Tore, Milo & Lars - Geheime Wege auf Schloss Neuburg - Marco Banholzer - E-Book

Tore, Milo & Lars - Geheime Wege auf Schloss Neuburg E-Book

Marco Banholzer

0,0

Beschreibung

Tore ist gar nicht begeistert, als Onkel Albert ihn und seinen Bruder Milo auf sein Schloss Neuburg einlädt. Widerwillig begibt er sich mit seinem Bruder auf die Reise. Lars freut sich auf seine Cousins und gemeinsam erkunden sie jeden Winkel des alten Schlosses. Philipp, der Gärtner, weiß viele Geheimnisse über das Schloss zu berichten und erzählt den Kindern sogar von einem Geheimgang, den es früher gegeben haben soll. Er soll das Schloss mit dem Tempelhaus auf der anderen Seite des Neckars verbunden haben. Als eines Tages ein wertvoller Altartisch aus diesem Tempelhaus gestohlen wird, geraten die Jungen nicht ganz unfreiwillig in ein gefährliches Abenteuer...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 113

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Marco Banholzer

Tore, Milo & Lars -

Geheime Wege auf

Schloss Neuburg

www.tore-milo-lars.de

Books on Demand

Inhaltsverzeichnis

Einladung aufs Schloss

Onkel Albert

Seltsame Gäste

Nächtliches Treiben

Die Kaisersuite

Philipp, der Gärtner

Im unterirdischen Gang

In letzter Minute

Einladung aufs Schloss

„Tore, Milo, hört auf zu streiten“, schrie Frau Claasen aus der Küche Richtung Kinderzimmer, das im hinteren Teil der Wohnung lag.

Doch die beiden Jungen störten sich an der aufgeregten Mutter überhaupt nicht und schlugen sich ein weiteres Mal um das Gamepad ihrer Spielkonsole.

„Jetzt bin ich mal dran“, jaulte Milo, „du hast die ganze Zeit gespielt.“

Doch Tore gab nicht nach. Milo fühlte sich wie immer missverstanden und unfair behandelt und fing an zu weinen. Tore hingegen widmete sich dem Rennspiel und ließ sich von dem Geschrei seines kleinen Bruders nicht beirren. Trotzig und stolz auf seinen Triumph kommentierte er seine Fahrkünste.

„Und da nimmt er die Kurve wie ein Profi, ist jetzt schon auf Platz zwei“, freute sich Tore, „wird er es noch schaffen, auf Platz eins zu fahren?“

Milo legte sich wütend auf das Bett, die Arme über dem Bauch verschränkt und die Lippen vor Wut und Zorn zusammengepresst. Hin und wieder schluchzte er und ebenso oft kullerte eine Träne über seine Wangen. Tore erreichte die letzte Runde des Rennens und konnte sich vor Begeisterung kaum mehr halten. Er rutschte nervös auf dem Stuhl hin und her und gab deutlich zu erkennen, dass er das Rennen wohl gewinnen werde. Obwohl sich Milo weitgehend beruhigt hatte, wollte er diese Niederlage gegen seinen großen Bruder nicht einfach wegstecken. Zornig beobachtete er Tore.

„Sicher sind es nur noch wenige Meter bis zum Ziel“, dachte Milo, „aber dieses Ziel wird er nicht erreichen, das schwöre ich ihm!“

Aus dem zornigen Blick in seinem Gesicht entwickelte sich ein verschmitztes Grinsen. Sein Blick fiel auf die Steckdose, die neben dem Schreibtisch angebracht war. Darin steckte der Netzstecker der Spielkonsole. Tore war derart in sein Spiel vertieft und siegessicher, dass er nicht merkte, als Milo hinter ihm aufgestanden war und sich langsam und leise Richtung Steckdose schlich.

„Es sind nur noch wenige Meter zu fahren“, jaulte Tore, „und er hat die Führung übernommen. Das wird ein sensationeller Sieg für Tore Claasen, damit wird er in die Geschichte eingehen. Tore Claasen, der weltbeste Formel-Eins-Fahrer auf dem Weg zu seinem besten Sieg.“

Milo kroch auf dem Boden entlang. Tore starrte auf den Bildschirm und fuchtelte mit dem Gamepad hin und her. Milos Herz klopfte so laut, dass er befürchtete man könne es klopfen hören. Genau hinter seinem Bruder schaute er nach oben. Er wollte sich vergewissern, dass Tore noch nicht mit dem Spiel fertig war. Zentimeter um Zentimeter arbeitete sich Milo an Tores Stuhl vorbei zum Netzstecker. Nur noch ein kurzes Stück trennte Milo von seinem Triumph über den großen Bruder. Ein kurzer Blick auf den Bildschirm verriet ihm, dass Tore bereits auf der Zielgeraden war. Jetzt musste sich Milo beeilen. Schon schnappte seine rechte Hand nach vorne und zitterte sich vor Aufregung zum Netzstecker der Spielkonsole. Über ihm fieberte Tore seinem gewaltigen Sieg entgegen. Milo griff den Stecker und rüttelte ihn locker. Schwupps, schon schoss das Kabel aus der Steckdose und Tores Bildschirm wurde schwarz.

„Was ist denn jetzt los?“, schimpfte Tore, „warum geht das nicht mehr? Verdammt noch mal, ich war kurz davor zu gewinnen.“

Plötzlich fiel sein Blick auf den kleinen Bruder, der grinsend neben ihm auf dem Boden hockte und den Stecker in der Hand hielt.

„Du elender Mistkerl, du Blödmann, dir hau‘ ich eine rein, warte nur“, schrie Tore und pfefferte den Gamepad auf den Schreibtisch.

Dann schnalzte er aus seinem Stuhl und schoss auf seinen Bruder zu. Ehe sich Milo versah und reagieren konnte, hing Tore auf ihm und warf ihn zu Boden. Milo schrie. Mit beiden Händen schlug Tore auf seinen Bruder ein, der immer lauter schrie. Milo versuchte sich zu wehren, hatte aber gegen den viel stärkeren Bruder keine Chance. Tore legte seinen Bruder auf den Rücken und setzte sich auf seinen Bauch. Mit seinen Knien hielt er die Arme fest und packte ihn am Kragen.

„Das wirst du bereuen, du Idiot“, schimpfte Tore wütend und ballte seine Faust. Gerade als er ausholen und zuschlagen wollte, sprang die Zimmertür auf und Frau Claasen stand im Raum.

„Tore, lass‘ das“, brüllte sie.

„Milo hat mir die Konsole ausgeschaltet, gerade, als ich am Gewinnen war“, schrie Tore zurück.

„Schluss jetzt, verdammt noch mal. Könnt ihr nicht einmal ohne Streit spielen?“

Frau Claasen packte Milo am Arm und zerrte ihn aus dem Zimmer.

„Milo, du kommst mit mir in die Küche und du, Tore, räumst hier auf“, schimpfte sie.

„Wieso soll ich hier alles aufräumen?“, maulte Tore, „das ist auch Milos Zimmer. Der hat genauso Unordnung gemacht.“

„Tu, was ich dir gesagt habe. Milo hilft mir draußen in der Küche.“

Zornig schubste Tore den Schreibtischstuhl weg und drückte den Netzstecker der Spielkonsole zurück in die Steckdose. Seine Mutter war mit Milo verschwunden und hatte die Zimmertür zugemacht. Tore setzte sich auf sein Bett und stützte seinen Kopf in die Hände. Draußen hörte er Mutter schimpfen.

„Wenn das die ganzen Ferien über so geht mit dieser Streiterei, na dann gute Nacht. Vielleicht sollte ich Kai-Uwe sagen, dass er euch auch zwei Wochen nehmen kann, wenigstens in den Ferien.“

Kai-Uwe war Tores und Milos Vater. Die Eltern hatten sich vor zwei Jahren getrennt. »Es macht keinen Sinn mehr«, hatte Vater damals gesagt und war Hals über Kopf verschwunden. Seitdem lebte er in Hannover in einer kleinen Wohnung. Zu klein, um Tore und Milo für ein paar Tage bei sich wohnen zu lassen, wie er immer sagte. Tore, Milo und die Mutter wohnten seither alleine in der zuvor gemeinsamen Mietwohnung mitten in Hamburg. Diese Wohnung war zwar etwas größer als Vaters Wohnung, aber für ein eigenes Zimmer für jeden der beiden Brüder war sie trotzdem zu klein. Seit der Trennung hatten Milo und Tore ihren Vater nur selten gesehen. Ab und zu riefen sie ihn an, zu den Geburtstagen und zu Weihnachten schickte er ihnen Geld und eine kleine Grußkarte, aber ansonsten hielt er sich aus dem Leben seiner beiden Söhne heraus. Inzwischen hatte Vater eine Freundin gefunden, mit der er zusammen in der kleinen Wohnung wohnte. Kurz nach der Trennung hatten Milo und Tore ihren Vater zweimal besucht, seit er jedoch die Freundin hatte, war es dem Vater nicht mehr recht, wenn seine Söhne zu Besuch kamen.

Mit Tore und Milo hatte die Mutter es noch nie wirklich leicht. Beide waren sehr aufgeweckt, nur ein Jahr auseinander und somit hatten sie zwar einigermaßen die gleichen Interessen, aber genau das führte zu Streitigkeiten. Tore fühlte sich seit der Vater weg ist als Herr im Haus und verstand es seinen kleinen Bruder für sich arbeiten zu lassen.

„Kai-Uwe soll ruhig mal sehen, dass es nicht einfach ist mit zwei solchen Haudegen, wie ihr es seid“, hörte Tore Mutter in der Küche schimpfen, „ich muss auch arbeiten gehen und mich um den Haushalt kümmern und muss trotzdem zwei Kinder großziehen. Der soll ruhig mal merken, wie das ist.“

Mutter war ziemlich sauer auf ihren Ex-Mann. Sie fand, er habe es sich damals zu leicht gemacht. Nach einem heftigen Streit, bei dem es mal wieder um die Schulleistungen der Kinder ging, hatte er seine Sachen gepackt und war gegangen. Von jetzt auf nachher war er verschwunden. Irgendwann hatte er sich telefonisch gemeldet und seine neue Adresse durchgegeben. Tore und Milo konnten das damals nicht verstehen, hatten sich aber mittlerweile mit der neuen Situation zurechtgefunden.

Wie Tore so nachdenklich auf dem Bett saß, klingelte es draußen an der Wohnungstür. Mutter war so mit Schimpfen beschäftigt, dass sie das Klingeln wohl überhört hatte. Tore stand auf, ging zur Wohnungstür und schaute durch den Spion. Vor der Tür stand der Postbote, deutlich an seiner gelben Uniform und der blauen Mütze zu erkennen. Tore öffnete die Tür.

„Hallo Tore. Na, schon ausgeschlafen?”, begrüßte ihn der Postbote.

Tore nickte.

„Hier habe ich zwei Briefe für euch. Mehr habe ich heute nicht zu bieten“, lächelte der Mann und streckte Tore zwei weiße Umschläge entgegen.

Tore nahm die Briefe und der Postbote verabschiedete sich. Anschließend schlich Tore in die Küche, in der Mutter immer noch am Schimpfen war. Langsam öffnete er die Küchentür und lehnte sich an den Türrahmen. Mutter spülte das Geschirr und in ihrem Zorn spritzte sie das Wasser und den Schaum fast bis zu ihrer Nasenspitze. Milo stand neben ihr und rieb mit dem Geschirrtuch einen Teller trocken.

„Mama, Post“, rief Tore und streckte der Mutter die beiden Briefe entgegen. Jetzt konnte Tore den Stempel eines Schlosses auf einem der beiden Umschläge erkennen. »Schloss Neuburg« stand in ausgehöhlten großen Buchstaben darunter. Mutter entriss ihm den Brief und überlegte.

„Wer schreibt uns denn von Schloss Neuburg?“, murmelte sie.

Sofort riss sie den Brief auf und begann zu lesen.

„Von wem ist der Brief?“, wollte Tore wissen, aber Mutter war zu vertieft, um ihn zu hören.

Plötzlich machte sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit und ihre Augen bewegten sich merklich schneller über das Geschriebene. Als sie den Brief zu Ende gelesen hatte, lächelte sie über das ganze Gesicht.

„Von wem ist der Brief?“, fragte Tore noch einmal.

„Er ist von meinem Bruder Albert“, antwortete sie total entspannt, „er lässt fragen, ob ihr nicht Lust hättet, ein paar Ferientage auf seinem Schloss zu verbringen.“

„Auf seinem Schloss? Was für ein Schloss?“, fragte Tore.

„Hier, lies selbst“, antwortete seine Mutter und streckte ihm den Brief entgegen.

Tore nahm den Brief und begann zu lesen:

Liebe Gabi,

wir haben lange nichts mehr voneinander gehört. Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, dass ich mir Anfang des Jahres dieses Schloss Neuburg in Obrigheim gekauft habe. Es ist ein wunderschönes Schloss über dem Neckar mit herrlichem Ausblick über die gesamte Umgebung. Das Schloss hat mir von Anfang an gefallen und wir haben beschlossen es zu kaufen und daraus ein Hotel zu machen. Mittlerweile haben wir unser Hotel eröffnet und schon zahlreiche zufriedene Gäste. Durch die Planung und den Umbau hatte ich kaum Zeit, mich bei dir zu melden.

Jetzt habe ich mir überlegt, ob es für die Jungs nicht spannend wäre, ein paar Tage in den Ferien bei uns zu verbringen. Das gefällt ihnen doch bestimmt, auf einem richtigen Schloss zu wohnen. Lars würde sich ebenfalls sehr freuen, wenn er in den Ferien nicht so allein ist. Tore und Lars sind gleich alt, da gibt es bestimmt einige gemeinsame Interessen, oder?

Thea und ich würden uns freuen, wenn Milo und Tore uns besuchen kämen. Du kannst mich gerne anrufen und mir sagen, ob das etwas für die Jungs wäre. Meine neue Adresse und Telefonnummer findest du auf dem Umschlag.

Liebe Grüße,

Albert

„Na, wie findet ihr das?“, fragte Mutter aufgeregt, „das wäre doch prima, oder?“

„Ich bin dabei“, freute sich Milo.

„Und wann soll ich etwas mit meinen Freunden hier unternehmen, wenn ich dorthin fahre?“, Tore war skeptisch, „Bernd und Fiete wollten mit mir zelten gehen.“

„Zelten könnt ihr auch mal am Wochenende. Zu Onkel Albert kommt ihr nicht so einfach. Überlege mal, auf einem richtigen Schloss. Vielleicht gibt es dort auch ein Schlossgespenst. Huuuuh“, Mutter fuchtelte vor Tore herum, der sich gelangweilt wegdrehte.

„Also, was ist Tore? Lars freut sich schon auf euch und Onkel Albert ist doch euer Lieblingsonkel.“

„Wann fahren wir?“, Milo war von der Idee begeistert.

„So einfach und schnell geht das nicht, Milo. Ich muss Onkel Albert erst anrufen und fragen, wann ihr kommen und wie lange ihr bleiben könnt. Außerdem muss Tore mitspielen. Alleine kann ich dich unmöglich schicken.“

Tore war wenig begeistert von der Idee. Nur widerwillig ließ er sich dazu überreden, mit zu dem Onkel zu fahren. Innerlich hoffte er, der Onkel könne sich das doch anders überlegt haben. Mit seinem Cousin Lars würde das bestimmt ganz lustig werden. Immerhin waren sie nicht nur Cousins, sondern auch gute Freunde. Schon als Onkel Albert noch hier in Hamburg wohnte und Lars und Tore viel öfter miteinander spielen konnten, waren die Abenteuer mit Lars immer aufregend.

Noch am Abend telefonierte Tores Mutter mit ihrem Bruder in Obrigheim. Er freute sich bereits auf Tore und Milo und bot sogar an, die Zugfahrt für die beiden zu bezahlen. Mit dem kleinen Gehalt, das Frau Claasen in der Wäscherei verdiente, hätte sie die Zugfahrt ohnehin kaum finanzieren können. Onkel Albert hatte viel mehr Geld als seine Schwester, deshalb war das für ihn kein Problem.

„Wann geht es los?“, fragte Milo ungeduldig.

„Bald!“, versicherte Mutter, „Onkel Albert will sich morgen um die Fahrscheine und die Zugverbindung kümmern und mir dann alle Unterlagen schicken. Ein paar Tage werdet ihr also schon noch warten müssen.“

„Wo liegt eigentlich dieses Obrigheim?“, wollte Tore wissen.

„Keine Ahnung“, musste die Mutter zugeben, „hole einmal den Atlas, dann schauen wir gemeinsam nach.“

Tore kramte den Atlas aus dem Wohnzimmerschrank und brachte ihn seiner Mutter. Man merkte ihm deutlich an, dass er noch immer nicht sonderlich begeistert war. Mutter suchte im Verzeichnis nach „Obrigheim“ und wurde bald fündig. Schnell blätterte sie zu der angegebenen Seite und orientierte sich an den Planquadraten, bis sie die kleine Gemeinde gefunden hatte.

„Hier, Obrigheim“, zeigte sie ihren Söhnen.

„Das ist ja mitten in der Pampa“, meckerte Tore.

„Ganz in der Nähe ist Heidelberg und Obrigheim liegt direkt am Neckar. Da kann man bestimmt herrlich baden“, meinte Frau Claasen.

„Da kriegt man bestimmt noch nicht einmal einen ordentlichen Burger in diesem Kaff“, maulte Tore.

„Das würde dir auch gar nicht schaden, mal ein paar Tage auf dieses Zeug zu verzichten“, mahnte seine Mutter.