer Frau in meinen Gedanken, die sagte: »Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single.« Ich unterdrückte ein Kichern.
»Was hast du angestellt, Stella?«, fragte er und seine Stimme klang ganz normal. Auch hier hätte ich zumindest ein Rasseln oder etwas Rauchigeres erwartet, doch meine Vorstellung wurde von ihm vollkommen zerstört. Er sah seine Tochter an, als hätte diese mal wieder Mist gebaut. Ein Tadel erklang in seiner Stimme, was Stella anscheinend nur noch mehr auf die Palme brachte, als sie es ohnehin schon war.
War Stella überhaupt so jung, wie sie aussah, oder hörte sie sich seit Jahrhunderten die unterschwelligen Bemerkungen ihres Vaters an? Mich hätte die Situation vermutlich auch geärgert, wenn ich älter wäre, als ich aussah, und trotzdem wie ein Kind behandelt werden würde.
»Wenn ich das wüsste, dann hätte ich dich nicht gerufen«, antwortete sie trotzig. Würde es sich hier nicht um mich drehen, wäre diese Szene echt witzig gewesen, doch genau der Gedanke trieb mich immer wieder in die Ernsthaftigkeit zurück. Der leibhaftige Tod und seine Tochter standen bei meiner Mutter in der Küche und erörterten, warum ich noch lebte.
Wenn das überhaupt der Fall war.
»Ich hatte einen Fall auf den Schreibtisch. Mittzwanziger, getötet bei einem Raubüberfall. Keine Besonderheiten. Großteil der Familie ist magisch veranlagt, aber einige wenige, so wie er auch, zeigen keine Anzeichen davon«, berichtete sie. Die Worte prasselten nur so aus ihr heraus. Die Geschichte meines Todes hörte sich aus ihrem Mund an wie etwas vollkommen Normales. »Da er nicht weiterziehen wollte, habe ich ihn angeworben. Die Saat ist aufgegangen und plötzlich steht er quicklebendig in seinem Sarg. Er verfügt eindeutig über die Fähigkeiten eines Sensenmannes, immerhin hat er seinen Todesschrei benutzt, um den Sargdeckel aufzusprengen, und das Geistermädchen auf seiner Beerdigung konnte er auch wahrnehmen«, fuhr sie fort. »Wenn du ihn dir aber anschaust, siehst du, dass auch seine Hexenseite plötzlich Interesse an ihm zeigt«, erklärte sie ihrem Vater. »Irgendetwas Komisches geht hier vor sich und ich komme einfach nicht drauf.« Sie gestikulierte wild, als sie die Situation schilderte und zeigte dabei immer wieder auf mich.
Für sie war es noch komischer, als es für mich war? Die ganze Geschichte hier hatte Potential, verfilmt zu werden. Ich sah mich und mein Leben schon auf Netflix laufen.
Stellas Vater kam auf mich zu und sah mir tief in die Augen. Er stand einfach da und inspizierte mich. Ich fühlte mich wie ein Tier im Zoo, das durch eine dicke Scheibe begutachtet wurde. Seine Iriden waren so dunkelbraun, dass sie schon fast schwarz wirkten. Nur das Sonnenlicht ließ die braunen Pigmente darin schimmern. Sie hatten eine eigenartige Tiefe und fast hätte ich mich in ihnen verloren. Ich fühlte mich wie ein verliebter Teenager und errötete bei diesem Gedanken.
Nach einigen Sekunden griff er meine Hand. Ich zuckte kurz zusammen und widerstand dem Drang, sie zurückzuziehen. Sie war erstaunlich kalt, fast so wie die eines Toten. Ha, Wortwitz. Wenn ich so darüber nachdachte, war seine eisige Hand das Erste, das in meine Vorstellungen passte. Er stand mir gegenüber, schaute mich an, hypnotisierte mich fast mit seinem Blick.
»Entschuldigung, aber irgendwie fühlt sich das Ganze hier gerade komisch an. Was genau ist los und was habe ich falsch gemacht?«, fragte ich in die Runde und durchbrach die Stille.
»Du hast überhaupt nichts falsch gemacht. Dieses gerissene Miststück Rovena hat ihre Finger im Spiel«, erklärte er, hielt weiterhin meine Hand und löste seinen Blick nicht von meinen Augen, als würde er durch sie in meine Seele schauen. »Anscheinend hat sie einen Zauber durch deine Blutlinie geschickt, bis dieser dich als Ziel entdeckt hat. Er hat dafür gesorgt, dass du nach deinem Tod wieder ins Leben zurückgeholt wirst«, erklärte er weiter. »Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, dass er so lange hält. Hexenzauber sind meist flüchtig und lösen sich auf. Dieser hier hat Jahrhunderte überstanden.«
»Das kann aber nicht sein, Vater«, mischte sich Stella ein. »Er saß bei mir im Büro. Er war tot.« Man sah die Fragezeichen fast, die um ihren Kopf herumschwirrten. Sie fuhr sich mit der Hand durch ihre Haare, um diese wieder zu richten. Das wilde Gestikulieren hatte sie etwas durcheinandergerüttelt.
»Du hast vollkommen recht, deswegen nannte ich Rovena ja ein gerissenes Miststück. Sie hat mehrere Gegebenheiten genutzt. Lass es mich erklären«, antwortete der Tod. »Darren war von Geburt an ein normaler Mensch, ohne Magie. Der Zauber ist dennoch bis zu ihm durchgedrungen, aber hatte nichts, um aktiviert zu werden. Der Zauber benötigt nämlich einen klitzekleinen Funken Magie, um auszulösen. Also ruhte er. Als Darren starb, hatte der Zauber immer noch keinen Funken und somit tauchte er in deinem Büro auf, weil es nicht vorgesehen war, dass Darren wieder zum Leben erwacht. Mit deiner Rekrutierung hast du ihn magisch gemacht und da kam der Zauber von Rovena zum Zug und beförderte ihn wieder zurück«, beendete der Tod seine Erklärung.
Wer war Rovena? Ich kannte diese Frau nicht und verstand nicht, warum sie mich mit einem Zauber belegt hatte, und das anscheinend schon vor Jahrhunderten. Hatte es sich irgendeiner meiner Vorfahren mit ihr verscherzt? Hatte sie meine komplette Familie verflucht und ich durfte den Spaß jetzt ausbaden?
»Aber warum? Warum sollte sie das tun? Ich habe noch nie davon gehört, dass die Nachfahren der Covens gezielt ins Leben zurückgeholt wurden. Warum ausgerechnet Darren?«, fragte Stella. Mittlerweile hatte der Tod meine Hand losgelassen, doch den Blick hielt er immer noch fest in meine Augen gerichtet.
»Wie du bereits weißt, stehen schwierige Zeiten bevor, und ich glaube, dass die Götter Darren dafür ausgesucht haben, die Zeitlinien durchzurütteln. Wieso hätte Rovena sonst einen solchen Zauber wirken sollen?«, stellte er seine Vermutung auf. »Es besteht anscheinend eine Chance, dass sich die Zukunft, die wir vorausgesehen haben, nicht manifestiert und festigt.«
Dieses Gespräch nahm ein Ausmaß an, das ich kaum verstand. Was genau stand bevor? Was hatte ich mit all dem zu schaffen und wie würde es jetzt weitergehen? Von welchen Göttern sprach er?
»Entschuldigt, wenn ich euch wieder unterbreche«, fing ich an und mischte mich in das Gespräch ein. Ich stellte den beiden die Fragen, die in meinem Kopf herumschwirrten. »Was genau steht bevor und was hat das alles mit mir zu tun?«
Der Tod kam einen Schritt auf mich zu und hielt mir seine Handfläche an die Wange. Ich spürte wieder die Kälte seiner Haut durch mich hindurchfahren und das Aufwallen von Magie.
Mir erschienen ruckartig Bilder im Kopf. Sie brannten sich in mein Hirn. Erschrocken zuckte ich zusammen. Ich sah bekannte Orte, doch nicht so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Sie wirkten apokalyptisch und alles war fast bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Kaputte Gebäude, Leichen, soweit man schaute, und überall loderten Feuer. Es war weit und breit niemand zu sehen, der noch lebte. Man hörte keinerlei Geräusche, außer dem Knistern der Flammen.
»Das Ende unserer Welt steht kurz bevor. Die Götter haben mir das bereits mitgeteilt, immerhin bedeutet ein solches Ereignis einiges zu tun für uns. Allerdings haben sie mir auch mitgeteilt, dass sie etwas dagegen tun werden, aber nicht ausgeführt, was genau ihnen vorschwebt. Ein Wesen wie dich hat es noch nie gegeben. Halb Hexe, halb Sensenmann. Das schreit förmlich nach Einmischung der Götter«, ging er auf die Fragen ein. »Hätte ich nichts von dieser Apokalypse gewusst, hätte ich angenommen, du bist eine Laune der Natur.«
»Und was bedeutet das jetzt für mich?«, fragte ich und hoffte, dass ich mein altes Leben einfach wieder aufnehmen konnte. Ich hatte keine Lust darauf, der Retter der Welt zu werden. Wie hielt man überhaupt eine Apokalypse auf?
Okay, mein Leben war langweilig gewesen, aber doch nicht so schlimm, dass ich ein Held werden wollte. Ich bereute es mittlerweile, das Angebot mit dem Wellnesscenter im Licht nicht angenommen zu haben.
»Das bedeutet, dass eine interessante Zeit für dich bevorsteht. Ich habe nichts mit den Plänen der Götter zu tun, ich kann nur schätzen, worauf sie aus sind. Das Ende eurer Welt hat sich erst spät gezeigt. Es gibt aktuell nichts und niemanden, der dagegenwirken kann. Es fehlt außerdem an Zeit, um jemanden darauf vorbereiten zu können«, sagte er und ich unterbrach ihn wieder.
»Wenn es keine Zeit gibt, um jemanden auf diese Situation vorzubereiten, was genau soll ich dann tun? Wie ihr bereits festgestellt habt, habe ich mit dem Thema Magie bis jetzt überhaupt keine Berührungspunkte gehabt«, antwortete ich. »Ich glaube, dass alles nur ein schlechter Traum ist und ich jeden Moment aufwachen werde«, sagte ich und meine Stimme klang nach tiefer Verzweiflung.
»Wenn wir Sensenmänner eines haben, dann ist es Zeit. Du bist unsterblich, besitzt aber dennoch die Gaben einer Hexe. Die Fähigkeiten einer einzelnen Hexe werden für den Kampf gegen den Ausbruch der Apokalypse nicht ausreichen. Ein Sensenmann mit den Fähigkeiten einer Hexe, der in der Lage ist, das Wissen und das Können mehrerer Leben zu erlangen, dürfte ein guter Schritt in die richtige Richtung sein«, antwortete der Tod, als wäre meine Frage äußerst naiv gewesen.
»Aber haben Sie nicht gerade selbst gesagt, dass uns genau diese Zeit für die Vorbereitung fehlt?«, fragte ich und war genervt. Ich verstand Stella und ihre abwertende Art ihrem Vater gegenüber und mochte mir nicht vorstellen, wie es wäre, sein Kind zu sein. Er war vielleicht allwissend, aber die anderen in diesem Raum waren das nicht. Er wirkte wie ein Lehrer, der nicht verstand, warum seine Schüler seinen Erklärungen nicht folgen konnten.
»In der jetzigen Zeitlinie fehlt uns definitiv die Zeit dafür. Das hindert die Götter aber nicht, dich durch die Zeit zu schicken. Du kannst in anderen Zeitlinien lernen, Wissen sammeln und deine Fähigkeiten erweitern«, antwortete er wieder, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt.
»Zeitreisen?«, fragte ich. Die ganze Sache wurde immer skurriler. Mir fehlten eindeutig noch ein paar Aliens in dieser Geschichte. Wie genau stellten er oder die sogenannten Götter sich das eigentlich vor? Mich aus dem Leben zu reißen, um mich dann durch die Zeit zu schicken. Eine durchgeknallte Scheiße war das!
»Ja, Zeitreisen. Habe ich recht oder habe ich recht, Liliana?«, fragte der Tod und schaute, während er sprach, in die Luft. Redete er gerade mit einer Göttin? Sah er sie? Ein fröhliches Lachen erklang in der Küche.
Meine Mutter und ich sahen uns entsetzt an. Anscheinend war eine uns unbekannte Göttin davon begeistert, dass der Tod den großen Plan erraten hatte, um die Apokalypse aufzuhalten. Und anscheinend beinhaltete dieser die Mitwirkung meiner Wenigkeit. Super. Wo war ich da nur reingeraten?
Das war der Punkt, an dem ich am liebsten ausgeflippt wäre. Ich wollte schreien, mit den Füßen auf dem Boden aufstampfen, um mich schlagen und alles und jeden anbrüllen. Ich war ein mehr oder weniger lebendes Wesen und hatte kein Mitspracherecht. Irgendwelche ominösen Götter hatten sich einen Plan für mich ausgedacht und verlangten jetzt von mir, dass ich mich fügte. Ich fühlte mich mehr als beschissen in diesem Moment.
Bevor ich etwas sagen oder wirklich um mich schlagen konnte, sprach der Tod weiter. »Wie ich bereits erklärt habe, werden dich die Götter durch die Zeit schicken. Je eher du dich auf die Situation einlässt und je schneller du alles lernst, desto eher kannst du in deine Zeit zurück. Ich denke, dass einige Lebensspannen auf dich zukommen werden.« Hatte ich keine andere Wahl? Konnte nicht jemand anderes diesen Part übernehmen? Die Heldinnen aus Hexentinte zum Beispiel. Wo waren Inka und ihre vorlaute Katze Schnursula, wenn man sie brauchte?
»Du hast eine Wahl«, antwortete er auf meine nicht gestellte Frage. »Dieser Plan ist so komplex und ausgeklügelt, dass nur du ihn durchführen kannst. Wenn du dich dagegenstellst, wird die Welt einfach untergehen. Deine Entscheidung.«
Ich konnte mich weigern, hatte einen eigenen Willen. Glücklicher wurde ich dadurch aber nicht, denn was war das überhaupt für eine beschissene Wahl? Entweder folgte ich dem Plan der Götter, mich durch die Zeit zu schicken, würde Jahrhunderte fernab meiner Familie und Freunde verbringen, oder sorgte mit einer egoistischen Entscheidung dafür, dass alle anderen starben. Egal, was ich wählte, es hatte nur Nachteile für mich.
»Wirst du dem Pfad der Götter folgen?«, fragte er mich und in sein breites Grinsen hätte ich am liebsten reingeschlagen.
Ich nickte und der Tod wurde in seinen Erklärungen immer schneller. Anscheinend stand der erste Zeitsprung für mich bevor. Super. Ich hatte nicht mal Zeit, um mich zu verabschieden. Ich fühlte schon, wie sich die Härchen auf dem Arm aufstellten. Magie schwängerte die Küche meiner Mutter. Die Götter hätten mich wenigstens auf diese Reise vorbereiten können, eine halbe Stunde mehr hätte doch bestimmt keinen Unterschied ausgemacht.
»Ich empfehle dir, deinen Namen zu ändern. Verrate nur deinen engsten Vertrauten, aus welcher Zeit du kommst. Du darfst unter keinen Umständen die Zeitlinie durcheinanderbringen. Vertraue auf die Götter, sie werden dich leiten, wenn du Hilfe brauchst. Du bist als Sensenmann unsterblich, spürst aber Schmerzen und kannst außer Gefecht gesetzt werden. Denk dran, ein Einfluss auf die Zeitlinie bedeutet vielleicht, dass du nie geboren wirst.«
Dieses Mal war die Magie tatsächlich beeindruckender.
In der Küche meiner Mutter wurde es windig. Das Lachen der Göttin klingelte mir in den Ohren. »Viel Glück, Dix Coven«, flüsterte sie und die Welt explodierte in Millionen kleine Einzelteile, die in den verschiedensten Farben schimmerten.
Als sie sich wieder zusammensetzte, stand ich in einem Wald. Es war mitten in der Nacht und es war kalt. Sehr kalt. Ich wollte mich auf den Boden setzen und zusammenkauern. So lange, bis ich wieder in meiner Zeit angekommen wäre.
***
In Mutters Küche war es totenstill. Ja, selbst der Tod persönlich gab kein Geräusch von sich. Was er jedoch tat, war, mir unauffällig zuzuzwinkern. Ich hätte mir denken können, dass er auch in diese Sphäre blicken konnte. Für alle anderen war ich weiterhin unsichtbar.
Ich hob den Zeigefinger an die Lippen und deutete ihm mit einem lautlosen »Shhh«, mich nicht zu verraten. Der Tod nickte und ein leichtes Schmunzeln zuckte ihm über die Lippen.
Jeder im Raum wartete auf etwas, doch niemand konnte sagen, worauf.
Sie warteten auf mich. Auf meinen großen Auftritt. Ich brauchte noch einen Moment, um mich aufzurappeln, immerhin war das der Moment, auf den ich die letzten Jahrhunderte vorbereitet worden war.
Für mein Vergangenheits-Ich fing die Reise gerade erst an, doch für mich war sie bereits vorbei.
Ich war in diese Zeit zurückgekehrt, als alle anderen noch im Chaos versunken waren. Die Götter gönnten mir eine kurze Verschnaufpause.
»Kann mir mal einer erklären, was hier vor sich geht?«, unterbrach Mutter die Stille. Sie hatte ihren Sohn verloren, hatte ihn wiederbekommen, um ihn dann wieder zu verlieren. Die Sorge standen ihr ins Gesicht geschrieben. Sie fragte sich, ob sie mich wiedersehen würde. Und wie gefährlich meine Reisen wohl sein würden?
Mal unter uns: Ich erzähle ihr am besten nicht alle Details von meinen Abenteuern.
»Ich befürchte, für Erklärungen haben wir nicht genügend Zeit. Ihr Sohn müsste jeden Moment wieder auftauchen«, antwortete der Tod. Er hob seine Hand, rieb Daumen und Zeigefinger aneinander, um dann an ihnen zu riechen. »Ja, eindeutig liegt ein weiterer Zeitsprung in der Luft.« Verstohlen blickte er in meine Richtung. Er schien das Schmierentheater zu genießen, immerhin wusste er genau, dass nur der Schleier einer Sphäre uns trennte.
Ich schritt aus der Sphäre und stand einfach wieder da, wo mein Vergangenheits-Ich vor wenigen Sekunden verschwunden war. Ich war immer noch eins neunzig groß, hatte wuschelige aschblonde Haare, doch sonst hatte ich mich grundlegend verändert. Mutter zuckte zusammen und die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Mit dem unschuldigen und unwissenden Darren von vor wenigen Sekunden hatte ich nichts mehr gemeinsam. Mutter hatte sicher das Gefühl, dass ein vollkommen anderer Mensch vor ihr stand. Jemand, der Dinge gesehen hatte, die nur schwer zu verdauen waren.
Ich trug andere Klamotten. War nicht gealtert, eher gereift. War vor meinem Verschwinden schmächtig gewesen, sah jetzt aber athletisch aus. Mein Gesicht sah kantiger aus und wirkte reifer. In meinen grünen Augen erkannte man, dass für mich nicht nur Sekunden vergangen waren, sondern Jahrhunderte. Sie strahlten Weisheit aus. Weisheit aber auch Besorgnis. Die Tiefe meiner Pupillen glich jetzt fast der, des Todes.
»Darren?«, fragte Mutter ungläubig und rieb sich über die Augen. Jetzt war sie es, die alles für einen Traum hielt.
»So hat mich schon lange niemand mehr genannt«, antwortete ich mit sanfter Stimme und fiel ihr prompt in die Arme. Ich drückte sie so fest, dass ich aufpassen musste, sie nicht zu erdrücken.
Ich löste mich aus der Umarmung und schaute alle Anwesenden an. »Ich muss dringend eine Ratssitzung einberufen. Wir brauchen jede Hilfe, die wir bekommen können.«
Ich würde alle Hebel in Bewegung setzen, um die magische Gemeinschaft dieser Welt zusammenzutrommeln.
Ankunft in der Vergangenheit
»Ich hätte mir eine Jacke mitnehmen sollen!«, ärgerte ich mich und sprach den Gedanken laut aus. Meine Stimme war das einzige Geräusch, das ich wahrnahm. Die Umgebung war dunkel und mucksmäuschenstill.
Erst jetzt fiel mir auf, dass ich überhaupt nichts eingesteckt hatte, was nützlich hätte sein können. Ich hatte nur die Klamotten an, die ich bei meiner Beerdigung getragen und die der Bestatter, oder wer auch immer, für mich ausgesucht hatte. Ich hatte nicht mal eine Packung Kaugummi in der Tasche. Wobei mir diese hier sicher nicht weitergeholfen hätte.
Ich schaute mich um und sah nichts außer Bäumen. Es war mitten in der Nacht. Die Blätter über mir schluckten sämtliches Licht, selbst das des Mondes kam nicht bei mir an.
Mir war kalt und ich hielt es für eine gute Idee, mich in Bewegung zu setzen, um meinen Körper Wärme produzieren zu lassen. Ich hatte angenommen, dass ein Sensenmann nicht fror, wurde aber eines Besseren belehrt. Wobei ich das ja nur zur Hälfte war. Wer konnte schon sagen, was normal war und was nicht.
Es kostete mich übrigens mindestens drei Leben, die Regeln zu verstehen, denen ich nun unterlag.
Ich lief in die Richtung, in die ich schaute. Nicht nur der Kälte wegen entschied ich mich zu laufen, sondern auch wegen eventueller Waldtiere, die mir nicht freundlich gesinnt sein könnten.
Waren nicht die Gefährlichsten von ihnen die Nachtaktiven? Ich wollte weder einem Fuchs, geschweige denn einem Bären begegnen. Wobei mir ein Bär deutlich lieber gewesen wäre als ein Mann, der sich in der Dunkelheit versteckte. Der Tod hatte mir zwar gesagt, dass ich nicht in der Lage war zu sterben, gebissen oder zerkratzt werden konnte ich aber trotzdem. Ich stellte es mir nicht sonderlich prickelnd vor.
Der Boden war uneben und die Bäume standen dicht an dicht. Ich spürte Wurzeln und jedes kleine Steinchen unter meinen Sohlen. Ich passte tierisch auf, nirgendwo gegen zu laufen. Natürlich geriet ich ins Straucheln und fiel mit den Händen voran. Diese blöden Schuhe, die der Bestatter für mich ausgesucht hatte, passten mir nicht. Aus welcher verdammten Grabbelkiste hatte er sie bloß hervorgeholt?
»Verdammte Scheiße«, fluchte ich und ärgerte mich über meinen kompletten Tag, über die Götter, über mich, einfach über alles. Warum lief nicht einmal etwas gut?
Im Fallen nahm ich Magie wahr. Ich war mir relativ sicher, dass es sich um Magie handelte, denn die Härchen auf meinem Arm richteten sich wieder auf. Mir war schleierhaft, wie ich all die Jahre nichts davon bemerkt hatte, denn alleine heute hatte ich schon so viel von ihr gesehen und wahrgenommen. Wie hatte Mutter das verheimlicht? Ich rappelte mich auf und sah mich um.
Ich stand zwar immer noch mitten im Wald, doch plötzlich war er hell erleuchtet. Die Bäume standen nicht mehr so dicht aneinander. Es gab etwas Platz. Einige Fackeln waren aufgestellt und diese erhellten den Ort. Ich wurde geblendet und rieb mir die Augen, die anfingen zu tränen.
Diese ganzen Wechsel von Licht und Dunkelheit überforderten mein Hirn. Die Kopfschmerzen, die in Vergessenheit geraten waren, kamen wieder. Ich massierte mir die pochende Schläfe.
Ich war durch eine Art Barriere gelaufen, denn hinter mir war es stockfinster. Diese Barriere schluckte jede Art von Licht, das die Fackeln erzeugten. Es war wie ein dicker Vorhang im Theater. Das erklärte, warum ich diesen Platz nicht eher gesehen, geschweige denn gehört hatte. Die Stille des Waldes wurde schlagartig unterbrochen.
Geräusche drangen mir an die Ohren und ich nahm Fetzen eines Gesangs wahr.
Nachdem meine Augen sich an das Licht gewöhnt hatten, sah ich mich genauer um. In der Mitte des Platzes standen eine Handvoll verhüllter Personen in einem Kreis. Sie hielten sich an den Händen und trugen lange Gewänder. Ihre Gesichter waren durch Kapuzen verdeckt.
Wo war ich hier nur reingeraten? Sämtliche Horrorfilmszenen, die ich je gesehen hatte, schossen mir schlagartig in den Kopf. Die Tatsache, dass ich nicht sterben konnte, beruhigte mich überhaupt nicht. Ich rappelte mich auf und wollte wieder von hier verschwinden. Zurück durch den Vorhang in die schützende Dunkelheit der Nacht.
Ich blieb nicht lange unbemerkt. Eine der Personen, die in meine Richtung schaute, löste ihre Hände und zeigte mit dem Finger auf mich. »Er hat eine dunkle Aura«, sagte sie aufgeregt.
Blitzartig drehten sich alle aus dem Kreis zu mir herum. Eine große Frau löste sich aus der Gruppe, kam einige Schritte auf mich zu und hob ihre Hand. In dieser erschien wie aus dem Nichts ein Ball aus Feuer, und bevor ich überhaupt realisierte, was geschah, hatte ich diesen schon im Gesicht.
Zielsicher war sie.
Eine Eigenart, die ich später durchaus zu schätzen lernte, solange ich nicht das Ziel ihrer Attacken war.
»Aua«, schrie ich vor Schmerzen auf, krümmte mich und berührte meine Wangen. Ich fühlte geschmolzene Haut unter den Fingern. Es roch verkohlt und der Geschmack von Ruß breitete sich im Mund und in der Nase aus.
Ich war schlagartig blind, denn die Augen hatte sie voll erwischt. Der Schmerz ließ so schnell nach, wie er gekommen war, und mein Gesicht kribbelte. Es war ein ähnliches Gefühl wie das eines eingeschlafenen Fußes.
