Über die Berechnung des Rauminhalts IV - Solvej Balle - E-Book

Über die Berechnung des Rauminhalts IV E-Book

Solvej Balle

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Beschreibung

Die Zahl derer, die im 18. November feststecken, wird immer größer. Tara Selter wohnt mit einer Handvoll Zeitgefangener in einer Villa in Bremen, doch beinahe täglich klopfen neue Menschen an die Tür. Langsam wird klar, dass es weltweit viel mehr Personen gibt, die nicht am 19. aufwachen, als zunächst angenommen. Weitere Gruppen bestehen in Osnabrück, aber auch in Lüttich, Lugano und Lyon. Die regelmäßigen Treffen der Bremer Runde werden genutzt, um eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, in der sich alle über ihre außergewöhnliche Lage austauschen können. Denn hat es Sinn, in einer Zeit, die keine Jahre und Jahreszeiten kennt, von Wochen und Monaten zu sprechen? Und wie sollten sie sich selbst nennen, wie die anderen? Loopers und noopers, tracers und erasers? Doch mit dem steten Zustrom von Neuankömmlingen werden die Diskussionen um linguistische Spitzfindigkeiten bald verdrängt durch ethische Fragen, die die Bewohner und ihre zahlreichen Besucher umtreiben: Gilt es, die Gelegenheit beim Schopf zu packen, um tägliche Tragödien in der Welt zu verhindern, oder sich den Risiken des eigenen Älterwerdens zu widmen? Es ist nicht nur die Verletzbarkeit von Tara und ihren Freunden, die Sorgen bereitet, sondern auch die Gefahr, die von ihnen ausgeht – denn im Gegensatz zum Handeln der anderen, deren Tag stets von Neuem beginnt, bleibt das ihre nicht ohne Folgen.

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Seitenzahl: 258

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über die Berechnungdes Rauminhalts IV

SOLVEJ BALLE

ÜBER DIE BERECHNUNG DES RAUMINHALTS IV

Aus dem Dänischenvon Peter Urban-Halle

Inhalt

#1892

#1895

#1921

#1928

#1940

#1941

#1942

#1945

#1971

#2028

#2046

# 2092

#2172

#2237

#2246

#2256

#2313

#2446

#2633

#2896

#2903

#2947

#3112

#3261

#3346

#3411

#3446

#3592

#3637

#1892

Es ist schwer zu entscheiden, wo etwas endet und wo etwas anfängt. Oder jemand. Wo ein Mensch anfängt oder aufhört. Wo der nächste beginnt. Man glaubt, es erkennen zu können: die Körper, und zwischen den Körpern Luft. Fünf Menschen an einer Einfahrt, die sich geöffnet hat. Sie hatten an der Gegensprechanlage unseres schmiedeeisernen Tors geklingelt, und jetzt warteten sie. Sie standen ein wenig zerstreut, aber es war eine Gruppe.

Sie müssen das Gleiche wie wir gesehen haben, als wir aus dem Haus kamen: so etwas wie eine Menschenschar. Vier Personen mit Luft zwischen sich auf dem Weg zur Einfahrt, und jetzt sind wir neun Leute in einem Haus. Neun Leute, die sich an der Einfahrt trafen und sich noch daran erinnern, dass sie sich an der Einfahrt getroffen haben. Dass wir zu ihnen hinuntergingen oder beinahe liefen und dass sie dort standen, zögernd, falls man es zögern nennen kann, wenn bereits geklingelt wurde: Anton Janas in einem grauen Wollmantel mit mittelgroßen Knöpfen, Rosalie Torpa, die am liebsten Rosi genannt werden möchte – mit der Betonung auf der zweiten Silbe –, Sonia Mirbek, die auf den Klingelknopf gedrückt hatte und dann wieder ein wenig zurückgetreten war, zu Peter Hass-Teilo hin, der einige Schritte von der Einfahrt entfernt stand und seine Hand auf Sonias Schulter legte, als das Tor sich langsam öffnete.

Es öffnete sich, weil Ralf auf den Knopf der Gegensprechanlage gedrückt hatte, als der beharrliche Lärm einsetzte. Wir waren damit beschäftigt, im Eingang Pappkartons mit Proviant zu stapeln, als es klingelte. Ralf, der der Tür am nächsten stand, fuhr zusammen, aber dann machte er sie auf, trat auf die Treppe und spähte zum Tor hinunter. Erst konnte er nur zwei, drei Gestalten und ein bisschen von einem Auto sehen. Er konnte nicht erkennen, wie viele sie waren, aber er sah, dass da Leute standen, also drückte er auf den Knopf und wir eilten zur Einfahrt. Erst Ralf, dann Henry und schließlich Olga und ich. Es dauerte nicht lange, bis wir erfuhren, dass die Neuankömmlinge nach einem gewissen Ralf suchten und dass sie im achtzehnten November gefangen waren. Wir baten sie herein, und kurz darauf waren wir alle im Haus versammelt. Das Auto manövrierten wir durchs Tor auf unser Grundstück. Peter saß am Steuer, und Ralf lotste ihn vor die alte Garage. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, an welcher Stelle Marlice Maurer in der Gruppe stand. Es muss irgendwo im Hintergrund gewesen sein, weil ich sie gar nicht richtig bemerkt hatte, ehe wir am Haus anlangten. Da war das Einfahrtstor längst wieder geschlossen und das Auto vor der Garage geparkt, die Leute zwängten sich an all den Pappkartons vorbei, die im Entree aufgestapelt waren, und ziemlich bald redeten wir über Haferflocken, denn genau das war ja in den Kartons: Haferflocken und gesalzene Kräcker mit Oregano.

Marlice kam als Letzte ins Haus, weil sie sich noch hatte bücken müssen, um ihre Schnürsenkel zu binden, aber dann quetschte sie sich auch in den Eingang, wo sie einen Moment stehen blieb, die Treppe zum ersten Stock betrachtete und einen Blick in die Zimmer warf. Sie trat die Schuhe auf der Fußmatte ab und kam herein, aber bereits wenige Minuten später, als sie das Parkett im größten Salon sah, das Muster und die verschiedenen Holzarten, bestand sie darauf, die Schuhe auszuziehen. Typisch für die Häuser der Zeit, sagte sie etwas später, als wir im Salon standen, auf Strümpfen, da auch ich meine Schuhe ausgezogen hatte, sicher aus Höflichkeit dem Parkett gegenüber, aber leider konnte sie nicht viel mehr über jene Zeit sagen, weil jetzt die anderen hereinströmten und um eine Führung baten. Die Größe des Hauses hat sie, glaube ich, alle überrascht, obwohl sie es von außen gesehen hatten, und vielleicht waren auch wir überrascht von der plötzlichen Unruhe im Haus: ein Wirrwarr von Menschen, Schuhen, die auf der Matte abgetreten, Jacken und Schals, die im Eingang auf die Haken gehängt wurden, von Stimmen und Sätzen in der Luft, Fragen zum Haus und wie viele wir seien und wie lange wir hier schon wohnten. Einer möchte wissen, wo das Badezimmer ist, ein anderer stolpert gerade über ein Paar Schuhe oder einen Karton, ein dritter schiebt zwei Kartons beiseite und gibt einen Kommentar über das Haus ab, und plötzlich weiß man nicht, wessen Schuhe da stehen oder von wem der Satz kam, der einem im Ohr summt.

Wir führten sie durch die Räume, und uns war schon klar: Sie waren drauf und dran, bei uns einzuziehen. Schwierig, sich etwas anderes vorzustellen, als dass sie sich hier einquartieren würden. Platz ist ja genug, und jetzt sind sie in die Stadt gefahren, denn gestern Abend war es spät geworden, wir hatten bis weit in die Nacht geredet und es nicht mehr geschafft, ihre Sachen zu holen. Wir waren zu müde gewesen oder hatten zu viel Wein getrunken, um uns noch ins Auto zu setzen.

Als die Neuankömmlinge das Erdgeschoss und die oberen Zimmer besichtigt hatten, hatte Olga Tee gekocht und Kräcker aus den Kartons geholt, und wir gingen in das Kaminzimmer. Den Keller konnten sie sich später noch ansehen, sagte sie, während wir uns auf den alten Sofas und Sesseln niederließen, ein wenig dichter als üblich, denn wir waren es gewohnt, uns auf den Möbeln breitzumachen, die Beine hochzulegen und uns in Decken zu wickeln, weil es etwas kühl werden konnte, wenn der Kamin nicht brannte.

Jetzt machte Ralf Feuer. Zwischen uns schwebten Namen und Erklärungen. Ein Wirrwarr aus Sätzen, Gebärden und Geschichten, Sonia und Peter auf dem einen Sofa zusammen mit Ralf, Olga auf einem Kissen vorm Kamin, wo sie von Zeit zu Zeit ein Holzscheit oder zwei auf die Glut warf. Zuweilen beugte sie sich vor und blies hinein, wenn die neuen Scheite nicht so richtig Feuer fangen wollten.

Ich saß neben Olga auf dem Boden, bis ich mich zu Henry auf das andere Sofa setzte, weil es mir vorm Kamin zu warm geworden war. Die anderen saßen rundum in den Sesseln, jedenfalls die meiste Zeit, denn Rosi und Marlice hielt es nicht immer auf ihrem Platz, sie stellten sich in die Türöffnung, wo es etwas kühler war, oder gingen mit, wenn ein Hausbewohner den Raum verließ – um noch Kräcker zu besorgen, Tee zu kochen oder Wein aus dem Keller zu holen –, aber das waren nur kurze Unterbrechungen, und bald waren wir wieder alle im Salon, wo immer mehr Schnipsel unserer gemeinsamen Geschichte aufgedeckt wurden. Ein Raum voller Bewegung: Die Zeit lief in unseren Berichten davon, Ströme des achtzehnten Novembers, wir hasteten durch die Tage, und unversehens war es Abend, und wir saßen da, neun Menschen mit Stimmen und Sätzen, mit all dem, was geschehen war, allen Anfängen, die wir allein erlebt hatten, und unseren Begegnungen.

Zu Beginn waren wir zwei Gruppen: wir und unsere Gäste, oder die Neuen und die Bewohner des Hauses, aber von einem bestimmten Zeitpunkt an, ich weiß nicht, wann genau, hörten die Hinzugekommenen auf, unsere Gäste zu sein, und wurden zu neuen Hausbewohnern. Vielleicht schon nach zwei, drei Stunden. Jedenfalls empfanden wir sie, als wir spät in der Nacht Matratzen und Decken und Federbetten holten, nicht mehr als Gäste. Oder ich glaube, wir wurden daran erinnert, dass wir selber Gäste waren, dass die Matratzen und Sofas, die wir ihnen zum Übernachten anboten, die Matratzen und Sofas des Hauses waren und eigentlich nicht uns gehörten. Vielleicht verhält es sich ja so: Wir sind Gäste, und wenn wir Gäste bekommen, wird klar, dass alles nur geliehen ist, dass wir auf geliehenen Sofas und Sesseln gesessen haben – mit Armen und Beinen, die unsere waren und die Körpern gehörten, die unsere waren, und mit all den Worten und Sätzen und all den Bewegungen, die man nie so richtig sein Eigen nennen kann, das war eindeutig, weil wir nicht umhin konnten, von den anderen Gesten und Bewegungen zu leihen. Oder Sätze.

Es war nicht schwer, sie voneinander zu unterscheiden. Die Körper auf den Sofas und Sesseln. Die Gesichter, die zu den Körpern gehören. Die Stimmen, die zu den Gesichtern gehören. Mal hört man dem einen, mal dem andern zu, und immer wenn man seinen Blick nach einer der Stimmen richtet, gehört sie zu einem Gesicht und einem Körper mit einer Hand im Nacken oder einer bestimmten Art, sich auf die Sofalehne zu stützen. Aber dann bemerkt man, dass man selbst eine Hand im Nacken hat oder dass man sich auf genau die gleiche Art und Weise auf die Lehne stützt, und dann kommt eine andere, die was erzählt, und ein anderer, der sich eine Bewegung borgt. Ein Bein wird gebeugt und aufs Sofa gezogen, zwei Hände flattern in der Luft, um etwas zu erklären, und etwas später flattern zwei andere Hände, und ein anderes Bein wird auf einen Sessel gezogen. Es ist warm im Zimmer, und jemand schnappt einen Satz auf und verwendet ihn wieder, denn auch wenn man die Stimmen rasch kennenlernt und mit Gesichtern und Körpern verbindet, treiben die Bewegungen durch den Raum, Sätze werden weitergegeben, und Bewegungen ziehen durch Spiegelungen und Wiederholungen vorbei, manchmal nur durch das Zucken einer Augenbraue oder eine lauschende Geste, die unauffällig von einem Gesicht zum andern geht. Einer steht auf und räumt Tassen oder Gläser weg, und sofort tut ein anderer das Gleiche, und so verbrachten wir den ganzen Abend, ein Mosaik, eine Verflechtung, so viele Bewegungen und all die Hände und Arme und Beine, die borgen und mimen und spiegeln und austauschen. Einer gähnt und dann ein Zweiter und Dritter, denn alle sind müde, aber das bedeutet nichts. Eine Geschichte wird in den Raum gesandt und dann eine andere, die an die erste erinnert, denn es gibt immer einen, der ein Erlebnis daran anknüpfen kann: Die Erzählung des einen ruft eine Geschichte bei einem anderen hervor, und mit einem Mal sieht man etwas, das geschehen ist, oder einen Ort, an dem man gewesen ist, in einem anderen Licht, und die ganze Zeit handelt es sich um fremde Federn, gestohlene Bewegungen, die Hand, wie sie an die Wange gelegt wird, ein freundlicher Diebstahl, Rosi, die die Teetasse in beiden Händen hält und ins Zimmer schaut, und plötzlich Olga in derselben Stellung, und so verging der erste Abend damit, dass wir uns ineinander verfilzten, ein Ringeltanz, ein wunderliches Ballett, eine linkische Pantomime.

Es war spät geworden. Unsere Aufmerksamkeit schien allmählich nachzulassen. Die meisten waren müde oder hatten zu viel Wein getrunken. Erst war Rosi eingeschlummert, dann hatte Olga das Bedürfnis, einen ihrer Spaziergänge in der Dunkelheit zu machen. Wir andern unterhielten uns noch ein bisschen, aber unsere Bewegungen waren träger geworden. Sonia schmiegte sich an Peter, und Henry streckte sich ein wenig, als wollte er sich auch an jemanden anschmiegen. Ganz still verebbte das Gespräch und kam erst wieder in Gang, als Olga von ihrer Nachtwanderung zurückkehrte.

Sie war jetzt wieder hellwach, wir hörten sie in der Küche rumoren, denn sie war damit beschäftigt, die Schlafplätze für unsere Gäste herzurichten. Sie hatte die alten Matratzen entdeckt, die in einem der Zimmer hinter der Küche gelagert worden waren, und als sie die erste anschleppte und in einem angrenzenden Salon auf den Boden plumpsen ließ, standen wir alle auf, verließen unser Kaminzimmer und kamen ihr zu Hilfe, Rosi etwas langsam, weil sie erst wieder wach werden musste, aber bald waren wir alle damit beschäftigt, Matratzen durch die Zimmer zu schieben und Decken und Federbetten zu holen, und schließlich fand Olga ihren alten Schlafsack, der immer noch – behauptete sie jedenfalls – nach Salzwasser und friesischen Inseln roch.

Ich sagte, auf den harten Matratzen würden sie wahrscheinlich nicht viel Schlaf bekommen. Dass wir später andere beschaffen könnten, aber alle waren müde, oder die meisten, glaube ich. Ich selber schlief erst nach zwei, drei Stunden ein und war morgens als Erste wach, zumindest war das mein Eindruck, weil es so still war, als ich die Treppe hinunterschlich. Vielleicht taten sie nur, als schliefen sie. Jedenfalls begannen sie erst, sich von ihren Matratzen und Sofas zu erheben, als ich Kaffee gemacht und aus den Kartons im Eingang Haferflocken geholt und Tassen und Teller auf den Tisch im Wintergarten gestellt hatte. Am Tisch war Platz für alle, und alle wussten noch, was passiert war: dass fünf Personen an einem Einfahrtstor gestanden hatten, das sich öffnete, und dass vier Personen hingingen – oder beinahe liefen.

Nach dem Frühstück zog ich mich in mein Zimmer zurück, weil ich dachte, ein wenig Schlaf nachholen zu können, aber alles summte in meinem Kopf: Menschen und Bewegungen und fünf neue Geschichten, die miteinander verflochten sind und die ganze Zeit über existiert haben, obwohl wir es nicht wussten.

Es fühlte sich an, als wären wir alle im selben Wald gewandert, aber jeder auf seinem eigenen Pfad. Dass wir uns verirrt hatten, und zwar jeder für sich, aber wir waren nicht allein auf unserem Irrweg, weil ja die anderen auf ihren jeweiligen Pfaden wanderten, und wir haben zu einer Lichtung gefunden, und dann sehen wir auf einmal, dass wir nicht nur den Wald, sondern auch die Lichtung miteinander teilen. Man denkt, alles fängt an, wenn man sich begegnet, aber unsere Geschichten waren bereits miteinander verflochten.

Die anderen sind in die Stadt gefahren, ich habe beide Autos gehört, unsere neuen Mitbewohner sind los, um ihre Sachen zu holen, und Henry besorgt mit Ralf in dessen Wohnung weitere Teller und ein paar Kochtöpfe, die, wie Ralf plötzlich eingefallen war, auf seinem Dachboden standen.

Olga ist aufgewacht, glaube ich. Sie kam nicht zum Frühstück, ich habe nur Schritte auf dem Gang gehört. Vielleicht sind auch die andern zurückgekommen, aber ich glaube nicht. Jetzt hör ich's wieder, das sind nicht mehrere. Es ist das Geräusch einer einzelnen Person auf nackten Füßen.

#1895

Wir dachten natürlich, sie hätten sich, als sie vor unserer Einfahrt standen, schon lange gekannt, aber das war nicht der Fall. Das heißt, Marlice und Rosi schon. Sie waren sich schon nach wenigen hundert Tagen in einem Park in Amsterdam über den Weg gelaufen. Am Tag 236, sagte Marlice heute Abend, als wir wieder einmal im Salon saßen und unsere Tage miteinander teilten. Sie hatten sich getroffen, während wir anderen herumirrten und glaubten, wir seien allein auf der Welt.

Anton Janas sind sie erst viel später begegnet. Sie trafen ihn in Polen, und dann sind sie alle drei nach Berlin gereist. Dort hatten sie eins unserer Plakate gesehen. Deshalb kamen sie her. Nicht sofort, es dauerte eine Weile, ehe ihnen klar wurde, dass etwas nicht stimmte, obwohl sie das Plakat gesehen hatten. Darauf stand Ralf Kern und Achtzehnter November in großen Lettern. Und da stand Bremen und Henselstraße. Der etwas kryptische Wortlaut und die Großbuchstaben waren ihnen aufgefallen, aber sonst war es nur ein Plakat, und erst, als sie ein paar Anschläge mit demselben Ralf Kern am Fahrkartenschalter des Bahnhofs bemerkt hatten, fingen sie an, sich zu wundern. Nicht so sehr, weil nach einem Menschen gefahndet wurde, und es war ja auch nur ein Stück Papier mit Foto, kurzem Text und zwei, drei Telefonnummern, aber der Anschlag hing jeden Tag an anderer Stelle, unregelmäßig, als ob es in den Tagen eine Veränderung gäbe. An einem Tag hatte Anton ihn an einer Glaswand in der Nähe des Schalters gesehen, einige Tage später war er mit Rosi an einem ganz ähnlichen Anschlag vorbeigegangen, auf dem 18. November und verschwunden und Ralf Kern stand, diesmal aber an einer Säule etwas weiter entfernt. Rosi merkte an, dass sie den gleichen Anschlag schon ganz woanders gesehen habe, und sie sprachen von dem Plakat, das lange an einer Wand mit Hinweisen für Konzerte und Ausstellungen und Veranstaltungen gehangen hatte, das musste derselbe Ralf K. sein, nach dem gefahndet wurde. Beim nächsten Mal, als Rosi an einem Plakat vorbeikam, das nun wieder an der Glaswand neben dem Fahrkartenschalter hing, hatte sie es abgenommen, zusammengefaltet und in die Tasche gesteckt, wo es gelegen hatte, bis es von selbst verschwand, wahrscheinlich in derselben Nacht, jedenfalls war es weg, als sie sich wieder daran erinnerte, und sie hatten die Frage auf später verschoben. So interessant war es auch wieder nicht, dass ein Mann ausgerechnet am achtzehnten November verschwunden war, sagte Marlice zu Ralf, wie um sich zu entschuldigen, dass sie sich nicht sofort auf die Suche nach ihm begeben hatten. Ich glaube, sie war es, die den verschwundenen Ralf Kern am wenigsten interessant fand. Zumindest am Anfang.

Erst später, als sie wieder auf die seltsamen Anschläge zu sprechen kamen, wollten sie sich endlich mit der Sache befassen, aber da wurden am Fahrkartenbüro keine Fahndungsplakate mehr aufgehängt, und als sie erst beim einen und dann beim andern Schalter nachfragten, konnte keiner etwas dazu sagen. Der Mann muss gefunden worden sein, hatte Rosi gesagt, aber im selben Moment begriff sie, dass das unmöglich war. Falls der Mann am Morgen des achtzehnten Novembers verschwunden war, musste er am nächsten Achtzehnten wieder verschwinden. Selbst wenn er im Laufe des Tages aufgefunden worden war. Es sei denn, irgendetwas war faul.

Dass etwas faul war, das heißt, dass sowohl dieser Mann als auch die Leute, die nach ihm fahndeten, höchstwahrscheinlich genauso im achtzehnten November feststeckten wie sie selbst, hatten sie sich natürlich schon gedacht, aber nun, wo sie den Fall endlich anfingen zu untersuchen, war nur noch das große Plakat übrig. Nach wie vor an der Wand, wo Henry es auf seinem Ausflug nach Berlin angebracht hatte.

Die drei hatten schon überlegt, ob sie nach Bremen fahren und Ralf suchen sollten, als Anton plötzlich ein weiteres Plakat am andern Ende des Bahnhofs entdeckte und überzeugt war, dass es erst vor Kurzem aufgehängt worden war. Natürlich hatte es die ganze Zeit dort gehangen, zumindest war sich Henry sicher, dass er im Berliner Bahnhof zwei Plakate angebracht hatte. Anton musste es beim ersten Mal übersehen haben, auch wenn er das partout nicht wahrhaben wollte.

So oder so trug das Mysterium um die Plakate und die verschwundenen Fahndungsblätter dazu bei, dass dieser Ralf K. ihr Interesse fand. Aber es tat sich nichts. Zwei Plakate, keine Änderung, keine Erklärung. Sie waren alle drei immer mehr davon überzeugt, dass sich noch andere Menschen im achtzehnten November befanden, aber nun fühlte sich ihre Suche nach dem mystischen Ralf K. an, als hielten sie nach einer Phantasiefigur Ausschau, als jagten sie ein Seeungeheuer oder den Weihnachtsmann oder den furchterregenden Schneemenschen, sagte Anton, und in den nächsten Tagen gingen sie oft zum Berliner Hauptbahnhof, nur um festzustellen, dass sich auch diesmal wieder nichts geändert hatte. Schließlich waren sie nach Bremen gefahren, mit der Henselstraße und Ralfs Namen als einzigen Anhaltspunkten.

Wieder saßen wir im Salon mit Wein und gesalzenen Oreganokräckern. Die Stimmung war heiter, und noch einmal sprachen wir von unseren Wegen nach Bremen. An den ersten Tagen waren uns nur die kurzen Versionen erzählt worden, Fetzen bestimmter Ereignisse, ein Gewirr von Informationen, die man unmöglich überschauen konnte, die aber auch bloß eine Reihe von Variationen desselben Themas waren: woher wir kamen, wo wir gewesen waren, als wir die Wiederholung der Zeit entdeckten, wie wir uns im achtzehnten November zurechtgefunden hatten, wann wir uns getroffen hatten und wie es dazu gekommen war. Alles Teilchen einer Erzählung, die jedes Mal am selben Ort endete: vor unserm schmiedeeisernen Tor. Als ob alles auf unsere Begegnung zugesteuert hätte, vier auf der einen, fünf auf der andern Seite.

Allmählich brachten wir unsere Bewegungen in einen Zusammenhang, und es war nicht besonders schwierig zu erklären, was im Berliner Bahnhof geschehen war. Dass am Fahrkartenschalter keine Fahndungsplakate mehr aufgehängt wurden, lag selbstredend daran, dass Ralf zurückgekommen war und wir deshalb das Bahnhofspersonal nicht mehr gebeten hatten, unsere Plakate aufzuhängen, und als sich die drei endlich dazu durchrangen, den Fall näher zu untersuchen und nach Bremen zu fahren, waren wir längst aus Ralfs Wohnung ausgezogen.

Als sie in die Henselstraße kamen, war natürlich niemand zu Hause. Trotzdem erfüllte sie eine Art Erfolgsgefühl, als sie, nachdem sie die Straße rauf und runter gewandert waren, plötzlich Ralfs Namen an der Sprechanlage entdeckten, es war für sie, als hätten sie die Haustür des Weihnachtsmannes gefunden, mit Namensschild und allem Drum und Dran. Allerdings machte der Weihnachtsmann nicht auf. Sie klingelten, aber nichts geschah.

Ralf musste lachen, als sie die Geschichte erzählten. Henry auch, und wir alle lachten noch einmal über das Rätsel der beiden Plakate: dass ein Missverständnis das entscheidende Detail gewesen war, das sie nach Bremen geführt hatte, denn als Henry in Berlin gewesen war, hatte er zwei Plakate aufgehängt, hatte sich ein paar U-Bahn-Stationen ausgesucht, wo er weitere Plakate befestigte, hatte in einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs übernachtet und sich am nächsten Morgen vergewissert, dass die Plakate noch da waren, eins an jedem Ende des Bahnhofs.

Marlice war es, die der Geschichte von Ralfs Wohnung die letzten Details hinzufügte. Sie hatten noch ein paar Mal an der Sprechanlage geklingelt und auf Antwort gewartet. Nichts. Sie waren an dem Tag noch öfter vorbeigekommen und am nächsten Tag wieder. Nichts rührte sich. Sie hatten die Nachbarn nebenan und in der Wohnung darunter gefragt, als sie abends Licht in deren Fenstern bemerkten, aber niemand wusste Näheres über Ralf Kern, und seine Fenster waren nie erleuchtet.

Nach zwei, drei Tagen waren sie in eine leere Wohnung im zweiten Stock schräg gegenüber von Ralfs Haus gezogen. Vom Wohnzimmer hatten sie eine gute Aussicht auf Ralfs Wohnung, zumindest so einen guten Blick, dass man alles sehen konnte, was vor seinem Aufgang auf der Straße vor sich ging. Die drei neuen Bewohner hatten bemerkt, dass weder morgens noch abends Licht in der Wohnung brannte, und als ein anderer Mieter das Haus verließ, war es ihnen gelungen, durch die Eingangstür zu schlüpfen. Ralfs Briefkasten war voller Reklame, außerdem steckte ein Brief darin, der leicht herauszupfriemeln war, und in dem Brief lag ein Schlüssel, der zur Tür passte. Die Wohnung war augenscheinlich unbewohnt, obwohl im Wohnzimmer noch ein paar Möbel und in der Küche schmutziges Geschirr und eine Pizzaschachtel herumstanden.

Da sie nun schon mal in Bremen waren und sich ganz in der Nähe des unbekannten Ralf Kern oder wenigstens seiner Wohnung eingerichtet hatten, mussten sie ihn jetzt natürlich auch finden. Einen Großteil der Zeit hatten sie das Haus beobachtet – von der Wohnung oder der Straße oder einer Kaffeebar aus –, und eines Tages hielt ein unbekanntes Auto vor der Tür. Es waren Sonia und Peter. Rosi hatte in der Wohnung am Fenster gestanden, und als das Auto plötzlich vor Ralf Kerns Hauseingang stoppte, war sie die Treppe hinuntergerannt. Draußen hatte sie den Angekommenen heftig mit den Armen zugewedelt, hatte hastig die Straße überquert und den Mann auf dem Fahrersitz gefragt, ob er Ralf heiße.

Er hieß nicht Ralf, sondern Peter, und nachdem er ihr Sonia vorgestellt hatte, fragte Rosi, ob sie ein Problem mit dem achtzehnten November hätten. In der Tat, hatten sie. Dasselbe Problem wie wir, ergänzte Marlice. Und wie wir offenbar, sagte Olga, von der bis dahin nicht so viel gekommen war. Sie hatte sich erhoben – vermutlich, weil sie Lust auf eine Wanderung verspürte – und stand schon in der Türöffnung, während Sonia und Peter von ihrer Fahrt nach Bremen berichteten. Sie hatten ein Plakat gesehen – in Hamburg, sagten sie, aber ich glaube nicht, dass wir in Hamburg unterwegs gewesen waren, vielleicht meinten sie Hannover –, es muss eins der Plakate gewesen sein, auf denen wir alle drei in ein Bild von Ralfs Henselstraßeneingang montiert waren. Die Hausnummer war jedenfalls deutlich zu erkennen, und nachdem sie sich über das Plakat und den Hinweis auf den achtzehnten November gewundert hatten, entschlossen sie sich, die Sache zu untersuchen. Sonia hatte die paar Informationen, die dem Plakat zu entnehmen waren, notiert, war mit Peter nach Bremen gefahren, hatte auf Anhieb Straße und Wohnung gefunden – und war schnurstracks in Rosalie Torpas Blickfeld geraten.

In den nächsten Tagen passierte nicht viel. Peter und Sonia waren in die Wohnung gezogen, die fünf hatten sich kennengelernt und waren sich einig geworden, dass Ralf Kern gefunden werden müsse. Sie hatten einen Wachdienst verabredet, der Tag und Nacht alle zwei Stunden ein Auge auf das Haus haben sollte, und plötzlich war Henry aufgetaucht: ein Auto, das noch nie beobachtet worden war, hatte vor dem Haus gehalten.

Kurz vorher hatte Rosi die Wache von Marlice übernommen, und vom Fenster aus sah sie, wie das unbekannte Auto voller Pappkartons am Bordstein hielt. Sie rief Marlice herbei, und während sie Peter und Sonia anrief, die einkaufen gegangen waren, glücklicherweise gleich um die Ecke, stieg der Fahrer, also Henry, aus und schloss Ralf Kerns Haustür auf. Mit der Jacke über dem Arm und ihren Schuhen in der Hand stürzte Marlice auf die Straße. In aller Eile rief sie Anton an und sah, noch ehe sie in die Schuhe schlüpfen konnte, wie der Fahrer des unbekannten Wagens die Beifahrertür öffnete, einen Wäschekorb auf den Sitz stellte, um das Auto herumging und sich hinters Lenkrad setzte. Nahezu gleichzeitig liefen Sonia und Peter auf ihr Auto zu, das weiter unten parkte. Marlice, die sich plötzlich nicht so recht sicher war, ob sie dem Mann etwas zurufen sollte, rannte zu Peter und Sonia, gefolgt von Rosi, die die Treppe hinuntergehastet war. Im selben Moment, in dem Henry sich in den Wagen setzte und die Henselstraße hinunterfuhr, warfen sich erst Marlice und gleich darauf Rosi auf die Hinterbank, Marlice mit ihren Schuhen in der Hand, der Jacke überm Arm und dem Telefon, mit dem Anton noch verbunden war, Anton, der sich ein paar Straßen weiter auf dem Heimweg befand, um von Rosi die Wache zu übernehmen.

Henry hatte nichts bemerkt. Er hatte zwar das Auto gesehen, das, als er gerade die Henselstraße verlassen hatte, weiter hinten mitten auf den Straßenbahnschienen stehen blieb und einen Fahrgast aufsammelte, was er für ein leichtsinniges Wagnis hielt, da jederzeit die nächste Tram auftauchen konnte, aber ansonsten hatte er nicht auf seine Verfolger geachtet. Im Übrigen konnte er nur seine Seitenspiegel benutzen, weil der hintere Teil des Wagens mit Kräcker- und Haferflockenkartons vollgepackt war. Sein Rückspiegel war im Augenblick nicht zu gebrauchen.

Ruhig und mit etlichen Autos zwischen ihnen waren sie in die Vororte hinaus gefahren, wo Henry auf einmal blinkte, über die Gegenfahrbahn abbog und vor einem schmiedeeisernen Tor anhielt. Er stieg aus, klingelte an der Sprechanlage, das Tor ging auf, und er fuhr aufs Grundstück, ohne seine Verfolger bemerkt zu haben, die sofort am Straßenrand gehalten hatten, als sie sahen, wie er langsamer wurde und den Blinker setzte.

Jetzt wussten wir, dass wir mindestens sechs Personen im achtzehnten November waren, sagte Peter. Und bestimmt noch mehr, sagte Marlice. Sie war sich die ganze Zeit sicher gewesen, dass der Bursche, den sie da durch die halbe Stadt verfolgt hatten, nicht Ralf Kern war. Das Foto auf dem Plakat in Berlin ließ sich mit der Person im Auto nicht in Einklang bringen.

Als Henry – und eben nicht Ralf – hinter dem Tor verschwunden war, fuhren sie am Grundstück vorbei, aber viel erkennen konnten sie nicht, denn das Haus war hinter der Mauer und den zahlreichen Bäumen verborgen. Sie drehten, fuhren zurück und hielten vor der Einfahrt. Sie hatten kurz überlegt, ob sie wieder losfahren sollten, stiegen dann aber doch aus, zögerten ein wenig, bis Sonia an der Sprechanlage klingelte – und den Rest wisst ihr selber, sagte Marlice.

Ralf sagte, wir seien uns sicher gewesen, nicht allein zu sein. Er jedenfalls. Denn wenn bloß wir vier in diesem Novembertag festgesteckt hätten, wäre unsere Begegnung mehr als unwahrscheinlich gewesen. So wenige gegenüber so vielen. Marlice erzählte, sie hätten ganz ähnlich gedacht. Das heißt, als sie und Rosi sich begegnet waren, hatten sie lange geglaubt, sie seien die Einzigen. Vielleicht sei es eine besondere, lokal begrenzte Störung, die sie betroffen habe. Wie ein microburst, sagte Rosi, ein plötzliches Wetterphänomen, stark genug, um ein Flugzeug aus dem Kurs zu bringen oder Autos in die Luft zu wirbeln. Eine Art Microburst der Zeit. Ein Sprung oder eine plötzliche Turbulenz oder eine Form von örtlichem Zeittornado. Wie auch immer man es nennen mag. Wenn das Wetter es kann, kann's die Zeit doch wohl auch, behauptete sie. Erst als sie auf ihrer Reise in Polen Anton trafen, glaubten sie allmählich, es könnten noch mehr Menschen im achtzehnten November festgehalten werden. Denn wenn derselbe absurde Stillstand mitten in Amsterdam und einer kleinen Stadt im südlichen Polen auftreten konnte, dann doch wohl auch an vielen andern Orten der Welt.

Und nun wussten wir, dass er sich auf jeden Fall neunmal und an mindestens acht verschiedenen Orten ereignet hatte. Neun Menschen, die sich jeder für sich dort befunden hatten: allein in der Katastrophe. Allein mit dem Schock. Wenn ein Ereignis ohne Tote oder Verletzte überhaupt eine Katastrophe genannt werden kann, sagte Marlice.

Es war deutlich, dass sie und Rosi sich schon lange kannten. Mehrmals verwendeten sie Wörter, die sie uns erklären mussten. Sie hatten das Ereignis Anastrophe genannt. Oder zuerst Marlice und dann auch Rosi. Und Anton, nachdem sie ihn getroffen hatten. Denn es war keine Katastrophe, nur eine Umwendung, und genau das bedeutete Anastrophe. Ihre Welt war nicht untergegangen, sie waren bloß in denselben Tag zurückgeschickt worden. Ohne Tragödien, ohne Gefallene oder Umgekommene.

Marlice hat Griechisch und Archäologie studiert, sagte Rosi, als Ralf sie um eine genauere Erklärung des Begriffs bat, aber Marlice merkte schnell an, dass sie das Studium vor langer Zeit geschmissen habe, lange bevor ihr Tag stehen geblieben war. Ralf fand, es sei ein seltsames Wort – eine nicht notwendige Konstruktion. Er hat auch nie das Bedürfnis gehabt, hundert Tage als Centium zu bezeichnen, so wie Henry und ich es noch ab und zu tun, wenn wir die Zeit in großen Schritten durchqueren wollen, aber sein BeDaZy-Projekt hat er für die Neuankömmlinge an unserm allerersten Abend selbstverständlich nicht nur beim Namen genannt, sondern auch beschrieben, anscheinend ohne dass jemand den Namen oder seine Idee, ein System zur Generierung eines besseren Tages zu konstruieren, besonders merkwürdig fand. Ich dachte an all die Begriffe, die Ralf bei unserm Treffen in seiner Wohnung verwendet hatte. Waren sie auch unnötig oder Konstruktionen oder beides? Vielleicht wollte er sagen, dass seine Begriffe vorwärts weisen und nicht zurück und dass ein einfallsreicher Neubau sinnvoller sei als Konstruktionen aus der Vergangenheit.