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Wildlife und Natur mit städtischer Kulisse meisterhaft fotografieren Hilfreiche Tipps zur »Urban-Safari«-Vorbereitung und den vielen möglichen Aufnahme-Locations Hintergrundwissen zu den besonderen Verhaltensweisen urbaner Wildtiere Auch ohne weite Reisen in exotische Länder lassen sich faszinierende Natur- und Tieraufnahmen machen: mitten in der Stadt. Die erfahrenen Naturfotografen Verena Popp-Hackner und Georg Popp bringen Ihnen urbane Naturszenen näher – Kaninchen auf Bahn-gleisen, Füchse in Wohngebieten, Schwalbennester unter der Brücke oder den Ententeich um die Ecke. Dabei erhalten Sie vorwiegend am Beispiel der »Wiener Wildnis« Einblick in ebenso alltägliche wie sich meist im Verborgenen abspielende Naturschauspiele, die so oder ähnlich auch in Ihrer städtischen Umgebung vorkommen. Sie bekommen unzählige Anregungen, im Kleinen wie im Großen, eigene urbane Fotoprojekte auch in Ihrer Stadt auf die Beine zu stellen. Technische und praktische Details zu den außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenfotografien in gewöhnlicher Umgebung wecken die fotografische Unternehmungslust, unverzüglich zwischen Häuserschluchten auf die Pirsch zu gehen. Aus dem Inhalt: Urbane Naturlandschaften: Friedhöfe, städtische Gärten, Brachen, urbane Gewässer und Stadtblicke Urbane Tierwelt: Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse und Säugetiere Pflanzenfotografie in urbanen Räumen: Zierpflanzen, urbane Wildblumen Ausrüstung und technische Tipps: digitale Systemkameras, Objektive, Unterwasser-Zubehör, Bildbearbeitung und Archivierung Urbane Naturfoto-Projekte: Garten, Balkon, Landschaft oder Multimedia
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Seitenzahl: 172
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Verena Popp-Hackner Georg Popp
Urbane Naturfotografie
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
ISBN 978-3-8266-9398-4
1. Auflage 2016
E-Mail: [email protected]
Telefon: +49 7953 / 7189 - 079
Telefax: +49 7953 / 7189 - 082
© 2016 mitp Verlags GmbH & Co. KG
www.mitp.de
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Lektorat: Katja Völpel
Sprachkorrektorat: Petra Heubach-Erdmann
Covergestaltung: Christian Kalkert, www.kalkert.de
electronic publication: Petra Kleinwegen
Bildnachweis: Georg Popp und Verena Popp-Hackner
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Impressum
Vorwort
Einleitung: Natur erobert Stadt
Kapitel 1: Urbane Naturlandschaften
1.1 Friedhöfe
1.2 Städtische Gärten und Parkanlagen
1.3 Städtische Brachen, verlassene Grundstücke oder Baulücken
1.4 Städtische Gewässer
1.5 Die wilde städtische »Unterwelt«
1.6 Stadtblicke
Die Wiener Höhenstraße
Kapitel 2: Urbane Tierwelt
2.1 Die heimlichen Herrscher: Insekten, Spinnen und andere Kleintiere
Schmetterlinge
Spinnen
Wildbienen, Hummeln & Wespen
Honigbienen
Andere Insekten & diverse Kleintiere
2.2 Am und im Wasser: Amphibien & Reptilien
Amphibien
Amphibienwanderung
Reptilien
Fische und die Tierwelt unter Wasser
2.3 Herrscher der Lüfte: Vögel & Fledermäuse
Tauben
Sperlinge
Turmfalken (evtl. Wanderfalken)
Krähen
Enten und andere Wasservögel
Vielfältige Vogelwelt
Fledermäuse
2.4 Säugetiere – Mit der Kamera auf Stadtsafari
»Big 3« – Marder, Dachs, Fuchs
Fuchsbau – Jungfüchse
Igel, Kaninchen, Feldhasen
Projekt »Büromaus«
Urbane »Megafauna«: Rehe, Wildschweine
Biber
Wiener Spezialfälle: Feldhamster und Ziesel
Eichhörnchen
Kapitel 3: Pflanzenfotografie in urbanen Räumen
3.1 Zierpflanzen
3.2 Urbane Wildblumen
Kapitel 4: Ausrüstung – Technische Tipps
4.1 Digitale Systemkameras: Spiegelreflexkameras (D-SLR) oder spiegellose Kameras
4.2 Objektive: Brennweiten, Lichtstärke
Spezielle Objektive
4.3 Zubehör für Systemkameras
Lichtschranken
Blitz
Kamera-Fernauslöser
Stativ
4.4 UnterwasserFotografie
Actioncams
Kompaktkameras
System-Kameras
D-SLR im UW-Gehäuse
4.5 Sonderfälle
Actioncams
Wildkameras
Drohnen
Digiscoping
Smartphones
Fuchs – Making-of-Story
4.6 Bildbearbeitung/Archivierung
Kapitel 5: Urban-Nature-Foto-Projekte
5.1 Kleine Projekte: Garten, Balkon, Terrasse, Wohnung
Projektbeispiel »Entenhotel«
5.2 Mittelgroße Projekte
Projektbeispiel »Geisterhaus«
5.3 Großprojekte – Multimedia-Projekte
Projektbeispiel: WIENER-WILDNIS-Produktionen
Fotografen
Verena Popp-Hackner & Georg Popp
Thomas Haider
Christine Sonvilla & Marc Graf
Jessica Winter & Christoph Kaula
Wien, Februar 2016
Geben Sie es ruhig zu, der Titel des Buches hat Sie doch einigermaßen erstaunt, oder? Dies kommt freilich nicht ganz unerwartet. Wir hoffen jedoch sehr, dass die Bilder, die Sie nun durch dieses Buch begleiten, Sie gleich noch viel mehr zum Staunen bringen. Denn wer hätte das gedacht! So viel Natur, so viele Tiere sind in unseren ach so »grauen« oder »zubetonierten« Städten zu finden? Wie sehr und wie viel, darüber informieren wir in der Einleitung, die sich ganz allgemein dem Thema »Natur und Stadt« widmet. Und auch bei dieser Lektüre, das trauen wir uns zu prophezeien, werden Sie mitunter überrascht sein. Vor allem aber wollen wir mit diesem einleitenden Essay »Natur erobert Stadt« für den geeigneten Background sorgen, den man braucht, um sich mit dem eigentlichen Thema des Buches, der Fotografie dieser urbanen Natur, längerfristig auseinanderzusetzen.
Urbane Naturfotografie hat ein bisschen etwas von mehreren Genres der Fotografie, etwa von Street-Photography, Wildlife-Photography, aber auch Landschaftsfotografie. In jedem Fall ist sie etwas, das eher den Fotojournalisten lockt, der mit seinen Bildern Geschichten erzählen will, als den Fotokünstler. Wenngleich es mit Sicherheit viele Möglichkeiten gibt, aus Urban-Nature-Fotos tolle Prints für die Wand-Dekoration zu machen. Auch hierfür wollen wir Anreize liefern.
Alle dazu angeschnittenen technischen Bereiche der Fotografie abzudecken, würde den Rahmen des Buches bei Weitem sprengen und war auch gar nicht in unserem Sinn. Wir wollen in erster Linie Anregungen liefern, wie man sich dem Thema Stadtnatur erfolgreich fotografisch annähern kann. Wo sich bestimmte Tiere im städtischen Bereich am ehesten antreffen lassen, welche Stadtzonen besonders geeignet sind und was man an Ausrüstung gut gebrauchen kann, um sie ins Bild zu bekommen, beschreiben wir in den Kapiteln 1 bis 3, die den Löwenanteil des vorliegenden Buches beanspruchen. Einzelne »Fotokästen« sollen visuelle Beispiele zu den beschriebenen Themen liefern und zeigen, wie vielseitig ein einzelnes Thema oder Kleinprojekt sein kann.
Ganz ohne Technik und Ausrüstungs-Tipps, Vorschläge und Ideen wollten wir Sie aber nicht ziehen lassen und haben in Kapitel 4, »Ausrüstung & technische Tipps«, all das zusammengefasst, was für uns wesentlich erschien, um Stadtnatur-Fotografie mit Spaß Freude und Kreativität zu betreiben. Einer der tollsten Assets dieser Art von Natur-Fotografie ist ja, dass sie für fast jedes Budget Möglichkeiten bietet. Und zwar nicht nur, was Ausrüstung, sondern auch, was den zeitlichen Aufwand betrifft, seine Fotoreviere aufzusuchen. Keine Flugreise ist notwendig, ja nicht einmal ein Auto. Zu fast allen Plätzen kann man vermutlich mittels öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, was auch die Möglichkeiten für die ganz jungen Fotografen steigert, die vielleicht noch keinen Führerschein haben oder sich gar kein Auto leisten wollen. Vom ökologischen Vorteil einmal ganz abgesehen.
Zu guter Letzt, in Kapitel 5, haben wir noch ein paar Ideen und Vorschläge für Fotoprojekte auf Lager. Seine Fotografien in einen größeren Rahmen eines Projektes zu stellen, ist immer eine gute Idee – so finden wir. Nicht zuletzt war es auch für uns der entscheidende Faktor, der aus der Idee, die Natur unserer Heimatstadt Wien zu fotografieren, das erfolgreiche Multimedia Projekt WIENER WILDNIS gemacht hat. Informationen zu WIENER WILDNIS und über die Entstehungsgeschichte dazu gibt es am Ende auch. Wer weiß, vielleicht will ja jemand etwas Ähnliches in seiner Heimatstadt versuchen.
Und last, but not least – wenn hier immer von »wir« die Rede ist: Wir, das sind Verena Popp-Hackner und Georg Popp, zwei Berufsfotografen, die schon seit beinahe 20 Jahren ihren Lebensunterhalt mit der Naturfotografie bestreiten, sich viele Jahre in den entlegensten Winkeln der Erde herumgetrieben haben, sich aber immer als urbane Menschen aus Überzeugung verstanden haben. Umso mehr hat uns die Herausforderung gereizt, den Spieß einmal umzudrehen und die Stadt als die am meisten unterschätzte Natur zu zeigen. Wir hatten nicht nur die Idee für das Projekt WIENER WILDNIS und haben es ins Leben gerufen und koordinieren es auch, sondern bestreiten einen Großteil der fotografischen Arbeit. Die Natur einer so großen wie auch vielseitigen Stadt zu porträtieren, hätten wir jedoch nie zu zweit bewältigt. Drei weitere Fotografen, der international renommierte Unterwasser-Spezialist Thomas Haider und das Fotojournalisten-Paar Christine Sonvilla und Marc Graf sind von Beginn an dabei. Auch in ihrem Namen ist also oft die Rede, wenn wir »wir« schreiben und uns auf die fotografische Arbeit im Zuge des Projektes beziehen. Alle Bilder in diesem Buch, außer dort, wo eigens beim Bild angegeben, sind im Zuge des WIENER-WILDNIS-Projektes entstanden. Mehr darüber und die Fotografen dahinter gibt es dann – wie erwähnt – am Ende des Buches.
Viel Spaß mit der Lektüre und frohes Schaffen im Großstadtdschungel und in den wilden Häuserschluchten wünschen
Verena Popp-Hackner & Georg Popp
Eigentlich ist es schon längst kein Geheimnis mehr, dass die großen Metropolen der Welt von einer Vielfalt wilder Tiere in so gut wie allen Größen und Formen bewohnt werden. Nicht nur Tauben, Ratten, Stubenfliegen oder streunende Hunde und Katzen. Das Thema »urbane Natur« ist in den letzten Jahren zunehmend populär geworden, man kann reinen Gewissens von einem Trend sprechen. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die großen Ballungszentren, weltweit wird es nicht mehr lange dauern, bis gut dreiviertel der Erdbevölkerung in den Metropolen und deren Speckgürteln lebt. Hieraus erwächst eine Verantwortung, Menschen in urbanen Lebensräumen nicht völlig von der Natur loszukoppeln. Viele Grünräume in Städten sorgen für mehr Lebensqualität und mehr Zufriedenheit der Städter. Sowohl wissenschaftliche Forschung als auch die Stadtplaner haben sich dies bereits zu Herzen genommen. Moderne Häuser haben nicht selten Grünfassaden, begrünte Dächer oder gar schon eingebaute Nisthilfen für Turmfalken oder Überwinterungsplätze für Igel. Menschen in den Städten genießen nicht nur die Parks und Grünanlagen einer Stadt, mehr und mehr Stadtbewohner gehen dazu über, sich ihre eigenen Naturoasen zu schaffen. Sei es vom privaten Gemüsegarten oder der Bienenzucht auf dem Dach oder Balkon, den Schwimm-Biotopen in Gärten, dem begrünten Innenhof bis zu naturnahen Wäldchen mit angelegten Nistplätzen – die Palette ist weitreichend. Wer keine eigene Fläche hat, mietet sich mit Gleichgesinnten einen Gemeinschaftsgarten, der nicht selten eigens von den Stadtverwaltungen zur Verfügung gestellt wird. Diese urbanen Refugien ersetzen freilich in keiner Weise das Erlebnis in unberührter Natur, die Wanderung in den Bergen oder die Reise zu einem spektakulären Nationalpark. Dafür sind sie aber stets ohne Anfahrtszeit erreichbar und das Summen von Bienen, Zwitschern der Vögel oder der Geruch der Pflanzen lassen einen die hektische Welt der Großstadt zwischendurch vergessen. Damit geht oft auch eine höhere Akzeptanz der Städter für Wildtiere in der Nachbarschaft einher, die sich – weil kaum Grund für Futterneid oder Gefahr besteht – am Anblick von Fuchs, Dachs & Co durchaus erfreuen kann. Ob Berlin, Paris, New York, Singapur – es ist ein Trend, der nicht zu stoppen ist.
Nikon D810, 2.8/14–24mm (14mm); f8, 1/200, ISO 1250 Biber am Donaukanal mitten in Wien
Nikon D90, 2.8/300mm; f10,1/30, ISO 500 Feldhamster unter einem Grabstein im Wiener Zentralfriedhof
Dieser Trend ist auch den wilden Stadtbewohnern nicht verborgen geblieben. Es stellt sich heraus, dass es für viele Wildtiere in der Stadt bessere Lebensbedingungen gibt als in den umliegenden, oftmals landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. In der hoch technologisierten Landwirtschaft wird heute jeder Zentimeter genutzt, jede Saat optimal vor Fressfeinden geschützt. Dazu zählt nicht nur das Versprühen von Pestiziden, sondern auch das Abdecken ganzer Äcker, Netze über Stauden, Bejagung und vieles mehr. Artenreiche Feldränder, Heckenstreifen und Brachen gehören meist schon der Vergangenheit an. Für viele Tierarten bleibt hier einfach kein Raum mehr zum Überleben. Ganz anders in der Stadt. Weder Jagd noch industrielle Pestizide sind hier ein Thema, die Biotopvielfalt ist dank erwähnter Parks, Friedhöfe, Gärten und Terrassen oder Innenhöfe enorm. Das Nahrungsangebot über die Maßen reichlich. Wildtiere leben nicht nur an den Rändern der Stadt, sie dringen bis in die »steinernen Herzen« vor. Darüber hinaus tendieren Städte dazu, ein wärmeres Eigenklima zu haben, in manchen Fällen bis zu fünf Grad Celsius über der eigentlichen Temperatur! Das schafft zusätzliche Vorteile für viele unterschiedliche Tierarten, man denke nur einmal an die vielen Insekten ...
Nikon D800, 2.8/24–70mm (34mm); f16, 1/20, ISO 200 Blühende Stadtbrache
Nikon D810, 2.8/14–24mm (19mm); f8, 1/500, ISO 800 Junger Turmfalke wird im Zuge eines Forschungsprojektes beringt.
Wo viele Insekten sind, gibt es Spinnen oder Vögel, die sich von ihnen ernähren. Vögel bzw. deren Nachwuchs bietet Beute für Greifvögel oder räuberische Säugetiere. Es entsteht durchaus ein eigener, nahezu natürlicher Nahrungskreislauf, abseits der überquellenden Mülltonnen und weggeworfenen Nahrungsreste. (Die freilich auch für jede Menge Nahrung sorgen!) Je nach geografischer Breite bieten die Metropolen spezielle Besonderheiten. Die Wildschweine von Berlin etwa, die Seevögel in Hamburg, die Rotfüchse in London oder die Biber und Feldhamster in Wien.
Nikon D810, 4.0/200–400mm (400mm); f6.3, 1/800, ISO 800 Revierstreit unter Graureihern vor einem Büroturm in Wien
Nikon D800, 4.0/200–400mm (400mm), Blitz SB 910 (fernausgelöst); f5, 1/20, ISO 800 Ein Rotfuchs äugt misstrauisch um die Ecke, bevor er seines Weges zieht.
Grundsätzlich würden wir zwei Versionen von urbaner Natur unterscheiden: jener in den europäischen »Smart Citys« – modernen Metropolen, die in urbane Natur investieren (z.B. Berlin, Zürich, Wien, Amsterdam), wo es zu einer Art Revival einst verjagter Spezies kommt – und jener in vielen »Neue Welt«- oder »Dritte Welt«-Megacitys, wo viele Tierspezies meist einfach vom überbordenden Wachstum dieser Städte überholt und eingeschlossen wurden (Beispiele wären Miami, Los Angeles, Nairobi, Rio u.v.m.) und es eher nur eine Frage der Zeit ist, bis sie verschwunden sind.
Nikon D800, 4.0/200–400mm (400mm); f8, 1/500, ISO 400 Ein Wildkaninchen gönnt sich eine Verschnaufpause zwischen Bahngleisen.
Nikon D90, 2.8/300mm; f8,1/1000, ISO 800 Junge Graureiher bei der Fütterung durch Elternvogel, Naturidylle mitten in der Stadt …
Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, urbane Naturfotografie findet in großen Städten statt, nicht im be- bzw. zersiedelten Land. Auch Schleiereulen, die draußen auf dem Land in alten Heuschobern nisten, Rauchschwalben im Pferdestall, Störche auf Strommasten, Möwen in rustikalen Fensterrahmen, wie etwa auf den Lofoten gerne fotografiert, Moos, das einen alten Schuh im Wald überzieht, der vereinzelte Fuchs, der mal eine Berghütte besucht, oder die wilden Bewohner eines abgelegenen Autofriedhofes sind zugegebenerweise nette Motive, mit urbaner Natur haben sie eher wenig zu tun.
Nikon D800, 4.0/200–400mm (400mm); f8, 1/125, ISO 400 Wiener Kunst? Lachmöwen auf einem Donaudampfer
Fotografisch macht dies durchaus einen Unterschied. Erstens aus dokumentarischen Gründen: Sind Fotos vom Biber in Wien etwa ein Beweis für die Regenerationskraft der Natur, so sind Fotos vom (mit Peilsender schwer behangenen!) Puma vor dem »Hollywood«-Schriftzug in Los Angeles (wie es Fotograf Steve Winter zuwege gebracht hat) eher trauriger Natur, weil sie eine Spezies zeigen, die den Kampf um ihr Revier mit dem Menschen im Grunde längst verloren hat. Zweitens: Speziell in den »grünen« Metropolen Europas ist es aus den eben erklärten Umständen oft leichter, in urbaner Umgebung durchaus seltene oder scheue Tiere zu beobachten und vor die Linse zu bekommen, als vergleichsweise auf dem Land oder in Naturschutzgebieten. Manchmal sogar die einzige. Sowohl Scheu vor Menschen als auch die Fluchtdistanz ist in der Stadt viel geringer. Natur- und Wildlife-Fotografie in der Stadt hat daher ungeahnte Vorzüge, sofern es tatsächlich rein um Fotografie geht und nicht um das Naturerlebnis darum herum. Auch die Tierfotografie in der Stadt ist ein wachsender Trend, weil sie jenen der grüner werdenden Städte visuell bestätigt.
Nikon D800, 2.8/14–24mm (14mm), SUBAL-Gehäuse; f20, 1/125, ISO 800 Erdkrötenpaarung in einem urbanen Teich
Nikon D300, 10–17mm f/3.5–4.5 (10mm), SUBAL-Gehäuse; f16, 0,6sec, ISO 800 Eine Wechselkröte in einem Biotop einer großen Wohnanlage
Nikon D800, 4.0/200–400mm (400mm); f13, 1/13, ISO 800 Rehe. Friedhöfe sind in vielen Metropolen Oasen der Ruhe für Tier und Mensch.
Fast alle Bilder im vorliegenden Buch sind in Wien im Rahmen des groß angelegten Multimediaprojektes WIENER WILDNIS entstanden. Wien eignet sich hervorragend als Beispiel für moderne, grüne Metropolen. Fünfzig Prozent der Stadtfläche sind Grünraum, Wien ist das wasserreichste Bundesland Österreichs (prozentuell an der Landesfläche gemessen), ist von riesigen Grüngürteln umgeben und investiert viel in Umweltschutz. WIENER WILDNIS ging mit der Zielsetzung an den Start, die Tier- und Pflanzenwelt im Kontext mit urbanen Elementen zu zeigen. Versucht man in der klassischen Wildlife-Fotografie tunlichst, Autos, Strommasten, Gebäude oder dergleichen aus dem Bild auszuklammern (was auch in »freier« Natur nicht immer einfach ist und somit freilich auch einen leicht geschummelten Effekt zur Folge hat), so wollten wir all diese Elemente wenn möglich im Motiv inkludieren. Nur so erzählt man die eigentliche, die wahre Story. Tiere inmitten von dynamischem Verkehr, nachts unterwegs im Licht der Stadt, zwischen Baustellen und Bauruinen festzuhalten, bietet darüber hinaus ein Motivspektrum, das sich von jenem der Natur »dort draußen« grundlegend unterscheidet. Eine der spannendsten Faktoren dabei ist, es gibt sehr wenig Vorbildmaterial, man geht fast als Pionier an dieses Thema heran. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine eigene, neue Ästhetik.
Nikon D800, 2.8/14–24mm (14mm), Blitz SB 700; f8, 3sec, ISO 800 Spielende Jungfüchse (mittels Lichtschranke fotografiert)
Nikon D810, 2.8/24–70mm (28mm); f18, 1/250, ISO 640 Turmfalken nisten mit Vorliebe in alten Kirchtürmen.
Canon Eos 5D Mark III, 2.8/16–35mm (18mm); f16, 5sec, ISO 250 Ein Wiener Nachtpfauenauge lässt sich auch von einer vorbeifahrenden Straßenbahn nicht irritieren.
Canon EOS 7D, 2.8/300mm; f5, 1/200, ISO 640 Lachmöwen-Yoga
Canon EOS 5D Mark III + 2x-Konverter; f6.3, 1/100, ISO 500 Lachmöwen und Graffiti. Das urbane Umfeld ins Bild integriert macht den entscheidenden Reiz und Ästhetik der urbanen Naturfotografie aus.
Fundamentale Kenntnisse der Funktionen einer Kamera und die Gestaltungsmöglichkeiten mit Blende und Licht sowie postfotografische Bearbeitung sind ohnehin in allen Bereichen der Fotografie Voraussetzung und werden in diesem Band nicht gesondert behandelt. Jedoch auch die klassischen »Parameter« und erworbenen Kenntnisse der traditionellen Naturfotografie lassen sich im urbanen Umfeld sinnvoll umsetzen. Jahreszeit, Tageszeit, Licht und Wetter sind ebenso bedeutsam wie eine fundierte biologische Kenntnis. Urbane Naturfotografie ist so etwas wie die kleine (etwas schmuddelige) Schwester der ehrhaften Wildlife-Fotografie. Mit Architekturfotografie ist sie hingegen nicht verwandt.
Als Naturfotografen, die schon gut 20 Jahre ihren Lebensunterhalt in dieser Branche verdienen, können wir recht eindeutig sagen, dass es in Österreich kaum irgendwo so leicht ist, klassische Tierporträts von Graureiher, Biber, Feldhamster, Ziesel, Turmfalken und noch einigen anderen spektakulären Tierarten zu machen, als in der Bundeshauptstadt. Sämtliche sechs österreichische Nationalparks mit eingeschlossen.
Heute ist der Überraschungseffekt groß, wenn man einen Dachs vor einer U-Bahn-Station, einen Biber in dicht verbautem Gebiet oder balzende Reiher vor Bürotürmen zeigt. In vielleicht zehn Jahren wird es vermutlich Normalität sein. Doch auch dann wird die urbane Tierfotografie aktuell bleiben, nur die Motive werden wieder so aussehen, als wären sie im Nationalpark gemacht.
Canon EOS 7D, 2.8/300mm; f2.8, 1/50, ISO 1250 Wildkaninchen und die Lichter der Großstadt
Canon Eos 5D Mark III, 2.8/16–35mm (26mm), Blitz (fernausgelöst); f11, 2,5sec, ISO 1250 Igel finden in der Stadt oft ebenso gute, wenn nicht sogar bessere Lebensbedingungen vor als im landwirtschaftlich stark genutzten Umfeld.
Klingt das interessant? Motiviert, mit der eigenen Kamera einmal loszuziehen? Gut und schön. Man hat Kamera und die notwendige positive Einstellung mitgebracht, begibt sich hinaus in die Häuserschluchten des Großstadtdschungels und ist voller Tatendrang. Aber wo verstecken sich nun all die wilden Kreaturen? Wo anfangen?
Im Grunde ist die Antwort darauf ähnlich, als würde man ein einsames Naturrefugium draußen im Grünen betreten. Zunächst kommt es darauf an, was genau man fotografieren möchte. Pflanzen, Tiere – wenn ja, welche oder doch eher Landschaften? Eher selten wird man in der Stadt einen erholsamen Spaziergang oder gar eine Shopping-Tour planen und so ganz nebenbei mit ein paar lohnenden Naturmotiven rechnen. Obwohl – auch das ist möglich.
Wir haben aber nun schon einige Jahre Vorarbeit in diesem Genre geleistet – durchaus mit Blut, Schweiß und Tränen – und wollen es allen Nachfolgern vielleicht ein wenig einfacher machen. Es gibt bestimmte Ansätze, bestimmte Schemen, die vermutlich in jeder Stadt anwendbar sind und zu ersten Erfolgen führen können. Städte haben immer Plätze, die als Arten-Hotspots bezeichnet werden können. Diese Hotspots sind in der Regel sehr gute Ausgangspunkte, um auf erste Spurensuche zu gehen. Natürlich wird man je nach gesuchter Spezies den entsprechenden passenden Lebensraum suchen müssen. Wasservögel oder Amphibien in der Nähe von (oder in) Gewässern, Schmetterlinge oder Singvögel oder Spechte in Parkanlagen mit vielen Bäumen, Büschen und Blütenpflanzen, Sperlinge eventuell in Biergärten, wo sie von den Tellern naschen, Turmfalken in Kirchtürmen oder Tauben in der Nähe von Pensionisten-Heimen. Urbane Natur manifestiert sich auch in den »Allerwelts-Arten« wie Meisen, Amseln oder Tauben. Es muss nicht gleich der Goldschakal am Hauptplatz sein. Urbane Tierfotografie hat den Vorteil, dass sie relativ jung ist, es gibt selbst von häufig vorkommenden Spezies nur wenig innovatives Bildmaterial.
Nikon D800, 4.0/200–400mm (400mm); f8, 1/80, ISO 640 Junger Rotfuchs in einer Stadtbrache
Canon Eos 5D Mark III, 4.0/70–200mm (70mm); f18, 1/13, ISO 320 Wiener Nachtpfauenauge im Schönbrunner Schlosspark. Parkanlagen mit alten Bäumen bieten oftmals einer breiten Vielfalt an Tieren und Pflanzen Zuflucht.
Das sind freilich nur vage Anhaltspunkte, aber irgendwo muss man anfangen. Und davon handelt der Kernteil dieses Buches, in den Kapiteln 1 bis 3. Wir wollen ein paar (sicher nicht alle) Möglichkeiten und Ideen geben, wie man dem gesuchten Objekt am ehesten »habhaft« wird. Aus eigener Erfahrung wissen wir, wo ein Anfang gemacht ist, findet sich oft alles Weitere von selbst und man kreiert seinen eigenen Weg und seine eigene Bildsprache. Auch ein paar Tipps und Hinweise, mit welcher Ausrüstung viele dieser Fotos gemacht wurden, werden dabei angerissen. Kreative Ideen und technische Details zu den einzelnen Hardware-Varianten gibt es dann in Kapitel 4. Um auch weiterführenden Ideen auf die Sprünge zu helfen, damit man seine spannenden Fotos in eine interessante Story verpacken kann, haben wir zu guter Letzt in Kapitel 5 ein paar Vorschläge für Urban-Nature-Projekte.
Canon EOS 5D Mark III, 2.8/300mm + 2x-Konverter; f5.6, 1/60, ISO 540 Wildkaninchen auf einem alten Bahnhofsgelände
Nikon D800, 4.0/200–400mm (200mm); f18, 1/8, ISO 100 Rehe im Winter am Wiener Zentralfriedhof
