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Krieg ist niemals nur Schlacht. Er ist Ehrgeiz, Verrat, Liebe und der Preis, den andere dafür zahlen. Als König Harald, getrieben von Anspruch und göttlichem Zeichen, mit seinem Heer englischen Boden betritt, glaubt er, das Schicksal selbst auf seiner Seite zu haben. Kronen sollen fallen und Reiche neu geordnet werden. Doch zwischen Politik, Machtspielen und dem Traum vom Thron stehen jene, die den wahren Preis des Feld-zuges tragen. Marit, eine unbezwingbare Shieldmaid, kämpft nicht für Kronen, sondern für Freiheit. An ihrer Seite stehen Björn, der Krieger ohne Heimat, sowie Isa und Talvi, verbunden durch Eide, Loyalität und eine Liebe, die stärker ist als jede Klinge. Als eine Schlacht an der Brücke alles verändert, zerbrechen Hoffnungen, Helden fallen und selbst ein König bleibt nicht unberührt vom Urteil der Götter. Während Haralds Anspruch in Blut geschrieben wird, kämpfen andere ums Überleben, um Verantwortung und um das Erbe der Toten. Denn Macht endet nicht mit dem Tod eines Herrschers, sie beginnt dort erst. Der letzte Teil einer Geschichte über Krieg jenseits der Schlachtfelder, über Liebe im Schatten von Königen und über das Vermächtnis einer Shieldmaid, das weiterlebt.
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Seitenzahl: 526
Veröffentlichungsjahr: 2026
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The Shieldmaid
Teil 3
Stamford Bridge das Ende einer Ära
von Jens Schumacher
The Shieldmaid Teil 3 – Stamford Bridge das Ende einer Ära von Jens Schumacher
Taschenbuchausgabe: 12/2025
Text: ©Jens Schumacher
Umschlag: ©Copyright by Melanie Popp/MP-Buchdesign & mehr
Bildquelle: @casavella, @piolka, @Boubon-88/depositphotos.com
Illustrationen: ©Diana Muchner
Buchsatz: Melanie Popp/MP-Buchcoverdesign & mehr
Verlag: Jens Schumacher, Talstr. 13a, 65510 Hünstetten
Druck: epubli, ein Service der neopubli GmbH, Berlin Printed in Germany
Alle Rechte vorbehalten.
Jede Verwertung bedarf der schriftlichen Genehmigung des Autoren. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Verwertung, Übersetzung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektrischen Systemen. Personen und Handlung sind frei erfunden. Die Geschichte ist fiktiv, orientiert sich aber an geschichtlichen Ereignissen.
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The Shieldmaid Teil 3 – Stamford Bridge das Ende einer Ära von Jens Schumacher
Krieg ist niemals nur Schlacht. Er ist Ehrgeiz, Verrat, Liebe und der Preis, den andere dafür zahlen.
Als König Harald, getrieben von Anspruch und göttlichem Zeichen, mit seinem Heer englischen Boden betritt, glaubt er, das Schicksal selbst auf seiner Seite zu haben. Kronen sollen fallen und Reiche neu geordnet werden. Doch zwischen Politik, Machtspielen und dem Traum vom Thron stehen jene, die den wahren Preis des Feldzuges tragen.
Marit, eine unbezwingbare Shieldmaid, kämpft nicht für Kronen, sondern für Freiheit. An ihrer Seite stehen Björn, der Krieger ohne Heimat, sowie Isa und Talvi, verbunden durch Eide, Loyalität und eine Liebe, die stärker ist als jede Klinge. Als eine Schlacht an der Brücke alles verändert, zerbrechen Hoffnungen, Helden fallen und selbst ein König bleibt nicht unberührt vom Urteil der Götter.
Während Haralds Anspruch in Blut geschrieben wird, kämpfen andere ums Überleben, um Verantwortung und um das Erbe der Toten. Denn Macht endet nicht mit dem Tod eines Herrschers, sie beginnt dort erst.
Der letzte Teil einer Geschichte über Krieg jenseits der Schlachtfelder, über Liebe im Schatten von Königen und über das Vermächtnis einer Shieldmaid, das weiterlebt.
„Das war es.“ Björns Stimme verhallt dumpf in der gewaltigen Halle. Für einen Moment ist nur das Knistern des Feuers zu hören, ein gleichmäßiges und warmes Geräusch, das sich mit dem gelegentlichen Knacken trockenen Holzes vermischt. Der würzige Duft von Talg und verbranntem Harz liegt in der Luft, vermengt mit Rauch und dem scharfen Geruch von nassem Leder und altem Blut. Schwer und alt riecht die Halle, nach Geschichten, nach Leben und nach Tod.
Rings um die Feuerstelle sitzen Männer und Frauen, schwer in dicke Felle gehüllt, mit geröteten Wangen und schweigenden Mienen. Der Tanz der Flammen malt flackernde Schatten auf ihre Gesichter, auf raues Holz und eiserne Waffen. Ihre Augen sind auf Björn gerichtet, auf das Ende seiner Erzählung, das wie eine klaffende Wunde in der Luft hängt.
Harald Schönhaar hebt sein mit Schnitzereien verziertes Trinkhorn, das golden im Schein des Feuers schimmert. Er nimmt einen tiefen Schluck Met und wischt sich mit dem Handrücken über den Bart.
Plötzlich, als würde er es sich nicht verkneifen können, grinst er breit. „So, so, Björn, Krieger der Waräger-Garde …“ Er leckt sich die Lippen. Seine Stimme hallt durch die Halle, schwer und träge vom Alkohol. „Ihr wurdet also von einem Prinzen gebumst. Das macht Euch irgendwie auch zu einem Prinzen, finde ich.“
Für einen Herzschlag lang ist es still, dann bricht er in schallendes Gelächter aus, so laut, dass selbst die Dachbalken zu beben scheinen. Einige seiner Männer stimmen mit ein, dumpf, wie ein Tier, das seinen Schmerz hinter einem Lachen versteckt.
Marit verdreht die Augen und pustet angeekelt ihre Wangen auf. Ihr liebevoller Blick wandert zu Björn. „Ignoriere seine Worte, Liebling. Wenn dir danach ist, können wir das nächste Mal gerne einen unserer ...“ Ihre Töne sind ruhig, beinahe weich, allerdings durchtränkt von einer unterschwelligen Schärfe.
„Hört auf!“ Björns Stimme ist wie ein Donnerschlag. Mit einem schnellen Ruck steht er auf, sodass sein Umhang Funken vom Feuer aufwirbelt. Das metallische Scharren seines Schwertes reißt alle aus der Trägheit. Ein lautloses Entsetzen geht durch die Reihen. Im nächsten Moment hält er die schimmernde Klinge direkt an Haralds Hals. „Schweigt … Alle!“
Der König erstarrt, Angst ist in seiner Miene jedoch nicht zu erkennen, mehr ein Warten. Ein Warten darauf, was Björn wohl als Nächstes tun wird.
„Seid still“, knurrt Björn. Der Zorn in seiner Stimme ist so tief wie das Meer. Die Wachen zucken zusammen, rühren sich aber nicht. Keiner bewegt sich. Selbst die Flammen werden kleiner.
„Ich weiß nicht, was in jener Nacht wirklich geschehen ist“, zischt Björn, seine Tonlage bricht beinahe. „War es der Prinz? Eine Haremsdame? Ein Schatten? Oder ein Fluch der Götter?“ Er atmet schwer, der Griff seines Schwertes zittert in seiner Hand. „Ich war jung. Ich war allein. Ich war voller Schmerz, voller Sehnsucht, voller Angst. Und ja, vielleicht war es Schwäche. Vielleicht war es aber auch ein Moment der Nähe, der falsch war. Aber ich lebe noch und ich bin zurück. Aber eines bin ich nicht, und zwar Euer Spott.“ Sein Blick flackert, seine Brust hebt und senkt sich rasch. Niemand in der Halle wagt es, etwas zu sagen.
„In Ordnung, Björn“, sagt Harald Schönhaar mit rauer und kratziger Stimme, die sich wie ein mit Rinde verkleidetes Stück Holz anfühlt. Er wirkt für einen Augenblick klein, fast wie ein Junge, der von seinem Lehrer ermahnt wurde, aber das ist nur ein Hauch.
Der König findet schnell zurück in seine gewohnte Überheblichkeit. „Ich gebe zu, ich bin über mein Ziel hinausgeschossen. Verzeiht mir dies bitte. Aber vergesst nicht, wo Ihr Euch befindet. Ich bin König von Norwegen und Ihr seid in meiner Halle.“
Björns Blick ist kalt wie das Fjordwasser im Frühjahr. In seinen Augen flackert keine Furcht, nur purer Spott. Er nimmt sich einen Moment, ehe er antwortet. So, als würde er jedes Wort auskosten, wie ein Krieger das letzte Stück Fleisch vor dem Kampf. „König Harald Schönhaar“, wiederholt er langsam, fast feierlich, aber mit spürbarem Hohn. „König von Norwegen.“ Er lehnt sich ein Stück nach vorne, damit ihn der König genau verstehen kann. „Dann verhaltet Euch gefälligst auch wie ein König und beleidigt mich nicht wie ein trunksüchtiger Schenkenwirt auf dem Jahrmarkt.“
Ein Murmeln geht durch die Halle. Einige Männer starren in ihre Hörner, andere sehen sich verlegen an. Doch niemand erhebt Einspruch. „Eure Entschuldigung nehme ich indes an“, fügt Björn schließlich hinzu und steckt mit bedächtiger Geste sein Schwert zurück in die Scheide, als wäre das Metall selbst ein Band, das er mit seiner Ehre versiegelt. Mit einem leisen Klirren nimmt er wieder Platz, hebt den Becher an die Lippen und leert ihn mit einem einzigen Zug, als würde er auch den letzten Tropfen Zorn hinunterspülen wollen.
Marit beobachtet ihn aus den Augenwinkeln. Ihre Stirn ist leicht gerunzelt und ihre Gedanken unruhig wie Sturmwolken über dem Nordmeer. Sie kennt diesen Mann, natürlich, sie liebt ihn, aber etwas in ihm ist ihr fremd geworden. Etwas Dunkles und Ungezügeltes. Sie fragt sich, ob der Schmerz der Vergangenheit ihn gezeichnet hat, wie das Brandzeichen eines Sklaven. Sie spürt, dass Björn sich verändert hat, sie weiß jedoch noch nicht, ob es ihn rettet oder zerstört.
Für ein paar Atemzüge liegt Stille über der Halle. Eine Stille, die schwer wie frisch gefallener Schnee ist. Irgendwann hebt Harald sein Horn, seine Stimme ist wieder laut, fast zu laut. „Skal!“
Mit einem donnernden Krach heben sich alle Becher in der Halle und stoßen wie Äxte auf einem Schlachtfeld aneinander. Lachen dringt wieder durch die Reihen, die Stimmen werden lauter und das Feuer knistert aufgeregt, die Halle lebt erneut auf.
Getrunken wird bis tief in die Nacht. Der Met fließt wie ein endloser Strom, als gäbe es keinen Morgen mehr. Marit hält sich allerdings zurück. Ihr Becher bleibt fast den ganzen Abend halbvoll. Ihr Blick wandert immer wieder zu Björn. In ihrem Herzen tobt ein Sturm, der Sturm einer Jarl, einer Mutter und einer Geliebten.
Sie hat Verantwortung, für ihre Kinder und für ihr Volk. Für einen Mann, der das Herz einer Kriegerin entfacht hat und die Seele eines Getriebenen in sich trägt. Während um sie herum das Gelächter anschwillt, ahnt sie, dass etwas kommen wird. Und das wird größer als jeder Krieg sein, den sie je geführt hat.
Björn bemerkt zuerst nicht, dass Marit so in sich gekehrt ist. Sein wachsamer Blick wandert über die Menge und ruht auf den zuckenden Schatten der Feuerflammen, die wie tanzende Geister an den Wänden kriechen. Das Gelächter der Männer ist für ihn nur ein fernes Dröhnen, wie das Rollen von Donner über einem stillen Fjord. Er denkt an den König, an das Schwert in seiner Hand und an all die unausgesprochenen Dinge, die zwischen Stolz und Scham wie ein Schild zwischen Kriegern stehen.
Marit hingegen ist in Gedanken längst fort, abgetaucht in Welten, die kein Mann je ganz betreten darf. Ihre Gedanken sind ein Flickenteppich aus Pflicht, Angst und Verlangen. Sie ist Mutter, Jarl, Geliebte und Kriegerin. Sie spürt das Gewicht dieser Rollen wie Steine in ihrer Schürze. Dann ist da Björn, der Fels, der Sturm, der Mann, den sie liebt und doch manchmal kaum zu fassen bekommt. Wie einen wilden Hengst, den man sattelt, aber nie wirklich zähmt.
Wie aus dem Nichts treffen sich ihre Blicke. Für einen Moment ist alles still um sie herum, als hätte selbst das Feuer den Atem angehalten.
Björn reagiert zuerst. Er steht mit einem liebevollen Lächeln auf, entschlossen wie ein Bär, der genug vom Winterschlaf hat. Er meistert die wenigen Schritte zwischen ihnen in einem Augenblick, der sich für Marit wie eine Ewigkeit dehnt. Schon packen seine rauen und kräftigen Hände sie an der Taille und ziehen sie zu ihm. Sein Griff ist fest, dennoch nicht grob, eher wie das feste Umarmen eines Mannes, der nicht fragt, sondern weiß, was sie will.
Ehe Marit sich versieht, landen seine Lippen auf ihren. Sie stöhnt auf, als tausend Schmetterlinge durch ihren Bauch flattern. Der Kuss trifft sie völlig unvorbereitet. Warm, wild, voller Leben und voller Björn. Für einen Herzschlag lang vergisst sie, dass sie Verantwortung trägt. Sie vergisst die Kinder, das Dorf und den Titel. Sie vergisst, wo sie sich gerade befinden. Alles zerfällt wie Reif unter der Frühlingssonne. Es gibt nur diesen Mann, diesen Moment und diesen wundervollen Kuss.
„Oh mein Björn,“ flüstert sie gegen seine Lippen. „Mein Krieger, mein Geliebter, der Retter meiner Kinder.“ Ihre Gedanken sprechen leise weiter: Wie dankbar ich dir bin. Für dein Herz, das schlägt wie ein Kriegshorn. Für deine Arme, in denen ich keine Rüstung brauche. Für deine Augen, die mich sehen, sie wirklich nur mich sehen.
Mit einer geschickten Drehung, so elegant wie eine Raubkatze, löst sie sich aus seiner Umklammerung. Ihr Blick verschmitzt, kokett und voller Tiefe. Sie streicht ihm mit der flachen Hand drängend über die Brust, als würde sie sich kurz vergewissern wollen, dass er wirklich da ist, aus Fleisch und Blut, und nicht nur ein Traum ist.
Sie beißt sich auf die Unterlippe und zwinkert Björn zu. Unerwartet fasst sie an den Saum ihres Kleides und hebt es mit einer fließenden Bewegung hoch, gerade so viel, dass die Männer am Feuer innehalten. Jeder darf einen kurzen Blick auf ihre zarte Haut werfen und auf das, was die anderen Männer niemals erreichen werden.
Keinen Wimpernschlag später kehrt sie Björn den Rücken zu. „Wenn du dich beeilst, Krieger …“, sagt sie mit einem Lächeln, das ebenso eine Einladung wie eine Herausforderung ist. „Dann kannst du mir noch beim Ausziehen helfen.“ Mit diesen Worten verschwindet sie, wie ein warmer Windstoß, aus der Halle und lässt Björn dort stehen, mit pochendem Herzen und loderndem Verlangen.
„Was für ein Weib, meine Marit“, nuschelt Björn und stolpert beinahe über einen umgestürzten Hocker, während er versucht, ihr hinterher zu gehen. Seine Stimme ist tief und rau, das Grinsen auf seinem Gesicht ist breit wie ein Fjord bei Sonnenaufgang. Er fühlt sich leicht, fast schwerelos, nicht vom Met, sondern von dem Kuss, der ihn vor wenigen Momenten wie ein Blitz getroffen hat.
Er spürt den Blick der Männer auf seinem Rücken. Und tatsächlich, kaum drei Schritte entfernt hallt schon Haralds Stimme durch die Halle, wie das Röhren eines alten Elchs, der seine Herde beeindrucken will. „Was ist, Björn?“, ruft der König lallend vor Met und Übermut. „Hast du schon genug getrunken, dass du dem Lockruf der Liebe folgst? Hahahaha!“
Ein donnerndes „Skal!“ hallt anschließend durch die Halle, Hörner klirren aneinander wie Schilde im Gefecht, Männer lachen, grölen und stoßen sich gegenseitig in die Seiten. Der Met fließt, und der Ernst des Lebens löst sich im Nebel des Rausches auf.
Björn bleibt kurz stehen und verdreht in Gedanken die Augen. Er mag Harald, aber heute geht er ihm irgendwie auf den Sack. Sein Plan war, sich dem König zuzuwenden und ihm einen gehässigen Kommentar an den Kopf zu werfen. Allerdings kommt er nicht so weit, denn auf einmal trifft ihn ein anderer Blick, schärfer als jedes Schwert.
Talvi steht etwas abseits, wie es ihre Pflicht verlangt. Sie ist Marits Shieldmaid, treu an der Seite ihrer Herrin. Ihre Augen sind dunkel, fast schwarz im Licht der Flammen, sie lodern jedoch. Und was darin brennt, ist mehr als bloßer Ärger. Es ist Leidenschaft, Zorn und Sehnsucht. Eine Mischung, die gefährlich wie brennendes Öl ist.
Ihre Augen sagen: Warum sie, und nicht ich?
Björn hält ihr stand, gerade, aufrecht und stolz. Er erwidert ihren Blick nicht mit Reue und nicht mit Spott, sondern mit etwas, das tiefer geht. Er versteht sie und er erinnert sich. Und ja, vielleicht ist da auch ein Hauch von Mitleid dabei. Denn er weiß ganz genau, was Talvi jetzt gern tun würde. Wie sie ihn berühren, küssen und spüren möchte. Allerdings sie ist Shieldmaid, und auch noch Marits Shieldmaid. Und das bedeutet nun einmal, dass ihr Eid vor der Lust steht und ihre Pflicht vor dem Herzen. Sie würde eher ihr eigenes Verlangen mit der Axt erschlagen, als Marit zu verraten.
Du wolltest mich erniedrigen, denkt Björn, als ich gezwungen war, deinen Urin zu trinken. Als du dachtest, du würdest mir zeigen, was Demut ist. Doch ich habe dich besiegt. Nicht mit dem Schwert, sondern mit dem, was du nicht erwartet hast. Ich gab dir Leidenschaft. Ich zeigte dir ein Gefühl, das du noch nicht kanntest, Kriegerin. Ein Gefühl, das du bis heute verfluchst, weil es echt war.
Er wendet sich langsam von ihr ab. Dabei gleitet sein Blick ein letztes Mal über Talvis Gesicht, über das leichte Muskelzucken in ihrem Kiefer und das Funkeln in ihren Augen, dass sie zu unterdrücken versucht. Wenige Atemzüge später setzt Björn seinen Weg fort, Schritt für Schritt in die Richtung des Herzens, das ihn ruft.
Ihm wäre es jetzt lieber, Isa wäre an ihrer Stelle statt sie. Isa ist so leicht wie der Sommerregen über den Wiesen. Sie verlangt nichts und erwartet nichts. Sie stellt keine Fragen, deren Antworten man sich erst selbst zurechtlegen muss. Sie nimmt ihn, wie er ist, manchmal roh, manchmal stumm, manchmal verletzlich. Isa ist wie ein warmer Stein nach einem Tag in der Sonne, man legt sich zu ihr und findet Ruhe.
Aber Talvi … Talvi ist ein anderes Wesen. In ihr lodert ein Feuer, das leise knistert, selbst wenn sie schweigt. Es ist das Feuer einer Frau, die weiß, wer sie ist und nicht vergisst, wer du bist. Sie leidenschaftlich, stolz und unerbittlich. Sie ist wie ein Funken, der wärmen kann, oder dich verbrennen. Manchmal, denkt Björn, ist sie wie ein gefangener Blitz, schön und gefährlich zugleich.
Hoffentlich, denkt er weiter, gerät dieses Feuer nie außer Kontrolle. Denn wenn Talvi eines Tages beschließt, dass sie ihn bestrafen will, dann wird selbst Odin wegsehen. Björn grinst in sich hinein und schüttelt den Kopf.
Mittlerweile hat er die Halle verlassen. Die grölenden Stimmen darin verstummen mit jedem Schritt mehr und mehr. Der Wind draußen ist kalt, wie ein vergessener Hauch des Nordens, der sich durch die Gänge des Dorfes schlängelt. Er zieht seinen Umhang fester um sich. Die Nacht liegt über dem Dorf wie ein schwerer Mantel, nur durchbrochen von den letzten flackernden Fackeln an den Wegen und dem leisen Schnauben der Pferde aus den Ställen.
Er biegt einmal nach links und einmal nach rechts ab, und schon steht er vor Marits Hütte. Sie hat nicht auf ihn gewartet. Nein, sie hat ihn erwartet. Sie lehnt an der Eingangstür, aufreizend und selbstsicher mit einem Lächeln auf den Lippen, das mehr verspricht als jedes Gelage in der Halle. Das Feuer der Fackeln lässt ihre Haut wie Bronze schimmern und ihr Haar wie feines Gold.
„Na, genug getrunken, Björn?“, fragt sie, ihre Stimme tief und samtig wie dunkler Honig. „Magst du nicht noch ein paar Becher mit dem König von Norwegen leeren und dich mit ihm betrinken?“
Björn bleibt stehen und zischt durch zusammengepresste Zähne. Dann geht er langsam auf sie zu, mit dem Gang eines Mannes, der genau weiß, was er will, und wer ihn will. Er stellt sich direkt vor sie, so nah, dass sein Atem ihre Haut streift wie warmer Dampf aus einer heißen Quelle. Er baut sich in seiner ganzen Größe vor ihr auf, für einen Moment scheint selbst der Wind innezuhalten.
„Lass das, Marit“, sagt er leise, aber mit dieser Kraft in der Stimme, die durch Mark und Bein geht. „Könige interessieren mich nicht. Auch keine Königreiche.“ Er hebt die Hand, streicht ihr eine Strähne aus dem Gesicht und sieht sie an, als wäre sie das Einzige, das noch zählt. „Nur du interessierst mich. Deine Stärke. Dein Wille. Dein …“
Er möchte noch mehr sagen, doch er kommt nicht weiter. Marit hebt die Hand und legt ihm den Finger auf die Lippen. „Schhh“, macht sie und mustert sein komplettes Gesicht mit einem so eindringlichen Blick, der Björn beinahe Angst macht. „Björn“, haucht sie. Ein Laut, der ihn mehr entwaffnet als jedes Schwert.
„Komm mit mir.“ Grob packt sie ihn am Kragen, bestimmt, wie ein Kapitän sein Schiff steuert, und zieht ihn mit einem festen Ruck in die Hütte. Die Tür fällt hinter ihnen ins Schloss, ein dumpfer Klang, wie das Ende eines Kapitels oder der Anfang eines ganz neuen. Drinnen ist es dunkel, nur das Flackern der Glut im kleinen Feuerkasten zeichnet helle Linien auf Wände und Haut. Marit lässt ihn los und dreht sich zu ihm herum. Sie steht nun wie eine Göttin vor ihm, wie eine Wölfin in der Dämmerung, wachsam und hungrig.
Ihre lodernden Augen treffen ihn wie einen Pfeil, gezielt und ohne Zögern. Sie glänzen groß und dunkel, gefüllt mit Begierde, Besitz, Zuneigung und etwas Unergründlichem, das nur Frauen wirklich verstehen. „Zieh dich aus, Björn“, haucht sie, aber voller Kraft. „Ich möchte dich ansehen.“
Björn blinzelt mehrmals hintereinander. Er ist ein wenig irritiert. Nicht, weil Marit ihn begehrt, das weiß er längst. Sondern weil ihr Blick, ihr Ton, ihre ganze Art in diesem Moment etwas beinahe Erhabenes hat. Als stünde er nicht vor einer Frau, sondern vor einer unwirklichen Erscheinung.
Er ist ein Krieger und Krieger sind auf vieles vorbereitet. Auf Schmerz, auf Blut, auf Verluste und auf Tod. Aber nicht auf so etwas. Nicht auf eine Frau wie Marit, die mit einem einzigen Blick das Chaos in seinem Inneren zum Schweigen bringt. Oder entfacht, je nachdem, wie sie gerade schaut. Er möchte etwas sagen. Einen dieser Sprüche, die Männer in solchen Augenblicken von sich geben, um sich nicht allzu nackt zu fühlen. Er bringt jedoch keinen Ton heraus. Sein Körper ist längst auf einem anderen Weg, schneller als sein Kopf, längst durchströmt von heißem Verlangen und von dem süßen Gift der Begierde.
In Gedanken ist er ihr bereits verfallen, dringt hart in sie ein, spürt ihre süße Nässe, spürt sie unter sich, über sich und um sich. Er schluckt schwer. Ohne ein weiteres Wort beginnt er, sich zu entkleiden, nicht zögerlich, nicht schüchtern, sondern mit der ungenierten Selbstverständlichkeit eines Mannes, der seinen Körper kennt wie ein Werkzeug, das ihn durch Schlachten, Stürme und Nächte getragen hat.
Er zieht den Gürtel auf, löst das Hemd und lässt es achtlos zu Boden fallen. Marits Augen folgen jeder seiner Bewegungen. Seine Haut ist bronzen vom Leben unter offenem Himmel, gezeichnet von Wind, Salz, Sonne und Krieg. Jeder Muskel spricht von Disziplin und Entschlossenheit, jede Narbe ist wie eine Rune, eingeritzt von der Geschichte selbst. Dann steht er vor ihr. Nicht nur nackt am Körper, sondern auch in der Seele.
Marits Blick ist unersättlich. Sie kommt ihm einen Schritt näher. Ihre Augen wandern langsam über seinen Körper, gierig, genussvoll, und wachsam zugleich. „Welch unglaublich schönen und trainierten Körper du hast, Björn“, sagt sie mit einem Lächeln, das in ihrer Stimme wie ein Lied im Wind mitschwingt. „Jede Narbe erzählt eine Geschichte … und ich liebe dich. Nicht nur, weil du meine Kinder gerettet hast …“ Ihr Ton wird weicher und voller Tiefe. „Sondern auch, weil du mich gerettet hast, mein Dorf und mein Herz. Dank dir bin ich Jarl. Dank dir bin ich mehr als nur Mutter, mehr als nur Frau. Ich bin etwas, das ich selbst kaum begreifen kann, weil du mich an mich glauben ließest, als ich es längst verlernt hatte.“
Sie sieht ihn weiter an. Da ist nun etwas in ihrem Ausdruck, dass sogar Björn für einen Moment den Atem nimmt. „Und glaube mir, Björn … Ich habe viel geträumt. Ich habe auch viel trainiert dafür.“ Sie grinst frech. „Denn so gern ich eine liebende Mutter bin … so gern bin ich auch etwas anderes.“
Björn hebt leicht die Brauen. „Was bist du gerne, Marit? Sag es mir.“ Seine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, rau und voll Erwartung, wie ein Seemann vor einem unbekannten Hafen.
Marit lächelt dieses halbe und wissende Lächeln, das Männer zugleich beruhigt und verunsichert. Mit einer Hand hält sie ihn auf Abstand, legt sie auf seine Brust und spürt sein Herz darunter wie ein Kriegstrommel pochen. Mit vorsichtigen Schritten geht sie aufreizend an ihm vorbei, ihre Finger streifen seine Haut. Nur ein Hauch, dennoch fühlt es sich an, als würde eine Spur Feuer über seine Brust ziehen.
Sie tritt hinter ihn, so leise, dass selbst der Holzboden unter ihren Füßen kaum knarrt. Björn rührt sich nicht. Kein Muskel zuckt, sein Atem fließt flach. Auf einmal hört er, wie Marit die Tür öffnet. Für einen Moment glaubt er, sie würde ihn jetzt einfach stehen lassen, so nackt, so gespannt und so ausgeliefert.
Er nimmt wahr, wie sie die Tür wieder schließt. Keinen Wimpernschlag später bleibt sein Herz fast stehen, als er nicht nur Marits Schritte hört, sondern auch … Talvi.
Er dreht den Kopf kaum, weiß jedoch genau, dass sie es ist. Sein Blick zuckt hin und her. Bevor er richtig versteht, was geschieht, stehen Talvi und Marit direkt vor ihm. Sie bewegten sich synchron, wie zwei Seiten derselben Klinge. Eine ging rechts an ihm vorbei, die andere links, wie zwei Wölfinnen, die ihre Beute umrunden.
Björn steht wie festgewurzelt da. Obwohl er sich sicher ist, dass er schon hart ist, fühlt er mit jedem Atemzug, wie sich sein Schwanz noch weiter aufrichtet. Er wagt es nicht, sich zu bewegen.
Marit schaut ihn lüstern an und ein Grinsen umspielt um ihre perfekten Lippen. Dieses Grinsen, das immer dann auftaucht, wenn sie etwas vorhat, das Regeln bricht oder Herzen entzündet. „Ich habe vor allem gerne Kontrolle und Macht, Björn“, sagt sie. Ihre Stimme ist so warm wie ein Fell auf nackter Haut, gleichzeitig schneidend wie die Klinge einer gut geschärften Axt.
Sie zwinkert ihm zu, anschließend zieht sie Talvi zu sich heran. Nicht grob, sondern mit der Selbstverständlichkeit einer Herrin, die weiß, was ihr gehört. Keinen Wimpernschlag später treffen ihre Lippen auf die der Shieldmaid. Dieser Kuss ist kein Zögern und kein Test. Er ist ein Befehl.
Talvi stöhnt auf. Es ist kein schüchternes Seufzen, es ist ein Laut, roh und ehrlich, der wie ein Donnerhall in Björns Brust einschlägt. Sie erwidert den Kuss sofort und schiegt sich an ihre Herrin. Ihre Hände gleiten an Marits Hüften entlang, ihre Finger krallen sich in das Stoffgewebe, als würde sie Halt finden wollen, oder sich an etwas erinnern, das sie nie vergessen möchte.
Björn steht da, die Augen weit offen, die Kehle trocken. Ein Teil von ihm möchte laut auflachen, aus Unglauben, aus Überforderung und aus purer Erregung. Ein anderer Teil möchte schreien. Nicht aus Angst, sondern vor Verlangen. Bei den Göttern, denkt er, passiert das hier gerade wirklich?
Er ballt seine Hände zu Fäusten, hält sich so davon ab, zu seiner Härte zu wandern, sie zu umschließen und sich selbst zu verwöhnen. Das macht er nicht aus Scham, sondern aus Ehrfurcht. Er fühlt sich, als stünde er vor einem Ritual, einer Zeremonie, bei der man nur zusieht und den Atem anhält.
Marits Finger sind inzwischen an Talvis Rüstung. Die Lederriemen lösen sich, einer nach dem anderen. Es dauert nicht lange. Sie kennt jeden Knoten und jeden Verschluss, als würde sie das jede Nacht tun. Das Leder mit einem weichen und dumpfen Laut zu Boden.
Talvi steht nun da, nackt. Ihre maskulinen Schultern sind aufgerichtet, der Blick stolz, zugleich verletzlich. Ihre Haut glänzt im Schein der Flammen. Sie ist Kriegerin und Frau. Sie ist scharf wie ein Schwert und weich wie ein Kinderlied.
Marit tritt einen Schritt zurück. Für ein paar Augenaufschläge betrachtet sie Talvi, danach dreht sie sie langsam zu Björn, damit auch er sie in ihrer vollen Schönheit betrachten kann.
Björn steht völlig in ihrem Bann. Seine Muskeln sind angespannt, sein Atem geht schwer und seine Gedanken sind vollkommen wirr. Scheiße, was passiert hier?, denkt er wieder. Ein Teil von ihm möchte auf die Knie fallen. Nicht aus Unterwerfung, sondern vor Staunen. Ein anderer will aufspringen, die beiden Frauen an sich reißen und sie auf seine Haut pressen, damit er nie vergisst, wie sich das anfühlt.
Aber er rührt sich nicht. Irgendetwas sagt ihm, dass das hier nicht nur ein Spiel ist. Es ist ein Prüfstein. Ein Moment, an dem sich alles verschiebt. Wo Lust auf Macht trifft, Treue auf Begehren, und wo die Vergangenheit keine Rolle spielt, nur das, was jetzt ist.
Talvi ist ihm direkt gegenüber, nackt, entwaffnend und göttlich. Und doch so real, dass Björn fast glaubt, sie würde Dampf verströmen müssen, so heiß lodert ihr Blick. Ihre Augen brennen vor Lust, vor Hunger und vor etwas Wildem, das in ihr brodelt wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. In ihnen liegt kein Zweifel, keine Scheu und kein Zögern. Nur das reine und rohe Verlangen einer Kriegerin, die zu lange auf das Signal zum Angriff gewartet hat.
Björns Blick gleitet über ihren Körper. Er kann nicht anders. Talvi ist kein zartes Geschöpf und kein liebliches Etwas, das wie eine Elfe im Wind tanzt. Nein, sie ist Sturm. Ihr Körper ist geformt von Schlachten und Training, von Disziplin und Trotz. Ihre Muskeln sind gezeichnet von Jahren des Kampfes, nicht zu viel und nicht zu wenig, sie sind genau richtig. Wie eine in Fleisch gegossene Waffe. Dennoch ist da auch diese feminine Kraft, wie sie sich bewegt, fließend und sicher. Sie ist wie ein Schwert, das weiß, dass es nicht gezogen werden muss, um gefürchtet zu sein.
Björn kann sich an ihr nicht sattsehen. Er fühlt sich wie ein hungriger Mann vor einer Festtafel. Nur, dass er nicht weiß, wo er anfangen soll. Am liebsten würde er sie einfach nur betrachten und jedes Detail wie süßen Met mit den Augen trinken.
Aber Talvi hat andere Pläne. Mit einer geschmeidigen Bewegung hebt sie die Hände und legt sie auf seine Schultern, fest, bestimmt und mit dem Griff einer Kriegerin, die genau weiß, wie sie führen muss. Ihre Finger sind warm und schwer, dennoch liegt in ihrer Berührung etwas Zärtliches. Oder eher etwas Erwartungsvolles.
Bestimmt drückt sie ihn nach unten. Björn lässt sich nicht zweimal bitten. Als seine Knie auf dem harten Holzboden landen, spürt er den kalten Stoß, den die Planken ihm durch das Fleisch schicken. Doch der Schmerz verfliegt sofort und wird ersetzt von etwas anderem. Von ihr.
Talvis Hand gleitet in sein Haar und vergräbt sich darin. Nicht wie ein Liebchen, das spielt, eher wie jemand, der den Kopf eines Gegners auf dem Schlachtfeld packt. Doch ist es kein Griff voller Gewalt, sondern ein Führen. „Koste von mir“, flüstert sie und drückt sein Gesicht zwischen ihre heißen Schenkel.
Björn schließt die Augen und lässt es zu. Sofort wird er von Sinneseindrücken überflutet, die ihm fast die Luft zum Atmen nehmen. Ihr Duft ist betörend, warm, erdig und süßlich-metallisch. Sie riecht nach Leder, Schweiß und Frau. Kein Parfüm und kein künstlicher Hauch. Nein, nur das echte und das rohe Aroma einer Kriegerin. Es ist der Geruch von Leben, von Lust und von Hitze.
Sein Gesicht streift ihre Innenschenkel, sie sind weich und fest zugleich. Ihre Haut schmeckt salzig, das Blut darunter pulsiert. Er nimmt wahr, wie sie laut aufatmet, wie ihre Muskeln zittern und wie sich alles in ihr auf diesen Moment konzentriert. Auf ihn.
Plötzlich fühlt sich Björn nicht mehr wie ein Krieger. Er fühlt sich wie ein Priester an einem heiligen Ort. Er legt die Hände an ihre Hüften, um sich zu verankern, um nicht im Sturm verloren zu gehen, den sie entfesselt. Ihr Körper bebt vor Erregung, Spannung und purer Vorfreude.
Kurz hebt er den Blick. Talvi schaut angestrengt auf ihn herab, wie eine Göttin auf einen Sterblichen. Ihre Augen glühen, ihre Lippen sind leicht geöffnet und ihre Brust hebt und senkt sich schneller.
Für einen Moment fragt sich Björn, ob das, was hier geschieht, wirklich passiert. Oder ob er längst im Rausch der Götter weilt. In einem Traum, den ihm Freyja selbst geschickt hat, um ihn für seine Kämpfe zu belohnen. Aber nein, dies hier ist real und es ist gut so – sehr gut.
Talvis Blick flackert. Ihre Haut glüht, als hätte sie selbst Feuer gefangen. Sie lächelt, nicht nur vor Lust, sondern mit einem Ausdruck, den man eher nach einem gewonnenen Duell erwarten würde. Als hätte sie gerade eine Festung eingenommen.
Keuchend wirft sie ihren Kopf in den Nacken und presst Björn ihr Becken entgegen, als würde sie ihm mehr geben wollen als nur ihren brennenden Körper. Björn versucht all ihre Wünsche auf einmal zu erfüllen. Er nimmt sie mit den Lippen und seiner Zunge.
Seine Finger graben sich grob in ihre Rundungen und halten sie wie etwas Kostbares fest. Er spürt ihre Hitze, ihr Beben und ihre Zerrissenheit zwischen Beherrschung und Hingabe. Talvi ächzt beherzt auf und ist kurz davor, über die Klippe zu springen. Der Schrei sitzt ihr bereits tief in der Kehle und wartet darauf, frei gelassen zu werden.
Unerwartet spürt sie plötzlich eine sanfte Hand auf ihrem Rücken. Es ist nicht Björn, es ist Marit. „Kommt“, sagt sie mit dieser Stimme, die keine Befehle braucht, um Gehorsam zu finden. „Wir gehen ins Bett. Da ist es bequemer … Und wir haben mehr Platz.“ Sie sagt es ruhig, fast beiläufig, dennoch ist es, als würde der Raum einen neuen Takt atmen.
Björn löst sich langsam von Talvis Mitte. Seine Lippen sind glänzend und sein Blick verschwommen, wie der eines Mannes, der im Tempel der Götter geweilt hat. Ohne Worte erhebt er sich und folgt den Frauen, als würde er im Bann eines Zaubers stehen. Er fühlt sich wie in Trance, wie im Griff eines Traumes, aus dem er sich nie wieder lösen möchte.
Talvi legt sich auf das Bett, ihr Körper bebt noch immer. Kaum berührt sie das Fell unter sich, öffnet sie ihre Beine, als würde sie die Tür zu einer Welt aufstoßen. Björn verliert keine Zeit. Ohne weiter darüber nachzudenken, wie es jetzt weitergeht, lässt er sich zwischen ihrer Hitze nieder und streicht mit beiden Händen über ihre Oberschenkel. Er spürt das Zittern unter seinen Fingern, dann vergräbt er den Kopf erneut zwischen ihren Schenkeln, diesmal langsamer und hingebungsvoller, als wäre er nicht nur der, der gibt, sondern auch der, der nimmt.
Sein Stöhnen ist tief und schwer, als er erneut von ihr kostet. Am liebsten würde er ewig damit weitermachen und Talvi einen Höhepunkt nach dem anderen bescheren. Marit kniet sich neben ihre Shieldmaid und hebt ihren Rock. In ihrem Ausdruck flackert ein Hunger, der sich nicht mehr leugnen lässt. Sie beugt sich über Talvi und küsst sie. Nicht vorsichtig, nicht schüchtern, sondern fordernd, schnell und hektisch. Als würde sie sich alles nehmen müssen, bevor es verfliegt.
Talvi erwidert den Kuss gierig. Die beiden Frauen stöhnen, Björn stimmt mit ein, während er seine Zunge in Talvi versenkt. Sie zuckt zusammen und erschaudert am ganzen Körper. „Ich will mehr“, wispert Marit, erhebt sich und setzt sich auf das Gesicht ihrer Shieldmaid, wie eine Herrscherin auf ihren Thron.
Sie gibt einen langgezogenen Laut von sich und beginnt, sich sachte auf- und ab zubewegen. Ihre Hände gleiten über ihre eigenen Brüste. Ihre Atmung wird schneller und ihre Bewegungen abgehakter. Alle drei befinden sich jetzt in einem Moment, der alles zusammenführt. Ihr heißer Atem, das Zittern auf ihrer Haut, die lustgeschwängerten Geräusche, das Flüstern und das Stöhnen.
Drei Körper, drei Herzen, ein Atem. Das alles lässt eine wilde und ungestüme Melodie entstehen. Es ist keine Melodie aus Worten, sondern aus gierigen Körpern, aus reiner Nähe und aus purer Lust und Zufriedenheit. Sie fühlen alle etwas, das keiner von ihnen in Worte fassen kann, aber alle drei fühlen es.
Als Marit die Augen öffnet, liegt sie zwischen den beiden. Zwischen zwei Welten, die sich in dieser Nacht berührt haben. Eine wohle Stille liegt über der Hütte. Nicht die kalte Stille der Einsamkeit, sondern jene weiche, geborgene Ruhe, die sich nur einstellt, wenn Körper, Geist und Herz im Einklang ruhen. Die Flammen in der Feuerstelle sind zu rötlicher Glut zusammengeschrumpft und werfen nur noch flackerndes Licht über das zerwühlte Bett aus Fellen und Leinentüchern. Der Duft von Rauch, Schweiß, Haut und etwas Süßerem, fast wie getrockneter Beifuß, schwebt in der Luft.
Links liegt Björn, der Mann, der wie ein Sturm in ihr Leben gerollt ist. Unaufhaltsam, mächtig und roh. Er atmet tief und gleichmäßig, das Gesicht halb im Kissen vergraben, die Stirn noch leicht feucht. Seine Arme liegen locker um sie, als würde er sie auch im Schlaf noch beschützen wollen, oder nie wieder loslassen. Seit seinem Auftauchen hat sich alles verändert. Nicht plötzlich oder laut, aber tiefgreifend. Wie ein Fluss, der unbemerkt ein ganzes Tal formt. Er brachte Chaos und Ordnung zugleich, Wärme und Wildheit. Und ja, auch Liebe. Eine Liebe, die sie nicht geplant hatte. Wie so vieles nicht.
Rechts neben ihr liegt Talvi, ihre treue Shieldmaid. Sie ist ihre Vertraute, ihre Schwester im Geiste, im Kampf und im Leben, und ihre Geliebte. Talvi war immer da. Schon als Kinder rannten sie barfuß durch die Wälder, stritten, lachten und schworen sich ewige Treue, ohne zu wissen, was das Leben ihnen abverlangen würde. Talvi kennt jede Narbe auf Marits Körper und jede noch so kleine Regung in ihrem Blick.
Marit betrachtet sie, wie sie da liegt, halb auf dem Rücken, die Lippen leicht geöffnet, als wäre sie noch im Traum. Ihre Haut glänzt im Schein der Glut und ihre Stirn ist leicht gerunzelt. Selbst jetzt wirkt sie bereit, bei jedem Geräusch aufzuwachen und das Schwert zu ziehen. Marits Körper liegt ruhig und geborgen im warmen Nest aus zerwühlten Fellen und Haut. Draußen pfeift der Wind wie ein aufgebrachter Gott, der vergessen hat, was Frieden bedeutet. Aber hier drinnen, zwischen diesen beiden besonderen Menschen, herrscht friedliche Stille. Das ist kein leeres Schweigen, sondern die Art Stille, die entsteht, wenn Seelen miteinander atmen.
Sie dreht leicht den Kopf zu Talvi und zieht sich näher an sie heran. Ihre Lippen streifen fast das Ohr der Shieldmaid, als sie flüstert, sanft, aber mit einer Kraft, die durch Mark und Herz geht: „Kein Mann wird uns je trennen. Nichts wird uns je trennen.“ Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Hauch, aber in ihr liegt mehr Schwur als in tausend Eiden. Die Worte hängen für einen Moment in der Luft, warm wie der letzte Sonnenstrahl vor der Nacht.
Talvi öffnet langsam die Augen. Ihre Lider flackern kurz, als würde sie sich vergewissern müssen, dass dieser Moment nicht nur ein süßer Traum ist. Dann trifft ihr wacher Blick dem Marits. Auf ihren wunderschönen Lippen bildet sich ein Lächeln. „Danke, Marit. Herrin … Danke.“ Ihre Stimme ist leise, fast brüchig, als würde sie ein Schluchzen zurückhalten müssen. Trotzdem ist es voller Wahrheit.
Ein Kuss hätte nun folgen können oder ein weiteres Flüstern. In diesem Augenblick braucht es jedoch nichts mehr. Nur das Atmen, nur das Fühlen und nur das Wissen, dass sie, was auch immer morgen kommt, heute vereint sind. Und das mehr als nur durch ihre Körper.Durch Erinnerungen, durch Treue und durch Liebe.
„Ich habe doch deine Augen gesehen, damals, als er …“ Marit lässt den Satz unvollendet in der Luft hängen, wie ein Speer, den man nicht wirft, weil man weiß, dass ein Blick allein genügt.
Talvi grinst und wendet den Blick nicht von ihr ab, aber in ihren Augen blitzt es kurz. Nicht vor Zorn oder Scham. Nein, es ist mehr dieses unausgesprochene Eingeständnis, das nur zwischen zwei Menschen Platz hat, die einander durch und durch kennen. „Ja …“ sagt sie schließlich mit einem rauen Ton, als würde sie über jedes Wort einen kleinen Schutzschild legen. „Ich hatte es mir anders vorgestellt damals. Aber …“ Sie zuckt mit den Schultern. Ein kurzes Lächeln huscht über ihre Lippen. „Es gibt ja doch immer wieder auch positive Überraschungen.“
Marit erkennt ihren Unterton sofort. Wie ein erfahrener Fährmann die Strömung unter der glatten Oberfläche. Talvis Stolz, ihr Kampfgeist und ihr unstillbarer Wunsch, nie schwächer zu wirken, als sie ist. All das liegt in diesem kleinen Satz, eingewickelt wie ein Dolch in feines Tuch. „Er hat dich besiegt“, sagt Marit nun ruhig, fast liebevoll, während sich ein leiser Triumph in ihre Stimme schleicht, wie eine Katze auf samtenen Pfoten. „Das hat dir imponiert. Damit kommst du nicht klar.“
Marit streckt die Hand aus und legt sie auf Talvis Brust, sanft, warm und beruhigend. Eine Geste, die mehr sagt als jedes weitere Wort. Sie leckt sich die Lippen und zwirbelt Taivs Brustwarzen zwischen ihren Fingern. Dabei schließt sie die Augen, als würde sie damit die Schärfe aus dem Raum nehmen wollen, die gerade durch ihre Ehrlichkeit entstanden ist.
Sie weiß, dass sie recht hat. Und sie weiß auch, dass Talvi jetzt grollt, nicht wütend, aber verletzt. Denn zwischen zwei Kriegerinnen ist Stolz wie ein alter Umhang: schwer, aber unverzichtbar. Von daher möchte sie ihre Shieldmaid kurz auf andere Gedanken bringen. Marit beugt sich über sie und nimmt ihre Brustwarzen in den Mund, saugt und leckt daran. Talvi stöhnt laut auf und räkelt sich genüsslich unter ihr, dabei hebt sie ihr Becken und macht kreisende Bewegungen.
Marit versteht sofort. Ihre Hand wandert über ihren Bauch nach unten, bis sie an ihrer nassen Hitze ankommt. Sie zögert nicht und versenkt sofort ihren Finger in Talvis Mitte. Sie schreit auf und feuert sie an, schneller zu machen, was sich Marit nicht zweimal sagen lässt. Aus einem Finger werden zwei, die immer wieder schmatzend in Talvi verschwinden. Sie lässt sich völlig gehen und bekommt nur noch unverständliche Worte aus ihrem Mund, als sie schließlich mit einem heftigen Orgasmus kommt.
Talvis Atem ist schwer, als Marit von ihr ablässt. „Ich habe dein Gesicht gesehen, als er damals seine Lippen an deiner heißen Mitte hatte.“ Ohne ein Zögern schiebt sie ihre feuchten Finger in Talvis Mund, damit sie von sich selbst kosten kann.
Plötzlich regt sich etwas neben ihnen. Björn öffnet die Augen und wirkt, als wäre er noch halb im Reich der Träume, was bei der heißen morgendlichen Tätigkeit gerade fast unvorstellbar ist. Sein Bart ist zerzaust, sein Haar wild und sein Blick verschwommen. Ein Krieger, der aussieht, als hätte er mit Thor persönlich gerungen. „Geht es hier … um mich?“, fragt er verschlafen, mit dieser Mischung aus Misstrauen und männlicher Neugier, die jeder Mann zeigt, wenn er zwei nackte und überhitzte Frauen über sich reden hört, und ahnt, dass er das Thema ist.
„Was macht ihr da eigentlich?“, fragt er als Nächstes. Jetzt sieht er sich die beiden Frauen genauer an. Talvi liegt völlig fertig im Bett. Die Beine weit gespreizt und ihre Mitte feucht und süß duftend, sie atmet schwer und zittert leicht. Marit liegt halb auf ihr und grinst verschmitzt. Björn weiß sofort, was die beiden getrieben haben. Es dauert keinen Atemzug, als sich auch in seiner Mitte etwas regt.
„Wir haben uns nur Guten Morgen gesagt“, bekommt er von Marit eine Antwort, sie seinen wachsenden Schwanz mit großen Augen mustert. Ihr Grinsen wird breiter, nicht milde, nicht verspielt, sondern mit genau dieser Mischung aus Überlegenheit und Zuneigung, die nur eine Frau zustande bringt, die weiß, dass sie in der besseren Verhandlungsposition liegt.
Sie dreht sich zu Björn. Ohne ein weiteres Wort umfasst sie mit einem festen und sicheren Griff sein steifes Glied. Björn zuckt zusammen und atmet laut durch seinen offenen Mund. „Hier geht es nicht immer nur um dich, Björn“, sagt Marit schließlich. Ihre Stimme ist ruhig, beinahe schon neckend, während sie ihre Hand langsam auf- und abgleiten lässt. „Bilde dir bloß nichts ein.“
Talvi schnaubt leise. Ob aus Belustigung oder Eifersucht, lässt sich schwer sagen. Obwohl sie gerade erst einen heftigen Orgasmus hatte, hätte sie dagegen, Marits Finger wieder an sich oder Björns Schwanz in sich zu haben. „Ja. Er bildet sich ständig etwas ein“, murmelt sie und rückt demonstrativ von hinten ein kleines Stück näher an Marit heran. Sobald sie ihre weiche Haut an ihrer spürt, macht sie Bewegungen, als würde sie sie von hinten nehmen.
Björn grinst und unterdrückt ein Stöhnen, als Marits Griff an seiner Härte fester wird. Er fühlt sich wie ein Hengst, der mit zwei Stuten auf der Weide steht und keine Ahnung hat, ob er gleich getreten oder einfach nur Spaß haben wird. „Ich bilde mir nur ein …“ Er hält die Luft an, damit ihn seine Lust nicht überrollt. „Was wahr ist. Zum Beispiel, dass das ein verdammt guter Morgen ist.“
Marit lacht leise. Dann erhebt sie sich und beugt sich über Björns Mitte. „Na gut“, flüstert sie. „Vielleicht geht es heute doch ein kleines bisschen um dich.“ Kaum sind ihre Worte zu Ende, stülpt sie ihre Lippen über sein steifes Glied und beginnt zu saugen. Björns Kehle entweicht nun ein lautes Keuchen, während er seine Hände auf ihren Hinterkopf legt.
Im selben Moment reckt Marit Talvi ihren Hintern entgegen. Die Shieldmaid reagiert sofort, zieht ihre Arschbacken auseinander und drückt ihr Gesicht in ihre Mitte. Björn stöhnt auf. Dieser Anblick ist Lust pur und lässt ihn fast kommen. Er keucht anschließend, ein dunkler und rauer Laut, der irgendwo zwischen Lust und Überwältigung liegt. Noch hat sein Verstand nicht ganz zu sich gefunden. Plötzlich flutscht sein Schwanz aus Marits Mund, keinen Wimpernschlag später richtet sie sich auf und setzt sich auf seine Härte, ohne Zögern, ohne Worte, mit der Entschlossenheit einer Frau, die sich nimmt, was sie will.
Sein Körper reagiert sofort, als würde er sie spüren, bevor sein Geist begreift. Ihre Hitze umfängt ihn, feucht und weich, und sie lässt ihn mit einer solchen Leichtigkeit in sich gleiten, als hätte sie ihn genau dort gewollt, schon immer. Marit richtet sich auf. Ihr Rücken gerade, ihre Schultern stolz wie eine Königin auf dem Thron, nur dass dieser Thron aus nackter Haut und bebendem Verlangen besteht.
„Oh, Björn“, flüstert sie. Langsam beginnt sie, sich zu bewegen, auf und ab. Ein Rhythmus, der sich anfühlt wie das Rollen der Brandung, gleichmäßig, fordernd und unerbittlich. „Meine Shieldmaid“, sagt sie atemlos und mit einem süffisanten Lächeln, das Björn nicht sehen, aber spüren kann. „Sie möchte nur nicht zugeben, dass sie dich damals erniedrigen wollte, als sie dir ins Gesicht gepinkelt hat.“
Talvi, die nach wie vor neben ihnen liegt, zuckt nicht einmal mit der Wimper. Aber ihre Augen verengen sich, wie ein Wolf, dem man zu nahegekommen ist. Marits Blick ist jetzt fest auf Talvi gerichtet, als würde sie sie allein durch ihre Worte weiter entkleiden, obwohl sie schon nackt ist. „Denn statt angewidert zu sein“, fährt sie fort, während ihr Tempo zunimmt. „Nahmst du ihren Urin auf und hast sie geleckt, gelutscht, ausgesaugt …“ Jede Silbe tropft ihr von ihren Lippen wie heißes Wachs auf kalter Haut. „… bis sie kam. Heftig und wie noch nie. Diesen Anblick werde ich nie vergessen.“
Ihr Stöhnen wird lauter und passt sich dem steigenden Rhythmus an. Die Hitze zwischen ihren Schenkeln wird mit jeder Bewegung intensiver, während Björn unter ihr zu atmen beginnt wie ein Mann, der zwischen Leben und Tod tanzt. Marit beugt sich nach vorne, ihr Haar fällt wie ein Vorhang um ihr Gesicht. Dann krallt sie sich in Björns Brust, nicht schmerzhaft, aber fordernd. Ihr Becken gleitet tiefer und nimmt ihn mehr und mehr in sich auf. Ihre Brüste pendeln über seinem Gesicht, und Björn braucht keinen Befehl. Er hebt den Kopf, fängt sie mit seinem Mund ein, küsst sie, saugt und beißt daran. Seine Hände tasten ihren Rücken entlang, bis zu ihren Hüften, dort, wo er Halt findet, um von unten kräftig in sie zu stoßen.
Ein heftiger Ruck durchfährt Marit. Sie stöhnt auf, doch ihr Blick bleibt auf Talvi gerichtet. Kein Laut und kein Zucken entgeht der Shieldmaid. Marit beißt sich auf die Unterlippe. „Aber ich“, keucht sie. „Ich will, dass sie noch einmal so kommt.“ Mit einer weichen Bewegung richtet sie sich wieder auf. Dann streckt sie die Hand nach Talvi aus. „Komm her.“ Ihre Finger öffnen sich wie eine Einladung, wie ein Befehl und wie ein Versprechen.
Talvi zögert keinen Herzschlag lang. Sie erhebt sich lautlos, wie ein Tier, das den Ruf seines Rudels hört. Dann steigt sie über Björns Kopf, ihre Schenkel links und rechts neben seinem Gesicht. In dem Moment, als sie sich vorsichtig, kontrolliert und mit knisternder Spannung setzt, stockt Björn der Atem. Talvis nackte und feuchte Haut berührt seine Lippen, ihr Duft umhüllt ihn, wild, salzig, nach Frau, nach Kampf und nach Feuer.
Talvi und Marit sitzen sich nun genau gegenüber, auf Björn und durch ihn verbunden. Ihre Blicke treffen sich. Kein Wort wird gesprochen. Doch was zwischen ihnen fließt, ist mehr als jede Berührung. Und Björn, er ist nicht nur Zuschauer, nicht nur ein Spielball. Nein, er ist das Feld, auf dem sich ihre Geschichte schreibt.
Talvi verzieht genüsslich das Gesicht, als sie Björns Lippen an ihrer feuchten Mitte spürt. Ihr ganzer Körper spannt sich an wie ein Bogen kurz vor dem Schuss. Ihr Atem stockt für einen Moment, dann öffnet sich ihr Mund, als würde sie den ersten Tropfen Honig nach einem harten Winter kosten. Ihre Hände gleiten nach vorn und finden Marits Gesicht. Ohne ein weiteres Zögern führt sie ihre Zunge in Marits Mund, und die beiden Frauen beginnen, wild und ungestüm miteinander zu spielen, wie zwei Flammen, die sich ineinander verflechten, heißer werdend mit jedem Atemzug.
Zwischen Talvis Schenkeln versinkt Björn vollständig in seinem Tun, mehr Tier als Mann, mehr Anbeter als Krieger. Er ist gefesselt von ihrem Duft, dieser Mischung aus Salz, Haut, Eisen und etwas, das nur Talvi besitzt. Eine wilde und rohe Süße, wie der Geschmack von Beeren, gepflückt mit blutigen Händen. Seine Finger graben sich in ihre kräftigen Oberschenkel, halten sie wie das Steuer eines Schiffes in stürmischer See. Seine Zunge gleitet in sie, zieht Kreise, wechselt das Tempo, als würde er ein uraltes Lied spielen, das nur Talvis Körper kennt. Er leckt, er saugt und er erkundet. Nicht hektisch, sondern mit der Hingabe eines Mannes, der nichts anderes mehr will, als das, was er gerade hat.
Über ihm reitet Marit Björn mit der Wildheit einer Frau, die ihr Schicksal selbst bestimmt. Ihr Haar fliegt, ihr Rücken ist durchbogen, ihre Hände krallen sich in Talvis Schultern, als würde sie sich an ihr festhalten, um nicht in Ekstase unterzugehen. Ihre Schreie füllen die Hütte, ein archaisches Lied, das keinen Takt braucht, nur das Echo der Lust, das in den Balken widerhallt. Jeder Stoß, jedes Beben lässt sie mehr los, bis schließlich ihr ganzer Körper bebt, sich aufbäumt und in einer Welle aus Glut, Zittern und Befreiung entlädt.
Marit kommt. Nicht wie eine Frau, sondern wie eine Göttin, die sich selbst überwindet. Ihre Lippen öffnen sich zu einem stummen Schrei und ihre Hände pressen sich an Talvi, als würde sie sich mit ihr verschmelzen wollen. Ihr Körper zuckt noch nach, die Muskeln zittern, und dann ebbt langsam alles ab, wie die Brandung nach dem Sturm. Sie sackt nach vorn, löst sich von Talvi und windet sich zur Seite. Ihr Atem ist schwer und keuchend, wie nach einem langen Ritt durch Regen und Nebel. Für einen Moment sagt sie nichts, zu viel ist in ihr, zu tief sitzt das, was sie gerade erlebt hat. Dann dreht sie sich auf den Rücken, eine Hand auf der Brust, die andere noch zitternd zwischen den Laken. Ein leises Lächeln spielt um ihre Lippen.
Talvi lacht leise, rau und kehlig, während sie die Augen schließt und weiter genießt. Björn bekommt nichts davon mit. Er ist noch immer bei Talvi, noch immer gefangen zwischen ihren Schenkeln, als gäbe es außerhalb dieses Moments keine Welt. Seine Bewegungen werden langsamer und genussvoller. Als koste er einen letzten Tropfen vom Kelch der Götter.
Talvi wird um den Verstand geleckt, sie verliert langsam die Kontrolle. Jeder feuchte und kreisende Zug von Björns Zunge treibt sie näher an einen Punkt, an dem es kein Denken mehr gibt, nur noch Fühlen. Sie keucht ununterbrochen, ihr Körper bebt unter dem Ansturm der Lust. Ihre Finger krallen sich in ihre Brüste, die sie fest knetet, als würde sie damit die Intensität ihres eigenen Verlangens zähmen wollen. Die andere Hand wandert zwischen ihre Schenkel und findet ihre Mitte, die längst glüht wie eine Schmiede nach Mitternacht.
Ein kehliger Laut entweicht ihr, halb Stöhnen, halb Lachen, als sie spürt, wie nah sie dem Rausch ist. Ihre Lider flattern und sie zwingt sich, die Augen zu öffnen. Sie blinzelnd, als würde sie aus einem Traum auftauchen. Und dann sieht sie es. Björn. Noch immer tief unter ihr. Noch immer wild, unermüdlich und seine Zunge ein Werkzeug der Götter. Aber nicht nur das, sein Körper spannt sich an, seine Hände zittern leicht und sein mächtiger Schwanz ragt noch immer stolz und unerlöst in die Höhe.
Ein Gedanke blitzt durch Talvis verschwommenen Geist: Er ist noch nicht gekommen. Dieser Hund hat durchgehalten. Für mich. Für sie. Für uns alle. Etwas Prickelndes breitet sich in ihr aus, nicht nur Lust, sondern auch Stolz. Vielleicht auch ein Hauch Herausforderung. Mit einem leisen Knurren, das fast wie ein Kriegsruf klingt, beugt sie sich nach vorn, stützt sich mit beiden Händen an seinen Oberschenkeln ab und senkt langsam ihren Kopf. Ehe sie sich versieht, leckt sie über sein nasses Glied, schmeckt die Mischung aus Speichel und Marits Nässe. Dann nimmt sie ihn in den Mund, erst vorsichtig, dann mit wachsender Gier.
Der Geschmack ist intensiv, erdig, salzig und süß, wie ein Sturm aus Körper und Erinnerung. Talvi beginnt heftig zu saugen, rhythmisch und fordernd. Ihre Lippen umschließen ihn fest, ihre Zunge spielt, tastet und reizt. Sie passt sich seinem Atem an, genauso wie seinem Becken, das leicht zuckt und sich aufbäumt.
Björn stöhnt laut auf, seine Hände fahren über ihre Schenkel und vergraben sich darin wie ein Mann, der Halt sucht auf einem sinkenden Schiff. Doch Talvi will nicht nur geben, sie nimmt auch. Mit jedem Zug wird sie wilder und hemmungsloser. Ihr eigenes Becken beginnt wieder zu kreisen, langsam und voller Nachklang. Auf Björns Gesicht gleiten ihre Hüften vor und zurück, als würde sie die letzten Funken aus der Glut pressen wollen, die in ihr lodert.
Der Druck in ihr steigt. Der Geschmack, die Reibung und das Pulsieren in ihrem Mund, es ist zu viel, zu schön und zu vollkommen. Und dann geschieht es. Ihr Körper verkrampft sich, sie hält ihn noch immer tief in sich, ihre Lippen geschlossen um ihn, als würde sie ihn nicht mehr hergeben wollen. Mit einem leisen und zittrigen Laut kommt sie. Es ist ein Beben durch ihren ganzen Körper, ein Vibrieren, das aus dem Rücken durch die Wirbelsäule in jedes Glied fährt. Ihre Beine zittern, ihre Finger graben sich in Björns Haut und dennoch, sie saugt weiter, als würde sie darin Ruhe finden können.
Gleichzeitig stöhnt Björn auf, ein rauer und kehliger Laut. Er ergießt sich in ihrem Rachen, warm, heftig und zuckend. Für einen Moment bleibt alles stehen. Die Welt besteht nur noch aus Zunge, Haut, Atem und dem leisen Knacken des Holzes im Kamin. Dann lässt Talvi langsam los und hebt den Kopf, während ein letzter Schauder durch ihren Körper fährt. Sie bricht über ihm zusammen, ihr Becken jedoch noch immer sanft auf seinem Gesicht kreisend, weil das Gefühl einfach zu schön ist. Ihr Körper dampft regelrecht und ihr Atem geht schnell.
Auf ihren Lippen liegt ein Lächeln, keines von Sieg oder Überlegenheit. Sondern eins von tiefer und satter Zufriedenheit. Ihre Augen schließen sich erneut, ihre Brust hebt und senkt sich noch immer tief, aber ruhiger. Wie ein See nach dem Sturm. Nur das Knistern des Feuers bleibt und der leise Rhythmus von Björns Atem zwischen Talvis Schenkeln. Ein Moment, der nicht mehr sein muss, als er ist.
Alle drei genießen und hängen ihren Gedanken nach. Es ist eine dieser seltenen Stillen, in denen das Leben für einen Herzschlag lang perfekt scheint. Der Raum ist erfüllt von schwerem Atem, vom Nachglühen der Lust und der Wärme verschlungener Körper. Der Geruch von Holz, Haut und Feuer hängt wie ein unsichtbarer Schleier über ihnen, während draußen der Wind weiterhin an den Wänden der Hütte rüttelt, als würde er auch ein Stück von dieser Intimität stehlen wollen.
Talvi liegt noch immer auf Björn, ihre Schenkel um sein Gesicht gewickelt, ihr Rücken leicht gewölbt, eine Hand ruht träge auf seinem erschlafften Glied. Marit liegt seitlich neben den beiden, halb aufgestützt, das Haar zerzaust und ihr Blick glasig, aber zufrieden. Es ist der Augenblick nach dem Sturm, diese süße und weiche Ruhe, die beinahe heilig wirkt.
Doch wie so oft in ihrem Leben hält dieser Moment nicht lange an. Plötzlich klopft es an der Tür, hart, knapp und bestimmt. Die zwei Köpfe der Frauen drehen sich synchron zur Tür, als wären sie ein einziger verwundeter Drache, der gestört wird beim Schlafen. „Was gibt es?“, ruft Marit, ihre Stimme füllt den Raum, klar, aber nicht unfreundlich. Eine Kriegerin, die niemandem etwas schuldet, schon gar nicht eine Erklärung.
Björn hingegen verzieht das Gesicht, als hätte ihm gerade jemand kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet. Verflucht. Was stimmt nicht mit euch?, denkt er, während Talvis feuchte Schamlippen noch immer Zentimeter von seiner Nase entfernt sind. Ihr habt keine Ahnung, wer da draußen steht und wir liegen hier immer noch nackt herum, ich mit einer Vagina im Gesicht. Trotz allem bittet er Talvi nicht, sich zu erheben. Im Gegenteil, der Anblick ist einfach zu köstlich. Ihr Körper, noch immer erhitzt, ihre Muskeln geschmeidig, ihre ganze Haltung, entspannt, aber überlegen.
Die Tür öffnet sich. Ein kalter Luftzug streift durch den Raum, und mit ihm tritt Isa ein. Sie bleibt jedoch in der Tür stehen, die Hand am Türrahmen, die Braue leicht gehoben. Ihr Blick gleitet einmal über die drei im Bett. Ein zartes, kaum merkliches Heben der Mundwinkel verrät ihre Belustigung. „Der König hat in die große Halle gerufen“, sagt sie mit ihrer üblichen Sachlichkeit, obwohl ihr Ton leicht vibriert vor unterdrücktem Lachen. „Es ist etwas Bedeutsames geschehen, wird gesagt.“
Talvi, die nach wie vor Björns erschlafftes Glied in der Hand hält, sieht an sich herunter, dann zu Isa. „Was?“, entkommt zitternd ihrem Mund. Sie springt auf, als hätte jemand einen Befehl gebrüllt. Ihr durchtrainierter Körper glänzt im Licht des Feuers. Muskeln, Narben und Kraft. Schönheit, die nicht gemacht, sondern verdient ist.
Isa nickt anerkennend. „Beeindruckend. Fast zu schade für den Kampfplatz.“
Marit zieht sich langsam hoch und streckt sich wie eine Katze im Morgengrauen, während Björn noch immer den Morgen verarbeiten muss. Sie dreht sie sich zu ihm. „Na dann“, sagt sie. Mit einem gezielten Hüftstoß schiebt sie ihn aus ihrer Mitte. Björn verliert das Gleichgewicht und rollt mit einem lauten Plums aus dem Bett, direkt auf den hölzernen und harten Boden.
„Scheiße!“, knurrt er.
„Ups“, antwortet Marit mit einem unschuldigen Lächeln und zieht sich ihr Hemd über. „Zum Glück fällst du nicht so schnell auf dem Schlachtfeld wie aus dem Bett.“ Kurz herrscht ein Moment der Stille, dann brechen alle in schallendes Gelächter aus. Selbst Talvi, die sich bereits das Kettenhemd überwirft, schüttelt den Kopf.
„Beweg dich, Krieger“, ruft Isa lachend. „Vielleicht geht es ja diesmal um mehr als deinen Stolz.“
„Ja, ja.“ Björn rappelt sich ächzend hoch, greift nach seiner Hose und seinem Gürtel, während Talvi und Isa bereits zur Tür schreiten. Ihr Lachen hallt noch durch den Flur, als er ihnen folgt, das Haar zerzaust, das Herz noch irgendwo zwischen Himmel und Haut.
Marit bleibt allerdings noch einen Moment sitzen, allein und ruhig. Sie sinkt zurück ins Fell, stützt den Kopf auf eine Hand und blickt zur Decke. Die Balken aus schwerem und altem Holz erzählen Geschichten von Wintern, Kämpfen und Festen. Und in diesem Augenblick, der nur ihr gehört, lächelt sie ein Lächeln, das nicht aus Lust oder Überlegenheit geboren ist, sondern aus diesem ehrlichen Staunen darüber, wie sehr sich das Leben verändern kann. Wie viel man verlieren kann und wie viel mehr man manchmal gewinnt.
Auf einmal verfällt sie in alten Erinnerungen …
Um Anno 880, in einer kleinen norwegischen Siedlung nahe Danheim. „Marit! Marit, wo bist du?“ Die Stimme der Frau hallt durch das Tal, getragen vom Wind, der durch die Wipfel der Kiefern streicht. Sie ist gewaltig, diese Stimme, nicht schrill, sondern durchdringend, wie das Horn eines Wächters bei drohender Gefahr. Das Dorf liegt ruhig da, nur ein paar Hühner gackern aufgeschreckt und irgendwo bellt ein Hund.
Doch Marit hört nichts. Sie sitzt barfuß am Ufer eines schmalen Baches, der sich wie ein silbernes Band durch das Waldstück schlängelt. Die Sonne blitzt durch die Bäume und tanzt auf dem Wasser, als würde sie in Marits Gedankenwelt mitspielen wollen. Die kühle Strömung umspielt ihre Füße. Sie schließt die Augen. Das leise Plätschern ist wie eine Melodie, die nur sie hören kann, ein uraltes Lied, gesungen von Steinen, Moos und Wasser.
Sie hat sich heimlich davongestohlen, wie so oft. Die Arbeit im Dorf ist hart und erbarmungslos. Sie hat schon mehr getan, als ihr lieb ist für ein Mädchen, das kaum in die Leinenkleider einer jungen Frau hineinwächst. Seit ihr ältester Bruder gefallen ist, gleich bei seinem ersten Raubzug, kaum 16 Sommer alt, liegt vieles auf ihren Schultern, wenn ihr Vater auf hoher See ist. Die Trauer sitzt tief, wie ein Dolch, der nicht herausgezogen wurde.
Ihr Vater spricht kaum noch über ihn. Stattdessen spricht er mit dem Met, Nacht für Nacht, Becher für Becher. Und wenn er spricht, ist es oft mit den Fäusten. Manchmal hört Marit ihre Mutter weinen, wenn sie denkt, niemand lauscht. Manchmal hört sie gar nichts, und das ist schlimmer. Und manchmal bekommt sie mit, wie er sich das mit Gewalt nimmt, was ihre Mutter ihm ab und verwehrt. Das sind die Momente, in denen sie sich in ihre Traumwelt flüchtet. Irgendwann wird sie auch auf Raubzug gehen, irgendwann wird sie ihren Vater stolz machen und er wird den Verlust dadurch überwinden.
Ihre Flucht ist jedoch nie weit und nicht für immer. Nur für eine kurz Zeit, zum Bach, ihrem sicheren Ort. Hier hat sie zum ersten Mal einen Lachs mit bloßen Händen gesehen. Hier hat sie gelernt, wie sich kaltes Wasser anfühlt, wenn man lange läuft. Und hier malt sie sich ihr Leben aus. Ein anderes. Sie will nicht immer Holz hacken, jagen, das Vieh füttern und den Hof halten. Sie will mehr, sie will kämpfen, sie will aufs Meer hinaus, wie die Männer. Sie will, dass ihr Vater wieder stolz auf jemanden ist. Dass er ihren Namen ruft, nicht mit Zorn oder Enttäuschung, sondern mit Anerkennung.
