Vater Unser - Max Lucado - E-Book

Vater Unser E-Book

Max Lucado

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Beschreibung

Wir alle beten. Vor allem dann, wenn uns äußere Umstände zu schaffen machen. Doch eigentlich wissen wir als Christen, dass wir anders beten sollten. Häufiger. Besser. Mit mehr Feuer, Glauben und Inbrunst. Die gute Nachricht ist, dass wir nicht die Ersten sind, die sich in diesem Bereich nach Veränderung sehnen. Selbst die Jünger Jesu brauchten Hilfestellung. In "Vater Unser" nimmt uns Bestsellerautor Max Lucado mit auf eine Reise. Nicht trocken und theoretisch, sondern alltagstauglich und lebensnah. Lucado erinnert dabei immer wieder an eines: Das Gebet ist ein ehrliches Gespräch zwischen Gott und seinen Kindern. Und so geht es auch gar nicht um die richtigen Worte - nur um die richtige Haltung. Erleben auch Sie die verändernde Kraft eines einfachen Gebets.

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Seitenzahl: 153

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Über den Autor

Max Lucado ist Pastor der Oak Hills Church in San Antonio, Texas. Er ist verheiratet, Vater von drei Töchtern und Verfasser vieler Bücher. Die Zeitschrift Christianity Today zählt ihn zu den bekanntesten christlichen Autoren Amerikas.

Zu seinen Bestsellern gehören u.a. „Leben ohne Angst“, „Du schaffst das“, „Leichter durchs Leben“ und „Wie man Riesen besiegt“.

Für meinen guten Freund und wertvollen Mitarbeiter Mark Tidwell, der für mich ein echter Glaubensheld ist.

Er erfüllt die Bitten der Menschen, die ihm gehorchen;

er hört ihr Schreien und rettet sie.

Psalm 145,19 (Gute Nachricht)

Inhalt

Kapitel 1: Das Hosentaschengebet

Kapitel 2: Vater … Papa …

Kapitel 3: Du bist gut

Kapitel 4: Ich brauche Hilfe

Kapitel 5: Heile mich

Kapitel 6: Vergib mir

Kapitel 7: Sie brauchen Hilfe

Kapitel 8: Danke

Kapitel 9: Im Namen Jesu. Amen

Gesprächsanregungen

Persönliche Gebetsstärken

Wem ich dankbar bin …

Anmerkungen

Kapitel 1

Das Hosentaschengebet

Guten Tag, darf ich mich kurz vorstellen?

Ich heiße Max und ich bin ein Gebets-Loser auf dem Weg der Besserung. Ich nicke ein, wenn ich bete. Meine Gedanken springen hin und her. Ablenkungen überfallen mich wie ein Schwarm Mücken in einer Sommernacht. Falls das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom auch das Gebetsleben beeinflusst, bin ich definitiv betroffen. Wenn ich bete, fallen mir tausend Dinge ein, die ich noch erledigen muss.

Und ich vergesse das eine, das ich gerade machen will: beten.

Manche Leute sind richtige Gebetshelden. Sie atmen den Himmel ein und Gott aus. Sie sind das Sondereinsatzkommando der Fürbitte. Sie würden lieber beten, als zu schlafen. Wie kann es da sein, dass ich einschlafe, während ich bete? Sie gehören zum VGG – zum Verein der Gebetsgiganten. Ich hingegen bin ausgewiesenes Mitglied der AGL – der Anonymen Gebets-Loser.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Es ist ja nicht so, dass wir überhaupt nicht beten würden. Wir beten schon.

Wir beten, wenn wir unser Kopfkissen nass geweint haben.

Wir beten liturgische Gebete im Gottesdienst.

Wir beten, wenn ein Schwarm Gänse über uns dahinzieht.

Wir beten, indem wir traditionelle Andachtsbücher zitieren.

Diese Woche werden mehr Menschen beten, als Sport treiben, arbeiten oder Sex haben – zumindest, wenn man unseren amerikanischen Statistiken glauben darf. Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass jeder fünfte Ungläubige täglich betet. Sozusagen „für alle Fälle“.

Wir beten, dass wir nicht zur Flasche greifen, dass wir uns konzentrieren können, dass wir finanziell über die Runden kommen. Wir beten, wenn der Arzt uns sagt, dass der Knoten bösartig ist. Wenn das Geld schneller zu Ende ist als der Monat. Wenn das ungeborene Baby sich eine Zeit lang nicht bewegt hat. Wir beten schon … dann und wann.

Aber würden wir nicht alle gern …

… öfter …

… besser …

… mit mehr Tiefgang …

… kraftvoller …

… mit mehr Feuer, Glauben und Begeisterung beten?

Aber wir müssen für unsere Kinder kochen, unsere Rechnungen bezahlen, unsere Abgabetermine einhalten. Unser Terminkalender verschlingt unsere guten Absichten wie die Schlange das Kaninchen. Wir wollen schon beten, aber wann?

Wir wollen schon beten, aber warum? Wir können es ruhig zugeben: Beten ist irgendwie seltsam. Eigenartig. Wir sprechen ins Leere hinein. Schicken Worte in den Himmel. Wir kriegen noch nicht mal unseren Internetprovider in die Leitung und da soll Gott uns hören? Unser Hausarzt hat schon zu viel zu tun und Gott soll Zeit für uns haben? Wir haben da so unsere Zweifel.

Und dann haben wir auch so unsere speziellen Erfahrungen gemacht: unerfüllte Erwartungen, unbeantwortete Bitten. Ja, es fällt uns schwer, auf die Knie zu fallen, denn wenn wir ehrlich sind, sind sie schon ziemlich vernarbt. Für manche von uns ist Gott der ultimative Herzensbrecher. Warum sollten wir die Münzen unserer Sehnsüchte weiterhin in einen schweigenden Brunnen werfen? Er hat mich schon mal hängen lassen, noch mal passiert mir das nicht!

Ja, Gebet ist schon so eine Sache für sich.

Und wir sind nicht die Ersten, die damit Probleme haben.

Die Teilnehmerliste für den Gebetsgrundkurs enthält ein paar bekannte Namen: die Apostel Johannes, Jakobus, Andreas und Petrus. Als einer der Jünger Jesu bat: „Rabbi, lehre uns doch auch, wie wir beten sollen“ (Lukas 11,1; WD), hatte keiner der anderen etwas dagegen einzuwenden. Niemand winkte ab und sagte: „Hey, ich weiß schon alles, was es über das Gebet zu wissen gibt.“ Die ersten Nachfolger Jesu brauchten eine Anleitung fürs Gebet. Ein Workshop zum Thema „Beten“ war tatsächlich das einzige Seminar, um das sie jemals baten. Sie hätten um Instruktionen zu zahlreichen Themen bitten können: Vermehrung von Brot, Halten von Vorträgen, Stillen von Stürmen. Jesus hat Tote auferweckt. Doch ein „Wie leere ich den Friedhof“-Seminar? Das verlangten seine Jünger nie. Aber darum baten sie ihn: „Herr, lehre uns beten.“

Die ersten Nachfolger Jesu brauchten eine Anleitung fürs Gebet. Ein Workshop zum Thema „Beten“ war tatsächlich das einzige Seminar, um das sie jemals baten.

Könnte ihr Interesse etwas mit den unglaublichen, faszinierenden Verheißungen zu tun haben, die Jesus an das Gebet knüpfte? „Wenn ihr Gott um etwas bittet, sagt ihm mit einfachen Worten, was ihr nötig braucht. Er weiß, wie er euren Bitten und Fragen am besten begegnet“ (Matthäus 7,7; WD). „Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr im festen Glauben darum bittet“ (Matthäus 21,22; Hfa). Für nichts anderes, was wir tun könnten, hat Jesus uns einen ähnlichen Erfolg versprochen. „Plant und ihr werdet bekommen!“ oder: „Ihr werdet alles bekommen, wofür ihr arbeitet“ – diese Worte stehen nicht in der Bibel. Aber diese schon: „Wenn ihr dagegen eng mit mir verbunden bleibt und meine Worte in eurem Herzen lebendig sind, dann könnt ihr von mir erbitten, was ihr wollt, und ich werde eure Bitte erfüllen“ (Johannes 15,7; WD).

Jesus hat uns atemberaubende Verheißungen geschenkt, wenn wir beten.

Und er war ein überzeugendes Beispiel: Jesus betete vor dem Essen. Er betete für Kinder. Er betete für die Kranken. Er betete, um zu danken. Er betete unter Tränen. Er, der die Planeten gemacht und die Sterne geformt hatte, betete. Er, der Herrscher über die Engel, der Befehlshaber der himmlischen Heerscharen, betete. Er, das vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit und der unverfälschte Ausdruck seines Wesens, betete. Er betete in der Wüste, auf dem Friedhof, im Garten. „Tief in der Nacht, lange bevor es dämmerte, stand Jesus auf und ging an einen einsamen Ort, um dort zu beten“ (Markus 1,35; WD).

Das folgende Gespräch war bei seinen Freunden bestimmt an der Tagesordnung:

„Hat irgendjemand Jesus gesehen?“

„Ach, weißt du, er macht wieder das Übliche.“

„Er betet schon wieder?“

„Genau. Er ist seit Sonnenaufgang weg.“

Jesus zog sich sogar manchmal eine ganze Nacht lang zurück, um zu beten. Ich denke da an eine bestimmte Gelegenheit: Er hatte gerade einen der anstrengendsten Tage seines Dienstes hinter sich. Der Tag begann mit der Nachricht vom Tod Johannes’ des Täufers. Jesus wollte sich mit seinen Jüngern zurückziehen, aber sie wurden von einer Menschenmenge regelrecht verfolgt. Obwohl sein Herz schwer war vor Kummer, verbrachte er den Tag damit, zu lehren und Kranke zu heilen. Als er feststellte, dass all die Leute, die sich um ihn drängten, keine Nahrung bei sich hatten, vermehrte er ein paar Laibe Brot und gab ihnen allen zu essen. In einem Zeitraum von wenigen Stunden kämpfte er gegen Kummer und Stress an, erfüllte Forderungen und stillte Bedürfnisse. Er hatte sich eine gute Nachtruhe verdient. Aber als es endlich Abend wurde, schickte er die Menge nach Hause, befahl seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen, und „stieg […] auf einen Berg, um zu beten“ (Markus 6,46; WD).

Offenbar war das die richtige Entscheidung: Über dem See Genezareth „kam [Wind] auf, der den Jüngern schwer zu schaffen machte. Auch die Wellen schlugen immer heftiger gegen das Boot. Es war gegen vier Uhr morgens, als sie Jesus direkt auf sich zukommen sahen – auf dem Wasser!“ (Matthäus 14,24–25; WD). Als Jesus den Berg hinaufstieg, war er erschöpft und ausgelaugt. Als er herunterkam, war er erholt und energiegeladen. Unten am Ufer blieb er keine Sekunde stehen. Man hätte meinen können, das Wasser wäre eine grüne Wiese und der Sturm ein sanfter Frühlingswind.

Glauben Sie, dass die Jünger den Zusammenhang zwischen Gebet und Vollmacht erkannten? „Herr, lehre uns, so zu beten. Lehre uns, so zu beten, dass wir dadurch neue Kraft bekommen. Dass wir dadurch unsere Angst besiegen. Dass wir dadurch Stürme stillen. Dass wir die Kraft eines Königssohnes besitzen, wenn wir vom Gebetsberg herabkommen.“

Als die Jünger Jesus darum baten, sie beten zu lehren, gab er ihnen ein Gebet. Er hielt ihnen keinen Vortrag über das Thema. Gab ihnen keine Gebetsvorschriften an die Hand. Er gab ihnen ein kurzes Gebet, das sie zitieren, wiederholen und übertragen konnten.

Wie ist es mit Ihnen? Die Jünger waren mit tosenden Wellen und einem kühlen Grab konfrontiert. Sie haben vielleicht mit verärgerten Kunden, turbulenten Kindern und den tosenden Wellen von Stress und Kummer zu kämpfen.

Wir bitten immer noch: „Herr, lehre uns doch, wie wir beten sollen.“

Als die Jünger Jesus darum baten, sie beten zu lehren, gab er ihnen ein Gebet. Er hielt ihnen keinen Vortrag über das Thema. Gab ihnen keine Gebetsvorschriften an die Hand. Er gab ihnen ein kurzes Gebet, das sie zitieren, wiederholen und übertragen konnten (Lukas 11,1–4).

Könnten Sie es nicht auch benutzen? Mir scheint, die Gebete der Bibel lassen sich auf ein einziges herunterbrechen. Das Ergebnis ist ein einfaches, leicht zu merkendes „Hosentaschengebet“:

Vater,

du bist gut.

Ich brauche Hilfe. Heile mich und vergib mir.

Sie brauchen Hilfe.

Danke.

Im Namen Jesu. Amen.

Streuen Sie dieses Gebet in Ihren Tag ein. Sagen Sie morgens beim Aufstehen: Vater, du bist gut. Wenn Sie zur Arbeit fahren oder durch die Gänge in der Uni gehen: Ich brauche Hilfe. Wenn Sie in der Schlange an der Supermarktkasse stehen: Sie brauchen Hilfe. Tragen Sie dieses Gebet mit sich herum, während Sie durch den Tag gehen.

Für die meisten bedeutet beten nicht, sich einen Monat lang zurückzuziehen oder auch nur eine Stunde lang zu meditieren. Beten bedeutet, mit Gott zu reden, während wir zur Arbeit fahren oder auf einen Termin warten oder bevor wir mit einem Kunden reden. Gebet kann die innere Stimme sein, die unser äußeres Handeln bestimmt.

Beten bedeutet, mit Gott zu reden, während wir zur Arbeit fahren oder auf einen Termin warten oder bevor wir mit einem Kunden reden.

So viel ist sicher: Gott will Ihnen beibringen, wie Sie beten können.

Glauben Sie keine Minute lang, dass er Sie mit verschränkten Armen und missbilligendem Stirnrunzeln aus der Ferne anstarrt und darauf wartet, dass Sie Ihr Gebetsleben auf die Reihe kriegen. Ganz im Gegenteil.

„Merkst du es denn nicht: Ich stehe vor deiner Tür und klopfe an; wenn du meine Stimme hörst und mir die Tür öffnest, dann werde ich bei dir eintreten und mit dir zusammen essen und du mit mir“ (Offenbarung 3,20; WD).

Jesus wartet an der Haustür. Er steht auf der Türschwelle. Er klopft und ruft. Er wartet darauf, dass Sie ihm öffnen. Und Sie öffnen ihm, indem Sie beten. Zu beten bedeutet, Ihre Glaubenshand auf die Klinke Ihrer Herzenstür zu legen. Die Tür zu öffnen und Jesus willkommen zu heißen: „Komm rein, mein König. Komm rein.“ – „In der Küche sieht es zwar chaotisch aus, aber komm trotzdem rein.“ – „Ich hab nicht geputzt, aber komm rein.“ – „Ich bin zwar kein guter Gesellschafter, aber komm dennoch rein.“

So viel ist sicher: Gott will Ihnen beibringen, wie Sie beten können.

Wir reden. Er hört zu. Er redet. Wir hören zu. Das ist Gebet in seiner Reinform. Das sind die Momente, in denen Gott die Menschen verändert, die zu ihm gehören.

Er verändert mich! Ja, ich bin ein Gebets-Loser, aber einer, der sich bessert. Ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte, aber auch nicht mehr da, wo ich mal war. Meine Gebetszeit ist heute meine Zeit zum Auftanken. Das Hosentaschengebet ist mir ein guter Freund geworden. Seine Sätze haben sich in meinem Kopf festgesetzt wie ein Ohrwurm.

Vater,

du bist gut.

Ich brauche Hilfe. Heile mich und vergib mir.

Sie brauchen Hilfe.

Danke.

Im Namen Jesu. Amen.

Wenn wir Gott in unsere Welt einladen, kommt er herein. Er hat eine Menge Geschenke dabei: Freude, Geduld, Widerstandskraft. Sorgen kommen, aber sie bleiben nicht. Ängste tauchen auf, aber sie verschwinden wieder. Reue klatscht gegen die Windschutzscheibe, aber dann betätigen wir einfach den Scheibenwischer des Gebets. Der Teufel versucht immer noch, mich mit Schuldgefühlen niederzuknüppeln, aber ich drehe mich um und gebe sie Jesus. Ich gehe auf die siebzig zu und bin trotzdem ein Energiebündel. Ich bin so glücklich, gesund und voller Hoffnung wie nie zuvor. Natürlich habe ich manchmal Schwierigkeiten. Aber ich habe Gott.

Wir reden. Er hört zu. Er redet. Wir hören zu. Das ist Gebet in seiner Reinform. Das sind die Momente, in denen Gott die Menschen verändert, die zu ihm gehören.

Gebet ist nicht das Privileg der Frommen und keine Kunstform, die nur ein paar Auserwählte beherrschen. Gebet ist einfach ein vertrautes Gespräch zwischen einem Vater und seinem Kind. Glauben Sie mir, er will mit Ihnen reden. Gerade jetzt, wo Sie das lesen, klopft er an Ihre Tür. Machen Sie auf. Heißen Sie ihn willkommen. Lassen Sie das Gespräch beginnen.

Kapitel 2

Vater … Papa …

Als meine älteste Tochter dreizehn war, verpatzte sie bei einem Vorspielabend ihren Auftritt. Jenna wurde später eine erstklassige Pianistin und eine wunderbare Sängerin. Aber jeder hat mal einen schlechten Tag. Sie hatte ihren eben zufällig vor einem Saal voller Zuschauer, unter denen auch ein Haufen Angehörige und Freunde waren. Zu Anfang klappte alles prima. Ihre Finger glitten über die Tasten wie die von Billy Joel. Aber mitten im Stück sprang ihr musikalischer Zug aus den Gleisen.

Ich sehe sie immer noch vor mir: den Blick starr nach vorn gerichtet, die Finger wie mit Sekundenkleber festgeklebt. Sie ging ein paar Takte zurück und setzte noch einmal an. Keine Chance. Sie konnte sich um nichts in der Welt daran erinnern, wie es weiterging. Es war mucksmäuschenstill – man hörte nichts außer den klopfenden Herzen ihrer Eltern.

Komm, Liebling, du schaffst das.

Versuch’s noch mal.

Gib nicht auf. Gleich fällt’s dir wieder ein.

Das tat es dann auch wirklich. Jennas mentale Blockade löste sich auf und sie spielte das Stück zu Ende. Aber das Unglück war bereits geschehen. Sie erhob sich mit bebendem Kinn und verbeugte sich kurz. Das Publikum spendete mitfühlenden Applaus. Sie stürzte regelrecht von der Bühne. Denalyn und ich standen hastig auf und trafen sie an der Seite des Saals. Sie warf die Arme um mich und barg das Gesicht an meiner Brust.

„Ach, Papa.“

Gebet beginnt immer mit einem ehrlichen, tief empfundenen „Ach, Papa“.

Das genügte. Denalyn und ich hüllten sie von beiden Seiten in unsere Liebe ein. Wenn eine Umarmung Scham beseitigen könnte, hätte diese es getan. In diesem Moment hätte ich ihr die Sterne vom Himmel geholt. Alles, was sie gesagt hatte, war: „Ach, Papa.“

Das ist ein guter Gebetseinstieg. Gebet beginnt immer mit einem ehrlichen, tief empfundenen „Ach, Papa“.

Jesus hat uns gelehrt, unsere Gebete so zu beginnen: „Unser Vater im Himmel“ (Matthäus 6,9; WD). Oder genauer: „Unser Abba im Himmel.“ Abba ist ein intimes, zärtliches, volkstümliches Wort, die wärmste der aramäischen Bezeichnungen für „Vater“.

Keine Förmlichkeiten mehr. Stattdessen Nähe. Jesus lädt uns dazu ein, so zu Gott zu kommen, wie ein Kind zu seinem Papa kommt.

Jesus lädt uns ein, so zu Gott zu kommen, wie ein Kind zu seinem Papa kommt.

Und wie kommen Kinder zu ihrem Papa? Ich bin mal auf einen Schulhof gegangen, um es herauszufinden. Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und mir Notizen gemacht. Die meisten Kinder wurden von ihren Müttern abgeholt. Aber es hatten doch genügend Väter Fahrdienst, dass ich meine Recherche durchführen konnte. Wie reagiert ein fünfjähriges Kind, wenn es seinen Vater auf dem Parkplatz entdeckt?

„Yippie!“, schrie der rothaarige Junge mit dem Batman-Rucksack.

„Eis essen!“, rief das sommersprossige Mädchen und bezog sich dabei offenbar auf ein Versprechen, das der Vater ihr gegeben hatte.

„Papa! Hier rüber! Schubs mich an!“, schrie der Junge mit einer Baseballkappe der Boston Red Sox und rannte zu den Schaukeln.

Ich hörte Bitten wie: „Papa, kann Tommy mit zu uns kommen? Seine Mama ist auf Geschäftsreise, und er will nicht bei seiner großen Schwester bleiben, weil er bei ihr nicht fernsehen darf und weil sie ihn zum Essen zwingt …“ Der Junge redete wie ein Wasserfall. Es schien überhaupt keinen Ausschaltknopf zu geben.

Ich hörte Fragen: „Fahren wir nach Hause?“ Und ich hörte Jubelschreie: „Papa! Guck mal, was ich gemacht habe!“

Was ich nicht gehört habe, war: „Vater, es ist so gnädig von dir, dass du mit deinem Auto zu meiner Bildungsstätte fährst und mich zu dir nach Hause holst. Ich danke dir aus tiefstem Herzen für deine Barmherzigkeit. Deine Fürsorge ist wunderbar und deine Hingabe einzigartig.“

Ich hörte keine Förmlichkeiten und keine geschwollenen Ausdrücke. Ich hörte Kinder, die glücklich waren, ihren Papa zu sehen, und die es nicht abwarten konnten, mit ihm zu reden.

Gott lädt uns dazu ein, auf genau dieselbe Art zu ihm zu kommen. Was für eine Erleichterung! Wir Gebets-Loser haben nämlich Angst davor, „falsch“ zu beten. Was ist die richtige Gebetshaltung, die angemessene Kleiderordnung? Was ist, wenn wir knien, aber eigentlich stehen müssten? Was ist, wenn wir die verkehrten Worte oder den falschen Tonfall benutzen? Haben wir seine Gnade verspielt, wenn wir „um Jesu willen“ statt „in Jesu Namen“ sagen?

Was Jesus dazu meint? „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3; NGÜ). Werdet wie die Kinder. Sorglos. Fröhlich. Verspielt. Vertrauensvoll. Neugierig. Begeistert.

Versuchen Sie nicht, Eindruck zu machen; seien Sie klein und bescheiden. Vertrauen Sie mehr. Plustern Sie sich weniger auf. Äußern Sie viele Bitten und nehmen Sie alle Geschenke mit Begeisterung an. Kommen Sie zu Gott wie ein Kind zu seinem Papa.

Versuchen Sie nicht, Eindruck zu machen; seien Sie klein und bescheiden. Vertrauen Sie mehr. Plustern Sie sich weniger auf. Äußern Sie viele Bitten und nehmen Sie alle Geschenke mit Begeisterung an. Kommen Sie zu Gott wie ein Kind zu seinem Papa.

Papa. Das Wort kratzt an unserem Stolz. Andere Anreden gestatten uns eine kühle Distanz. Als Pastor weiß ich das aus eigener Erfahrung. Wir senken die Stimme, machen eine dramatische Pause. „Oh heiliger Herr …“ Ich lasse meine Worte im Universum widerhallen, während ich, der Hohepriester der Bittgesuche, mein Gebet vortrage.

„Gott, du bist mein König und ich bin dein Prinz.“

„Gott, du bist der Dirigent und ich bin dein Musiker.“

„Gott, du bist der Herrscher und ich bin dein Botschafter.“