Tore, Milo & Lars - Diebe auf Burg Neidenstein - Marco Banholzer - E-Book

Tore, Milo & Lars - Diebe auf Burg Neidenstein E-Book

Marco Banholzer

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Beschreibung

Der Ausflug zur Burg Neidenstein endet für Milo zunächst sehr schmerzhaft. Der Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos erwischt ihn an der Schulter. Auf Burg Neidenstein werden Tore, Milo und Lars freundlich aufgenommen. Doch als der Burgherr ihnen eine wertvolle Familienchronik zeigen will, entpuppt sich diese als gut gemachte Fälschung. Trotz mehrerer hoher Sicherheitsmaßnahmen ist es Dieben gelungen das Original zu stehlen. Der Burgherr ist ratlos, aber Tore, Milo und Lars versprechen ihre Hilfe für diesen ganz besonderen Fall. Doch als sich ein Erpresser meldet und mit der Verbrennung der Familienchronik droht, läuft Tore, Milo und Lars die Zeit davon...

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www.tore-milo-lars.de

Inhaltsverzeichnis

Willkommen auf Burg Neidenstein

Unruhige Nacht

Wildes Durcheinander

Diebe auf Burg Neidenstein

Überraschende Begegnung

Ein sonderbares Paket

Es wird eng

Gefangen

Willkommen auf Burg Neidenstein

„Es ist wirklich nicht mehr weit“, versprach Lars.

Milo hechelte mit seinem Rad hinter seinem Bruder und seinem Cousin hinterher. Die Trinkflasche hatte er längst geleert und ein Supermarkt war nicht in Sicht. Auch Tore und Lars hatten ihre Wasservorräte weitgehend aufgebraucht. Im Wald spendeten die Bäume Schatten und sorgten für angenehme Temperaturen, aber auf dem holprigen Feldweg, der an Feldern und Wiesen vorbeiführte, war kein einziger schattenspendender Baum zu finden.

„Macht doch mal ein bisschen langsamer“, bat Milo.

„Komm schon, Milo“, ermutigte Lars, „da vorne ist schon Neidenstein zu sehen. Es ist wirklich nicht mehr weit. Versprochen!“

Seit einiger Zeit hatte es nicht mehr geregnet, sodass Tore, Milo und Lars mit ihren Fahrrädern kräftig Staub aufwirbelten. Milo, der hinter seinem Bruder und seinem Cousin fuhr, bekam regelmäßig eine kleine Staubwolke ins Gesicht.

Die ersten Häuser der Gemeinde Neidenstein waren zu erkennen und über dem Ort konnten die drei Jungen ein erhabenes Gebäude erkennen, das wie ein Wächter über der malerischen Siedlung thronte.

„Seht ihr“, erklärte Lars, „da sieht man schon Burg Neidenstein. Da wollen wir hin.“

Milo vermied es dem Zeigefinger seines Cousins zu folgen. Er konzentrierte sich lieber auf den Weg und auf seine nachlassende Kraft. Mühsam bewegte er mit seinen müden Beinen die Pedale und wackelte erschöpft mit seinem Lenker. Tore und Lars hatten weiter Vorsprung gewonnen, sodass die Staubwolke, die sie mit ihren Rädern aufwirbelten, verflogen war, ehe sie Milo erreichte.

Plötzlich blieben Tore und Lars stehen und lenkten ihre Räder an den Wegesrand.

„Milo, Achtung“, rief Tore seinem Bruder laut entgegen, „da kommt ein Auto! Geh auf die Seite!“

„Meine Güte“, wunderte sich Lars, „der hat aber einen Zacken drauf.“

„Milo“, rief Tore erneut, „auf die Seite! Das Auto kommt!“

Doch Milo überhörte die Warnung seines Bruders und hatte seinen Blick weiterhin auf die holprige Straße gesenkt. Das Auto kam immer näher. Rechts und links des Fahrzeuges wirbelten dicke Staubwolken auf. Offenbar hatte es der Fahrer sehr eilig. Bald erreichte der Wagen Tore und Lars, die eiligst einen weiteren Schritt in die Wiese hüpften. Eine dicke Staubwolke umhüllte sie. Ihre letzte Warnung in Richtung Milo endete in einem starken Hustengewitter.

Das Auto schoss an den beiden vorbei und verschwand hinter einer Staubwand. Tore und Lars konnten Milo nicht mehr sehen.

Scheinbar störte es den Fahrer nicht im Geringsten, dass zwei Kinder am Wegesrand gestanden hatten. Aber noch weniger schien ihn zu interessieren, dass ein weiterer Junge direkt auf der Straße unterwegs war.

Im allerletzten Moment erkannte Milo die Gefahr und lenkte sein Fahrrad in die Wiese. Um Haaresbreite hätte ihn das Fahrzeug voll erwischt und umgefahren. Milo schaffte es jedoch, rechtzeitig aus dem Weg zu gehen. Zumindest schaffte er es fast. Der kleine Kastenwagen, der auf ihn zuraste, hatte zwei große Außenspiegel, die auf beiden Seiten des Wagens weit abstanden. Einer der Spiegel erwischte Milo an der Schulter und riss ihn zu Boden.

Durch die Staubwand konnten Tore und Lars nur Milos Schrei hören. Erschrocken sahen sie sich an. Schleunigst packten sie ihre Fahrräder und eilten Milo zu Hilfe. Der Staub verzog sich nur langsam, aber Tore und Lars konnten erkennen, dass der Fahrer offensichtlich für kurze Zeit die Kontrolle über das Auto verloren hatte. Das Fahrzeug kam leicht von der Straße ab und sauste durch eine matschige Stelle, die noch nicht vollständig von der Sonne ausgetrocknet worden war. Schnell bekam der Fahrer sein Fahrzeug wieder in den Griff und lenkte es zurück auf den Feldweg. Dann bremste er plötzlich stark ab, kam kurz zum Stillstand. Offenbar vergewisserte sich der Fahrer nur kurz über den Außenspiegel, ob nichts Schlimmeres passiert war. Obwohl er Milo hätte liegen sehen müssen, brauste er mit hoher Geschwindigkeit davon. Die Staubwolke verzog sich langsam und jetzt konnten Tore und Lars Milos Fahrrad erkennen. Es lag in der Wiese und der Lenker zeigte nach oben. Milo konnten sie noch nicht sehen.

„Milo! Milo!“, schrie Tore mit angsterfüllter Stimme, „ist alles in Ordnung? Milo, sag doch was!“

Bald hatten Tore und Lars die Stelle erreicht, an der Milo gestürzt war. Noch bei voller Fahrt schwangen sie sich von ihren Rädern und ließen sie einfach auf den Weg fallen. Milo lag auf dem Rücken neben seinem Fahrrad und hielt sich die linke Schulter. Schmerzgeplagt schaukelte er auf dem Rücken hin und her. Tore und Lars rutschten zu Milo, um ihm zu helfen.

„Autsch!“, stöhnte Milo, „meine Schulter. Die ist gebrochen.“

„Was ist passiert?“, wollte Tore sofort wissen, „hat er dich voll erwischt? Tut dir sonst noch etwas weh?“

„Er hat mich an der Schulter erwischt“, stöhnte Milo weiter, „mit dem Außenspiegel. Oh man, tut das weh.“

Lars sah sich Milos Schulter genau an.

„Autsch, aua“, schrie Milo, „lass das. Das tut so weh.“

„Ich habe doch gar nichts gemacht“, erklärte Lars. „ich möchte nur schauen, ob du blutest und ob wir einen Arzt brauchen.“

„Nein“, schimpfte Milo, „keinen Arzt. Aua, das tut so weh.“

„Ich denke, deine Schulter ist gebrochen“, erinnerte Tore, „hast du das nicht eben selbst gesagt?“

Tore wusste, wie viel Angst Milo vor einem Arzt hatte. Sämtliche Versuche, Milo klarzumachen, dass Ärzte da sind, um zu helfen und nicht um zu quälen, oder absichtlich Schmerzen zu verursachen, waren bisher fehlgeschlagen. Weder ihm noch seiner Mutter war es bisher gelungen, Milo zur Vernunft zu bringen, damit er richtig untersucht werden konnte, wenn ihm etwas wehtat.

„Es geht schon wieder“, log Milo.

„Auf einmal?“, grinste Tore und freute sich doch, dass nicht mehr passiert war.

„Darf ich trotzdem mal schauen?“, fragte Lars, „wenigstens, ob es blutet.“

Das Wort »Blut« löste in Milo einen erneuten Schreianfall aus.

„Sag bitte nicht, wenn es blutet“, forderte er.

Lars legte langsam Milos Arm auf den Boden und krempelte ganz behutsam den Ärmel des Shirts nach oben. Die Erleichterung war groß. Die Verletzung blutete nicht. Nicht auszudenken, überlegte Lars, was passieren würde, wenn Milo geblutet hätte.

„Es ist alles ok“, beruhigte Lars seinen Cousin, „es blutet nicht. Scheint nur eine starke Prellung zu sein. Wird bestimmt ein bisschen blau.“

Milo riss weiterhin die Augen weit auf und stierte seinen Bruder an. So konnte er verhindern, dass er versehentlich auf seine Schulter blicken musste.

„Meinst du, du kannst aufstehen?“, wollte Tore wissen.

Milo schüttelte ganz leicht und mit äußerster Vorsicht den Kopf.

„Jetzt komm schon“, drängelte Lars, „du bist an der Schulter verletzt und nicht an den Beinen.“

Tore reichte seinem Bruder die Hand und Milo packte mit der Hand seines gesunden Armes die Hand seines Bruders. Lars half mit, Milo wieder auf die Beine zu bekommen.

„Geht es?“, erkundigte sich Lars.

„Ein bisschen“, nickte Milo.

„Das ist aber auch ein Idiot gewesen“, schimpfte Lars, „wie kann man hier so rasen. Vor allem, er muss doch gesehen haben, dass wir hier auf der Straße sind. Ein echter Vollidiot. Und wir haben uns nicht mal das Kennzeichen gemerkt.“

„Das denkst du“, grinste Tore, „als der Wagen auf uns zugefahren ist, habe ich das Kennzeichen erkennen können. Das war irgendwas mit »HD«.“

Lars staunte und auch Milo gewann sein Lächeln zurück.

„Das könnte uns helfen, diesen Blödmann anzuzeigen“, überlegte Lars, „und den würde ich liebend gerne anzeigen. Das könnt ihr mir glauben.“

Milo hatte inzwischen den Dreck aus seinen Kleidern geklopft und war zumindest in der Lage, seinen verletzten Arm etwas bewegen zu können. Tore und Lars halfen ihm sein Fahrrad aufzurichten. Anschließend kümmerten sie sich um ihre eigenen Drahtesel. Bald standen sie nebeneinander auf dem Feldweg. Vorsichtig versuchte Milo aufzusteigen und loszufahren.

„Wenn wir es wenigstens bis zur Burg schaffen“, meinte Lars, „vielleicht haben die einen Eisbeutel. Das wäre spitze.“

Langsam und vorsichtig setzte sich die Gruppe in Bewegung. Lars und Tore fuhren hinter Milo, der nur sehr langsam vorankam. Seine Schulter schien höllisch weh zu tun, das konnten Tore und Lars verstehen. Dennoch waren sie froh, dass nicht mehr passiert war und dass Milo letztlich doch ziemlich tapfer gewesen war.

„Du meinst also, irgendwas mit »HD«?“, erinnerte Lars.

„»HD« und dann glaube ich »LÖ« und am Ende waren es drei Einser“, dachte Tore angestrengt nach.

„Bist du sicher?“, wollte Lars wissen.

„Ziemlich“, nickte Tore, „nein, ich bin mir absolut sicher. »HD-LÖ 111« Garantiert!“

„Dann sollten wir uns die Nummer merken“, lobte Lars, „den Typen müssen wir anzeigen. Es hätte locker viel mehr passieren können.“

„Ist das nicht schon genug?“, stöhnte Milo, „das tut immer noch höllisch weh. Ehrlich!“

Mittlerweile hatten die Kinder Neidenstein erreicht und suchten einen Weg, der zur Burg hochführte. Von der Hauptstraße ging eine Straße links ab und an den Schildern konnten sie erkennen, dass dies der Weg zur Burg gewesen sein musste. Sie folgten der Straße, die sie irgendwie an das Mittelalter erinnerte. Schon hier fühlten sie sich, als wären sie auf der Burg. Doch dahin mussten sie noch eine Weile gehen. Tore, Milo und Lars waren bereits von ihren Rädern gestiegen und schoben diese über den holprigen Weg. Milo achtete ganz besonders darauf, seinen linken Arm nicht mehr als nötig zu belasten. Schon tauchte vor ihnen ein altes Gebäude auf, das sie für Burg Neidenstein hielten. Doch als sie am Hügel hinter dem Gebäude die richtige Burg erkennen konnten, wurde ihnen klar, dass dieses Haus eine andere Funktion erfüllen musste.

„Sieht aber echt so aus“, meinte Lars, „als würde das Gebäude hier unten auch zu der Burg gehören.“

„Das tut es auch“, ertönte plötzlich hinter den Jungen eine Stimme.

Tore, Milo und Lars drehten sich um. Hinter ihnen war eine etwas ältere Dame aufgetaucht. Sie trug eine weiße Bluse und schwarze Hosen, sah damit recht schick aus.

„Gestatten, mein Name ist Blume“, stellte sich die Frau vor, nachdem sie die Kinder erreicht hatte.

„Guten Tag“, antwortete Lars, „mein Name ist Lars. Und das sind meine Cousins Tore und Milo.“

Die Frau betrachtete die drei Jungen, als ihr auffiel, dass Milo noch immer vor Schmerzen das Gesicht verzog.

„Ist etwas passiert?“, fragte Frau Blume fürsorglich, „hast du dich verletzt?“

Milo nickte.

„Die Schulter“, erklärte Tore, „mein Bruder ist von einem weißen Kastenwagen angefahren worden. Er hat ihn wohl am Außenspiegel erwischt.“

Frau Blume erschrak.

„Ach du liebe Güte“, sagte Frau Blume, „ist es arg schlimm? Sollen wir vielleicht einen Arzt rufen?“

Sofort fiel ihr Lars ins Wort.

„Nein, nein“, wehrte Lars ab, „wenn Sie vielleicht einen Eisbeutel hätten? Ist sicher nur geprellt. Nicht schlimm.“

Ungläubig sah Frau Blume zu Milo. Dieser nickte verlegen und signalisierte, dass Lars das richtig eingeschätzt hatte.

„Wohnen Sie hier auf der Burg?“, lenkte Tore sofort ein.

„Zeitweise“, erklärte die Frau, „ich bin für das Heimatmuseum hier zuständig. Die eigentliche Burg ist dort oben. Seht ihr?“

Frau Blume zeigte am Heimatmuseum vorbei auf einen Hügel. Dort lag, von Bäumen leicht versteckt, Burg Neidenstein.

„Aber solch ein Grobian muss doch angezeigt werden“, schimpfte Frau Blume, „habt ihr euch wenigstens das Kennzeichen gemerkt?“

„Mein Cousin hat es sich tatsächlich gemerkt“, erklärte Lars.

„»HD-LÖ 111«, wiederholte Tore, „ganz sicher!“

„Dann werde ich mal schauen, ob ich einen Eisbeutel für dich finde, junger Mann“, kümmerte sich Frau Blume um Milo.

Sie führte die Jungen in das Heimatmuseum und bot ihnen dort einen Platz an. Das Museum selbst war recht klein, aber mit allerhand interessanten Gegenständen ausgestattet. Dennoch zog eine Vitrine in der Mitte des großen Raumes die Aufmerksamkeit von Tore, Milo und Lars auf sich. Die Jungen konnten ein großes, dickes Buch erkennen, das etwa in der Mitte aufgeschlagen war. Irgendwas stand auf den Seiten geschrieben, aber das konnten die drei Freunde nicht lesen. Frau Blume hatte den Raum verlassen und war in einer Tür verschwunden.

„Das scheint ein recht wertvolles Buch zu sein“, vermutete Tore.

„Hier an der Seite der Vitrine ist sogar eine Alarmanlage“, erkannte Lars, „das ist mit Sicherheit sehr wertvoll.“

„Und was steht da in dem Buch?“, wollte Milo wissen, der für einen kurzen Moment seine Schmerzen vergessen hatte.

„Das kann ich nicht lesen“, antwortete Lars, „das ist eine uralte Schrift.“

„Die Familien-Chronik“, rief Frau Blume, die mit einem dicken Eisbeutel zurückgekommen war, „ein edles Stück. Viele hundert Jahre alt. Alle Besitzer der Burg sind hier drinnen verewigt. Unbezahlbar dieses Ausstellungsstück. Überhaupt nicht auszudenken, wenn es gestohlen werden würde.“

Frau Blume gab Milo den Eisbeutel, den er sich sofort auf die schmerzende Schulter legte. Die Kühlung tat gut.

„Hier in diesem Raum“, erklärte Frau Blume weiter, „werden Trauungen durchgeführt. Seht ihr? Hier sind der Tisch und Stühle. Für den Standesbeamten und das Brautpaar.“

Tore, Milo und Lars sahen sich genau in dem Raum um. Milo kümmerte sich inzwischen um seine Schulter, die mit dem Eisbeutel deutlich weniger schmerzte.

„Alles gut?“, erkundigte sich Tore.

Milo nickte zufrieden.

„Wird bestimmt ordentlich blau“, prophezeite Lars, „warte mal ab, wie deine Schulter morgen aussieht.“

„Naja“, scherzte Tore, „wahrscheinlich hat der Außenspiegel mehr Schaden zu verzeichnen, als deine Schulter.“

„Soll ich nicht doch einen Arzt rufen?“, bot Frau Blume ein weiteres Mal an.