„und wieder zieht das Elchgespann…“ - Dieter Treeck - E-Book

„und wieder zieht das Elchgespann…“ E-Book

Dieter Treeck

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Beschreibung

„und wieder zieht das Elchgespann….“ durch den vorweihnachtlichen Alltag. Der Weihnachtsmann und sein Elch „Aljoscha“ erleben dabei immer wieder unliebsame Überraschungen. Und so ist hier und da ein tröstendes Schnäpschen durchaus willkommen. Die Geschichten, Szenen, Gedichte und Lieder erzählen mit Witz und Ironie von der „schönen neuen Medienwelt“, in der sich nicht nur der Weihnachtsmann oftmals nicht mehr zurecht findet. Die Texte entstanden überwiegend für drei literarisch-kabarettistische Weihnachtsprogramme, mit denen der Satiriker Dieter Treeck gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der in Dortmund lebenden ungarischen Schauspielerin, Kabarettistin und Chansonsängerin Kriszti Kiss seit 1998 auf Kabarettbühnen, in literarischen Kaffeehäusern und überall dort auftritt, wo ihr spöttischer Blick auf den vorweihnachtlichen Konsumrummel willkommen ist.

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Dieter Treeck

„und wieder zieht das Elchgespann…“

Das wahn-sinnige Weihnachtsbuch. Geschichten, Verse, Szenen und Lieder aus dem (vor-)weihnachtlichen WahnSinn mit Zeichnungen von Henryk Bzdok

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Der Weihnachtsmann im Elchtest (1)

1 Dort, wo den Himmel wir erflehen sehn wir des Winters Fahne wehen und hinterm Dunst der Wolkenbänke sortiert ein Rotrock die Geschenke Er weckt den Elch aus tiefem Schlafe packt seinen Schlitten für die Braven mit allem was den Menschen lieb und was bei ALDI übrig blieb 2 Im Pfarrhaus schnarcht der Herr Pastor der hatte heut was Bessres vor doch dann verschloss er fest das Tor und nahm sich seinen Messwein vor Drum hört er nicht den Weihnachtsmann der vor der Kirche kurz hielt an um dann verärgert abzuwinken denn selig ist´s, zu zweit zu trinken Refrain: und wieder zieht das Elchgespann den leicht beschwingten Weihnachtsmann durch Stadtverkehr und tiefen Tann und eckt schon mal am Wirtshaus an 3 Im Kaufhaus stand seit Tagen an Adventsbasar mit Weihnachtsmann doch als per Elch der endlich kam da war der Beifall eher lahm Man macht mich hier doch nicht zum Deppen sprach Nikolaus. Er sah die Treppen sich rätselhaft von selbst bewegen das tat den frommen Durst erregen Refrain: und wieder zieht das Elchgespann den leicht beschwingten Weihnachtsmann durch Stadtverkehr und tiefen Tann und eckt schon mal am Wirtshaus an 4 Der Weihnachtsmarkt verlockt den Alten ein Viertelstündchen anzuhalten um hier bei Glühwein zu versuchen die sündhaft leckren Reibekuchen Er fühlt sich pflichtbewusst gehalten hier seines Amtes noch zu walten doch den 1-Euro-Hilfskollegen kommt dieses äußerst ungelegen

Edeltanne, einsfünfzig, Etagenbaum...

„Denk an den Baum!“ sagte die Liebste beim Frühstück. „Ich denke an nichts anderes!“ seufzte ich. „Denk dran: Edeltanne. Nicht höher als einsfünfzig. Und schöne Etagen, bitte!“ „Ich denke, heute ist Heiligabend!“ murmelte ich in die Kaffeetasse hinein. „Eben! Heute sind die Bäume am billigsten!“ „Und die Auswahl am kleinsten! Dass du ausgerechnet am Weihnachtsbaum sparen musst!“ „Quatsch nicht, halt dich ran!“ sagte sie. „Und komm bloß nicht ohne Baum zurück!“ Sie klimperte mit dem Autoschlüssel. „Nimm die Straßenbahn! Den Wagen brauche ich! Du weißt ja, der Karpfen...“ Und dann stand ich vor jener Baulücke, die einmal jährlich als Christbaummarkt zu Ehren kam. Doch nichts erinnerte mehr daran, dass hier vor Tagen noch das Sauerland wogte. „Edeltanne, einsfünfzig, Etagenbaum!“ Die Liebste kannte keine Gnade. Die dritte Station verhieß Hoffnung. Ein Hinterhof im Halbdunkel. Ein Dutzend trister Mülltonnen. Ein halbes Dutzend Fichten. Die letzten der Mohikaner. Elendsgeburten. Tannenbaum- Karikaturen. Davor eine breite Front männlicher Gestalten. Zehn vielleicht. Fünfzehn... Schweigend. Bewegungslos die Armseligkeit fixierend. In meinem Kopf der Liebsten Stimme: „Edeltanne, einsfünfzig, Etagenbaum!“ In meinem Bauch eine Wut, die mir Entscheidungskraft verlieh. Ich drängte mich hindurch, schnappte mir den erstbesten Baum und präsentierte ihn dem vermummten Händler. „Den hier!“ Zwei Worte, die Erstaunliches bewirkten. In einem dichten Knäuel urplötzlich wild entschlossener Männer schienen sich die restlichen Bäume aufzulösen. In Sekunden verwandelten sich friedliche Familienväter in brüllende Kampfstiere und traurige Tannenbäume in handliches Tannengrün. Mein Bäumchen quälte sich indes durch einen Blechtrichter in ein grobes Netz. Wahrlich kein Baum von der Stange. Eher eine amorphe Stachelkugel. Doch ein Kunstwerk an Verpackung. Ich verließ das Schlachtfeld der letzten Chance und schleppte meine Beute zur Straßenbahn. LINIE 2 zum ersten. Die Türen öffneten sich. Die Türen schlossen sich. Auf dem Bahnsteig eine Mauer geduldig Wartender. LINIE 2 zum zweiten, zum dritten, zum vierten... Welch ein Freudentag für die Bilanz der Stadtwerke. Die fünfte Bahn nahm mich auf. Nahm uns auf! „Sie zahlen für zwei Personen!“ sagte der Schaffner mit einer Stimme wie ein Fallbeil. Ich quetschte uns zwischen die murrenden Fahrgäste, suchte nach einem Halt und fand ihn über mir. Für Augenblicke schien alles wohl geregelt. Nur in meinem Kopf hämmerte es: „Edeltanne, einsfünfzig, Etagenbaum!“ Dann geschah es: Der Straßenbahnfahrer fluchte. Die Bahn bremste abrupt. Die Fahrgäste torkelten durcheinander. Ich ließ den Baum los, griff mit beiden Händen ins Leere und fiel doch nicht. Wohin auch? Die Katastrophe draußen schien abgewendet. Die Katastrophe innen ereignete sich in diesem Augenblick. Der Baum befreite sich. Mein Baum! Ein trockener Knall. Das Netz zerriss. Die Zweige schnellten auseinander, suchten die Lücken zwischen den Fahrgästen und fanden sie. Krakengleich. „Meine Strümpfe!“ keifte eine Frau und boxte mir in die Rippen. „Mein Gesicht!“ brüllte ein kleiner Junge, der plötzlich mitten in meinem Baum stand. Über mich brach der Volkszorn herein. Das „Raus-Raus-Raus-Raus-Raus“ wurde zum vielstimmigen, bedrohlich anschwellenden Chor. „Nehmen Sie ihren Scheißbaum und verschwinden Sie!“ schrie der Schaffner. Die Bahn hielt. Diesmal sanft und rücksichtsvoll. Auch an dieser Haltestelle Menschen dichtgedrängt. Ich tauchte hinein in den Weihnachtsbaum, versuchte den Stamm zu erreichen. Vergeblich! Zu kurz die Arme, zu aggressiv die Äste. Ich zerrte an den Zweigen. Der Baum bewegte sich nicht. Er widersetzte sich, verkrallte sich unlösbar in Mäntel, Schirme, Einkaufstaschen. Hoffnungslos. Ich ließ den Baum los, stemmte mich gegen die hereindrängenden Fahrgäste, fand den Fluchtweg nach draußen. ließ Baum und Flüche hinter mir. „Edeltanne, einsfünfzig, Etagenbaum!“ In sechzig Jahren das erste Weihnachtsfest ohne Baum. Meine Gedanken schwankten zwischen Bahnhofsmission und Stammkneipe. Ich entschied mich fürs Undramatische. Und zwei Stunden später schwankte ich heimwärts. „Ich bin der Weihnachtsbaum!“ würde ich der Liebsten sagen. „Schmück mich oder verbrenn mich!“ Dann stand ich vor unserer Haustür und wunderte mich, dass ich das Schlüsselloch nicht erreichte. Bis in meinem Kopf die Erkenntnis dämmerte: Dort, angelehnt an die Haustür, stand mein Weihnachtsbaum. Nix Edeltanne, einsfünfzig, schöne Etagen, aber mein wundervoller Wunderbaum. Und in meinem plötzlich glücksüberfluteten Gehirn formte sich die Frage: „Hey Alter, hast du schon geklingelt?“ Doch es gibt Tage, an denen stellt man keine Fragen.

nur hinterm Haus

Es sei nicht länger euch verschwiegen was den Erwählten längst bekannt und auch dem Heer der schwarzen Fliegen: Dort hinterm Haus ist Reibekuchenland Wenn erste Fröste durch die Gräser ziehen und man bei Maulwurfs an den Vorrat denkt sieht man sie köstlich unterm Laub erblühen die späte Frucht, die uns der Winter schenkt Sie schlüpft gebräunt ans bleiche Licht der Sterne ihr Duft treibt selbst den müden Dichter um er schleicht hinaus, schwenkt seine Reimlaterne und beugt sich nieder zum Präludium Noch wartet er, bis dann vom Wind getrieben das Lied der Puffer durch die Nacht ertönt dann hat er eiligst dies Gedicht geschrieben und sich ein Glas Kartoffelschnaps gegönnt Ich folgte ihm, als alle Nachbarn schliefen und sah der goldnen Scheiben Hochzeitsflug er endete in meines Schlundes Tiefen Ja, ich gesteh´, ich kriegte nie genug Wenn ihr dereinst in Weihnachtsmarktgefilden sie brutzeln seht an jedem dritten Stand dann glaubt dem üblen Schwindel nicht, dem wilden: Nur hinterm Haus ist Reibekuchenland