Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz - Dagmar Domenig - E-Book

Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz E-Book

Dagmar Domenig

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Beschreibung

Das Lehrbuch entwickelt die transkulturelle zur transkategorialen Kompetenz weiter. Es bietet ein grundlegendes und praxisorientiertes Handbuch zum Umgang mit Vielfalt, Verschiedenheit und Diversity für Gesundheitsberufe. Der erste Teil beschäftigt sich mit sozialen Dynamiken pluralistischer Gesellschaften, wie mit dem ökonomischen Flexibilismus, dem demografischen Wandel und Trends bezüglich Mobilität, Migration und Bürgerrechten. Der zweite Teil diskutiert «flüchtige Kategorien» am Beispiel sich auflösender Begriffe wie «fremde Kulturen», «zweite Generation», «Religion» und «Behinderung». Im dritten Teil wird der Fokus auf «Ausgrenzung» durch Stigma, Menschenfeindlichkeit und Nichtanerkennung, aber auch auf Grund- und Menschenrechte gerichtet. Was transkategoriale Kompetenz in unterschiedlichen Lebensaltern, Lebenswelten und Praxisfeldern bedeutet, wird im vierten Teil des Lehrbuchs exemplarisch in Beiträgen über Mädchenbeschneidung, Traumatisierungen, Migrationskinder und Altern beschrieben. Der fünfte Teil widmet sich der Gesundheitsversorgung mit einem besonderen Fokus auf Frauen und Männer mit Migrationserfahrung, auf Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und psychischen Störungen und einer Migrationserfahrung sowie der Beschreibung eines Pflege- und Versorgungsprozesses für diese komplexen Kontexte. Im sechsten Teil werden diverse kommunikative Aspekte im Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit erläutert. Zahlreiche praxisorientierte Fallbeispiele und selbstreflexive Übungen ebnen den Weg für einen kreativen Umgang mit Diversity im Gesundheitswesen.

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Seitenzahl: 1538

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz

Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz

Dagmar Domenig (Hrsg.)
Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Pflege:
Jürgen Osterbrink, Salzburg; Doris Schaeffer, Bielefeld;
Christine Sowinski, Köln; Franz Wagner, Berlin; Angelika Zegelin, Dortmund
Dagmar Domenig
(Hrsg.)

Transkulturelle und transkategoriale Kompetenz

Lehrbuch zum Umgang mit Vielfalt, Verschiedenheit und Diversity für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe

3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage

Unter Mitarbeit von
Agorastos Agorastos
Andreas Altorfer
Gabriela Antener
Rainer Bauböck
Theda Borde
Sandro Cattacin
Matthias David
Cüneyt Demiralay
Jürgen Georg
Christian Haasen
Bill Hughes
Hildegard Hungerbühler
Walter Kälin
Marie-Louise Käsermann
Beate Küpper
Andrea Lanfranchi
Catherine Moser
Rainer Münz
Maya Natarajan
Isgard Ohls
Annette Sprung
Karl Stanjek
Rahel Stuker
Charlotte Uzarewicz
Michael Uzarewicz
Anna Weber
Judith Wyttenbach
Mit einem Geleitwort von Markus Mader

Dagmar Domenig (Hrsg.). Dr. phil./lic. iur., Direktorin

Stiftung Arkadis

Aarauerstrasse 10

CH-4600 Olten

E-Mail: [email protected][email protected]

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Pflege

z. Hd. Jürgen Georg

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Jürgen Georg, Michael Herrmann, Martina Kasper

Bearbeitung: Michael Herrmann

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: Sandro Cattacin

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Illustration/Fotos (Innenteil): Peter Dammann/Fotostiftung Schweiz, Sandro Cattacin

Satz: Eberl & Koesel Studio, Altusried-Krugzell

Druck und buchbinderische Verarbeitung: Multiprint Ltd., Kostinbrod

Printed in Bulgaria

3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2021

© 2021 Hogrefe Verlag, Bern

© 2001/2007 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95753-1)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75753-7)

ISBN 978-3-456-85753-4

https://doi.org/10.1024/85753-000

Nutzungsbedingungen

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Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Download-Materialien.

Für Ndey

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort
Einleitendes Vorwort
Erster Teil: Gesellschaftliche Dynamiken im Pluralismus
1Einleitung zum ersten Teil: Gesellschaftliche Dynamiken im Pluralismus
Dagmar Domenig
2Der ökonomische Flexibilismus und seine Folgen
Sandro Cattacin
2.1Einleitung
2.2Die Transformationen des Kapitalismus
2.3Auf dem Weg zur Ära des Flexibilismus
2.4Eine vernetzte Wirtschaft
2.5Virtualisierung von Märkten
2.6Eine grenzenlose und selbstregulierende Wirtschaft
2.7Flexible Beschäftigung
2.8Den Flexibilismus überleben
2.9Schlussbemerkungen
3Wandel und Pluralisierung der Weltbevölkerung aus demografischer Perspektive
Rainer Münz
3.1Einleitung
3.2Herkunft demografischer Daten
3.3Globales Wachstum und beginnende demographische Schrumpfung in Teilen der Welt
3.4Der demographische Übergang: Das Entstehen „moderner“ Bevölkerungen
3.5Steigende Lebenserwartung und sinkende Sterblichkeit
3.6Demografische Alterung: Die „Altenlast“
3.7Von Kindern als ökonomische Ressource hin zur Geburtenplanung
3.8Von der traditionellen Familie zur Kleinfamilie und Patchwork-Familie
3.9Internationale Migration: Mobilität über Staatsgrenzen hinweg
3.10Schlussbemerkungen
4Migration und Mobilität
Sandro Cattacin
4.1Einleitung
4.2Erster Trend: Von der Migrations- zur Mobilitätsperspektive
4.3Zweiter Trend: Von der nationalstaatlichen Zugehörigkeit zur multiplen und urbanen Staatsbürgerschaft
4.4Dritter Trend: Von der Überfremdungs- zur Innovationsperspektive
4.5Vierter Trend: Von der Asylpolitik zur Entwicklungszusammenarbeit
4.6Schlussbemerkungen
5Ein- und Auswanderung als Bürgerrecht: Weltbürger, Europäer und Staatsbürger
Rainer Bauböck
5.1Einleitung
5.2Bewegungsfreiheit als Menschenrecht
5.3Ein Blick zurück: Staatsinteressen versus Bewegungsfreiheit
5.4Die moralische Asymmetrie von Auswanderung und Einwanderung
5.5Auswanderungsfreiheit aus menschenrechtlicher Perspektive
5.6Das staatliche Recht auf Einwanderungskontrolle
5.7Erweiterung der Konzeption der Staatsbürgerschaft
5.8Staatsbürgerschaft im Kontext globaler sozialer Gerechtigkeit
5.9Staats- und Gemeindebürgerschaft
5.10Schlussbemerkungen
Zweiter Teil: Flüchtige Kategorien
1Einleitung zum zweiten Teil: Flüchtige Kategorien
Dagmar Domenig
2Von fremden Kulturen zu komplexen Identitäten
Dagmar Domenig
2.1Einleitung
2.2Der Ursprung des klassischen oder essenzialistischen Kulturbegriffs
2.3Assimilation und Multikulturalismus
2.4Vom Erklären des Fremden weg und hin zum Verstehen des Anderen
2.5Transnationale Identitäten
2.6Schlussbemerkungen
3Von der ersten und zweiten Generation zur globalen Jugend
Sandro Cattacin
3.1Einleitung
3.2Plurale Welten der ersten Generationen von Migrierenden
3.3Assimilationsdruck in einer homogenen Welt
3.4Die zweite Generation
3.5Von der Assimilation zum Multikulturalismus
3.6Vom Multikulturalismus zur Gesellschaft der Unterschiede
3.7Herstellen von Verbindungen durch globale Kinder
3.8Schlussfolgerungen
4Religion in pluralistischen Gesellschaften
Sandro Cattacin
4.1Einleitung
4.2Toleranzdiskurse
4.3Religiöser Pluralismus
4.4Neue religiöse Minderheiten: Der Islam
4.5Wissenschaftliche Forschung zum Islam
4.6Islamischer Terrorismus
4.7Rawls Konzept des vernünftigen Pluralismus
4.8Fundamentalismus, Technokratie und ziviler Ungehorsam
4.9Schlussüberlegungen
5Behindertsein und Behindertwerden
Dagmar Domenig
5.1Einleitung
5.2Vom Monster zur normativen Abweichung
5.3Disability Studies: Lehre, Forschung und Praxis
5.4Positiv besetzte Identität als behinderter Mensch
5.5Intersektionaler Ansatz
5.5.1ICF – International Classification of Functioning, Disability and Health
5.6Menschrechtlicher Ansatz: Die UN-Behindertenrechtskonvention
5.7Der Capability-Ansatz
5.8Schlussbemerkungen
Dritter Teil: Ausgrenzungen
1Einleitung zum dritten Teil: Ausgrenzungen
Dagmar Domenig
2Stigma und Ausgrenzung
Sandro Cattacin
2.1Einleitung
2.2Subjektivierung von Erfahrung oder die Identitätsbildung durch Menschenverachtung
2.3Sozialisationszusammenhänge oder das Erlernen von Menschverachtung als Gruppenprozess
2.4Reifizierte Werte oder die Museen des Grauens
2.5Vom Wort zur Handlung
2.6Die verdorbenen Identitäten
2.7Politiken gegen menschenverachtende Haltungen, Ausgrenzungen und Stigmatisierungen
2.8Politiken für ein besseres Zusammenleben jenseits von Ausgrenzung
2.9Schlussbemerkungen
3Menschenfeindlichkeit durch Vorurteile
Beate Küpper
3.1Einleitung
3.2Vorurteile als generalisierte Einstellungen gegen die Anderen
3.3Kognitive Prozesse und begleitende Emotionen auf dem Weg zum Vorurteil
3.3.1Vorurteile als Komplexitätsreduktion
3.3.2Kategorisieren in Eigen- und Fremdgruppe
3.3.3Stereotypisieren
3.3.4Eigengruppenaufwertung durch Fremdgruppenabwertung
3.4Traditioneller, offener versus moderner, subtiler Ausdruck von Vorurteilen
3.5Das Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
3.6Weitere Funktionen von Vorurteilen
3.7Ausmaß an Verletzungen durch Vorurteile
3.7.1Verminderung des Wohlbefindens und sich selbst erfüllende Prophezeiungen
3.7.2Fördern und Rechtfertigung von Diskriminierung
3.7.3Grundlage für schlechte Entscheidungen
3.7.4Hass, Gewalt und Völkermord
3.8Präventions- und Interventionsansätze
3.8.1Aktives Handeln
3.8.2Aufbrechen von vorgefassten Kategorien
3.8.3Betonung von Gemeinsamkeiten
3.8.4Vermitteln von Wissen und Fördern von Empathie
3.8.5Verwendung nichtrassistischer Sprache
3.8.6Fördern gemeinsamer Kontakte
3.9Schlussbemerkungen
4Entmenschlichung und Nichtanerkennung von Behinderung
Bill Hughes
4.1Einleitung
4.2Bestrittenes Menschsein
4.3Entmenschlichung
4.3.1Entzug von Handlungsfähigkeit und Zugehörigkeit
4.3.2Kindstötung
4.3.3Die Mobilisierung des Monsters
4.3.4Wechselbälge
4.3.5Autistische Außerirdische
4.3.6Eugenik im Namen der menschlichen Perfektion
4.3.7Gentechnik
4.4Verleugnung
4.4.1Praktiken der Verdrängung
4.4.2Wohltätigkeit
4.4.3Sünde und Errettung
4.4.4Ekel
4.5Schlussbemerkungen
5Grund- und Menschenrechte im Kontext von Vielfalt
Walter Kälin und Judith Wyttenbach
5.1Einleitung
5.2Grundlage des staatlichen Handelns
5.3Ausgewählte Grundrechte mit Relevanz für das Gesundheitswesen
5.3.1Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung und Recht auf Hilfe in Notlagen
5.3.2Die Sprachenfreiheit
5.3.3Die Religionsfreiheit
5.3.4Das Recht auf Schutz des Privat- und Familienlebens
5.4Grundrechtsbezogene Konflikte
5.5Drei Sphären
5.5.1Die Sphäre des Staatlichen
5.5.2Die Sphäre des Öffentlichen
5.5.3Die Sphäre des Privaten
5.6Schlussbemerkungen
Vierter Teil: Biografische und lebensweltliche Einflussfaktoren
1Einleitung zum vierten Teil: Biografische und lebensweltliche Einflussfaktoren
Dagmar Domenig
2Die soziale Einbettung des Individuums
Dagmar Domenig
2.1Einleitung
2.2Individualismus und Kollektivismus nach Hofstede
2.3Mobile, transnationale Familienkontexte
2.4Vertrauensbildungsprozess in soziozentrierten Kontexten
2.5Somatisierung versus Psychologisierung
2.6Umgang mit Schmerzen
2.7Schlussbemerkungen
3Mädchenbeschneidung
Maya Natarajan
3.1Einleitung
3.2Terminologie und Sprachgebrauch
3.3Definitionen der weiblichen Beschneidung
3.4Vorkommen und Verbreitung
3.5Der Eingriff
3.5.1Der Beschneidungsvorgang
3.5.2Rechtfertigungsdiskurse
3.5.3Folgen für die Gesundheit und Sexualität
3.6Mädchenbeschneidung und internationale Debatten
3.7Umgang mit Mädchenbeschneidungen im Gesundheitswesen
3.8Weiterführende Fragestellungen im Kontext der weiblichen Beschneidung
3.8.1Designer-Vaginas
3.8.2Beschneidung von Jungen
3.8.3Mädchenbeschneidung in Medien und Kampagnen
3.9Schlussbemerkungen
4Traumatisierungen
Catherine Moser
4.1Einleitung
4.2Der Begriff Trauma
4.3Die Entwicklung des Traumakonzepts
4.4Trauma in der psychiatrischen Diagnostik
4.5Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
4.6Weitere Traumafolgestörungen
4.7Medikalisierung komplexer Traumatisierungen
4.8Sequenzielle Traumatisierungen
4.8.1Folter-, Kriegs- und Migrationserfahrungen
4.8.2Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit
4.8.3Folgen sequenzieller Traumatisierungen
4.9Das soziale Leiden traumatisierter Menschen
4.9.1Sprachloses Entsetzen und verkörperter Ausdruck
4.9.2Verluste und Zerstörung
4.9.3Soziale Beziehungen und Sicherheit
4.9.4Wiedererleben, Vergessen und Erinnern
4.10Bewältigungsprozesse bei Traumatisierungen
4.11Schlussbemerkungen
5Migrationskinder
Andrea Lanfranchi
5.1Einleitung
5.2Die Vielfalt als Normalfall
5.3Migrationsgründe und Einreisealter
5.4Vom ausländischen Kind zum Migrationskind
5.5Vorschulalter – Lücken im Präventionsbereich
5.6Schulalter – Bedeutung des Schulerfolgs für die gesellschaftliche Integration
5.7Exkurs: Seelisches Grenzgängertum bei Kindern und Jugendlichen
5.8Jugendalter – Vom Kulturkonflikt zur Konfliktkultur
5.9Aufbau bezogener Individuation und komplexer Identitäten
5.10Entwicklungsszenarien bei Migrationsjugendlichen
5.11Vertrauensbildungsprozesse mit den Eltern von Migrationskindern
5.12Schlussbemerkungen
6Altern als Spiegelbild pluralisierter Lebensläufe und am Beispiel Migration
Hildegard Hungerbühler
6.1Einleitung
6.2Demenz als gesellschaftliche und individuelle Herausforderung
6.3Das Active-Ageing-Konzept als Retter in der Not?
6.4Auch die Migrationsbevölkerung wird älter
6.5Vielfältige Migrationsbiografien – Vielfältiges Altern
6.5.1Migrationsursachen
6.5.2Arbeitsmigrantinnen und -migranten
6.5.3Flüchtlinge
6.5.4Rückkehr, Pendeln oder Bleiben – Vielfältige Altersperspektiven?
6.6Materielle, soziale und gesundheitliche Situation
6.7Vielfalt der Bedürfnisse – Vielfalt an Pflege- und Betreuungsmodellen
6.8Migrationsnetzwerke als soziale Heimat und kollektive Ressource im Alter
6.9Ausgewählte Beispiele einer guten Praxis
6.10Schlussbemerkungen
Fünfter Teil: Gesundheitsversorgung in komplexen Kontexten
1Einleitung zum fünften Teil: Gesundheitsversorgung in komplexen Kontexten
Dagmar Domenig
2Medizinanthropologische Konzepte
Dagmar Domenig
2.1Einleitung
2.2Der interpretative Ansatz
2.3Gesundheitssysteme
2.4Kranksein und Krankheit im klinischen Kontext
2.5Erkrankung: Die soziale Ebene
2.6Erklärungsmodell nach Arthur Kleinman
2.7Laienkonzepte über Krankheitsursachen
2.8The Mindful Body
2.9Chronisches Kranksein in der alltäglichen Lebenswelt
2.10Die Bedeutung der Narration im Prozess des Krankseins
2.11Ethnografie der Erfahrung
2.12Globale Gesundheit
2.13Schlussbemerkungen
3Gesundheitsversorgung von Frauen und Männern mit Migrationserfahrung
Theda Borde und Matthias David
3.1Einleitung
3.2Geschlecht, Gesundheit und Migration
3.3Die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Migrationserfahrung
3.3.1Ein Rückblick
3.3.2Verständigung und Kommunikation
3.3.3Migrationsspezifische Gesundheitsrisiken und -ressourcen
3.3.4Anspruch, Zugang und Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung
3.4Frauen mit Migrationserfahrung im Gesundheitssystem
3.4.1Schwangerschaft und Geburt im Migrationskontext
3.4.2Gesundheitsversorgung geflüchteter Frauen
3.5Forschung und Entwicklung
3.6Schlussbemerkungen
4Begleitung im Spital von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
Anna Weber
4.1Einleitung
4.2Spezifische Gesundheitsbedürfnisse und Krankheitsbilder von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
4.3Versorgungslücken und Gefahr von Benachteiligungen
4.4Rollen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der verschiedenen Akteure
4.5Informationsfluss und interinstitutionelle Planung
4.5.1Spitaleintritt und Aufnahmeverfahren
4.5.2Austrittsplanung und Nachbehandlung
4.5.3Datenschutz
4.6Interaktion und Kommunikation im Spital
4.6.1Interaktionsprozess
4.6.2Personenzentrierte Kommunikationsstrategien und Kommunikationshilfen
4.6.3Einverständniserklärung und Entscheidungskompetenzen bei medizinischen Maßnahmen
4.7Anpassung von Prozessen und Strukturen
4.8Schlussbemerkungen
5Psychische Störungen im Migrationskontext
Agorastos Agorastos, Isgard Ohls, Cüneyt Demiralay und Christian Haasen
5.1Einleitung
5.2Migrationsspezifische Stressoren, Coping-Mechanismen und Ressourcen
5.3Beurteilungen von psychischen Störungen im Migrationskontext
5.4Leitlinien für die Diagnostik psychischer Syndrome bei Migrantinnen und Migranten
5.4.1Depression
5.4.2Angst
5.4.3Somatisierung
5.4.4Psychotische Störungen
5.4.5Sucht
5.5Kulturgebundene Syndrome
5.6Sprache in Diagnostik und Therapie
5.7Religiöse Aspekte
5.8Schlussbemerkungen
6Pflege- und Versorgungsprozess in komplexen Kontexten
Jürgen Georg
6.1Einleitung
6.2Versorgungsprozess für vulnerable Gruppen
6.3Der Pflegeprozess
6.3.1Pflegeassessment
6.3.1.1Pflegeassessmentformen
6.3.1.2Transkulturelles Pflegeassessment – Fallstricke
6.3.1.3Transkulturelles Pflegeassessment – Kriterien
6.3.1.4Transkulturelles Pflegeassessment – Selbstreflexion
6.3.1.5Transkulturelles Pflegeassessment – Vorbereitung
6.3.1.6Vom transkulturellen zum transkategorialen Assessment
6.3.1.7Transkulturelles und transkategoriales Assessment und Pflegediagnosen
6.3.1.8Ausblick
6.3.2Pflegediagnosen
6.3.2.1Pflegediagnosen definieren
6.3.2.2Pflegediagnosen erstellen
6.3.2.3Pflegediagnosen im Kontext Migration und Behinderung
6.3.2.4Pflege-/Medizindiagnosen und interdisziplinäre Probleme
6.3.2.5Pflegediagnosen, -interventionen und -ergebnisse
6.3.3Versorgungs-, Pflegeprozesse und Kompetenzen
6.4Schlussbemerkung
Sechster Teil: Kommunikation
1Einleitung zum sechsten Teil: Kommunikation
Dagmar Domenig
2Die Bedeutung des Nonverbalen in der Kommunikation
Andreas Altorfer und Marie-Louise Käsermann
2.1Einleitung
2.2Nonverbale Gegebenheiten als Aspekte der Erscheinung und des Verhaltens in Situationen
2.2.1Überblick
2.2.2Besondere Merkmale
2.2.3Bedeutung für die praktische Arbeit
2.3Das Verhältnis von nonverbalem Informieren zu nonverbalem Kommunizieren
2.3.1Überblick
2.3.2Besondere Merkmale
2.3.3Bedeutung für die praktische Arbeit
2.4Das Verhältnis zwischen nonverbalen und verbalen Mitteln der Kommunikation
2.4.1Überblick
2.4.2Besondere Merkmale
2.4.3Bedeutung für die praktische Arbeit
2.5Zielgerichtetheit und Ziele von nonverbalen und verbalen Äußerungen
2.5.1Überblick
2.5.2Besondere Merkmale
2.5.3Bedeutung für die praktische Arbeit
2.6Nonverbale Kommunikation und transkulturelles Verhalten
2.7Schlussbemerkungen
3Körper und Leib in der Kommunikation
Charlotte Uzarewicz und Michael Uzarewicz
3.1Einleitung
3.2Theoretische Grundlagen
3.2.1Mary Douglas: Der Körper als Träger von Symbolen
3.2.2Pierre Bourdieu: Inkorporierte Geschichte und Habitus
3.2.3Erving Goffman: Interaktion von Körpern
3.2.4Michel Foucault: Der Körper als Diskursprodukt
3.2.5Judith Butler: Der Körper als Medium und Objekt von Kommunikation
3.2.6Hermann Schmitz: Die zusätzliche Dimension des Leibes
3.3Leib und Körper in Kommunikation
3.3.1Begriff der Leiblichkeit
3.3.2Leibliche Kommunikation
3.3.3Bewegungssuggestionen und Gestaltverläufe als leibliche Kommunikation
3.3.4Einleibung als Beispiel leiblicher Kommunikation
3.4Schlussbemerkungen
4Unterstützte Kommunikation
Gabriela Antener
4.1Einleitung
4.2Personenkreis: Steigende Zahlen und zunehmende Vielfalt
4.3An individuelle Bedürfnisse angepasste Kommunikationssysteme
4.3.1Multimodalität
4.3.2Körpereigene Kommunikationsformen
4.3.3Technische Hilfen
4.3.4Zeichen
4.3.5Techniken
4.3.6Kommunikationsstrategien
4.4Besonderheiten der Gesprächssituation
4.4.1Erschwerte Bedingungen
4.4.2Atypisches Rollenverhalten
4.4.3Reduzierte Kommunikationsgeschwindigkeit
4.4.4Eingeschränktes Vokabular
4.4.5Veränderte oder fehlende nonverbale Signale
4.4.6Mangel an Erfahrungen mit kommunikativen Regeln
4.4.7Unangemessene Reaktionen der Kommunikationspartnerinnen und -partner
4.5Mit UK mehr Partizipation ermöglichen
4.6Schlussbemerkungen
5Qualifiziertes Dolmetschen
Rahel Stuker und Dagmar Domenig
5.1Einleitung
5.2Kommunikationsstrategien
5.2.1Einsatz von Hilfsmitteln
5.2.2Private Übersetzungshilfen
5.2.3Laiendolmetschende
5.2.4Telefondolmetschdienst
5.2.5Videodolmetschen
5.3Hindernisse beim Einsatz von qualifizierten Dolmetschenden
5.4Qualifizierte Dolmetschende vor Ort
5.5Zusammenarbeit mit qualifizierten Dolmetschenden
5.5.1Anwesenheit einer dritten Person
5.5.2Dolmetschgespräch als Chance
5.5.3Dolmetschgespräch als Herausforderung
5.5.4Rolle der Dolmetschenden
5.6Qualifikationen der Dolmetschenden
5.7Das Dolmetschgespräch
5.7.1Vorbereitungen
5.7.2Das Vorgespräch
5.7.3Während des Gesprächsverlaufs
5.7.4Das Nachgespräch
5.8Finanzierung von Dolmetschleistungen
5.9Schlussbemerkungen
Siebenter Teil: Vermittlung der transkategorialen Kompetenz in Ausbildung und Praxis
1Einleitung zum siebten Teil: Vermittlung der transkategorialen Kompetenz in Ausbildung und Praxis
Dagmar Domenig
2Das Konzept der transkategorialen Kompetenz
Dagmar Domenig
2.1Einleitung
2.2Zum Begriff der transkategorialen Kompetenz
2.3Strategien gegen Verunsicherungen
2.4Drei Pfeiler transkategorialer Kompetenz
2.4.1Selbstreflexivität
2.4.2Narrative Empathie
2.4.3Hintergrundwissen und Erfahrungen
2.5Personenzentrierte Versorgung
2.6Stigmatisierungen
2.7Schlüsselqualifikationen transkategorialer Kompetenz in der Lehre
2.8Transkategoriale Kompetenz in der Praxis: Das Anamnesegespräch
2.9Vermittlung transkategorialer Kompetenz
2.10Schlussbemerkungen
3Transkategoriale Kompetenzerweiterung
Annette Sprung
3.1Einleitung
3.2Entwicklung pädagogischer Differenzdiskurse
3.3Kritische Perspektiven
3.4Individuelle Kompetenz – Institutionelle Bedingungen
3.4.1Eigenverantwortliches Lernen
3.4.2Öffnung der Angebote der Regelversorgung
3.4.3Diversity Management
3.4.4Abbau institutioneller Diskriminierung
3.4.5Grundsätzliche Probleme im Kontext von Diversitäts- und Öffnungsstrategien
3.5Schlussbemerkungen
4Vermittlung transkategorialer Kompetenz
Karl Stanjek
4.1Einleitung
4.2Kompetenzen vermitteln und erwerben
4.3Lebensweltorientierung
4.3.1Lebenswelt ist Lebenswirklichkeit
4.3.2Lebenswelt prägt Identität
4.3.3Berufsidentität entwickeln
4.3.4Lebenswelten gestalten
4.4Umsetzungsmöglichkeiten
4.4.1„Kompetenzen im Lernfeld erwerben“ als Unterrichtseinheit in einer Fachschule für Sozialpädagogik
4.4.2„Meine Lebenswelt – Menschen mit Behinderungen als Expertinnen und Experten in eigener Sache“
4.4.3Türöffner für Geflüchtete in die Zukunftsbranche Pflege
4.5Bedingungen und Methoden für die Vermittlung
4.6Schlussbemerkungen
Angaben zur Herausgeberin
Angaben zu den Autorinnen und Autoren
Abbildungsverzeichnis
Sachwortverzeichnis
Foto: Sandro Cattacin

Geleitwort

Unsere Welt, unsere Gesellschaft wird immer komplexer. Das erfahren wir auch beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) als humanitärer Hilfsorganisation, die im Ausland und Inland mit immer wieder anderen, auch neuen Frage- und Problemstellungen der Menschheit konfrontiert wird. Damit einhergehend wächst die Herausforderung, die sich immer rascher wandelnde Wirklichkeit konzeptuell zu fassen und begrifflich abzubilden und sie bei wiederum gleichzeitiger Sensibilisierung für die laufenden Veränderungen zu leben. Bisher gültige Denkmodelle und Erkenntnisse werden von neuen gesellschaftlichen Entwicklungen lokaler oder globaler Ausprägung überholt. Konzepte, die für längere Zeit ihre Gültigkeit hatten, helfen heute unter Umständen nur noch beschränkt oder nicht mehr, die aktuellen Entwicklungen zu erklären und zu verstehen. Dies gilt auch für die Diskussion zum Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit. Diversität gehört heute zwar zunehmend zur gesellschaftlichen Normalität, aber auch im Gesundheits- und Sozialbereich tun wir uns mit dem Umgang damit häufig schwer. Die vorliegende Publikation bietet dazu den Fachkräften und weiteren Interessierten eine wertvolle Orientierungshilfe.

In einer Welt, die von einem rasanten wirtschaftlichen, technologischen, politischen und sozialen Wandel erfasst ist, wandeln sich auch die Menschen selbst. Ihre Vielfältigkeit, ihre Verschiedenheit nehmen zu. Die Pluralisierung von Lebensläufen ist heute zunehmend der Normalfall. Am Beispiel des Lebensabschnitts Alter, einem Schwerpunktthema des Schweizerischen Roten Kreuzes, kann aufgezeigt werden: War Alter noch vor 50 Jahren ein weitgehend normierter Lebensabschnitt, hat seither die Pluralisierung der Lebensläufe und somit spiegelbildlich auch die Vielfältigkeit des Alters als gesellschaftliches Phänomen stark zugenommen. Dennoch halten sich gewisse Altersstereotype hartnäckig aufrecht. Das Versorgungs-, Pflege- und Betreuungssystem orientiert sich nach wie vor an vermeintlich normierten Situationen und Bedürfnissen älterer Menschen.

Die Komplexität der Herausforderungen wird mit identitären Kategorien und Zuschreibungen, welche die menschliche Vielfalt ordnen und vereinfachen, überschaubarer und somit strategisch und politisch planbar. Die Menschheitsgeschichte zeigt uns, wie immer wieder neue Identitäts- und Diversitätspolitiken entworfen und umgesetzt wurden und noch immer werden. Darunter gibt es historisch gute, aber auch schlechte und für viele Menschen leidvolle Beispiele. Jede Identitäts- und Diversitätspolitik birgt auch die Gefahr, als unbeabsichtigten Nebeneffekt des Einschlusses der einen Kategorie(n) neuen Ausschluss anderer Kategorien und somit neue Diskriminierung(en) zu erzeugen. Kategorien der Vielfalt können also auch zu Diskriminierungen und sozialem Ausschluss führen. Die Analyse der Merkmale von Differenz, Verschiedenheit oder des Andersseins bedingt zwingend die Auseinandersetzung mit Ungleichheiten und gesellschaftlicher Chancenungleichheit. Und wir benötigen eine transkategoriale Reflexion, eine transkategoriale Kompetenz im beruflichen Umgang mit Vielfalt, gerade auch im Gesundheits- und Sozialbereich.

Die vorliegende Publikation thematisiert die notwendig gewordene Wende im Denken, Verstehen und Handeln: zum einen in der Diskussion von Konzepten und zum andern im konkreten professionellen Umgang mit menschlicher Vielfalt und Verschiedenheit im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. So ist es heute beispielsweise unabdingbar, Begriffe wie Migration und Integration konzeptuell anders zu fassen als es lange Zeit üblich war: Migration etwa als menschliche Mobilitätsstrategie, die dem globalen System mit seiner ungleichen Verteilung von Wohlstand, Sicherheit und Stabilität immanent ist und daher den Normal- und nicht den Sonderfall darstellt. Integration nicht als Anpassung sondern als vollständige Inklusion im Sinne der politischen und gesellschaftlichen Ermöglichung von Partizipation und Mitgestaltung. Wir benötigen also einen Paradigmenwechsel auf verschiedenen Ebenen, etwa von der Migrations- zur Mobilitätsperspektive, von der Definition gesellschaftlicher Zugehörigkeit über die nationalstaatliche Identität zur Perspektive der multiplen Identität und somit der multiplen und urbanen Staatsbürgerschaft, von der Überfremdungs- zur Innovationsperspektive, von der Asylpolitik zur Entwicklungszusammenarbeit, um in Anlehnung an den Beitrag von Sandro Cattacin in diesem Buch nur einige zu nennen.

Das vorliegende umfassende Werk leistet einen Beitrag, um gesellschaftlichen Dynamiken in einer pluralisierten Welt auf die Spur zu kommen, um die Realität, die in der Differenz zur Normalität geworden ist, besser zu verstehen. Dabei aktualisiert die vorliegende Publikation nicht nur die 2. Auflage des Lehrbuchs „Transkulturelle Kompetenz“, die 2007 erschienen ist. Vielmehr erweitert sie den Horizont um die Intersektionalität. Damit geht die Herausgeberin weit über den in den bisherigen Lehrbüchern entwickelten und seither auch in der Praxis des Gesundheits- und Integrationsbereichs – so auch beim Schweizerischen Roten Kreuz – etablierten Ansatz der Transkulturellen Kompetenz hinaus. Dies, indem sie die Perspektive von der Migration und der Zielgruppe Migrantinnen und Migranten auf weitere Identitäts- beziehungsweise Diversitätskategorien wie Alter, Geschlecht, Behinderung oder kognitive Beeinträchtigung öffnet.

Ich bin überzeugt, dass auch dieses Lehrbuch für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe in Fachkreisen auf großes Interesse stoßen wird. Eine vielfältige ausgewiesene Autorenschaft aus unterschiedlichsten Disziplinen lädt zum kritischen Reflektieren und Diskutieren aktueller Denk- und Erklärungsmodelle ein und stellt innovative Ansätze und neue Perspektiven der Dynamiken einer pluralisierten (Welt-)Gesellschaft vor.

„Für einen respektvollen und menschenwürdigen Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit im Gesundheits- und Sozialwesen“ lautet das zentrale Anliegen der vorliegenden Neuerscheinung. Würdigung von und Respekt vor menschlicher Diversität sind auch ein zentrales Anliegen und ein bedeutender Grundsatz im Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes als Teil der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Sie liegen mir als Direktor des SRK sowie auch persönlich sehr am Herzen. In der weltweiten Idee und humanitären Praxis des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds hat jedes Menschenleben denselben Wert und dieselben Rechte, unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft und Überzeugung. Je mehr Chancengleichheit und Förderung der Gleichstellung, desto mehr Menschlichkeit, so der oberste Rotkreuzgrundsatz. Auf der Basis dieses Gedankens, der sich auch in den folgenden Texten entdecken lässt, empfehle ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, diese Publikation wärmstens und wünsche eine spannende und für Ihr berufliches Wirken inspirierende Lektüre.

Bern, im August 2019

Markus Mader

Direktor Schweizerisches Rotes Kreuz

Foto: Sandro Cattacin

Einleitendes Vorwort

Die 3. Auflage des damals noch im Verlag Hans Huber erschienenen Lehrbuchs „Transkulturelle Kompetenz – Lehrbuch für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe“ wurde nicht nur thematisch um Behinderung und andere Kategorien mit einem Diskriminierungsrisiko erweitert, sondern auch völlig neu strukturiert. Zudem konnte ich elf neue Autorinnen und Autoren gewinnen, neben den bisherigen 16 Autorinnen und Autoren, die ihre Kapitel zum Teil ganz neu geschrieben oder zumindest aktualisiert haben. Auch habe ich mehrere Kapitel vollständig überarbeitet, Kapitel der 2. Auflage von anderen Autorinnen übernommen und neu geschrieben – wie das Kapitel zum Kulturbegriff oder zur Medizinanthropologie – oder deren Überarbeitung übernommen, wie das Kapitel zum qualifizierten Dolmetschen. Einige der Kapitel aus der 2. Auflage haben in diese Auflage keinen Eingang gefunden. So ist ein umfassendes neues Werk zustande gekommen, das nun vom Hogrefe Verlag (ehem. Verlag Hans Huber) publiziert wird.

Die hauptsächliche Änderung ist dabei inhaltlicher Art, nämlich, wie es schon der Buchtitel besagt, die transkategoriale Ausweitung des Begriffs der transkulturellen Kompetenz. Setzten sich die 1. und 2. Auflage ausschließlich mit Themen der Migration und dem Umgang von Fachpersonen mit der entsprechenden Zielgruppe auseinander, beschäftigt sich die vorliegende Publikation mit der Intersektionalität beziehungsweise mit den Kategorien von Diskriminierungen, die aufgrund unterschiedlicher Dimensionen – wie beispielsweise Migration und Behinderung – auch zu Mehrfachdiskriminierungen führen können. Bezugnehmend auf den von Kimberlé Crenshaw Anfang der 1990er-Jahre konzipierten Begriff der Intersektionalität (Crenshaw, 1991), wird in diesem Lehrbuch versucht, Diskriminierung und deren Auswirkungen in der Praxis des Gesundheits- und Sozialwesens nicht nur im Migrationskontext zu untersuchen, sondern gleichermaßen auch in Bezug auf andere Kategorien – wobei hier der Fokus neben Migration neu auch auf Behinderung gerichtet wird. Dies nicht, weil nur Migration und Behinderung und deren Kombination zu Diskriminierungen führen können, sondern weil diese exemplarisch auch für andere Kategorien, wie Gender, sexuelle Orientierung, Alter, krankheitsbedingte Beeinträchtigungen usw. stehen sollen. Denn es soll eben gerade nicht darum gehen, jede Kategorie einzeln abzuhandeln, mit dem Ziel entsprechende Spezialisierungen zu fördern, sondern den Blick aufs Ganze zu schulen: Inwiefern hängen die Pluralisierung unserer Gesellschaften und Verschiedenheit zusammen? Warum führt das Anderssein zu Diskriminierungen? Welche Folgen haben Diskriminierungen für den einzelnen Menschen? Was können wir als Fachpersonen solchen Ausgrenzungen im Gesundheits- und Sozialwesen entgegensetzen? Und wie tun wir das am besten? Solche und andere Fragen werden in diesem Buch behandelt.

Der Begriff transkategorial soll dabei – gleichermaßen wie der Begriff transkulturell – darauf verweisen, dass es nicht darum geht, Menschen nun statt mit der Migrationsbrille nur noch durch die Kategorienbrille zu betrachten. Vielmehr geht es auch hier darum, über die verschiedenen Kategorien hinaus ganz im Sinne der Bedeutung von trans den Menschen ins Zentrum der Behandlung, Pflege und Begleitung zu stellen und sich ausschließlich an dessen individuellen Bedürfnissen und Bedarf zu orientieren. Das Wissen über Kategorien, über Differenzen, über das Anderssein, über Stereotypisierungen und Vorurteile, über plurale Gesellschaften, über Kommunikation in unterschiedlichen Kontexten usw. dient allein dazu, das individuelle Gegenüber mit seinem Umfeld, im gegebenen Kontext und in einer spezifischen Situation besser zu verstehen, seine Äußerungen und Handlungen richtig zu interpretieren und dementsprechend daran auch Interventionen auszurichten.

Der Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit im Gesundheits- und Sozialwesen ist heutzutage nicht nur Herausforderung, sondern auch Aufforderung, sich dem zu stellen, was pluralen Gesellschaften immanent ist: das Anderssein als Normalität und nicht als Ausnahme, das Individuelle und nicht das Universelle als Standard sowie die Haltungsänderung und nicht das leicht vermittelbare Wissen als oberstes Prinzip. Doch Voraussetzung dafür sind Grundlagenkenntnisse über gesellschaftliche Dynamiken im Pluralismus, wovon der erste Buchteil handelt, indem diese Dynamiken aus ökonomischer, demografischer, mobiler und bürgerrechtlicher Perspektive behandelt werden. Kern pluraler Gesellschaften sind die zunehmend flüchtigen Kategorien, (fast) nichts mehr ist antizipierbar, vieles ist unsicher und ungewiss, alles ist im Wandel oder – so Zygmunt Bauman (2000) – verflüssigt sich, noch bevor es Form annehmen konnte. Darum geht es im zweiten Buchteil, indem wir die Kategorien fremde Kulturen, Migration, Religion und Behinderung historisch einordnen und zumindest teilweise auch dekonstruieren. Doch Menschen, die verschieden oder schlicht anders sind, werden nach wie vor ausgegrenzt und stigmatisiert, auch wenn der Maßstab, an dem sich das Normale misst, eigentlich in Auflösung begriffen ist. Diesem Thema nähern wir uns im dritten Buchteil an, indem wir uns mit Stigma und Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und Entmenschlichung von Behindertsein, aber auch mit den diese begrenzenden Grund- und Menschenrechten befassen. Im vierten Buchteil werden Einblicke in verschiedene Lebenswelten gewährt, einschließlich von Faktoren mit negativem Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Auch hier soll der Blick dafür geschult werden, was neben dem offensichtlichen Problem auch sonst noch Menschen und somit auch die Interaktion mit Fachpersonen sowie die Behandlung, Pflege und Begleitung beeinflusst. Dabei geht es auch hier nicht um abschließende Aufzählungen, sondern um das Aufzeigen von Möglichkeiten, wie exemplarisch die unterschiedliche soziale Einbettung des Individuums oder der Umgang mit Altern. Indem hier auch komplexe Themen wie Lebenswelten von Migrationskindern, aber auch die Mädchenbeschneidung oder Traumatisierungen aufgegriffen werden, soll zudem ein Beitrag zu mehr Verständnis gegenüber Menschen mit schwierigen Erfahrungen geleistet werden. Im fünften Buchteil geht es dann – nach einer Einführung in medizinanthropologische Konzepte – konkret um die Gesundheitsversorgung mit einem Fokus auf Menschen mit Migrationserfahrung und/oder einer Behinderung. An konkreten Beispielen werden Problematiken in der Gesundheitsversorgung aufgezeigt und wie sie – mit einem professionellen Pflege- und Versorgungsprozess – überwunden werden können. Voraussetzung jeder erfolgreichen Interaktion im professionellen Kontext ist eine gute Kommunikation. Wie diese auch unter schwierigen Voraussetzungen gelingen kann, davon handelt der sechste Buchteil, indem unter anderem Empfehlungen zur nonverbalen und leiblichen Kommunikation auf der einen Seite und zum Umgang mit Leichter Sprache bei Menschen mit eingeschränkter Lautsprache sowie zum Einsatz von qualifizierten Dolmetschenden andererseits gegeben werden. Abschließend widmen wir uns im siebten Buchteil der Vermittlung der transkategorialen Kompetenz in der Lehre und Praxis. Hier werde ich auch die Entwicklung von der transkulturellen zur transkategorialen Kompetenz ausführlich herleiten. Die einzelnen Kapitel werden in den Einleitungen zu den jeweiligen Buchteilen detailliert vorgestellt und verortet.

Da es sich um ein Lehrbuch handelt, habe ich erneut versucht, das Buch redaktionell so zu bearbeiten, dass möglichst einheitliche Begrifflichkeiten im Buch vorkommen und das Prinzip der Transkategorialität als Leitmotiv möglichst durchgehend aufgenommen wird. So haben verschiedene Autorinnen und Autoren auch immer wieder versucht, nicht nur eine Kategorie, wie Migration, Behinderung, Kinder, Alter, psychische Beeinträchtigung usw., in ihrem Beitrag zu beleuchten, sondern Querverweise auf andere Kategorien oder deren Schnittmengen zu machen. Zudem gibt es erneut in allen Kapiteln Übungen, die die Selbstreflexion sowohl in der Lehre als auch in der Praxis anregen sollen. Ebenso werden die Texte durch diverse Fallbeispiele, Exkurse und Begriffsklärungen in Kästen aufgelockert. Ich habe weiter versucht, eine Form gendergerechter Sprache zu wählen, die auf letztlich schwerfällige große I oder andere Formen von Zeichensprache (/, _) verzichtet, mich dabei aber aus gleichen Gründen auch entschieden, auf die derzeit in zunehmendem Maße verwendeten Asteriske (*) zu verzichten. Es ist mir bewusst, dass ich damit trotz des transkategorialen Ansatzes in Bezug auf Geschlechtsidentitäten zwei sich ebenfalls in Auflösung begriffene Kategorien wie Mann und Frau reproduziere. Wenn möglich versuchte ich daher, neutrale Formen wie Zugewanderte, Arbeitskräfte, Menschen oder Personen zu wählen.

Die einzelnen Kapitel werden jeweils durch ein Bild getrennt. Diese Bilder erzählen auf eindrückliche Weise komplexe Geschichten von Anderssein und Verschiedenheit. Ein Teil dieser Bilder wurde mir freundlicherweise von Gabriele Schärer, der Frau des 2015 verstorbenen Fotografen Peter Dammann, zur Verfügung gestellt (https://dammann-lookat.ch). Die anderen Bilder durfte ich aus dem privaten Fotofundus von Sandro Cattacin auswählen. Beiden sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

Sandro Cattacin hat nicht nur Bilder zur Verfügung gestellt, sondern ebenso am Buchkonzept aktiv mitgewirkt und wertvolle Unterstützung bei der Gewinnung neuer Autorinnen und Autoren geleistet. Dabei konnten wir konzeptuelle Fäden weiterspinnen, die wir bereits in der gemeinsamen Publikation „Gerechte Gesundheit. Grundlagen – Analysen – Management“ – ebenfalls bei Hogrefe erschienen – aufgenommen hatten. Insbesondere die Diskussion um Intersektionalität und um deren Weiterentwicklung hin zur transkategorialen Kompetenz habe ich hauptsächlich mit ihm geführt. Ebenso hat Cattacin zusätzliche Kapitel übernommen, wenn jemand wieder ausgestiegen ist oder ich niemanden für ein bestimmtes Thema finden konnte. Auch dafür geht ein großes Dankeschön an ihn!

Jürgen Georg vom Hogrefe Verlag hat mir über die letzten Jahre immer wieder tatkräftig zur Seite gestanden, damit dieses große Werk überhaupt zu Ende gebracht werden konnte. Er hat jederzeit an mich geglaubt und meine Entwicklung weg vom Transkulturellen hin zum Transkategorialen von Anfang an unterstützt. Dafür danke ich ihm herzlich! Ebenso danke ich Michael Herrmann für das wie immer umsichtige und akkurate Lektorat.

Letztlich möchte ich mich auch beim Präsidenten der Stiftung Arkadis, Daniel Menzi, sowie meinem Geschäftsleitungsteam, Jeanette Aegerter, Stephan Egloff, Hildegard Rapprich, Monika Odermatt, Markus Maucher und Urs Schäfer, von Herzen bedanken. Sie haben mich nicht nur verständnisvoll unterstützt, wenn meine Ferien, Wochenenden und Freitage nicht wirklich zur Erholung dienten und es mir vielleicht nicht immer gelang, trotzdem erholt zu wirken. Weiter haben sie es mir ermöglicht, mich neuen Erfahrungen zu öffnen, diese auch in dieses Lehrbuch einfließen zu lassen und insbesondere im Rahmen der jährlich stattfindenden nationalen Arkadis-Fachtagungen und der daraus entstandenen Fachbücher mit mir gemeinsam immer wieder neue Aspekte im Themenbereich Behinderung zu erschließen. Die Weiterentwicklung in Richtung Transkategorialität ist letztlich auf diesem Boden gediehen.

Olten, im Juli 2021

Dagmar Domenig

Literatur

Bauman, Z. (2000). Liquid Modernity. Cambridge, MA: Polity Press.

Crenshaw, K. (1991). Mapping the Margins: Intersectionality, Identity Politics, and Violence against Women of Color. Stanford Law Review, 43(6), 1241 – 1299.

Domenig, D. & Cattacin, S. (2015). Gerechte Gesundheit. Grundlagen – Analysen – Management. Bern: Hogrefe.

Hinweise zu Zusatzmaterialen

Zwei Grafiken zum transkategorialen Assessment und zum Versorgungs- und Pflegeprozessmodell für transkategoriales Assessment und Pflege können kostenfrei über unsere Internetseite nach erfolgter Registrierung abgerufen werden.

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Erster Teil:Gesellschaftliche Dynamiken im Pluralismus

Foto: Sandro Cattacin

1Einleitung zum ersten Teil:Gesellschaftliche Dynamiken im Pluralismus

Dagmar Domenig

Im Gesundheits- und Sozialwesen begegnen Fachpersonen Patientinnen oder Klienten beziehungsweise Nutzenden, die sich nicht mehr einfach klassifizieren, einordnen oder zuordnen lassen. Sie alle bewegen sich heute in pluralisierten Gesellschaften, die Lebenswelten weit ab von einheitlichen, vorauszusagenden Mustern prägen. Das macht die Interaktion im professionellen Kontext komplex und herausfordernd, aber auch spannend; denn nicht das, was ich meine zu sehen, ist relevant, sondern das, was für das Gegenüber in der jetzigen Situation, im aktuellen Kontext wirklich auf dem Spiel steht. Ziel, dieses Buchteils ist es, Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich in diese komplexen Lebenswelten einzuführen und möglichst viele Aspekte zu beleuchten, die unsere Lebenswelten in der heutigen Zeit beeinflussen. Damit nähern wir uns von allen Seiten dem Thema der transkategorialen Kompetenz, die weit über einzelne Kategorien möglicher Diskriminierungen hinausweist, hin auf komplexe Identitäten in pluralen Lebenswelten.

Am Anfang dieses Lehrbuchs steht somit die Beleuchtung gesellschaftlicher Dynamiken im Pluralismus. Damit beschäftigen wir uns mit gesellschaftlichen Bedingungen aus unterschiedlichen Perspektiven, die das Leben komplexer Identitäten, insbesondere benachteiligter, vulnerabler Menschen besonders prägen. Diesen Dynamiken können wir uns in der Behandlung, Pflege und Begleitung dieser Menschen nicht einfach entziehen, denn sie prägen deren Lebenswelten und verunsichern uns in der Beurteilung konkreter Situationen, gerade weil wir uns hier auf einer Ebene bewegen, die sich kaum durch Fachpersonen beeinflussen lässt. Und doch dürfen wir diese Dynamiken des Pluralismus nicht einfach außer Acht lassen, im Gegenteil: Wir sollten uns damit auseinandersetzen, um letztlich Nutzende besser zu verstehen. Doch was bedeutet Pluralismus? Richard Münch beispielsweise beschreibt den Pluralismus wie folgt:

„Die Besonderheit dieses weltweiten Pluralismus besteht darin, dass er tendenziell nicht Nationen voneinander trennt, sondern quer zu den Nationen verläuft. Gleichzeitig wird ein immer größerer Teil der Pluralität für die einzelnen Individuen verfügbar, so dass sich die Spielräume ihrer Selbstentfaltung und Individualisierung vergrößern. Die Bürger Europas kommen sich insofern durch ihre Emanzipation von nationalen Identitäten und ihre entsprechende Individualisierung näher, was sie aber nicht exklusiv miteinander verbindet, weil sie sich gleichzeitig auch den Nicht-Europäern durch Individualisierung öffnen.“ (Münch, 2010, S. 8)

Diese Entwicklung weg von nationalstaatlich konstruierten Identitäten, die anderes ausgrenzen, hin zu einem zu Nationen querstehenden Pluralismus, der alle Menschen in dem Sinne vereint, dass sie individuell etwas Einzigartiges sind und sein dürfen, ist der Kern dieser Dynamiken. Dabei befreie der Pluralismus die Menschen aus primordialen Fesseln, so Münch weiter, verlange aber auch von ihnen, allen „diese Chancen zu gewähren, sich zu öffnen, Toleranz zu üben und von anderen zu lernen“. Ziel sei es, die „Unterscheidung zwischen dem Eigenen und dem Fremden aufzuheben“. (Münch, 2010, S. 24). Dies ist natürlich ein hehres Ziel, das leider noch kaum der Realität entspricht. Doch die damit verbundenen Dynamiken sind überall sichtbar, insbesondere auch der Widerstand gegen diese Offenheit und Toleranz. Gemäß Münch führt dann eben dieser Widerstand – neben Integrationsfortschritten – auch zu Desintegrationserscheinungen in der Gesellschaft. Und doch zeigt die Entwicklung in Richtung eines zunehmenden Pluralismus und zwar gemäß Münch unter anderem auf der Basis von Menschenrechten, der Rechtsprechung internationaler und nationaler Gerichte sowie von Aktivitäten der Menschenrechtsorganisationen (Münch, 2010, S. 24).

Somit haben sich auch Gesundheits- und Sozialorganisationen diesem zunehmenden Pluralismus zu stellen und ihre Angebote entsprechend auszurichten, weg von sozusagen einem Angebot für alle, hin zu vielen Angeboten für viele Verschiedene und zur Fähigkeit, pluralen Lebenswelten nicht nur respektvoll entgegenzutreten, sondern deren Dynamiken auch besser zu verstehen.

Im ersten Kapitel widmet sich Sandro Cattacin dem ökonomischen Flexibilismus und seinen Folgen, insbesondere der Entstehung der heutigen flexibilisierten Wirtschaft als eine der Dynamiken im gesellschaftlichen Pluralismus. Dabei zeichnet er das Spannungsfeld zwischen einem ungezähmten Kapitalismus auf der einen Seite und der Einlösung sozialer Rechte und dem Schutz von Arbeitnehmenden auf der anderen Seite über Jahrhunderte hinweg nach. Nach diesem historischen Rückblick beschreibt Cattacin die Folgen einer pluralisierten, flexibilisierten Wirtschaft im Zuge der Globalisierung seit den 1980er-Jahren, die zu einer Differenzierung der Produktion geführt haben und letztlich in eine global vernetzte, virtuelle Netzwerkökonomie jenseits nationalstaatlicher Regelungen mündeten. Deren negative Auswirkungen, unter anderem auch auf die Arbeitnehmenden selbst, würden durch globale Weltstädte, supranationale Organisationen sowie soziale Bewegungen zwar etwas reguliert, doch genüge dies nicht. Vielmehr sollten in einer gerechten Gesellschaft Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit eingefordert, unmenschlichste Formen der Ausbeutung verboten sowie Diskriminierungen jeglicher Art bekämpft werden.

Im zweiten Kapitel setzt sich Rainer Münz mit dem Pluralismus aus demografischer Perspektive auseinander, insbesondere mit dem Wandel der Weltbevölkerung im Laufe der Zeit. Diese wächst heute insgesamt auch aufgrund der längeren Lebenserwartung und sinkenden Sterblichkeit, in einigen Teilen der Welt schrumpft sie hingegen. Ein besonderes Augenmerk richtet Münz dabei auf die immer älter werdende Gesellschaft aufgrund dieser steigenden Lebenserwartung, aber auch wegen der mit dem Anwachsen des Wohlstands vielerorts sinkenden Kinderzahl. Ausdruck der auch in Statistiken erkennbaren Pluralisierung der Gesellschaft seien weiter neue Familienformen sowie die zunehmende Migration, die Gesellschaften pluralisiere.

Im dritten Kapitel präsentiert Sandro Cattacin in der Wissenschaft diskutierte migrationspolitische Trends. Er stellt dabei einen ersten Trend in der Migrationsdebatte fest, nämlich weg von der Migrations- und hin zur Mobilitätsperspektive, denn Mobilität, einschließlich multilokaler Erfahrungen und Beziehungen – und nicht die einmalige grenzüberschreitende Migration – würde individuelle Lebensgeschichten heute auszeichnen. Als zweiten Trend sieht Cattacin eine Bewegung weg von der nationalstaatlichen Zugehörigkeit hin zur multiplen und urbanen Staatsbürgerschaft, die auch auf virtuellen Kontakten zu Personen oder gar auf abstrakten supranationalen Territorien gründen kann. Mit dem dritten Trend, von der Überfremdungs- zur Innovationsperspektive, bezeichnet Cattacin die Orientierung mobiler Menschen an Städten als Knotenpunkte der Mobilität, des globalen Austauschs und der Verschiedenheit. Das Aufkommen von Mobilitäts- oder Migrationspartnerschaften sei dabei neben anderen Aspekten Ausdruck des vierten Trends, nämlich weg von der Asylpolitik hin zur Entwicklungszusammenarbeit. Abschließend kritisiert Cattacin den fehlenden Einbezug der Wissenschaft in die Migrationspolitik, da dies symbolische Auseinandersetzungen fördere, wie beispielsweise das Hochstilisieren einer Burka als nationalstaatlicher Herausforderung.

Im letzten Kapitel dieses Buchteils beschäftigt sich Rainer Bauböck mit der Bewegungsfreiheit als Menschenrecht von Bürgerinnen und Bürgern auf der einen Seite sowie den diesem entgegenstehenden Staatsinteressen auf der anderen Seite. Dabei leitet er die Gründe für die ungleiche Gewichtung von Aus- und Einwanderung her und zeigt den darin bestehenden Widerspruch auf, dass zwar Auswanderung grundsätzlich möglich ist, der darauffolgenden Einwanderung in ein anderes Land jedoch Grenzen gesetzt sind. Mit einem Exkurs zur Flüchtlingspolitik widmet sich Bauböck dann dem staatlichen Recht auf Einwanderungskontrolle. Als Gegenstück zu einem aus seiner Sicht utopischen Menschenrecht auf globale Bewegungsfreiheit schlägt Bauböck vor, die Konzeption der Staatsbürgerschaft unter bestimmten, teilweise auch mit anderen Staaten im Sinne von Gegenrecht auszuhandelnden Bedingungen vor. Weiter geht Bauböck den Auswirkungen einer universellen Öffnung staatlicher Grenzen auf die globale Gerechtigkeit nach, indem er unter anderem diskutiert, wem eine solche universelle Bewegungsfreiheit letztlich zugutekommen würde. Schließlich zieht Bauböck das Modell der Gemeinden als mögliches Modell für eine universelle Bewegungsfreiheit heran, mit heute schon offenen Grenzen, das an den Aufenthalt gebunden sei und mit dem Wegzug verloren gehe.

Mit der wirtschaftlichen Flexibilisierung, dem demografischen Wandel, migrationspolitischen Trends sowie der universellen Bewegungsfreiheit sind nur einige Dynamiken beschrieben, die plurale Lebenswelten und den Diskurs darüber prägen. Alle vier Themen verbindet das Thema der Mobilität, das Kernstück pluralisierter Lebenswelten. Menschen haben sich immer von einem Ort zu einem anderen Ort bewegt, doch heute ist die soziale Mobilität im Sinne von sozialem Auf- oder Abstieg immer öfter auch an die territoriale Mobilität gebunden, wovon nicht nur flexibilisierte Arbeitsbedingungen, sondern auch die weltweiten Migrationsbewegungen Zeugnis ablegen. Diese territoriale Mobilität führt dabei auch zu einer Veränderung von Lebenswelten. Dabei beeinflusst Mobilität nicht nur die sich Bewegenden selbst, sondern auch die Orte, die sie aufsuchen, allen voran die Städte, deren Zusammensetzung sich heutzutage in immer schnellerem Tempo verändert. Und damit verändern sich auch diejenigen, die sich nicht bewegen. Dynamiken im Pluralismus beeinflussen daher uns alle, ob wir es wollen oder nicht.

Literatur

Münch, R. (2010). Das Regime des Pluralismus: Zivilgesellschaft im Kontext der Globalisierung. Frankfurt/M.: Campus.

Foto: Sandro Cattacin

2Der ökonomische Flexibilismus und seine Folgen

Sandro Cattacin

„Das sichtbarste Zeichen dieses Wandels könnte das Motto ‚nichts Langfristiges‘ sein. In der Arbeitswelt ist die traditionelle Laufbahn, die Schritt für Schritt die Korridore von ein oder zwei Institutionen durchläuft, im Niedergang begriffen. Dasselbe gilt für das Hinreichen einer einzigen Ausbildung für ein ganzes Berufsleben. Heute muss ein junger Amerikaner mit mindestens zweijährigem Studium damit rechnen, in vierzig Arbeitsjahren wenigstens elfmal die Stelle zu wechseln und dabei seine Kenntnisse wenigstens dreimal auszutauschen.“

(Richard Sennett, 1998, S. 25)

2.1Einleitung

Unsere Wirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der vor allem durch eine flexiblere Produktionsweise geprägt ist, die individuelle Anpassungen erfordert. Dieser Wandel in Richtung einer flexiblen Wirtschaft – der Flexibilismus – und dessen Auswirkungen auf die Mobilität von Menschen steht im Mittelpunkt dieses Kapitels.

Der Flexibilismus zeichnet sich durch eine territorial verteilte, bedarfsgerechte Produktion aus, welche auf verfügbaren Arbeitskräften basiert, die an Projekten beteiligt sind, manchmal auch auf temporärer Basis. Um jedoch die schädlichen Auswirkungen auf das soziale Leben von Personen, die sich der Flexibilität unterstellen müssen, einzudämmen, ist eine Regulierung notwendig, die im Rahmen der gegenwärtigen staatlichen Politik schwer zu finden ist.

Basierend auf den aktuellen Trends, die die Transformationen der Logik der ökonomischen Reproduktion charakterisieren, wird in diesem Kapitel versucht, ein Porträt der flexiblen Ökonomie von morgen zu zeichnen und ihre Folgen für den Einzelnen zu diskutieren. Zunächst wird aus historischer Sicht die kapitalistische Ambivalenz der ökonomischen Reproduktion aufgezeigt, die dazu neigt, sich von äußeren Regelungen zu befreien, sich aber nicht vollständig von ihnen befreien kann, ohne die Selbstzerstörung zu riskieren. Anschließend wird das Hauptmerkmal der zukünftigen Wirtschaft, nämlich die Netzwerkökonomie in der mobilen Gesellschaft, diskutiert und ihre Auswirkungen auf Menschen und Unternehmen werden beschrieben. Dabei wird insbesondere auf die Zerstörung und Virtualisierung der territorialen Organisation, auf die Rückkehr der Stadt als zentrale produktive Einheit und auf die Flexibilisierung der Beschäftigung fokussiert.

2.2Die Transformationen des Kapitalismus

Die Quellen des zeitgenössischen Kapitalismus liegen in der europäischen Stadt des Mittelalters. Auf der Weltbühne präsentiert sie sich als Ort der Rechte und Freiheiten. Dies war der Beginn der Aufklärung und der Emanzipation des Einzelnen von der religiösen Bestimmung seines Lebens (Pirenne, 1927). Ohne die religiöse Orientierung zu verlassen, lernt der Einzelne, sein Leben in die Hand zu nehmen und die Gesellschaft nach seinen Interessen zu organisieren, oder in den Worten Max Webers:

„[…] die religiöse Wertung der rastlosen, stetigen, systematischen, weltlichen Berufsarbeit als schlechthin höchsten asketischen Mittels und zugleich sicherster und sichtbarster Bewährung des wiedergeborenen Menschen und seiner Glaubensechtheit musste ja der denkbar mächtigste Hebel der Expansion jener Lebensauffassung sein, die wir hier als ‚Geist‘ des Kapitalismus bezeichnet haben.“ (Weber, 2016 [1905], S. 165)

Die städtischen und später nationalstaatlichen Regulierungen spielen dabei eine neue Rolle als Garanten für Handelsfreiheit und Gleichbehandlung vor dem Richter. Man könnte somit von einer ersten Emanzipation der Wirtschaft sprechen, die in ihrer Befreiung von den Zwängen des absolutistischen Systems sowie in der Errichtung einer industriellen Produktion besteht. Diese Wirtschaft orientiert sich am Profit, und dies ohne Skrupel in Bezug auf die Ausbeutung von Menschen sowie der natürlichen Ressourcen – eine Ausbeutung, die zudem nicht an ein bestimmtes Territorium gebunden ist (zum Kolonialismus und Imperialismus siehe Kohn & Reddy, 2017 [2006]). Sie ist global, imperialistisch und seelenlos und wird zum Motor der globalen Kolonisierung. Dabei findet sie ihre Legitimität auf der Grundlage reduktiver Interpretationen der Theorien Adam Smiths, deren Anhänger nur die Vorteile egoistischer Orientierung herausstreichen.1

Im 18. und 19. Jahrhundert wird diese kapitalistische Wirtschaft dann sowohl praktisch als auch theoretisch herausgefordert. Die praktische Kritik wird von anarchistischen, gewerkschaftlichen und protosozialistischen Bewegungen verkörpert. Doch auch von theoretischer Seite her werden viele Stimmen wach, von denen wohl die berühmteste diejenige von Karl Marx ist. Letzterer verurteilt die Unterwerfung und Entfremdung der Arbeitenden, denen die Frucht ihrer Arbeit durch die kapitalistische Logik genommen und die auf diese Weise sich selbst entfremdet werden (Marx, 1974 [1858], S. 722).

Die entfremdete Arbeit beruht auf dem Konzept der Entfremdung von Karl Marx. Für ihn bedeutet diese der Verlust des Gegenstands, des Produkts der Arbeit. Diese Entäußerung der Arbeit führe dazu, so Karl Marx, dass „der Arbeiter […] sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich“ fühle. Die Arbeit sei daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern nur „ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen“. Da die Tätigkeit des Arbeiters einem anderen gehöre, sei diese der Verlust seiner selbst (Marx, 2005, S. 59 f.).

In den Industriegesellschaften werden diese Kritiken jedoch nicht zur Revolution, sondern zur Anpassung der konkurrierenden Kräfte führen: Die Bourgeoisie räumt soziale Rechte ein und verwandelt dadurch die radikale Kritik in eine verhandlungsfähige, an sozialen Rechten interessierte Sozialdemokratie – und daraus wird der Kapitalismus gezähmt hervorgehen.

Rudolf Hilferding wird diese Anpassungen als organisierten Kapitalismus bezeichnen (Hilferding, 1982 [1927]). Dem Kapitalismus wird ein staatliches Korsett auferlegt, der Staat organisiert und beaufsichtigt den Markt und erlangt dadurch neue Kompetenzen sowie eine Schlüsselrolle bei der Verwirklichung der sozialen Rechte. Dies wird den Staat mit Macht zumindest bis in die 1970er-Jahre ausstatten. Die dafür notwendige Legitimität holt er sich von den Wirtschaftskräften, die in Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden organisiert und durch korporatistische Praktiken koordiniert werden.2

2.3Auf dem Weg zur Ära des Flexibilismus

Je nach gewählter Analyseachse wurde dieses System der Gesellschaftsorganisation, das nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Höhepunkt erreichte, auf verschiedene Weise beschrieben. Für die einen war es in erster Linie ein sozialdemokratischer Kompromiss (Scharpf, 1987), andere, die das Produktionsmodell betonten, sprachen vom Fordismus (Boyer & Orléan, 1991; Hirsch & Roth, 1986) oder von den glorreichen 30 Jahren (Fourastié, 1979) und bezeichneten damit eine Zeit des allgemeinen Wachstums und sozialen Fortschritts. Alle waren sich jedoch darin einig, dass dieses neue System zu einer homogeneren, egalitären und moralisch bürgerlichen Gesellschaft tendierte – und zwar in dem Sinne, dass die Werte von Familie, Privatraum, Eigentum und Arbeit Vorrang vor den individuellen Werten haben sollten. Die Analysen dieser historischen Phase ähneln sich und unterstreichen die Bedeutung des Staates und der professionalisierten Verwaltungen. Bernd Marin erfand dafür den Begriff des Techno-Korporatismus (Marin, 1982).

Der Aufstand gegen dieses einheitliche und technokratische Modell wird durch die erste Generation geführt, die die Kriegszeit nicht mehr erlebt hat. Diese Generation musste sich weder Diktaturen unterwerfen noch demokratischen Regimen zum Wohle der Allgemeinheit beugen (Cattacin, Giugni & Passy, 1997) und befreite sich dadurch von gesellschaftlichen Vorgaben. Damit wird sie zur Basis für eine Revolution der Moral und eine Infragestellung des Systems der gesellschaftlichen Organisation. Begünstigt wurde der Erfolg dieses Aufstands durch eine Krise des fordistischen Produktionsmodells, die Ende der 1960er-Jahre beginnt und ihren Höhepunkt während des Ölschocks Mitte der 1970er-Jahre erreicht. Die Folgen dieser Jahre der Krise und Kontroverse sind dramatisch: Ende des Wachstumsmodells (Meadows & Club of Rome, 1972), Untergang von Industrien, Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und Krise des korporatistischen Modells (Kastendiek, 1980) sowie soziale Konfrontation und politischer Protest (Crozier, Huntington & Watanuki, 1975). Das Wirtschaftsmodell, das auf die Krise des Fordismus folgt – der sogenannte Flexibilismus –, integriert die Kritiken, indem es sich durch Individualismus und Respekt vor der Differenz, Freiheit in der Gestaltung des eigenen Lebens und Spiritualität als individueller Erfahrung auszeichnet.

Diese Ära des Flexibilismus baut auf Unternehmenden auf, die das Gegenteil des Weber’schenAsketen sind. Sie sind hedonistisch, libertär und ohne eine kollektive Orientierung (Boltanski & Chiapello, 1999), dabei hochmotiviert, neugierig und im Mittelpunkt der IT-Revolution. Ausgehend von den Unternehmen, die in Garagen des Silicon Valley gegründet werden, setzt der Erfolg des flexiblen Organisationsmodells ein, das den Fordismus ersetzen (Knudsen & Boggs, 1996), die Deindustrialisierung forcieren und der Servicegesellschaft die Türen öffnen wird.

Die Werte einer Wirtschaft, die den individuellen Gewinn auf Kosten der kollektiven Verantwortung – für Mitarbeitende oder für Gebiete, in denen sich das Unternehmen befindet – fördert, sowie das flexible Organisationsmodell verbreiten sich in den 1980er-Jahren. Diese Diffusion wird durch den Ende der 1970er-Jahre von den englischen und amerikanischen Wirtschaftsmächten politisch beschlossenen Verzicht auf das protektionistische und regulierende Nationalstaatsmodell (Cattacin, 1996) unterstützt. Dies führt zur Öffnung der Grenzen, was auf mehr Unternehmensfreiheit, aber auch auf neue Möglichkeiten der wirtschaftlichen Organisation und Produktion abzielt. Die Deindustrialisierung der einen wird zur Industrialisierung der anderen und zu einer globalen Reorganisation der Wirtschaft beitragen.

Eine der ersten Kritiken an der Vereinheitlichung der Weltgesellschaft durch die globale Wirtschaft stammt von George Ritzer, der dafür den Begriff der McDonaldisierung verwendet:

„The McDonaldization thesis also brings the theory into the twenty-first century, and views rationalization extending its reach into more sectors of society and areas of the world than Weber ever imagined. Of greatest concern here is the fact that McDonaldization is a force in global cultural homogenization. McDonaldization is defined as the process by which the principles of the fast-food restaurant are coming to dominate more and more sectors of American society, as well as the rest of the world. It is the latter aspect of the definition that makes it clear that McDonaldization is a globalizing force.“ (Ritzer, 1993, S. 263)

Entgegen der gegenwärtigen Kritik am Kapitalismus als vereinheitlichender Logik, akzentuiert die Dynamik dieser Marktglobalisierung jedoch die Differenzierung der Produktions- und Vertriebsformen von Waren und Dienstleistungen sowie der Regeln der Wirtschaftsführung – alles im Dienste der kontinuierlichen Innovation (Swyngedouw & Kesteloot, 1988). Die Wirtschaftstätigkeit ist damit weltweit durch gemeinsame Produktionsziele und -märkte verbunden und stabilisiert sich durch die Vernetzung regionaler Kapitalismen und Unternehmen relativ unabhängig von staatlichen Regelungen. Das Hauptmerkmal dieser Netzwerkökonomie ist, dass Netzwerkagenten (v. a. Unternehmen) weltweit leicht austauschbar werden.

2.4Eine vernetzte Wirtschaft

In ihrer Gesamtheit stabilisieren diese Austauschbarkeit und interne Differenzierung das Wirtschaftssystem und schwächen gleichzeitig seine Komponenten. Um Risiken zu minimieren, werden große Unternehmen in Netzwerke verwandelt, während kleine und mittlere Unternehmen ihre Integration in Netzwerke stärken, indem sie mit mehreren von ihnen zusammenarbeiten (Castells, 2000, S. 10). Die Vernetzung basiert auf zeitlich begrenzten Produktionslogiken, Projekten und Informationsaustausch.

Bei der Verbreitung von Produktionswissen sind Informationen entscheidend, daher steht im Mittelpunkt der Vernetzung der Transfer, der Austausch sowie die Rekombination von Informationen (Smith-Doerr & Powell, 2005. S. 396). Im Gegensatz zu den fordistischen Zeiten des kalten Kriegs, die durch Schließung und Wirtschaftsspionage gekennzeichnet sind, sind globalisierte und flexible Unternehmen daran interessiert, Wirtschaftsakteuren an Orten, an denen die Produktion am vorteilhaftesten ist, einerseits Wissen zu verkaufen und andererseits, sich Zugang zu Wissen zu verschaffen. Bei der Verbreitung von Informationen profitiert das Netz von gemeinsamen Vorteilen und wirtschaftlichen Fortschritten. Was Gernot Grabher in seiner Analyse des Ruhrgebiets (Grabher, 1993) und Arnaldo Bagnasco im Dritten Italien – sein Begriff für die Produktions- und Austauschnetzwerke in Nordmittel- und Nordostitalien (Bagnasco, 1977) – beschrieben haben, scheint sich in der Logik der Informationsvernetzung und der vernetzten Projektentwicklung jetzt zu globalisieren (Grabher, 2011).

Die Vernetzungslogik betrifft dabei nicht nur einen einzelnen Produktionssektor. Durch den Transfer von Kompetenzen in verschiedene Branchen versuchen die Unternehmen, sich von der Abhängigkeit von einem einzigen Konjunkturzyklus zu befreien. Dennoch handelt es sich nicht um eine Logik von Investitionen und Produktion in weit voneinander entfernten Sektoren, sondern um einen Ansatz, der relativ unabhängige Teilsektoren bevorzugt. Davon zeugen die Erfahrungen der ersten Jahre der ökonomischen Globalisierung, die eine Tendenz zum Aufbau multisektoraler Unternehmen zeigt. Die strategische Expansion in zu spezialisierte Branchen und die Unmöglichkeit, in diesen Branchen mit einer ausreichend ausgefeilten und unabdingbaren Innovation zu punkten, untergraben jedoch das Kerngeschäft dieser Unternehmen und führen zur Aufgabe dieser Versuche einer übermäßigen Vielseitigkeit (Hilmer & Quinn, 1994). In Folge konzentrieren sich die multinationalen Konzerne wieder auf ihre Kernkompetenzen und strategischen Hauptaktivitäten. So zieht sich beispielsweise der Automobilhersteller Fiat aus dem Versicherungssektor zurück, um – durch den Kauf von Chrysler – wieder in den Automobilsektor zu investieren. Zwar können die Aktivitäten nach wie vor verschiedenen Sektoren angehören, müssen jetzt aber mit dem Markenimage und den Referenzprodukten eines Unternehmens kompatibel sein, wie beispielsweise Schmuck für Swatch oder Sportuhren und Deodorants für Adidas. Um im Netzwerk nicht ersetzbar zu sein, erhöhen Unternehmen die Sichtbarkeit ihrer Besonderheiten und Stärken und kämpfen darum, ihren zentralen Platz im eigenen Markt zu behalten. Die Netzwerke nehmen damit eine mehr oder weniger gleichberechtigte, heterarchische Struktur an (Tolentino, 2002, S. 69), wobei einige Weltstädte in dieser Struktur Zentren bilden, die die globale Wirtschaft horizontal verbinden (Sassen, 2002).

In einer solchen Wirtschaft sind die dominanten Akteure dabei diejenigen, die in der Lage sind, Netzwerke zu beeinflussen; die Stärke des Unternehmens wird nicht mehr direkt durch die Anzahl der Mitarbeitenden bestimmt. Vielmehr organisieren sich die Unternehmen territorial und lagern bestimmte Dienstleistungen, wie Personalmanagement oder Produktvertrieb, gar aus, mit dem Ziel, sich mit einem Minimum an Elementen zu reproduzieren:

„[…] the firm’s main goal […] is to improve its allocation and coordination efficiencies. This might be done by a high level of modularization, development of standardized interfaces, greater clarity in the division of labour within the firm as well as between the firm and its external network partners and contractors worldwide, development of centres of excellence (which are then given a global mandate for specifically defined activities), and a reduction of coordination and communication costs with continued investments in information and communication technology that allow for richer communication at a distance. The competitiveness of the global firm in the 21st century will be determined not just by its technological competencies, but equally by its strategic management competencies, along multiple dimensions, in a world of outsourcing and offshoring.“ (Contractor, Kumar, Kundu & Pedersen, 2010, S. 1429)

So vermeiden die Wirtschaftsakteure im Falle einer Wirtschafts- oder anderen Krise, dass sie in einem der Netze, an dem sie teilhaben, von Umstrukturierungen zu sehr beeinträchtigt werden.

2.5Virtualisierung von Märkten

Wirtschaftsakteure nutzen Netzwerke nicht nur, um ihr Handeln zu strukturieren, sondern auch, um sich mit den Produktmärkten zu verbinden. Der Kauf und Verkauf erfolgt über Netzwerke und insbesondere über virtuelle Börsen, die die Ausrufer an der Börse (Engelen & Grote, 2009) oder spezialisierte Produktgeschäfte ersetzt haben. Diese virtuellen Märkte der Netzwerkökonomie erleichtern die Organisation von Transaktionen und erhöhen die Chancen, Nischenprodukte zu verkaufen, aber auch, sich in einem bestimmten Wirtschaftssegment hervorzuheben.

Parallel dazu existieren weiterhin lokaler Vertrieb und Produktion, um das materielle Erlebnis zu ermöglichen und Veranstaltungen als Events durchzuführen. Straßen und Einkaufszentren, aber auch kleine Geschäfte, generieren die Ökonomie der Erfahrung (Pine & Gilmore, 1998) und versprechen Abenteuer, unvergessliche Besuche, physische Erfahrung und menschlichen Kontakt, der einen realen Konsum bietet, der dem virtuellen Kauf oft vorausgeht – insbesondere wenn die Ware ins Haus geliefert wird, idealerweise ohne Versandkosten. Wie Charles Steinfield und Pamela Whitten gezeigt haben, gibt die physische Erfahrung auch dem virtuellen Austausch mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen:

„Consumers who recognize the Web store as an extension of an existing business may perceive it to be more legitimate, and have more trust in the store. This is not only likely to be a local phenomenon, but certainly influences perceptions of national brands as well. Nonetheless, we expect that consumers in any particular local market will have more confidence in a Web business if they can associate it with a particular physical store that they have visited or seen in their community. It also may be the case that distant consumers will perceive a Web business to be more legitimate if they are made aware that it has been a successful physical business.“ (Steinfield & Whitten, 1999, online)

Die Virtualisierung der Netzwerkökonomie zerstört daher nicht das Territorium. Im Gegenteil, letzteres wird als Ort der Erfahrung, der Begegnung und des Konsums aufgewertet. Im Allgemeinen werden diese Merkmale von der Stadt zusammengefasst, was ihre Rückkehr auf die Weltbühne erklärt, nicht nur als Ort der Freiheit, sondern auch als Knotenpunkt des Netzwerks. Mit hoher Kapitaldichte und viel Autonomie ausgestattet (Musterd & Murie, 2011), bündelt die Stadt wirtschaftliche und politische Kräfte und verfügt über diejenigen Innovationskapazitäten, die eine zentrale, wenn nicht gar wesentliche Rolle in der neuen flexiblen und globalisierten Wirtschaft einnehmen.

2.6Eine grenzenlose und selbstregulierende Wirtschaft

Nachdem sich die Industriewirtschaft vom absolutistischen Staat emanzipiert hat, ist sie durch die Schaffung des nationalstaatlichen, sozialen und korporativen Staates wieder in den Dienst der Gesellschaft gestellt worden. Doch seit den 1980er-Jahren erleben wir eine neue Emanzipation der Wirtschaft (d’Iribarne, 1996), diesmal vom Nationalstaat sowie von sozialen und korporativen Zwängen (Esping-Andersen, 1996). Die Wirtschaft wird somit in ein sich selbst regulierendes Feld verwandelt, ohne Bezugsgebiet und ohne die Notwendigkeit, die nationale (oder gar demokratische) Dynamik zu respektieren:

„Liberalization, the dominant theme of political economy since the late 1980s, means disengagement of politics, especially democratic politics, from the economy. It involves a change towards an economic policy that is non-discretionary, rule-based and, above all, shielded from electoral influence.“ (Streeck & Visser, 2005, S. 252)

Die Netzwerkökonomie ist folglich auch schwer zu kontrollieren, denn diese Loslösung von nationalen Vorschriften ermöglicht die Herstellung und den Vertrieb von Produkten auf der ganzen Welt sowie die Nutzung der Vorteile vergleichsweise besserer Bedingungen. Dies führt zu einer Diffusion des Reichtums hauptsächlich über die Netzwerke der globalen Wirtschaft, was zwar zu einer abnehmenden absoluten Armut führt, die sich aber auch in einer steigenden Lohnschere widerspiegelt – als ob einzig die mittleren Einkommen zur Armutslinderung beitragen würden (Santarelli & Figini, 2006). Darüber hinaus emanzipiert sich das Innovationskapital auch vom Nationalstaat und erfindet sich im globalen Wettbewerb der Weltstädte immer wieder neu.

Damit stellt sich wieder die Frage, wie die Emanzipation der Wirtschaft reguliert werden kann, um die damit verbundenen gefährlichen Umbrüche zu zähmen. Die Akteure der Zähmung scheinen jedenfalls nicht mehr – wie im 19. Jahrhundert – die Nationalstaaten zu sein, sondern die globalen Städte, die supranationalen Regulierungsbehörden sowie die vernetzten sozialen Bewegungen. Dies aus folgenden Gründen:

Erstens ist es der Wettbewerb zwischen den Städten, der für eine globale Regulierung sorgt, indem diese dadurch ermutigt werden, die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und den Innovationseliten ein angenehmes Lebensumfeld zu bieten (Sassen, 2010). Dieses Regulierungssystem verlangt auch, dass die Städte gegenüber benachteiligten Menschen Rechenschaft ablegen, um die Lebensqualität zu sichern, die die städtische Elite anzieht (Häussermann, 2008).

Zweitens greifen internationale und supranationale Strukturen und Organisationen ein, um Handelsfreiheiten, aber auch gleiche Bedingungen für die Marktteilnahme zu garantieren und deren Beachtung zu kontrollieren (Grimm, 2004).

Schließlich sind es die zivilen Akteure und sozialen Bewegungen, die ebenfalls global, fast ein wenig wie die Wirtschaftsakteure, als Netzwerk agieren, und deren Aufgabe es vermehrt ist, die Politik, die öffentliche Meinung und die Verbrauchenden zu beeinflussen. Die Folge dieser Bottom-up-Initiativen ist die globale Diskussion über die Ethik des Wirtschaftens, die inzwischen auch konkrete Resultate zeigt – wie die Festlegung von Mindestvorschriften in Bezug auf die Arbeitsbedingungen, die Qualität der Produktion und den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen (Mejido Costoya, 2007).

Anstelle des Nationalstaates und seiner demokratischen Instrumente der Wirtschaftskontrolle entsteht somit eine Reihe von differenzierten Akteuren in Bezug auf deren Rolle und Wirkung. Um die negativen Folgen einer wirtschaftlichen Dynamik einzudämmen, die sich außerhalb der Kontrolle der alten nationalstaatlichen Zwänge befindet, werden neue Formen der Regulierung geschaffen. Sie sind jedoch nicht nur auf die neuen Regulierungsbehörden zurückzuführen, sondern auch auf eine interne Logik der wirtschaftlichen Reproduktion. Wie Karl Polanyi deutlich gemacht hat, überleben selbstregulierte Märkte nämlich nicht. Sie brauchen Regeln, Rahmenbedingungen und Garantien, dass andere Wirtschaftsteilnehmer den gleichen Regeln folgen, um die der Gewinnorientierung innewohnende selbstzerstörerische Dynamik zu vermeiden (Polanyi, 1944, S. 79). Die Wirkung dieser Kontrollen auf die Wirtschaftsakteure ist daher ambivalent, weil sie einerseits eigentlich keine Kontrolle wünschen, sich jedoch andererseits in einer global vernetzten Ökonomie verpflichten müssen, neue Formen der Regulierung einzuhalten, um weiterhin erfolgreich zu sein; in den Worten von Kurtuluş Gemici:

„The rise of the market system thus involves a double-movement; the self-regulated market always engenders regulation by other spheres of social life. It never materializes in the utopian form envisaged by classical economists such as Malthus and Ricardo. However, regulation of the market mechanism impedes its proper functioning; it is against the nature of the market system.“ (Gemici, 2008, S. 14)

Dieses Bewusstsein der Wirtschaftsakteure erfordert Reife und Reflexivität und beinhaltet oft wiederholte Verlusterfahrungen aufgrund von Schäden einer nicht regulierten Wirtschaft.

2.7Flexible Beschäftigung

Der Arbeitsmarkt einer vernetzten Wirtschaft ist flexibel, wobei diese Flexibilität zwei Seiten hat. Einerseits bietet sie den Beschäftigten die Möglichkeit, leichter ein Arbeitsangebot eines konkurrierenden Unternehmens zu nutzen und so die eigenen Arbeits- oder Lebensbedingungen zu verbessern. Insbesondere auf dieser Grundlage konkurrieren die Löhne hochqualifizierter Arbeitskräfte nach oben und zwingen die Unternehmen, Strategien zu entwickeln, die ihre Attraktivität durch Verbesserung der sozialen Arbeitsbedingungen erhöhen – zum Beispiel durch das Angebot von Betriebskindergärten oder Mentoringprogramme als soziale Inklusionshilfen für international mobile Arbeitskräfte (Scott-Ladd, Travaglione, Perryer & Pick, 2010). Es ist also nicht mehr die sich über Jahrzehnte hinziehende Karriere innerhalb eines Unternehmens, die heute einen Karriereweg charakterisiert, sondern im Gegenteil: Es sind Veränderungen am Arbeitsplatz, insbesondere die territoriale Mobilität, die die soziale Mobilität bestimmen, ob nach oben oder nach unten (Longhi & Brynin, 2010).