Und die Glühwürmchen leuchten doch - Arnold Pesch - E-Book

Und die Glühwürmchen leuchten doch E-Book

Arnold Pesch

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Beschreibung

Ein kleines Dorf im ländlichen Westfalen der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts: Hier lebt die junge Luisa, arbeitet tag und Nacht, um den Hof ihrer Familie zu erhalten, während Mann und Brüder auf dem Kriegsfeld sind. Nur widerwillig bittet die dem nationalsozialistischen Regime skeptisch gegenüberstehende Bauernfamilie bei der Verwaltung um eine Arbeitskraft und "erhält" den polnischen Zwangsarbeiter Josef zur Hilfe. Nur langsam kann Luisa das Vertrauen des jungen Mannes gewinnen, der eine grausame Odyssee der Erniedrigungen hinter sich hat, und verliebt sich schließlich in ihn. Doch die beiden ahnen noch nicht, dass ihnen eine noch viel schlimmere Gefahr bevorsteht. Während der Kampf der Alliierten gegen das Regime zunimmt, Bomben- und Fliegeralarm das Dorf erschüttern, findet Josef den verletzten englischen Offizier Farley. Luisa entscheidet sich, ihn auf dem Hof zu verstecken und ahnt, dass sie damit das Schicksal aller Menschen herausfordert, die ihr etwas bedeuten...

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Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Und die Glühwürmchen leuchten doch

Arnold Pesch

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Impressum

Am Kartoffelfeuer

Das Kartoffelfeuer, angezündet mit dünnem Reisig und trockenem Kartoffelkraut, glühte nur noch wenig. Josef legte ein paar Strünke nach, steckte gedankenverloren den Nussbaumstock, an dessen Spitze er eine neue Kartoffel aufgespießt hatte, in die Glut. Die gebackene Knolle schmeckte nach Erde und Asche. Wie lange er so gehockt und versonnen in die Glut gestarrt hatte, wusste er nicht. Ihn fröstelte und er zog seine Jacke fester um sich. Im Osten dämmerte es. Der Horizont, wo Erde und Himmel verschmolzen, teilte sich; das Schwarz des Firmaments wandelte sich langsam in ein tiefes Blau. Die Sonnenstrahlen – flackernd und fahl noch wie das Licht einer Kerze, das einen riesigen Saal erhellen soll – stiegen höher, und immer mehr Gelbtöne verdrängten das Dunkel, verfärbten den Horizont allmählich in ein tiefes Rot. Die Wallhecken, gehüllt in weiße Nebelschleier des frühen Herbstes, zeichneten sich ab im heller werdenden Tag. Ein leichter Wind, beladen von der Feuchte des Morgens, drückte die restliche Wärme des Feuers in seine steifen Glieder.

Er war jetzt sechsundzwanzig Jahre alt. Der Krieg war mehr als vier Monate zu Ende und er musste sich entscheiden, hierzubleiben oder in Polen nach seinen Eltern zu suchen. Fünf Jahre hatte er auf diesem Hof im Münsterland gelebt und gearbeitet. In seinen Träumen tauchten die Bilder seines Heimatdorfes auf, die winzigen Häuser, zum Teil aus Lehmziegeln erbaut, die engen Gassen mit tiefen, von Pferdefuhrwerken aufgewühlten Furchen, wo sich nach dem Regen Pfützen bildeten, die kleine Kirche aus Feldsteinen mit dem windschiefen Glockenturm, die Schule mit nur einem Klassenraum und den langen Bänken darin, in dem alle Kinder des Ortes gleichzeitig unterrichtet wurden, das Lachen und Weinen der Dorfbewohner und die Gerüche, die aus den Fenstern drangen, wenn das karge Abendessen bereitet wurde.

Dort war er mit seinen fünf Geschwistern aufgewachsen, drei älteren Schwestern und zwei jüngeren Brüdern, und hatte seinen Eltern, die einige Morgen Land vor der Stadt bewirtschafteten, bei der Feldarbeit geholfen, um die achtköpfige Familie zu ernähren. Sein Vater arbeitete auf dem nahe gelegenen Gut. In seiner Kindheit durchstreifte er die weiten Wälder, baute Fallen, um Kaninchen oder einen Fasan zu fangen, beobachtete Rehe und Füchse, fing im Bach, der zwischen den Wiesen dahinsprudelte, Forellen mit einem Köcher, legte sich ins hohe Gras, um die wandernden Wolken am weiten Himmel zu betrachten und grübelte über das Leben als Erwachsener nach. Welche Zukunft bot sich ihm in diesem armseligen Dörfchen? Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium in der größeren Nachbarstadt. Jeden Morgen fuhr er mit dem Fahrrad dorthin, begegnete seiner ersten großen Liebe, einem dunkel gelockten Mädchen aus seiner Klasse. Sie träumten eng umschlungen im weichen Gras von Zukunft und Treue, schwammen im einsamen See, lagen anschließend atemlos nebeneinander im warmen Sand, oder sie durchstreiften die endlosen Wälder, lauschten der Musik der raschelnden Blätter, dem Rauschen der Bäume, wenn der Wind durch die Wipfel zog und die Bäume sich im Takt seines Kommens und Gehens bogen, oder sie sammelten Beeren und Pilze und beobachteten vorbeiziehende Vögel.

Nach seinem Abitur leistete er seinen Wehrdienst ab. Alle redeten von Krieg, von den Drohungen der Deutschen, und es befiel sie eine gedrückte Stimmung. Er hatte sich auf das Studium im Winter gefreut, da überfielen die Deutschen am 1. September Polen, walzten alles nieder mit ihren Panzern und zerbombten die Städte. Bei den Kämpfen um Bzura wurde er am Bein verwundet und geriet noch vor der Kapitulation Polens in deutsche Gefangenschaft. Ein Sanitäter schnitt aus der Wunde zerfetztes Fleisch, bepinselte sie mit reichlich Jod und verband sie. Die Wunde verheilte. Mit anderen Gefangenen wurde er in einen der Viehwaggons getrieben, dicht zusammengepfercht verladen, die Offiziere wurden ausgesondert und abgeführt – keinen von ihnen sah er wieder. Zwei Tage und Nächte waren sie eingeschlossen, spähten durch die Ritzen und sahen leer stehende, ausgebrannte Häuser, rollten an zerstörten polnischen Städten und Dörfern vorbei, mussten auf freier Strecke warten, um einen Zug mit lachenden deutschen Soldaten passieren zu lassen oder einen Güterzug, beladen mit Panzern oder Flakgeschützen. Auf Bahnhöfen öffneten sich die Waggontüren einen Spalt. Draußen standen bewaffnete Soldaten mit bellenden Hunden an den Leinen. Mit einem Schlauch spritzte man die Gefangenen ab und spülte die Notdurft aus dem Waggon. Seine Kameraden und er sperrten die Münder auf, um einige Tropfen Wasser zu erhaschen und den Durst zu stillen. Brotlaibe wurden in die Waggons geschleudert, dann schlugen die Schiebetüren erneut zu, Eisenriegel wurden vorgeschoben, und der Zug setzte seine endlos lange Fahrt nach Westen fort. Endlich am Ziel, torkelten sie mit steifen Gliedern aus den Waggons, ungekämmt, unrasiert und nach Schweiß, Urin und Kot der letzten Tage stinkend. Unter Flüchen und harten Stößen trieben die Wachsoldaten sie an, rümpften die Nasen und verspotteten sie: „Hei, seht, Polens glorreiche Armee!“ Andere riefen: „Untermenschen, wie unser Führer sagt. Er hat recht!“

Der Zug hielt irgendwo auf freier Strecke abseits einer kleinen Stadt, aus deren Mitte ein spitzer Kirchturm ragte; sie konnten die Häuser mit ihren roten Dächern sehen. Etwa eine Stunde marschierten sie über Straßen und Wege, eskortiert von fluchenden und sie antreibenden Soldaten mit Sturmgewehren im Anschlag. Eine Gruppe junger, lachender Mädchen in blauen Uniformen auf Fahrrädern kam ihnen entgegen. Sie verstummten neben dem jämmerlichen Zug, geneckt von den Soldaten, um danach umso lauter zu schwatzen, als sie vorbei waren. Sie sahen einige Bauernhöfe abseits der Wege, die sich wie kleine Festungen inmitten von Feldern und Wiesen unter Eichen duckten. Im Lager angekommen, das aus Baracken bestand, jagte man sie in Räume, wo die Wache sie anbrüllte: „Ausziehen, alles! Erst entlausen!“

Er musste es seinen Kameraden übersetzen, da er die deutsche Sprache verstand. Alle Haare wurden radikal und ohne Seife abrasiert, die Köpfe kahl, die Schamhaare unter anzüglichem Gelächter, Beine, Brust und Rücken, nichts wurde übersehen. „Eure Wanzen und Läuse werden wir vertilgen!“ Mit einer ätzenden Lösung sprühte man sie ein und jagte sie anschließend unter die kalte Dusche. Die Uniformen lagen auf einem großen Haufen und rochen nach Desinfektionslösung.

„Anziehen und antreten zum Appell! Los, dalli, wird’s bald!“

Jeder bekam eine ausgebeulte Blechschüssel, einen verbogenen Löffel und eine Gabel aus Blech mit dem Befehl, alles blank zu scheuern und gut aufzubewahren. Es sei deutsches Volkseigentum und müsse als solches geachtet werden.

So wurden sie in dieses Lager gesperrt, umgeben von hohem Stacheldraht, in kleine Holzbaracken mit doppelstöckigen, in langen Reihen aufgestellten Betten, auf denen strohgefüllte Matratzen lagen. Sie bekamen wenig zu essen, sodass sie abmagerten. Die wachhabenden Soldaten schrien sie an und schlugen sie. Wer sich wehrte, kam in den Hungerbunker. Um das Lager herum mussten sie einen tiefen Graben ausheben, der sich mit Wasser füllte. Sie arbeiteten im nahen Steinbruch, legten Wege an, schotterten Straßen oder wurden zum Schienenbau eingeteilt. Eine Stunde Marsch war es bis zum Bahnhof. Dort verlegten sie ein zweites Gleis, das in eine kleine Schlucht führte.

Was war aus seinem Wohnort nahe der russischen Grenze geworden? Er hatte in all den Jahren keine Briefe von seinen Eltern oder Geschwistern erhalten, obwohl er geschrieben hatte; er wusste nicht, ob sie noch lebten. Gefangene, die später eintrafen, hatten berichtet, Polen habe Anfang Oktober kapituliert, überrannt und besiegt in einem Blitzkrieg, obwohl England und Frankreich nach einem Ultimatum Deutschland den Krieg erklärt hatten. Nur wenige Soldaten hätten fliehen können, viele seien gefallen, aber die meisten seien in Gefangenschaft geraten und nach Deutschland transportiert worden. Polen sei wieder einmal geteilt worden. Deutschland habe West- und Nordpolen annektiert und in den östlichen Teilen seien die Russen einmarschiert. Viele Bewohner seien nach Westpolen geflüchtet, andere nach Sibirien ausgesiedelt worden.

All das war im Herbst 1939 geschehen. Seitdem hatte sich vieles ereignet. Die Welt war eine andere geworden. Deutschland hatte kapituliert, Flüchtlinge irrten umher, Hamsterer gingen von Hof zu Hof, bettelten um Brot oder Speck und wollten alle möglichen Kostbarkeiten dagegen tauschen.

Am Rande des Bauernhofes, nahe einem Kötterhaus, hatten die Engländer auf einer Wiese ein Militärlager errichtet und entschieden über die Geschicke dieser Stadt und ihrer Bewohner. Major Tom Farlay war der Kommandant.

Der Himmel lichtete sich, ein glühendes Morgenrot überzog ihn im Osten. Als Josef sich erheben wollte – er hatte sich entschieden, nach seinen Angehörigen zu suchen, sobald sich die Lage stabilisiert hätte –, legten sich warme Arme um ihn. Er lehnte sich zurück, spürte Luisas Hände in seinen Haaren und die sanfte Gewalt, die seinen Kopf an ihre Brust zog und ihn wiegte. Stumm schauten sie beide ins Feuer. Er spürte ihren Atem an seiner Wange.

„Woran denkst du, Josef, an deine Familie, an deine Heimat?“

„Ja, Luisa, ich muss wissen, was geschehen ist und was aus ihnen geworden ist.“

Luisa schwieg, drückte ihr Gesicht in seine Haare, Josef fühlte das leichte Zittern ihres Körpers. Er drehte sich um, nahm ihr Gesicht in seine Hände, streichelte es sanft, trocknete ihre tränenfeuchten Augen und küsste sie. Sie löste sich aus seinen Armen. „Komm nach Hause, Josef, wir überlegen, was zu tun ist.“ Eng umschlungen, ihren Kopf an seiner Schulter, gingen sie schweigend zurück.

Wie hatte alles angefangen, was war in diesen fünf Jahren geschehen und wie sollte es weitergehen?

1940

Luisa betrat das Dienstzimmer des Obersturmbannführers Anton Schremm mit dem festen Willen, Hilfe für die Feldarbeit zugeteilt zu bekommen. Ihre beiden Brüder, Klaus und Franz, fünf und vier Jahre älter als sie, und ihr Mann Hermann, den sie gleich nach Kriegsbeginn geheiratet hatte, waren zur Armee eingezogen worden. Sie nahmen am Polenfeldzug teil und waren jetzt nach Westen verlegt worden. Franz diente bei der Artillerie, Klaus hatte sich nach dem Abitur zur Luftwaffe gemeldet und war jetzt Jagdflieger. Hermann war als Fahrer und Funker eines Generals zu einer Panzerdivision abkommandiert worden und weiterhin in Polen stationiert.

Luisas Vater hatte damals vehement beim Obersturmbannführer protestiert: „Es ist April! Wer pflügt die Äcker, wer sät Weizen, Gerste, Roggen, Hafer und Rüben für das Vieh und wer pflanzt die Kartoffeln? Es ist deutscher Boden für euren Führer und Nahrung für unser Volk! Ihr propagiert, dass das Bauerntum die Urquelle der deutschen Rasse ist. Dann helft uns!“

Anton Schremm rümpfte die Nase und schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Wollen Sie uns Vorschriften machen, Schulze Bromberg? Sie sind nicht alt, fassen Sie selbst mit an! Und Sie haben eine kräftige Tochter, die arbeiten kann!“

Er wies Luisas Vater ab, drohte ihm und lachte ihn aus. Der Führer würde durch die Erweiterung des Lebensraumes im Osten schon für Boden und Getreide sorgen. Zornig kehrte der Bauer zum Hof zurück. Seine Söhne, die nach dem Polenfeldzug Heimaturlaub hatten, hatten ihn zurückhalten wollen, weil sie Nachteile für sich befürchteten. Nun rächten sich die Braunen, weil er in früheren Jahren gegen ihre Horden öffentlich am Stammtisch nach dem sonntäglichen Kirchgang gewettert hatte.

„Luisa, du demütigst dich vor diesem Halunken!“, wandte der Vater besorgt ein, bevor sie ins Städtchen fuhr.

„Vater, Klaus und Franz sind wieder fort. Du und ich schaffen die Arbeit nicht allein. Willst du, dass dein Hof verkommt? Es ist April, die Felder müssen bestellt und das Vieh muss gefüttert werden“, antwortete sie und ließ sich nicht beirren.

Anton Schremm war der Sohn des Kötters, dessen Häuschen nahe dem elterlichen Hof lag, und sie kannten sich seit Kindertagen.

„Guten Morgen, Anton!“

„Heil Hitler sagt man hier!“, dabei riss er die Hand zum Gruß hoch. Sie zuckte mit den Schultern.

„Meinetwegen, Heil Hitler!“

Sein Schreibtisch war aufgeräumt, er zupfte verlegen an seiner Krawatte, presste seine Fingerspitzen spielerisch gegeneinander und zündete sich genießerisch eine Zigarette an, die er einem silbernen Etui entnahm. Seine Stiefel waren blank geputzt, die Haare kurz gestutzt und ein süßlicher Parfümgeruch hing in der Luft. Er war ein großer, stämmiger Mann mit breiten Schultern und nun, im Gegensatz zu früher, mit gepflegten und manikürten Händen. Später würde er einen Bauch ansetzen, schon jetzt saß sein Koppel stramm. Die Augen, unter dichten, schwarzen Brauen verborgen, wanderten unruhig hin und her. An der Wand hinter ihm hing eine große Fotografie des Führers und in der Ecke stand in einem Ständer eine Hakenkreuzfahne.

„Luisa, welche Ehre, dich hier zu sehen! Was führt dich zu mir?“, begrüßte er sie mit einem ironischen Lächeln. Luisa ließ sich nicht irritieren.

„Anton, ich brauche Hilfe für die Äcker, ich schaffe es nicht allein.“

„Du hast deinen Vater.“

„Du weißt, er ist krank und kann nicht mehr schwer arbeiten.“

„Es gibt genug Leute im Städtchen, die dir helfen können.“

„Die meisten Männer sind eingezogen und die jungen Mädchen sind sich zu fein, um solche Arbeiten zu machen, obwohl ihr für die Arbeit auf dem Land werbt.“

Sie las Anton einen Abschnitt aus der Zeitung vor, den sie wenige Tage zuvor entdeckt hatte:

„Westfälische Jugend! Ohne Landarbeit hungert das deutsche Volk. Packt mit an! Zeigt eure Bereitschaft! Helft mit im Kampf um Deutschlands Nahrungsfreiheit! Ihr selbst werdet die Früchte eurer Arbeit dereinst ernten. Jeder gesunde, junge Deutsche im Alter zwischen vierzehn und fünfundzwanzig Jahren kann in den Landdienst eintreten.“

Anton antwortete mit einem Lächeln: „Da siehst du, wie wir an euch denken!“

„Gut, Anton, dann schick mir Freiwillige! Sie ziehen aber lieber eure feinen Uniformen an, als Ställe auszumisten, Kühe zu melken oder bei Wind und Wetter auf dem Feld zu arbeiten. Zudem brauche ich eine dauernde Hilfe.“

Anton beugte sich vor, die Hände auf den Schreibtisch gestützt: „Luisa, zähme deine Zunge! Die Zeiten haben sich geändert.“ Er pochte mit der Hand, geschmückt mit einem protzigen Siegelring, auf die polierte Tischplatte.

„Ihr Schulze Brombergs habt lange genug verächtlich auf uns herabgeschaut. Du hast mich früher keines Blickes gewürdigt. Habe ich dir nicht gut genug gerochen?“ Anton verzieh es Luisa nicht, dass sie Hermann geheiratet hatte, den Sohn eines Lehrers aus dem Nachbarort.

„Anton, bleib bei der Wahrheit und verdreh sie nicht! Dein Bruder und du, ihr seid bei uns ein- und ausgegangen. Meine Brüder haben mit euch gespielt und dein Vater hat auf unserem Hof gearbeitet.“

Er stieß ein kurzes Lachen hervor.

„Gearbeitet, geschuftet hat er für euch, bis er tot umfiel.“

„Es war ein tragischer Unfall.“

Luisa betrachtete ihn, wie er sich in seinem Stuhl räkelte und sie abschätzend musterte, sie mit seinen kleinen Augen anzüglich betrachtete. Sie biss die Zähne zusammen und unterdrückte ihren Zorn.

„Ihr habt ein Lager mit Kriegsgefangenen. Ich bitte dich, stelle einen Mann für die Arbeit auf dem Hof ab, Anton.“

„Die schöne, kühle Luisa kommt zu mir und erbittet von mir Hilfe!“

„Ja, Anton, ich bitte dich, ich kann es nicht allein schaffen! Die Arbeit im Winter war schwer genug. Meine beiden Brüder mussten zurück zu ihren Einheiten. Hermann hatte im Februar nur kurzen Fronturlaub, jetzt ist er wieder in Polen.“

„Brauchst wohl einen anderen Mann? Kaum ist deiner an der Front und kämpft für Ehre und Vaterland, suchst du dir einen Neuen!“

Luisa stieg die Zornesröte ins Gesicht und nur mühsam konnte sie sich beherrschen. Er demütigte sie und zeigte ihr seine Macht. Sie wollte nicht vor ihm kriechen und betteln, ihr war danach, ihn wütend anzuschreien. Stattdessen stand sie abrupt auf, der Stuhl kippte zur Seite, sie drehte sich um, riss die Tür auf und schlug sie krachend hinter sich zu. Sein schallendes Gelächter begleitete sie, als sie die Treppe hinabstürzte, um ins Freie zu gelangen. Zitternd lehnte sie sich an die Mauer, presste die Stirn gegen die kühlen Steine, trommelte mit den Fäusten dagegen und weinte.

„Ich schaffe es allein!“ Trotzig stampfte sie mit dem Fuß auf die Erde. Sie stieg auf ihr Fahrrad und fuhr nach Hause.

Sie kam an dem Kötterhaus vorbei, das nun leer stand, nachdem Anton mit seinem Zwillingsbruder Alfred in der Stadtmitte das Haus eines Juden gekauft hatte, der ausgewandert war, wie es hieß. Dort wohnte er jetzt mit seiner Mutter. Luisa war als Kind oft in dem kleinen Kötterhaus am Rande des Waldes gewesen. Martha, wie sie die Mutter Antons nannte, und ihre eigene Mutter waren Freundinnen gewesen. Einen Standesunterschied gab es nicht zwischen ihnen. Wenn ihre Mutter, die in den letzten Jahren sehr krank gewesen und vor zwei Jahren an Krebs gestorben war, Hilfe in der Küche brauchte, rief Luisa Martha. Kurz vor ihrem Tod sagte die Mutter zu ihr: „Kind, geh zu Martha, wenn dich etwas bedrückt. Sie wird dich verstehen.“

Dieses Haus barg für sie zahlreiche Erinnerungen. Es war ein kleines Fachwerkhaus aus roten Steinen mit einem windschiefen Dach, dessen tönerne Ziegel zum Teil ausgebessert waren. Der Giebel bestand aus gehauenen Brettern mit breiten Spalten, durch die der Wind pfiff und im Winter den Schnee auf den Dachboden trieb. Die Einfahrt, gepflastert mit Kopfsteinen, führte zu einem Tennentor, in dem eine Tür mit einer Klappe ausgespart war, durch die Hund und Katze ins Freie schlüpfen konnten. Der Boden der Diele war aus gestampftem Lehm. Schaute man nach oben, so sah man durch die Dachpfannen den Himmel. Der Regen tropfte hindurch und weichte den Lehmboden auf. Durch eine kleine Tür betrat man den Wohnraum. An der Stirnseite brannte Tag und Nacht ein Herdfeuer. Über den knisternden Buchenholzscheiten brodelte Wasser in einem vom Ruß geschwärzten Kessel, aufgehängt an einem gezackten Haken, der einer Säge glich. Im Rauchfang hingen ein oder zwei Schweineschinken und einige Würste zum Räuchern. Neben dem Herdfeuer gab es zwei geflochtene Armlehnsessel, in dem eng aneinandergekuschelt Katze und Hund schlummerten, den Kopf auf die Pfoten gelegt. Nur ein kleines Fenster erhellte den Raum, in dessen Mitte ein blank polierter Tisch mit vier Stühlen stand. Auf einem Regal an der Wand waren die Teller aus Steingut, eine alte Uhr und die gefüllten Einmachgläser säuberlich aufgereiht. In einer Ecke brannte vor einem Marienbild, geschmückt mit vertrockneten Feldblumen, ein flimmerndes Licht. Antons Mutter arbeitete meistens am Küchentisch, wo sie das Essen zubereitete, den Brotteig knetete oder das Gemüse putzte. Wasser musste sie von der Tenne holen, wo neben einem gemauerten Spülstein eine gusseiserne Handpumpe mit einem geschwungenen Messingschwengel angeschraubt war. Auf der anderen Seite führte eine schmale Tür zu den Schlafräumen.

Hierhin lief Luisa, um diese Frau zu ihrer kranken Mutter zu holen. Martha war immer beschäftigt. Sie trug eine karierte Schürze und hatte das Haar zum Knoten gebunden. Ihr freundliches Gesicht mit den lächelnden Augen und einem schönen Mund zeugten davon, dass sie früher hübsch gewesen sein musste; jetzt war sie leicht gebeugt von der schweren Arbeit. An dem Tisch in der Diele saß Luisa nach dem Tod ihrer Mutter, traurig und mit vielen Fragen. Martha nahm sie still und ohne Worte in den Arm, um sie zu trösten. Nun stand dieses Häuschen leer, die Einfahrt war zugewuchert, nur die uralten Linden bogen sich schützend über das bemooste Dach.

Luisa schob ihr Fahrrad das letzte Stück, setzte sich auf einen der großen Findlinge, um wieder klare Gedanken fassen zu können und barg erschöpft und verzweifelt ihr Gesicht in ihren Händen. Was sollte aus dem Hof werden? Wer sollte die schwere Arbeit tun?

Als Anton am Abend das Büro verließ, ging er sogleich nach Hause, denn heute musste er zu keiner Parteiversammlung. Seine Mutter wartete mit dem Abendessen auf ihn. Früh waren er und Alfred der NSDAP beigetreten, in der Hoffnung, diesem kärglichen Leben im Kötterhaus zu entkommen. Sie waren mitten im Ersten Weltkrieg geboren. In der Schule bespöttelte und hänselte man sie wegen ihrer Armut, der geflickten Hosen und Joppen – ihre Mutter achtete sorgfältig darauf, dass sie keine zerrissenen Sachen trugen – oder wegen der gescheuerten Holzschuhe, in die sie im Winter geschnittenes Schaffell stopften. Lederne Schuhe waren für sie zu teuer. Gemeinsam verteidigten sie sich gegen Größere und scheuten keine Prügelei, wenn andere sie verlachten. Begeistert machten sie bei der Hitlerjugend mit, trugen mit Stolz ihre Uniformen und das Banner, liebten die Spiele und Abenteuer, die Lagerfeuer und die Gemeinschaft, die Musik und die Aufmärsche. Alfred meldete sich zur Waffen-SS und war jetzt in Polen stationiert, Anton hatte man zum Obersturmbannführer befördert.

„Jungens, muss das sein?“, hatte ihre Mutter sie gefragt, später jedoch geschwiegen, als sie in das Haus in der Ortsmitte umziehen konnten. Das Haus war geräumig, hatte mehrere Schlafräume, zwei Badezimmer, eine große, geflieste Küche mit fließendem Wasser, eine Heizung, einen Keller und sogar einen kleinen Garten, in dem sie Gemüse pflanzen konnte. Es war das Haus des Juden Levi, der mit seiner Familie vor einigen Jahren ausgewandert war, wie man sich erzählte. Er hatte mit Pferden gehandelt und galt als reichster Bewohner des Ortes. Die älteste Tochter Sarah war mit Anton zur Schule gegangen, würdigte ihn aber keines Blickes, auch nicht, als sie zusammen an einem Tanzkursus teilnahmen. Selbst beim Abschlussball verweigerte sie ihm den Tanz.

„Du trampelst mir nur auf den Füßen herum!“ Mit dieser schnippischen Bemerkung ließ sie ihn stehen und machte sich lachend mit Luisas Bruder Klaus davon. Was sollte es, sie war nicht mehr da. Es geschah ihnen recht, dass sie auswandern mussten. Plötzlich waren sie weg, ohne etwas zu sagen, ohne Abschiedsfest, selbst Sarahs Freundinnen hatten nichts erfahren. Reiche Verwandte in Amerika hätten ihnen das Visum besorgt, hieß es.

Das Haus gehörte danach der Gemeinde und Anton und Alfred konnten es günstig kaufen. Erst später, als Anton Obersturmbannführer war, entdeckte er in den Akten, dass die Familie Levi gezwungen worden war, zu verkaufen und dass sie nach Osten umgesiedelt werden sollte. „Jude Levi hat sein ganzes Vermögen der Gemeinde überlassen und 10 000 Reichsmark als Pfandgeld für seine Emigration gezahlt“, hatte ein sorgfältiger Beamter hinter dem Namen notiert.

Anton erzählte der Mutter vom Besuch Luisas in seinem Büro, wie sie ihn angefleht hatte, ihr eine Hilfe zu besorgen.

„Nun“, fragte die Mutter, „kannst du es?“

„Ja, wenn ich will!“

„Warum tust du es nicht?“ Sie schaute ihn mit forschenden Augen an, die Hände in den Schürzentaschen vergraben.

„Sie haben uns verachtet und auf uns herabgeschaut. Sie lebten im großen Herrenhaus, uns blieb nur die armselige Hütte, abgetragene Hosen ihrer Söhne für uns und Kleider für dich!“

„Sei nicht ungerecht, Anton! Ihr wart zwölf Jahre alt, da konnte euer Vater auf dem Hof arbeiten, als andere arbeitslos waren und betteln mussten.“

„Geschuftet hat er für sie und ist dabei zu Tode gekommen!“

„Es war ein Unglück, der Baum ist auf ihn gestürzt. Dein Vater beklagte sich nicht. Der Lohn war nicht reichlich, aber gerecht, und die Naturalien haben uns geholfen.“

„Du verteidigst sie, Mutter!“

„Ich verteidige sie nicht, sondern ich versuche, die Dinge ohne Vorurteile zu betrachten!“

„Dich haben sie ausgenutzt wie eine Magd, du musstest ihre Wäsche waschen, flicken und bügeln. Deine steifen Finger und dein gebeugter Rücken zeugen von dieser Arbeit!“

„Luisas Mutter behandelte mich nie als Magd, sie hat mit mir geredet wie mit ihresgleichen. Als sie an Brustkrebs erkrankte und wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde, führten wir lange Gespräche. Sie war eine gute und starke Frau.“

„Du schuldest ihnen nichts. Warum sollte ich Luisa helfen?“

„Rede mir nicht schlecht von dieser Frau! Sie war nicht meine Herrin, sie war mir eine Freundin. Du und Alfred hättet nicht überlebt, wenn nicht Luisas Mutter uns in den Notzeiten nach dem Krieg damals geholfen hätte. Sie brachte uns Milch, Butter, Getreide, Kartoffeln und Fleisch! Nach eurer Geburt kam sie jeden Tag, bis ich wieder auf den Beinen war.“

Anton schwieg lange Zeit.

„Das hast du nie erzählt!“ Er stand auf, strich seiner Mutter über das graue Haar. „Ich kann nichts versprechen.“

Am nächsten Morgen, Luisa arbeitete in der Küche, hörte sie, wie rumpelnd ein Militärmannschaftswagen und ein Motorrad mit Beiwagen auf den Hof fuhren. Sie wischte sich die Hände trocken und ging nach draußen, um nachzusehen. Der Wagen stoppte, von der Rampe sprangen zwei schwer bewaffnete SA-Männer und aus dem offenen Beiwagen stieg Anton mit Sturmmütze und Motorradbrille.

„Los, wird’s bald, absteigen!“, brüllten die Wachsoldaten. Herab sprang ein junger Mann in einer zerlumpten Uniform. Er humpelte ein wenig.

„Hier hast du deinen Pollack! Du bist mir persönlich für ihn verantwortlich! Verstanden, Frau Walbring?“, stieß Anton hervor, stieg wieder ein und gab den Befehl zur Umkehr, bevor Luisa sich bedanken konnte.

Die Soldaten – sie kamen nicht aus dieser Gegend, sonst hätte Luisa sie gekannt – kletterten grinsend in den Fond des Mannschaftswagens, der nun wendete und abfuhr.

Luisa ging auf den jungen Mann zu und reichte ihm die Hand.

„Ich bin Luisa, wer bist du und woher kommst du?“

„Ich heiße Josef und bin Pole!“

Erstaunt schaute Luisa in das freundliche, ein wenig abgemagerte Gesicht. Er erwiderte ihren Blick mit einem scheuen Lächeln.

„Du sprichst gut deutsch.“

„Danke, ich habe es in der Schule gelernt und wollte Germanistik studieren.“

„Du weißt, was du hier sollst?“

„Man hat mir gesagt, dass ich auf einem Bauernhof helfen müsste.“

„Ja, wir brauchen dringend Hilfe, jemanden, der etwas von Feldarbeit versteht.“

„Meine Eltern bewirtschafteten in Polen einige Morgen Land.“

„Das ist gut. Komm rein, du hast sicher Hunger.“

Sie betraten das Haus von der Tenne aus, wo einige Treppenstufen in die Wohnräume führten. Oben auf der Treppe stand Luisas Vater.

„Luisa, wer ist das? Woher kommt dieser Mann?“

„Das ist Josef, er kommt aus Polen und war als Gefangener im Lager. Er ist zur Arbeit bei uns eingeteilt. Ich war bei Anton und habe um Hilfe gebeten, weil du und ich die Arbeit nicht allein schaffen.“

„Ein Fremder kommt mir nicht ins Haus! Schon gar keiner aus Polen!“ Er drehte sich um und wollte in sein Zimmer zurückgehen.

„Vater, ich bin schwanger!“, sagte Luisa.

Der Vater stockte, lehnte sich gegen den Türpfosten, strich mit den Händen durch seine weißen Haare und über sein zerfurchtes Gesicht. Luisa sah, wie seine gebeugten Schultern erzitterten. Sie ging auf ihn zu, er drehte sich um und umarmte sie: „Luisa, mein Kind, warum hast du mir das nicht eher gesagt?“

„Ich weiß es erst seit wenigen Tagen.“

„Wenn das deine Mutter erlebt hätte!“

Ihr Vater trug schwer am Verlust seiner Frau. Er war gealtert und zudem herzkrank.

„Er kann auf der Tenne in den Kammern der Knechte schlafen. Im Haus ist kein Platz.“ Luisa wollte widersprechen, dass das Fremdenzimmer frei sei, schwieg jedoch. Sie musste ihrem Vater Zeit lassen.

Josef betrachtete Vater und Tochter. Seine Gedanken waren zu Hause bei seinen Eltern und er erschrak, als Luisa ihn ansprach: „Wasch dich an der Pumpe und dann komm in die Küche zum Essen!“

Josef streifte seine verdreckte und zerrissene Soldatenjoppe ab, zog das graue, grobe Unterhemd aus, pumpte, steckte den Kopf unter das kühle, frische Wasser, rieb sich den Oberkörper ab und wusch sich Gesicht und Hände. Ein prickelndes Gefühl durchströmte seinen Körper, er reckte sich und lachte. Seit mehr als fünf Monaten war er in diesem Lager, so frei und glücklich wie jetzt hatte er sich seit Langem nicht gefühlt. Es schienen gute Leute zu sein.

Luisa ging ins Haus und kam mit einem frischen Hemd und einer sauberen Hose zurück, sah, wie er sich wusch, sah seinen hellen, muskulösen Körper und wie er das Wasser aus seinen dunklen Locken schüttelte.

„Hier, zieh das an, es wird dir passen!“ Es waren Hose und Hemd ihres Mannes. Sie zeigte ihm seine Kammer auf der Tenne. Es war ein kleiner Raum mit einem Fenster zum Hof, einem schlichten, blau kariert überzogenen Bett, einem Kleiderschrank aus Kiefernholz und mit einem Tisch und einem Stuhl vor dem Fenster. An der Wand hingen ein Kruzifix und ein Regal mit einem Radio darauf, einem Volksempfänger. In der Ecke stand ein runder, gusseiserner Ofen, um damit den Raum im Winter zu heizen. Von der Tenne drang der Geruch der Pferde, die dort in ihren Boxen standen, in die Kammer.

Josef zog sich um und ging zur Küche. Luisa stellte gerade Brot, Aufschnitt und Kaffee auf den Tisch. „Setz dich und iss“, sagte sie zu ihm, als er in die Küche trat.

Er nahm an dem großen Tisch Platz. Luisa arbeitete weiter an dem großen Herd, der weiß emailliert war und neben dem ein voller Korb mit Holzscheiten stand. Es war wohlig warm.

Von der Küche aus schaute man in einen größeren Raum, die Diele, an deren Stirnwand in einem Kamin, umrahmt von Sandsteinsäulen, Holzscheite brannten. Eine holzgeschnitzte gotische Madonna schmückte den niedrigen Sims. Im Halbkreis um das Feuer herum standen vier geflochtene Sessel mit dem Blick zur Feuerstelle. Die Querwand des Raumes füllte ein wuchtiger, eichener Schrank mit reich geschnitzter Krone fast ganz aus. Hinter den geschwungenen Sprossentüren wurde blau gemustertes Porzellan aufbewahrt. An der anderen Wand tickte neben einer alten Truhe eine Standuhr mit silbrigem Zifferblatt, in deren Uhrenkasten gleichmäßig ein Perpendikel hin- und herschwang und Steingewichte das Uhrwerk in Gang hielten. An der Decke hing ein Kronleuchter aus Messing, dessen Kerzen nun durch elektrische Birnen ersetzt waren. Zwei weitere Türen führten in einen Flur, an dem die anderen Räume des Hauses lagen, die beste Stube, wie das Wohnzimmer hieß, das nur an besonderen Festen genutzt wurde, und das Arbeitszimmer des Hausherrn. Eine Treppe führte nach oben zu den Schlafzimmern. Wie Josef später erfahren sollte, war die Diele der Ort, an dem sich nach den Mahlzeiten das Leben der Bauernfamilie abspielte.

Nach dem Essen legte er sich in seiner Kammer auf das Bett, verschränkte die Hände hinter dem Kopf, schaute zur Decke und dachte über die vergangenen Wochen und Monate nach. In seinen Gedanken sah er das weite Land mit den wogenden Kornfeldern, den Gänsen, die auf der Wiese mit hochgereckten Hälsen schnatterten, die dunklen, großen Wälder, in denen er im Spätsommer Beeren und Pilze sammelte, das Haus seiner Eltern – mehr eine kleine Hütte –, Vater und Mutter, seine drei älteren Schwestern, die tuschelnd die Köpfe zusammensteckten und ihn den „Studenten“ nannten, seine beiden Brüder, die verschwitzt und mit Dreck bespritzt von draußen in die Küche stürmten. Kein Jahr war seitdem vergangen. Wie hatte sich sein Leben verändert!

Der Abschied von seinen Eltern war bitter, als er an die Front musste. Seine Mutter umarmte ihn, wie er es sonst nicht kannte, hielt ihn, küsste ihn und strich ihm über den Kopf. „Pass gut auf dich auf, Junge“, flehte sie und zeichnete ihm ein Kreuz auf die Stirn. Der Vater, gebeugt von der schweren Arbeit, schnäuzte sich einige Male, wischte sich mit dem Handrücken über seinen Schnurrbart, schlug ihm auf die Schultern und riss ihn an sich. „Mein Junge!“, dann drehte er sich um und ging wieder an seine Arbeit. Seine Schwestern neckten ihn wegen seiner schicken Uniform, und die jüngeren Brüder spielten Krieg: „Peng, peng!“

Mit dem Fahrrad fuhr er in die Stadt und von dort weiter mit dem Zug an die Front, während die deutschen Flugzeuge über ihnen hinweg nach Osten flogen. Panzer überrollten seine Kompanie, viele seiner Kameraden fielen beim Gegenangriff. Getroffen von einer Splittergranate blieb er im Graben liegen, bis die Deutschen ihn fanden.

Er war eingeschlafen und träumte von seiner Heimat, als es klopfte. Luisa, mit Kleidung auf dem Arm, öffnete die Tür. „Hier hast du Hosen, Hemden, Socken, Schuhe und Stiefel zum Anziehen. Kleidung für die Arbeit auf dem Feld und in den Ställen hängt im Schrank der Knechte. Mein Vater wird dir später alles zeigen.“

„Danke“, wollte Josef noch antworten. Luisa hatte die Kammer aber schon wieder verlassen.

Nach dem Mittagessen stand der Bauer auf. „Komm, ich zeige dir die Ställe und Scheunen und welche Arbeiten du zu tun hast!“

Josef folgte ihm. Sie überquerten den mit roten Kopfsteinen gepflasterten Hof. Der Bauer stützte sich auf einen Stock. „Das Bein war gebrochen. Ist nicht wieder richtig zusammengewachsen“, sagte er zu Josef, als er dessen Blicke bemerkte.

Die kleinen Türen der Boxen in den Schweineställen waren geöffnet, sodass die Tiere auf der Weide, die mit Apfelbäumen dicht bestanden war, ihr Futter suchen konnten. Leise grunzend sonnten sie sich in ihren gebuddelten Sandkuhlen. Der Stall für die Kühe war leer, jetzt im April grasten sie draußen. Sie lagen im Schatten der Bäume. Der Bauer zeigte ihm die Pferdeställe auf der Tenne, wo drei breitschultrige Ackerpferde und ein Haflinger für die Kutsche standen. In der angrenzenden Scheune waren die Maschinen untergebracht. Einen solchen Mähbinder hatte Josef bislang nicht gesehen, auch keine Pflüge mit solch gewaltigen Pflugscharen, bei denen er nicht wusste, wie er sie bedienen sollte. Dazu gab es noch eine Maschine zum Grasschneiden, verschiedene Leiterwagen wohl für die Getreideernte, Stürzkarren und eine kleine, elegante Kutsche.

„Das Getreide ist bereits eingesät, morgen müssen Kartoffeln gepflanzt werden“, sagte der Bauer. „Der schwere Lehmboden eignet sich zwar nicht besonders gut für Kartoffeln, aber die Verwaltung hat angeordnet, einige Hektar zu bestellen. Das Feld ist gepflügt und geeggt, ich werde dir helfen. Schon mal gemacht?“

„Ja, wir hatten etwas Land.“

Der Bauer ging nicht auf seine Antwort ein. Er wies ihn noch an, die Pflanzkartoffeln für den morgigen Tag mit einer Forke auf eine der bereitstehenden Stürzkarren zu werfen.

„Als Erstes müssen morgens die Kühe gemolken werden, bevor wir zum Acker fahren.“

Am Abend saß Josef mit Luisa und dem Bauern in der Küche. Es gab heißen Pfannkuchen mit Speckstückchen und einen Krug Bier.

Josef schlief in dieser Nacht gut, ohne Angst, durch einen Sonderappell geweckt zu werden, um draußen in der kühlen Nachtluft zu warten, während die Wachen die Baracken filzten. Er stand früh auf und ging zum Melkplatz. Die Kühe standen dicht gedrängt, wiederkäuend und ihn mit ihren großen Augen anblickend, als warteten sie wie immer auf ihn. Er melkte eine nach der anderen, wie er es von zu Hause gewohnt war, spürte die Wärme der prallen Euter in seinen Händen und schlug sanft auf ihr Hinterteil, wenn er fertig war. Die Milch, leicht dampfend, goss er in die großen Kannen, die er auf einem Karren mitgenommen hatte. Als er den letzten Eimer ausschüttete, bemerkte er den Bauern im Schatten eines Baumes.

„Man sieht, das machst du nicht zum ersten Mal. Komm zum Frühstücken“, sagte er, drehte sich um und humpelte zum Haus zurück.

Anschließend gingen sie zusammen zur Scheune, wo der Bauer eines der Pferde vor eine Maschine mit Schaufeln spannte, die sich drehte, sobald das Pferd anzog. Josef schirrte das zweite Pferd vor die Karre mit den Pflanzkartoffeln. Auf dem Feld setzte sich der Bauer auf diese Wundermaschine, senkte mit einem Hebel die Schaufeln ab, sodass diese in genauen Abständen die Löcher für die Kartoffeln gruben. Josef band sich die Saatschüssel um, füllte sie, folgte dem Bauern und warf die Kartoffeln in die Löcher. Gegen Mittag war das Feld bestellt.

„Erst das Mittagessen, dann kannst du die Kartoffeln anhäufeln. Es ist ein Arbeitsgang und die Kartoffeln wachsen besser!“, sagte der Bauer, als er Josef zeigte, wie er den Pflug zu führen hatte.

Diese Art, Kartoffeln zu pflanzen, kannte Josef nicht. Mit einem einschartigen Pflug, der tiefe Furchen zwischen den Reihen zog, schüttete er am Nachmittag die Löcher mit den Kartoffeln zu.

Es war ein warmer Aprilabend. Der Bauer und Luisa saßen draußen auf einer Bank, als Josef vom Feld zurückkam. Er fütterte das Pferd mit Hafer und Wasser, rieb es mit Stroh trocken und wollte sich in seiner Kammer umziehen, als der Bauer ihm winkte, sich zu ihnen zu setzen. Er fragte ihn nach seiner Familie und nach seiner Heimat, was dort im Krieg geschehen war und wie sich die deutschen Soldaten aufgeführt hätten.

Josef erzählte von den Bombardierungen und wie die polnische Armee überrollt wurde, von seiner Verletzung und Gefangennahme. Er verschwieg, mit welcher Verachtung die deutschen Soldaten sie behandelten, wie sie auf dem Transport nach Westen erniedrigt oder im Lager eingepfercht wurden. Luisa hörte gespannt zu. Sie dachte an ihren Mann, der nach seinem letzten Heimaturlaub an die Ostfront zurückkehren musste und dessen Kind sie in sich trug. Als Josef aufgestanden war und gute Nacht gewünscht hatte, schwieg der Vater lange.

„Wahnsinn, dieser Krieg, das Gefasel vom Lebensraum im Osten, von Rache, von erfahrener Demütigung, von Rasse, Herrenmenschen und Untermenschen. Ich hasse diese Fanatiker. Sie predigen eine menschenverachtende Ideologie und ein Wahnbild. Sie stürzen uns in den Untergang.“

Luisa legte den Arm um ihn und neigte ihren Kopf an seine Schulter.

„Vater, ich habe Angst!“

Seine raue Hand streichelte sanft ihre Wange. Er nahm ihren Kopf in beide Hände und küsste ihre Stirn.

„Luisa, mein Kind, ich bin bei dir. Du trägst die Hoffnung in dir. Wann ist es so weit?“

„Im Oktober, Vater.“

So saßen sie lange beisammen und schauten in die Nacht, eine klare Mondnacht. Luisa murmelte leise:

„Ob Hermann jetzt auch den Himmel betrachtet und an uns denkt?“

„Du liebst ihn sehr und hast Sehnsucht nach ihm?“

„Ja, ich habe ihm geschrieben, dass wir ein Kind erwarten.“

Sie schluchzte und legte ihren Kopf wie früher in den Schoß des Vaters.

„Mein Kind, meine Luisa!“

Sie spürte sein Erzittern, dann wiegte er sie wie ein kleines Kind.

„Mein liebes Mädchen, mein Alles.“

„Die deutschen Soldaten sind in Holland, Belgien und Luxemburg einmarschiert. Jetzt beginnt der Landkrieg im Westen. Dieser Schuft ist größenwahnsinnig!“

Es war Mitte Mai und die Zeitungen waren voll von Siegesmeldungen und der Prophetie, Frankreich, diesen Erzfeind, zu überrollen. Luisa spürte, welche Ängste den Vater befielen, da seine Söhne an der Westfront standen, sagte aber nur: „Vater, es wird schon gut werden!“

„Nein, nichts wird gut werden! Nach Polen hat dieser Verbrecher Norwegen und Dänemark überfallen und besetzt, um die Eisenerze im Norden für seine Panzer und Flugzeuge zu stehlen. Er führt Krieg gegen England, versenkt im Atlantik Handelsschiffe, Kriegsschiffe und U-Boote, im Glauben, so die Engländer in die Knie zu zwingen. Nun marschiert er in neutrale Länder ein. Die alliierten Mächte werden sich diesen Überfall nicht gefallen lassen, Amerika wird seine Neutralität aufgeben.“

Luisa dachte genauso, befürchtete jedoch, der Vater könnte seine Meinung öffentlich aussprechen. Das würden sich die Nazis nicht bieten lassen, ihm heimtückisches Reden vorwerfen und ihn der Zersetzung des deutschen Volkes anklagen. Luisa legte ihre Hand auf die ihres Vaters, der sie fasste und fest umschloss wie in frühen Kindheitstagen, wenn er mit ihr auf die Felder ging, ihr alles erklärte, die Blumen zeigte, sie beschrieb und das Alter der Bäume nannte.

Zur Geburt ihrer Kinder hatten die Eltern immer eine Eiche gepflanzt, ihre war nun zweiundzwanzig Jahre alt. Den Stamm konnte sie mit ihren Händen nicht mehr umspannen. Als Kind lief sie oft zu diesem Baum und spielte mit ihrer Puppe im Schatten seiner Krone. Auch sie würde einen Baum bei der Geburt ihres Kindes pflanzen. Sie strich unwillkürlich über ihren Bauch, ihr Vater lächelte und folgte ihrer Hand: „Ich werde schweigen, obwohl es himmelschreiendes Unrecht ist und bleibt! Ich will dir nicht zusätzliche Schwierigkeiten bereiten!“

„Danke, Vater! Ich weiß, es ist ein Verbrechen. Wir schweigen und schauen weg. Was sollen wir tun, du und ich? Versündigen wir uns, weil wir schweigen? Verstecken wir uns hinter faden Entschuldigungen?“

Josef, der beim Abendessen mit am Tisch saß und die beiden beobachtete, war gerührt. Er schaute Vater und Tochter an und sagte: „Sie können nichts tun. Solange sie siegen, riskieren Sie ihr Leben.“

Der Bauer nickte, als Josef weitersprach: „Und wenn dieses Siegen ein Ende hat, werden sie sich an denen rächen, die nicht die Ihrigen sind. Sie werden sie als Verräter verfolgen und alle mit ins Verderben reißen.“

Der Bauer schaute Josef an. „Eigentlich müsste er uns hassen, da ihm so viel Leid geschah“, dachte er.

„Na, Luisa, brauchst du noch mehr Männer auf eurem Hof?“

Anton war am Morgen mit dem Jeep, nur begleitet von seinem Fahrer, auf den Hof gekommen. Er ging in die Küche, wo Luisa am Herd wirtschaftete. Er stand hinter ihr, sodass sie seinen Atem roch, ein Gemisch aus Zigarrenrauch und Alkohol. Sie drehte sich um, sein Gesicht war nah bei ihr.

„Anton, lass das, ich bin eine verheiratete Frau!“

„Und der Pollack darf dir den Hof machen, wie?“

„Sei nicht albern, Anton! Ich tauge nicht für eure Ideen und ich bin schwanger. Warum hätte ich dich sonst um Hilfe gebeten?“

Anton grinste, Luisa lief rot an. Sie wusste, sie musste sich beherrschen, um Josef nicht zu gefährden.

„Wenn du rechnen kannst: Ich erwarte das Kind im Oktober!“

Er trat einige Schritte zurück.

„Anton, ich bin dir dankbar, dass du mir geholfen hast.“

„Was nützt mir deine Dankbarkeit, Luisa?“

Er trat erneut näher an sie heran, versuchte sie zu berühren, sie wich ihm aus.

„Anton, sei vernünftig. Lass uns gute Freunde sein, mehr ist nicht!“

Er kniff die Lippen zusammen: „Ja, mehr ist nicht, Luisa! Ich habe dich bewundert. Du warst, du bist mein Traum!“

„Schweig, Anton!“

In diesem Augenblick betrat der Vater die Küche, blieb in der Tür stehen und schaute zu den beiden herüber.

„Guten Morgen, Anton!“

„Heil Hitler, Schulze Bromberg. Habe mich nur erkundigt, ob ihr mit dem Polen zufrieden seid. Wollte gerade gehen.“

„Ja, er ist fleißig, sauber und ordentlich!“

Luisas Vater schaute Anton misstrauisch an. „Was er jetzt wohl im Schilde führt?“, überlegte er.

Anton setzte sich jedoch genüsslich lächelnd, als ob er hier zu Hause wäre, auf einen der Stühle.

„Na, Schulze Bromberg, was sagen Sie dazu: Holland und Belgien sind besiegt!“

„Neutrale Länder, einfach überrannt! Sie hatten keine Chance.“

„Ein genialer Schachzug des Führers, die ungedeckte Flanke Frankreichs anzugreifen. Wir stehen an der Kanalküste und Paris hat kapituliert! Deutsche Soldaten sind in die Stadt einmarschiert, Elsass und Lothringen gehören wieder zum Reich. Alles, was man uns gestohlen hat, gibt uns der Führer zurück!“

Der alte Mann nickte gedankenvoll: „Ja, ja, alles mithilfe eines sinnlosen Krieges. Die besten Deutschen fallen an den Fronten.“

„Der Führer musste uns verteidigen. Die Polen haben zuerst geschossen und als der Führer befohlen hat, zurückzuschießen, haben England und Frankreich uns den Krieg erklärt. Jetzt werden sie dafür bestraft. Die Engländer haben wir in den Kanal gejagt und Frankreich ist besiegt! Das ist die Rache für das Friedensdiktat von Versailles und für die Demütigungen unseres Volkes.“

„Anton, der Krieg ist noch nicht zu Ende.“

„Schulze Bromberg, Sie kritisieren viel, seien Sie vorsichtig!“

Er stand auf und mit einem „Heil Hitler!“ verließ er die Küche. Luisa atmete tief durch.

Die Mädchen in ihren Uniformen, in blauem Rock, weißer Bluse und brauner Jacke mit dem Stoffdreieck auf dem linken Oberarm, auf dem der Gau und das BDM-Zeichen eingestickt waren, um den Hals das schwarze, dreieckige Tuch mit dem Lederknoten, standen aufgereiht um das lodernde Holzfeuer in der Waldlichtung. In freudiger Erregung entzündeten sie ihre Fackeln. Die Scharführerin Brunhilde, achtzehn Jahre alt – ihr Vater war der Tierarzt, ihre Mutter eine hochrangige BDM-Führerin –, stellte sich mit dem Rücken zum Feuer, sodass sich ihre Gestalt dunkel und scharf abzeichnete.

„Mädels, wir feiern heute in germanischer Tradition das Sonnenwendfest. In den letzten Tagen und Wochen habt ihr große Stunden unseres Volkes erlebt. Unsere Feinde sind besiegt, sie winseln und flehen um Gnade. Unsere Soldaten haben dem Führer ihren Treueid geschworen, für seine großen Ideen zu sterben. Heute sollt ihr euer Gelöbnis erneuern. Bevor wir das tun, muss eure Schar rein sein. Frija, was hast du vorzubringen?“

Ein Mädchen, blond und schlank, stolze Wimpelträgerin der Schar, trat vor. „Helga hat mich bestohlen.“

„Frija, das ist eine schwere Beschuldigung, kannst du das beweisen?“

„Ja, Scharführerin!“

„Was hat Helga gestohlen und wann?“

„In der Schule, in der großen Pause. Helga ist heimlich im Klassenzimmer geblieben und hat Geld aus meinem Tornister genommen.“

„Wie viel Geld und hast du Zeugen?“

„Drei Mark, den Beitrag für unsere Schar. Rosi kann es bezeugen. Wir haben Helga überrascht.“

„Rosi, stimmt es, was Frija sagt?“

„Ja, Scharführerin, wir kamen am Klassenzimmer vorbei und haben gesehen, wie Helga in Frijas Tornister suchte. Sie hatte das Geld in der Hand.“

Der Befehl der Scharführerin zerschnitt wie ein scharfes Messer die Stille: „Helga, vortreten!“

Ein lang aufgeschossenes Mädchen trat mit gesenktem Kopf aus den Reihen und stellte sich vor die Scharführerin.

„Stimmt es, was Frija sagt?“