Ostercappeln - Wolfgang Huge - E-Book

Ostercappeln E-Book

Wolfgang Huge

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Beschreibung

Ostercappeln, 1188 erstmals urkundlich erwähnt, war in früheren Zeiten bischöfliches Lehnsgut auf einem Teil der Herringhauser Mark. Hier soll um 1040 in strategisch günstiger Lage die älteste Kirche des Wittlager Landes als Wehrkirche errichtet worden sein. Neben der Kirche entstand das „Weigbild Ostercappeln“, wie es noch 1784 -1790 in den Plänen von Johann Wilhelm du Plat bezeichnet wurde, also kein Dorf und keine Bauerschaft, sondern ein städtebauliches Gebilde mit eigener Gerichtsbarkeit, dem "Gogericht". Von da an schlägt das Buch einen Bogen durch die Geschichte des Ortes durch das ausgehende Mittelalter, den 30-jährigen Krieg und das 19. Jahrhundert mit seiner Auswanderungswelle und dem Niedergang der hausindustriellen Weberei und des Leggewesens. An seine Stelle traten zum Ausgang des 19. Jahrhunderts die „Sommerfrische“, und Ostercappeln mauserte sich zum regionalen Gesundheitsstandort mit Krankenhaus als medizinische Anlaufstelle für den Landkreis Wittlage.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Wolfgang Huge

Ostercappeln

Gogericht und Sommerfrische

Books on Demand

Postkarte mit verschiedenen Motiven um 1900. Gezeigt werden die Kirche, der Capellenberg mit dem Aussichtsturm, das Hotel Broermann sowie das Gut Caldenhof.

Weitere Postkartenmotive mit dem alten Ostercappelner Bahnhof, dem Gasthof zum Deutschen Herold, seinem Garten an der Eisenbahnlinie und einer Gesamtsicht auf Ostercappeln.

Inhaltsverzeichnis

Erste urkundliche Erwähnung von Ostercappeln

Verwaltung durch die Ämter Hunteburg und Wittlage

Die Kirchengeschichte Ostercappelns

Güter und Herrenhäuser um Ostercappeln

„Wegegeld“ für Durchreisende

Die Hausweberei als Einkommensquelle

Die Landlegge in Ostercappeln

Ludwig Windthorst - der große Sohn des Wigbolds

Die Spinn- und Webschule von Karl König

Feuerlöschdienst und Feuerwehr

Kirmes und Karneval

St. Rapfaelstift - vom Kloster zum Krankenhaus

Besondere Orte in der Gemeinde Ostercappeln

Der erste Hinweis auf den Ostercappelner Kirmes entstammt einer Akte des Niedersächsischen Staatsarchivs Osnabrück aus dem Jahr 1666.

Erste urkundliche Erwähnung von Ostercappeln

Von der Gründung des „Weichbildes“ Ostercappeln weiß die Überlieferung zu berichten, dass Karl der Große nach einer siegreichen Schlacht gegen Wittekind im Lehmsiek bei Ostercappeln zur Festigung des christlichen Glaubens in diesem Gebiet den Bau der Ostercappelner Kapelle befohlen habe. Ihre Fertigstellung soll um das Jahr 816 erfolgt sein. Um diese Kapelle sollen sich dann in der Folgezeit Handwerker und Kaufleute angesiedelt und so die Urzelle der Ortschaft gebildet haben. Später wurde die Ansiedlung zum Mittelpunkt der umliegenden Bauerschaften und entwickelte sich zum Ort „Ostercappeln“. Allerdings sind keine Akten bekannt, die diese Geschichte belegen. So bleiben die Ursprünge Ostercappelns auch weiterhn im Dunkel der Geschichte verborgen. Und es sollte bis um das Jahr 1188 dauern, bis der Ort erstmals urkundlich eine schriftliche Spur hinterlassen würde.

Ostercappeln war zu dieser Zeit noch bischöfliches Lehnsgut auf einem Teil der Herringhauser Mark. Hier soll um 1040 in strategisch günstiger Lage eine der ältesten Kirchen des Wittlager Landes als Wehrkirche errichtet worden sein. In geistlicher und territorialfürstlicher Hut entstand neben der Kirche das „Weichbild Ostercappeln“, also kein Dorf und keine Bauernschaft, sondern ein städtebauliches Gebilde mit eigener Gerichtsbarkeit. Die Bezeichnung „Weich“ entstammt dabei von einem alten Wort für Siedlungen, und rechtshistorisch bezeichnet die noch von Johann Wilhelm du Plat benutzte Bezeichnung „Weichbild“ (alte Form „Wigbold“) den vor den eigentlichen Stadtmauern gelegenen Bezirk, der der städtischen Gerichtsbarkeit unterworfen war. Ostercappeln galt im 17. und 18. Jahrhundert als „Flecken“ und stand lange mit Iburg, Melle und Vörden auf gleicher Stufe. 1359 wurde es Sitz des Gogerichts „up der Angelbeke unde to Ostercappeln“ für die Kirchspiele Ostercappeln, Venne, Essen, Barkhausen, Lintorf, Oldendorf, Börninghausen, Dielingen, Wehdem und Burlage. Das war um die Zeit, als die beiden Amtsburgen Wittlage und Hunteburg als äußere Wehrposten des Fürstbistums Osnabrück errichtet wurden.

Eine interessante Quelle zur Geschichte Ostercappelns liefert eine alte Karte aus den Jahren 1784 - 1790, auf welcher der bereits genannte Johann Wilhelm du Plat den Kirchhof des Ortes zusammen mit den namentlich aufgeführten 57 Anwesen und Hofstellen Ostercappelns in einem detaillierten Ortsplan festgehalten hat, der zudem 9 weitere „auswärtige“ Hofstellen ausweist.

Der Lageplan von Johann Wilhelm du Plat aus den Jahren 1784-1790 zeigt Ostercappeln und seine Zufahrtswege gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Verwaltung durch die Ämter Hunteburg und Wittlage

Verwaltungstechnisch war Ostercappeln wie Schwagstorf, Venne, Herringhausen und Bohmte ursprünglich an das Amt Hunteburg angeschlossen. In Hunteburg am Amtssitz hatte der Osnabrücker Bischof 1324 die Hunteburg erbauen lassen, die der 1309 im Osten des Stiftes zur Festigung der Landeshoheit und zum Schutz des Landes gegen Feinde errichteten Burg Wittlage zur Seite gestellt wurde. Bereits 1323 war mit den Arbeiten zum Bau der Hunteburg begonnen worden. Sie sollte das Bistum insbesondere gegen das zum Niederstift Münster gehörende Amt Vechta und gegen das Bistum Minden schützen. Außerdem wollte der Bischof durch ihren Bau den Weg von Osnabrück über Dielingen in die Grafschaft Diepholz und weiter nach Bremen gegen etwaige Feindseligkeiten der Diepholzer Grafen sichern. Die Verteidigung der Burg übernahmen Burgmänner. Johann van Bück war von 1352 bis 1357 der erste Burgmann auf der Hunteburg. Unter Bischof Dietrich von Hörne (1376 bis 1402) erlebte die Burg ihre Glanzzeit.

Das Amt Hunteburg, das 1378 erstmals in einem Dokument als solches bezeichnet wird, umfasste die Kirchspiele Venne und Ostercappeln, zu dem auch Bohmte und Hunteburg gehörten.Von Beginn an bestand jedoch ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Amt Hunteburg und dem 1357 erstmals genannten Amt Wittlage, nicht zuletzt wegen des Sitzes des gemeinsamen Gogerichts in Ostercappeln, das 1505 aus den Händen der von Bar in bischöflichen Besitz überging und als Untergericht bis zu seiner Auflösung 1852 für beide Amtsbezirke zuständig blieb. Vor diesem Hintergrund hatte man die beiden Ämter bereits 1556 einem gemeinsamen Drosten unterstellt, so dass sie von nun an in Personalunion verbunden waren. Die Zugehörigkeit des Amtes Hunteburg zum Stift Osnabrück zog Ostercappeln bereits frühzeitig in politische und kriegerische Konflikte hinein.

So lag Bischof Erich I. von Hoya (1437 bis 1442) seit seinem Amtsantritt mit dem Senior des Domkapitels in Streit. Bald verbündete sich der Bischof mit seinem Bruder Johann, Graf von Hoya. Als im Jahre 1441 die Stadt den Senior aufnahm, schickte Graf Johann von Hoya der Stadt den Fehdebrief. Nachdem der Graf die Stadt durch Raubzüge geschädigt hatte, gewann er auch seinen Bruder, den Bischof von Osnabrück, und Albert, Bischof von Minden, und viele andere Adlige für die Fehde gegen die Stadt Osnabrück. Unter jenen Adligen befand sich auch Hermann von der Streithorst zu Hunteburg. Doch die Osnabrücker eroberten die Stiftsburg Fürstenau und setzten den Grafen Johann von Hoya gefangen, während dessen Bruder Albert, Bischof von Minden, die Hunteburg einnahm und von da aus Stadt und Land schädigte.

Dann gewannen die Osnabrücker nacheinander die Stiftsburgen Vörden, Wittlage und Iburg zurück.Nun waren nur noch die Burg Grönenberg und die Hunteburg in Feindes Hand. Da ließ der Erzbischof von Köln auf Bitten des Rates und des Domkapitels zu Osnabrück Bischof Erich durch die Baseler Kirchenversammlung von 1442 absetzen. Nun berief die Kirchenversammlung Heinrich von Mors auf den Osnabrücker Bischofstuhl. Zuerst eroberte er die Burg Grönenberg zurück, dann zog er vor die Hunteburg. Am Fronleichnam 1442 wurde der Flecken Hunteburg eingenommen. Die Stiftsburg mit den tiefen, breiten Gräben, einem festen Plankenbollwerk und mit einem starken Turm und Haus schloss man von allen Seiten ein. Die tapfere Besatzung hielt der Belagerung und den Angriffen jedoch lange Zeit stand. Einer der Verteidiger, Gerhard von Vincke, hatte sich in den Burggraben gesetzt, wobei er unter dem Schutz eines Wasserpflanzenblattes Atem holte. So beobachtete er, im Wasser hockend, die Bewegungen der Belagerer und teilte sie der Burgbesatzung laufend mit. Ihr Widerstand war zunächst erfolgreich. Aber der Ersatz, den Bischof Albert von Minden versprochen hatte, blieb aus. Der Lebensmittelvorrat auf der Burg schrumpfte von Woche zu Woche, von Monat zu Monat zusammen, und die hereinbrechende Winterkälte erschwerte den zähen Widerstand. Dann, in einer regnerischen und stürmischen Januarnacht, verließ die Besatzung heimlich die Burg und entkam unbemerkt. Nach sechsmonatiger Belagerung fiel endlich die letzte Stiftsburg wieder in die Hände der Osnabrücker.

Unter dem später anbrechenden 40-jährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden und dem 1618 beginnenden 30-jährigen Krieg mit ihren Plünderungen und Brandschatzungen hatten sowohl Hunteburg als auch Ostercappeln zu leiden. Auf einem Landtag zu Osnabrück im selben Jahr, 1618, beschlossen die Landstände, die verfallene und durch einen Sturm inzwischen dachlos gewordene Hunteburg ganz niederzulegen. Von der früheren Burg ist nur eine steinerne Brücke aus dem Jahre 1424 erhalten geblieben. Sie überspannt die Reste des früheren Burggrabens, der in die „Alte Hunte“ mündete. Im Jahre 1884 stieß man bei Abbrucharbeiten auf ein Fundament 25 Meter westlich des Amtshauses. Das Fundament bildete ein Geviert von 1.410 Fuß Seitenlänge und gehörte sicherlich zu einem Turm. Dieser muss vom Wasser umspült gewesen sein, da etwa drei Meter davon entfernt der Verlauf eines alten Grabens festgestellt wurde, dessen Ufer durch Pfähle und Reisigbündel befestigt gewesen waren. So endet 1618 die Geschichte der Hunteburg.

An ihrer Stelle wurde im Jahre 1725 das Amtshaus gebaut, und das Amt Hunteburg blieb bis zu seiner offiziellen Einfügung in das Amt Wittlage 1859 formal bestehen, obwohl seine Verwaltung längst auf die Burg Wittlage gezogen war, wo die Angelegenheiten beider Ämter gemeinsam geregelt wurden.