Bohmte - Wolfgang Huge - E-Book

Bohmte E-Book

Wolfgang Huge

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Beschreibung

Das vorliegende Buch hat sich zur Aufgabe gemacht, die Spuren der Geschichte Bohmtes zusammenzutragen und zu einem historischen Ortsprofil zu verdichten. Diese zeigt in Bild und Text die Entwicklung des Ortes Bohmte bis zum Ende des Landkreises Wittlage und widmet sich abschließend der Frage, wo diese Spuren auch heute noch im Ortsbild sichtbar werden.

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Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Wolfgang Huge

Bohmte

Spuren der Ortsgeschichte

Books on Demand

Postkarte mit Bohmter Motiven aus dem Jahr 1899. Gezeigt werden der Bahnhof, die Post, das Hotel Seling sowie das Bohmter Kriegerdenkmal.

Postkarte aus dem Jahr 1906. Inzwischen ist die Selingsche Mühle hinzu gekommen, die im Hintergrund des Anwesens zu sehen ist. Im Vordergrund ist der Bohmter Bahnhof abgebildet.

Inhaltsverzeichnis

Erste urkundliche Erwähnung von Bohmte

Frühe Besiedlung und ältere Ortsnamen

Die Bohmter Kirchen und das Gut Arenshorst

Landwirtschaft und Postkutschenbetrieb

Industrialisierung und Eisenbahn

Neues Leben rund um den Bahnhof

Landwirtschaft und Geflügelzucht

Landwirtschaftliche Berufsbildung

Die „Gewerbliche Berufsschule“ des Landkreises Wittlage

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Auf den Spuren der Ortsgeschichte

 

Abbildung der Urkunde, mit der der Edelherr Gisilbert und seine Frau Cuniza ihre Güter an die Osnabrücker Kirche übertragen haben (Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Osnabrücker Urkundenbuch Bd. 1, S. 138).

Erste urkundliche Erwähnung von Bohmte

Die Bauernschaft Bohmte wurde erstmals urkundlich erwähnt, als der Edelherr Gisilbert und seine Frau Cuniza dem Bischof Benno II. und der Osnabrücker Kirche die Liegenschaften Essen, Wehrendorf und Bohmte übertrugen. Diese nicht datierte Übertragungsurkunde stammt offenbar aus den Jahren zwischen 1074 und 1081, der gemeinsamen Schaffensphasen von Benno II. und seinen Kirchenvogt Everhard, die beide in der Urkunde erwähnt werden.

Wörtlich heißt es in der Urkunde „In nomine sancte et individue Trinitatis. Notum sit omnibus fi delibus (tarn praesentibus quam f)uturis qualiter domnus Gisilbertus et domna Cuniza praesente scilicet sorore sua et collaudante duo loca (nuncupata Essene) et Bamwide cum familiis et mancipiis necnon et aliis utilitatibus ad illa jure pertinentibus domno (Bennone episcopo) superstite ejusque advocato Everh(ardo) ad Osnabruggensem aecclesiam sancto Petro apostolo in haec verba (..... tradid) erunt, ut quotannis vite sue econtra in beneficium IIIIor libras decimationis et IIIIor feras: id est (duos porcos et) duas cervas illi utrique adusque fi nem vite sue haberent“, so lautet der ergänzte Text der Urkunde. Ins Deutsche übersetzt heißt dies: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit. Kundgetan sei allen Gläubigen, sowohl den gegenwärtigen wie zukünftigen, in welcher Weise der Edelherr Gisilbert und die edle Frau Cuniza im Beisein der mit löblichen Worten zustimmenden Schwester zwei Ortschaften, nämlich Essen und Bohmte mit dem Hofgefolge und den Eigenbehörigen nebst allen dazugehörigen Nutznießungsrechten, dem derzeitigen Hohen Herrn Bischof Benno und dessen Kirchenvogt Everhard der Osnabrücker Domkirche übergeben haben. Es ist vereinbart, dass die Stifter wiederum zeit ihres Lebens zu eigenem Nutzen empfangen sollen: 4 Pfund Silbers aus Zehntgeldern und 4 Wildbretstücke, 2 Schweine und 2 Hirsche, und zwar beide als Einheit somit auch der letztlebende allein bis zum Ende seines Lebens.“ Anschließend nennt das Dokument 27 Zeugen, die alles gesehen und gehört haben: „die Kapitelsherren Eilhard, Ecbrath, Eilword, Athalbrath, Liuzico, Alfword; die Edelherren Otto - des Präfekten Godescalc Sohn, Haolt, Amulung, Werin, Ezo, Benniko, Hrothulf, Hezil, Godebold, Thiederic, Thiedo, Widilo, Liudolf, Celico, Ricfrith, Ratolf, Udo, Werinheri, Azo, Odo, Bernold, und viele andere wie auch noch die Bürger alle“.

Der Lageplan von Johann du Plat aus den Jahren 1784-1790 zeigt Bohmte zwischen dem „Haus Oevelgönne“, dem „Haus Tappenburg“ und „Auf der Ihsenburg“.

Frühe Besiedlung und ältere Ortsnamen

Ältere schriftliche Dokumente über Bohmte sind im Niedersächsischen Staatsarchiv Osnabrück nicht vorhanden. Was vorher gewesen ist, lässt sich anhand von Überlieferungen zum Fürstbistum Osnabrück nicht mehr klären. Allerdings kann man der Urkunde auch entnehmen, dass es um diese Zeit bereits eine Ansiedlung „Bamwide“ gegeben haben muss, schließlich ist vom Gefolge Gisilberts die Rede. Doch wer waren Gisilbert und sein Gefolge? Offenbar hatten Gisilbert und Cuniza keine Erben, nur eine Schwester, die wohlwollend eingewilligt haben soll. Und warum übertrugen die beiden Essen und Bohmte zugleich, waren die Häuser Essen und Bohmte durch ihre Heirat zusammengekommen? All diese Fragen werden unbeantwortet bleiben, ebenso wie die Frage nach den Ursprüngen des Ortes, der in späteren Jahren als Bomwide (1350), Boemwedde (1596) und Boempte (1624) Spuren in der Geschichte hinterlassen hat und so verschiedene ältere Ortsnamen von Bohmte in Erinnerung hält.

Die menschliche Besiedlung der Gegend um Bohmte liegt jedoch viel weiter zurück und beginnt mit den Hügelgräbern der Bronze- und Eisenzeit, die hier vielfach zu finden waren, jedoch im 19. Jahrhundert im Zusammenhang zunehmender Siedlungstätigkeit des Menschen zerstört wurden. Seit 1723 führt der Ort die Schreibweise Bohmte.

Um einen verhältnismäßig kleinen und lockeren Kern am Westhang des Bohmter Hügels entstanden im Zuge der mehr und mehr um sich greifenden Kolonisation von Wald und Heide die Einzelhöfe von Hinterfelde, Steinbrink und Bohmterheide. Lange Zeit war Bohmte ein kleines bäuerliches Dorf, das im Schatten des Verwaltungssitzes in Hunteburg stand. 1772 lebten in Bohmte allerdings bereits 900 Personen, davon 425 männlichen und 475 weiblichen Geschlechts. Damit hatte Bohmte die höchste Einwohnerzahl im gesamten Kirchspiel Ostercappeln. Im Zentrum Ostercappeln selbst lebten derweil insgesamt nur 437 Personen, und das Amt Hunteburg verzeichnete in dieser ersten, vom Osnabrücker Aufklärer Johann Carl Bertram Stüve in Auftrag gegebenen Volkszählung 7.876 Einwohner. Auch die Bauernschaft Essen im Amt Wittlage zählte mit 475 Personen deutlich weniger Ansässige, war allerdings stärker durch Handel und Handwerk geprägt. Haupterwerbsquelle Bohmtes war in jener Zeit die Landwirtschaft, und sie sollte bis in das 20. Jahrhundert bleiben.

Ein Blick auf den alten Lageplan, den Johann Wilhelm Du Plat in den Jahren von 1784-1790 angefertigt hat, zeigt eindrucksvoll die Lage und Größe des damaligen Ortes. Verzeichnet sind um die 60 Gebäude, die in einem losen Verbund ein kleines Ortszentrum bildeten. Zu erkennen sind auch die Straßen, die von Süden her in den Ort führten und dort in Richtung Petershagen/ Minden und Richtung Haldem abbogen, während der Verbindung nach Norden hin Richtung Diepholz/ Bremen führte. Das alte Dorf hatte in seiner von Du Plat festgehaltenen Entwicklung einen ellipsenförmigen Zuschnitt, der zwei Kreise umschloss. Dies waren zum einen die Gruppe der alten Vollerbenhöfe Stein, Breitholt, Wellner, Bothmer sowie der Meyerhof und der Halberbenhof Witte im Süden und die übrigen Halberbenhöfe von Brockmeyer, Niemeyer, Schwake,Teckner und Wichardt im Norden des Dorfes. Eine Bohmter Höfeliste von 1806 erwähnt zudem die Erbkötter Marten, Massmann, Wellenkamp und Witte sowie 51 Markkötter, die sich inzwischen vorwiegend auf höheren, von Hochwasser weniger bedrängten Lagen angesiedelt hatten.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts hatte Bohmte noch keinen unmittelbaren gewerblichen Aufschwung zu verzeichnen. 1821 stand der Ort mit einer Bevölkerung von 1.331 Personen hinter Schwagstorf (1.428 Einwohner) an zweiter Stelle des Amtes Hunteburg. 1958 hatte sich die Gemeinde Bohmte mit 4.049 Einwohnern sogar an die Spitze der Einwohnerstatistik im Landkreis Wittlage gesetzt. Was die Bevölkerungsdichte betrifft, blieb Bohmte mit einer 23,1 qkm großen Gemarkungsfläche aufgrund seiner weiten Wald-, Gras- und Heideflächen mit nur 175 deutlich hinter der von Ostercappeln (503) und Bad Essen (224) zurückbleibt. Bis 1967 stieg die Zahl der Einwohner auf 4.276, und im Jahr 2010 konnten 7.215 Einwohner gezählt werden.

Fotografie aus dem Jahr 1910 mit dem Gasthof Asshorn, Saalbetrieb und der alten Bohmter Kirche der katholischen Gemeinde St. Johannes der Täufer im Hintergrund.

Die Bohmter Kirchen und das Gut Arenshorst