Tore, Milo & Lars - Gespenster auf Burg Ehrenberg - Marco Banholzer - E-Book

Tore, Milo & Lars - Gespenster auf Burg Ehrenberg E-Book

Marco Banholzer

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Beschreibung

Auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz kommen Tore, Milo und Lars auf Burg Ehrenberg. Die Gräfin lädt sie ein, ein paar Tage auf der Burg zu verbringen. Doch die erste Freude wird getrübt, als die drei Freunde erfahren, dass sich merkwürdige Dinge auf der Burg abspielen. Einer Sage nach soll ein uralter Geist auf der Burg sein Unwesen treiben. Was zunächst unglaublich klingt, bringt die Kinder aber bald in Gefahr. Denn tatsächlich scheinen sich auf der Burg Gespenster herumzutreiben...

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Inhaltsverzeichnis

Albtraum

Burg Ehrenberg

Gespenstische Ereignisse

Brandheißer Vorfall

Erster Verdacht

Böse Überraschungen

Nächtlicher Besuch

Fragen über Fragen

Albtraum

Die Uhr im Zimmer von Lars zeigte kurz nach Mitternacht, als Tore einen lauten Schrei ausstieß. Milo schoss im Bett hoch und Lars knipste erschrocken das Licht an. Müde rieb er sich die Augen und sah sich nach Tore um. Dieser zappelte unruhig im Bett umher. Milo war inzwischen aufgestanden und zu seinem Bruder ans Bett geeilt.

„Was ist mit dir, Tore?“, rief Milo angespannt und packte seinen Bruder an der Schulter.

Tore reagierte nicht auf Milos Berührung, was Milo Angst einjagte.

Lars war ebenfalls aufgestanden und zu Tore ans Bett gekommen.

„Was ist mit ihm?“, fragte Milo ungeduldig, „er reagiert überhaupt nicht. Sieh doch mal, wie er die Decke anstiert. So hilf ihm doch, Lars.“

Tore schwitzte sichtlich, seine Beine fanden keine Ruhe. Irgendetwas brabbelte er vor sich hin. Verstehen konnten Lars und Milo nichts. Mit beiden Händen wehrte sich Tore mit geschlossenen Augen gegen irgendeinen Angreifer.

Lars setzte sich an den Rand des Bettes und wollte seinen Cousin wachrütteln. Genau in dem Moment, als Lars sich über Tores Gesicht beugte, holte Tore im Schlaf aus. Seine linke Hand schoss auf Lars zu, der gerade noch rechtzeitig den Kopf zur Seite warf. Beinahe hätte ihn Tore mit voller Wucht mitten ins Gesicht getroffen.

„Ohauh“, stöhnte Lars während er sich wieder aufrichtete, „was geht denn mit dem ab?“

Milo sah seinen Cousin ungläubig an.

„Nein, nicht“, faselte Tore im Tiefschlaf, „lasst meinen Cousin in Ruhe. Nein, Lars, nicht. Hört auf!“

Dabei drehte Tore seinen Kopf ganz schnell in die eine, dann sofort in die andere Richtung.

„Dein Bruder hat einen Albtraum“, wusste Lars, „wir müssen ihn irgendwie wecken.“

„So tu doch etwas“, forderte Milo, der mit der ganzen Situation offensichtlich überfordert war.

„Nein“, brabbelte Tore erneut.

Tores Beine bewegten sich unter der Bettdecke, als wolle er davonlaufen. Mit den Armen fuchtelte er hin und her. Sein Kopf wippte in immer kürzeren Abständen zur Seite. Der Schweiß rann dem Jungen von der Stirn.

„Wir müssen Onkel Albert und Tante Thea holen“, sagte Milo weinerlich.

„Die sind doch nicht da“, rief Lars zurück und konnte Tores Hand ein weiteres Mal nur knapp entgehen, „das weißt du doch genau. Niemand ist heute Nacht hier auf Schloss Neuburg.“

„Dann rufe sie doch an“, schlug Milo hektisch vor.

„Wie denn?“, fragte Lars energisch, „soll ich sie mitten in der Nacht anrufen? Die kriegen einen riesen Schrecken.“

„Den habe ich auch“, versicherte Milo, „ruf sie an! Mein Bruder. Er hat irgendwas.“

„Ich kann dir sagen, was er hat“, beruhigte ihn Lars, „er hat einfach nur einen schlimmen Albtraum.“

„Neiiiiiiin“, schrie Tore plötzlich und Lars und Milo erschraken, „ncht flln lssn.“

Nassgeschwitzt klammerte sich Tore an die Bettkante und winkelte die Knie an. Plötzlich begann der Junge sich unter der Bettdecke mit den Beinen abzustoßen, als wolle er rückwärts weglaufen. Völlig außer sich warf er seinen Kopf hin und her.

„Ncht flln lssn“, säuselte er unverständlich.

„Niemand lässt dich fallen“, versuchte Lars zu beruhigen, aber Tore reagierte nicht.

Langsam wurde auch Lars mulmig zumute. Seine Eltern waren nicht im Haus und Philipp, der Gärtner, würde erst am nächsten Morgen hier auftauchen. So lange konnte Lars nicht warten. Milo hatte fassungslos neben seinem Cousin auf dem Bett Platz genommen. Krampfhaft klammerte sich Tore weiterhin an der Bettkante fest und versuchte durch kräftige Beinarbeit vor irgendetwas zu entkommen.

„Lsst mch“, rief Tore laut, ohne dabei die Augen zu öffnen.

„Wir lassen dich ja, Tore“, jammerte Milo verzweifelt, „aber jetzt wach bitte endlich auf. Bitte!“

Milo packte seinen Bruder an dessen linken Arm und rüttelte ihn energisch. Doch Tore reagierte nicht.

„Jetzt wach endlich auf!“, schrie Milo in seiner Verzweiflung und packte seinen Bruder fest an den Schultern.

Da passierte es. Im Tiefschlaf versuchte sich Tore gegen den festen Griff seines Bruders zu wehren und schlug wild um sich. Gegen den stärkeren Bruder hatte Milo keine Chance. Tore löste sich aus der Umklammerung und erwischte beim Zurückziehen des Armes seinen Bruder mit der flachen Hand am rechten Auge. Milo heulte auf und sprang vom Bett hoch. Nun war Lars derjenige, der fassungslos zusehen musste, wie Milo im Zimmer umhertanzte und sich weinend das Auge hielt. Tore hatte sich jetzt ein wenig beruhigt. Sein Kopf wippte nun langsamer hin und her. Doch noch immer rann ihm der Schweiß von der Stirn. Das Oberteil seines Schlafanzuges war bereits sichtlich durchnässt. Milo jaulte nach wie vor. Sein Auge tat höllisch weh. Tore hatte ihn voll erwischt. Immer wieder versuchte Milo das Auge zu öffnen, aber es gelang ihm nicht.

„So tu doch etwas“, schimpfte Milo, während er sich vor Schmerzen das Auge hielt.

Lars überlegte, aber zum ersten Mal in seinem Leben hatte er keine passende Idee. Und ausgerechnet jetzt waren seine Eltern nicht da. Was sollte er nur tun? Sein großer Cousin hatte einen schlimmen Albtraum und sein kleiner Cousin hatte offensichtlich Schmerzen. Sollte er doch seine Eltern anrufen? Das Handy lag nicht weit von Lars entfernt auf dem Schreibtisch. Er hatte es nicht ausgeschaltet, als er zu Bett ging. Doch wie würden seine Eltern reagieren? Vielleicht schliefen sie schon? Nein, die Tagung ging immer sehr lange, hatte ihm sein Vater noch bei der Abfahrt gestern erklärt. Lars solle nur im äußersten Notfall anrufen. Wenn das Schloss abbrennt, hatte sein Vater gewitzelt. Ist das jetzt, als würde das Schloss abbrennen? Lars jagte mit seinen Blicken zwischen Milo, Tore und seinem Handy hin und her. Inzwischen schwitzte er ebenfalls. Vielleicht hätte Lars nicht angerufen, wenn Tore nicht plötzlich angefangen hätte, ganz schwer zu atmen. Spätestens jetzt bekam es Lars richtig mit der Angst zu tun. Doch, dachte Lars, das ist deutlich schlimmer, als wenn das Schloss brennen würde. Er schoss vom Bett auf, griff nach seinem Handy und entsperrte durch eine hastige Wischbewegung das Display. Durch die verschwitzten Hände reagierte der Touchscreen nur zögerlich. Hastig suchte er nach der Handynummer seines Vaters. In der Hektik wählte er mehrmals eine falsche Nummer aus. Die Versuche, den Anruf zu stoppen, dauerten ewig. Endlich schaffte es Lars, die richtige Nummer zu wählen. Nach unendlichen Sekunden reagierte das Telefon. Tore atmete immer schwerer und krallte sich an der Bettkante fest. Er brabbelte etwas Unverständliches. Milo hatte zwar aufgehört zu jaulen, aber er verzog vor Schmerzen sein Gesicht. Lars starrte ihn mit dem Handy am Ohr an. Der Verbindungsaufbau dauerte sehr lange. Sekunden kamen Lars wie Stunden vor. Nichts rührte sich im Telefon. Dann endlich ein Klacken.

»Der Gesprächspartner ist zurzeit leider nicht erreichbar. Versuchen Sie es später noch einmal«, ertönte eine nette weibliche Stimme. Wütend drückte er den roten Knopf, um das Gespräch zu beenden. Dann knallte Lars das Handy zurück auf den Schreibtisch.

„Wenn man diese blöden Dinger einmal braucht, funktioniert nichts und niemand ist erreichbar“, schimpfte der Junge, während er aufstand und zu Milo lief, „geht’s bei dir wieder? Lass mal sehen!“

Vorsichtig löste Milo die Hand von seinem rechten Auge. Im fahlen Licht konnte Lars erkennen, dass das Auge blutunterlaufen war. Milo kniff es immer wieder zusammen und schaffte es nicht, es dauerhaft offen zu halten. Ringsum schwoll alles an.

„Es geht schon wieder“, log Milo tapfer und zeigte auf Tore, „aber was machen wir jetzt mit meinem Bruder?“

Tore lag noch immer verkrampft im Bett. Sein Brustkorb hob und senkte sich durch das schwere Atmen in schnellem Rhythmus.

„Dr Hnd“, säuselte er, „lsst dn Hnd in Rhe.“

„Was ist nur in ihn gefahren?“, rief Milo erschrocken, „was für ein Hund? Wir haben keinen Hund?“

„Was für einen Hund meint er?“, fragte Lars aufgeregt.

„Wir haben keinen Hund“, erklärte Milo, „niemand in unserer Nachbarschaft hat einen Hund. Was meint der bloß?“

„Oh man“, seufzte Lars, „was sollen wir nur machen. Wir müssen ihn unbedingt wach kriegen und ihn aus diesem Traum holen.“

„Aber wie?“, fragte Milo.

„Ich weiß es doch nicht“, antwortete Lars energisch, „wenn ich eine Lösung hätte, hätte ich Tore längst geweckt.“

Lars schlug vor, Tore zu zweit zu packen und ihn so lange zu schütteln, bis er wach würde. Da Milo bereits ein blaues Auge hatte, lehnte er diese Idee dankend ab. Krampfhaft überlegte Lars, wen er um Hilfe bitten könnte. Philipp, der Gärtner, war nicht mehr im Haus. Eine Telefonnummer von ihm hatte Lars nicht griffbereit. Johanna, die Reinigungsfrau, würde ebenfalls erst am nächsten Tag wieder auftauchen. Da seine Eltern auf einem Kongress waren, waren auch keine Gäste im Haus. Wie konnte Lars nur so blöd sein und seinen Eltern sagen, dass die drei Jungen problemlos alleine im Schloss bleiben könnten. Das hatte er nun davon. Wie konnte er nur so dämlich sein?

„Was sollen wir jetzt machen?“, wollte Lars wissen, „hast du vielleicht eine Idee?“

„Wir könnten einen Eimer Wasser holen“, fiel Milo plötzlich ein.

„Bist du verrückt?“, lehnte Lars ab, „dann sind das ganze Bett und mein Zimmer nass. Du hast vielleicht bekloppte Ideen.“

„Neeeeiiiiiin“, schrie in diesem Moment Tore und schnalzte im Bett hoch.

Lars und Milo erschraken und verstummten. Nahezu aufrecht saß Tore im Bett. Es sah fast so aus, als würde er seinen Cousin und seinen Bruder anstarren, doch seine Augen waren verschlossen. Tore atmete sehr schwer und schien sich vor irgendwas schützen zu wollen. Lars und Milo sahen sich überrascht an und konnten nicht begreifen, was gerade passierte.

„Wir können ihm ja auch nur ein Glas Wasser ins Gesicht schütten“, bekräftigte Milo seine Idee.

„Das ist doch Schwachsinn“, lehnte Lars erneut ab, „deswegen ist das Bett trotzdem nass. Wir müssen eine andere Möglichkeit finden.“

„Aber sieh ihn dir doch mal an“, ließ Milo nicht locker, „wenn wir ihn nicht wachkriegen, dann stirbt er vielleicht.“

„Sag mal, bist du jetzt ganz durchgeknallt?“, schimpfte Lars, „du redest solch einen Mist daher. Wegen eines Albtraums sterben, so ein Schwachsinn.“

„Lars, meinem Bruder geht es nicht gut“, jammerte Milo, „willst du das nicht begreifen? Wir müssen etwas tun.“

„Das weiß ich auch“, beruhigte sich Lars, „aber deswegen muss er nicht gleich sterben. Rede nicht solch einen Unsinn.“

Tore saß weiterhin aufrecht im Bett. Seine Haare waren klatschnass. Mit den Händen knetete er krampfhaft seine Bettdecke. Lars konnte erkennen, dass auch Tores Hände nassgeschwitzt waren. Milo hatte Angst, das merkte Lars. Er musste handeln. Irgendetwas musste es doch geben, um seinen Cousin wach zu kriegen. Milo blinzelte mit seinem verletzten Auge, ließ den Blick aber nicht mehr von seinem Bruder. Tore atmete schwer und rang nach Luft. Da fasste Lars einen Entschluss. Kurz überlegte er noch, sah Milo an, ballte seine Faust, entspannte sie wieder, um sie kurz darauf erneut zu ballen. Sollte er wirklich tun, was ihm gerade durch den Kopf ging? Tores Gesicht war knallrot, über seiner Oberlippe hatten sich dicke Schweißperlen gebildet. Milo hatte vor lauter Angst um seinen Bruder sein schmerzendes Auge vergessen. Lars musste es tun! Es war die einzige Lösung, dachte er. Zögerlich entspannte Lars seine Faust zur flachen Hand. Dann holte er aus und versetzte Tore einen Hieb auf die Wange, so dass dieser zurück auf sein Kissen sackte. Milo sah seinen Cousin verwundert an und brachte in den ersten Sekunden keinen Ton heraus. Lars rieb sich seine Hand am Oberschenkel. Der Schlag war so heftig, dass ihm selbst die Hand schmerzte.

„Sag mal spinnst du?“, schrie Milo und gab seinem Cousin mit beiden Händen einen Klaps vor die Brust, dass Lars nach hinten auf Tore kippte.

„Hättest du vielleicht eine bessere Idee gehabt?“, schimpfte Lars, „das ist die einzige Möglichkeit, Tore aus dem Tiefschlaf und damit aus dem Albtraum zu holen.“

Zu allem Übel war Lars genau auf Tores Oberkörper gelandet. Schnell stand Lars wieder auf und setzte sich auf die Bettkante.

Tore atmete inzwischen deutlich ruhiger und bewegte sich leicht. Dann schlug er die Augen auf und starrte seinen Bruder und seinen Cousin an.

„Was ist denn los?“, fragte Tore, als wäre nichts gewesen.