Top Secret 3 - Der Ausbruch - Robert Muchamore - E-Book

Top Secret 3 - Der Ausbruch E-Book

Robert Muchamore

4,8
8,99 €

oder
Beschreibung

Auf der Flucht vor der CIA

Heikler Auftrag für Undercoveragent James: Er soll einem jugendlichen Straftäter aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Arizona zur Flucht verhelfen. Und dieser Curtis ist niemand anderes als der Lieblingssohn der skrupellosen Waffenhändlerin Jane Oxford, die von der CIA seit Jahren gesucht wird. Jetzt hat CHERUB einen anderen Plan: Wenn Curtis erst mal frei ist, nimmt er Kontakt zu seiner Mutter auf und führt die Agenten so auf ihre Spur. Für James der Beginn einer gefährlichen Odyssee quer durch die Staaten …

Überzeugende, sympathische Charaktere und temporeiche Action: "Top Secret" ist brillante Action mit Tiefgang und aktuellen Themen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 330

Bewertungen
4,8 (30 Bewertungen)
24
6
0
0
0



Inhaltsverzeichnis
 
DER AUTOR
Robert Muchamore: TOP SECRET III: Der Ausbruch
 
Kapitel 1
 
Kapitel 2
 
Kapitel 3
 
Kapitel 4
 
Kapitel 5
 
Kapitel 6
 
Kapitel 7
JANE OXFORD (geborene JANE HAMMOND): JUGEND
JANE HAMMOND TRIFFT KURT OXFORD
AUFSTIEG UND UNTERGANG VON KURT UND JANE OXFORD
JANE OXFORD: INTERNATIONALE WAFFENHÄNDLERIN
DER GEIST
AUGENBLICKLICHER STATUS VON JANE OXFORDS ORGANISATION
EIN UNERWARTETER DURCHBRUCH
WAS NUTZT UNS CURTIS OXFORD?
FLUCHT UND UNTERWANDERUNG
DIE ROLLE DES BRITISCHEN GEHEIMDIENSTES UND DIE ROLLE VON CHERUB
 
Kapitel 8
 
Kapitel 9
 
Kapitel 10
 
Kapitel 11
 
Kapitel 12
 
Kapitel 13
 
Kapitel 14
 
Kapitel 15
 
Kapitel 16
 
Kapitel 17
 
Kapitel 18
 
Kapitel 19
 
Kapitel 20
 
Kapitel 21
 
Kapitel 22
 
Kapitel 23
 
Kapitel 24
 
Kapitel 25
 
Kapitel 26
 
Kapitel 27
 
Kapitel 28
 
Kapitel 29
 
Kapitel 30
 
Kapitel 31
 
Kapitel 32
 
Kapitel 33
 
Epilog
Copyright
DER AUTOR
Robert Muchamore, Jahrgang 1972, lebt in London und arbeitet dort als Privatdetektiv. Er hasst es, von Kühen gejagt zu werden, das Landleben überhaupt, bärtige Frauen, Ketchup und Mayonnaise, Schnulzenfilme und Leute, die zehn Minuten lang an der Bushaltestelle stehen und erst dann anfangen, nach Kleingeld zu kramen, wenn sie vor dem Busfahrer stehen. Er hat einen sehr schwarzen Humor und seine Lieblingsfernsehserie ist »Jackass«.
 
Von Robert Muchamore ist bei cbt bereits erschienen:
 
Top Secret – Der Agent (30184)
Top Secret – Heiße Ware (30185)
 
Weitere Titel sind in Vorbereitung.
Robert Muchamore: TOP SECRET III: Der Ausbruch
Was ist CHERUB?
 
CHERUB ist Teil des britischen Geheimdienstes. Die Agenten sind zwischen zehn und siebzehn Jahre alt. Meist handelt es sich bei den CHERUB-Agen – ten um Waisen aus Kinderheimen, die für die Undercover-Arbeit ausgebildet wurden. Sie leben auf dem Campus von CHERUB, einer geheimen Einrichtung irgendwo auf dem Land in England.
 
 
Warum Kinder?
 
Kinder können sehr hilfreich sein. Niemand rechnet damit, dass Kinder Undercover-Einsätze durchführen, daher kommen sie mit vielem durch, was Erwachsenen nicht gelingt.
 
 
Wer sind die Kinder?
 
Auf dem CHERUB-Campus leben etwa dreihundert Kinder. Unser dreizehnjähriger Held heißt James Adams. Er ist ein angesehenes Mitglied von CHERUB und hat bereits zwei Missionen erfolgreich beendet. Allerdings hat er die lästige Angewohnheit, sich ständig in Schwierigkeiten zu bringen.
James’ jüngere Schwester Lauren Adams wird in Kürze ihre Grundausbildung bei CHERUB abschließen. Wenn sie die Prüfungen besteht, darf auch sie undercover arbeiten. Kerry Chang ist eine Karatemeisterin aus Hongkong und James’ Freundin.
Zu James’ besten Freunden auf dem Campus gehören Bruce Norris, Gabrielle O’Brian und die Zwillinge Callum und Connor Reilly. Sein bester Kumpel ist der fünfzehnjährige Kyle Blueman.
 
 
Und die T-Shirts?
 
Den Rang eines CHERUB-Agenten erkennt man an der Farbe des T-Shirts, das er oder sie auf dem Campus trägt. Orange tragen Besucher. Rot tragen Kinder, die auf dem Campus leben, aber zu jung sind, um schon als Agenten zu arbeiten. Blau ist die Farbe während ihrer hunderttägigen Grundausbildung.
Ein graues T-Shirt heißt, dass man auf Missionen geschickt werden darf. Dunkelblau wie James’ T-Shirt tragen diejenigen, die sich bei einem Einsatz besonders hervorgetan haben. Wenn man gut ist, kann man am Ende seiner Laufbahn ein schwarzes T-Shirt tragen, die höchste Anerkennung für hervorragende Leistungen bei vielen Einsätzen. Wenn man CHERUB verlässt, bekommt man ein weißes T-Shirt, das auch vom Personal getragen wird.
1
Bevor deine Grundausbildung begonnen hat, hast du höchstwahrscheinlich bereits von anderen CHERUB-Agenten einige Geschichten über das einhunderttägige Training gehört. Zwar wird in jedem Kurs die Schulung der gleichen Kernkompetenzen in physischer Leistungsstärke und extremer mentaler Belastbarkeit angestrebt, dennoch kannst du dich darauf verlassen, dass sich dein Training von dem deiner Vorgänger unterscheiden wird, damit das Überraschungsmoment erhalten bleibt. (Auszug aus dem Grundausbildungshandbuch von CHERUB)
 
Es sah überall gleich aus. Das Schneefeld glänzte in der Sonne so hell, dass die beiden zehnjährigen Mädchen trotz ihrer tiefdunklen Schneebrillen kaum zwanzig Meter weit sehen konnten.
»Wie weit ist es noch bis zum Checkpoint?«, rief Lauren Adams und hielt inne, um einen Blick auf das GPS-Gerät am Handgelenk ihrer Freundin zu werfen.
»Nur noch zweieinhalb Kilometer«, schrie Bethany zurück. »Wenn das Gelände eben bleibt, sollten wir in vierzig Minuten in der Schutzhütte sein.«
Die Mädchen mussten brüllen, um sich bei heulendem Wind und durch dicken Ohrenschutz hindurch miteinander verständigen zu können.
»Das ist fast bei Sonnenuntergang«, schrie Lauren. »Wir sollten uns lieber beeilen.«
Seit Sonnenaufgang waren sie mit ihren Leichtmetallschlitten unterwegs, die man in schwierigem Gelände auch wie Rucksäcke schultern konnte. Gut war, dass die beiden CHERUB-Schüler den ganzen Tag Zeit hatten, die fünfzehn Kilometer über das Schneefeld in Alaska bis zum nächsten Checkpoint zurückzulegen. Schlecht war, dass sie durch fünfzig Zentimeter hohen Pulverschnee stapfen mussten, was für ihre Hüften und Knöchel extrem anstrengend war. Jeder Schritt schmerzte.
Lauren hörte in der Ferne ein lautes Heulen, das rasch anschwoll.
»Da kommt wieder eine ganz dicke!«, schrie sie.
Die Mädchen kauerten sich in den Schnee, zogen die Schlitten heran und umklammerten sich gegenseitig. Wie man am Strand eine Welle kommen hört, so kann man in den weiten, schneebedeckten Ebenen von Alaska Böen aus der Ferne anrauschen hören.
Beide Mädchen waren der extremen Kälte entsprechend gekleidet. Über ihrer normalen Unterwäsche trug Lauren lange Thermowäsche. Die nächste Schicht bestand aus einem dicken Ganzkörper-Fleece-Overall mit Reißverschluss, der nur einen Sehschlitz für die Augen freiließ. Er sollte die Körperwärme halten und sah aus wie ein überdimensionaler Häschenanzug ohne Puschelschwänzchen und lange Ohren. Darüber trug Lauren ein zweites Paar Handschuhe, noch eine Kopfhaube, eine Schneebrille und ein drittes Paar wasserfester Handschuhe mit straff anliegendem Bündchen, die sie bis zum Ellbogen hochziehen konnte. Als äußerste Schutzschicht dienten ein dick gefütterter Skianzug und Schneestiefel mit Spikes.
Trotz einer Außentemperatur von achtzehn Grad minus froren die Mädchen in dieser Kleidung nicht, aber in einer Böe sank die Temperatur gerne mal um weitere fünfzehn Grad. Dann blies der Wind die warme Körperluft zwischen ihren Kleidungsschichten überall dorthin, wo sie nicht gebraucht wurde, und zwischen ihrer Haut und der bitterkalten Luft lagen lediglich ein paar Zentimeter Synthetikfasern. Jede Böe ging durch bis auf die Knochen und ließ die dem Wind ausgesetzten Körperteile schmerzen.
Lauren und Bethany benutzten ihre Schlitten als Schutzschild gegen den Wind. Durch Laurens Schneebrille zog ein eisiger Lufthauch. Sie presste das Gesicht gegen Bethanys Anzug und schloss fest die Augen, während Schnee und Eis ohrenbetäubend laut gegen ihre Kapuze schlugen.
Als die Böe abklang und sich der aufgewirbelte Schnee gelegt hatte, klopfte Lauren die Pulverschneeschicht von ihrem Anzug und rappelte sich auf.
»Alles in Ordnung?«, rief Bethany.
Lauren hielt die Daumen hoch. »Neunundneunzig Tage haben wir hinter uns. Nur noch einer!«, schrie sie.
 
Lauren und Bethany verbrachten diese Nacht in einem knallorange gestrichenen Metallcontainer. Solche Container sieht man gelegentlich auf der Autobahn, wenn man einen Sattelschlepper überholt. Auf dem Dach waren eine Funkantenne und ein ramponierter Flaggenmast montiert.
Die Mädchen hatten es geschafft, vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen. Die Sonne berührte bereits den Horizont in der Ferne, und ihre letzten Strahlen, die durch die Schneeflocken drangen, tauchten die Landschaft in pudriges gelbes Licht. Die beiden Mädchen waren jedoch zu erschöpft, um sich an der Schönheit der Landschaft zu erfreuen, sie wollten nur wieder warm werden.
Sie brauchten ein paar Minuten, um die beiden Flügel der Metalltür am Ende des Containers vom Schnee freizuschaufeln. Als sie die Tür endlich offen hatten, zog Lauren die Schlitten hinein, während Bethany auf einem Holzregal nach einer Gaslampe suchte. Lauren schloss die Metalltür mit einem Knall, der die beiden Mädchen taub gemacht hätte, hätten sie nicht ihren dicken Ohrenschutz getragen.
»Heute haben wir noch weniger Brennstoff als gestern«, rief Lauren, als die Lampe einen unruhigen bläulichen Schimmer verbreitete. Sie betrachtete die letzte Gasflasche, nahm die Schneebrille ab und zog das äußerste Paar Handschuhe aus. Dadurch bekam sie zwar schnell eiskalte Hände, aber eingepackt in drei Paar Handschuhe waren ihre Finger kaum beweglich.
In ihrem ersten Nachtlager in der Wildnis von Alaska hatten die Mädchen zwei große Gasflaschen vorgefunden. Sie hatten den Raum tüchtig geheizt, ausgiebig gekocht und sich Wasser zum Waschen erhitzt. Der Spaß endete abrupt, als mitten in der Nacht das Gas verbraucht war und die Tempera – tur in kürzester Zeit wieder auf den Gefrierpunkt sank. Nach dieser harten Lektion bemühten sie sich, mit ihrer Energiequelle sparsamer umzugehen.
Bethany schloss die Gasflasche an einen kleinen Heizofen an und befeuerte nur eine der drei Kammern. Dadurch würde die Temperatur im Container langsam auf über null Grad steigen. So lange würden sie möglichst viele Kleidungsstücke anbehalten.
Die Mädchen checkten die Vorräte, die im Container für sie hinterlegt worden waren. Es gab viele energiereiche Nahrungsmittel wie Dosenfleisch, Haferkekse, Instantnudeln, Schokoladenriegel und Traubenzucker. Außerdem fanden sie ihre Einsatzinstruktionen, saubere Unterwäsche, frische Stiefeleinlagen und Liegematten. Zusammen mit den Töpfen, Schlafsäcken und der übrigen Ausrüstung auf ihren Schlitten würden sie die nächsten Stunden bis Sonnenaufgang relativ bequem überstehen.
Nachdem sie sich davon überzeugt hatten, dass sie mit allem Wichtigen versorgt waren, fragte sich Lauren, was unter der Plane am hinteren Ende des Containers verborgen war.
»Das hat bestimmt etwas mit unserer Aufgabe für morgen zu tun«, meinte Bethany.
Sie gingen hinüber und zogen die Plane von einem riesigen Pappkarton, der über zwei Meter lang war und Lauren fast bis zur Schulter reichte. Als sie die Frostschicht auf der Pappe abkratzten, erkannten sie ein Yamaha-Logo und die Umrisszeichnung eines Schneemobils.
»Cool«, fand Bethany. »Ich glaube kaum, dass meine Beine noch so einen Tagesmarsch durch den Schnee aushalten würden.«
»Bist du mit so etwas schon einmal gefahren?«, fragte Lauren.
»Nee.« Bethany schüttelte aufgeregt den Kopf. »Kann aber auch nicht viel anders funktionieren als die Quads, mit denen wir letzten Sommer in der Jugendherberge herumgefahren sind … Lass uns mal die Instruktionen anschauen, damit wir wissen, was wir morgen machen sollen.«
»Wir messen lieber zuerst unsere Temperatur und funken das Basislager an«, entgegnete Lauren.
Ein Funkgerät war bereits an die Antenne auf dem Dach angeschlossen. Da die Batterie kalt war, dauerte es ein paar Sekunden, bis die orangene Frequenzanzeige auf der Schalttafel aufleuchtete. Inzwischen maßen die Mädchen ihre Körpertemperatur mit einem kleinen Plastikstreifen, den man in die Achselhöhle schob.
Die Anzeige zeigte bei beiden zwischen fünfund sechsunddreißig Grad Körpertemperatur an. Nach mehreren Stunden in extremer Kälte war eine Temperatur etwas unter dem Normalwert durchaus in Ordnung. Eine weitere Stunde hätte genügt und beide hätten die ersten Anzeichen einer Unterkühlung gezeigt.
Lauren griff zum Mikrofon und ging auf Empfang. »Einheit drei ruft Trainer Large. Over.«
»Hier Trainer Large. Seid gegrüßt, meine beiden kleinen Süßen!«
Es war schön, nach vierundzwanzig Stunden wieder eine andere menschliche Stimme zu hören, auch wenn es nur die von Mr Large war, dem Trainingsleiter von CHERUB. Large war ein ekliger Typ. Für ihn war es nicht nur ein Job, Kinder durch das harte Training zu schicken, er hatte tatsächlich Spaß daran, sie leiden zu sehen.
»Melde hiermit, dass mit mir und Einheit vier alles in Ordnung ist«, sagte Lauren. »Over.«
»Warum bist du nicht auf der codierten Frequenz? Over«, fragte Large ärgerlich.
Lauren stellte fest, dass der Trainer recht hatte, und schaltete schnell die Verschlüsselungsvorrichtung ein.
»Äh, tut mir leid … Over.«
»Das wird es morgen früh, wenn ich dich in die Finger kriege«, schnauzte Large sie an. »Zehn Minuspunkte für Haus Hufflepuff. Over und aus.«
»Over und aus«, antwortete Lauren bitter. Sie legte das Mikrofon weg und kickte gegen die Metallwand des Containers. »Mann, wie ich den Kerl hasse!«
Bethany lachte leise. »Nicht so sehr wie er dich dafür, dass du ihn mit einem Spaten kopfüber in ein Matschloch befördert hast.«
»Auch wieder wahr«, erwiderte Lauren und erlaubte sich ein kleines Lächeln in Gedanken an das Ereignis, das ihren ersten Versuch, die Grundausbildung zu absolvieren, so abrupt beendet hatte. »Wir sollten uns langsam an die Arbeit machen. Du übersetzt die Instruktionen, und ich geh raus und hole etwas Schnee, den wir schmelzen können.«
Lauren fand einen großen Eimer und zog die Taschenlampe aus dem Schlitten. Damit nicht allzu viel Wärme entwich, öffnete sie die Containertür nur so weit, dass sie mit dem Eimer hindurchschlüpfen konnte. Die Sonne war bereits untergegangen. Im schmalen Lichtstreifen, der aus dem Container fiel, konnte Lauren gerade noch die große weiße Gestalt im Schnee erkennen. Halb davon überzeugt, dass sie übermüdet war und sich Dinge einbildete, schaltete sie die Taschenlampe an.
Was sie sah, ließ keinen Zweifel zu. Kreischend flüchtete sie in den Container zurück und schloss schleunigst die Tür.
»Was ist denn los?« Bethany fuhr von ihren Instruktionen hoch.
»Ein Eisbär!«, japste Lauren. »Direkt vor unserer Tür im Schnee. Gott sei Dank scheint er gerade zu schlafen, noch ein paar Schritte weiter und ich wäre draufgetreten!«
»Das kann doch gar nicht sein«, zweifelte Bethany.
Lauren wedelte mit der Taschenlampe vor dem Gesicht ihrer Trainingspartnerin herum. »Hier, nimm, streck die Nase raus und sieh selbst.«
Nur ein kurzer Blick genügte und Bethany war überzeugt. Knapp fünf Meter vor dem Eingang des Containers lag ein großer Pelzhaufen, aus dessen Nasenlöchern warmer Atemdampf aufstieg.
 
Nachdem sich Lauren von ihrer Beinahe-Begegnung mit dem Tod erholt hatte, überdachten die Mädchen ihre Lage und kamen zu dem Schluss, dass ihre Situation nicht hoffnungslos war.
Für das benötigte Trinkwasser würden sie sich aus der Metalltür lehnen und den Schnee in ihrer Reichweite einsammeln. Dann würden sie den großen Bären einfach in Ruhe lassen. Es war unwahrscheinlich, dass das Tier die ganze Nacht vor ihrer Tür verbrachte. Wahrscheinlich würde es weiterziehen und woanders Schutz suchen, bevor die Sonne wieder aufging.
Im Inneren des Containers war es mittlerweile warm genug, dass die Mädchen nicht mehr ihren Atem aufsteigen sahen. Nach einem Tag in eisiger Kälte erschien das herrlich warm. Sie zogen die Stiefel aus, schlüpften aus ihrer äußeren Kleidungsschicht und hängten sie auf eine Leine über dem Heizofen, damit die Feuchtigkeit im Laufe der Nacht verdunsten konnte.
Der Metallboden des Containers war kalt, daher zogen sie Turnschuhe an und legten die Schaumstoff-Isomatten von ihren Schlitten aus. Sie drehten die Heizung weiter auf und stellten die tiefgefrorenen Dosen mit Corned Beef und Obst davor, während Bethany einen Topf voll Schnee auf einem tragbaren Kocher schmolz.
Sie brauchten eine Stunde, um im Schein der beiden Gaslampen die Instruktionen für die letzten vierundzwanzig Stunden ihrer Grundausbildung zu lesen. Die Anweisungen waren in Sprachen verfasst, die nicht das lateinische Alphabet verwendeten und die Bethany und Lauren erst lernten, seit sie mit dem Training angefangen hatten: Russisch für Bethany und Griechisch für Lauren.
Im Wesentlichen waren ihre Instruktionen ganz einfach: Die Mädchen mussten das Schneemobil auspacken und es fahrtüchtig machen. Dazu mussten die Fahrzeugteile zusammengeschraubt, das Getriebe geölt und der Tank mit Benzin befüllt werden. Von Sonnenaufgang an hatten sie zwei Stunden Zeit, um mit dem Schneemobil einen fünfunddreißig Kilometer entfernten Checkpoint zu erreichen, wo sie sich mit den anderen vier Trainings-Teilnehmern zu einer Übung treffen sollten, die in den Instruktionen ominös als die ultimative Mutprobe in extremen Wetterverhältnissen angekündigt wurde.
»Na gut«, sagte Lauren, während sie mit dem Löffel eine Dose Corned Beef bearbeitete, das außen warm und fettig, innen aber noch steinhart gefroren war, »zumindest ist die Gebrauchsanweisung für das Schneemobil in Englisch.«
2
James Adams hatte sich darauf gefreut, den Samstagabend auf der Bowlingbahn in der Stadt zu verbringen, doch als er dort war, verflog seine gute Laune rasch. Die vier anderen CHERUB-Agenten, die mit ihm auf der Bahn waren, schienen sich wesentlich besser zu amüsieren als er.
Kyle war in Hochform. Er ließ den Gönner heraushängen und spendierte allen Hotdogs und Cola von dem kleinen Vermögen, das er mit dem illegalen Brennen von DVDs für die Hälfte der Kinder auf dem Campus angehäuft hatte. Kyle heckte ständig etwas aus, um an Geld zu kommen, aber soweit James wusste, war die DVD-Brennerei die erste Idee, die Kyle richtig was eingebracht hatte.
Auch die eineiigen Zwillinge Callum und Connor amüsierten sich, obwohl sie eine ziemlich dumme Wette untereinander laufen hatten, bei der es darum ging, wer von ihnen beiden mit Gabrielle verschwinden würde, bevor der Abend zu Ende war. James hatte ihnen gesagt: Träumt mal schön weiter, Jungs! Gabrielle ist dreizehn und spielt in einer ganz anderen Liga. Wenn Gabrielle einen Freund wollte – was sie, soweit bekannt war, nicht tat -, dann bestimmt nicht einen schlaksigen Zwölfjährigen mit strubbeligen blonden Haaren und einer marsriegelgroßen Lücke zwischen den schiefen Vorderzähnen.
»Treffer …!«, rief Gabrielle, als die zehn Kegel in alle Richtungen auseinanderflogen. Sie wedelte mit den Armen und wackelte mit dem Hintern in einer Art ausgeflipptem Kriegstanz. »Du bist dran, Kyle!«
Sie wandte sich vom Schauplatz ihres Triumphes ab und sah sich Callum und Connor gegenüber, die sie aus ihren Plastikstühlen rechts und links von dem Platz, an dem Gabrielle vorher gesessen hatte, angrinsten.
»Klasse Wurf«, strahlte Callum.
»Habe ich dir nicht gesagt, dass es besser ist, wenn du deinen Arm nicht ganz so weit nach hinten schwingst?«, unterbrach Connor und warf seinem Zwillingsbruder einen bösen Blick zu. »So kannst du viel besser das Gleichgewicht halten.«
Gabrielle erinnerte sich an den Rat, aber sie hatte eigentlich nicht anders gebowlt als sonst auch. Es war reines Glück, dass sie getroffen hatte. Sie betrachtete ihren Plastikstuhl und stellte fest, dass sie es keine Sekunde länger aushalten würde, wie die zwei Jungs sie anhimmelten. Also holte sie ihre Tasche unter dem Stuhl hervor.
»Wo gehst du hin?«, fragte Callum besorgt. »Was ist denn los?«
»James sieht etwas niedergeschlagen aus«, erklärte Gabrielle. »Ich geh mal zu ihm rüber und versuche, ihn etwas aufzuheitern.«
»Gute Idee«, grinste Connor. »Ich komm mit.«
»Nichts da«, entgegnete Gabrielle kühl. »Ihr zwei bleibt genau da, wo ihr seid.«
»Aber …«, wandte Connor ein und erhob sich halb von seinem Sitz, nur um sich gleich wieder fallen zu lassen.
»Hört mal«, meinte Gabrielle, »ich will ja nicht unhöflich sein, aber ihr zwei benehmt euch ganz schön merkwürdig, und das geht mir auf die Nerven. Könnt ihr mich nicht mal fünf Minuten in Ruhe lassen?«
Als sie ihre Jacke von der Stuhllehne zog, hatte Gabrielle ein schlechtes Gewissen. Die Zwillinge guckten beide wie Kleinkinder, denen die Mutter zur Strafe ihr Lieblingsspielzeug weggenommen hatte.
James wirkte geistesabwesend und starrte auf den Fußboden zwischen seinen Beinen. Gabrielle klopfte ihm aufs Knie.
»Was ist los, du Unglücksrabe?«, fragte sie und ließ sich auf dem Stuhl neben ihm nieder. »Denkst du immer noch an Miami?«
Im vorigen Sommer war James in eine üble Lage geraten, die letztendlich dazu geführt hatte, dass er in Notwehr einen Mann erschossen hatte. Ihn plagten deswegen immer noch Albträume.
»Wahrscheinlich«, meinte James achselzuckend. »Und ich vermisse Kerry. Ich habe über eine Woche nichts von ihr gehört.«
»Ich auch nicht«, sagte Gabrielle. »Aber in ihrer letzten Nachricht sagte sie, dass sie in Japan angekommen sei und streng undercover arbeiten würde. Daher überrascht mich das kaum.«
James nickte. »Ich habe mit ihrem Einsatzleiter telefoniert. Er hat gesagt, dass alles in Ordnung ist und Kerry ungefähr in einem Monat wieder nach Hause kommt, wenn alles gut geht.«
»Was ist mit Lauren?«, erkundigte sich Gabrielle. »Wie kommt sie in der Grundausbildung voran?«
»Du weißt, wie es ist«, erwiderte James. »Man hört immer nur Gerüchte, aber ich glaube, sie kommt schon klar.«
Gabrielle musste plötzlich lachen. »Erinnerst du dich noch an unsere Grundausbildung? Wie Kerry und ich euch Jungs auf dem Balkon von diesem Hotel ausgesperrt haben und euch darum betteln ließen, wieder reinkommen zu dürfen?«
James erlaubte sich ein leises Lächeln. »Allerdings. Wir haben uns nie dafür gerächt.«
Etwas Kaltes traf James im Nacken. Er sah sich um und stellte fest, dass er und Gabrielle von der Gruppe sechzehn- und siebzehnjähriger Jugendlicher auf der Nachbarbahn mit Cola und Eis angespritzt worden waren. Die Bande verhielt sich ruppig, pöbelte herum und warf mit Gegenständen um sich.
»Mann!«, empörte sich Gabrielle und blickte böse zu einem Pickelgesicht in einem Tottenham-Hotspur-T-Shirt. »Pass doch auf, ja?«
»’tschuldige«, grunzte der Junge und grinste boshaft auf die Eisreste in seinem Pappbecher. Gabrielle hatte den Eindruck, dass es ihm nicht ein bisschen leidtat.
»James!«, rief Kyle. »Du bist dran!«
James stand auf und griff sich eine Bowlingkugel aus dem Ständer. Er hatte einen Gutschein für ein paar kostenlose Bowlingstunden eingelöst, und wenn er in Form war, dann war er ein guter Bowler: Er schwang die Kugel in perfektem Schwung und räumte respektable Punktzahlen ab. Aber nicht heute Abend. Und James’ Laune hatte nichts damit zu tun, dass er Kerry vermisste oder sich Sorgen machte, ob Lauren ihre Grundausbildung bestehen würde. James fühlte sich mies, weil er heute mit seiner Bowlingkugel partout nichts traf.
Er stellte sich in Position, hielt die schwere Kugel auf Kinnhöhe und schwang sie ordentlich durch. Sie krachte sauber in die ersten drei Kegel, und eine Sekunde lang glaubte James schon, dass er zum ersten Mal seit Langem wieder alles abräumen konnte. Aber Kegel sieben am hinteren linken Ende wackelte nur, und Nummer zehn ganz rechts machte sich nicht einmal die Mühe, sich zu bewegen. James konnte sein Pech nicht fassen.
»Sieben und zehn!«, rief Kyle und hieb sich erfreut auf die Schenkel. »Damit bist du wieder mal ganz unten, Adams!«
James warf einen Blick auf die Punktetafel. Normalerweise stritt er sich beim Bowlen mit Kyle um den ersten Platz, und dabei gewann er öfter, als er verlor. Aber heute hatte er schon zwei Spiele verloren und lag in diesem dreißig Punkte hinter Kyle und es waren nur noch vier Runden zu spielen. James fand es gemein von Kyle, dass er ihm sein Elend so unter die Nase rieb, und vergaß dabei geflissentlich, dass er es im umgekehrten Fall ganz genauso gemacht hätte.
Sobald die Kugel in den Ständer zurückgerollt war und sich nicht mehr drehte, griff James danach. Er stellte sich zu seinem zweiten Wurf auf und blickte auf die beiden Kegel, die zu beiden Seiten der Bahn standen.
Um die Sieben und die Zehn umzuwerfen, muss man einen der beiden Kegel so fest treffen, dass er von der Rückwand abprallt und den Kegel auf der anderen Seite mit umreißt. Dazu braucht es enorm viel Glück, und selbst ein Weltklassespieler würde nicht damit rechnen, dass es oft klappt.
»Die triffst du nie beide auf einmal«, tönte Kyle. »Nicht in einer Million Jahren!«
James wandte sich um und zog Kyle eine Grimasse, während er versuchte, Zuversicht auszustrahlen. »Setz dich auf deinen Hintern und sieh dem Meister zu!«
Er warf, so fest er konnte, aber wenn man mit so viel Kraft spielt, verliert man die Kontrolle. Die Kugel machte einen kleinen Hüpfer, als James sie losließ. Sie war schnell genug, aber James wusste sofort, dass sie nicht gerade lief.
»Komm zurück«, japste er verzweifelt, während die Kugel in Richtung Rinne rollte. »Komm schooooon, Baby!«
Ein paar Meter vor dem Kegel fiel die Kugel in die Rinne. James hielt die Hände vor die Augen und fluchte leise vor sich hin. Er wagte kaum, sich umzudrehen, weil er nicht Kyles schäbiges Grinsen sehen wollte.
»Acht Punkte und eine Kugel in der Rinne«, verkündete Kyle zufrieden. »Vielleicht solltest du dich zu den Übungsbahnen schleichen und den Aufseher fragen, ob du ein bisschen bei den kleinen Kindern mitspielen darfst.«
James grunzte, als er sich auf den Stuhl neben Gabrielle fallen ließ. »So wie ich heute drauf bin, würden die mich auch schlagen.«
»Immerhin bist du besser als Callum und Connor«, meinte Gabrielle mitfühlend und wies auf den Monitor mit der Punkteanzeige.
»Na, das ist ja ein schöner Trost. Die beiden sind doch hoffnungslose Fälle.«
Gabrielle lächelte und strich mit dem Handrücken über James’ Bein. »Ist wohl einfach nicht dein Abend, James.«
Sie hatte kaum ausgesprochen, als sie aufs Neue mit Cola bespritzt wurden. Sie schnellten herum und sahen, wie zwei kräftig aussehende Kerle in Football-Shirts sich in einer Pfütze auf dem Boden wälzten. James wartete, bis sie voneinander abließen, bevor er sie sich vorknöpfte.
»Was denkt ihr zwei Blödmänner euch eigentlich?«, schimpfte er wütend. »Ich bin klatschnass!«
»Mein Top ist ruiniert!«, stellte Gabrielle bei dem Versuch, einen Blick auf ihren Rücken zu erhaschen, fest. Sie fragte sich, ob die Flecken je wieder rausgehen würden.
Die zwei Jungs kicherten, als sie aufstanden. »Wir haben doch nur Spaß«, sagte der in dem Tottenham-Shirt.
Der andere sah weniger freundlich drein. »Da drüben sind noch jede Menge freie Plätze«, grunzte er. »Warum verzieht ihr euch nicht dahin?«
»Weil das hier unsere Bahn ist«, entgegnete Gabrielle. »Ich habe keine Lust, jedes Mal zehn Kilometer zu laufen, wenn ich an der Reihe bin.«
»Ja«, warf James ein. »Warum sollen wir uns verziehen, wenn du dich mit deinem Freund auf dem Boden herumwälzen willst?«
Der Junge stieß James in den Rücken. »Nennst du mich einen Schwulen?«
James und Gabrielle standen auf und sahen die beiden Kerle fest an, die wesentlich größer waren als sie selbst.
»Ich bin nicht hergekommen, um mich zu streiten«, erklärte James.
»Ich auch nicht«, entgegnete der unfreundliche Junge. »Aber du legst es offenbar darauf an, Streit zu bekommen. Warum setzt du dich mit deiner Kanakenfreundin nicht einfach woandershin?«
Der Typ war fünfundzwanzig Zentimeter größer und gut fünfzehn Kilo schwerer als Gabrielle, und er rechnete nicht mit dem, was als Nächstes passierte. Gabrielle, die in Karate den zweiten Dan im schwarzen Gurt besaß, setzte zu einem hohen Tritt über die Lehne der Plastikstühle an. Ihr Bowlingschuh traf den Kerl in die Niere, und als er wieder Luft bekam, lag er mit blutender Nase auf dem Boden, und ein orange lackierter Fingernagel bohrte sich in seine Wange.
»Nenn mich noch mal so!«, schrie Gabrielle und ballte die Faust. »Los, versuch’s!«
Ihre Stimme hallte unter dem Metalldach der Kegelbahn wider und ein paar hundert Augenpaare blickten sie erstaunt an. Bis auf ein paar quengelnde Kleinkinder und das Piepen der Spielautomaten wurde es plötzlich sehr still. James sprang schnell über die Sitzreihe und legte Gabrielle die Hand auf die Schulter. »Komm schon, Gabrielle«, sagte er sanft. »Beruhige dich. Es lohnt sich doch nicht, sich über so einen aufzuregen.«
Gabrielle ließ das Gesicht ihres Opfers los und stand auf. James dachte schon, er hätte die Situation entschärft, als er registrierte, dass vier andere Kerle auf sie zukamen, um sie einzukreisen. Als er einen Schritt in Richtung seiner Bahn machte, traf ihn ein schlecht platzierter Hieb seitlich am Kopf.
Instinktiv hieb James mit dem Ellbogen zurück und traf seinen Angreifer mitten ins Gesicht. Schnell zog er ihm die Beine unter dem Körper weg, als der Kerl zurückstolperte. Das schmeckte den anderen dreien gar nicht. Zwei von ihnen griffen James an, während der Junge im Tottenham-Shirt Gabrielle in den Rücken sprang.
James hatte bei CHERUB gelernt, sich gegen Angriffe zu verteidigen, aber mit drei wesentlich größeren Angreifern im Nahkampf stößt jeder irgendwann an seine Grenzen. Glücklicherweise kamen ihm die anderen CHERUBs zu Hilfe.
Kyle, Connor und Callum kletterten über die Sitze und warfen sich auf die Kerle. James fing sich einen zweiten Hieb ein, und sein Bowlingschuh quietschte, als er auf dem gebohnerten Holzfußboden das Gleichgewicht verlor.
Er versuchte, wieder auf die Füße zu kommen, war jedoch auf dem Boden festgenagelt, während verschlungene Glieder über ihm im Kampf lagen. Er sah, wie Kyles Knie jemanden in den Unterleib stieß und der Tottenham-Typ von den Zwillingen in einen schmerzhaften Armgriff genommen wurde.
Als die ersten Erwachsenen eintrafen, um den Kampf zu beenden – unter ihnen auch die beiden Aufsichten von CHERUB, die die kleineren Kinder an der Übungsbahn beaufsichtigten -, stand das Ergebnis zweifelsfrei fest. Die fünf Rowdys krochen unter Schmerzen auf dem Boden, umringt von CHERUB-Agenten mit steinernen Gesichtern, die sie warnten, sich noch einmal zu rühren.
James rollte sich auf den Rücken und holte tief Luft. Es tat ihm gut, auf der Seite der Gewinner zu sein, auch wenn sein Beitrag zum Sieg lediglich darin bestanden hatte, eins auf den Schädel zu bekommen und zu Boden zu gehen. Seiner Meinung nach hatten die älteren Jungs nur bekommen, was sie verdient hatten. Was sie zu Gabrielle gesagt hatten, war absolut nicht in Ordnung gewesen.
Aber James’ Laune sank, als er sich an den Plastiksitzen hochzog. Sein Kopf schmerzte, seine Kleidung war verdreckt, und wenn sie zum Campus zurückkehrten, würde er die Konsequenzen tragen müssen.
 
 
Dr. Terence McAfferty, normalerweise Mac genannt, starrte die fünf Kinder an, die vor seinem Schreibtisch standen, und fragte sich, wie oft er schon in ähnliche schuldbewusst dreinschauende Gesichter geblickt hatte, seit er vor dreizehn Jahren zum Vorsitzenden von CHERUB ernannt worden war. Mit Sicherheit mehr als tausend Mal.
»Also«, begann Mac müde, »wie kam es zu der Prügelei auf der Bowlingbahn heute Abend?«
»Der Typ auf der Bahn nebenan hat sich mit Gabrielle angelegt«, erklärte Kyle, trat vor und übernahm die Sprecherrolle, weil er der Älteste war. »Sie haben mit ihren Drinks herumgespritzt und sich wie die Idioten aufgeführt. Wir haben irgendwie die Geduld verloren und uns auf sie gestürzt.«
»Ihr habt euch also alle auf einmal entschlossen, euch auf sie zu stürzen«, stellte Mac fest, der diese Erklärung offensichtlich wenig überzeugend fand. »Und ich nehme an, dass keiner von euch mehr Schuld hat als der andere?«
»Genau«, log Kyle.
Die anderen in der Reihe nickten. Im Minibus auf dem Rückweg zum Campus hatten sie die Köpfe zusammengesteckt und sich eine Geschichte ausgedacht. Gabrielle hatte die Schlägerei zwar angefangen, aber immerhin war sie mit einem rassistischen Ausdruck beleidigt worden, und keiner der CHERUBs war der Meinung, dass sie allein die Schuld bekommen sollte.
cbt – C. Bertelsmann Taschenbuch Der Taschenbuchverlag für Jugendliche Verlagsgruppe Random House
 
 
1. Auflage
Deutsche Erstausgabe August 2007
Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform © 2005 der Originalausgabe by Robert Muchamore
Die englische Originalausgabe erschien unter dem Titel »CHERUB: Maximum Security« bei
Hodder Children’s Books, London.
© 2007 der deutschsprachigen Ausgabe bei cbt/cbj, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten Übersetzung: Tanja Ohlsen
Lektorat: Birgit Gehring
Umschlagkonzeption: init.büro für gestaltung, Bielefeld SE · Herstellung: CZ
eISBN : 978-3-641-03483-2V002
 
www.cbj-verlag.de

www.randomhouse.de