Trotzdas - René Sommer - E-Book

Trotzdas E-Book

René Sommer

0,0
7,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Wie der Autor, unwillig, sich einem usuell vorgezeichneten Weg anzubequemen, in Geschichten und Bildern bedingungslos um die Ecke denkt, so bewegt sich auch der Leser im Roman Trotzdas wie ein gebannt schwirrendes Flugtier über die schillernde Oberfläche eines nicht endenden Wimmelbildes, folgt einzelnen Figuren und ihren Präferenzen, wechselt gleichsam Szene und Protagonisten, und erfährt ein nur scheinbar aussichtsloses, traumwandlerisches Momentum unzähliger Möglichkeiten. Auf der fragenden Suche nach dem Sinn verzaubern dichterisch skizzierte Impressionen den besonderen Einzelnen, denn die Figuren in diesem Erzähluniversum bewahren trotz oder gerade wegen ihrer oft seltsamen Eigentümlichkeiten, wie lieblicher Koketterie, Gesten charmanter Galanterie, naiver Weltgewandtheit, spielerisch angetaner Selbstbeständigkeit ihre Würde. Sie verkörpern wie Seiltänzer Allegorien der Balance des Bestehens, das heisst der überschwänglich tapferen Suche nach einem unverblendeten Gleichgewicht im Leben, einem Echo, dem sie lauschen, einer Couleur, die gestaltet und die sie erfahren. Der narrative Sog in René Sommers evozierender Prosa antwortet den Paradoxien und Absurditäten unserer Existenz mit poetisch orchestrierter Darstellungs- und Gestaltungsevidenz.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 285

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Zuletzt erschienen (edition jeu-littéraire):

Das Popcorn und die Vögel. Kurzgeschichten. ISBN: 978-3-7448-6475-6

Woanderswoher. Roman. ISBN: 978-3-7460-8082-6

Das Mädchen mit rotem Hut. Kurzgeschichten. ISBN: 978-3-7528-1413-2

Play Huch. Gedichte. ISBN: 978-3-7528-2037-9

Das avocadogrüne Känguru. Kurzgeschichten. ISBN: 978-3-7481-3002-4

Alldadarin. Roman. ISBN: 978-3-7481-5764-9

Der Wal heißt Beethoven. Kurzgeschichten. ISBN: 978-3-7494-4962-0

Eine Frage der Libelle. Gedichte. ISBN: 978-3-7412-9958-2

Der schlafende Löwe. Kurzgeschichten. ISBN: 978-3-7504-0301-7

Inhalt

Die Schuhe

Ein Ton

Der Drache

Ganz unten

Die Pendeltür

Die Ratte

Schneewittchen

Die Hochzeitskutsche

Der Zeppelin

Die Kissen

Der Rost

Der Roboter

Die Reißnägel

Am Brunnen vor dem Tore

Der Koffer

Der Aufkleber

Der singende Busch

Die Bassklarinette

Das Nilpferd

Die Glücksfee

Erstes Kapitel

Die Schuhe

Eine hohe Kalksteinmauer schirmt den Garten von der Straße ab. Am Einlass steht ein Schild.

- Bitte Tür schließen.

Johann Sebastian Huch drückt die Klinke. Die Tür knarrt, leistet sanften Widerstand. Der Duft von Thymian, Minze und Lindenblüten erfüllt die Luft.

Eine Frau steht mit einem Korb vor einem überdimensionierten Wäscheständer.

- Hallo, ich bin Melis Flender.

Sie trägt ein Rüschenkleid.

- Möchtest du Tee oder Kaffee trinken?

Huch zieht die Augenbrauen hoch.

- Ich trinke gern Tee, aber lieber etwas später.

Ein Mann läuft in den Garten.

- Hallo, ich bin Miko Krisch.

Er hat einen blütenweißen Kragen.

- Hätte ich nur vorher gewusst, dass es hier Tee gibt!

Melis spannt den zierlichen Rücken.

- Willst du mein Freund sein?

Krisch schaut ihr abwechselnd tief in die Augen.

- Ja!

Sie legt die Hand auf den Korb.

- Du könntest mir helfen, die Wäsche aufzuhängen.

Er eilt in kleinen Trippelschritten hin und her.

- Das ist kein Problem.

Melis biegt das Schlüsselbein nach hinten.

- Leider schon. Der Wäscheständer ist zu hoch.

Eine Frau schlendert mit einer Leiter über den Kiesweg.

- Hallo, ich bin Alba Paulsen.

Sie trägt auch ein Rüschenkleid.

- Ich habe das gleiche Kleid wie du.

Melis verbiegt den Körper.

- Ich liebe Rüschen.

Krisch reißt die Augen auf.

- Das ist erstaunlich. Kleider sind nicht unbedingt gleich.

Alba sticht mit dem Finger in die Luft.

- Das stimmt.

Sie wirft einen langen Blick auf den Wäscheständer.

- Ich stelle für euch die Leiter an.

Melis trampelt vor Begeisterung mit den Füßen.

- Vielen Dank! Sie hat die richtige Länge.

Krisch stellt ein Bein vor das andere.

- Ein Garten ohne Leiter wäre wie ein Haus ohne Treppe.

Alba lehnt sie an den Baum.

- Die Wäsche duftet angenehm.

Melis hebt ein Laken aus dem Korb.

- Es gibt in der ganzen Welt kein besseres Waschmittel als meins.

Krisch nimmt ihr das Leintuch ab.

- Glaubt ihr, dass ich es richtig aufhängen kann?

Alba kräuselt die Oberlippe.

- Du hängst das Laken nicht auf. Du stellst es aus. Das ist Kunst und nichts Anderes.

Melis stellt sich vor Huch hin.

- Ich möchte, dass du mit mir kommst.

Huch sieht sie erstaunt an.

- Wohin?

Melis lacht hell auf.

- Ich würde dir gern mein Schlafzimmer zeigen.

Krisch legt das Laken in den Korb zurück.

- Ich bin auch interessiert.

Alba biegt die Finger ein.

- Ich dachte, du wolltest es aufhängen.

Er weicht mit dem Oberkörper zurück.

- Ja, das habe ich vor, sobald ich das Schlafzimmer angeschaut habe.

Melis bewegt sich in Trippelschritten unter die Bäume.

- Es ist toll, dass du mitkommst.

Krisch folgt ihr.

- Wie groß ist dein Schlafzimmer?

Melis’ Stimme klingt silberhell und leuchtend.

- Es ist riesig.

Alba versetzt Huch einen Stoß mit dem Ellbogen.

- Was ist mit dir? Gehst du nicht mit?

Er richtet den Blick auf die Wiese.

- Später. Ich habe einen Schmetterling gesehen.

Sie guckt aus großen Augen.

- Wo?

Huch weist zur offenen Gartentür.

- Er ist hinausgeflogen.

Melis tritt aus dem Schatten der Bäume.

- Wo bleibt ihr? Alle sind eingeladen. Die Wäsche kann warten.

Alba senkt die Lider.

- Wir reden noch miteinander.

Krisch presst die Beine zusammen.

- Da möchte ich nicht stören.

Alba öffnet die Lippen zu einem strahlenden Lächeln.

- Danke, dass du uns verstehst!

Melis hält sich zwar verschämt die Hand vor den Mund, kann aber gar nicht mehr aufhören zu kichern.

- Lasst euch Zeit! Wir treffen uns später im Haus.

Krisch entfernt sich mit Melis.

- Ich finde es gut, wenn man miteinander redet.

Alba blickt Huch ins Gesicht.

- Fährst du gern Rad?

Huch faltet die Hände vor dem Bauch.

- Denkst du an eine kurze Strecke oder an eine Velotour?

Ein Mann späht in den Garten.

- Hallo, ich bin August Harsch.

Er trägt Radlerhosen.

- Wollt ihr ein Velo?

Alba tänzelt mit Wippen und Hüpfen zu ihm auf die Straße hinaus.

- Willst du es verschenken?

Harsch sticht mit dem Finger in die Luft.

- Das habe ich vor.

Sie lässt die Türöffnung hinter sich.

- Du bist nett.

Er ruft Huch.

- Wenn du dir dieses Rad nicht anschaust, bereust du es ein Leben lang.

Huch verlässt den Garten.

- Das wäre eine etwas längere Reue.

Alba zieht die Tür hinter ihm zu, zeigt aufs Schild.

- Bitte Tür schließen.

Harsch geht mit schnellen, kurzen Schritten zu einem glänzenden Fahrrad, das gegen die Mauer lehnt. Es ist mit einem starken Gepäckträger versehen.

- Nimmst du die Lenkstange in die Hand?

Huch schiebt die Daumen in die Tasche.

- Mit einer Hand oder mit beiden Händen?

Alba deutet eine federnde Lockerungsübung an.

- Pack zu! Das ist einfach.

Harsch zieht leicht den Mundwinkel nach oben.

- Schwing dich auf den Sattel!

Huch hebt die Augenbrauen.

- Ist es dein Velo?

Harsch spreizt den kleinen Finger ab.

- Es war meins. Jetzt gehört es dir.

Alba ergreift das Rad, setzt sich auf den Sattel.

- Drehen wir gemeinsam eine Runde?

Huch steht wie angeklebt auf dem Fleck.

- Wie würde das gehen?

Harsch nimmt rittlings auf dem Gepäckträger Platz.

- So! Schon kann die Reise beginnen.

Alba tritt in die Pedalen.

- Das ist ein robustes Rad.

Harsch baumelt mit den Beinen.

- Es hält etwas aus.

Sie fahren die abschüssige Straße hinunter.

Huch stellt sich auf die Zehenspitzen, guckt ihnen nach.

Eine Frau spricht ihn von hinten an.

- Hallo, ich bin Charlene Limbi.

Sie trägt ein federweißes Gewand.

- Was machst du?

Er dreht sich um.

- Ich habe den Garten angeschaut.

Charlene lehnt sich auf ihr linkes Bein.

- Möchtest du eine Kerze anzünden?

Huch legt die Arme auf den Rücken.

- Was für eine?

Ein Mann marschiert mit entschlossenem Schritt auf sie zu.

- Hallo, ich bin Flynn Grell.

Er trägt einen Hut und bringt eine Tasche.

- Ich entfache Feuer, entflamme Kerzen.

Sie lächelt in sich hinein.

- Hast du auch Shampoo?

Grell wühlt in der Tasche.

- Ich denke an alles.

Er klaubt eine Flasche hervor.

- Da ist es!

Charlene schraubt den Verschluss auf, riecht.

- Ich habe vor zu duschen.

Grell hält den Kopf hoch.

- Hast du sonst noch einen Wunsch?

Sie gibt ihm das Shampoo zurück.

- Ja sicher! Kommt mit!

Mitten auf der Straße steht ein goldener Käfig. Auf einem Tisch steckt eine Kerze in einem Ständer.

Charlene öffnet die Tür.

- Da gehen wir hinein.

Grell fragt mit drolligem Augenklimpern.

- Was machen wir darin?

Sie tritt in den Käfig.

- Wir zünden die Kerze an.

Er folgt ihr.

- Jeder träumt davon.

Charlene räkelt sich wie eine Raubkatze.

- Aber wir tun es.

Grell dreht sich nach Huch um.

- Was ist mit dir?

Er winkt höflich ab.

- Ich gehe ein paar Schritte. Es nimmt mich wunder, wo hin die Straße führt.

Sie macht eine große, ausladende Handbewegung.

- Ist gut! Du schaust dich um und kehrst zurück.

Grell tippt an den Hut.

- Wir sind ein Team.

Huch wirft einen letzten Blick auf den Käfig.

- Danke, dass ihr mich dazu zählt!

Die Straße schlängelt sich den Berg hinauf. Huch kommt zu einem Schloss. Der Turm ragt in den Himmel, ist pistaziengrün, altrosa und zitronengelb bemalt. Fresken schmücken ihn. Die Zipfelspitze blinkt golden.

Eine Frau eilt mit weit ausgreifenden Schritten auf Huch zu.

- Hallo, ich bin Hanna Dallinger.

Sie trägt ein Etuikleid.

- Ruf mich an!

Er sagt mit vorsichtigem Lächeln.

- Ich habe kein Telefon.

Ein Mann hastet durch die Straße.

- Hallo, ich bin Said Marloh.

Er trägt ein Piratenkostüm.

- Mobiltelefone sind schöne Geräte.

Hanna faltet die Hände vor der Brust.

- Hast du eines?

Marloh nestelt in der Manteltasche nach dem Smartphone.

- Ja! Ich rufe dich an, wünsche dir einen schönen Tag.

Sie guckt Huch an.

- Was meinst du? Soll er?

Er breitet die Arme aus wie Flügel.

- Ich weiß nicht. Ihr unterhaltet euch doch gut ohne Telefon.

Hanna tigert auf der Straße herum.

- Das stimmt! Aber am Telefon fühlt man sich freier. Said kann mich, zum Beispiel ungeniert fragen, ob ich meine Haare gefärbt habe.

Marloh kneift die Augen zusammen.

- Ich erkundige mich nicht auf offener Straße danach.

Sie hüpft.

- Du verstehst mich. Bist du mein Partner?

Er schlägt entzückt die Hand vor den Mund.

- Ja gern! Und etwas essen möchte ich auch.

Eine Frau kommt aus dem Schloss.

- Hallo, ich bin Emilia Glover.

Sie trägt eine Halskette und bringt eine Speisekarte.

- Was möchtet ihr bestellen?

Hanna beugt sich nach vorn.

- Kannst du uns etwas empfehlen?

Marloh weicht zurück.

- Oder sollen wir selber etwas auslesen?

Emilia wiegt den Kopf.

- Macht, wie es euch gefällt!

Sie tippt sich unsicher mit dem Zeigefinger an die Nase.

- Habt ihr gern Brot?

Hanna lässt die Zunge bei halboffenem Mund sichtbar über die Zähne kreisen.

- Brot würde alle begeistern.

Er schiebt eine Schulter vor.

- Brot ist köstlich.

Ein Leuchten fliegt in Emilias Gesicht.

- Dann kommt in unseren Speisesaal!

Hanna rennt wie entfesselt ins Schloss.

- Gehe ich voran?

Marloh folgt in höflichem Abstand.

- Ja! Das finde ich gut. Darf ich dich etwas fragen?

Sie bleibt unter dem Tor stehen.

- Was denn?

Er hat die Lippen leicht geöffnet, als würde er gerade ganz tief durchatmen.

- Hast du die Haare gefärbt?

Emilia blickt Huch an.

- Gehörst du auch zum Team?

Ein Mann durchstreift den Schlosspark.

- Hallo, ich bin Fred Birk.

Er trägt eine Zipfelmütze.

- Ich suche Kontakt. Am liebsten würde ich mich einem Team anschließen.

Emilia begleitet ihn ins Schloss.

- Du bist willkommen.

Das Tor schließt sich hinter ihnen.

Die Straße führt zwischen alten Steinmauern hindurch, schlägt einen Bogen ums Schloss. Huch hebt den Kopf.

Der Himmel leuchtet azurblau.

Eine Frau springt und tänzelt auf der Straße.

- Hallo, ich bin Lina Munro.

Sie trägt lackrote Schuhe.

- Möchtest du ein Künstler sein?

Ein Mann wandert auf sie zu.

- Hallo, ich bin Heinrich Karr.

Er trägt eine Kapuzenjacke.

- Ich hoffe, dass mein Traum eines Tages wahr wird.

Lina empfängt ihn mit freundlichem Blick.

- Wovon träumst du?

Karr schlägt die Augen nieder.

- Ich wäre gern Künstler.

Sie zeigt auf ihre Füße.

- Gefallen dir meine Schuhe?

Er neigt den Kopf.

- Ja. Ist Rot deine Lieblingsfarbe?

Lina bewegt sich tänzerisch.

- Ganz genau.

Sie zieht die Schuhe aus.

- Verzierst du sie mit Glitzerstaub?

Karr steht wie ein Reiher auf einem Bein.

- Entschuldigung, so etwas habe ich nicht dabei.

Eine Frau schlendert gelassen daher.

- Hallo, ich bin Mia Cabell.

Sie trägt ein Minikleid und bringt eine Dose Glitzerstaub.

- Sagt mir, wenn etwas fehlt.

Lina rennt im Kreis herum.

- Keine Worte können ausdrücken, wie großartig du bist!

Karr lächelt freundlich und breit.

- Wir suchen nämlich Glitzerstaub.

Mia steht leicht gebückt.

- Ist es wahr? Damit kann ich dienen.

Lina ist hingerissen.

- Würdest du uns die Dose überlassen?

Mia macht eine träge Handbewegung.

- Ja. Ich gebe sie gern her.

Er klappt die Kapuze nach hinten.

- Warum tust du das?

Mia streicht sich die Haare aus dem Gesicht.

- Ich möchte euch beeindrucken.

Lina leckt sich über die Lippen.

- Verzierst du meine Schuhe oder schaust du lieber zu?

Mia gibt Karr die Dose.

- Ich kann tagelang zusehen. Das gefällt mir.

Karr reicht sie Huch weiter.

- Fang bitte an!

Er läuft zum Schloss.

- Ich muss zuerst die Hände waschen.

Mia hüpft in Trippelschritten um Huch herum.

- Hast du Vertrauen in dich selbst?

Er fängt ihren Blick ein.

- Wieso? Ist es schwierig, Glitzerstaub zu streuen?

Lina lässt ein Lächeln aufblitzen.

- Nein, es ist einfach.

Ein Mann kommt forschen Schrittes auf sie zu.

- Hallo, ich bin Christiano Flick.

Er trägt ein Hemd.

- Ich bin gern beschäftigt. Kann ich etwas machen?

Huch spielt mit der Dose.

- Ich denke darüber nach, wie ich die Schuhe verziere.

Mia blickt Flick direkt ins Gesicht.

- Beginnst du?

Er schickt ein Zucken durch die Augen.

- Ja sicher! Ich habe bloß noch eine Frage.

Sie hüpft auf der Stelle.

- An mich?

Flick lässt den Kopf leicht nach vorne kippen.

- Ja, an dich! Bist du verheiratet?

Mia hält kurz die Luft an.

- Nein, ich bin ledig.

Er spürt, wie seine Bauchdecke vibriert.

- Willst du meine Frau werden?

Sie tanzt um ihn herum.

- Gerade jetzt oder später?

Flick reibt sich die Hände.

- In diesem Moment! Ich mag nicht warten.

Mia legt die Hand aufs Herz.

- Gut, dann gehen wir ins Schloss.

Lina befeuchtet mit der Zunge die Unterlippe.

- Darf ich dabei sein?

Mia schlägt die Augen nieder.

- Ja sicher!

Flick schenkt Lina einen Blick.

- Was wird aus deinen Schuhen?

Sie drückt ihr Kreuz durch.

- Ich habe heiße Füße und komme barfuß.

Mia berührt mit der Hand Huchs Achsel.

- Wir sind jetzt ein Hochzeitsteam. Ohne dich geht gar nichts.

Er zieht die Brauen hoch.

- Das verstehe ich. Aber was mache ich mit dem Glitzerstaub?

Flick rennt ins Schloss.

- Was du willst!

Lina folgt ihm.

- Wir sind schon weg.

Mia blickt über die Schulter zurück.

- Beeil dich! Im Schloss treffen wir uns!

Huch studiert die Dose.

- Das ist Bio-Glitzerstaub.

Er lässt ihn auf Linas Schuhe rieseln, betrachtet das Flimmern im Gegenlicht.

Eine Frau schlendert daher.

- Hallo, ich bin Clara Eickhoff.

Sie trägt einen Florentinerhut.

- Du machst Kunst.

Huch fragt vorsichtig.

- Worüber reden wir gerade?

Clara kneift ihn in den Arm.

- Über dich und die Kunst.

Er schließt die Dose, schiebt sie in Linas Schuh.

- Wir sollten besser über dich reden. Was hast du vor?

Sie ergreift die Schuhe.

- Ich suche mit dir eine Galerie.

Er schüttelt leicht den Kopf.

- Bist du sicher?

Clara legt ihm eine Hand auf den Rücken.

- Kunst muss man ausstellen.

Sie gehen die Straße hinunter, gelangen in eine schmale Allee. Wolken von Blütenstaub hüllen sie ein. Als die Schleier sich lichten, stehen sie vor einem schief gebauten Haus mit einem riesigen Schaufenster.

Ein Mann kommt heraus.

- Hallo, ich bin Joe Kabuki.

Er trägt ein capriblaues Polohemd.

- Was möchtet ihr ausstellen?

Clara schwingt grüßend den Hut.

- Diese Schuhe.

Kabuki lächelt ergeben.

- Ich liebe die Art, wie ihr sie mit Glitzerstaub verziert habt. Er führt sie in den hellen Ausstellungsraum. Die schiefen Wände und der schräg abfallende Boden sind gletscherweiß gestrichen. In der Mitte steht eine birkenweiße Holzbox.

- Eure Meinung interessiert mich. Ich habe die Absicht, sie daraufzustellen.

Clara sieht sich um.

- Du hast keine andere Wahl.

Kabukis Augen wandern durch den Raum.

- Oh doch! Sie würden auch auf dem Boden Aufsehen erregen, zum Beispiel in einer Ecke.

Sie prüft den Raum mit kritischem Blick.

- Ich sehe sie gern auf der Box.

Er stellt die Schuhe darauf.

- So kommen sie zur Geltung.

Clara streicht sich das Kinn.

- Ist der rechte Schuh hübscher als der linke?

Kabuki verdeckt den Mund.

- Ich überlasse euch die Bewertung.

Sie schiebt die Unterlippe vor.

- Ich würde sagen: der linke.

Er blickt mit schwerem Augenaufschlag zu Huch.

- Und du?

Huch hebt die Arme.

- Ich finde jeden Schuh einzigartig.

Kabuki wendet sich nach Clara um.

- Seid ihr verheiratet?

Sie schubst Huch sanft an.

- Noch nicht! Aber ich hoffe, dass wir uns bald näherkommen.

Eine Frau trippelt auf Zehenspitzen in die Galerie.

- Hallo, ich bin Amelie Peppino.

Sie trägt ein himbeerrotes Kostüm.

- Möchte jemand heiraten?

Clara legt die Hände vor dem Herzen zusammen.

- Ich glaube, ich bin bereit.

Kabuki sieht vergnügt aus.

- Wenn ihr wollt, könnt ihr die Hochzeit in der Galerie feiern.

Amelie weist zur Tür.

- Ich habe den passenden Bräutigam.

Zweites Kapitel

Ein Ton

Ein Mann tritt ein.

- Hallo, ich bin Adriano Flop.

Er trägt einen Frack.

- Ich hoffe, dass du mich heiratest.

Clara schaut ihm direkt in die Augen.

- Spielst du Golf?

Flop nickt lächelnd.

- Ja! Mein Herz schlägt für diesen Sport.

Kabuki winkt ihn mit dem Zeigefinger herbei.

- Kannst du dir vorstellen, wie das Leben ohne Golf wäre?

Flops Ohren leuchten im Gegenlicht.

- Durchaus! Aber ich würde die milchweißen Bälle vermissen.

Amelie hopst durch die Galerie.

- Spielst du gut?

Flop folgt ihr mit den Augen.

- Ab und zu gelingt mir ein Schlag.

Clara hakt sich bei ihm ein.

- Du bist bescheiden.

Er schiebt die Fersen zusammen.

- Wir könnten uns im Schloss das Ja geben.

Kabuki geht mit großen Schritten zur Tür.

- Ich kenne keinen schöneren Ort.

Amelie reckt das Kinn energisch.

- Ich bin dabei.

Flop räkelt sich glücklich.

- Ihr seid alle eingeladen.

Sie verlassen die Galerie, machen sich auf den Weg.

Huch erblickt eine Graslilie am Straßenrand.

Clara legt Daumen und Zeigefinger ans Kinn.

- Ist etwas?

Er bleibt stehen.

- Ich schaue die Blume an.

Kabuki dreht die Knie einwärts.

- Dauert das lang?

Huch hebt die Mundwinkel kaum an.

- Das könnte sein.

Amelie stupst ihn sanft an.

- Lass dir Zeit! Du weißt, wo du uns findest.

Flop beugt den Nacken.

- Das ist eine Graslilie. Für den Hochzeitsstrauß ist sie zu klein.

Clara klappert ihre Taschen ab.

- Hat jemand ein Taschentuch dabei?

Kabuki fasst sich an den Kopf.

- Hast du den Schnupfen?

Sie zeigt den Anflug eines Lächelns.

- Nein! Ich bin gerührt.

Amelie bekommt glänzende Augen.

- Ich verstehe. Du möchtest die Tränen abtupfen.

Flop setzt eine heitere Miene auf.

- Das ist kein Problem! Ich habe ein Golftaschentuch dabei.

Die Gruppe verschwindet in der schmalen Allee.

Eine Frau läuft pfeifend durch die Blumenwiese.

- Hallo, ich bin Ella Yuko.

Sie trägt ein knisterndes Papierkleid.

- Hast du mich kommen hören?

Er schlägt die Augen auf.

- Ja! Du pfeifst gut.

Ella streift über ihr Kleid.

- Danke! Und sonst? Hast du kein besonderes Geräusch wahrgenommen?

Ein Mann eilt wieselflink herbei.

- Hallo, ich bin Enrico Goll.

Er trägt Jeans.

- Weit herum im ganzen Land zittert ein Knistern durch die Luft.

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

- Du schmeichelst nur. Leider übertönt jede Grille mein Papierkleid. Suchst du einen Stoff für mich, der lauter knistert?

Eine Frau hüpft durch die Luft.

- Hallo, ich bin Charlotte Grandi.

Sie trägt eine mit Blumen bedruckte Jacke und bringt eine Rolle Knisterfolie.

- Diese Folie knistert wunderschön.

Ella sagt binnen eines Wimpernschlags zu.

- Ich nehme sie.

Goll streift mit den Fingern über die Rolle.

- Sie raschelt und zischelt, dass man fast einen Gehörschutz braucht.

Charlotte schaut Ella an.

- Darf ich dir ein Kleid schneidern?

Sie streckt die Hände aus.

- Ja gern! Dauert es lange?

Charlotte hält die Folienrolle wie ein Baby im Arm.

- Nein. Ich nähe pfeilschnell.

Sie weist auf ein flamingorotes Holzhaus.

- Kommt in mein Atelier! Ich kleide euch von Kopf bis Fuß neu ein.

Ella folgt ihr.

- Ein Traum wird wahr!

Goll ruft mit rudernden Armen und einer sich hochschraubenden Stimme.

- Ich liebe das Knistern!

Charlotte hält inne.

- Dann bist du bei mir richtig.

Sie dreht sich nach Huch um.

- Und du? Möchtest du auch zum Kleiderteam gehören?

Er schlendert durch die Wiese.

- Das klingt einladend.

Ella ruft ihm nach.

- Du bist von jetzt an dabei!

Goll drückt den Rücken durch.

- Das ist eine Verbindung, die nie abreißt.

Charlotte streicht ihm über die Stirn.

- Du hast recht.

Ella stützt die Hände in die Hüfte.

- Ein Kleiderteam ist wie eine Familie.

Goll lenkt seinen Blick auf Huch.

- Du kannst mit Stolz sagen, dass du bei der Gründung dabei warst.

Charlotte tritt ins flamingorote Holzhaus.

- 4 Mitglieder bilden eine gerade Zahl.

Die andern folgen ihr.

Huch dehnt und reckt sich, spaziert durch eine Welt, die nur aus Gras zu bestehen scheint. Zikaden sirren.

Am Waldrand steht ein Wolf.

- Hallo, ich bin der Wolf.

Huch drückt den Rücken ins Hohlkreuz.

- Bist du der einzige?

Der Wolf neigt den Kopf leicht zur Seite.

- Der Wald ist voller Wölfe.

Huch legt ein Lächeln auf seine Lippen.

- Kann ich trotzdem den Waldweg benutzen?

Der Wolf fletscht seine Zähne.

- Ja sicher! Wir sind scheu. Du hörst und siehst uns kaum.

Huch wiegt den Oberkörper hin und her.

- Ist gut! Dann sehe ich eben die Blumen an.

Der Wolf spricht, als wäre jedes Wort ein scharfkantiger Würfel.

- Es hat auch Vögel, die wunderbar singen.

Huch fragt mit ausgesuchter Freundlichkeit.

- Kommst du mit mir?

Der Wolf schnurrt.

- Hey, hey, hey, ich bin wild.

Huch schlägt einen Bogen um ihn herum, spaziert in den Wald hinein. Durchs Blätterdach der dicht beieinanderstehenden Bäume dringen nur wenige Sonnenstrahlen und werfen hellgrüne Leuchtpunkte auf den Waldboden. Eine Frau schlendert ihm entgegen.

- Hallo, ich bin das Weißkäppchen.

Sie trägt ein Käppchen aus schneeweißem Samt.

- Spielst du Fußball?

Ein Mann stürmt herbei.

- Hallo, ich bin Giulio Lombardo.

Er trägt eine Surfermütze und bringt einen Ball.

- Er sieht gewöhnlich aus, findet aber Wasser wie eine Wünschelrute.

Ihre Augen blitzen.

- Dann gib mir bitte den Ball!

Lombardo bückt sich, kniet nieder.

- Ich lege ihn dir vor die Füße.

Weißkäppchen schiebt ihr Kinn nach vorn.

- Fußball ist mein Lieblingssport.

Er setzt den Ball auf den Waldweg.

- Wohin kickst du?

Sie nimmt Anlauf.

- Zu einer Quelle! Ich trinke gern frisches Wasser.

Lombardo zieht den Hals ein.

- Ich habe einen Wolfsdurst.

Weißkäppchen schießt den Ball hoch über die Wipfel hinaus.

- War das gut?

Er rennt los.

- Unübertreffbar! Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren.

Sie lenkt ihren Blick zu Huch.

- Du siehst auch durstig aus.

Er fühlt ihre Hand auf seinem Arm.

- Manchmal liegt es am Licht.

Weißkäppchen zuckt mit den Augenbrauen.

- Wie meinst du das?

Er deutet auf die Sonnenstrahlen.

- Wenn der Schein schräg von oben einfällt, wird das Gesicht zur Leinwand. Dann siehst du alles Mögliche.

Sie spurtet in die Tiefe des Walds.

- Denk nicht zu viel! Sei ein guter Spieler! Lauf mit uns! Huchs Füße kommen ins Wippen.

- Vielleicht kann ich von dir eine spezielle Lauftechnik lernen.

Er geht ihr nach, bis der Lichtpunkt ihres weißen Käppchens zwischen den Stämmen verschwindet. Dann hält er inne, blickt sich um. Dicke Äste wachsen aus einem Stamm.

Eine Frau klettert vom Baum.

- Hallo, ich bin Lia Bloomfield.

Sie trägt ein pinkfarbenes Tutu.

- Der Wald ist so still, dass man die Blätter flüstern hört.

Huch hebt das Kinn.

- Die Bäume sind gesprächig.

Lia weist auf einen schmalen Pfad.

- Der Weg ist etwas eng. Gehst du voran? Oder soll ich?

Ein Mann beschleunigt seinen Gang durchs Unterholz.

- Hallo, ich bin Marinus Brink.

Er trägt ein zerknittertes Sakko.

- Ich bin ein geselliger Mensch und führe gern kleine Gruppen.

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

- Ist das deine Lieblingsbeschäftigung?

Brink drückt beide Knie durch.

- Ich wüsste nicht, was ich lieber täte.

Lia legt die Hand über die Schläfe.

- Dann möchtest du uns also führen?

Er spreizt die Finger seiner linken Hand weit auseinander.

- Ja, ihr seid ein sympathisches Paar.

Lia beugt den Oberkörper zu Huch.

- Ich bin beeindruckt. Marinus hält uns für ein Paar.

Huch setzt den Hut aufs Ohr.

- Vielleicht erwecken wir den Eindruck.

Brink geht voran.

- Nein, nein! Ich habe es im Gefühl.

Es knistert und knackst unter den Sohlen. Der enge Pfad verliert sich auf einer Lichtung. Riesige Betten stehen im Glanz der Sonne.

Ein Ruck geht durch Lias Finger.

- Was haltet ihr von den Kissen?

Brink springt auf ein Bett.

- Sie laden zu einer Kissenschlacht ein.

Lia schubst Huch an.

- Auf welcher Seite bist du?

Eine Frau tanzt mit ausgebreiteten Armen auf die Lichtung.

- Hallo, ich bin Sara Leonard.

Sie trägt einen Wickelrock.

- Ich werfe gut und unterstütze dich.

Brink richtet den Blick auf Huch.

- Dann bist du in meiner Mannschaft.

Huch schließt die Augen.

- Vielleicht ist jemand schneller bereit als ich.

Ein Mann flitzt auf die Lichtung.

- Hallo, ich bin Rico Heisterbach.

Er trägt eine Schirmmütze.

- Ich bin gern dabei.

Lia pustet vorsichtig den Staub von einem Kissen.

- So viel Bereitschaft braucht es gar nicht. Wir machen nur eine kleine Kissenschlacht.

Heisterbach zieht die Brauen nach oben.

- Ja, aber ich beteilige mich mit großer Leidenschaft.

Brink hüpft auf dem Bett rum.

- Dann bist du mein Mann!

Sara stichelt.

- Was? Wollt ihr heiraten?

Heisterbach greift nach einem Kissen.

- Du kriegst gleich das erste Hochzeitsgeschenk!

Die Kissenschlacht beginnt. Kissen und Federn fliegen.

Die Lichtung widerhallt von wildem Geschrei. Aufgeschreckt flattert ein Eichelhäher davon. Huch sieht nach, wo er hin fliegt, verläuft sich im Wald.

Eine Frau steigt über Moose und Föhrennadeln.

- Hallo, ich bin Paula Rubin.

Sie ist ganz in Pantherschwarz gekleidet. Die Schnürsenkel ihres linken Schuhs hängen lose herab.

- Was meinst du? Gibt es Leben auf dem Mars?

Geräuschlos schwebt eine fliegende Untertasse durch die Wipfel, landet auf dem Waldboden.

Ein Marsmensch steigt aus.

- Hallo, ich bin Toprak Ugo.

Er trägt einen neongrünen Zylinder und hat eine Tasche umgehängt.

- Wollt ihr Fotos von mir knipsen?

Paula stemmt die Hände in die Hüften.

- Zuerst binde ich den Schuh.

Ugo kniet nieder.

- Lass mich das machen! Es wäre mir eine große Freude.

Sie stellt den Fuß vor.

- Danke! Du bist mein Freund.

Er bindet die Schnürsenkel.

- Von jetzt an will ich nur noch eins: Dich lieben.

Paula fragt mit geschürzten Lippen.

- Warum gerade mich?

Ugo zieht einen Metallspiegel aus der Tasche.

- Schau dich an!

Sie guckt hinein.

- Das ist komisch. Ich sehe darin schöner aus, als ich bin.

Was ist das für ein Spiegel?

Er balanciert tänzerisch auf einem Bein.

- Er ist der einzige auf der Welt, der deine Schönheit widerspiegelt.

Paula legt die Arme um den eigenen Körper.

- Ein Mensch auf der Erde hat 10 Finger. Wie viele hast du?

Ugo versorgt den Spiegel in der Tasche.

- Auch 10.

Sie öffnet leicht den Mund.

- Bist du stolz auf deine Finger?

Er wölbt seinen Körper straff und aufrecht nach vorn.

- Ja, sie konnten eine irdische Schlaufe binden.

Paula lässt den Blick über die Baumkronen schweifen.

- Essen wir etwas?

Ugo kaut auf seiner Oberlippe.

- Niemand existiert ohne Essen.

Sie fährt sich mit der Zunge über den Mundwinkel.

- Hättest du gern etwas aus einer Konservendose?

Er lässt seinen Zylinder vor Übermut durch die Luft segeln.

- Dosen verbeule ich gern.

Huch guckt interessiert und freundlich.

- Volle oder leere Dosen?

Ugo macht den Handstand und tapst auf den Händen hin und her.

- Nur leere! Die vollen muss man zuerst öffnen, ausessen und waschen.

Eine Frau läuft über einen schmalen Pfad durch den Wald.

- Hallo, ich bin Marlene Ostermann.

Sie trägt ein Paillettenkleid und bringt eine Konservendose.

- Verbeulst du sie?

Er springt auf die Füße.

- Ja! Die Dose ist gut. Ich nehme sie.

Paula beugt den Kopf zu ihm.

- Macht es Spaß?

Ugo drückt eine Delle ein.

- Es ist schön, Blech zu formen.

Marlene fegt und tänzelt über den Waldboden.

- Du bist ein toller Künstler.

Paula legt die rechte Hand auf die Wange.

- Wir müssen ein Kunsthaus suchen.

Ugo deutet mit dem Zeigefinger auf die Dose.

- Habt ihr einen Titel für das Kunstwerk?

Marlene hüpft auf und ab.

- Ja, es heißt „Eindruck“.

Paula schlägt einen ansteigenden Serpentinenweg ein.

- Wir erklimmen den Waldberg.

Ugo wedelt mit den Augen.

- Vielleicht hat es ganz oben ein Kunsthaus.

Marlene fährt Huch über den Arm.

- Wir sind froh, wenn du mitkommst.

Er guckt in die Wipfel.

- Ich spaziere gern zu Aussichtspunkten.

Der Serpentinenweg geht im Zickzack hinauf. Der Wald lichtet sich auf dem Bergrücken, wo das Kunsthaus steht.

Wilde Reben wachsen die Mauern hoch.

Ein Mann tritt ihnen freundlich entgegen.

- Hallo, ich bin Alois Flock.

Er trägt eine große Sonnenbrille.

- Was bringt ihr?

Paula deutet auf die Konservendose.

- Kunst.

Ugo hält sie hoch.

- Bist du interessiert?

Flock schnuppert daran.

- Dieses Teil ist von unbeschreiblicher Schönheit.

Marlene schnipst mit dem Finger.

- Deine Bewertung ist wichtig.

Paula zieht beide Augenbrauen nach oben.

- Die Dose sollte unbedingt im Kunsthaus ausgestellt werden.

Flock fährt sich mit der Hand durch die Haare.

- Das hört sich nach einer guten Idee an.

Ugo dreht die Fußspitzen leicht nach außen.

- Ich möchte, dass sie gut sichtbar ist.

Marlene geht zum Eingang.

- Wenn jemand dein Kunsthaus betritt, sollte er sofort darüber stolpern.

Ein Gedanke durchzuckt Flock.

- Gut, dann legen wir sie auf die Schwelle!

Paula blickt Ugo an.

- Wie siehst du das?

Er platziert die Dose.

- Das ist der beste Platz.

Marlene schenkt ihm ein aufmunterndes Lächeln.

- Und einzigartig!

Flock klatscht begeistert.

- Es lohnt sich, mit dem Künstler zu sprechen.

Paula winkelt den Arm an.

- Ich hoffe, dass es bald etwas zu essen gibt.

Er macht eine einladende Handbewegung.

- Hereinspaziert! Was darf ich euch anbieten?

Ugo hüpft über die Schwelle.

- Ich hätte gern einen Kuchen nach altem Rezept.

Flock nimmt ihn am Arm und führt ihn ins Kunsthaus.

- Dann seid ihr bei mir genau richtig. Es gibt Apfelkuchen.

Marlene berührt flüchtig, wie zufällig, Huchs Hand.

- Wir sind eingeladen. Du kriegst das erste Stück.

Huch legt den Arm an den Körper.

- Zuerst sehe ich mich nach dem Aussichtspunkt um.

Paula geht ins Kunsthaus.

- Versuchst du nicht wenigstens ein bisschen?

Ugo ruft heraus.

- Aussicht auf Kuchen ist die schönste Aussicht.

Marlene dreht sich auf der Schwelle um.

- Wir reservieren dir ein Stück.

Huch wendet sich ab.

- Das ist nicht nötig.

Er atmet die Waldluft ein. Schon nach den ersten Metern hört er das Flüstern der Föhren.

Eine Frau läuft durch den Wald.

- Hallo, ich bin Alina Cassidy.

Sie trägt einen Tüllrock und bringt ein Heft mit Notenlinien.

- Notierst du die Flüstertöne?

Ein Mann kommt mit weit ausladenden Schritten.

- Hallo, ich bin Sammy Tanner.

Er trägt eine Weste und bringt einen Stift.

- Darf ich die Noten schreiben?

Alina gibt ihm das Notenheft.

- Das kannst du machen.

Tanner setzt sich auf einen bemoosten Stein, zeichnet Notenköpfe und -hälse in die Linien.

- Ich mag die Musik der Föhren.

Sie verlagert ihr Gewicht von einem Fuß auf den andern.

- Ich bin verrückt nach Komponisten.

Er winkt höflich ab.

- Also, ich schreibe einfach die Töne auf.

Ein breites Lächeln huscht über ihr Gesicht.

- Ich genieße es, dir zuzugucken.

Tanner zieht die Oberlippe ein.

- Hoffentlich gefallen dir meine Noten.

Alina schaut ihm über die Schulter.

- Das ist das Seltsamste, was ich je gesehen habe.

Er blinzelt verschmitzt.

- Es sind Sechzehntelnoten. Sie bewegen sich, halten keinen Moment still.

Plötzlich knäueln sie sich, schwirren und schwärmen wie Bienen aus dem Blatt.

In einer leichten Drehung des Oberkörpers wendet sich Alina Huch zu.

- Hilfst du uns?

Er zieht eine Schulter hoch.

- Wir folgen dem Schwarm. Vielleicht lässt er sich irgendwo nieder.

Sie läuft den Noten nach.

- Hoffen wir es! Nehmt die Beine unter den Arm!

Tanner rennt hinterher.

- Ich habe vergessen, Pausenzeichen zu schreiben.

Schritt für Schritt folgt ihnen Huch. Alina und Tanner geraten ins Unterholz, verschwinden im Gebüsch.

Huch zeigt sich überrascht.

- Sie sind wirklich schnell.

Eine Frau trippelt durch den Wald.

- Hallo, ich bin Mira Meligeni.

Sie trägt einen admiralblauen Rock.

- Kannst du einen Ton singen?

Huch singt.

- La.

Mira schmiegt sich mit verzückter Miene an ihn.

- Das war einmalig. Möchtest du etwas trinken?

Ein Mann schlendert heran.

- Hallo, ich bin Björn Knock.

Er trägt eine karierte Hose.

- Ich habe Durst.

Sie dreht sich einmal um die eigene Achse.

- Magst du Ananassaft?

Er schiebt die Hand über die Brust.

- Ich probiere ihn.

Drittes Kapitel

Der Drache

Eine Frau kommt mit resolutem Schritt.

- Hallo, ich bin Lisa Zana.

Sie trägt dünne Strumpfhosen, bringt ein Tablett mit einer Karaffe und 4 Gläsern.

- Ihr braucht nichts zu sagen. Ich weiß es bereits.

Mira tippt ihr auf die Schulter.

- Du bist rasch.

Knock schiebt die Unterlippe vor.

- Ich mag die Art, wie du auftrittst.

Lisa nimmt ein Glas vom Tablett.

- Wem darf ich einschenken?

Mira leckt sich die Oberlippe.

- Mir.

Knock schlägt erregt die Augen auf.

- Mir auch. Ich bin wirklich sehr durstig.

Lisas Blick schweift zu Huch.

- Und was möchtest du trinken?

Er lehnt an einen Stamm.

- Ich sehe mir den Wald an, während ihr trinkt.

Ein Mann trippelt in Schleifschritten heran.

- Hallo, ich bin Louis Clark.

Er trägt eine Fliege und bringt ein Notenblatt.

- Ist das nicht fast ein bisschen schade?

Huch zieht die Schulter hoch.

- Was meinst du?

Clark streckt seinen Arm aus.

- Dir wird Saft angeboten, und du probierst nicht einmal.

Huch atmet tief ein.

- Denkst du, ich verpasse etwas?

Clark gibt ihm das Notenblatt.

- Möglicherweise schon. Aber vielleicht hast du ja Freude an der Musik.

Mira wirkt verblüfft.

- Kannst du Noten schreiben?

Clark gesellt sich zu ihr.

- Nein, nein, wo denkst du hin! Die Noten sind nicht von mir.

Knock stützt das Kinn auf die Hand.

- Vielleicht versuchst du es einmal. Dann wirst du ein Komponist.

Lisa reicht Clark ein Glas.

- Darf ich dich einladen?

Er rundet den Rücken.