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Die vorliegende Sammlung von Artikeln und Aufsätzen aus den Jahren 2010 bis 2013 trägt den Titel „Unser Wittlager Land - Ein Geschichts-Lesebuch“. Sie bereitet eine Auswahl von unterschiedlichen Zeitungsartikeln und Reportagen sowie Internet-Beiträgen aus der Feder des Autors auf, die er im genannten Zeitraum zu Einzelaspekten der Geschichte des Wittlages Landes verfasst hat. Als kleines Kind fand er es immer spannend, wenn die Großeltern von den alten Zeiten erzählten, die Geschichten von früher, noch weit vor der damaligen Zeit. Später hat er dann ein Interesse dafür entfaltet, wie die Siedlungsgeschichte des Wittlager Landes wohl ausgesehen haben mag. Und dann war da ja die immer noch ungeklärte Frage, was sie als Kinder dieser Region mit den alten „Hünengräbern“ zu tun hatten, die ihnen im Schulunterricht näher gebracht worden waren. Schließlich kamen die Funde in Kalkriese zur Varusschlacht und in Ostercappeln zur Schnippenburg hinzu, sowie die Ausgrabungen zu den Bohlwegen im Moor. Das Wittlager Land erwies sich als ein wahres El Dorado an archäologischen Spuren. Und auch die spätere Geschichte hatte hier durchaus etwas zu bieten. Etwa im Zusammenhang mit Karl dem Großen und Widukind, wobei man hier jedoch zugegebenermaßen bereits ein wenig die Welt der Sagen betritt. Die der Leser natürlich auch bei Pastor Rudolph und dem Teufel oder dem fliegenden Jäger in den Bruchwiesen nicht verlässt, um sich später geschichtlichen Ereignissen und Personen des Wittlager Landes zu nähern, die dem Reich des Tatsächlichen entstammen.
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Vorwort
Die ersten Menschen im Wittlager Land
Der älteste Bohlweg der Welt
Jungsteinzeitliche „Hünengräber“
Rätselhafte Schnippenburg
Die Suche nach der Varusschlacht
Auf den Spuren von Karl dem Großen
Der Irrtum des Pastor Dökel
Pastor Rudolph und der Teufel
Die alten Ämter Wittlage und Hunteburg
Das Schicksal der Burg Rumpeshorst zu Wimmer
Das „Vierländereck“ bei Büscherheide
Schutz und Trutz im Zeichen der Burgen
Vom fliegenden Jäger in den Bruchwiesen
Steinkohleförderung am Dörrei um 1786
Der Rote Pfahl
Ein Venner wurde Sherrif in der „Neuen Welt“
Der Anschluss der Wittlager Landes an die weite Welt
Das große Hagelunwetter von 1903
Scheipers „Stoffer“ - ein Bohmter Original
Magarineproduktion in Lintorf 1907
HAKUMAG - Stromerzeugung aus Torf
Woher das Rabewerk seinen Namen hat
Ein Raketenpionier auf Arenshorst
Der Stein am „Born“
Die Wehrendorfer Dorfglocke
1954 wurden wir Weltmeister in Bad Essen
Die letzte gelbe Post im Wittlager Land
Die vorliegende Sammlung von Artikeln und Aufsätzen aus den Jahren 2010 bis 2013 trägt den Titel „Unser Wittlager Land - Ein Geschichts-Lesebuch“. In einer Auswahl von unterschiedlichen Zeitungsartikeln, Reportagen sowie Internet-Beiträgen aus meiner Feder habe ich Schriftstücke zusammengetragen, die ich im genannten Zeitraum zu Einzelaspekten der Geschichte des Wittlages Landes verfasst habe. Insofern, insbesondere aber auch deshalb, da dies mein letztes Buch zur Regionalgeschichte des Wittlager Landes sein wird, hätte ich als Untertitel vielleicht besser „Mein Geschichts-Lesebuch“ wählen sollen.
Dabei bin ich der Versuchung erlegen, möglichst viele kleinere und manche etwas größere Geschichten zu einem Buch zusammenzustellen, in dem man sich einen breiten Überblick über die unterschiedlichsten historischen Verwicklungen unseres Landstrichs machen kann. In mancherlei Hinsicht ist das Heftchen eine Fortsetzung meines Buches „Das Wittlager Land. Geschichten aus seiner Geschichte“ von 2010, das sich inzwischen einer zweiten Auflage erfreut und hier eine inhaltliche Ergänzung findet.
Den entscheidenden Anstoß für das erneute Befassen mit der Geschichte meiner Heimatregion gab der ebenfalls 2013 erschienene Bildband „Das Wittlager Land auf alten Postkarten“, das im Wittlager Kreisblatt kurz nach der Reihe „Wir im Wittlager Land“ im Juni dieses Jahres vorgestellt wurde. Da sich darin fast ausschließlich Bilder mit Kurzbeschreibungen befanden, sollte es noch einmal ein Textband sein. Ein Lesebuch - ein Buch zum Lesen, in das sich ganz am Ende noch einige Bildseiten eingefügt haben, die Typisches des Wittlager Landes zeigen.
Einen wichtigen Impuls für die Realisation des Vorhabens bildeten meine Beiträge zu der besagten 2-monatigen Medienaktion unserer Heimatzeitung, in der an jeweils zwei Tagen pro Woche eine Ortschaft des Wittlager Landes ausführlich vorgestellt wurde. Der Serie durfte ich selbst 11 Beiträge zuliefern, die hier zum großen Teil enthalten sind. Weitere Aufsätze stammen von der von mir betreuten Internet-Seite „www.landkries-wittlage.de“, andere fanden sich zuvor als Einzelartikel in der Regionalpresse. Einige Beiträge schließlich erblicken in dieser Sammlung zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit.
Und eine Anregung habe ich aufgenommen aus Gesprächen mit meinen Lesern. Da es sich hier nicht selten um Menschen handelt, die bereits mit altersbedingten Sehschwierigkeiten kämpfen, habe ich die Buchstabengröße in diesem Lesebuch auf die Schriftgröße 11 angehoben.
Als kleines Kind war es für mich immer spannend, wenn die Großeltern von den alten Zeiten erzählten, die Geschichten von früher, weit vor der damaligen Zeit. Später habe ich dann ein Interesse dafür entfaltet, wie die Siedlungsgeschichte des Wittlager Landes wohl ausgesehen haben mag. Und dann war da ja die immer noch ungeklärte Frage, was wir als Kinder dieser Region mit den alten „Hünengräbern“ zu tun hatten, die uns im Schulunterricht näher gebracht wurden. Später kamen die Funde in Kalkriese zur Varusschlacht und in Ostercappeln zur Schnippenburg hinzu, und schließlich die Ausgrabungen zu den Bohlwegen im Moor. Das Wittlager Land zeigte sich als ein wahres El Dorado an archäologischen Sensationen. Und auch die spätere Geschichte hat etwas zu bieten. Etwa im Zusammenhang mit Karl dem Großen und Widukind, wobei wir hier zugegebenermaßen bereits die Welt der Sagen betreten.
Die wir natürlich auch bei Pastor Rudolph und dem Teufel oder dem fliegenden Jäger in den Bruchwiesen nicht ganz verlassen, um uns später geschichtlichen Ereignissen und Personen des Wittlager Landes zu nähern, die dem Reich des Tatsächlichen entstammen. So, in dieser Vielfalt, verstehe ich ein Geschichts-Lesebuch, das „Spiegelbilder unserer Heimat“ zu liefern vermag, wie dies bereits die Autoren des viel geliebten ersten Heftes der „Wittlager Heimathefte. Band 1 - Sagen und Geschichten“ im Auge hatten, ein Büchlein übrigens, das zum festen Bestand meiner Kindheitsliteratur zählte.
Bad Essen, im Sommer 2013
Dr. Wolfgang Huge
Von der Höhe des Wiehengebirges bis weit hinunter in die Moore und an die Ufersäume des Dümmers erstreckt sich das Wittlager Land. Wie eine Übersicht zu frühgeschichtlichen Siedlungsstädten des Landkreises Wittlage zeigt, liegt der Großteil der dazu gehörigen Funde oberhalb der 45m Höhenlinie. Doch auch in den tiefer liegenden Moorgebieten fanden sich menschliche Spuren, wie die aus jüngerer Zeit stammenden Moorleichen aus dem Schweger Moor bei Hunteburg oder ein nicht sicher zu datierende Bohlweg durch das Schweger Moor und Dievenmoor von Hunteburg nach den Dammer Bergen. Sie sind wohl wie einzelne Funde an der Hunte und am Rande des Dümmers der Steinzeit zuzuordnen, in der Moorgebiete als Siedlungsboden bevorzugt wurden.
Im Venner Moor, an der Hunte und am Rande des Dümmers ließen sich Hinweise auf eine steinzeitliche Frühbesiedlung finden. Zu dieser Zeit wurden Moorgebiete als Siedlungsboden bevorzugt. Auch wenn diese nicht wie andernorts Spuren eiszeitlicher Menschen beinhalten, kann auch hier noch mit der Entdeckung von Einzelgeräten oder Rastplätzen altsteinzeitlicher Jägergruppen gerechnet werden, wie sie in Spahn bei Sögel oder im Dörgener Moor nahe Haselünne gefunden worden sind. Gleiche Geräte von der Glaner Heide bei Wildeshausen zeigen, dass die Rentier-Jäger diese Gebiete bereits in der Zeit zwischen 20.000 und 15.000 v. Chr. aufgesucht haben. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Kulturhinterlassenschaften dieser Eiszeitjäger auch am Rande der Moore, auf den Dünenzügen im Großen und Venner Moor, an der Hunte oder am Dümmerrand noch entdeckt werden.
Sicher ist, dass die oben genannten Plätze von den Menschen der Mittelsteinzeit (um 4.000 v. Chr.) genutzt worden sind. In ihrer umherschweifenden Lebensweise als Sammler, Fischer und Jäger waren sie vollständig von ihrer Umgebung und dem abhängig, was die Natur ihnen zu bieten vermochte. Ihre Siedlungsplätze, gekennzeichnet durch oftmals Hunderte von kleinsten Feuersteingeräten aller Art, von der nadelförmigen Pfeilspitze bis zum gröberen Gebrauchsgerät aus Feuerstein, liegen daher ebenso auf den Dünenzügen in den Mooren und an den Rändern und besonders auf den Ufersäumen des Dümmers.
Die siedlungsgeschichtliche Bedeutung dieser Fundstellen ist nicht allein im Nachweis der Plätze selbst zu sehen, vielmehr gibt die kartographische Aufzeichnung der Siedlungsplätze den überzeugenden Nachweis, dass der Dümmer in der mittleren Steinzeit ein weitaus größeres Areal als heute bedeckt haben muss. Im Nordteil soll sich die Wasserfläche des Sees etwa zur Mitte zwischen der Hunte und der Straße Lehmbruch-Diepholz ausgedehnt haben.
Mit seiner Erweiterung nach Süden und Westen erreichte er etwa das doppelte Ausmaß seiner heutigen Wasserfläche. Aus diesem Grund liegen die mittelsteinzeitlichen Siedlungsplätze auch abseits der gegenwärtigen Uferzone.
Mit fortschreitender Verlandung und dem Rückzug des Wassers drang der Mensch in die vom Wasser freigegebenen Gebiete ein und hinterließ entlang der Hunte, im Ochsenmoor sowie im Großen Moor eine Reihe von Siedlungsplätzen, die der archäologischen Forschung ein ergiebiges Fundmaterial lieferten. Die Siedlungsflächen enthielten nicht nur die Reste der Mahlzeiten, die Knochen der Jagdtiere, die Reste der verzehrten Fische und zahlreiche Haselnuss-Schalen, sondern auch zahlreiche Hirschgeweihäxte, Knochen- und Feuersteingeräte und die zerbrochenen Töpfe mit spitzen Böden und einer Randverzierung, die durch aufgelegte Tonleisten mit Fingernageleindrücken hergestellt worden ist. Hier tritt erstmalig die Töpferei auf, wodurch die frühjungsteinzeitlichen Siedler, deren Lebensweise in vielem noch der der mittelsteinzeitlichen Sammler und Fischer geglichen hat, aus der mittelsteinzeitlichen Lebensform herausgehoben werden. Durch ihre Lebensgewohnheiten und ihre Topfformen sind sie mit den an der Westküste der Ostsee siedelnden Menschen zu vergleichen, die nach dem Hauptfundort als Ellerbecker bezeichnet werden. Mit dieser um 4000 v. Chr. anzusetzenden Siedlungsform begann sich der Übergang von der unsteten Lebensweise des Sammlers und Fischers zum sesshaften Bauern der Jungsteinzeit (4000—1700 v. Chr.) anzubahnen.
In der Jungsteinzeit trat die Wende ein, die dazu führte, dass die Menschen feste Häuser errichteten und zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden. Und in dieser Zeit wurde das gleiche Dümmergebiet, das schon vor den Menschen der Mittelsteinzeit aufgesucht und bewohnt worden war, nun auch von den Menschen der Jungsteinzeit besiedelt. Und diese Menschen haben uns mit ihrer großen Megalithgräbern bei Darpvenne, Felsen, Driehausen sowie Haaren deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Und dass um den Dümmer herum auch während der Bronzezeit Siedlungen existiert haben, dafür sprechen Gefäßreste aus dem Dümmer, die der älteren Bronzezeit (1200 bis 800 v. Chr.) zuzuordnen sind.
Heute wissen, dass die erste Besiedlung des Hunteburger und Venner Raums weiter in die Geschichte zurück geht, als man früher einmal geglaubt hat. Die Ausgrabung von verschiedenen Bohlwegen südwestlich des Dümmers hat im Schweger Moor bei Hunteburg und in Campemoor bei Venne Spuren menschlicher Zivilisation zutage gefördert, die teilweise mehr als 6.500 Jahre alt sind.
So datiert der älteste in Campemoor freigelegte Bohlweg, der P 31, aus der Zeit um 4800 v. Chr., womit er zugleich der älteste derzeit bekannte Bohlweg der Welt überhaupt ist. Und ganz in der nähe liegt der zweitälteste, dessen Geschichte bis in das Jahr 4500 v. Chr. Geburt zurück reicht. Letzterer wurde erst 2004 in einer Länge von 200 Metern in einem seit 1991 laufenden archäologischen Programm entdeckt. Insgesamt sind damit allein in Campemoor 6 Bohlwege nachgewiesen, die einen langen Zeitraum menschlicher Anwesenheit im Moor dokumentieren.
Die Hölzer für den „jüngsten“ Weg wurden nach der Bestimmung ihrer Jahresringe zwischen 2.890 und 2882 v. Chr. gefällt. Den Grund für die Häufung so vieler Moorwege dürfte wohl in der Tatsache gelegen haben, dass Bohlwege im Moor nur etwa eine Generation gehalten haben und danach aufgegeben worden sind. Zudem wuchs das Moor damals noch immer weiter an, so dass die vorhandenen Wege nach einigen Jahrhunderten komplett von neuen Moorschichten bedeckt waren.
