The Nightmare Before Kissmas - Sara Raasch - E-Book
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The Nightmare Before Kissmas E-Book

Sara Raasch

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Beschreibung

Was passiert, wenn sich der Prinz von Weihnachten und der Prinz von Halloween ineinander verlieben? Das New Adult-Highlight »The Nightmare Before Kissmas« ist der erste Teil der schaurig-süßen Enemies to Lovers-Dilogie über die unerwartete Liebe zwischen Weihnachten und Halloween. Coal ist zwar der Prinz von Weihnachten, aber würde dieses Jahr lieber darauf verzichten. Grund dafür ist sein Vater Santa Claus, der aus ihm seine neueste PR-Kampagne machen will: Coal soll seine beste Freundin Iris, die Prinzessin von Ostern, heiraten, um eine Allianz zwischen den Feiertagen zu bilden.  Als ein Konkurrent im Kampf um die Hand der Prinzessin auftaucht, trifft Coal auf ein bekanntes Gesicht: Hex, der gutaussehende und charmante Prinz von Halloween. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr fühlen sich die zwei Prinzen zueinander hingezogen. Aber die Pläne des Weihnachtsmannes zu durchkreuzen und sich in den größten Rivalen von Weihnachten zu verlieben wäre eine Katastrophe … oder etwa nicht? Die magische, cosy Boys Love Romance und BookTok-Sensation der Romantasy-Autorin Sara Raasch jetzt auf Deutsch!  Für alle Fans von Royal Blue, Meet me in Autumn oder The Nightmare Before Christmas - dieser Liebesroman verzaubert dich mit folgenden herzerwärmenden Tropes: - The Nightmare Before Christmas but make it gay - Enemies to Lovers - Boys Love - Opposites Attract - Grumpy x Sunshine - Slow Burn Die »Royals und Romance«-Dilogie erscheint in folgender Reihenfolge: - The Nightmare Before Kissmas - Go Luck Yourself

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Seitenzahl: 569

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Sara Raasch

The Nightmare Before Kissmas

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von Bettina Ain

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Was passiert, wenn sich der Prinz von Weihnachten und der Prinz von Halloween ineinander verlieben?

Das New Adult-Highlight »The Nightmare Before Kissmas« ist der erste Teil der schaurig-süßen Enemies to Lovers-Dilogie über die unerwartete Liebe zwischen Weihnachten und Halloween.

Coal ist zwar der Prinz von Weihnachten, aber würde dieses Jahr lieber darauf verzichten. Grund dafür ist sein Vater Santa Claus, der aus ihm seine neueste PR-Kampagne machen will: Coal soll seine beste Freundin Iris, die Prinzessin von Ostern, heiraten, um eine Allianz zwischen den Feiertagen zu bilden. 

Als ein Konkurrent im Kampf um die Hand der Prinzessin auftaucht, trifft Coal auf ein bekanntes Gesicht: Hex, der gutaussehende und charmante Prinz von Halloween. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr fühlen sich die zwei Prinzen zueinander hingezogen. Aber die Pläne des Weihnachtsmannes zu durchkreuzen und sich in den größten Rivalen von Weihnachten zu verlieben wäre eine Katastrophe … oder etwa nicht?

Die »Royals und Romance«-Dilogie erscheint in folgender Reihenfolge:

The Nightmare Before Kissmas

Go Luck Yourself

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de und www.bramblebooks.de

Inhaltsübersicht

Widmung

Kapitel Eins

Iris und die Claus-Jungs

Kapitel Zwei

Kapitel Drei

IRIS

Iris und die Claus-Jungs

Kapitel Vier

Kapitel Fünf

Baby It’s Coal-d Outside

Kapitel Sechs

Kapitel Sieben

Kapitel Acht

Kapitel Neun

Kapitel Zehn

Kapitel Elf

Kapitel Zwölf

KRIS

Küken, winzige Zuckerstange und der beste Claus

Kapitel Dreizehn

Kapitel Vierzehn

HEX

Kapitel Fünfzehn

Kapitel Sechzehn

HEX

Kapitel Siebzehn

Kapitel Achtzehn

Kapitel Neunzehn

HEX

Kapitel Zwanzig

Kapitel Einundzwanzig

Kapitel Zweiundzwanzig

KRIS

Leseprobe

Danksagung

Immer wieder habe ich gescherzt, dass ich meine Bücher Euch widmen werde, meine lieben Lesenden. Aber bei dem hier ist es mir ernst. Ich widme es Dir! Es soll Dich zum Lächeln bringen. Das haben wir alle verdient.

Kapitel Eins

Sommerferien nach dem zweiten Jahr an der Universität

Wie konnte ich nur denken, dass mir das stehen würde?

Dieses lachsfarbene Hemd, meine ich. Es lässt mich auf jedem der Fotos blasser aussehen, als ich ohnehin schon bin – nein, Moment, das hier ist gar nicht so übel. Ich stehe auf den Stufen vor Lily und Iris’ Anwesen, kurz bevor alles den Bach runterging, weshalb ich noch immer dieses großspurige Lächeln im Gesicht trage. Wäre es schwarz-weiß, dann könnte ich durchaus respektabel rüberkommen.

Ha! Respektabel.

Nach dem, was heute Abend vorgefallen ist, überrascht es mich, dass mich das Wort nicht spontan in Flammen aufgehen lässt.

Also denke ich es noch einmal: respektabel.

Kein Feuer. Ein wahres Wunder!

Und da ich bereits vier Wodka Martini intus habe – ein Wodka, der mal ein Martini sein wollte, aber dann eine Solokarriere einschlug –, werfe ich den Kopf in den Nacken und gurre: »Rrrrrespektabel.« Dann summe ich leise: »R-E-S-P-E-«

»Lass Aretha Franklin aus dem Spiel.«

Der Hocker neben mir ächzt unter meinem Bruder, als er sich daraufsetzt. Ich sehe mich um, aber Iris ist nicht da – noch nicht. Lange wird sie nicht auf sich warten lassen.

Falls sie mich überhaupt noch sehen will. Wie sauer wird sie wohl sein, nachdem ich den Geburtstag ihrer Schwester ruiniert habe? Oder ist es eher die Art, auf die ich den Geburtstag ruiniert habe, die sie wütend macht?

Ich hebe das kalte Glas mit meinem vierten – fünften? – Wodka Martini an und trinke die Hälfte des trockenen, bitteren Getränks, bevor ich mich wieder den Paparazzi-Bildern widme. Schlagzeilen scrollen an mir vorbei: Prinz Nicholas’ neueste Katastrophe! Prinz Nicholas: Geht er jetzt zu weit? Und so weiter.

Auf dem Bildschirm über der Bar läuft ein Basketballspiel, unter dem weitere Schlagzeilen entlanglaufen: Über Nacht werdenim ganzen Land Millionen Geschenke vom »Weihnachtsmann« verteilt, als Ursache wird ein Fehler beim Versand vermutet, weitere Updates …

»Das Foto ist der Knaller«, sage ich zu Kris. Da er mir hierher gefolgt ist, muss er jetzt auch damit klarkommen, dass ich Trübsal blase.

Ha, ich blase mir einen.

Ich setze mich gerader hin und richte den Blick an die Decke, denn offenbar habe ich soeben mein Limit erreicht. Das, bei dem ich betrunken über dumme, schmutzige Wortwitze lache.

Über seinen eigenen schmutzigen Wortwitz zu lachen, ist auch eine Art Masturbieren.

Ich vergrabe das Gesicht in den Händen. »Scheißdreckscheiße.«

»Jepp«, stimmt Kris mir zu. Dann wendet er sich an den Barkeeper. »Zwei Wasser. Er hat genug.«

»Fickdich.«

»Oder geben Sie mir einfach den Brausehahn, damit ich ihm ins Gesicht spritzen kann.«

Ich nehme die Hände vom Gesicht, aber vor mir sitzen zwei Kris. Erst als ich die Augen zukneife, stellt er sich scharf.

Kris sieht aus wie ich, nur nicht so betrunken und zerzaust. Braune Locken, blaue Augen, helle Haut, der, wie ich ihm sagen sollte, rosa Farbtöne überhaupt nicht schmeicheln, so von Bruder zu Bruder. Er hat sich das lange Haar auf dem Kopf zusammengebunden und die Jacke und das Hemd ausgezogen, sodass er nur in einem Unterhemd vor mir sitzt …

Nein, kein einfaches Unterhemd. Das Top ist grellgrün, und auf der Brust prangt der Spruch Sleigh My Name, Sleigh My Name. Das Hemd, das er garantiert absichtlich zu eng trägt, hilft nicht dabei, seine Tätowierungen zu verstecken.

»Hast du das die ganze Zeit unter dem Anzug getragen?«

»Das ist genau das, worüber wir jetzt reden sollten. Mode.«

Ich drehe mich wieder zu meinem Smartphone. »Das hier hat mich beschäftigt, bevor du mich so unverschämt verfolgt hast.«

»Zu der Bar, in die du dich immer flüchtest.«

Ich mag die Kneipe, weil sie vom Campus aus leicht zu erreichen ist, ohne dass es hier jemals zu voll wird. Selbst jetzt an einem Freitagabend sind gerade mal die Hälfte der Stühle besetzt. In den Nischen und an den Tischen plaudern Studierende, von denen einige T-Shirts von Yale tragen, während aus der Jukebox irgendein Countrysong dudelt, leise genug, dass man sich unterhalten kann.

Kris zuckt die Achseln. »In New Haven gibt es noch genug andere Bars, in denen du dich tatsächlich verstecken könntest. Dass du hierhergekommen bist, verrät mir, dass ich dich finden sollte.«

»Als mein kleiner Baby-Bruder ist es dir gesetzlich verboten, mich zu analysieren.«

Er verzieht das Gesicht. »Ich bin nur vierzehn Monate jünger als du.«

»Kleines. Baby.« Ich stoße mit dem Zeigefinger gegen seinen muskulösen Oberarm. Dann mustere ich ihn neidisch. Jüngere Geschwister sollten auch nicht kräftiger werden dürfen. Doch dazu sollten die älteren Geschwister vermutlich auch öfter mal einen Fuß in ein Fitnessstudio setzen, vergessen wir die Sache also. Soll er die Muskeln haben.

Als er Luft holt, um das Thema zu wechseln, zeige ich ihm das erste Foto auf der Paparazzi-Seite. Das mit mir im lachsfarbenen Hemd.

»Warum zum Teufel hast du zugelassen, dass ich das in der Öffentlichkeit trage?«

»Coal.«

Ich werfe das Smartphone zurück auf den Tresen und greife nach meinem Glas, aber Kris legt eine Hand darüber.

»Ist dir klar, wie sehr du die Sache verkackt hast?«, fragt er leise.

»Ja.«

»Ständig verzapfst du irgendwelchen Mist, aber ich hätte nie gedacht … Moment mal. Ja?«

Ich lasse den Blick gesenkt und starre das Kondenswasser am Glas an, das er noch immer festhält. »Es ist mir klar. Ich wollte nicht … Ich … Scheiße.«

»Du musst schon mehr sagen, Junge.«

Mein Mund bleibt offen wie bei einem betrunkenen Fisch. Aber es kommt nichts raus. Es gibt keine Worte, mit denen ich das wieder einrenken könnte.

Deshalb bin ich von der Party geflohen wie ein Feigling. Denn genau das bin ich. Ein Feigling und ein Versager. Und heute Abend habe ich in diesen beiden Bereichen meinen persönlichen Rekord gebrochen.

Kris nimmt die Hand von meinem Glas und reibt sich über das Gesicht. Diese Geste, voller Mitleid, Erschöpfung und Verärgerung, hätte mir den Alkohol fast aus dem Blutkreislauf gebrannt.

Ich weiß, wie sehr Kris und Iris meine Streiche nerven, aber meistens lachen sie dann doch mit mir darüber, und dieses Lachen ist derart anregend, dass mich keine Strafe der Welt jemals ausbremsen könnte. Wenn sie noch darüber lächeln können, weiß ich, dass ich nicht zu großen Mist gebaut habe und meine alberne Art noch immer liebenswert ist.

Wie damals, als ich dafür gesorgt habe, dass unsere Privatschule zum Verkauf stand. Mit Maklerin und allem Drum und Dran. Um die ganze Verwirrung aufzuklären, musste die Schule eine Woche lang geschlossen werden.

Oder als ich zur Ostermesse eine ganze Hühnerschar in eine Kathedrale gelockt habe.

Oder als ich zum jährlichen Weihnachtsball die Soundanlage so manipuliert habe, dass die ganze Zeit I am Santa Claus lief, eine Parodie zur Melodie von Iron Man. Siebzehnmal lief das Lied, bis das Personal die Anlage abschalten konnte. Die Leute haben geweint!

Doch all das war harmlos. Alles, was ich bisher getan habe, war harmlos. Genau das habe ich zu bieten: harmlosen, bedeutungslosen Unsinn.

Bis jetzt.

»Ich wollte nicht, dass was Schlimmes passiert.« In der abgestandenen Luft hängt ein Geruch, als wäre in der Küche etwas in der Fritteuse verbrannt. »Das sollte kein Streich sein.«

»Was zur Hölle sollte es dann sein?« Kris hat offenbar damit zu kämpfen, nicht aus der Haut zu fahren. Seine Wut ringt sichtlich mit seinem Mitgefühl, und ich weiß nicht, was schlimmer ist. Doch dann sieht er mich aus kalten Augen an. »Warte mal. Wenn das Ganze kein Scherz sein sollte, war es dann Sabotage? Hast du versucht, uns vor der realen Welt zu entblößen?«

Ich werde bleich. »Nein! Kris, denkst du wirklich, ich könnte so was tun?«

Sein Schweigen ist lauter als alles, was er hätte sagen können. Wäre ich nicht dermaßen betrunken, könnte ich besser reagieren. Mit einer Erklärung, die alles wieder ins Lot bringen würde. Stattdessen erinnere ich mich an jeden Ärger, den ich mir jemals eingehandelt habe. Daran, dass ich den Ruf habe, nie etwas ernst zu nehmen und nur Witze zu reißen, und jede Erklärung bleibt mir im Hals stecken. Ich leere mein Getränk, aber die Worte wollen mir noch immer nicht über die Lippen kommen.

Würde man mir überhaupt glauben, dass ich nur versucht habe, alles besser zu machen? Prinz Nicholas, Darling der Zeitungen, wollte zur Abwechslung mal etwas Gutes tun und hat es auf ganz wunderbare Weise noch stärker vermasselt als sonst.

Die Presse würde das sofort anzweifeln. Und Kris?

»Also, was hattest du wirklich vor? Wolltest du dich an Dad rächen, weil er dich zur Ausbildung gezwungen hat?«

Ich betrachte sein Profil und atme zitternd ein. Ich werde die Worte aussprechen, denn wenn ich das nicht einmal meinem Bruder sagen kann, wenn ich nicht einmal ihm erklären kann, was ich wirklich vorhatte, warum ich das gemacht habe …

Doch in dem Moment vibriert mein Telefon neben meinem leeren Glas.

Ich bin überrascht, dass er mich erst jetzt anruft.

Kris nimmt das Smartphone und hält es mir hin. »Geh ran.«

Für gewöhnlich hätte ich mich geweigert, denn er weiß ganz genau, was er da von mir verlangt. Doch sein Tonfall hängt noch in der Luft, und der Wodka in meinem Blut hilft nichts gegen die Angst, die mir die Brust zuschnürt.

Also gehe ich ran, das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt. »Hi, Dad.«

»Nicholas. Du wirst nach Hause kommen und dabei helfen, die Sache wieder geradezubiegen. Sofort.«

Ich reibe über einen Fleck auf dem Bartresen. »Ich bin mir nicht sicher, ob meine Anwesenheit hilfreich wäre.«

»Du hast nicht zu entscheiden, was hilfreich ist oder nicht.« Dads Tonfall lässt keine Widerworte zu. »Das Personal kümmert sich bereits darum, das, was du angerichtet hast, rückgängig zu machen. Und du wirst hier auftauchen und allen zeigen, wie besorgt du wegen dieses Versandfehlers bist und dass du den Ernst der Lage genauestens verstehst. Dieses Verhalten wäre in respektablen Kreisen schon beschämend genug …«

In meinem Kopf ertönt erneut R-E-S-P-E-C-T. Doch dann fällt mein Blick auf Kris, und ich konzentriere mich wieder auf den Anruf.

»… ganz besonders für einen Weihnachtsprinzen!«

Da ist er, der Punkt, auf den mein Vater bei jeder Unterhaltung zurückkommt.

Der Rest seiner Worte sickert in meinen Verstand wie eine Flüssigkeit in einen vollgesaugten Schwamm.

Er will nicht, dass ich die Sache wieder in Ordnung bringe. Oder die Schuld auf mich nehme. Er will, dass ich für Fotos zur Verfügung stehe. Ich soll mich hinstellen und lächeln und die Story bestärken, die sie der Feiertagspresse auftischen, eine oberflächliche Fassade, um vor den anderen Feiertagen unseren Ruf zu wahren.

Mit einem Mal kocht die Wut in mir hoch. Es hätte mich nicht überraschen sollen, dass er das wieder macht, doch ich bin stinksauer.

»Klar, ich bin sofort da«, blaffe ich ihn an. »Wir wollen ja nicht, dass die Paparazzi denken, ich wäre nicht angemessen reumütig. Wie die Sache mit der vorgetäuschten Ausbildung – damit mich niemand für einen Versager hält, egal, wie sehr das gelogen ist.«

»Die Ausbildung war nicht vorgetäuscht.« Kein Wort darüber, dass ich ein Versager bin, was mir wiederum alles bestätigt, egal, wie sehr ich mich bemühe, es nicht bis in das Innerste meiner Seele zu fühlen. »Es ist höchste Zeit, dass du eine Führungsrolle übernimmst. Dass du nichts aus der Gelegenheit machen wolltest, die ich dir gegeben habe, bestätigt mir nur, dass ich damit recht hatte, dir die Sache nicht anvertrauen zu wollen.«

»Wieder«, sage ich, ohne nachzudenken.

»Was?«

»Mir die Sache wieder anzuvertrauen.« Ich bin gerade beschwipst genug, um es für eine gute Idee zu halten, das anzubringen. »Das war nicht meine erste Ausbildung, schon vergessen?«

Einen Moment lang schweigt er. Hat er es doch vergessen? Unmöglich. Ich war noch klein gewesen, aber auch er war jünger gewesen. Er hat mir den Globus gezeigt, auf dem wir die Verteilung der Freude und Magie verfolgen, die Geschenke und alles andere. Er hat ihn mir hingehalten, als hätte er mir die ganze Welt schenken wollen.

»Das sind die Menschen, die uns brauchen«, hat er mir gesagt. »Und ich meine uns, Nicholas – dich und mich. Eines Tages wird es deine Aufgabe sein, die Welt glücklich zu machen.«

Selbst nach all den Jahren ist die Erinnerung daran nicht verblasst – aus Gründen, die ich nicht benennen will. Ich hasse mich dafür, dass ich sie auch jetzt nicht loslassen kann.

»Ich habe es nicht vergessen«, sagt Dad. Ist das … Zuneigung, die ich da höre?

Sieh mal einer an, ich kann zugleich genervt und hoffnungsvoll sein.

Doch das Gefühl zerplatzt wie eine Seifenblase, als er sich räuspert. »Du warst noch ein Kind, das ist lange her. In diesem Moment zählt nur, wie sehr du mich enttäuscht hast.«

Es sollte nicht wehtun. Andere zu enttäuschen macht schließlich achtzig Prozent meiner ganzen Persönlichkeit aus.

Doch einen Augenblick lang kann ich nicht atmen.

Seit jenem Tag in meiner Kindheit, aus dem nicht viel mehr geworden ist, hält Dad mich auf Abstand. Wegen seinem eigenen Scheiß, aber auch dank meinem schädlichen Ruf. Doch dass ich mein Studium zur Hälfte hinter mir habe, scheint etwas in ihm wachgerüttelt zu haben – und diesen Sommer sollte ich anfangen, die Sache ernst zu nehmen.

Also habe ich meine Ausbildung in diversen Abteilungen am Nordpol angefangen, was, ehrlich gesagt, großartig klang. Endlich dabei zu sein und zu sehen, was hinter dem ganzen PR-Schleier geschieht, den Dad für gewöhnlich über alles legt. Doch die Hoffnung wurde schnell zerschlagen, nachdem er mich warnte, nichts anzufassen. Ich sollte tun, was mir die Abteilungsleitung aufträgt, mir die hübschen Erklärungen anhören, was welche Gruppe tut, und für Fotos lächeln, damit einige der Schlagzeilen endlich respektabel klingen würden. König Claus macht etwas aus Prinz Nicholas: Oh Gott, sollte man ihn wirklich an die schweren Maschinen lassen?

Die Ausbildung war gelogen, genau wie alles andere auch. Er will gar nicht, dass ich etwas tue. Damit sollte nur unser Ruf aufpoliert werden, dass wir die Größten, die Besten sind, blablabla. Ich bin müde und betrunken, und verdammt noch mal, ich bereue das, was ich getan habe. Doch da ich das nicht in Worte fassen kann, spreche ich die einzigen Worte aus, zu denen ich noch fähig bin: »Du hast recht. Du hättest mir das nicht anvertrauen sollen. Denn ich wollte den Menschen helfen und nicht das tun, was auch immer es ist, was du sonst tust. Kümmert dich eigentlich, was ich versucht habe …«

»Mir ist egal, was du vorhattest, Nicholas, denn das Ergebnis ist ein wirtschaftlicher Zusammenbruch.«

Die Worte sind wie ein Schlag in die Magengrube, der meinen Zorn verpuffen und mich aufkeuchen lässt. Dad redet so laut, dass Kris beide Seiten unseres Gesprächs mitverfolgen kann. Er trinkt einen Schluck Wasser, und seine Wut auf mich scheint nachzulassen.

»Ich …« Ich massiere mir die Nasenwurzel und ringe um jeden Atemzug. »Ich wollte nicht …«

»Du wirst diesen Schaden richten, indem du zur Unterstützung hier erscheinst. Noch nie in der Geschichte unserer Familie hat ein Weihnachtsprinz unsere Magie derart missbraucht. Noch nie …«

»Ich habe sie nicht missbraucht. Ich habe …«

»Du hast die Datenbank mit allen unerfüllten Weihnachtswünschen abgerufen und allen Kindern in der Hauptstadt von New Koah sämtliche ausstehenden Wünsche erfüllt. Damit hast du sie sicherlich vorübergehend glücklich gemacht, aber weiter hast du nicht gedacht. Du denkst nie über die langfristigen Konsequenzen deiner Handlungen nach.«

Ich sehe noch immer das Leuchten des Bildschirms vor mir, an den ich mich gesetzt habe, nachdem ich den ganzen Tag von einer Abteilung in die nächste geschoben wurde, verfolgt von der Feiertagspresse, vor der jede Handlung eine Maske und jede Emotion kontrolliert war, ganz und gar fake.

Also habe ich mich den Briefen gewidmet, denn die waren echt. Sie sind unsere einzige Verbindung zu den echten Kindern, jenem Teil der Welt da draußen, der noch an unsere Magie glaubt.

Ich hatte nicht vor, etwas zu tun. Ich wollte nur … etwas.

Ich wollte, ich will noch immer, und dieses Wollen ist wie ein schmerzendes, leeres Loch in meiner Brust.

Lieber Weihnachtsmann, hieß es in einem Brief. Meine Mom hat dieses Jahr ihren Job verloren …

Lieber Weihnachtsmann, Oma sagt, wir können uns keine neuen Schuhe leisten. Vielleicht kannst du uns helfen …

Lieber Weihnachtsmann, Daddy ist wieder gegangen, und ich glaube, diesmal kommt er nicht zurück …

Im Namen der Abteilungsleitung habe ich der Presse erklärt, dass wir die Briefe speichern, um zu vergleichen, wie sich die Wünsche der Kinder mit der Zeit verändern, um jedes Jahr das beste Geschenk für sie zu errechnen und so weiter. Ich habe nicht wirklich aufgepasst, denn ganz ehrlich, all diese herzzerreißenden Geschichten, und am Ende wollen die meisten Kinder eine Playstation oder ein Plüschtier. Das bringt ihre Eltern zwar nicht zurück, aber hey, wir können ihnen alle materiellen Wünsche erfüllen, oder?

Offenbar nicht.

Offenbar gibt es Ärger, wenn man die Datenbank am Nordpol aufruft und sich ein kleines Land aussucht – zum Glück hatte ich mich auf eine einzige Stadt in einem winzigen Land beschränkt – und die Weihnachtsmagie anzapft, um jedem Kind in der Hauptstadt einen Wunsch zu erfüllen.

»Millionen Geschenke«, brüllt Dad. »Von denen viele einfach mit dem Aufdruck Vom Weihnachtsmann aufgetauchtsind – im Juni! Und dann haben Tausende Menschen auch noch Unmengen an Geld auf ihr Konto bekommen. Du hast ihre Wirtschaft überflutet, die Inflation ist in die Höhe geschossen und …«

»Dad …«

»Aufstände, Nicholas! Der Prinz von Weihnachten hat Aufstände ausgelöst.«

Ich starre auf den Tresen und zwinge mich dazu, nicht an die Auswirkungen meiner Handlung zu denken. An den Schmerz, den ich verursacht habe. An die Aufstände.

Die Nachricht von dem, was ich getan habe, erreichte uns auf Lilys Geburtstagsfeier, und meine authentische entsetzte Reaktion wurde sofort von der Presse verewigt. Dadurch war nicht zu übersehen, dass ich die Sache verschuldet habe. Lily schrie mich an, was ebenfalls verewigt wurde, zusammen mit meiner öffentlichen Flucht, weil ich ein ganzes Land ruiniert hatte.

Ich richte den Blick zurück auf den Fernseher. Eine der Schlagzeilen, die am unteren Bildschirm vorbeiziehen, lautet: Vermeintliche Bank- und Versandirrtümer führen zu Aufständen, nachdem sämtliche Läden leergekauft wurden, Diebstähle nehmen zu.

Die Nachrichten aus der Feiertagspresse werden nicht über unsere magischen Grenzen hinaus verbreitet, und die reale Welt glaubt weiterhin, dass das Geld und die Geschenke auf einen technischen Fehler bei den Versandunternehmen und Banken zurückzuführen sind.

Lieber Weihnachtsmann.

Daddy ist wieder gegangen.

Und ich glaube, diesmal kommt er nicht zurück.

Ich wünsche mir für meine Mom etwas Geld zu Weihnachten, damit sie sich keine Sorgen darum machen muss, dass er uns nicht hilft, okay?

Ich hatte versucht, Menschen zu helfen. Ich warmir sicher, dass ich ihnen helfen würde.

Aber ich hatte alles viel schlimmer gemacht.

»Wie …« Ich räuspere mich und wünschte, die Trunkenheit würde sich verziehen, aber sie scheint nur noch stärker zu werden. »Wie wirst du das Ganze wieder geradebiegen …«

Dad ignoriert mich und tobt weiter. Einen Augenblick lang bin ich wieder wütend, aber ich habe gar kein Recht dazu.

»Dir ist vielleicht die Realität unserer Situation nicht bewusst«, sagt Dad, »aber Tatsache ist, dass unser Feiertag dieses Jahr weltweit angesehener sein wird als jemals zuvor. Um unsere Reichweite zu erhöhen, benötigen wir Magie und einen guten Ruf.«

»Ist das jetzt wirklich wichtig …«

»Weihnachten beherrscht die Nachrichten in der Feiertagspresse. Diese Verantwortung, dieses Geschenk, hast du schon zu lange verschmäht. Siehst du, wie die Leute über die anderen Feiertage reden? Valentinstag. St. Patrick’s Day. Sogar Ostern! Sie werden kaum ernst genommen. Wir sind der Inbegriff von Güte und Freude …«

»Dad …«

»… und das heißt, dass wir nicht den wirtschaftlichen Zusammenbruch eines kleinen Landes auf den pazifischen Inseln verursachen!«

»Hör auf!«

Ich hatte nicht vor zu brüllen. Vielleicht ein bisschen. Kris runzelt die Stirn, voller Verständnis, das ich nicht verdient habe. Die Menschen in meiner Nähe drehen sich zu mir um, und ich krümme mich und presse mir das Telefon an die Brust, bevor ich es wieder ans Ohr hebe.

Ich kneife die Augen zu. »Ich komm nach Hause, versprochen. Wenn ich nüchtern bin.«

»Du bist betrunken?«,kreischt mir Dad ins Ohr. »Du bist vor der Katastrophe, die du angerichtet hast, geflüchtet, um dich zu betrinken?«

»Ich bin hier.« Kris beugt sich vor und spricht in meine Schulter. »Ich lasse nicht zu, dass Coal …«

»Nicholas«, korrigiert Dad ihn, und Kris zuckt zusammen.

Um zu rebellieren, trägt Kris Kleidung mit respektlosen Weihnachtssprüchen und zahlreiche Tätowierungen, und ich habe mich unter anderem für diesen Spitznamen entschieden. Er ist einfach zu perfekt, um ihm zu widerstehen. Denn er steckt mitten in dem Namen, den ich von Dad geerbt habe: Ni-chol-as. Das klingt wie Coal, oder Kohle. Mein Vater hat die herrliche Ironie noch nie zu schätzen gewusst.

Scheint jetzt ziemlich zahm, nicht wahr?

Dads Schweigen wiegt so schwer, dass ich mir vorstellen kann, wie er mich anstarren würde, wenn ich dort wäre. Mit finsterem Blick und Magie, die mich einschüchtern soll, indem sie das Licht dimmt und Kälte verbreitet. Kris und ich können die Weihnachtsmagie für kleine Partytricks nutzen, aber Dads Verbindung zu ihr ist unermesslich.

»Deine Handlungen sind von erheblicher Bedeutung, Nicholas«, sagt Dad. »Das Bild, das du unseren Leuten und den anderen Feiertagen präsentierst, ist wichtig. Alle, die Weihnachten in die reale Welt bringen, richten ihren Blick auf unsere Familie. Tausende, die in North Pole City wohnen! Was, wenn sie ihre Pflichten nicht mehr ernst nehmen würden, weil du ihnen kein gutes Vorbild bist? Allein in den letzten Jahrzehnten hat sich Weihnachten in Ländern verbreitet, die wir nie zuvor erreichen konnten. Alle Feiertage sehen zu uns auf.«

»Wozu?« Mein Inneres wurde den ganzen Abend schon hin- und hergerissen, und was sonst nur schmerzhaftes Hintergrundrauschen ist, schlägt jetzt in mir hohe Wellen, nachdem ich naiverweise gedacht habe, ich könnte eine echte Veränderung bewirken. »Wir werfen uns für die Feiertagspresse in Schale, der Name Claus ist unantastbar, einen einzigen Tag lang sacken wir die ganze Freude ein, und dann ist alles vergessen. Das war’s?«

»Denkst du wirklich, dass das alles ist, was wir tun?«

Ja. Nein. Scheiße. In diesem Zustand hätte ich seinen Anruf nicht entgegennehmen sollen.

Ein weiteres wohlverdientes Seufzen ertönt in meinem Ohr. »Du hast jetzt mit eigenen Augen gesehen, warum wir unsere Magie nicht stärker nutzen. Wir verbreiten Freude. Selbst wenn das, was wir tun, so frivol ist, wie du behauptest, was willst du mehr? Reicht das nicht?«

Ich bin viel zu besoffen, weshalb ich mich nicht zurückhalten kann. »Es hat nicht gereicht, damit Mom bei uns bleibt.«

Ich erstarre.

Am anderen Ende der Leitung ist es so still, dass ich schon denke, er hätte aufgelegt.

Als er weiterspricht, klingt er völlig tonlos. »Das ist deine letzte Warnung. Keine Katastrophen mehr, keine Enttäuschungen. Du wirst den perfekten Erben von Weihnachten verkörpern. Dieses Mal kann ich dein Desaster zum Glück wieder richten. Komm nach Hause. Hier steht nicht nur deine Zukunft auf dem Spiel, sondern die von Weihnachten. Die deines Bruders. Es wird höchste Zeit, dass du nicht mehr nur an dich denkst.«

Das Klicken verrät mir, dass das Gespräch vorbei ist.

In der Stille atme ich scharf ein.

Ich lasse das Smartphone sinken und drehe mich auf dem Barhocker um, darum bemüht, eine Miene aufzusetzen, als würde mich das alles nicht berühren. So wie immer. Das war nur wieder ein Witz von Coal, haha, eine weitere Erinnerung an meine vielen nachlässigen Eskapaden.

Kris’ Wangen glühen – also ist Iris da, aber dank des Wodkas dauert es einen Moment, bis ich erkenne, dass sie hinter ihm steht.

Ich sollte ihn vor den Frauen der Lentora-Familie warnen. Lass dich nicht auf sie ein, Mann, sie werden … was eigentlich? Ich habe meine Beziehung zu Lily selbst sabotiert. Eigentlich sollte sie Iris vor den Claus-Männern warnen.

Iris hat die Arme vor der Brust verschränkt und sieht aus, als versuchte sie, wütend zu sein, aber das Mitleid hat längst die Oberhand gewonnen.

Für den Geburtstag ihrer Schwester hat sie sich ordentlich herausgeputzt, und sie ist auch jetzt noch perfekt gestylt, nicht ein Haar hat sich aus der Frisur gelöst. Ihre Box Braids hat sie zu Knoten zusammengebunden, die sie Fun Buns nennt, und mit violetten Edelsteinen verziert, die zu ihrem glitzernden violetten Kleid passen. Ich glaube nicht, dass ich sie jemals in einer anderen Farbe gesehen habe, was zu dem Image als die perfekte Osterprinzessin gehört. Selbst in dieser schmuddeligen Kneipe.

Meine Kehle ist ganz rau, als ich versuche, zu schlucken. Ich sollte Kris und Iris erklären, warum ich getan habe, was ich getan habe. Ich sollte um Vergebung flehen. Ich sollte irgendetwas tun, um wiedergutzumachen, dass ich bin, wie ich bin, aber das Telefon in meiner Hand ist schwer wie Blei, und in der Bar ist es mit einem Mal viel zu heiß. Ich kann kaum atmen.

»Was hat er gesagt?«, fragt Kris, als würde er versuchen, ein scheues Tier zu beruhigen.

»Alles in Ordnung?«, fragt Iris.

Toll, Mitleid und Rücksichtnahme.

»Nichts. Alles gut«, lüge ich, als ich das Smartphone in die Tasche stecke. »Ich geh nach Hause, sobald ich nüchtern bin. Ich muss an die frische Luft.«

»Coal.« Kris will auch aufstehen, aber ich hebe die Hand. Einen Scheiß werde ich tun, um meine Panik vor ihm zu verheimlichen.

»Gib mir eine Sekunde, okay? Ich bin gleich zurück.«

»Aber wirklich«, ruft er mir hinterher. »Ich will dir nicht wieder nachlaufen. Wir gehen zusammen nach Hause.«

»Ja, klar. Versprochen.« Damit laufe ich zum Ausgang der Kneipe.

Doch als ich einen Blick durch das Fenster werfe, das zum Bürgersteig rauszeigt, erstarre ich.

Die normale Welt hat noch nicht herausgefunden, wie es Dad gelingt, jedes Haus in einer einzigen Nacht zu besuchen. So aufregend ist die Erklärung nicht: Magie. Natürlich schadet es nicht, dass er Hunderte Angestellte hat, aber es ist vorwiegend Magie. Wir können einfach einen Mistelzweig über einer Tür in den Rahmen stecken und voilà: ein Portal an jeden Ort, den wir uns vorstellen können.

Weshalb die Feiertagspresse genauso schnell hier erschienen ist wie ich, sobald sie erfahren hat, wo ich stecke. Die meisten Feiertage besitzen ihre ganz eigene Transportmagie. Mir wird klar, dass ich genauso vorhersehbar bin, wie Kris gesagt hat, denn drei Feiertagsjournalisten stehen bereits dort und warten darauf, mich zu fotografieren und alles, was ich tue oder nicht tue, in der Presse breitzutreten. Ich sehe sie so oft, dass ich ihre Ausweise selbst durch ein schmutziges Fenster wiedererkenne, was mir zutiefst missfällt. Einer ist vom Christmas Inquirer, einer Zeitung, die nur über Weihnachten berichtet, die anderen beiden sind vom Holiday Herald und 24-Hour Fête, größere Zeitungen, die zahlreiche Mitglieder der herrschenden Feiertagsfamilien verfolgen, äh, ich meine, über sie berichten.

Um uns vor der gewöhnlichen Welt zu verbergen, ist viel Magie nötig, die sich auch auf das Internet erstreckt – während gewöhnliche Leute unsere Bilder zwar sehen können, wissen sie nur, dass es Fotos von Angehörigen ausländischer Königshäuser sind. Sie können die Bildunterschriften nicht ausmachen, ebenso wenig wie unsere Namen oder wer wir sind.

Ändert aber nichts daran, dass es mir sämtliche Energie raubt.

Schlagzeile: Prinz Nicholas ertränkt seine Sorgen im Alkohol, statt etwas Produktives zu tun, aber was haben wir schon anderes erwartet?

Ich drehe mich zu Iris und Kris zurück. »Ich geh hinten raus.« Bevor sie etwas sagen können, bin ich schon verschwunden.

Ich schleiche durch einen Gang, der zu den Toiletten führt, vorbei an einer Tür mit der Aufschrift LAGER, und betrete einen Raum, der mit NUR FÜR ANGESTELLTE markiert ist. Woher ich weiß, dass ich von hier zur Gasse hinter der Kneipe komme? Das habe ich meiner ersten Woche an der Uni, einem gefälschten Ausweis und zu vielen Tequila-Shots zu verdanken.

Die Gasse ist zum Glück leer und führt zu meiner Linken in eine Sackgasse und zu meiner Rechten zur Straße. Die nächtliche Luft hier draußen ist kaum frischer als drinnen, da die Sommerhitze die Feuchtigkeit eines kürzlichen Regengusses festhält. Dennoch lehne ich mich an die Ziegelmauer und atme tief ein und aus, als würde mir das dabei helfen, das Pendel zwischen Alles ist gut und Hahahahahahaha Scheiße auszubalancieren.

Meistens denke ich mir bei einer Sache nur, wie lustig das wäre, und renne los, ohne dass auch nur ein vernünftiger Gedanke durch die Betonmauer meines Verstands dringt.

Doch diesmal?

Ich wollte etwas Echtes tun. Und es war leicht gewesen. Der Zugriff auf die Datenbank, der Geschenkversand außerhalb der Saison. So zu tun, als wäre alles beim Alten, als ich auf Lilys Party ging. Ich war glücklich, weilich ausnahmsweise einmal etwas Gutes getan hatte, und wenn das mal kein ernüchternder Gedanke ist.

Ich war so arrogant gewesen. So sicher, dass ich endlich Freude verbreitet hatte.

Doch dann kamen die Nachrichten vom Zusammenbruch von New Koah mit niederschmetterndem Timing.

Ich fasse nicht, dass ich meine Mutter erwähnt habe.

Neben mir springt die Tür auf, und ich zucke zusammen.

Ich bin noch immer so betrunken, dass ich kaum erkenne, wer da aufgetaucht ist – ein paar Meter weiter in der Gasse steht eine Laterne, deren flackerndes Licht den Typen von hinten anstrahlt. Er wirkt schmal und zierlich.

Als Erstes denke ich, dass er ein Paparazzo ist, aber er hat weder eine Kamera noch einen Ausweis dabei. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und eine erschreckend enge Jeans, und da klärt sich mein Verstand, denn ist das nicht auch das, was der Barkeeper anhatte? Dann fällt mir auch wieder das Türschild für die Angestellten ein, das ich ignoriert habe, und ich verdrehe die Augen.

»Scheiße. Sorry.«

Der Typ gibt ein erschrockenes Geräusch von sich, fast als würde er lachen. »Wie bitte?«

Dafür, dass er kleiner ist als ich, ist seine Stimme überraschend tief. Die zwei Wörter hallen wie Trommelschläge in meinem Magen wider, eine Vibration, mit der ich mir beim ASMR eine goldene Nase verdienen könnte.

Ich reiße mich aus meiner Trance und lehne mich mit der Schulter gegen die Mauer. »Sorry. An das Wort sollte ich mich wohl gewöhnen, denn ich schulde es einer Menge Menschen. Wenn du dich also hinten anstellen willst, wäre das großartig.«

Er blinzelt mich an und scheint seine Überraschung noch nicht ganz verwunden zu haben. »Ich …«

»Die Schlange ist nicht besonders lang.« Ich massiere mir die Schläfe, aber die Gasse dreht sich weiter um mich herum wie die Bilder einer Wundertrommel. »Stimmt nicht. Die Schlange ist lang. Du kannst dich hinter meinem stets enttäuschten Vater, meiner Freun… Ex-Freundin, deren Geburtstag ich ruiniert hab, und den Menschen einreihen, die … äh …«

Ich verstumme.

Er ist vermutlich ein ganz normaler Typ, dem ich nicht einfach gestehen kann, was ich getan habe. Es war schon schlimm genug, dass die ganze Sache auf Lilys Party auf eine Art rausgekommen ist, bei der ich wirr und verantwortungslos rüberkomme – und Dad hat deutlich gemacht, dass die Story, die sie jetzt verbreiten, nur dazu dient, unseren Ruf zu retten, nicht dazu, Verantwortung für das zu übernehmen, was ich verzapft habe.

Was ziemlich beschissen ist. Ich sollte die Schuld für das Ganze auf mich nehmen.

Was ich tun werde, indem ich nach Hause gehe und dort rumstehe, während bessere Leute die Sache geradebiegen.

Wie erbärmlich!

Ich schließe die Augen und schwanke leise lachend vor und zurück. »Hattest du schon mal so einen Moment«, meine Lippen sind ganz taub, »in dem du dachtest, du würdest was Gutes tun, also, du bist dir absolut sicher, dass es was verdammt Gutes ist, nur damit danach alles den Bach runtergeht und du dich nur noch als Sündenbock diesen … ähm … Scheiße. Diesen Arschlöchern anbiedern kannst. Den Leuten, die Kriegen hinterherhecheln und Geld absahnen, indem sie Waffen und so einen Dreck verkaufen.«

Der Typ antwortet nicht.

Ich senke den Blick. Wenigstens könnte er zurück in die Kneipe flüchten oder mich dafür zurechtweisen, dass ich einfach durch den Personaleingang gegangen bin. Aber er steht einfach nur da, in Schatten gehüllt. Das glatte, glänzend schwarze Haar trägt er an den Seiten kurz, aber oben lang genug, dass ihm ein paar Strähnen in die Stirn fallen. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrt er mich hoch konzentriert an. Noch nie habe ich derart runde Augen gesehen. Mit einem Mal habe ich das Gefühl, als wäre es das größte Glück, von ihm beachtet zu werden.

Meine schlaffen Muskeln versteifen sich, und mein wankender, betrunkener Verstand klammert sich daran fest, als wäre er ein Anker. Ich runzle die Stirn, weil ich in diesem Augenblick keine andere Mimik zustande bringe.

»Du bist betrunken«, bemerkt er, während er mich von oben bis unten mustert.

»Gut erkannt.«

Dann sieht er mir wieder in die Augen. »Verkauf dich bitte nicht an Waffenhändler.«

»Das ist das Wort! Waffenhändler!« Ich schnippe mit den Fingern, oder versuche es. Ich kann meine Hand kaum bewegen und kratze stattdessen mit dem Daumennagel über meine Fingerkuppe. »Au, Mist.«

Ist das …

Ja, da ist ein Lächeln auf seinen Lippen. Es zieht meinen Blick auf sich, auf diese Lippen, diesen Ausdruck, und ich denke, in einem hinteren Winkel meines Verstands, dass ich diesen verirrten Barangestellten nicht derart anstarren sollte, auch wenn ich nicht mehr weiß, warum.

Ach so. Weil meine Freundin gerade mit mir Schluss gemacht hat. Gibt es eine Regel, ab wann man nach dem Ende einer Beziehung wieder flirten darf? Zumindest wenn man den Zusammenbruch einer ganzen Wirtschaft verursacht hat, sollte es eine Regel geben, ab wann man wieder flirten darf.

Also sage ich: »Das ist nicht witzig.« Und ich starre diese Lippen finster an, als wäre es ihre Schuld.

Das zarte Lächeln verblasst nicht. »Natürlich nicht.«

»Nein, ganz und gar nicht. Ich weiß, was witzig ist. Ich bin witzig! Das hier? Ganz und gar nicht witzig.«

Er hebt eine Augenbraue und wartet. Darauf, dass ich weiterrede?

Klar, warum nicht. Denn mit einem Mal muss ich darüber reden, muss es mir von der Seele reden, und er ist hier, und vielleicht ist ja er der Irre. Schließlich hätte er längst gehen können.

Mist. Ist er doch von der Feiertagspresse? Nein, er ist viel zu heiß, um einer dieser Paparazzi zu sein.

Doch die ganze traurige Geschichte sprudelt aus mir raus, als hätte ich die Kontrolle über meinen Körper verloren. Ich kann nur dabei zusehen, wie ich diesem Fremden mein Herz ausschütte.

Das hier ist der Stern-auf-der-Spitze-des-Weihnachtsbaums-Moment meines Lebens.

»Die Katastrophe war vorprogrammiert, denn Lily und ich hätten uns nach der Party sowieso getrennt – wir mussten nur noch diesen einen Abend für die Pressefotos durchhalten, okay? Doch letzte Woche hab ich … Ich hab’s versucht, was so ziemlich das Dümmste an der Sache ist. Dass ich es versucht hab. Und ich … Also meine Familie hat Ressourcen, okay?« Warum frage ich ihn das dauernd? Und laufe ich wirklich gerade auf und ab? »Aber wir nutzen sie nie, um den Menschen wirklich zu helfen. Also hab ich das gemacht. Aber das hat alles nur noch schlimmer gemacht, und auf der Party ist natürlich alles ans Licht gekommen, und nachdem ich erkannte, wie sehr ich das Leben anderer Menschen ruiniert hab, gab’s obendrauf noch eine öffentliche Trennung, und nein, das ist alles überhaupt nicht witzig. Scheiße.«

Ich lehne mich wieder an die Mauer und reibe mir über das Gesicht, damit das Gefühl in meine Wangen zurückkehrt.

Und dann wird mir klar, dass ich noch immer dieses beschissene lachsfarbene Hemd trage.

Der Typ mustert mich, als könnte er sich nicht erklären, wie er in diese Lage geraten ist, in der ihm ein Fremder von seinem katastrophalen Abend berichtet. Wenigstens macht er sich keine Notizen, er gehört also wirklich nicht zur Presse. Er wirkt … traurig? Fast schon niedergeschlagen. Als würde er es verstehen.

Was total verrückt ist. Ich bin betrunken.

Halbherzig wedle ich mit den Armen. »Ich sollte dir das nicht erzählen.«

»Nein, ich verstehe es schon.«

Fragend verziehe ich das Gesicht, und er wendet den Blick ab. Als würde mich diese Bewegung stärker zu ihm hinziehen, taumle ich einen Schritt auf ihn zu. Dabei stütze ich mich mit der Hand an der Wand ab, weil sich die Gasse noch immer dreht. Er ist so in seinen Gedanken versunken, dass er nicht auf meine Bewegung reagiert.

Doch dann reckt er das Kinn und sieht mich wieder an. »Wir können denken, dass wir nur das Beste im Sinn haben«, flüstert er, »und dennoch eine Katastrophe auslösen.«

Seine Offenheit zieht mich an wie das Licht die Motten, und bevor ich mich zurückhalten kann, kommen mir die Worte über die Lippen. »Ich will mich einfach nur gut fühlen. Real.«Ich klinge genauso zerbrechlich wie er, ohne die ganze Selbstironie, bis auf den Kern meiner Seele bloßgestellt. Ich verharre, aber sein Blick hält mich fest und hält mich davon ab, mich wieder zurückzuziehen, um der schmerzhaften Realität zu entfliehen.

»Ich weiß nicht, ob es das Ziel sein sollte, sich gut zu fühlen.« Sein Tonfall wirkt noch immer verletzlich, voller Sehnsucht. »Es ist realistischer, sich auf die kleinen Dinge zu konzentrieren. Eine Sache an jedem Tag, die nicht von Trauer durchdrungen ist. Eine nach der anderen, bis man das Fundament, das eingerissen wurde, wieder errichtet hat. Denn das ist Glück in seiner Essenz. Ein Fundament. Und Fundamente bestehen nicht nur aus einer Sache, sondern aus vielen kleinen Dingen, die miteinander verflochten sind.«

Das klingt nach einem schönen Konzept. Aber. »So hab ich das nie erlebt. Dass kleine Sachen langfristige Auswirkungen haben. Sie zerspringen, kaum dass man sich auf sie stützt.«

»Vielleicht hast du dich auf die falschen Sachen gestützt.«

»Was sind denn die richtigen Sachen?«

Da ändert sich sein Lächeln. Es wirkt verhalten und reicht nicht bis in seine Augen, eine Reaktion, hinter der keine echte Emotion steckt.

»Himmel«, sagt er. »Das ist ziemlich philosophisch für ein Gassengespräch hinter einer Kneipe.«

»Moment.« Ich hebe eine Hand, doch im selben Moment dreht er sich zur Tür. Wie von selbst berührt meine Hand seinen Arm.

Er hält inne, halb von mir abgewandt, während mein Arm seine Brust kreuzt.

»Was sind die richtigen Dinge?«, wiederhole ich meine Frage.

Er hebt den Blick und sieht mir in die Augen. Dann leckt er sich über die Lippen, und ich werde von seiner feuchten Unterlippe und der rosa Zunge in den Bann gezogen.

Ich sollte seinen Arm loslassen, aber seine Worte halten mich fest, Glück und Fundament. Sie drängen die Katastrophe an den Rand meines Verstands, bis es nur noch diesen Augenblick gibt. Nein, nur noch ihn. Ich weiß nicht, ob er dasselbe empfindet oder ob ich wegen all der Reue und meinem betrunkenen Zustand die Situation völlig falsch einschätze.

Die Luft steht unter Strom und ist zugleich träge, und zuerst denke ich nicht, dass ich mich bewegt habe, doch dann ist da ein Mund. Ein Mund und eine Zunge und diese Lippen auf meinen, und das kann nur ich gewesen sein. Ich gebe nach und vergrabe die Finger in sein Haar und halte mich an ihm fest, sein Gesicht an meinem, der Geschmack von Brause auf seiner Zunge, und etwas anderes. Etwas zutiefst Männliches. Mein Puls rast an meinem Hals und in meinen Fingerspitzen.

Er ballt die Hand an meiner Hüfte zur Faust und leckt mit der Zunge über meine. Ich nehme ihn in mir auf und werde sogleich belohnt – er stöhnt. Stöhnt, Grundgütiger! Ich spüre es bis in meine Zehenspitzen.

Neben uns ertönt ein metallisches Quietschen, und die Realität klopft höflich an die Mauer meiner Trunkenheit. Die Kneipentür öffnet sich, und ich werde in die Welt zurückgerissen, als hätte man mich mit Eiswasser übergossen.

Die Bar. Die Paparazzi. Die Trennung. Die Katastrophe, die ich verursacht habe. Und statt deswegen etwas zu unternehmen, stehe ich hier und knutsche mit einem Fremden!

Ich ziehe mich von ihm zurück, aber er ist selbst bereits zurückgesprungen. Mit erhobenen Händen wirble ich herum und sehe, wie Iris die Tür aufschiebt.

»Mist«, sage ich, denn schließlich hat ihre Schwester gerade erst mit mir Schluss gemacht, und jetzt erwischt ausgerechnet sie mich hierbei?

Sie blinzelt, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, und zieht die Augenbrauen zusammen. Aber sie wirkt eher besorgt als vorwurfsvoll. »Du bist schon eine Weile hier draußen. Alles in Ordnung?«

»Ich …«

Ich sehe mich um, aber die Gasse ist leer. Als ich mich um die eigene Achse drehe, wird mir schwindlig, und ich lege die Hände an den Kopf. Die Kopfschmerzen ziehen sich bis über meinen Nacken, aber meine Lippen sind noch immer warm und weich und …

Was ist gerade passiert?

Ich drehe mich noch einmal um. Er kann doch unmöglich die Gasse derart schnell verlassen haben, außer er ist gerannt. Habe ich ihn wirklich dermaßen verschreckt?

»Ein Typ«, murmle ich. »Er war … Er war hier.«

Iris mustert mich unbeeindruckt. »Ein Typ.«

»Ich schwöre es! Iris – er war hier. Wo ist er hin?«

»Und du willst nach diesem mysteriösen Typen suchen, statt die Suppe auszulöffeln, die du dir eingebrockt hast?«

»Nein! So ist das nicht …«

Habe ich ihn mir nur eingebildet? Nein, verdammt! Ich kann ihn noch immer schmecken!

Ist das noch etwas, das ich heute Abend vermasselt habe? Ich habe ihn nicht einmal nach seinem Namen gefragt!

Wohin auch immer er verschwunden ist, wer auch immer er ist, hier in der Gasse stehen nur Iris und ich. Doch durch die Tür hätte genauso gut jemand von der Presse kommen können. Ich muss vorsichtiger sein, ich muss mich dringend ändern. Zusammenreißen. Mich wie ein verdammter Erwachsener benehmen.

»Tut mir leid«, murmle ich zu Iris.

Bevor ich mich krümme und ihr auf die Schuhe kotze.

Iris und die Claus-Jungs

IRIS

hast du deinen mystery-typen gefunden, coal?

nein. laut dem barkeeper arbeitet da niemand, der so aussieht, und es ist auch niemand, der so aussieht, reingekommen

IRIS

überrascht mich nicht. die wenigsten sehen geister.

ER WAR ECHT, IRIS

KRIS

Du solltest dir wünschen, dass er ein Geist war. Sonst besteht die Gefahr, dass du einem von der Feiertagspresse dein Herz ausgeschüttet und ihn dann abgeschlabbert hast.

schön ausgedrückt, danke

wir werden ja sehen, ob die einzelheiten veröffentlicht werden

so ein dreck!

IRIS

ich hab eine ablenkung für dich

her damit

IRIS

ich hab entschieden, dass es an kris und mir ist, uns eine passende strafe für dich auszudenken

KRIS

Ich bin immer dafür zu haben, meinen Bruder zu quälen. Was schwebt dir vor?

das personal hat die geschenkesituation unter kontrolle gebracht, bevor ein echter schaden entstanden ist

niemand wurde bei den aufständen verletzt, und die diebstähle wurden aufgeklärt

ich hab den leuten angst gemacht, aber

nein, kein »aber«

ihr könnt mich nicht mehr bestrafen, als ich mich schon selbst bestrafe

IRIS

darum gehts nicht

du hast auf meine lieblingsschuhe von louboutin gekotzt, du drecksack

okay, aber ich hab dir grad erst die bestätigungsmail für die neuen schuhe geschickt, die ich für dich kaufen sollte

IRIS

ja, ich hab beschlossen, dass mir das nicht reicht

bist du jetzt erpresserin?

hinter dieser glitzernden violetten frühlingsfassade schlägt das herz eines kaltblütigen mafiabosses

KRIS

Hätte ich dir auch sagen können.

egal, ich nehme edelmütig jede strafe an, die ihr zwei deppen euch ausdenken könnt, weil ich in diesem völlig kaputten trio der einzig erwachsene bin

IRIS

das sagst du jetzt

aber bleibst du dabei, wenn kris dir einen hässlichen weihnachtspulli raussucht, den du im nächsten jahr einen monat lang jeden tag an der uni tragen musst

also denselben grausigen pulli, nicht jeden tag einen anderen

KRIS

OH, DA BIN ICH DABEI

wartet

KRIS

Also, ich hab einen, der leuchtet, einen mit einem Kilo Lametta und einen neongelben mit zwei Rentieren, die vögeln.

Aber total stilvoll, versteht sich.

IRIS

oh, der gelbe stilvolle rentiervögelpulli muss es natürlich werden

ich verstehe total, wie witzig so ein weihnachtspulli im august ist, aber warum genau soll es ein weihnachtsmotiv sein?

IRIS

weil wir wissen, wie sehr dich das nervt, und strafen sollen wehtun

okay, autsch, so sehr nervt mich weihnachten auch wieder nicht

aber wartet nur ab, ihr seid dann auch wieder an der uni

was mir genug zeit gibt, mir was für meine rache zu überlegen

IRIS

rache für die konsequenzen deiner eigenen handlungen?

du hast doch beschlossen, einem scherzkeks wie mir einen streich spielen zu wollen

ich werde mich entsprechend revanchieren

besonders, nachdem ich grad fast einen ganzen tausender für deine neuen schuhe ausgegeben hab

KRIS

TAUSEND?

ja, für EIN PAAR

führt mir direkt wieder vor augen, dass ich dir sonst ein neues paar mit weihnachtsmagie geschickt hätte, ohne drüber nachzudenken, also danke für die neuen schuldgefühle, iris

keine ahnung, warum du mich noch weiter bestrafen willst

IRIS

weil ich mir das erste paar mit dem geld von meinem beschissenen unijob gekauft hab

weißt du, wie viele stunden ich sandwiches machen musste, um mir die schuhe leisten zu können?

KRIS

Scheiße, du hast recht. Die Strafe reicht nicht!

… das war nicht das, was ich meinte

was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ihr zwei euch besser ganz genau überlegt, welchen höllenqualen ihr mich aussetzen wollt

denn das kriegt ihr mit zins und zinseszins zurück

IRIS

darling, das nennen wir eine leere drohung, nachdem du versprochen hast, gut zu sein und keinen unsinn mehr anzustellen

KRIS

Gut gekontert, Iris.

HA! Coal ist still.

IRIS

haben wir es echt geschafft, ihn zum schweigen zu bringen?

KRIS

Coal, schmoll nicht.

Warte, sorry, ich meine:

You better not pout.

IRIS

heul nicht.

KRIS

Warte, so geht der Text nicht.

Hey, wie war der Text noch mal?

You’d better not – irgendwas irgendwas, I’m telling you why.

IRIS

oh, das meinst du?

ich wollte ihm nur sagen, dass er nicht so ein baby sein soll

ich akzeptiere die bedingungen eurer strafe und schwöre hochheilig, keine rache zu üben, egal, wie sehr ihr sie verdient hättet

KRIS

Dieser Chatverlauf ist rechtskräftig.

fickt euch

von jetzt an heißt es: mein hässlicher weihnachtspullover und ich gegen die ganze welt

Kapitel Zwei

Anderthalb Jahre später, Weihnachtsferien, Abschlussjahr an der Universität

Ich bin der Letzte im Wohnheim. Von den dreien, mit denen ich mir die Wohnung teile, bleibt niemand das ganze Jahr, weshalb auch niemand da ist, um zu sehen, wie ich mich auf der Couch in unserem Gemeinschaftszimmer lümmle. Ich versuche, mich mental an einen Strand in der Karibik zu beamen, an dem einer der Jungs die Semesterferien verbringen will.

Mit einem Mistelzweig, den ich in den Türrahmen stecke, könnte ich das tatsächlich tun. Aber die Karibik lässt mich nur an den halbherzigen Weihnachtsgruß denken, den Kris und ich letzte Woche von unserer Mom erhalten haben – zu Thanksgiving. Zusammen mit einem Foto von ihr, wie sie im Bikini, und ohne zu lächeln, bis zur Taille im Meer steht wie auf einem dieser Influencer-Fotos. Wie kommt sie nur darauf, dass ihre Söhne ausgerechnet so ein Bild von ihr wollen? Die Erinnerung ruiniert meinen entspannten Tagtraum vom Strand.

Ich könnte jederzeit bei ihr aufkreuzen. Doch jede Einladung von ihr steckt voller passiv-aggressiver Schuldgefühle, und ich weiß, dass sie uns den Rest unseres Lebens Vorhaltungen machen würde, wenn einer von uns sie besuchen würde.

»Dein Bruder hat mich endlich mal besucht. Warum bist du noch nicht gekommen, Kristopher? Nicholas, du bist nur eine Woche geblieben. Kinder, die ihre Mutter lieben, würden viel länger bleiben.«

Ich könnte auch an der Uni bleiben. Ich könnte so tun, als hätten einige Studierende ihre Ausflüge abgebrochen und würden die Sporthalle nutzen, in der ich arbeite, weshalb ich mehr Schichten schieben muss.

Auf dem Couchtisch vibriert mein Smartphone, und ich presse mir die Handflächen gegen die Augen.

Ja, ich würde definitiv einen Minijob in der Sporthalle meinen Pflichten als Erbe des Weihnachtsmanns vorziehen.

Dad hat behauptet, er hätte dieses Jahr etwas zu verkünden.

Etwas Großes.

Im besten Fall hat er nur entschieden, welche Rolle ich unter seiner Führung übernehmen soll, wenn ich im Frühling meinen Abschluss gemacht hab. Aber für diese Entscheidung wäre keine Geheimniskrämerei rund um eine große Ankündigung nötig, oder? Seine Assistentin hätte mir einfach die Einzelheiten geschickt, besonders nachdem ich schon so oft jede Beteiligung am Weihnachtsbetrieb völlig vermasselt habe. Dad würde nicht riskieren, dass die Presse über meine Ausbildung berichtet, bevor ich mich bewiesen habe.

Was wäre der schlimmste Fall? Seit Wochen grüble ich schon darüber nach, und mir gefällt nichts von dem, was mir bislang dazu eingefallen ist. Weshalb ich jetzt auf der muffigen Couch rumlungere, die nach Bier riecht – wir haben natürlich kein Bier verschüttet, da Alkohol auf dem Campus streng verboten ist –, und mir die Augen reibe, bis ich Lichter sehe.

»Erschrick nicht!«

Mit einem erschrockenen Aufschrei stürze ich von der Couch und stoße mit dem Knie gegen den Couchtisch. Schmerz flammt in meinem Bein auf, und das Telefon fliegt durch das Zimmer. Mein Koffer, der offen auf dem Tisch liegt, kippt zur Seite und verstreut all meine Sachen auf dem Fußboden.

Und mein Bruder brüllt vor Lachen.

»Ich hasse dich«, stöhne ich auf dem Boden.

Er ignoriert meine Qualen und geht in die Küche. »Ich war es leid, darauf zu warten, dass du von allein nach Hause kommst. Wir sind schon viel zu spät dran.« Er öffnet den Kühlschrank. »Der ist leer.«

»Natürlich ist er leer. Hier wird anderthalb Monate lang niemand sein. Und ich war gerade dabei, zu gehen.«

»Offensichtlich. Horizontales Packen, äußerst produktiv. Willst du überhaupt nach Hause kommen?«

Ich ziehe mich auf die Füße, hebe das Telefon vom Teppich auf und stopfe die Pullover zurück in den Koffer. »Das ist eine komplizierte Frage, und ich hab mir geschworen, keine komplizierten Fragen zu beantworten, nachdem ich das Seminar Angewandte Quantitative Analyse nur knapp bestanden hab.«

»Das Seminar, zu dem ich für dich das Essay schreiben sollte?« Er steckt den Kopf in den Schrank, in dem noch ein paar angefangene Chipstüten liegen, durchstöbert die Tüten, verzieht das Gesicht und schließt die Tür wieder.

Ich werfe ihm einen finsteren Blick zu. »Ich hab dich nur darum gebeten, das Essay zu prüfen – du hast beschlossen, die letzten zwei Seiten neu zu schreiben, weil meine Schlussfolgerung völlig falsch war. Dabei ging es um meine Meinung.«

»Und welche Note hast du bekommen?« Erwartungsvoll wackelt er mit den Augenbrauen.

Der Aufsatz hat die höchste Punktzahl erreicht, aber er kann mich mal. »Hast du nicht genug trockene Seminare in Cambridge? Musst du übers Meer kommen, um mir meine zu stehlen?«

Kris öffnet einen weiteren Schrank.

Dann wird er still.

Ich bringe ihn nie dazu, über sein Studium zu reden. Ich weiß nur, dass das, was nur drei Jahre hätte dauern sollen, sich auf vier erstrecken wird. Dad hat zwar seine Beziehungen spielen lassen, damit ich in Yale studiere und das Vermächtnis der Claus-Familie keinen Kratzer abbekommt, aber Kris durfte sich an vorher festgelegten Hochschulen bewerben.

Yale hat ihn nicht angenommen.

»Bist du damit fertig, dich wie ein Feigling zu benehmen?« Kris schließt den Schrank wieder. »Wir verspäten uns.«

Ich werfe mit einem Paar Socken nach ihm, als er sich in der Küche umdreht, und treffe ihn mitten im Gesicht.

Aber er hat recht.

Ich bin ein ausgewachsener Feigling. Trotz meiner Entschlossenheit, nach dem Vorfall mit New Koah mein Leben umzukrempeln, habe ich zu Hause so viele Pflichten wie nur möglich gemieden. Die Uni und meine beschissenen Jobs hier haben meine volle Aufmerksamkeit erhalten, was eigentlich auch bessere Noten hätte bedeuten sollen. Tut es aber nicht. Oder dass ich in meinen Teilzeitjobs glänze oder wenigstens Manager geworden wäre. Auch das nicht.

Allerdings ist Dad auch nicht dazwischengegangen und hat mich gezwungen, wieder ins Weihnachtsgeschäft einzusteigen.

Bis jetzt. Da mein Abschluss nur noch ein Semester entfernt ist, kann ich den drohenden Verpflichtungen meiner Geburt nicht länger entgehen, und auch Dad findet keine Ausreden mehr.

Ich stütze mich mit meinem ganzen Gewicht auf den Koffer und ziehe den Reißverschluss zu. »Hast du die Nachricht von Mom gelöscht?«

Kris wirft die Socken zurück, und ich stopfe sie in die vordere Tasche. »Hab ich, versprochen. Mir ist egal, dass sie einen Typen mit einem Stranddetektor datet.«

»Nein, ich meine die Weihnachtsnachricht …« Ich runzle die Stirn. »Kris.«

Er wendet den Blick ab, und ich richte mich langsam auf. »Du redest mit ihr? Wir haben uns versprochen, dass wir nicht mehr auf ihre manipulativen Nachrichten reagieren. Das war schon fast ein Blutschwur.«

Er verschränkt die Arme und wippt auf den Fersen zurück. Mit einem Mal scheint er sich besonders für die Decke zu interessieren. »Ich hab nicht viel mit ihr geredet, ich hab nur ihren Weihnachtsgruß erwidert. Dann hat sie mir irgendwelchen Quatsch über ihr Liebesleben erzählt. Mehr nicht.«

»Ein Gespräch mit unserer Mutter ist immer mehr, Kris. Was genau hat sie gesagt?«

Er wirft mir einen beleidigten Blick zu, und Röte überzieht seine Wangen. »Nichts. Es war echt nichts weiter. Mach dir keine Sorgen.«

»Sag mir nicht, dass ich mir keine Sorgen um dich machen soll.« Die Worte klingen strenger, als ich vorhatte.

Beschämt senkt er den Blick, denn er weiß genau, woran ich denken muss: Als sie ihm das letzte Mal ins Gewissen geredet hat, habe ich ihn zwei Tage lang nicht zu Gesicht bekommen, und als ich in Cambridge aufgetaucht bin, habe ich rausgefunden, dass er in der ganzen Zeit sein Zimmer nicht verlassen und nichts gegessen hat.

Kris verzieht das Gesicht, als hätte ich die Erinnerung an die Wand projiziert. »Ich war erkältet. Das zählt nicht.«

»Von wegen. Sie hat dir eingeredet, du wärst schuld daran, dass ich ihre Anrufe nicht annehme, und das hat dich dermaßen gestresst, dass du nicht mal mehr was essen konntest! Also werde ich mir Sorgen machen.« Beschützerinstinkt steigt in mir auf, aber ich halte mich zurück und frage gelassener: »Was hat sie zu dir gesagt?«

Kris verdreht die Augen. »Nichts. Und ich verspreche, dass ich nicht noch mal mit ihr reden werde, ohne vorher mit meiner echten Mutter zu sprechen.« Er macht eine Geste, als würde er mich als seine echte Mutter taufen, und ich strecke ihm die Hand hin.

»Gib mir dein Handy.«

»Was? Warum?«

»Ich sperre ihre Nummer.«

»Vergiss es. Du musst nicht ihre Nummer für mich sperren.«

»Dann wirst du es selbst machen?«

Er fährt sich mit der Zunge über die Zähne, und da greife ich nach seinem Arm. »Gib mir dein Handy.«

Erschrocken zuckt er zurück und stößt mit der Hüfte gegen den Küchentresen. »Scheiße, au … Nein! Lass mich los.«

»Gib schon her.« Ich greife hinter ihn, da ich weiß, dass er das Smartphone in der Gesäßtasche hat. »Ich trete dir in den Arsch, Kris, das schwör ich dir!«

»Ich werde dir nicht mein Handy geben, du Depp.«

»Doch, wirst du. Lass los. Sitz. Platz. Lieg.«

»Nein! Scheiße noch mal – du kriegst nicht mein Handy! Da sind lauter Pornos drauf …«

Er mag kräftiger sein als ich, aber ich bin größer, und ich nutze diesen Vorteil, um die Arme und Beine um ihn zu schlingen wie eine Spinne. Mit dem Ellbogen stoße ich gegen seine Niere – mehr oder weniger versehentlich. Er stürzt auf ein Knie und reißt mich mit.

»Au … Scheiße! Diese Verzögerungstaktik ist selbst für dich armselig«, brummt er unter mir.

Ich löse mich von ihm, und als er hochsieht, zeige ich mit dem Finger auf ihn runter.

»Rede nicht mit ihr. Ich mein es ernst. Wenn du ihr was zu sagen hast, sag es mir, und ich lass es sie wissen.«

»Wann hast du das letzte Mal überhaupt was zu ihr gesagt?«

»Ich … hab auf ihre Nachricht reagiert.«

»Ihr Foto zu liken ist keine Antwort.«

»Das genügt. Ehrlich, Kris. Wenn du ihr was sagen musst, mach ich das für dich. Mir ist das scheißegal.«

Mit argwöhnischer Miene steht Kris auf. »Wenn ich dem zustimme, kann ich dann mein Handy behalten?«

»Kommt drauf an, was für Pornos drauf sind.«

»Wie selbstlos von dir.«

Ich drehe mich um, um meinen Koffer zu holen, aber dann verharre ich und starre stattdessen an die Wand. Die Wut brodelt noch immer in mir.

Kris schweigt so lange, dass ich mich zu ihm umdrehe. Er reibt mit dem Fuß über eine Stelle auf dem Teppich, also gehe ich mit dem Koffer zu ihm zurück. »Schon gut. Bringen wir die Sache hinter uns.«

Er hebt eine Augenbraue, sichtlich erleichtert, dass wir nicht mehr über sie reden. Vorerst. »Sag es noch elender. Iris ist schon dort.«

»Sie hat mir geschrieben. Hauptsächlich, um mir zu sagen, dass Lily nicht da sein wird.«

»Wird sie nicht«, versichert Kris mir. »Nur Iris und ihr Dad.«

»Und ich sage dir dasselbe, das ich Iris gesagt hab: Mir ist egal, wo Lily ist. Sie ist verlobt, oder?« Frisch verkauft an, ich meine, verlobt mit dem Valentinsprinzen.

Kris wirft mir denselben Blick zu wie Iris, egal, wie oft ich ihnen versichere, dass es mir gut geht: Mitleid.

»Es ist fast zwei Jahre her!« Ich werfe den Kopf in den Nacken. »Die Trennung war einvernehmlich.«

»Du hattest eine ernste Beziehung, wurdest in aller Öffentlichkeit verlassen und hast dich nie wieder auf jemanden eingelassen. Das ist nicht gesund. Außerdem«, fährt er hastig fort, »wissen wir, dass Lily ständig von jenem Abend redet.«

Das Geräusch, das mir entfährt, ist irgendwo zwischen einem Lachen und einem wilden Aufschrei. »Warte mal – du willst mir was von gesunden Beziehungen erzählen? Mit wie vielen warst du denn bisher zusammen?«

Mit konzentrierter Miene zieht Kris einen Mistelzweig aus der Hosentasche und mustert ihn, als wäre er von dem Grünzeug fasziniert. »Ich hab Dates. Jede Menge.«

»In der Uni-Bibliothek neben jemandem zu sitzen, zählt nicht.«

»Ich hab nicht neben jemandem gesessen – das war ein Date.«

»Du hast jemanden in die Bibliothek geführt, Kris, an der Uni, an der die Person ebenfalls studiert.«

»Da war eine Ausstellung …«

»Mit deiner lebenslangen Sehnsucht nach Iris und dem, was auch immer Dad tut, seit Mom ihn verlassen hat, bin ich doch der Einzige, der sich überhaupt an gesunden Beziehungen versucht.«

Kris schnaubt. »Mit deinem Mitbewohner ins Bett zu steigen, ist keine gesunde Beziehung.«

»Ich dachte, du magst Steven!«

»Tue ich auch. Aber du warst nicht mit ihm zusammen. ›Hey, ich hab die Zwischenprüfung nicht bestanden, blas mir einen‹ ist keine Beziehung. Du verzögerst die Sache. Schon wieder.«

Da hat er recht. Ich stöhne und trete nach dem Fußboden. »Ist komisch, dass sie schon da ist, oder?«

Das erste Event der Saison betrifft eigentlich nur die Oberschicht von Weihnachten.

Kris steckt den Mistelzweig über die Tür der Studentenwohnung. »Vielleicht braucht sie einen Tapetenwechsel. Das Studium wird nicht leichter.«

Iris schwört, dass sie in Cambridge glücklich ist, wo sie sogar dasselbe studiert wie Kris, aber ich weiß, dass es ihr Vater war, der sie dazu gedrängt hat, nach England zu gehen, statt an der Kunsthochschule zu studieren, von der sie geschwärmt hat. Wenigstens macht sie ihren Abschluss pünktlich, genau dann, wenn ich mein Studium an Yale abschließe – und fangen wir gar nicht erst davon an, dass ich in einem vierjährigen Studiengang feststecke, während sie schon nach drei Jahren fertig ist. Ich würde Kris dafür tadeln, dass er sein Studium um ein Jahr hinauszögert, aber ich weiß, dass das keine Absicht ist.

»Ja, vielleicht.« Ich habe den eigenartigen Eindruck, dass etwas nicht stimmt, aber ich kann es mir nicht erklären.