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40 Antworten bekannter Persönlichkeiten auf die großen Fragen des Lebens Was fangen wir mit unserer kurzen Zeit auf dieser Welt an? Und was ist es, was unserem Leben letztendlich einen Sinn verleiht? Ist es unsere Arbeit, sind es unsere Freund*innen, oder unsere persönlichen Interessen? James Bailey versammelt in Letters on Life vierzig Briefe prominenterSchriftsteller*innen, Künstler*innen, Politiker*innen und Wissenschaftler*innen darüber, wie sie selbst Erfüllung gefunden und welche Dinge in ihrem Leben Bedeutung haben. Für Rupi Kaur, Bestsellerautorin von Milk and Honey, sind es scheinbar alltägliche Dinge: Sei es zu tanzen, ihre Eltern zum Lächeln zu bringen, oder zu lernen, wie man liebt. Dame Jane Goodall, britische Verhaltensforscherin, hingegen beschreibt das Leben als Experiment, in dem jeder Mensch wichtig ist und Verantwortung für die Zukunft unserer Welt trägt. Herausgekommen ist eine Sammlung von Briefen, die zum Schmunzeln bringen und zum Nachdenken anregen. Ein Buch voller großer Fragen und vermeintlich kleiner Antworten. Weitere Beiträger*innen sind unter Anderem: - Jimmy Carter, Ex-Präsident der USA - Susan Pollack, Holocaust-Überlebende - Yusuf/Cat Stevens, Musiker - Jodi Picoult, Bestsellerautorin von Beim Leben meiner Schwester - Mark Manson, Bestsellerautor von The Subtle Art of Not Giving a F*ck (Deutsche Ausgabe: Die subtile Kunst des Daraufscheißens) - Helen Sharman, Astronautin - Shi Heng Yi Zudem ist die deutsche Ausgabe um die Antworten deutschsprachiger Autor*innen ergänzt.
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2026
James Bailey
40 Briefe, die dein Leben verändern
Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Was fangen wir mit unserer kurzen Zeit auf dieser Welt an? Und was verleiht unserem Leben letztendlich einen Sinn? Ist es unsere Arbeit, sind es unsere Freund*innen oder unsere persönlichen Interessen?
Vierzig herausragende Menschen geben in The Meaning of Life Antworten auf diese Fragen. Für Poetin Rupi Kaur sind es scheinbar alltägliche Dinge: tanzen, ihre Eltern zum Lächeln bringen, oder zu lernen, wie man liebt. Verhaltensforscherin Jane Goodall hingegen beschreibt das Leben als Experiment, in dem jeder Mensch Verantwortung für die Zukunft unserer Welt trägt. Für Bestsellerautorin Jodi Picoult liegt der Sinn des Lebens darin, andere Menschen zum Nachdenken anzuregen, und für Ex-Präsident Jimmy Carter ist es das Wichtigste, die persönliche Freiheit, eigene Entscheidungen treffen zu können, auch zu nutzen.
James Bailey versammelt inspirierende Briefe, die zum Schmunzeln bringen und zum Nachdenken anregen: ein Buch voller großer Fragen und vermeintlich kleiner Antworten.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de
Einleitung
Der Brief
Wissenschaft
Dame Jane Goodall
Helen Sharman
Bindi Irwin
Edward O. Wilson
Bill McKibben
Henry Marsh
Literatur
Dame Hilary Mantel
Julian Fellowes
Jodi Picoult
Anthony Horowitz
Gayatri Chakravorty Spivak
Donna Ashworth
Rupi Kaur
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen
Susan Pollack
Mike Haines
Brian Clark
John Hoskison
Sport und Abenteuer
Dame Ellen MacArthur
Ben Smith
Yves Rossy
Kunst und Entertainment
Yusuf / Cat Stevens
Rachel Portman
Stefan Sagmeister
Jonathan Goodwin
Politik, Religion und Wirtschaft
Sir John Major
Präsident Jimmy Carter
Claire Williams
Dame Stephanie Shirley
Jack Kornfield
Shi Heng Yi
Perspektiven auf Gegenwart und Zukunft
Oliver Burkeman
Celeste Headlee
Mark Manson
Cory Allen
Mark Stevenson
Gretchen Rubin
Charles Duhigg
Roxie Nafousi
Adam Grant
Hinter Gittern
Charles Salvador
Der Sinn Ihres Lebens
Dank
Im September 2015 war ich ohne Arbeit, litt unter einem gebrochenen Herzen und lebte im Wohnwagen meines verstorbenen Großvaters. Und ich stellte mir die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Fairerweise muss ich zugeben, dass ich mir mein Leben kurz vor dem vierundzwanzigsten Geburtstag ganz anders vorgestellt hatte. Ich hatte erwartet, dass ich einen ambitionierten Job ergattern, jede Menge Geld verdienen und meinen Start ins Erwachsenenleben so richtig genießen würde. Doch nach dem Uniabschluss stand ich mit nicht viel mehr als einem Stück Papier und einem Berg von Schulden da.
Es heißt ja immer, die Unijahre wären die besten Jahre unseres Lebens. Warum war diese Zeit für mich dann so enttäuschend gewesen? Und was bedeutete das für meine Zukunft? Wenn dies schon der Höhepunkt meines Lebens gewesen war, was würde dann noch folgen?
Während meines dritten Studienjahrs war mein Großvater gestorben, und nach meinem Abschluss nutzte ich das Geld, das er mir hinterlassen hatte, um durch die Weltgeschichte zu reisen. So hatte ich das Glück, den Tadsch Mahal, die Chinesische Mauer und das Great Barrier Reef zu sehen. Eigentlich hatte ich gehofft, bei alldem auch mich selbst zu finden. Doch jetzt, nach meiner Rückkehr nach Hause, wusste ich weniger als zuvor, wer ich war oder was ich mir wünschte.
Ich verschickte unzählige Bewerbungen, von denen die meisten nicht einmal beantwortet wurden. Schließlich schrieb ich mich für ein Aufbaustudium im Fach Hotelmanagement ein. Sechs Monate hielt ich durch, bis mir klar wurde, dass ich wirklich keinen Spaß daran hatte, mich durch negative TripAdvisor-Rezensionen von müden Gästen erpressen zu lassen.
Und so beschloss ich, die Lösung all meiner Probleme läge (selbstverständlich!) darin, mich als echter Gentleman zu zeigen und nach Australien zu fliegen, um dort eine junge Frau zu besuchen, die ich auf meinen Reisen kennengelernt (und in die ich mich hoffnungslos verliebt) hatte. Ich war mit der australischen Daily Soap Neighbours aufgewachsen und stellte mir vage vor, in Down Under könnte ich glücklicher leben. Vielleicht war das ja der Ort, an den ich gehörte.
Der Traum hielt nicht lange an. Tatsächlich zerbrach er schon in tausend Stücke, bevor mein Flugzeug in Heathrow überhaupt gestartet war. Kurz vor dem Einsteigen schrieb sie mir nämlich, sie wäre inzwischen mit einem anderen Typen zusammen.
Ich kann Ihnen versichern, dass 24 Stunden eine lange Zeit sind, wenn man in einem Flugzeug sitzt und versucht, eine solch schlechte Nachricht zu verdauen. Und zwei Wochen allein in Melbourne sind noch länger, wenn man gezwungen ist, mit gebrochenem Herzen auf einem Dampfzug namens »Puffing Billy« durch die Gegend zu fahren, umgeben von fröhlichen Familien und glücklichen Liebespaaren. Und das alles in dem Wissen, dass man sein gesamtes Geld für diese Reise ausgegeben hat und nicht weiß, wohin, wenn man wieder zurückkommt.
In meiner Kindheit hatte ich immer wieder zu hören bekommen, ich könne alles tun, alles erreichen, was ich wollte. Und jetzt … scheiterte ich auf ganzer Linie. Ich war arbeitslos, unglücklich und wusste nicht, wie meine nächsten Schritte aussehen sollten. So zog ich dann also in den leer stehenden Wohnwagen in Dorset und plante, einen Roman zu schreiben. Jedenfalls erzählte ich das allen. Tatsächlich hatte ich nicht mal eine vage Idee für eine Romanhandlung.
Ein paar Jahre zuvor war ich beim Fußballspielen umgekippt, und man hatte Herzrhythmusstörungen bei mir festgestellt. Statistiken und Geschichten über Menschen, die aufgrund einer solchen Störung plötzlich tot umgefallen waren, machten mir deutlich, wie kurz das Leben sein kann. Und trotz einer Operation, die mein Problem behob und mir wieder Hoffnung auf ein langes Leben gab, wurde ich den Gedanken nicht los, dass ich meine Zeit auf diesem Planeten möglichst gut nutzen sollte. Doch welch ein Kontrast, wenn ich auf Instagram sah, welche Erfolge meine Freundinnen und Freunde feierten, und gleichzeitig allein tagsüber vor dem Fernseher saß! Selbst die Ramblay Street verlor ihren Glanz für mich.
Der Campingplatz in Dorset war inzwischen praktisch leer, die Sommergäste hatten ihre Sachen zusammengepackt und waren nach Hause gefahren. Wohin ich auch blickte, starrten mich die Zeichen meines eigenen Versagens an. Wenn ich Fußball schaute, waren die Spieler keine Kindheitshelden mehr, sondern Männer in meinem Alter – oder jünger. Und als ich mir zum hundertsten Mal die einzige Schallplatte angehört hatte, die noch in dem Wohnwagen herumlag – Van Morrisons Moondance, ein altes Lieblingsalbum von mir –, wurde mir irgendwann schmerzhaft bewusst, dass Van Morrison gerade 24 Jahre alt gewesen war, als er sie veröffentlicht hatte. Als sein drittes Album.
Was hatte ich nach 24 Jahren auf dieser Erde vorzuweisen? Ich hatte weder in der Premier League gespielt noch eins der größten Alben der Musikgeschichte geschrieben. Und statt endlich einen Roman zu verfassen, beschränkte sich meine schriftstellerische Tätigkeit auf verzweifelte Kurznachrichten an meine australische Flamme, die mich jedoch inzwischen – und dies ganz zu Recht – auf allen Kanälen geblockt hatte. Die Van-Morrison-Platte drehte sich weiter, während ich auf die Wellen starrte, die gegen die Jurassic Coast anbrandeten, und mich fragte, was ich um Himmels willen tun sollte.
Wo würde ich so etwas wie Glück oder Sinn oder Bedeutung finden? Was sollte das alles hier?
Ich stellte alles infrage.
Und wie jeder anständige Millennial wandte ich mich an Google, um Antworten zu finden.
Wenn Sie Google nach dem Sinn des Lebens fragen, bekommen Sie etwa 9790000000 Treffer.
Und so arbeitete ich mich neben meinem fordernden Alltag – schließlich musste ich This Morning und Loose Women ansehen – durch Essays, Zeitungsartikel, unzählige YouTube-Videos, verschiedene Lexikoneinträge und zahlreiche Verweise auf die Zahl 42. Bis ich irgendwann auf ein faszinierendes Projekt aus den 1930er-Jahren stieß.
Will Durant (1885–1981) war ein überaus produktiver Autor, Historiker und Philosoph. Besonders bemerkenswert ist sein 1926 erschienenes Buch The Story of Philosophy (deutsch: Die großen Denker. Übers. von Andreas Hecht, 1980), in dem er mehrere wichtige westliche Philosophen und ihre Ideen vorstellte. Drei Jahre nach Veröffentlichung des Buchs gerieten die USA in die Weltwirtschaftskrise, und Durant erhielt immer wieder Briefe, in denen man ihn nach dem Sinn des Lebens fragte. Die Sache eskalierte im Jahr 1930, als ein Wildfremder auf Durant zukam und ihm erklärte, er werde sich umbringen, wenn ihm der Philosoph keinen Grund nennen könne, es nicht zu tun. Durant nannte ihm mehrere Gründe, doch der Fremde schien unbeeindruckt und verließ ihn. Durant fand nie heraus, wie es mit dem Mann weitergegangen war. Die Erinnerung an das Erlebnis sollte ihn lange verfolgen.
Im Jahr darauf beschloss er, einhundert Geistesgrößen aus Kunst und Kultur, Politik, Wissenschaft und Religion anzuschreiben und sie um Aussagen zum Sinn des Lebens zu bitten. Außerdem bat er sie, darüber Auskunft zu geben, wie sie selbst Sinn, Richtung und Erfüllung in ihrem Leben fänden. Seine Anleitung dazu lautete: »Schreiben Sie kurz, wenn Sie müssen, oder lang und ausführlich, wenn es Ihnen möglich ist.«
Ein erheblicher Teil der so Angeschriebenen entschuldigte sich, doch es gab Antworten von Präsidenten bedeutender Universitäten, Nobelpreisgewinnern, aus Psychologie, Literatur und Dichtung, Kunst und Sport. Diese Antworten wurden in dem Buch On the Meaning of Life abgedruckt, das 1932 veröffentlicht wurde.
Ich hatte mir sofort die E-Book-Ausgabe heruntergeladen und blätterte darin, fand berühmte Denker wie Gandhi, Bertrand Russell und Sinclair Lewis und war vollkommen fasziniert von ihren Antworten.
Und dann kam mir die Idee.
Vielleicht war es nur der Wunsch, das Schreiben meines eigenen Romans noch etwas aufzuschieben – schließlich hatte ich immer noch keine Idee für eine Handlung. Vielleicht hatte ich auch einfach nur zu viel Zeit. Jedenfalls beschloss ich, Durants Experiment zu wiederholen und meine eigenen Antworten zu suchen.
Irgendjemand würde doch wohl eine Antwort haben, die mir helfen konnte!
Sofort war für mich klar, dass ich jeden Brief, den ich hinausschickte, mit der Hand schreiben würde. Ich dachte, der persönliche Touch würde den Briefen mehr Gewicht verleihen – und außerdem hatte ich in meinem Wohnwagen auch gar keinen Drucker. Doch klar war auch: Ich konnte meine Briefe an die Großen und Guten dieser Welt nicht auf stinknormalem Papier schreiben, und schon gar nicht auf dem alten, ausgefransten Schmierpapier, das im Wohnwagen herumlag und die Abdrücke uralter Scrabble-Punktestände trug.
Also öffnete ich erst mal meinen Laptop und beschäftigte mich mit der Suche nach dem richtigen Briefpapier. Dann bestellte ich mir einen Stapel 90-Gramm-Pergamentpapier mit passenden Umschlägen und staunte nicht schlecht, als ich sah, dass der Preis dem meines Rückflugs von Melbourne kaum nachstand. Da ich echt nicht mehr viel auf dem Konto hatte, meldete ich mich bei dem Versender Paperchase als Kunde an und tat so, als hätte ich gerade Geburtstag: So kam ich zu einem kleinen Rabatt.
Ich fand auch, es wäre höflich, frankierte und adressierte Rückumschläge für die Antworten beizulegen, was bedeutete, dass ich nicht nur doppelt so viele Umschläge, sondern auch doppelt so viele Briefmarken brauchte. Und ich muss zugeben, dass mir bis zu diesem Tag nicht bewusst war, wie teuer das Briefporto inzwischen geworden war, vor allem wenn es sich um Briefe ins Ausland handelte. Am Ende musste ich sogar noch ein paar amerikanische Briefmarken auf eBay ersteigern, für die Umschläge, die hoffentlich aus den USA an mich zurückgesandt würden. Wie auch immer: Ehe ich mich versah, hatte sich der enge Wohnwagen in ein Postamt der Royal Mail verwandelt.
Zweifellos hat sich die Definition von »Geistesgrößen« seit 1931 enorm gewandelt. Durants damalige Liste enthielt hauptsächlich Personen aus dem akademischen Bereich. Ich hingegen wollte meine Liste so breit wie möglich anlegen und mehr Diversität sicherstellen. Es ging ja schon damit los, dass in Durants Buch nur drei Antworten von Frauen stammten.
Natürlich konnte ich nicht alle Bereiche des Lebens umfassen, doch ich versuchte, Kontakt zu einer breiten Vielfalt von Menschen aufzunehmen, was Herkunft, Wohnort, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe und Religion anging. Wobei ich natürlich gleichzeitig wusste, dass das Endergebnis davon abhängen würde, wer mir antwortete.
Außerdem war die Liste sehr davon beeinflusst, ob ich eine Postadresse finden konnte. Ich durchwühlte alle möglichen Websites auf der Suche nach Kontaktdaten und verbrachte Stunden damit, die Briefe sorgfältig zu schreiben, zu falten und in die Umschläge zu stecken.
Diejenigen, die eine ausländische Briefmarke brauchten, brachte ich ins Postamt der nächstgelegenen Stadt, das eine halbe Stunde zu Fuß von mir entfernt lag. Dort angekommen, bemühte ich mich um einen neutralen Gesichtsausdruck, wenn der Herr hinter dem Schalter neugierig die Adressen betrachtete und sich garantiert fragte, warum ich an US-Präsidenten schrieb. Ich leckte die Briefmarken an, klebte sie auf, warf die Umschläge in den Briefkasten … und dann wartete ich.
Es ist uns heutzutage möglich, in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren: per Telefon, Textnachricht oder gar Videocall. Doch es ist immer noch auf seltsame Weise aufregend, ja, geradezu magisch, wenn wir einen Brief mit der Post erhalten. Als meine Schwester und ich jünger waren, wetteiferten wir in den Sommerferien immer darum, wer die meisten Autogramme von prominenten Personen ergattern konnte. Ich schrieb an Fußballer und sie an die Besetzung von Only Fools and Horses (diese Sitcom aus den Achtzigern faszinierte sie als Elfjährige auf geradezu bizarre Weise). Am Ende des Sommers hatte ich einen ganzen Ringordner mit (oft nur gedruckten) Unterschriften. Und ich erinnere mich noch genau, wie aufgeregt wir auf das Klappern am Briefschlitz warteten, wie wir vom Garten ins Haus liefen, uns gegenseitig anrempelten, um als Erste die Briefe in die Finger zu bekommen. Unser Postbote war zu einer Art Weihnachtsmann mutiert.
Dieselbe spürbare Aufregung empfand ich, als ich jetzt dasaß und die Antworten auf meine Briefe erwartete. Doch diesmal war der Postbote längst nicht so entgegenkommend. Da klapperte nichts. Tage, ja, Wochen vergingen, ohne dass ich irgendeine Antwort bekam. Nichts. Absolut nichts.
Allmählich machte ich mir Sorgen, dass ich mein letztes Geld für Briefmarken und Schreibwaren in den Sand gesetzt hatte. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Stunden hatte ich damit zugebracht, Adressen herauszusuchen, Briefe mit der Hand zu schreiben und über die Felder zu marschieren, um sie zur Post zu bringen. Was, wenn jetzt niemand antwortete? Im Geist probierte ich alle möglichen Szenarien aus. Waren die Adressen korrekt? Waren die Briefe allesamt verloren gegangen? War es ein Fehler gewesen, sie alle auf einen Schlag abzuschicken? Vielleicht war der Briefkasten außer Betrieb? Aber nein, wenigstens ein Mensch würde mir doch wohl eine Antwort schicken!
Und so geschah es. Irgendwann kam ein einzelner Brief in meinem Rückumschlag. Das war er nun also, der glorreiche Augenblick, auf den ich gewartet hatte. Ich starrte auf meine eigene Handschrift und fragte mich, von wem der Brief wohl kam. Welche Worte der Weisheit würde er enthalten? Voller Eifer und Begeisterung riss ich den luxuriösen Umschlag auf und las hektisch den Inhalt der computergeschriebenen Antwort. Das Wort »leider« sprang mich an, als wäre es zehnmal so groß geschrieben wie alle anderen.
Eine Absage. Als hätte ich davon in diesem Jahr nicht schon genug bekommen.
