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Piet ist neun Jahre alt, als plötzlich sein Körper beginnt, verrückt zu spielen. Bisher bestand das Leben des Jungen zu einem großen Teil aus Sport ... und noch mehr Sport. Nun kann er noch nicht einmal mehr laufen oder alleine zur Toilette gehen. Es dauert ein paar Tage, dann ist alles wieder wie vorher, zumindest fast. Die Ärzte haben bei ihm eine Erkrankung festgestellt. Er soll sich ein paar Wochen schonen, dann wäre alles vorbei. Doch so ist es leider nicht ... Erst ein Jahr später wird in Südspanien festgestellt, was ihm wirklich fehlt, doch da ist die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass Piet drei Jahre später am Herzen operiert werden muss. Aber der Junge gibt nie auf. Unterstützt von seiner Familie und seinen Freunden kämpft er sich ins Leben zurück und beginnt, seinen Alltag neu zu ordnen.
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war
Piet Sander
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Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
© 2020 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstraße 10, 88085 Langenargen
Telefon: 08382/9090344
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2011.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.
Coverfoto: privat
Lektorat: Redaktions- und Literaturbüro MTM
ISBN: 978-3-86196-056-0 - Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-269-2 - E-Book (2020)
*
Was vorher war
Der 29. August 2006
Die nächsten Tage
Besserung
Handball
Es geht bergauf
Rückfall
Fußball
Wieder krank
Endlich wieder normale Tage
Fernsehen
Noch eine neue Klinik
Silvester
Handball-WM
Ein tolles Frühjahr
Und das ist ...
Entwarnung
Die Zeit danach
Kribbeln in den Füßen
Wieder liegen
Und was ist das jetzt?
No hablan español
Urlaub?
Wieder im Krankenhaus
Langeweile
Manchmal geht es schneller
Es wird wirklich besser
Normalität
OP
Der Autor
Nachwort
*
Wenn ich hier alle Menschen nennen würde, die mir irgendwann irgendwie geholfen haben, dann würde der Platz nicht ausreichen! Darum bedanke ich mich bei allen, die mich unterstützt haben, mir Mut machten und mir, in welcher Form auch immer, geholfen haben. Vielen Dank an euch alle! Ich hätte es sonst nicht so schaffen können!
Euer Piet
*
Ich heiße Piet und bin mittlerweile 13 Jahre alt. Wer mich so auf der Straße treffen würde, dem würde nichts Besonderes an mir auffallen. Vielleicht würde der ein oder andere mich kennen, denn ich habe schon öfter kurze Kinderreportagen im Fernsehen gemacht. Aber sonst ist alles recht normal an mir. Dabei gab es eine Zeit, in der ich dachte, nie wieder das machen zu können, was normal ist … oder damals normal für mich war. Handballspielen zum Beispiel. Oder Schwimmen. Oder Radfahren. Selbst die Schule habe ich vermisst und dachte, dass ich nicht mehr dahin gehen könnte. Jedes Mal, wenn ich zur Toilette musste, musste mich jemand tragen. Mit zehn Jahren und als jemand, der eigentlich seine Zeit mehr oder weniger ausschließlich mit Sport verbracht hatte, war das ziemlich blöd.
Ich denke aber, ich fange einfach mal ganz von vorne an. Meine Geburt kam für meine Mutter und auch für meinen Vater sehr überraschend – ich kam ungefähr acht Wochen zu früh zur Welt. Nach vier Wochen Kinderklinik durfte ich dann nach Hause. Das war allerdings alles recht unspektakulär, denn ich musste nur größer und dicker werden. Die nächsten Jahre habe ich mich wohl sehr gut entwickelt. Ich habe früh mit Sport angefangen – erst mit dem Schwimmen. Meiner Mutter stockte das Herz, als ich kurz vor meinem fünften Geburtstag vom Dreier sprang.
Dann bin ich nach mehreren Versuchen, die richtige Sportart für mich zu finden, beim Handball gelandet und fand das absolut spitze.
Irgendwann kam ich natürlich auch in die Schule, die mich nicht sonderlich begeistert hat. Pausen waren das Wichtigste für mich, und wenn meine Mutter mich mittags fragte, wie es denn gewesen sei, gab ich ihr eine exakte Darstellung meiner Aktivitäten in der Pause. Erst nach vielen weiteren Fragen erfuhr sie dann auch Mal etwas über den Unterricht, den ich aber mehr oder weniger langweilig fand.
Nach recht kurzer Schulzeit gab es für mich plötzlich etwas Neues. Ich war zum ersten Mal krank. Das hatte ich bis dahin irgendwie gar nicht gekannt. Ich hatte Halsschmerzen und fror. Supertoll fand ich, dass ich im Bett bleiben durfte und nicht zur Schule musste. Meine Aufgaben erklärte mir meine Mutter sowieso viel schneller als die Lehrer und danach konnte ich machen, was ich wollte. Nach gut einer Woche war es allerdings damit vorbei und ich musste wieder zur Schule gehen. Aber irgendwie erholte ich mich nicht wirklich und wurde immer wieder krank.
Wir gingen zu mehreren Ärzten, mir wurde Blut abgenommen, aber wirklich helfen konnte mir keiner, und so durfte ich alle vier Wochen mal ein paar Tage zu Hause bleiben. Und das gefiel mir das eigentlich ganz gut so.
Als ich neun wurde, kam eine neue Geschichte dazu. Ich dachte, dass ich megaungeschickt sei, denn ich hatte ständig dicke Füße, was auf Umknicken während des Sports oder so zurückgeführt wurde. Und ich dachte natürlich auch, dass dies so sei. Im Sommer fuhren wir drei Wochen nach Südspanien und mir ging es richtig gut. Zu dieser Zeit, im Sommer 2006, war die WM in Deutschland und mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich waren voll im Fußballfieber. Wenn irgendwer von uns geahnt hätte, was in der nächsten Zeit auf uns zukommen würde – aber ich denke, es ist ganz gut, dass man das alles nicht weiß.
Mein Sommer ging eigentlich toll weiter. Ich war viel mit meinen Freunden unterwegs und so langsam traute ich mir auch mehr zu. Wir fuhren ins Freibad, zum Eisessen oder einfach so durch die Stadt. Es war einfach genial. Bis die Schule wieder anfing. Das Wetter wurde schlagartig schlechter und meine Laune ebenso. Heimlich wünschte ich mir, mal wieder ein paar Tage im Bett liegen zu dürfen – einfach so. Aber mir ging es irgendwie auch zu gut dafür.
Das vierte Schuljahr war ganz schön stressig. Man machte uns recht schnell und unmissverständlich klar, dass es nun darum ging, auf welcher Schule wir nach diesem Schuljahr weiterlernen würden. Wir standen alle ein wenig unter Druck, denn auch unsere Eltern verlangten von uns, dass wir uns besonders anstrengten.
Irgendwie haben meine Freunde und ich uns dann an einem dieser Tage alle ziemlich in die Wolle bekommen und es gab eine große Klopperei auf dem Schulhof, in der ich natürlich mittendrin steckte. An das Datum kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es war der 29. August 2006 – genau zwei Monate vor meinem zehnten Geburtstag.
*
Morgens hatte ich also die Klopperei auf dem Schulhof und dabei war ich wohl irgendwie blöd mit dem Fuß umgeknickt oder jemand hatte ihn mir verdreht. „So oder so ähnlich war es zumindest!“, erzählte ich meiner Mutter mittags als Entschuldigung, warum ich mich so verspätet hatte. „Ich konnte nicht wirklich schnell laufen und musste humpeln.“ Meine Mutter schaute sich den Fuß an und meinte, dass es sich wohl um eine Stauchung handeln würde, und kühlte mir den Fuß. Hausaufgaben musste ich trotzdem machen, denn „du schreibst ja nicht mit dem Fuß!“, erklärte mir meine Mutter.
Am Nachmittag war die Freundin meines Bruders da und wir überredeten unsere Mutter dazu, etwas zu basteln. Das Etwas sollte mit Knetgummi sein und dazu mussten wir noch ein paar Dinge einkaufen. Wir fuhren los und im Markt habe ich mich dann im Einkaufswagen schieben lassen. „Meinst du nicht, dass du dazu zu groß bist?“, meinte eine Stimme neben mir. Es war einer aus meiner Klasse. Ich schüttelte den Kopf. „Hey ich habe mir den Fuß verstaucht, ich kann nicht laufen! Weißt du, vorhin bei der Prügelei“, erklärte ich ihm.
Später wurde es immer schlimmer. Ich konnte kaum noch auftreten und meine Mutter musste mich stützen, damit ich überhaupt bis zum Klo kam – das war voll peinlich.
„Inzwischen ist der Fuß auch richtig dick!“, meinte meine Mutter. „Und rot ist er auch! Eine typische Stauchung. Da hilft wohl nur kühlen und ruhig halten!“
Als mein Vater abends nach Haus kam, tat der Fuß richtig weh, auch wenn ich ihn hochlegte. Mein Vater misstraute allerdings dem, was meine Mutter sagte, und meinte, dass wir damit dringend zum Arzt müssten. Zum Glück hatte meine Kinderärztin genau an dem Abend Notdienst. Sie schaute sich den Fuß von allen Seiten an. Wenn sie ihn anfasste, dann tat das ziemlich weh. „Irgendwie ist das komisch“, meinte sie nach einer Weile. „Das sieht mir nicht nach einer Stauchung aus, gerade weil das über den Tag immer schlimmer geworden ist. Vielleicht ein Bruch, aber die Stelle ist komisch. Das sollte mal geröntgt werden.“
Wir fuhren noch einmal kurz nach Hause und machten uns dann auf den Weg ins Krankenhaus. Ich konnte nicht mehr laufen und meine Mutter musste mich tragen. Sie nahm mich auf den Rücken und so sind wird dann ins Krankenhaus reingegangen. Es war schon lustig und wir beiden haben ziemlich rumgealbert. Irgendwann bot man uns dann aber auch einen Rollstuhl an.
Eine sehr nette Ärztin schaute sich den Fuß an und meinte dann, das müsse wohl erst mal geröntgt werden. Das wussten wir auch schon. Weil es nun schon so spät war, war der Röntgenraum in der Abteilung geschlossen und wir mussten in ein anderes Haus gehen. Das verpassten wir allerdings und standen plötzlich mitten im Wald.
„Sag mal“, fragte ich meine Mutter, „meinst du, das hier noch was kommt?“ Sie schüttelte inzwischen ziemlich außer Puste den Kopf. „Irgendwie sieht das hier nicht mehr danach aus, als wären wir hier richtig. Es ist wohl besser, wir drehen wieder um.“ Das Haus, an dem wir dann vorbeikamen, sei auch nicht richtig, meinte sie dann, denn das wäre die Geburtshilfe – sonst sahen wir nichts. Es war inzwischen kurz nach 22 Uhr und ziemlich dunkel. Die ganze Aktion war ziemlich lustig. Meine Mutter keuchte, wenn sie mich einen Berg hochschob und wenn es einen Berg wieder runter ging, war es ebenso, denn sie musste den Rollstuhl festhalten. Wir kamen wieder in der Kinderklinik an, man erklärte uns noch mal den Weg zum Röntgen und endlich kamen wir tatsächlich dort an. Um diese Zeit war natürlich kaum noch etwas los in dieser Abteilung und so ging es ganz schnell. Mit den Bildern fuhren wir wieder zurück.
Die nette Ärztin schaute noch mal auf die Bilder und meinte, dass der Fuß nicht gebrochen sei, aber man eine dicke Anschwellung sehen könnte. Wir hätten nun zwei Möglichkeiten – entweder mit einer Schiene ruhigstellen oder stillhalten.
„Stillhalten schafft der nicht!“, meinte meine Mutter. „Den muss man dazu zwingen! Wir nehmen die Schiene.“ Ein paar Minuten später wurde mir aus Gips eine Schiene gefertigt, die wurde dann umwickelt und ich bekam noch ein paar bunte Krücken dazu. Endlich konnte ich wieder selbst laufen. Na ja, laufen kann man das, was ich dort tat, zwar weniger nennen, es war wohl eher ein Humpeln.
Als wir zu Hause ankamen, war es mittlerweile kurz nach Mitternacht. „Trotzdem gehe ich morgen zur Schule!“, erklärte ich meiner überraschten Mutter. Das würde total cool werden – in den Pausen dürfte ich drin bleiben, jemand müsste mir den Rucksack zum Musikraum tragen und vor allem würden die Lehrer richtig nett zu mir sein. Eigentlich schlief ich ganz glücklich ein!
*
Der nächste Tag war eigentlich so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Meine Mutter brachte mich mit dem Auto zur Schule. Sie hatte mich mehrfach gefragt, ob ich wirklich hin wollte.
