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UMFASSENDE ANLEITUNG FÜR DEN WEG IN DIE SCHAUSPIELEREI Schauspieler:in zu werden, ist oft ein langgehegter Traum, dessen Verwirklichung viel Durchhaltevermögen benötigt. Eine Menge Fragen kommen auf: Wo wird ausgebildet und welche Anforderungen werden gestellt? Wie gestaltet sich eine Aufnahmeprüfung und wie läuft die Ausbildung zur Schauspieler:in ab? Wie gelingt die Jobaufnahme erfolgreich und wie ein dauerhaftes Engagement? Wie viel verdienen Schauspieler:innen und wie funktioniert die bürokratische Seite des Berufs mit Versicherungen, Altersvorsorge etc.? Mit ganz praktischen Tipps soll dieser unentbehrliche Ratgeber jungen Menschen den Einstieg in den Schauspielberuf erleichtern, aber auch ausgebildeten Schauspieler:innen helfen, ihre Karriere zu planen und sich in der Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft zu behaupten. - Für Schauspieler:innen im Bereich Theater, Film, Fernsehen, Streaming und Sprechen - Die wichtigsten Infos zu: Anforderungen, Einstieg, Schauspielschulen, Aufnahmeprüfung, Ausbildung, Arbeitsbereiche, Agenturen, Bewerbungen, Vorsprechen, Castings, E-Castings, Karriereplanung, digitale Präsentation und Finanzen - Mit Expertenwissen und Erfahrungsberichten von Schauspielschüler:innen, Schauspiellehrer:innen, Casting Directors, Theaterintendant:innen u.v.m. - Mit Verzeichnis aller Schauspielschulen, Theater, Casting Directors und Schauspielagent:innen im deutschsprachigen Raum - 6., vollständig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage KLASSIKER DER SCHAUSPIELAUSBILDUNG IN AKTUALISIERTER NEUAUFLAGE Als wertvoller Klassiker in der Ratgeberlitratur rund um den Schauspielberuf wurde "Traumberuf Schauspieler:in" 2023 neu aufgelegt und vollständig aktualisiert. Neue Abschnitte zu E-Castings, der digitalen Präsenz von Schauspieler:innen in sozialen Netzwerken und der Jobsuche über Facebook & Co. tragen der steigenden Bedeutung des Internets Rechnung. Das Verzeichnis wichtiger Institutionen und Agenturen wurde auf den neuesten Stand gebracht und bietet angehenden wie ausgebildeten Schauspieler:innen einen ersten Überblick zum Netzwerken. MIT EXPERTENWISSEN IN DEN BERUF Ulrike Boldt war Schauspielerin und ist seit 2000 Schauspielagentin. Für dieses Buch hat sie mit zahlreichen Schauspieler:innen und Schauspielschüler:innen, Casting Directors und Agent:innen, Redakteur:innen, Regisseur:innen, Theaterintendant:innen, Schauspiellehrer:innen und Direktor:innen gesprochen, um ihr Expertenwissen und ihre Erfahrungsberichte einfließen zu lassen.
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Seitenzahl: 255
Veröffentlichungsjahr: 2024
Ulrike Boldt
Der Wegweiser zum Erfolg
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.dnb.de abrufbar.
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eISBN 978-3-89487-745-3
© 2006 by Henschel Verlag
© 2024 by Henschel Verlag in der
E. A. Seemann Henschel GmbH & Co. KG, Leipzig
6., vollständig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage
Umschlaggestaltung: Ingo Scheffler, Berlin
Titelbild: Louis Hofmann in der Netflix-Serie »Dark« von Baran bo Odar und
Jantje Friese. © Netflix / Courtesy Everett Collection
Lektorat: Sabine Bayerl
Endredaktion: Dr. Julia M. Nauhaus
www.henschel-verlag.de
Vorwort
Anforderungen
Kleiner Test – Tauge ich zum Schauspieler, zur Schauspielerin?
Erste Schritte
Was kann ich tun, wenn ich für die Schauspielschule noch zu jung bin?
Wo kann ich mich auf der Bühne ausprobieren?
Gibt es Schauspielunterricht speziell für Kinder und Jugendliche?
Was ist der Unterschied zwischen einem Casting Director und einer Schauspielagentur?
Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur für Kinder und Jugendliche?
Wie lange darf ich als Kind oder Jugendlicher arbeiten?
Was mache ich, wenn ich zu alt für eine Ausbildung bin und trotzdem gerne im Fernsehen oder Theater auftreten möchte?
Schauspielschulen
Was ist der Unterschied zwischen einer privaten und einer staatlichen Schauspielschule?
Was macht eine gute Schauspielschule aus?
In welchen Städten gibt es staatliche Schauspielschulen?
Die Aufnahmeprüfung
Welche Aufnahmekriterien haben die staatlichen und privaten Schulen?
Wie bereite ich mich auf die Prüfung vor?
Mit welchen Rollen kann ich mich auf den Eignungstest vorbereiten?
Welche Anforderungen stellt die Prüfungskommission bei der Aufnahmeprüfung?
Die Ausbildung
Was lerne ich konkret auf einer Schauspielschule?
Wann darf ich mich das erste Mal auf der Bühne oder vor der Kamera ausprobieren?
Wie sieht mein letztes Ausbildungsjahr aus und welche Bedeutung hat das Abschlussvorsprechen?
Arbeitsbereiche für Schauspieler:innen
Was erwartet mich nach der Schauspielschule?
Wie übe ich meinen Beruf professionell aus?
Wo kann ich als Schauspieler:in arbeiten?
a. Bereich Theater
b. Bereich Film, Fernsehen und Streaming
c. Bereich Sprecher:in
Partner:innen der Schauspieler:innen: Casting Directors und Agenturen
Wie sieht der Alltag eines Casting Directors aus?
Wie bringe ich mich bei Casting Directors in Erinnerung?
Was ist die ZAV?
Wie arbeitet eine private Schauspielagentur?
Wie finde ich eine Schauspielagentur?
Was erwartet die Agentur von Schauspieler:innen, und was können Schauspieler:innen von einer Agentur erwarten?
Was leistet eine PR-Agentur?
Wie organisiere ich mich am besten bei Film und Fernsehen, wenn ich keine Agentur finde?
Bewerbungen
Wie sieht eine gute Bewerbung für das Theater aus?
Wie und wo bekomme ich Informationen über Vakanzen am Theater?
Wie sieht eine gute Bewerbung für Film und Fernsehen aus?
Schauspielerdatenbanken – Wie und wo muss ich mich im Internet präsentieren?
Facebook und Instagram – Was in der Social-Media-Präsenz wichtig ist
Wie sieht eine gute Bewerbung als Sprecher:in aus?
Vorsprechen, E-Casting, Casting und Vorstellungstermin
Das Vorsprechen am Theater
Das E-Casting
Das Casting für Film und Fernsehen
Das Casting für Werbung
Das persönliche Vorstellungsgespräch bei Caster:innen
Die Zeit zwischen den Engagements
Wo kann ich mich über Castings und die Entwicklung der Medien- und Theaterbranche informieren?
Jobs über Facebook, Instagram und Co.
Fortbildung, Coaching, Work-outs und Netzwerke
Rund ums Geld: Von BAföG über Gagen und Unständigkeit bis zu Versicherungen – was ist wichtig?
Wie bin ich bei Arbeitslosigkeit finanziell abgesichert?
Anhang
Adressen
1. Staatliche Schauspielschulen
2. Informationen zum Studiengang Schauspiel an deutschsprachigen staatlichen Schauspielschulen
3. Private Schauspielschulen
4. Casting Directors
5. Schauspielagenturen
6. Schauspielagent:innen der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit)
7. Synchronstudios
8. Schauspielschulen für Kinder und Jugendliche
9. Staats-, Stadt-, Boulevard- und Sommertheater
10. Internetseiten
Fast täglich erreichen mich in meiner Schauspielagentur Anfragen junger Menschen, die gerne Schauspieler:in werden möchten. Sie suchen Rat, möchten wissen, wie sie den Berufseinstieg bewerkstelligen können, und bitten um Aufnahme in die Agentur.
Da mir leider oft die Zeit fehlt, jedem Einzelnen und jeder Einzelnen von ihnen ausführlich zu antworten, habe ich mich dazu entschlossen, Wege in diesen Beruf in einem Ratgeber darzustellen: Wie werde ich ein professioneller Schauspieler oder eine professionelle Schauspielerin? Welche Ausbildung ist für mich die richtige? Worauf muss ich bei der Wahl der Schauspielschule achten? Welche Arbeitsbereiche (Theater, Film, TV, Streaming, Synchron und Werbung) kommen für mich in Frage? Wie bewerbe ich mich nach der Schauspielschule erfolgreich bei Casting Directors, Schauspielagent:innen und Theaterintendant:innen? Was ist ein E-Casting? Welche Social-Media-Präsenz ist sinnvoll? In welchen Datenbanken muss ich vertreten sein?
Und wie kann ich die Zeit sinnvoll nutzen, wenn ich gerade kein Engagement habe?
Um all diese Fragen möglichst umfassend zu beantworten, habe ich viele Schauspieler:innen und Schauspielschüler:innen, Theaterintendant:innen, Casting Directors, Agent:innen, Redakteur:innen, Regisseur:innen, Schauspiellehrer:innen und Direktor:innen von Schauspielschulen zu Rate gezogen. Und sie alle haben ihr Wissen für dieses Buch zur Verfügung gestellt und erklären hier, was nötig ist, um ein guter Schauspieler, eine erfolgreiche Schauspielerin zu werden.
»Traumberuf Schauspieler:in« richtet sich mit vielen praktischen Tipps sowohl an junge Leute, die Interesse am Schauspielberuf haben, als auch an Schauspielschüler:innen oder fertig ausgebildete Akteur:innen, die erfahren wollen, wie sie ihre Karriere planen und sich in der Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft behaupten können.
2022 wurde der Ratgeber komplett überarbeitet, viele Fachleute haben ihr Wissen zur Verfügung gestellt. Dank ihrer Hilfe ist dieser Ratgeber auch 16 Jahre nach seiner Erstauflage aktuell und zeitgemäß.
Ulrike Boldt, im November 2022
Glamour, eine Menge Geld und Berühmtheit – daran denken viele junge Menschen, wenn sie sich den Traumberuf Schauspieler:in vorstellen. Kaum ein Beruf weckt derartig trügerische Hoffnungen wie der des Schauspielers oder der Schauspielerin. Aber was bedeutet es wirklich, sein Geld mit der Schauspielerei zu verdienen? Was für psychische und körperliche Voraussetzungen werden benötigt, um diesen Beruf zu erlernen und auszuüben?
Eins jedenfalls ist sicher: Der Schauspielberuf bietet wenige Sicherheiten, und das Risiko, arbeitslos zu werden, ist groß.
Folgende Eigenschaften zählen zu den Grundvoraussetzungen:
•Talent / Begabung
•Eigeninitiative und Zielstrebigkeit
•Fleiß, Wille und Selbstbewusstsein
•Disziplin, Ausdauer und Zähigkeit
•Neugierde und Mut
•Einfühlungsvermögen und Kreativität
•Lernbereitschaft
•Offenheit und Durchlässigkeit
•Flexibilität
•körperliche und psychische Gesundheit
•ein gutes Gedächtnis
•der Wille und Mut zur Selbstdarstellung
Und dann ist da noch der Faktor Glück. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, lässt sich nicht erzwingen, manchmal ist aber genau das nötig. Wer zu Bequemlichkeit neigt und davon ausgeht, dass er für seinen Erfolg nichts tun, dass er nach der Ausbildung nicht mehr an sich arbeiten muss und dass das Publikum nur auf ihn wartet, sollte sich besser einen anderen Beruf suchen. Der eiserne Wille, ausschließlich diesen Beruf ausüben zu wollen, sowie ein starkes Selbstverstrauen in sich und die eigene Arbeit ist eine Grundvoraussetzung.
Heute gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz circa 15.000 bis 20.000 Schauspieler:innen. Der Arbeitsmarkt ist mit ihnen überschwemmt, und selbst eine gute Ausbildung bietet keine Garantie für langfristigen beruflichen Erfolg. Weniger als 10 Prozent aller Schauspieler:innen können erfolgreich und gut von dem Beruf leben. Laut der Schauspielergewerkschaft BFSS (Bundesverband Schauspiel) verdienen die allerwenigsten Schauspieler:innen in Deutschland mehr als 30.000 Euro brutto im Jahr.
Frauen haben es dabei noch schwerer als ihre männlichen Kollegen. Dieses Ungleichgewicht fängt in der Theaterliteratur an und zieht sich durch die ganze Laufbahn einer Schauspielerin. Es bewerben sich zwar mehr Frauen als Männer an den Schauspielschulen, es werden aber weniger Frauen aufgenommen. Auch an den Theatern werden weniger Frauen engagiert, und im Film und Fernsehbereich bekommen leider – immer noch – die Männer die größeren und spannenderen Rollen zu spielen. Eine Studie der Universität Rostock aus dem Jahr 2019 fand heraus, dass Frauen in deutschen audiovisuellen Medien seltener vorkommen.
»Über alle Fernsehprogramme hinweg kommen auf eine Frau zwei Männer. Es gibt eine Ausnahme! Nur Telenovelas und Daily Soaps sind repräsentativ für die tatsächliche Geschlechterverteilung in Deutschland.«
Studie »Audiovisuelle Diversität? – Geschlechterdarstellungen in Film undFernsehen in Deutschland« der Universität Rostock, 2019
Der Alltag freiberuflich arbeitender Schauspieler:innen ist geprägt von Kurzengagements, Castings, Vorsprechen und einzelnen Drehtagen. Schauspieler:innen müssen mit ständig neuen Arbeitgeber:innen und häufigen Wohnortwechseln umgehen können. Immer aus dem Koffer zu leben und eventuell keine Partner:innen zu finden, die dies auf Dauer mittragen, kann nach einigen Jahren zu einer großen Belastung werden.
»Sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera sind die Arbeitsplätze tendenziell äußerst knapp und die Konkurrenz darum ist daher nach wie vor sehr groß. Die Schauspielerei ist ein harter Beruf. Nur wenige können ausschließlich davon leben und viele bleiben auch nicht ihr Leben lang dabei.«
Thomas Melzer, Zentrale Auslands- und Fachvermittlungder Bundesagentur für Arbeit (ZAV) Berlin
Zwar ist Talent unbedingte Grundvoraussetzung für einen Schauspieler, eine Schauspielerin, aber der Beruf erfordert weitaus mehr. Wer sich nicht sicher ist, ob das Arbeitsfeld Schauspielerei tatsächlich das Richtige ist, sollte ehrlich folgende Fragen beantworten.
1. Lerne ich leicht und gerne auswendig?
2. Gehe ich manchmal ins Theater oder ins Kino?
3. Lese ich gerne literarische Texte und Theaterstücke?
4. Habe ich schon einmal in der Schule, Gemeinde, Volkshochschule oder in einer freien Gruppe gespielt?
5. Bin ich körperlich fit, sportlich und widerstandsfähig?
6. Habe ich eine gute Aussprache ohne Sprachfehler?
7. Bin ich gerne mit anderen Menschen zusammen und teamfähig?
8. Kann ich mit Kritik und Ablehnung umgehen und bin offen für Verbesserungsvorschläge?
9. Kann ich mich anderen gut unterordnen?
10. Kann ich gut auf Menschen zugehen und unbekannte Personen ansprechen?
11. Kann ich mich gut in die Psyche eines anderen Menschen hineinversetzen?
12. Bin ich kreativ, kann gut improvisieren und habe eine große Vorstellungskraft?
13. Habe ich viel Geduld und Stehvermögen und gebe nicht schnell auf, wenn einmal etwas nicht sofort klappt?
14. Kann ich es aushalten, eine Zeit lang ohne Engagement zu sein, auf Luxus zu verzichten und vielleicht nicht zu wissen, wie ich die nächste Miete bezahlen soll?
15. Bin ich psychisch stabil und widerstandsfähig?
16. Kann ich damit umgehen, meinen Partner oder meine Partnerin, meine Familie und Freund:innen nicht zu sehen, da ich oft die Stadt wechseln muss und zeitlich häufig sehr stark in Engagements eingebunden bin?
17. Komme ich mit zeitlich befristeten Arbeitsverträgen und immer wieder wechselnden Arbeitgeber:innen zurecht?
18. Kann ich mit einem ungeregelten Tagesablauf umgehen?
19. Bin ich überdurchschnittlich diszipliniert?
20. Kann ich mit Konkurrenzkampf gut umgehen?
21. Kann ich mit Stress gut umgehen?
22. Bin ich selbstbewusst, zielstrebig, ausdauernd und habe ein großes Durchsetzungsvermögen?
23. Fühle ich mich wohl in meinem Körper?
24. Kann ich als Frau damit leben, dass es für mich weniger Ausbildungsplätze, Rollen und Engagements gibt, als für Männer?
Wer mehr als sechsmal mit Nein geantwortet hat, sollte sich noch einmal überlegen, ob er oder sie wirklich Schauspieler:in werden möchte oder die Schauspielerei nicht lieber als ein Hobby weiter betreiben will.
Wer zwanzigmal oder öfter mit Ja geantwortet hat, bringt gute Voraussetzungen für den Beruf des Schauspielers oder der Schauspielerin mit.
Nachdem die Voraussetzungen, die künftige Schauspieler:innen mitbringen müssen, nun geklärt sind, sollte sich jede:r die Frage stellen, ob man die Schauspielerei für den einzigen Beruf hält, den es sich für ihn oder sie auszuüben lohnt.
Ist tatsächlich der innere Drang vorhanden, Zeit und Energie zu investieren, um diesem Ziel näher zu kommen?
Und vor allem: Wie ist es um das Talent bestellt?
Die Einschätzung, ob Schauspieler:innen Begabung besitzen, ist eine weitgehend subjektive. Manche Intendant:innen oder Casting Directors halten einen Akteur oder eine Akteurin für herausragend begabt, die anderen wiederum finden sein oder ihr Talent nur mittelmäßig.
Also muss jede:r zunächst einmal selbst von der eigenen Begabung überzeugt sein und diese auch »verkaufen« können. Wer Angst hat, aus sich herauszugehen, und nicht in der Lage ist, andere Personen und ihre Gefühle mitreißend, glaubwürdig und überzeugend darzustellen, kann als Schauspieler:in langfristig nicht bestehen.
Neben dem Talent ist das Handwerk und damit verbunden die Schauspielausbildung ausschlaggebend. Sicher gibt es Schauspieler:innen, die nie eine Schauspielschule besucht haben und trotzdem erfolgreich sind. Aber dies sind und bleiben Ausnahmen. Wer dauerhaft erfolgreich als Schauspieler:in arbeiten möchte, muss nach der mittleren Reife oder dem Abitur eine drei bis vierjährige solide Ausbildung absolvieren, sonst kommt auch ein großes Talent sehr schnell an seine Grenzen und kann sich nicht ausreichend entfalten.
Es ist sinnvoll, sich schon vor der Schauspielschule auszuprobieren und erste Erfahrungen auf einer Bühne zu sammeln. Gelegenheiten, Theater zu spielen, gibt es viele. So hat fast jede Schule eine Theater-AG. Und diese AGs sind hervorragend geeignet, um das Talent zu erproben, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und herauszufinden, wie es ist, auf einer Bühne zu stehen und das Lampenfieber zu spüren.
Außerdem haben beinahe alle städtischen Volkshochschulen Theaterkurse, Schauspiel- und Gesangsunterricht oder Stimmtraining im Programm. Der Vorteil der Volkshochschulen ist, dass sie sehr preisgünstig sind.
Und vielleicht gibt es zudem eine Laientheatergruppe in der Gemeinde oder im Stadtteil, die sich über Nachwuchs freut. Darüber hinaus bieten die Stadtzeitungen und Kulturteile der Tageszeitung einen guten Überblick darüber, welche Theatergruppe gerade in der freien Theaterszene ein neues Stück aufführt. Diese Vorstellung sollte man besuchen und die Beteiligten ansprechen. Selbst wenn einem bei der nächsten Produktion nicht sofort eine Rolle angeboten wird, kann man möglicherweise bei der Regie hospitieren oder soufflieren und auf diese Weise Erfahrungen sammeln.
Außerdem sollte jede Person, die diesen Beruf ergreifen möchte, viele dramatische Werke lesen und sich immer wieder gute Theateraufführungen beziehungsweise gute Spielfilme ansehen, um sich von den Schauspieler:innen inspirieren zu lassen und von ihnen zu lernen.
Wer in einer größeren Stadt mit einem eigenen Stadt- oder Staatstheater lebt, kann versuchen, dort als Statist:in zu arbeiten. Beinahe in jedem Stück werden Kompars:innen, also Leute, die stumme, kleine Rollen spielen, gesucht.
Immer wieder gibt es zudem Theaterstücke, für die Kinder und Jugendliche gesucht werden. Voraussetzung ist die Erlaubnis der Eltern, der Schule, eines Arztes oder einer Ärztin und des Jugendamtes.
Da man zumindest bei den Haupt- und Generalproben auch vormittags proben muss, sollte der begeisterte Nachwuchs gut in der Schule sein, damit diese die Schüler:innen bedenkenlos für die Proben freistellt.
Weil Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren noch unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen, dürfen sie nur zeitlich begrenzt auf einer Theaterbühne stehen, also proben und bei einer Aufführung mitmachen.
»Wir arbeiten bei Kindern immer mit einer Zweifach- oder Dreifachbesetzung. Drei Kinder teilen sich also eine Rolle und wechseln sich bei den Aufführungen ab. Wer sich bei uns bewerben möchte, mailt ein paar Fotos, Angaben zum Alter, zu Hobbys und Kontaktdaten. Wenn ein Regisseur dann Kinder für sein Stück sucht, veranstalten wir ein Casting, in dem wir ganz spielerisch schauen, welches Kind passend sein könnte.«
Arzu Erdem-Gallinger, Leiterin der Statisterie, Schauspiel Köln
Ein Theater wird Kompars:innen keine großen Sprechrollen übertragen, aber sie können Theaterluft schnuppern, den Profis bei der Arbeit zusehen und dabei lernen sowie nicht zuletzt verbilligte Theaterkarten erhalten – lauter gute Gründe für die Statistentätigkeit.
Die Aufwandsentschädigung für Komparserie ist von Theater zu Theater unterschiedlich. Manche Theater zahlen 10 Euro für zwei Stunden Probe und 20 Euro pro Vorstellung, andere weitaus mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Wer den Job allerdings wegen des Geldes machen will, ist hier fehl am Platz. Wer an einer Statistenrolle interessiert ist, ruft am besten in der Zentrale des Theaters an, fragt nach den Namen der Leiter:innen der Statisterie und schickt oder mailt eine Bewerbung.
Immer mehr Stadt- und Jugendtheater bieten außerdem Projekte für Jugendliche an, die Lust haben, den Theaterbetrieb näher kennenzulernen. In diesen Theaterclubs wird kostenloser Unterricht erteilt, improvisiert und unter professioneller Anleitung eine Aufführung erarbeitet. Interessierte haben hier die Möglichkeit, das Theater von innen heraus kennenzulernen und sich in den Bereichen Bühnenbild, Kostüm, Dramaturgie, Musik, Schauspiel, Licht, Tanz, Organisation und Fotografie auszuprobieren.
Wer nicht weiß, ob das Theater in der Nähe Projekte für Jugendliche anbietet, geht am besten auf die jeweiligen Internetseiten oder ruft im Theater an. Manche Theater haben für ihren Jugendclub so viele Bewerbungen, dass sie sogar Castings veranstalten müssen; an anderen Projekten wiederum kann man ohne Vorsprechen teilnehmen.
»Ich habe über meine Mutter von der Bürgerbühne des Düsseldorfer Schauspielhauses erfahren. Nach einer Art Castinggespräch haben wir acht Wochen lang abends und am Wochenende geprobt und hatten tolle Auftritte. Schon alleine der Geruch im Theater und die Stimmung hinter und auf der Bühne war toll.«
Lia Danisch, Schülerin
Immer öfter gründen sich in größeren Städten Schauspielschulen speziell für Kinder und Jugendliche. Diese Einrichtungen bieten Kurse an, in denen professionelle Lehrer:innen den Schüler:innen die Grundlagen von Schauspiel, Improvisation, Sprache, Körperbeherrschung, Kameraarbeit und Interviewtraining näherbringen. Manchmal vermitteln diese Schulen auch talentierten Nachwuchs für Film und Fernsehen oder sind an eine Schauspielagentur angeschlossen.
Es ist wichtig, die Seriosität der Schule und der Lehrer:innen zu prüfen und eine kostenlose Probestunde mitzumachen.
»Die Lehrer:innen müssen Profis sein, die selbst mitten im Beruf stehen. Sie sollen den Kindern die Arbeit mit der Kamera näherbringen, damit die Kinder nicht nervös werden, wenn bei einem Casting oder einem Dreh die Kamera auf sie gerichtet ist. Die angeborene Natürlichkeit der Kinder darf dabei nicht unterdrückt, sondern soll gefördert werden.«
Claudia Neidig, Agentin der Schauspielagentur Neidig,Verband der Deutschen Nachwuchsagenturen (VdNA), Berlin / Köln
Ein Casting Director hat den Überblick über alle Schauspieler:innen im deutschsprachigen Raum. Der Casting Director bekommt von einer Filmproduktion oder einem Sender den Auftrag, für einen Film oder eine Serie die Rollen zu besetzen. Das heißt, er oder sie schlägt der Produktion mehrere Schauspieler:innen für die jeweiligen Rollen vor. Aus diesen Vorschlägen werden dann in Frage kommende Kandidat:innen zum Casting eingeladen, oder Produzent:in, Regisseur:in und Redakteur:in schauen sich im Internet deren Showreels an.
Schauspielagenturen hingegen betreuen nur eine kleine Anzahl von Akteur:innen – meist zwischen 20 und 60 Schauspieler:innen. Schauspielagent:innen werden ihrerseits von den Casting Directors angemailt oder angerufen und schicken bei Anfragen ihre Schauspieler:innen zu einem Live-Casting, kümmern sich um ein E-Casting oder verweisen auf die Showreels der Darsteller:innen. Wenn ein Schauspieler oder eine Schauspielerin schließlich die Rolle bekommt, verhandelt die Schauspielagentur die Gage, prüft den Vertrag und erhält dafür in der Regel von den Schauspieler:innen eine Provision zwischen 10 und 15 Prozent der Bruttogage.
Eine gute Schauspielagentur ist wichtig, weil sie Kontakte zur Branche unterhält, die ein Anfänger oder eine Anfängerin normalerweise nicht hat. Die Agentur weiß, welcher Casting Director zurzeit welchen Film besetzt, und wird versuchen, ihren Schauspieler:innen in diesen Projekten eine Rolle zu verschaffen.
Doch Achtung: Finger weg von einer Schauspiel- oder sogenannten Castingagentur, die Geld dafür verlangt, dass sie die Interessent:innen in ihre Kartei aufnimmt und vermittelt. Agenturen, die sich 75 Euro oder mehr dafür bezahlen lassen, dass sie Fotos von Bewerber:innen machen und diese ins Internet stellen, sind zum Großteil unseriös. Wenn eine Agentur auf diesem Wege mehrere Hundert Schauspieler:innen über das Internet anbietet, liegt der Gedanke nicht fern, dass sie ihr Geld allein durch die Aufnahmegebühr verdient und nicht durch die Vermittlung an Filmproduktionen.
Bei einer Agentur, die keinen Internetauftritt vorweisen kann, ist Misstrauen geboten.
Außerdem darf die Agentur keine Verträge anbieten, die die Klient:innen länger als ein Jahr ohne Kündigungsmöglichkeit binden. Provisionsforderungen über 18 Prozent sind laut der Vermittler-Vergütungsverordnung (VVVO) nicht gestattet.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal für eine gute Schauspielagentur, über die reine Vermittlung hinaus, stellt eine intensive Betreuung dar. Professionelle Agenturen haben eine begrenzte Anzahl von Klient:innen in ihrer Obhut, sie schlagen sie für Castings vor und beraten bei Fragen und Problemen. Daneben haben die Agenturen viele Erfahrungen mit der Medienbranche und wichtige Kontakte zu ihren Auftraggeber:innen.
In der Regel nehmen Casting- und Schauspielagenturen nur Schauspieler:innen mit einer abgeschlossenen Schauspielausbildung auf. Inzwischen gibt es aber daneben viele Agenturen, die ausschließlich Kinder und Jugendliche vermitteln und gleichzeitig auch Castings durchführen. Kinder und Jugendliche, die bereits Theatererfahrungen gesammelt haben, können sich bei einer dieser Agenturen bewerben. Eine Recherche im Internet über die Agentur ist immer sinnvoll, bevor man sich bewirbt.
Eine aussagekräftige Bewerbung erhöht die Chancen, in eine Agentur aufgenommen zu werden. Jugendliche, die jünger aussehen, als sie sind, haben dabei immer einen Vorteil, denn sie dürfen theoretisch schon mehr Stunden am Tag drehen als jüngere Kinder – für die Filmproduktion bedeutet dies eine Erleichterung bei der Erstellung des Drehplans.
Die Bewerbung per E-Mail sollte Folgendes beinhalten:
•ein Anschreiben mit Adresse, Telefonnummer und einer Begründung, warum man in die Agentur aufgenommen werden möchte
•zwei bis drei aussagekräftige Fotos im Anhang, deren Datenmenge aber nicht mehr als 1 MB groß ist
•einen Lebenslauf mit Angaben der künstlerischen Talente und Erfahrungen
•wenn vorhanden: ein Link zum Online-Showreel
»Wir bekommen jede Woche viele Bewerbungen von Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Bewerbung auffällt und einen neugierig macht. Ich will schon an der Bewerbung sehen, da ist einer, der kreativ ist, der sich anstrengt und der wirklichen Einsatz zeigt. Uns ist es schon wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen bereits irgendwo Erfahrungen gesammelt haben. Das kann zum Beispiel die Theater-AG in der Schule sein. Dann möchte ich Fotos sehen, die mich neugierig machen. Das kann ruhig ein guter Schnappschuss sein, der von Freund:innen oder von der Familie gemacht wurde. Hauptsache ist, ich kann auf dem Foto die Person gut erkennen und das Gesicht wird nicht durch Haare oder Hände verdeckt. Immer ganz toll ist es natürlich, wenn die Bewerber:innen ein selbst gemachtes Demoband mitschicken. Da reichen ein paar Minuten, in denen sie sich vorstellen und vielleicht ein, zwei Szenen spielen, wo ich sie in verschiedenen Rollen sehen kann. Wenn jemand noch keine 16 Jahre alt ist, soll er oder sie mir auf jeden Fall schreiben, dass die Eltern mit der Bewerbung einverstanden sind. Sollte mir die Bewerbung gefallen und ich diesen Typus auch noch nicht in unserer Nachwuchsagentur vertreten haben, lade ich ihn oder sie zum Kennenlernen ein.«
Maria Schwarz, Agentur zur Vermittlung von Jungschauspielern, VdNA, Köln
Wer von der Agentur zu einem Vorstellungstermin eingeladen wird, kann sehr stolz sein. Und wenn die Agentur die Jungschauspieler:innen dann noch in ihre Kartei aufnimmt und Caster:innen vorschlägt, ist schon ein großer Schritt getan. Vor lauter Freude sollte jedoch nicht versäumt werden, den Vertrag mit der Agentur sorgfältig zu prüfen.
»Eine gute Agentur führt ein persönliches, langes Gespräch mit Eltern und Nachwuchs und erklärt die weitere Vorgehensweise, sich bietende Möglichkeiten und lässt keine Frage unbeantwortet. Eine Aufnahmegebühr ist unseriös. Bei Aussagen wie: ›Ich mache aus dir einen Star‹, würde ich immer kritisch sein und lieber die Finger davonlassen. Unsere Agentur führt in Abständen agenturinterne Castings für Mädchen und Jungen zwischen 4 und 16 Jahren durch. Dafür muss man sich mit aussagekräftigen Fotos bewerben. Was wir nicht mögen, ist, wenn jemand Posen auf den Bildern zeigt. Aussehen interessiert uns nicht so sehr wie Spielfreude, Fantasie, Natürlichkeit, Selbstbewusstsein und ernsthaftes Interesse am Schauspiel – das testen wir beim Casting. Wenn uns jemand auffällt und wir ihn oder sie nach dem persönlichen Gespräch in die Agentur aufnehmen, möchten wir von den Darsteller:innen professionelle Fotos und bei Filmerfahrung ein Demoband. Die Bereitschaft, jederzeit Selftapes für Projekte aufzunehmen, setzen wir voraus.«
Silvana Liebich und Linda Wolters, Next GenerationAgentur & Schauspielschule, Berlin
Nach Unterzeichnung des Agenturvertrags darf man nicht enttäuscht sein, wenn nicht sofort die Einladung zu einem Casting ins Haus flattert. Manchmal dauert es einfach etwas länger, bis man seine Chance bekommt. Deshalb sollte man seine Agentur auch nicht mit täglichen Anrufen und Nachfragen behelligen. Dagegen ist es wichtig, die Agentur immer über Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten (Änderung der Adresse oder Frisur, Urlaubstermine, neue Fotos) und sich ansonsten erst einmal in Geduld zu üben – auch wenn das manchmal schwerfällt. Wer dann endlich zu einem Casting eingeladen wird, muss seinen Text perfekt beherrschen und sollte geübt haben.
Eine gute Vorbereitung fängt jedoch schon vor dem ersten Castingtermin an: Grundvoraussetzung sind nämlich gute Schulleistungen, damit die Schule die Annahme eines möglichen Rollenangebots überhaupt erlaubt. Wenn sich allerdings selbst nach mehreren Monaten kein Casting ergeben hat und das Interesse der Caster:innen gering ist, sollte ein Gespräch mit der Agentur geführt und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.
»Eine gute Nachwuchsagentur hilft bei allen Details rund um den Dreh. Wir erklären, wie man eine Dispo lesen muss und was beim Dreh zu beachten ist. Wir erwarten aber auch absolute Professionalität. Da die meisten Drehs für Kinderfilme in den Schulferien stattfinden, muss die Bereitschaft der Eltern vorhanden sein, einen Urlaub zu verschieben, wenn das Kind dadurch die Chance auf eine schöne Rolle bekommt.«
Claudia Neidig, Agentin der Schauspielagentur Neidig, Berlin
Seriöse Nachwuchsagenturen haben immer ein Büro und schlagen ihre Zelte nicht in irgendwelchen Hotels auf. Man muss bei einer guten Nachwuchsagentur nichts für die Aufnahme in die Agentur bezahlen.
Hervorragende Informationen über die Arbeit von seriösen Nachwuchsagenturen bietet die Internetseite www.vdna-film.de des Verbandes der Deutschen Nachwuchsagenturen (VdNA).
Unter der Rubrik »Allgemeine Informationen für Eltern und Jugendliche« finden sich zahlreiche Infos zum Thema Agenturaufnahme, Casting, Besetzungen, Darstellerverträge, Drehgenehmigungen, Drehtage, Arbeitszeitenregelungen, Steuern, Gagen, Vermittlungshonorar etc.
Wenn Minderjährige eine Rolle für ein Theaterstück, einen Film oder eine Werbung angeboten bekommen, müssen zunächst die Eltern, die Schule, ein Arzt oder eine Ärztin, das Jugendamt und die Arbeitsschutzbehörde zustimmen. Es wird dann darauf geachtet, wie viele Stunden das Kind oder der bzw. die Jugendliche am Tag arbeiten darf. Das Jugendarbeitsschutzgesetz gibt klare Regeln vor, so darf ein Kind zwischen 6 und unter 15 Jahren an 30 Tagen im Jahr zwischen drei und vier Stunden arbeiten. Jugendliche ab 15 Jahren, die ihre Vollzeitschulpflicht absolviert haben, dürfen sieben Stunden arbeiten; das Limit von 30 Arbeitstagen im Jahr gilt für sie nicht mehr. Zur Arbeitszeit zählen nicht die Anreise oder Umbaupausen.
Konkret schreibt das Jugendarbeitsschutzgesetz vor:
§ 2
Kind, Jugendlicher
(1)Kind im Sinne dieses Gesetzes ist, wer noch nicht 15 Jahre alt ist.
(2)Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist.
(3)Auf Jugendliche, die der Vollzeitschulpflicht unterliegen, finden die für Kinder geltenden Vorschriften Anwendung.
§ 6
Behördliche Ausnahme für Veranstaltungen
1.Die Aufsichtsbehörde kann auf Antrag bewilligen, dass bei Theatervorstellungen Kinder über sechs Jahre bis zu vier Stunden täglich in der Zeit von 10 bis 23 Uhr,
2.bei Musikaufführungen und anderen Aufführungen, bei Werbeveranstaltungen sowie bei Aufnahmen im Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen), auf Ton- und Bildträger sowie bei Film- und Fotoaufnahmen
a.Kinder über drei bis sechs Jahre bis zu zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 17 Uhr
b.Kinder über sechs Jahre bis zu drei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 22 Uhr gestaltend mitwirken und an den erforderlichen Proben teilnehmen.
§ 7
Beschäftigung von nicht vollzeitschulpflichtigen Kindern
Kinder, die der Vollzeitschulpflicht nicht mehr unterliegen, dürfen
1.im Berufsausbildungsverhältnis,
2.außerhalb eines Berufsausbildungsverhältnisses nur mit leichten und für sie geeigneten Tätigkeiten bis zu sieben Stunden täglich und 35 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.
Schauspielambitionierte, die zu alt sind, um noch eine Schauspielschule zu besuchen, die aber gerne als Laie einmal Theater- oder Fernsehluft schnuppern möchten, können in freien Theatergruppen, an Volkshochschulen oder in der Komparserie am Theater oder bei Film und Fernsehen ihr Talent erproben.
Für Erwachsene gibt es keine rechtliche Begrenzung, wie oft sie als Statist:innen auf der Bühne oder vor der Kamera stehen dürfen. Allerdings muss, wer im Theater als Kompars:in arbeiten möchte, zeitlich flexibel und zuverlässig sein, darüber hinaus braucht man eine Menge Geduld. Die Theaterproben erstrecken sich in der Regel über fünf bis sechs Wochen; sie finden tagsüber zwischen 10 und 15 Uhr sowie abends wieder ab 17 Uhr statt. Die Regisseur:innen und die Leiter:innen der Statisterie müssen sich darauf verlassen können, dass die Kompars:innen immer Zeit haben, wenn ihre Szene geprobt wird.
»Die Verfügbarkeit für die Proben ist uns natürlich sehr wichtig. Vor allem bei den Endproben müssen die Statist:innen zeitlich flexibel sein.«
Arzu Erdem-Gallinger, Leiterin der Statisterie, Schauspiel Köln
Wer mehr an der Arbeit vor der Kamera interessiert ist, der kann sein Glück als Komparse oder Komparsin bei Film und TV versuchen. Bei vielen Firmen kann man sich im Internet ein Anmeldeformular für Kompars:innen und Kleindarsteller:innen herunterladen. Zusätzlich benötigen die Vermittler:innen ein Porträt- und ein Ganzkörperfoto. Je aussagekräftiger das Foto ist, umso besser sind die Aussichten, vermittelt zu werden. Auch Angaben über äußerliche Besonderheiten oder spezielle Fähigkeiten sind interessant. Männer zwischen Anfang 30 und Mitte 50 haben immer eine gute Chance, als Komparse einen Job zu bekommen.
Bei Agenturen, die erst einmal Geld für die Aufnahme verlangen, sollte man vorsichtig sein. So ein Vorgehen ist unseriös, da Komparsenvermittler:innen ihr Honorar direkt von der Produktion erhalten, die sie beauftragt hat.
Beim Fernsehen werden Kompars:innen in der Regel nur tageweise engagiert. Aber auch hier müssen die Statist:innen Geduld mitbringen, denn sie müssen sehr früh am Drehort sein und meist stundenlang warten, bis sie einmal durchs Bild laufen dürfen. Zeitliche Flexibilität ist nötig, da die Vermittlung sehr kurzfristig erfolgt. Dafür erlebt man die Stimmung am Set und lernt nette Leute kennen. Die Tagesgrundgage für Film und Fernsehen liegt bei circa 50 bis 60 Euro.
Eine weitere Möglichkeit, im Fernsehen als Laiendarsteller:in aufzutreten, ist die Teilnahme an Reality-TV-Formaten. In diesen Formaten (sie werden auch gerne als Doku-Soaps bezeichnet) spielen Laiendarsteller:innen nach Regieanweisung reale Ereignisse nach.
Produktions- und Castingfirmen wie zum Beispiel die Kölner Firma Filmpool benötigen wöchentlich viele Laiendarsteller:innen für ihre Produktionen. Bei offenen deutschlandweiten Castings werden Textsicherheit, Überzeugungskraft und individuelle Emotionalität getestet. Für Bewerber:innen unter 16 Jahren werden speziell ausgewiesene Kindercastings veranstaltet.
»Wann genau wir ein Casting veranstalten, erfährt man auf unserer Homepage unter www.filmpool.de oder auch gerne telefonisch über unsere Casting-Hotline. Online- und Initiativbewerbungen in Form von Videos, E-Castings oder ähnlichem können direkt und bequem vom Handy oder Rechner hochgeladen werden.
Die Abläufe der Castings variieren je nach Anforderung der TV-Formate oder konkret zu besetzenden Rollen! Grundsätzlich beginnt jedes Casting mit einer kurzen Vorstellung der eigenen Person. Gut gebrieft von unserem Castingteam startet man dann mit dem Spiel der vorgegebenen Szene oder unterschiedlicher Sequenzen unter Berücksichtigung verschiedener Emotionen. Wer uns überzeugt, wird mit dem erfolgreich absolviertem Castingmaterial unseren Redaktionen vorgestellt und kann dann jederzeit zu unseren Dreharbeiten in Hürth, Köln, Berlin oder auch ganz woanders eingeladen werden.«
Stefanie Wolf, Head of Casting and Location, Filmpool, Köln
Übernachtungs- und Reisekosten zahlt die Produktion, die Gage richtet sich nach der Größe der Rolle und fängt bei 50 Euro an. Zwar ist es schön, sich selbst einmal im Fernsehen zu sehen, aber man sollte sich keinen Illusionen hingeben: Ein Auftritt in den Reality-Formaten der Privatsender oder in der Komparserie beim Theater oder Fernsehen macht aus den Lai:innen noch keine Schauspieler:innen, und sie werden dabei auch nicht entdeckt. Wer also als professioneller Schauspieler oder als professionelle Schauspielerin arbeiten will, braucht zwingend eine fundierte Ausbildung.
