Verbotene Narrative I - Aksel Rod - E-Book

Verbotene Narrative I E-Book

Aksel Rod

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Beschreibung

April 2019: Notre Dame in Flammen - Feuertaufe der Neuen Weltordnung. Die Clans dahinter greifen nicht erstmals nach der Herrschaft. Initialzündung waren die Kreuzzüge: Der Papst rief zum "Heiligen Krieg" auf. Aristokratische Ritter besetzten 1099 die Handelswege in Palästina. Die ersten Ressourcenkriege. Ein Jahr nach dem Brandopfer kämpft die Welt mit Covid-19. Ist die Pandemie ein Schritt zur Übernahme der Weltkontrolle? Fest steht: Zensur und Fakes ebneten vom Mittelalter bis zur Pariser Feuertaufe den Weg zum Totalitarismus. Päpste hetzen, Könige werden Münzfälscher, Superreiche kaufen Terroristenkiller. Aus welchen Blutlinien besteht die dunkle Architektur? Ahnentafeln, Manichäer, Lolitas, Antichristen, "Heilige Corona", Weltennabel Jerusalem, Beutekunst, Mafiawurzeln. Welche Geheimnisse verstauben im Giftschrank der Geschichte? Verbotene Narrative I: 300 Jahre Manipulation vom ersten Kreuzzug bis zu Richard II. Wie erreichte das Templergold London? War Englands schwuler König ein "Tyrann"? Religion, Aristokratie und Superreiche haben den Lauf der Zeit überdauert. Sie ziehen auch im 21. Jahrhundert die Strippen der Macht.

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Seitenzahl: 510

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Aksel Rod

Verbotene Narrative I

Religion, Aristokratie und Superreiche greifen nach der Weltherrschaft

Mit Fakes und Zensur in die globale Tyrannei

Aksel Rod

Verbotene Narrative I

Religion, Aristokratie und Superreiche greifen nach der Weltherrschaft

Mit Fakes und Zensur in die globale Tyrannei

Impressum

Text

© 2021 Copyright, Aksel Rod

Fotos Titel/Rücken

© 2021 Falkenstein, Alamy Stock, Classic Stock, noun project, Shutterstock, Pedro Mar, Abeadev, Serdthongchai

Herausgeber

Aksel Rod c/o tredition GmbH

Verlag und Druck

tredition GmbH, Halenreie 40-44, D-22359 Hamburg

ISBN Taschenbuch

978-3-347-38758-4

ISBN Hardcover

978-3-347-38759-1

ISBN e-Book

978-3-347-38760-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung von Verlag und Autor unzulässig. Dies gilt besonders für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet die Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Verbotene Narrative

1099 bis 1199

Skrupellose Päpste - Christentum - Judaismus - Islam -tödliche Pilgerfahrten zum „Heiligen Grab“ - Byzanz braucht Militärhilfe - erster Kreuzzug - Blutgerichte - Menschenopfer - Königreich Jerusalem - Tempelritter in Al Aksa Moschee - Templer handeln Sklaven - Seidenstraße - Seerepubliken - Baal von Emesa - beseelte Stelen - Götzenanbetung - Bundeslade - göttliches Licht - teuflische Finsternis - Opposition im Rheinland - Christus gegen Satanel - Katharer auf Scheiterhaufen - Gründungslügen der Sorbonne - Pädophile ins Meer - Franziskus parkt Knabenschänder in Verwaltung - Papst-Hetzer Bernhard von Clairvaux - zweiter Kreuzzug: Eifersüchteleien in Ägypten - Brescias Traum vom antiken Rom - Papstanhänger gegen Kaisertreue - Urlügen der Kirche - Konstantin gibt Religionsfreiheit - Landnahme Kanaan - Jesus schafft sich Feinde - Geldwäsche im Vatikan - Johannes Paul II finanziert Kommunistenkollapps - Römer fordern Papst-Kopf - Irlands Annexion - Satansanbeter in Köln - Lichtspielhaus „Notre Dame“ - Katharer in Frankreich - dritter Kreuzzug: Kolonien für Papst Gregor - „City of London“: Steueroase seit 900 Jahren - Templersieg in Akkon - Fiores „1000-jähriges Reich“ - Antichristen.

Verbotene Narrative

1200 bis 1299

Vierter Kreuzzug: Venedigs Schuldenfalle - Fresko-Fake - Rom plündert Byzanz - Sorbonne zensiert - Christus Vorhaut - Südfrankreichs christlich-hebräischer Adel - Toulouse-Lautrec, Epstein- und Rothschild-Clan - AEG - Affäre Dreyfus - Revue Blanche - Marcel Proust - Big Pharma - LSD -WWF - Arnold Schwarzenegger - Pyrenäenreich - Tower-Besetzung - Magna Carta - Fiasko fünfter Kreuzzug - Brandopfer 2019 „Notre Dame“ - Feuertaufe NWO - inszenierte Studentenrandale - Weltennabel Jerusalem - Kaiser Friedrichs bunter Hofstaat - Papst Gregors „Geheime Staatspolizei“ - Ahnentafeln: Keine Spur von Raimund Lullus - Kronstreit in „Heiliger Stadt“ - Konvertiten - Israels „Grosser Gerichtshof“ - Christus-Verrat - Bücherverbrennung - Dissidenten eingemauert - Alchimie im Abendland - Spaniens Judengesetze - Roger Bacon: U-Boote, Automobile - Fanal siebter Kreuzzug - Visconi-Clan: 900 Jahre Mafiosityrannei - Luchino Visconti - Pier Maria Pasolini - Club of Rome - Flüchtlinge wegen Rohstoffgier - US-Wahlbetrug - Marco Polo in China - Statut zum Judentum - Falschmünzen in London - Rabbi finanziert Spanien - Kabbala - Lebensbaum - Talmud verbietet Neues Testament - teuflisches Duo - frisierte Schuldscheine - Ende der Kreuzzüge - Ägyptenboykott - Raimund Lullus wird „Doctor Illuminatus“ - Osmanen bedrohen Europa - Weltbevölkerung: Zwischen 369 und 432 Millionen.

Verbotene Narrative

1300 bis 1400

Himmlische Lichtspielhäuser - Begarden - AhnenprobePapst Franziskus - Juventus Turin - Münzfälscher Philipp IV - Templeragent Raimund Lullus - Baphomet - Hexagramme - Straßenkampf in Rom - Templergold in London - Laster-Pfuhl Avignon - Edward II und sein Lover - Todesversionen - Volkswille - England pleite - Schändungsskandal - Neapels männertolle Gattenmörderin - Heilsgeschichte - bakteriologische Kriegsführung - „Heilige Corona“ - Franziskus parkt Pädophilen im Schatzamt - Matteo Renzis Millionen - Schattenarmeen: Freikorps, Blackwater - Weltherrschaft - Covid-Skandal in Oranje-Monarchie - „Great Reset“ - Aufstand wegen Steuern - spanische Aristokratin kratzt an Mythos - Klassenkämpfer - Edwards Lolita - Türken auf Balkan - Francisco Franco de Andrade - „Frankfurter Schule“ - Palmöl und Banken - Bestechung Fifa-Chef - Englands erster Parlamentsskandal - „Heilige Sakramente“ - Aristokratie steuerbefreit - schwule Günstlinge - Mafiawurzeln - Venezuelas Krisen - Juan Guaidó - HSCB - Geldwäsche - David Bowie - Kampf um die City - Tyrann wird Philantrop - Karl IV: Verrückt oder vergiftet? - Londons Oligarchen - Kleve-Clan - Reichstagsbrand - Visconti verrät Europa - Kirche putscht Englands König - Aristokratie bewirbt „Great Reset“ - Seuchenprofiteure - Covid-Impfungen - elektromagnetische Nanopartikel - Usurpator Heinrich IV - Richards Todesversionen - Weltbevölkerung: Zwischen 350 und 374 Millionen.

„In Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die (Superreichen) Drahtzieher. Sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentlichen Meinung die Wähler. Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern. Denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug ist.“

Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi - Gründer und Chef der „Paneuropa-Union“.

Vorbemerkung

Mit Fakes und Zensur in die Tyrannei.

Wie steht es um die Zukunft „unserer“ Demokratie? Staatsrechtler diskutieren seit der Antike, wer herrschen solle: Das „Volk“ oder „die Mehrheit“? Ist es nicht angebracht, zu fragen, wie Tyrannei zu vermeiden ist? Wie also ein Staat Gewalten so teilt und kontrolliert, dass Regierende nicht zu großen Schaden anrichten und gegebenenfalls abzusetzen sind. Wie aber heißen die Eliten, die über die Völker herrschen? Wer ist verantwortlich für Verfolgung, Krieg und Zerstörung, die in der Geschichte nicht abreißen? Welche Regierungsformen und religiösen Kulte haben den Zeitenlauf überdauert und tragen somit Anteil am barbarischen Zustand der Welt? Vilfredo Pareto stellte bei einer Studie vor über 30 Jahren in Italien fest, dass 80 Prozent des Bodens einem Fünftel seiner Mitbürger gehörte. Die Regel des Ökonomen wurde 80: 20 Prinzip genannt. Sie traf ebenfalls auf die Verteilung des weltweiten Reichtums zu. Ein Fünftel verfügte über 80 Prozent des Vermögens. Genauso das Verhältnis bei den Rohstoffen, die nötig sind, um die Konsumgüter der Welt zu produzieren. Eine privilegierte Minderheit in den industrialisierten Staaten lebt im Kaufrausch. Hier sorgt „Fortschritt“ dafür, dass Menschen länger leben, keinen Hunger leiden, kaum von Epidemien heimgesucht werden und Zugang zu Bildung, Justiz oder kulturellen Aktivitäten haben. Ihr Lebensstandard entspricht dem vieler Fürsten im 19. Jahrhundert. Der Preis dafür: Der Mensch wurde auf Funktion reduziert, Moral entwertet, Egoismus und Ignoranz gefördert. So gelang es den Eliten, dass ihre Untertanen, die Augen vor der Realität verschließen. Denn in der restlichen Welt kommt der Fortschritt nicht an. Hier herrscht Barbarei: Kriege, Ausbeutung, Armut und Hunger. UNICEF meldet jeden Tag weltweit 24000 Kinder, die an Unterernährung sterben. Mindestens 225 Millionen „Gotteskinder“ bekamen in den über 75 Jahren des Bestehens des „Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen“ also von vornherein keine Chance. Frankreich, Großbritannien und Deutschland wären menschenleer. Verantwortung dafür tragen nicht zuletzt die Päpste. Ohne sie ist das Entstehen Europas, ja der Welt undenkbar. Die „gottgewollte Ordnung“ nach Ständen mit dem „Pontifex Maximus“ an der Spitze dominierte jahrhundertelang die Gesellschaft und zeichnete so die Zukunft vor.

Ständeordnung, Ahnentafeln, Lohnschreiber.

In der Kirche spielt seit jeher das Thema Abstammung eine Rolle: „Stellvertreter Gottes auf Erden“ wurde keiner aus dem Volk. Für den Eintritt in den Klerikerstand war eine Ahnenprobe Voraussetzung. Sie umfasste bis zu vier Generationen. Wie in Monarchien galt ein möglichst langer Stammbaum blutsverwandter Menschen einer Sippe als Ausweis elitärer Herkunft. Könige, die sich auf eine Gottheit oder einen vergöttlichten Ursprungshelden und dessen Blutlinie berufen, sind bis in das alte Ägypten zurückzuverfolgen. Im Land am Nil wurde der Pharao göttlich verehrt. Im römischen Königtum standen Romulus und Remus in einer Erblinie mit Kriegsgott Mars. Europas Könige sehen sich ebenfalls in dieser Linie. Der „Stellvertreter Gottes“ setzte sie als „Herrscher von Gottes Gnaden“ auf Erden ein. Im Jahr 380 wurde das Christentum Leitreligion, das Römische Reich war auf dem Weg in den Zusammenbruch. Da war der Nachfolger von Apostel Petrus schon aus dem Himmel auf die Erde gefallen und die Symbiose von Kirche und Aristokratie funktionierte. Zu Päpsten und Monarchen gesellten sich bald Hebräer aus der Königsdynastie Davids, später Protestanten. Für Juden galt das päpstliche Zinsverbot nicht. Sie wurden Geldeintreiber der Kirche oder finanzierten Herrschaftshäuser. Die Triade betrachtet sich selbst als „auserwählt“, sie eint ein universelles Machtstreben. Im Gegensatz zum Volk planen sie ihre Zukunft nicht in Dekaden oder Generationen, sondern in Jahrhunderten. Seit jeher dabei: Chronisten. Sie manipulierten Geschichte, erdachten Narrative, die sich mit den Absichten der „Auserwählten“ deckten. Sie garantierten das Bestehen der „gottgewollten Ordnung“, indem sie Alternativen zur feudalen Herrschaft verteufelten. Wie in Predigten diente ein Ereignis als Rahmenhandlung, der Rest war Beiwerk zur Manipulation. Ziel: Den Menschen zu verängstigen. Sein Dasein sei schuldhaft, er allein trage die Verantwortung für die Weltenübel. Heute heißen diese „Klimawandel“ und „Überbevölkerung“. Weil steigende Geburtenraten einzige „natürliche Bedrohung“ der Eliten sind, diffamieren sie „Kinderkriegen als klimaschädlich“. Schon seit 1000 Jahren oder 40 Generationen lassen sie Fakten fälschen, um ihre Macht nicht zu verlieren. Außerdem war ihnen früh bewusst: Nur wer die Vergangenheit kontrolliert, bestimmt die Zukunft. So entsteht der Anschein, Historie wiederhole sich. Das ist falsch. Nicht Geschichte wiederholt sich, es sind elitäre Blutlinien, deren Medienagenten Ereignisse nach bewährten, zum Teil jahrhundertealten Plots immer neu inszenieren.

Trugbilder Menschenrechte, Freiheit.

Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie, industrielle oder digitale Revolution - sie sind Trugbilder, um die Völker von den Absichten der Oligarchen abzulenken: Der Weltkontrolle. Denn nur sie ist das Ziel. Klingt nach Verschwörung, ist es. Wer den Geschichtsnarrativen der Eliten vertraut, erkennt dies freilich nicht. Das Mittelalter gilt als „dunkles Zeitalter“. Wie das Wissen um Handel und Wirtschaft wird es im Gegensatz zur jüngeren Geschichte in der Bildung vernachlässigt. Dabei keimten hier die Themen auf, die heute beschäftigen. Das ist kein Zufall. Nicht erst seit Nikolaus Kopernikus erkannte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, stellen die Eliten sicher, dass Wissen nicht ihren Interessen zuwiderlief. Obwohl der Großteil der Bevölkerung weder schrieb noch las, Literatur Klerus und Adel vorbehalten war, verlangte die Kirche, dass ihr Werke vor Veröffentlichung vorgelegt werden. Sie kontrollierte Inhalte und erteilte das „Nihil obstat“ - den Unbedenklichkeitsausweis für Publikationen in Lehre und Forschung. Wissenschaftler hatten durch die Zensur einen schweren Stand. Roger Bacon etwa. Er sinnierte vor Leonardo da Vinci und Galileo Galilei über Flugzeuge, U-Boote, Teleskope und Automobile. Der Engländer beschrieb die Lichtbrechung, studierte wie Metalle auf Erhitzung oder chemische Verbindungen auf den Kontakt mit Feuer reagierten. „Und so betrachten Unwissende die Geheimnisse der Natur als schwarze Magie“, zog er im dreizehnten Jahrhundert Bilanz.

Wissenschaft im Dienst der Eliten.

Daran sei die Kirche nicht unschuldig. Bacon erarbeitete ein Reformkonzept für Europas Universitäten. Ihm schwebte eine Vereinheitlichung der Wissensdisziplinen vor. Der Mönch hoffte, so zum „friedlichen Zusammenleben“ beizutragen. Schon bei ihm taucht das Thema Empirik auf. Schlussfolgerungen seien mit „Erkenntnissen anderer Wissenschaften“ zu belegen, forderte der Vernunftmensch. Bacon verbrachte die letzten Lebensjahre wegen anhaltender Angriffe gegen den Klerus im Kerker. Das Thema „Vernunft“ verschwindet fast 500 Jahre in den Archiven des Vatikans. Dann recyceln es die Eliten. Ihre Medienagenten schreiben die Aufklärung herbei. Das Hohelied der Freiheit in Medien, Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre ist Illusion. Forscher hatten sich stets gegen die Machtansprüche von Kirche, Staat und Aristokratie zu behaupten. Dagegen stellten sich Chronisten oder Universitäten wie die Pariser „Sorbonne“ schon immer in deren Dienst. Die Ersten beeinflussen den gesellschaftlichen Diskurs, die Zweiten den wissenschaftlichen. Medien und Akademien vereinfachen oder entstellen Thesen oft bis zum Verlust der Sinnhaftigkeit, um herrschaftskonformes Wissen zu produzieren. Sie betreiben „Social Engineering“, ziehen aber keine kritisch Denkenden, sondern Mitläufer heran. Eine Funktionselite für Institutionen, die gerne von sich behauptet, Glaubhaftigkeit und Neutralität verpflichtet zu sein. Vor knapp 1000 Jahren traten die „Auserwählten“ aus dem Staub der Geschichte. Allen voran: Clans aus Oberitalien. Sie profitierten direkt von Roms Zusammenbruch, nahmen schon damals die heutige Mafiakriminalität vorweg. Natürlich stiegen Hochkriminelle und Hocharistokraten miteinander ins Bett. Zuerst bringen die Visconti aus Mailand ihren Nachwuchs beim Adel unter.

Ehen zwischen Kriminellen und Aristokraten.

Drei Wittelsbacher Herzöge aus Bayern, ein Habsburger sowie ein Graf von Württemberg ebenso wie ein König Zyperns und ein englischer Adliger heirateten Mafiosi-Töchter. Weil Frankreichs Königshaus klamm war, nisteten sie sich hier gegen sechsstellige Mitgiften ein. Ehen unter Verwandten waren Alltag. Sprösslinge wiesen dann zwar oft Missbildungen auf, aber das Erbe blieb im Clan. Zu Psychopathen wurden sie erst, weil sie über Generationen straffrei Angehörige, Ehepartner und Andersdenkende mordeten, Untertanen ausraubten oder betrogen und sich an Intrigen und Verschwörungen bis hin zu Tyrannenmorden ergötzten. Damals kursierte die These, dass die Päpste Antichristen seien, denn sie logen sich den Besitz zusammen. Heute ist die Kirche größter Grundbesitzer Italiens und einzige Religionsgemeinschaft mit einem Staat. Der „Heilige Vater“ ist absoluter Monarch, aber wovon? Einer 44 Hektar großen rechtsfreien Gottesenklave mit 850 Bürgern? Eines durch Auslöschung von Ethnien entstandenen Weltreichs mit über einer Milliarde Unmündigen? Er könnte auch Chef eines multinationalen Wirtschaftskonzerns mit 400000 Beschäftigten nebst Bank sein. Fakt ist ebenfalls: Die Kirche besitzt die größte Sammlung von Beutekunst. Denn auf dem Weg zur Weltmacht plünderten Päpste im Schulterschluss mit Adel und Mafiosi Staaten, die sie unterwarfen. Der Schatz von „Sankt Piedro“ im Vatikan ist wie die „Pferde von San Marco“ in Venedigs „Markusdom“ Raubkunst. Päpste brauchten Reliquien als Attraktionen für die entstehenden gotischen Kathedralen. Die himmlischen Kinos gehörten zu ihrer Medienstrategie. Hier war der Pontifex Programmdirektor, präsentierte seine Macht. Bis heute gleichen Messen in den Himmelskinos surrealen Inszenierungen. Dem Himmel emporragende Säulen, Fenster aus farbigem Bleiglas, Baldachine, gigantische Altarbilder, Leuchter aus Gold, Silber, Elfenbeinschnitzereien, Monstranzen, Weihrauch. Die oft kriminellen Päpste im Toga-Kostüm wirkten auf Gläubige, als seien sie soeben vom Himmel hinabgestiegen, um vor den Altären die christliche Liturgie um die sieben heiligen Sakramente zu zelebrieren. Dass Abendmahl, Taufe oder Beichte nicht Jesus von Nazareth, sondern Priester einsetzten und selbst der Ablass von Sünden im Gegensatz zu seinen Lehren steht - die Wahrheiten sind für die Kirche Lügen. Wer die Version nicht teilt, wird verflucht. Die „Epoche des Zerfalls“ hat mehr zu bieten.

Papstlügen, Kreuzzugsgräuel, Blutgerichte, „Doctor Illuminatus“.

Könige wurden Münzfälscher, Ritter Gesetzeslose, Päpste Auftraggeber von Killern, Englands Krone wurde an einen Hebräer verpfändet und inmitten der Anarchie appellierte ein PR-Schreiber an Europas Fürsten, sich „zu einem Staat“ zu verbinden, dann würde Frieden herrschen. Heute nutzt Hollywood den Fundus aus Alchimie, Hexen, Scheiterhaufen, Geisterbeschwörung und schwarzer Magie. Filme oder Computerspiele heroisieren die Frevel der Elitären und gaukeln den Untertanen Zauberwelten vor. Ob „Excalibur“, „König Arthur“, „Der letzte Tempelritter“ - mit Narrativen um Ehre und Loyalität lenken sie von ihren Ursünden ab. Die Kreuzzüge etwa. Sie nutzten Päpste, Clans und Militärorden für die ersten Wirtschaftskriege in Palästina um Ressourcen - unter dem Deckmantel der Christenmission. Kolonien mit dem Königreich Jerusalem im Zentrum sollten den Kommerz zwischen Orient und Okzident kontrollieren. Der Handel blühte auf. Neben den beiden Seerepubliken Venedig und Genua profitierten die Tempelritter. Der Orden war dem Papst unterstellt, Adlige schenkten ihm Regionen. Die Ritter gründeten Komtureien, auf die Weise entstand damals der erste paneuropäische Wirtschaftsverbund. Letztlich scheiterten die Oligarchen. In 200 Jahren fielen sieben Millionen „Heiden“ dem Kolonialisierungsvorhaben zum Opfer. Nachdem der Traum vom christlichen Orient geplatzt war, hatte es Frankreichs König auf den Schatz der Templer abgesehen und Raimund Lullus tritt auf. Werke des „Doctor Illuminatus“ tauchen in vier Jahrhunderten bei den Freimaurern wieder auf. Zunächst aber sorgte sich der Großmeister der Tempelritter um ihn. Er wurde im Zweitjob Agent der Templer, brachte die Vereinigung des Ordens mit einem anderen beim Papst ins Gespräch. Alternativ mimte der Laientheologe den „Volksaufklärer“. Lullus schrieb ein mystisches Lexikon oder sorgte nach den Templerprozessen dafür, dass Englands König 30 Tonnen Gold dubioser Herkunft zur Münzprägung erreichte: Die Rosennobel. Zum Schicksal Andersdenkender schwieg er dagegen. Päpste hatten in den Albigenserkreuzzügen neun Millionen Katharer verbrennen lassen. Sehen so Europas christliche Werte wirklich aus? Wie dem sei. Einzelne widersetzten sich. Im April 1229 erschien in Paris Südfrankreichs mächtigster Adlige vor der im Bau befindlichen „Notre Dame“ im Büßergewand mit einem Strick um den Hals. Er schwor der Kirche Treue, um die Exkommunikation zu beenden. Fast auf den Tag 790 Jahre später brach hier ein Feuer aus. Dachstuhl und Spitzturm wurden zerstört. Es war keine Katastrophe aus Unachtsamkeit bei Renovierungsarbeiten, sondern die Feuertaufe der neuen Weltordnung (NWO). Hinter dem Brandopfer 2019 standen sektiererische Aristokraten, deren Rituale überdauerten und die nach der Macht der Kirche greifen. Doch im dreizehnten Jahrhundert herrschte „Gottes Ordnung“. Nur einzelne Ritter bezogen für die Rebellen Position.

Brandopfer in „Notre Dame“, Feuertaufe NWO.

Die hebräischen Geldeintreiber betrieben „business as usual“. Obwohl auch sie immer wieder verfolgt wurden, blieben Solidaritätsbekundungen für die Andersdenkenden aus. Juden hatten Opfer zu beklagen, aber die Zahlen sind nicht mit denen von Albigensern, Katharern und Waldensern zu vergleichen.Bluthungrig schlugen die teuflischen Eliten zeitgleich immer wieder Volksaufstände in Frankreich, England oder Deutschland nieder. Sie gründeten Stifte, Städte, Zünfte und Gilden wie die „City Corporation of London“. Um sich Schützenhilfe für die Königswahl zu sichern, verbriefte Thronanwärter Johann derselben einst Privilegien. Für die Oligarchengilde war dies ein Meilenstein. Der Krone wurde es unmöglich, von der Gilde Besitz zu ergreifen. Das System hat sich in Köln, Venedig, Mailand oder Neapel überlebt. Im Vereinigten Königreich funktioniert es weiter. Die City ist eine Sonderwirtschaftszone, die sich selbst regiert. Sie ist gegen eine jährliche Zahlung an die Krone steuerbefreit, aber Englands Bürger zahlen für die Monarchie. Im „dunklen Zeitalter“ liegen die Ursprünge von Banken, Geld- und Kreditsystemen, von PR und Propaganda. Methoden und Techniken haben sich im Lauf der Zeit zwar verfeinert, radikal geändert haben sie sich erst durch die Digitalisierung im 21. Jahrhundert. Spätestens jetzt wird alles Religiöse vorwissenschaftlicher Ferne zugeschrieben. In der vernunftgeleiteten Welt ist kein Platz mehr für Religion. Der Mensch meint, er sei befreit von den Ketten der feudalen Bevormundung. Geld, Macht, Einfluss, Besitz, Titel und Triebbefriedigung sind die Heilsversprechen der Moderne. Tatsächlich aber verwechseln viele Hedonisten Freiheit mit Verantwortungslosigkeit und ziehen sich auf einen Egotrip in die Privatsphäre zurück. Ihnen entgeht, dass Kirchendogmen durch eine politisch korrekte Zwangsmoral ersetzt wurden. Heute schreiben Regierungen, Medien und Organisationen vor, welche Gesinnung sie zu vertreten haben. Klimawandel- oder Covid-Skeptiker - wer im Gesinnungsmainstream nicht mitläuft, wird sozial stigmatisiert. So wie zur Zeit der Hexenjagden. Das ist kein Zufall. Die Säkularisierung der Gesellschaft, der Verzicht auf religiöse oder metaphysische Themen spielt den Herrschenden in die Hände.

Genussmenschen, Demokratie-Illusion, Neofeudalismus.

Je weniger Interesse für Religion existiert, desto mehr Staub legt sich über die Spuren krimineller Päpste, Clans, Aristokraten und deren Agenten in Medien, Universitäten oder Parteien. Die privilegierte Minderheit in den industrialisierten Staaten meint heute in Demokratien zu leben. Doch nicht sie selbst, sondern Medien „framen“, wie sich Freiheit definiert. In Endlosschleifen wiederholen sie moralisch „saubere“ Narrative von angeblicher Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung sowie Grundrechten oder Meinungs- und Pressefreiheit. So entsteht Demokratie-Illusion. Dass die Völker sich eher in Richtung Tyrannei bewegen, weiss Edward Snowden. Der US-amerikanische Whistleblower beschrieb schon im Jahr 2013 das Ausmaß der Überwachungsaktivitäten der Eliten. Er meldete sich zu Wort, als Prinz Charles den Plan zum „Wiederaufbau der globalen Wirtschaft“ nach der Covid-19-Pandemie vorgestellt hatte. Der Ex-Mitarbeiter der „Central Intelligence Agency“ (CIA): „Die Regierungen werden den Ausnahmezustand erhalten, sie haben eine Architektur der Unterdrückung geschaffen.“ Damit meint er die Kaste der Politdarsteller, die Wählern in als Parlamenten getarnten Boulevardtheatern „Volksherrschaft“ vorgaukeln. Abgeordnete sehen sich gerne in Englands Tradition. Mit dem Narrativ ist es nicht weit her. Das Inselreich erlebte keine 50 Jahre nach der Spaltung in ein Ober- und Unterhaus den ersten Politskandal. 1376 wurde „Volksvertretern“ wegen Bestechung in London der Prozess gemacht. Sie verloren ihren Job.

Teuflische Architektur, Zeitsprünge in Gegenwart.

Korruption hatte dazu geführt, dass Englands konstitutionelle Monarchie in knapp 50 Jahren zur leeren Chiffre wurde. Trotzdem hält das Gaukelspiel um Volksherrschaft, Diversität und Emanzipation an. Denn die Steuerzahler sollen nicht erkennen, dass sie stets Untertanen der Triade aus Religion, Aristokratie und Superreichen waren. „Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie. Weil die Völker die nackte Herrschaft des Reichtums nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen“, stellte Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi im 20. Jahrhundert fest. Die Plutokraten von heute seien mächtiger als die Aristokraten von gestern. Der Gründer der „Paneuropa-Union“ beliebte vom Thema abzulenken. Denn er selbst war adlig, seine Urahnen wurden für die Teilnahme am ersten Kreuzzug nobilitiert. Wie sieht die teuflische Architektur hinter Snowdens Unterdrückungssystem aus? Sie ist zu identifizieren. Denn während die Eliten Oppositionelle auslöschten, betonten sie ihre Abstammung. Die Spuren sind in Ahnentafeln erhalten. Werden sie zusammengefügt, entsteht eine alternative Geschichtssicht, in der jene hervortreten, die den Zustand der Welt verantworten. Der Band stellt Narrative zur Diskussion, die Historiographen unterschlagen. Sein Inhalt basiert auf deutschen, englischen, französischen, spanischen und italienischen Literaturquellen, ist völkerübergreifend. Zitate sind erkenntlich. War Content nicht wörtlich zu übersetzten, wurde er sinngemäß wiedergegeben. Um Quellen vor Zensur zu schützen, wurde auf Literaturhinweise weitgehend verzichtet. Um zu zeigen, was Folgegenerationen der Eliten heute unternehmen, werden Sprünge in die Gegenwart unternommen. Sie sind kursiv hervorgehoben und zeigen, dass Religion, Aristokratie und Superreiche seit „ewiger Zeit“ an den Hebeln der Macht sitzen, um auf Kosten von Menschen und Natur Reichtum anzuhäufen. Sie zeigen, dass die Völker der Welt seit Jahrhunderten auf der Stelle treten - allen Reden um Freiheit, Emanzipation, Demokratie, Diversität oder Menschenrechten zum Trotz. Die Ereignisse um die Covid-19-Pandemie reihen sich auf beunruhigende Weise in diese Szenerie. Aus welchen Clans besteht die Architektur des Bösen? Wie lauten die verbotenen Narrative, die seit langem im Giftschrank der Historie verstauben? Wie steht es um „unsere Demokratie“? Weil Generationen von Päpsten den barbarischen Weltzustand mitzuverantworten haben, bietet es sich an, die unerwünschte, unterdrückte, ja verbotene Sicht auf die Geschichte mit einem „Stellvertreter Gottes auf Erden“ zu eröffnen.

Schwule Seilschaften im Vatikan.

Der letzte Februartag 2013 in Italien war kalt und bewölkt. An dem Donnerstag zeigte sich in Rom die Sonne nur selten. Menschen und Medien beschäftigt der Einschlag eines Meteors im russischen Ural. Er erzeugte einen Lichtblitz so hell wie die Sonne. Einige Jahrhunderte hätte das Ereignis als „göttliches Zeichen“ gegolten. Denn ab dem nasskalten Donnerstag in einer Woche hatte die Welt eine neue Schlagzeile: Die Demission von Benedikt XVI. Erstmals seit dem Mittelalter hatte wieder ein „Heiliger Vater“ sein Pontifikat niedergelegt. Der Deutsche sagte zu seinem Abschied, angeschlagene Gesundheit sei Grund für seine Entscheidung. Das war nur die halbe Wahrheit. Er legte sein Amt auch deswegen nieder, weil er geheime Ermittlungen zu Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen losgetreten hatte. Nachdem sich die bestätigten, entließ er 384 Priester. Dann erreichten ihn Morddrohungen und erst dann entschied er sich zum Rücktritt. Das Thema schwelte schon, als Benedikt noch Joseph Kardinal Ratzinger hieß. Klagen über Geistliche, sich an Minderjährigen in Schulen, Internaten oder Kirchengemeinden vergangen zu haben, häuften sich seit der Jahrtausendwende. Die Kirche räumte dies zwar ein. Sie versetzte die Beschuldigten, beließ sie aber im Amt. Weder Gemeinden noch Polizei wurden über Hintergründe informiert. Am neuen Ort vergingen sie sich weiter an Knaben. 2005 wurde Ratzinger Papst und Opfer forderten lauter strafrechtliche Verfolgung. Aber Diözesen blockierten. Ihr Credo: Täterschutz vor Aufklärung. Angelo Sodano, zweithöchster Mann im Vatikan, redete 2010 vom „Geschwätz des Augenblicks“. Da hatten Benedikts Ermittlungen bestätigt, dass die Fälle die Spitze des Eisbergs waren. Er reagierte mit der Entlassungswelle. Dann fanden Dokumente aus seinem Schreibtisch den Weg in die Medien. Darin wurden nicht nur die Vatikanbank kritisiert, sondern Details seiner Untersuchung bekannt. Der Vatikan sprach von Vatileaks. Es hieß, dass es in dem Zwergstaat zu „intimen Begegnungen zwischen Männern der Kirche“ gekommen sei. Homotreffpunkte seien eine Villa außerhalb Roms, eine Sauna im Vorort „Quarto Miglio“ sowie ein Schönheitssalon im historischen Zentrum. Damit nicht genug. Im Vatikanstaat existiere „eine versteckte homosexuelle Lobby“. Die stand hinter dem Mordkomplott gegen Benedikt, von dem er im Herbst 2012 erfahren hat. Unbeeindruckt lud der 85-jährige 400 Kardinäle zu einer Synode ein. Er hatte vor, in Rom mit seinen Botschaftern darüber sprechen, „wie jene, die sich von der Kirche entfernt haben“, zurückzugewinnen seien. An sie appellierte er, „der Befreiung der Völker, wie der Bewahrung der Schöpfung die Würze des Evangeliums zu verleihen.“ Zudem stand eine Heiligsprechung auf der Agenda. Der Papst erhob eine Bendediktineräbtissin aus dem zwölften Jahrhundert zur Kirchenlehrerin. Das Zittern in der Stimme war seinem Alter geschuldet, nicht den Morddrohungen, die ihn anonym erreichten. Hildegard von Bingen war die vierte Frau, der so gehuldigt wurde. „Visionen nehmen mein Sein ein. Mir erscheint alles in mystischem Geist.“ Die Mystikerin war wach „für die Zeichen der leidenden Kirche ihrer Zeit, die geschlagen war durch die Sünden der Priester und Laien“, erklärte Benedikt. So umschrieb er das Fehlverhalten Geistlicher, das die Kirche in eine Existenzkrise stürzte. „Um Missbräuche zu bekämpfen, hatten Katharer eine radikale Reform vorgeschlagen“, sagte der Papst. Von Bingen hielt ihnen vor, die „Natur der Kirche“ zu verändern. Die Kanonisierung warf Fragen auf.

Kirchenkrieg gegen Gesellschaftsalternativen.

Um was für eine Bewegung handelte es sich, und auf welche Sünden des Klerus bezog sich der Pontifex Maximus? Was meinte Hildegard, wenn sie sagte, die Katharer beabsichtigten, die „Natur der Kirche“ zu ändern? Warum setzte der Papst nach über 800 Jahren das Thema auf die Agenda? Benedikt wies auf eine Gruppe Utopisten hin, die im Mittelalter eine Revolution auslöste. Die Katharer boten Gläubigen eine Alternative zur Kirche, deren Dogmen schon damals die Gesellschaft prägten. Im Orient gestiftet, gelangte die Bewegung über den Balkan, Italien, Frankreich bis in die Niederlande, Deutschland und Osteuropa. Die Katharer wurden Papst-Gegner. Beide Kulte kämpften um die Deutungshoheit. Die Kirche diffamierte, folterte und verbrannte die Dissidenten. Trotz neun Millionen Opfern überlebten sie. Denn Aristokraten in Oberitalien, Südfrankreich und Katalonien gaben ihnen Zuflucht. Ihre Lehre: Es gebe eine gute und böse, eine lichte und finstere Welt. Im Gegensatz zu Priestern führten sie wie Jesus ein Leben in Armut - Anfangs zumindest. Allmählich blühten Varianten wie die Waldenser oder Bogomilen auf. Unter dem Schutzschirm einiger Aristokraten entstand ein Schattennetzwerk, das mit der Kirche konkurrierte. Dies hatte Benedikt bei der Heiligsprechung benannt. Er nutzte die letzte Synode unter seinem Vorsitz, um auf die ins Vergessen geratene Weltreligion hinzuweisen. Doch auch die Dissidenten widerstanden Versuchungen nicht lange. Dogmen wie Gewalt- und Besitzlosigkeit oder die Ablehnung der „Fleischeslust“ verkehrten sich mehr und mehr ins Gegenteil - wie bei den machtsüchtigen Päpsten seit jeher.

Verbotene Narrative 1099 bis 1199

Päpste ohne Skrupel, Mätressen, Geldgier.

Hier einige Highlights aus der Liste päpstlicher Fehltritte bis zum Beginn des ersten Kreuzzugs. Sabinianus verkaufte 606 in einer Hungersnot Weizen aus Kirchenbeständen zu Wucherpreisen. 276 Jahre darauf zettelte Johann VIII eine Verschwörung an, seine Verwandten vergifteten ihn. Doch weil das Gift nicht schnell genug wirkte, erschlugen sie ihn mit dem Hammer. Der erste Papstmord. Auch Sergius III ließ seinen Vorgänger beseitigen, vergnügte sich ab 904 mit Mätressen. Johann XII funktionierte 60 Jahre später gleich den ganzen Lateran zum Bordell um. Johannes Gratianus Pierleoni stammte aus einem hebräischen Elternhaus. Er kaufte Benedikt IX die Papstwürde gegen Bares ab und kam alias Gregor VI auf den „Heilgen Stuhl“. Nepotismus, Korruption, Gier und Begierde gehörten immer zur Kirche. 1000 Jahre früher wurden in Indien, China oder im Nahen Osten Religionen „am laufenden Band“ ins Leben gerufen. In ihnen gerieten Kult, Magie und mystische Riten heidnischer Lehren aus Babylonien, Ägypten oder Syrien in Kontakt mit dem Judaismus - später dem Christentum und dem Islam. Der ist die jüngste der drei großen monotheistischen Religionen in der Welt. Ihr Prophet hieß Mohamed und verkündete ab 611 einen Kult ohne dogmatisches Mysterium. Sein Mantra: Gott hat das Universum erschaffen, er erlöst nicht, er regiert. Es gehe nicht darum, mit ihm eins zu werden, sondern zu gehorchen. Der Mensch erfahre seinen Willen durch den Propheten und habe die Koran-Gebote zu erfüllen. Mohamed steht in einer Reihe mit Adam, Abraham, Moses und Jesus. Neben den Lehren existiert der Hadith, der über die Taten des Sehers berichtet. Die Bücher regeln das muslimische Leben. So sind Götzenanbetung, Wucher und Glücksspiel verboten, Stolz ist eine Sünde. Kurzum: Die Existenz im Diesseits sei Prüfung für das wirkliche Leben im Jenseits. Nur die Guten und Gehorsamen werden Eingang ins Paradies finden. Aus Arabien dehnte sich die Lehre nach Pakistan, über Nordafrika bis hinein in die iberische Halbinsel aus. Wichtigste Städte der Muslime in Spanien waren Córdoba, Granada, Sevilla und Toledo. Sie waren im Gegensatz zu anderen Orten in Europa gepflastert, hatten Märkte, Krankenhäuser oder öffentliche Bäder. Sie waren überdies für ihre Bibliotheken und Universitäten bekannt. Im Schlepptau des Islams erreichten Hebräer die iberische Halbinsel. Fast die Hälfte der Israeliten verließ wegen Überbevölkerung die Heimat ins Maurenland. Abgesehen von wenigen Aufständen gegen die Minorität, brach für sie eine Zeit von Frieden und Prosperität an. Im elften Jahrhundert stand das sephardische, also hebräische Judentum in der Blüte. Eines der frühesten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit und arabischer Kultur war Córdoba. Judaismus, Christentum und Islam bestanden, andere Kulte erlebten dagegen eine Blütezeit und verschwanden wieder.

1098: Tödliche Pilgerfahrten zum „Heiligen Grab“.

Das Schicksal beabsichtigte die römisch-katholische Kirche der orthodoxen Schwesterkirche in Byzanz durch den ersten Kreuzzug zu ersparen, obwohl beide Kulte seit ihrer Spaltung vor 40 Jahren eigene Wege gingen. Von der Trennung profitierten die Türken. Sie eroberten Jerusalem, dann das byzantinische Antiochia. Folge: Pilgerfahrten in die „Heilige Stadt“ wurden tödliche Abenteuer. Graf Robert von Flandern geriet 1089 auf einer Pilgerreise dorthin in Scharmützel. Auf Bitte von Alexios I in Byzanz rief Papst Urban II sieben Jahre später Kaiser, Könige und Fürsten aus England, Frankreich, Deutschland zur militärischen Invasion auf. Ihr Auftrag war es, in Palästina „Christis Grab“ zu befreien. Das Oströmische Reich hatte es durch römisches Staatswesen, griechische Kultur und christlicher Religion zur Blüte gebracht. Die welkte und drohte vollends zu verblühen. Im Süden Italiens attackierte Robert Guiscard das Reich. Er wurde Herzog von Apulien. Sein Bruder eroberte Sizilien. König Roger I tolerierte Griechen wie Araber gleichermaßen. Beide übten ihren Kult in Kirchen und Moscheen aus, Handelsprivilegien blieben bestehen. Selbst Rogers Infanterie war „orientalisch“. Chronist Anselm von Canterbury über das Heer: „Die braunen Zelte der Araber sind nicht zählbar.“ Nun waren die Türken in Ägypten eingefallen. An Sultan Aip Arsan hatte schon Alexios Vorgänger Armenien verloren. Außenposten von Byzanz, das sich einst von Dalmatien über den Balkan, die arabische Halbinsel bis nach Nordafrika erstreckte, waren nicht zu halten. Das Reich geriet an allen Fronten unter Druck. Alexios stand der orthodoxen, also rechtgläubigen Ostkirche vor. Wenn sie nicht mit der Papstkirche im Clinch lag, forderte sie Andersgläubige im Innern heraus. Wie in Mazedonien entluden sich die Spannungen oft in Meuchelmorden, an denen Alexios beteiligt war. Erst kürzlich hatte er den Gemeindechef der Bogomilen zu einem Treffen an seinen Hof nach Konstantinopel zitiert. Er wolle das Programm der Politaktivisten kennenlernen, behauptete, Mitglied zu werden. Tatsächlich aber ließ er das Gespräch mit Basileios und dessen Delegation mitschreiben. Ihm waren deren frevlerische Positionen bekannt. Nach dem Treffen klagte er die Gäste an. Sie wurden zum Tod verurteilt und verbrannt. Verkehrte Welt: Gegenüber Robert von Flandern erwähnte Alexios, dass „Gräueltaten von Heiden an Christen“ seinen Ruf nach Militärhilfe veranlassten. Urban köderte die Teilnehmer mit Versprechen. Sie erwürben „nie welkenden Ruhm im Himmelreich“. Außerdem wolle er ihnen vergangene wie künftige Sünden vergeben. „Gehe auf zum heiligen Grab, entreiße dem bösen Volk das Land, überlasse es dir selbst“, forderte der Pontifex. „Gott will es“ wurde zum Schlachtruf. Seinem Appell folgten nicht nur Ritter, sondern ebenso Diebe und Verbrecher. Der Aufbruch des Heers bietet sich an, um erste Clans zu identifizieren. Sie stehen mit dem Papst im Zentrum der diabolischen Architektur. Darunter etwa der des Grafen von Flandern, dessen Blutlinie bis ins französische Königshaus und das Herzogtum Sachsen reicht. Raimund von Toulouse und Gottfried von Bouillon verliessen ihre Grafschaften. Ebenso schloss sich der Graf von Orange Rimbaud II zum Unmut seiner Gattin Adelaide von Anjou an. In Italien folgten die Seerepubliken Venedig und Genua Urbans Aufforderung, eine Flotte für den Feldzug zu rüsten. Sie forderten für ihre Dienste in den eroberten Regionen Handelsprivilegien. In ihrem Schlepptau: Ottone Visconti aus Mailand in der Lombardei. Die normannischen Ritter scharten sich um Bohemund von Tarent. Alexios Intimfeind trieb ein doppeltes Spiel. Er hatte vor, ein Fürstentum zu gründen. Am Feldzug nahmen neun Chronisten teil. Sie setzten die Ereignisse für ihre Auftraggeber ins rechte Bild.

Erster Kreuzzug: Blutgerichte auf dem Weg in den Orient.

Zu Konfrontationen kam es schon auf dem Weg nach Palästina. In Nordgriechenland massakrierten die christlichen Ritter erstmals Andersgläubige: Muslime, Israeliten oder orthodoxe Christen. Von nun an eilte ihnen ein barbarischer Ruf voraus. In Konstantinopel folgten Verstimmungen, denn Hasardeure plünderten die Kirchen von Alexios. Mehr war Byzanz Kaiser aber die Idee fremd, nach der die „Ritter Werkzeuge einer gottgewollten Heilsgeschichte“ seien. Er beeilte sich, die Truppen auf die asiatische Küste überzusetzen. Auf dem Weg in die „Heilige Stadt“ metzelten die christlichen Ritter dann weitere 20000 Muslime dahin. Vor dem Blutgericht hätten die Araber ihren dreiköpfigen Gott „Baphomet“ angerufen, so berichtete es Anselm von Ribemont. Er kämpfte an Bohemunds Seite, der Antiochia zum Fürstentum erhob. Seine Entscheidung war kalkuliert, endete hier doch die „Seidenstraße“. Die zehntausend Kilometer lange Karawanenroute verband China mit Europa, war für sagenhaften Reichtum legendär. Gegenwärtig wird an deren Neuauflage gebaut. Startort der Alten war die chinesische Hauptstadt Chang’an. Die Metropole war kosmopolitisch, freie Religionsausübung erlaubt - ob Christen, Manichäer, Muslime, Juden und Zarathustrer. Hinter den Stadtmauern lebten eine Million Menschen, viele waren Kaufleute aus dem Ausland. Bis Seide, Porzellan, Gewürze oder Pelze im Orient ankamen, vergingen Jahre. Von Antiochia aus wurden die Waren über Armenien nach Konstantinopel, dann weiter in Richtung Amalfi, Venedig oder Genua verfrachtet. Mitten darin saß Bohemund und träumte von rosigen Zeiten und Gewinnen. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wer das Sagen hatte, griff er zu einer Schocktaktik. Er ließ Muslime „aufspiessen und bei lebendigem Leibe verbrennen“. Es kam sogar zu Kannibalismus. Sünde hin oder her. „Bluttrinken und Fleischessen von Feinden“ war seit jeher eine Möglichkeit, die Stärke des Gegners zu nutzen: „Wer das Blut des Menschen trinkt, wird dem Göttlichen nähergebracht“, hieß es. Die heidnische Idee lebte in den Opfergaben der Eucharistie weiter. Hier wird Christus Leib symbolisch verspiesen, sein Blut getrunken. Das Ritual vereinige Gläubige mit Gott. Fakt ist: Jesus hat keines der sieben Sakramente eingesetzt, wie es in den Dogmen der Kirche steht und wie sie es ihre Mitglieder verpflichtet, zu glauben. Mit der Eucharistiefeier war für Bohemund aus dem Anjou-Clan der Kreuzzug zu Ende. Er war Fürst von Antiochia und gab allen Versprechungen zum trotz Alexios sein Territorium nicht zurück.

Christliche Handelskolonie.

Raimund von Toulouse, der mächtigste Adlige Frankreichs nach dem König, führte die Heere weiter in Richtung „Heilige Stadt“. In Maarat an-Numan 600 Kilometer nördlich von Jerusalem folgte das nächste Massaker: 8000 wurden abgeschlachtet. Was sich anschloss, berichtete einer der Kommandeure. „Eine Hungersnot erschütterte die Armee und brachte sie in die grausame Notwendigkeit, sich von Leichen der Sarazenen zu ernähren.“ Dies war der einzige Hinweis auf Menschenfresser. Der Blutrausch wurde mit Nahrungsknappheit gerechtfertigt. Indes führen meteorologische Aufzeichnungen aus der Zeit keine Hungersnot auf. Wie dem sei. In weiten Teilen Europas zumindest hatte der Kreuzzug schon 1098 Nahrungsnot ausgelöst und das christlich-jüdische Verhältnis belastet. Es kam zu Pogromen. Dabei wurden Gemeinderäte früher hebräischer Siedlungen etwa in Mainz, Worms und Köln ermordet - konkrete Opferzahlen sind nicht zu ermitteln. Zehn Jahre nach Maarat an-Numan hatte Radulf von Caen neue Details vom Massaker: „Unsere Truppen haben heidnische Erwachsene in Kochtöpfen gekocht, Kinder aufgespießt und sie gegrillt verschlungen“. Gibert de Nogents zitierte aus einem Augenzeugenbericht. Der Chronist sprach von Kannibalismus durch die Tafur. Eine Truppe barfüßiger Pilger, deren König der normannische Ritter Tafur war. Er führte eine „militärische Schocktruppe“ an. Die Tafur zerstückelten, rösteten und aßen die Gegner. Der Hochadel habe das Schauspiel genossen. Sie entwickelten sich von einer Bruderschaft zum Lehensverband. Trotzdem verlor sich ihre Spur in der Geschichtsschreibung sofort. Den Terror-Topos hingegen belasteten Propagandisten immer wieder. Raimund erreichte 1099 Jerusalem. Nach verlustreichen Kämpfen war die Stadt erstürmt. Allein in einer Nacht wurden 3000 Muslime, Hebräer sowie koptische und syrische Christen getötet. Ottone Visconti erschlug einen arabischen Adligen, brachte im Chaos dessen Wappen an sich. Das Motiv darauf: Eine menschenvertilgende oder -ausspeiende Schlange. Das Erkennungszeichen schmückt den Clan bis heute. Die Viscontis werden mächtigster Stützpfeiler von Kirche und Königen, die ihrerseits im Zentrum der diabolischen Architektur stehen. Weiter mit der „Heiligen Stadt“. Der Eroberung fielen nach muslimischen Quellen 70000 Menschen zum Opfer, christliche beziffern sie auf 10000, jüdische wissen von 3000. Lothringens Herzog Gottfried von Bouillon wurde Regent des Königreichs. Sein Wappen: Das rote fünffache Jerusalemkreuz. Er verstarb. Der Titel wurde Raimund angeboten. Der Graf aus Toulouse lehnte ab. Begründung: Er wolle sich dort, wo der „Heiland einst eine Dornenkrone“ getragen habe, nicht mit einer goldenen Krone schmücken. Jerusalems erster Patriarch war derweil in Palästina eingetroffen.

1099: Königreich Jerusalem wird Papstbesitz.

Dagobert von Pisa kam an Bord einer Piratengaleere, die auf dem Weg die zu Byzanz zählenden Inseln Korfu und Zypern ausgeraubt hatte. In der „Heiligen Stadt“ setzte er die Konfrontation fort. Das neue Königreich sei „Patrimonium der Kirche“, gab er Gottfrieds Bruder zu verstehen. Balduin wurde in Betlehem nur inthronisiert, weil er ihn im Gegenzug zum Patriarchen erhob. Erst dann empfing er von ihm das Lehen. Anders ausgedrückt: Der „Heilige Vater“ wurde sein Oberlehnsheer. Im Anschluss wurde es kriminell. Papst Pascal II hatte eine Klage wegen eines Mordkomplotts Dagoberts gegen Balduin fallen lassen. Nun erhielt Pisa eine Spende. Roger I sandte ihm 1000 Gold-Byzantiner. Jeweils ein Drittel davon war für die „Kirche zum Heiligen Grab“, das „Hospital des Heiligen Johannes“ und zur Heeresversorgung vorgesehen. Der Patriarch behielt die Goldmünzen für sich. Eines Tages erkundigte sich Roger, was denn aus den Geldern wurde. Dagobert spielte auf Zeit. Daher ließ der Normanne das Schatzamt durchsuchen. Die Beamten fanden 20000 Gold-Byzantiner, darunter die Spende. Eine Synode in der Grabeskirche entschied seine Absetzung. Nachfolger wurde Ghibelin von Arles, da hatte Balduin die Herrschaft Edessa in Armenien seinem gleichnamigen Vetter überlassen. Raimund von Toulouse errichtete im heutigen Libanon die Grafschaft Tripolis und wurde Chef des Lehens. Damit herrschte eine christliche Elite im Orient. Ihre Burgen sicherten die Wirtschaftsströme. Venedig und Genua erhielten für ihren Einsatz Stützpunkte in Akkon und Tyrus. Das Netzwerk bot sich zudem zum Pilgerschutz an. Die strömten auf dem Landweg entlang der Donau über den Balkan in das religiöse Epizentrum. Immer wieder lauerten sie Wegelagerer auf, Überfälle waren Alltag. Die Ritter sollten die Wallfahrenden schützen. Die meisten verabschiedeten sich nach Europa. Die Pilger blieben zurück. 1108 plante Bohemund die Invasion von Byzanz. Er hatte Genua eigene Gerichtsbarkeit zugestanden. Die Republik revanchierte sich, schickte ihm Galeeren und forderte ihre Landsmannschaft in Byzanz auf, Bohemund zu unterstützen. Der Fürst hatte in seiner Rechnung Venedig außen vor gelassen. Sie eilten Alexios erfolgreich zur Hilfe. Ihre Prämie waren die Städte Durazzo im heutigen Albanien und Pera bei Konstantinopel. Die Venezianer wurden in Sachen Handel exklusiver Partner Deutschlands, die Verträge garantierte Lothar III Herzog von Sachsen. Er engagierte zudem Experten aus der Lagunenstadt für sein Silberbergwerk im Harz, um „Geld- und Handelssachen in Schwung“ zu bringen. Zehn Jahre darauf traf Kreuzfahrer Hugo von Payns aus Jerusalem im oberitalienischen Fürstentum Seborga ein - bis heute kleinstes autonomes Staatsgebilde weltweit. Der Abt des Zisterzienserklosters hatte ihn und acht seiner Brüder zu sich gebeten. Eduard von Seborga war nicht nur Klostervorstand, sondern gleichzeitig Chef des Fürstentums. Er schlug seine Gäste zu den „Rittern von Sankt Bernhard“. Dann kehrte Payns in den Orient zurück. Hier war es zu dem gekommen, was absehbar schien. Um Ostern 1119 wurden christliche Pilger Opfer eines Überfalls von Wegelagerern. Dutzende verloren ihr Leben. Geschockt schlug der Kreuzfahrer eine Miliz zum Wallfahrerschutz vor.

1119: Tempelritter in „Al Aksa Moschee“.

Payns und seine acht Ritter gründeten den Orden „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“. Jerusalems König Balduin II wies ihm einen Flügel im Palast auf dem Tempelberg zu: Die „Al-Aksa Moschee“. Daher der Name Templerorden. Vor dem neuen Patriarchen der Stadt gaben die Ritter ihr Gelübde. Wie Mönche verpflichteten sie sich zum Leben in Armut und Keuschheit. Zudem legten sie sich auf, alles zu unternehmen, um Pilger gegen Überfälle zu sichern. Die Brüder stellten das erste stehende Heer der Geschichte auf. Payns reiste zur Mitgliederwerbung ins Abendland, in dem die Chrnisten-Propaganda wirkte. Anekdoten über Heldentaten und Blutgerichte waren überall zu hören. An Freiwilligen herrschte kein Mangel. Größten Erfolg hatte Payns in seiner Heimat Frankreich. Der König bewilligte ihm einen Minister. Pagan von Montdidier führte im „Temple“ in der Pariser Zentrale die Geschäfte. Beide teilten sich die Arbeit. Payns besuchte eine Tagung in Italien, seinen Kollegen zog es nach Schottland und England. Ihm wurden Ländereien geschenkt, in London eröffnete er eine Zweigstelle: Die „Temple Church“. Im Fürstentum Seborga setzte sich Payns unterdessen mit Ordensregeln auseinander. Bernard von Clairvaux war aus seiner Abtei zwischen Troyes und Chaumont in Frankreich angereist. Der Zisterzienser hatte sie vor kurzem gegründet. Er begrüßte Hugo, den Meister der Ritterschaft Christi mit „Kämpfe den guten Kampf!“. Er hatte gleich einen Widerspruch im Ordensnamen zu klären: Ritter in Mönchskutte. Für Clairvaux kein Problem. Die Brüder stünden für ein „neues Rittertum“, das sich nach 72 Regeln richte. Der Orden lebe ohne Frauen, Kinder und Besitz. Nie seien Ritter müßig, sondern setzten Waffen oder Kleider in Stand. Die ganze Gemeinschaft „sei ein Herz und eine Seele - so daß ein jeder dem Befehlenden“ gehorche. So solle die „Einheit des Geistes im Band des Friedens“ gewahrt werden. „Wem steht es besser an, als denen, durch deren starke Hand Zion, unsere befestigte Stadt gehalten wird?“ Clairvaux stellte die Grundsätze vom „Heiligen Krieg“ auf, um das blutige Handeln zu rechtfertigen. „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen.“ Wenn er töte, nützte er Christus. Das erste Gebot der eigenen Kirche hatte er verdrängt. Künftig galt „Sterben für den himmlischen Herrn als ritterliches Ideal.“ Der Abt wurde päpstlicher Chefpropagandist und feuerte den Rausch für Kreuzzüge weiter an. Der Deutsche Orden formte sich ebenfalls nach dem Vorbild der Templer zur militärischen Ritterloge um, engagierte sich beim Schutz der Wallfahrenden. Bedeutender waren die „Ritter des Ordens des Heiligen Johannes von Jerusalem.“ Den Impuls für die Gründung gaben Italiener aus Amalfi. Die Seerepublik stritt mit Venedig und Genua um die Handelsvormacht. Amalfi hatte der Konkurrenz einst mit Standorten in Córdoba, Kairo und Konstantinopel ein dichtes Handelsnetz voraus. So wurde es zur Drehscheibe zwischen Orient und Okzident: Holz und Sklaven wurden in Ägypten gegen Gold getauscht, mit dem Baumwolle oder Seide aus China gekauft wurde. Um 1070 erkannten Händler die Rolle des Jerusalemer Joahnnes-Hospitals. Denn hier fanden Pilger medizinische Hilfe und moralischen Zuspruch. Die Entstehung verdankte es „einem reichen Patrizier aus Amalfi mit Namen Maurus“, so Chronist Amatus. Ein normannischer Kollege datierte die Gründung auf 1071. Eben diese Klinik schützte der „Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem“. Die „Hospitaliter“ wurden autorisiert, Pascal II gewährte ihnen eine eigene Gerichtsbarkeit und Regierung inklusive Botschaftern. Der Orden wurde zum Staat. Die Aufnahme geschah auf Empfehlung. Bei der Rekrutierung entwickelten die Ritter eine Vorliebe für Aristokraten.

Handelsmächte Genua und Venedig.

Denn der noble Nachwuchs brachte Mittel für Waffen mit. Wegegelder gehörten ebenso zu den Privilegien. Kaufleute, die Wege durch ihren Besitz nutzten, hatten Zoll zu entrichten. Andere Quellen zur Finanzierung: Spenden, Kriegsbeute und Sklavenhandel. Konkurrenten, aber immer wieder Alliierte: Die Seerepubliken Genua und Venedig. Die Beziehungen der Lagunenstadt in den Orient reichten ins achte Jahrhundert zurück. Schon damals wurden christliche Sklaven im- und orientalische Waren exportiert. Im Gegenzug für Militärhilfe trat Byzanz an Venedig Kroatien und Dalmatien ab. Die einst waldreichen Gegenden wurden Grundlage für ihren Schiffsbau. Inzwischen hatten die Venezianer Handelsprimus Amalfi den Rang abgelaufen. In der Lagunenstadt wie in Genua lag die Macht in den Händen der Aristokratie, an deren Spitze der Doge stand. Beide Republiken wurden Kolonialmächte, besaßen an Marokkos Atlantikküste Sale und Safi bei Marrakesch. Von hier gelangten Sklaven auf die Kolonie Chios. Die Insel vor der Küste der Türkei war größter Sklavenmarkt in der Ägäis. Ein Profitbringer - ebenso wie Gewürze, Fisch, Nüsse und Kaviar von der Krim. Auf der iberischen Halbinsel kontrollierte die Republik Genua in Lissabon, Cadiz oder Malaga die Herstellung von Olivenöl, Wein, Seife und Quecksilber. Die Mine von Almadén 180 Kilometer nördlich von Córdoba war eines der größten Zinnobervorkommen weltweit. Schon damals bauten Sklaven das giftige chemische Element für ihre italienischen Herren ab. Genutzt wurde es zur Silbergewinnung und für Legierungen. Alchimisten experimentierten ebenfalls mit dem silbrigen Stoff. Bis zur Aufgabe 2003 wechselte die Mine immer wieder die Besitzer darunter der Fugger- und Rothschild-Clan. Bis dahin wurden hier über 250000 Tonnen Quecksilber gefördert. Wie Genuas und Venedigs Handelsnetz expandierte das Reich der Tempelritter: Portugal, Katalonien, Leon, Aragón, die Provence bzw. das Languedoc. In der Dauphiné wurde in Richerrenches eine der ersten Komtureien gegründet. Sie betrieb Mühlen und Bäckereien, verpachtete Land. Es folgten Filialen in Ivrea und Mailand in der Lombardei - dem Rebellenzentrum Europas. Seit Antiochias Fürst Bohemund auf dem Weg nach Palästina in Pelagonia in Mazedonien Station einlegte, beschäftige ihn das Thema. Die Stadt werde fast nur von Kirchengegnern bewohnt, so der Ritter. Hierher kämen die Bewegungen, die „nicht nur den Papst, sondern den Fortbestand des Christentums überhaupt in Frage stellen“, hat der Schwager von Frankreichs König erfahren. Aber „Heimat der Häresien“ sei der Orient. Darunter der Manichäismus. Der 216 geborene Perser Mar Mani stiftete die Religion in Bagdad. Da war Roms Kaiser Mark Aurel dabei, sich zum Gott zu stilisieren. Gerade wurde ihm auf dem ältesten Gründungshügel der Stadt ein Tempel gebaut: Das Elagaballium.

Beseelte Stelen, Götzenanbetung, Bundeslade.

Von hieraus wachte er als „Baal von Emesa“ über Rom. Hierher wurde ebenfalls die „beseelte Steinsäule“ aus dem syrischen Emesa gebracht. Der Sonnen- und Säulenkult kam ursprünglich mit Seefahrern aus dem Norden. Die sagenumwobenen Atlanter brachten ihn in den Orient. Aurel kopierte originalgetreu. Zum Gottesdienst kamen Oberpriester jeden Tag vor dem Altar zusammen. Einmal im Sommer führte Roms Kaiser außerdem eine Prozession vom Tempel auf dem Palatin zum zweiten, weiter außerhalb der Stadt gelegenen Bethaus an. Opfergaben waren Tiere und Wein. Mit dem wurde ihr Blut gemischt und getrunken, Kindsopfer waren bekannt. Im Römischen Reich löste sich der Kult nach Aurels Ermordung auf. Was hat es mit Baal auf sich? Der Gott tauchte erstmals unter Amenophis II auf. Der ägyptische Hohepriester lebte bis 1397 vor Christus und wurde Teil der Königsideologie. In der Bibel bezeichnet Baal Lokalgottheiten. Bei der Invasion Kanaans 150 Jahre darauf waren Juden mit dem Kult in Kontakt gekommen. Die Philister übten ihn aus. Wie bei dem Seefahrervolk aus dem Norden wurde die Anbetung von Götzen jüdischer Alltag. Baal Schamaim etwa war Herr des Himmels, der schaffende Gott, die Sonne. Moloch dagegen „war zerstörerisch und wurde als Saturn verehrt“. Die Heiden erhoben bei Riten die Hände. Sie tanzten um den Altar, ritzten sich mit Messern in die Haut. Im Glauben an die „sühnende Kraft des Blutes“ wurden Lämmer und Menschen geopfert. Azot war eine Fürstenstadt der Philister. Der Ort lag bei Gaza, hier wurde „Baal Dagin“ in einem Tempel verehrt. Hierher geriet die Bundeslade. Darin: Steintafeln, über den Bund, den Gott Jahwe mit „seinem Volk“ geschlossen habe. Kanaans Invasion schritt voran, Josua stand in Eben-Eser vor einer entscheidenden Schlacht gegen die Philister. Die Israeliten hatten hohe Verluste hinzunehmen. Zur Motivation wurde die Bundeslade herbeigeholt. Doch deren Präsenz änderte nichts. Die Hebräer wurden geschlagen, Überlebende retteten sich ins „gelobte Land Gilead“. Im Anschluss brachten die Sieger die Lade nach Azot. Im Dagintempel setzen sie den Schrein neben den Götzen. So wurde der Triumph über den Gegner gezeigt. Am Morgen darauf wurde Dagin ohne Kopf und Hände auf dem Boden vorgefunden. Es hieß, die Bundeslade habe den Philistern nur Unglück gebracht. Daher sei sie 200 Jahre lang herumgereicht worden. Zuletzt gelangte sie um 1000 vor Christus nach Kirjat Baal. Abinadab nahm sie in dem Dorf nahe Jerusalem entgegen. Hier verblieb sie für die kommenden 20 Jahre. So viel zu der Lade für den Moment. Weiter mit dem persischen Religionsstifter Mani. Er hieß Quirbakhar und war Mitglied jüdisch-christlicher Täufer. Ein „überirdisches Engelswesen“ hatte ihm im Alter von zwölf die Existenzfragen des Menschen beantwortet. Was geschah vor der Geburt, welche Aufgabe hat er auf der Erde und was passiert nach dem Tod? „Al Taun“ habe ihn zum Propheten erwählt. Er gab ihm den Namen „Mani“ - Kristall - und bestimmte ihn, seine Lehre zu verbreiten. Im Ringen um die Erlösung stünden sich Geist und Körper gegenüber. Der Herrscher über das Lichtreich schaffe die Welt mit Sonne, Mond und Sternen. Das Materielle hingegen gehöre zur Macht des „Fürsten der Finsternis“. Der niedere Gott im Alten Testament sei eifersüchtig, mitleidslos, dem Völkermord zugeneigt. Er habe den Menschen erzeugt und in Körper gesperrt. Der wiederum sei Werk des Bösen, nur die „Seele aus göttlichem Licht“ rein. Gläubige müssten das Satanische erkennen und es mit Christus überwinden. Vor dem Sieg über die Finsternis stehe die Erkenntnis. „Auserwählte“ - Electi - überlieferten der Gemeinde die Lehre, zu der heidnische Rituale gehörten. Nach dem Tod gelange nur die „Lichtseele der Electi ins Lichtreich“. Die Seelen anderer müssten zurück in das Reich der Dunkelheit. Der Religionsstifter pilgerte mehrfach nach Indien. Entscheidend für sein Schicksal waren zwei Perser-Könige. Der eine Schapur I tolerierte seine Thesen. Ihm widmete Mani sein erstes Werk „Schapurakan“. Darin lehrte er, dass der Geist Gottes in jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Tier gegenwärtig ist. Askese sei der Weg zur Erlösung. Die Manichäer lebten vegetarisch, gewaltlos und blieben Singles. Manis zweiter Schicksalsträger war Schapurs Nachfolger Bahram I. Er verfochte die zarathustrische Religion, die bis nach China reichte. Wann Zarathustra lebte, ist umstritten. Es war zwischen 1400 und 600 vor Christus, lehnte er doch den Mithraskult ab. Auch seine Lehre prägte der Kampf von einem guten und einem bösen Geist. Sie seien Zwillinge, durch deren Zusammenwirken die Welt bestehe. In die werde der Mensch „als vernünftiges Wesen frei geboren“. Nur er gelange durch freie Entscheidung und Einsicht zu Gott, dem „Weisen Herrn“, der die Welt auf Basis von Wahrhaftigkeit erschuf. Der Sieg des Guten erfolge am Tag des jüngsten Gerichts. Der Kult lehnte Opferhandlungen ab. Die ihrem Gott gewidmeten Zeremonien wurden um einen Feuer-Altar mit erhobenen Händen zelebriert, Lobpreisungen gesungen. Mani fiel an Bahrams Hof in Ungnade. Mit 61 Jahren wurde er gekreuzigt. Für seine Anhänger starb er den Märtyrertod, wie Jesus Christus.

Manichäismus auf weltweitem Siegeszug.

Die Bewegung wurde verfolgt, breitete sich trotzdem rasch aus. Italien ist geeignet, um einen Eindruck vom Tempo zu bekommen. Im Jahr 250 trat in Rom erstmals eine Splittergruppe mit Manis Gedankengut auf. Die Katharer - auf eben die bezog sich Papst Benedikt vor seinem Rücktritt. Im selben Jahr hatte Roms Kaiser Gaius Decius einen Bürgerkrieg mit einem Opfergebot beendet. Jetzt sollte ihm sein Volk Loyalität bekunden. Wer sich widersetzte, dem drohte Zwangsarbeit, Verbannung oder Tod. Hebräer entzogen sich durch alte Privilegien, Christen traf es härter. Denn für sie war das Opfergebot ein Glaubensproblem, viele verweigerten sich daher. So wurde die Obrigkeit auf die Minorität aufmerksam, Pogrome folgten. Der Patriarch der nordafrikanischen christlichen Kirche Cyprian floh gar aus dem Bischofssitz in Karthago. Hier wurden dem bärtig und mit Widderhörnern dargestellten Himmelsgott Baal Kronos Kinder geopfert. Ein Jahr darauf waren die Verfolgungen beendet. Im Anschluss wurde Cornelius zum Papst gewählt. Er entschied, vom Glauben abgefallene Christen nach einer Buße aufzunehmen. Die Bischöfe Cyprian und Novatian in Rom schlossen sich an. Nicht so die Katharer. Für sie war dies Todsünde. Die Kirche habe nicht das Recht auf Vergebung, sie seien auszuschließen. Ihnen gelang es, den Römer für sich zu gewinnen. Cornelius exkommunizierte ihn. Novatian reagierte, ließ sich zum Gegenpapst wählen. Fortan war die Kirche ein Jahrhundert lang gespalten. Die Anhänger des Bischofs in Rom folgten manichäischen Lehren, die sich in 20 Jahren über eine Distanz von 4000 Kilometer verbreitet hatten. Manis Thesen hatten im ganzen Westen des Römischen Reichs Fuß gefasst, erreichten durch die Seidenstraße selbst das Kaiserreich China. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts fand eine Expedition bei der Oase Turfan die einzigen im Original erhaltenen Manuskripte Manis. Ihr Eintreffen hier zeigte ein Charakteristikum der Lehre. Sie nahm unterschiedliche religiöse Strömungen auf. Christen, Juden oder Zarathustrer fanden vieles wieder, was sie aus ihrem Kult kannten. Vor allem aber „erklärte der Manichäismus wie keine andere Religion, was das Böse ist und wie es in die Welt kam.“ In China nahm sie buddhistische Dogmen auf. In Quan Zuo stand ein Tempel, in dem Manis Bild in Form eines Licht-Buddhas verehrt wurde. In einem Edikt aus 732 hieß es, die Lehre sei verkehrter Glaube. „Fälschlich nimmt sie den Namen des Buddhismus an und täuscht das Volk.“ Manis Kult war auf dem Weg zur vierten Weltreligion. Rom erkannte die bedrohliche Dynamik. Um den Zulauf zu bremsen, erklärte sie die Konkurrenten zu „Ketzern“. Katharer seien Gegner der „gottgewollten“, feudalen Gesellschaftsordnung. Manis Lehren schafften durch Händler und aus dem Orient heimkehrende Kreuzritter den Sprung nach Europa. Aus Bulgarien erreichten sie das Donautal und Ungarn. Über Italien setzte sich die Lehre in Frankreich fest, in Spanien fasste sie zuerst in Katalonien Fuß. Erste Gemeinden hatten sich in Flandern entlang der Brabanter Straße etabliert. Die West-Ost-Handelsroute verband die Städte Aachen, Köln mit Erfurt und Leipzig. In Deutschland tauchten die Katharer zuerst im Rheinland auf. Von hier gelangten sie stromaufwärts nach Mainz und Straßburg, stromabwärts in die Niederlande, landeinwärts in die Elbstädte. Schnell etablierte sich in Köln eine Gemeinde. Ihr Bischof predigte über zwei Gottheiten. Der gute Gott im Neuen Testament sei Schöpfer der unsichtbaren Sphäre. Der böse vom Himmel gefallene Engel Satanael aus dem Alten habe die sichtbare Welt kreiert, alle Himmelwächter verführt und in Menschenkörper gesperrt. Ihre Seelen seien in Luzifers „Gewand aus Fleisch“ gefangen. Um sie zum göttlichen Ursprung zurückzubegleiten, werde „Christus als Gesandter des Lichts in die böse Welt“ kommen. Bis dahin müssten sie sieben Mal auf diese zurückkehren. Nur die „Perfekten“ waren über die Lehre informiert. Im Gegensatz zur Papst-Konkurrenz führten sie ein asketisches Leben, anfangs jedenfalls. Abgesehen davon, dass Gläubige verpflichtet waren, die „Auserwählten“ zu unterstützen, unternahmen sie, was ihnen in den Sinn kam. Die Moral der Katharer war zweckmäßig. Nach ihrer Ansicht sei die „Ursache der Sündhaftigkeit ein Verführungszwang”. Sie führten die Entstehung der Sünde der einst guten Geister auf Satanaels Verführungskunst zurück, der deren „freie Willenskraft ausgschaltet” habe. Es war zwar „kein Frevel, Böses zu tun“, aber es solle vermieden werden. Fehltritte wurden durch die Geisttaufe vergeben. Das „consalamentum“ war einziges Sakrament der Katharer. Es nahm Gläubige in die Gemeinschaft der Eingeweihten auf. Was immer sie auf der teuflischen Welt getan hatten, der Ritus erlöste zu Lebzeiten davon. Ebenso lehnten die Andersdenkenden Beichten, Wallfahrten oder Ablässe ab. Das sorgte für Zulauf - die fehlende Drohung des Fegefeuers leistete ein Übriges. Erst durch einen Streit wurde die Kölner Diözese auf die rebellische Gemeinde aufmerksam.

1123: Kirchenopposition im Rheinland.

Everwin Probst aus Steinfelden informierte Calixt II. Der hieß ursprünglich Guido von Vienne und war Sohn des Grafen Wilhelm von Burgund. Bevor er Oberpriester wurde, war er Erzbischof von Vienne in Südfrankreich, dessen Territorium zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Weltlich war Guido Lehnsmann von Kaiser Heinrich V. An das Bistum Vienne hatte er kürzlich Grenoble, Viviers und Genf angegliedert, zudem Aix, Bourges und Narbonne. Als er von den Katharern erfuhr, schickte er Propagandist Clairvaux an den Rhein, um Maßnahmen einzuleiten. Ein öffentlicher Disput solle die Lehren aussöhnen - so das Ziel. Everwin moderierte. Teilnehmer: Adlige, Klerus, der Katharer-Bischof mit Anhang sowie Landvolk. Für das Volk war das Event im Hildebold-Dom Bildungsprogramm. Rede und Gegenrede zogen sich drei Tage. Der Dissident argumentierte mit den Worten Christi, Everwin mit denen des Papsts, der übrigens dabei war, den Zölibat einzuführen. Priestern, Mönchen und Nonnen wurde Sexualität verboten. Um nicht wie ein Frevler zu enden, verlangte der Bischof eine letzte Runde im Krieg der Psalme und Worte. Falls ihm dies verwehrt werde, wolle er eher sterben „als der eigenen Lehre untreu“ zu werden. Adlige und Klerus waren empört, aus Anschuldigungen wurde Hetze. Die Menge geriet in Bewegung. „Von uns angestiftet“, so Everwin selbst, habe ein der „Worte müdes Volk die Justiz in die Hände“ genommen. 1123 starben erstmals auf deutschem Boden Dissidenten im Feuer eines Scheiterhaufens. Die Geistlichen griffen nicht ein, sondern verfolgten das Schauspiel wie gelähmt. Die Lynchjustiz führte bei den Opfern nämlich nicht zur Panik. Sie schritten vielmehr mit Begeisterung in den Feuertod. Mehr noch: Sie rezitierten dabei eigene Psalme. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Gemeinde vom Verlust ihres geistlichen Oberhaupts erholt haben wird. Calixt II verstarb kurz darauf. Zeitgleich tauchten Katharer in Frankreich auf. Ludwig VI war zwar König, aber seine Krondomänen beschränkten sich auf die Île-de-France mit Zentren in Paris und Senlis. Hier hatte er das Sagen. In der Normandie im Norden, der Champagne im Osten, der Bretagne im Westen oder im Süden in der Provence und Okzitanien betrieben Fürsten wie Raimund von Toulouse ihre eigene Politik. Hier verbreiteten Wanderprediger Peter von Bruys oder Heinrich von Lausanne ähnliche Ideen wie Mani. Die Lehre hatte sich angepasst. Beide verwarfen Taufe und Zölibat. Reliquien stünden zwischen Mensch und Gott. Bruys Todesjahr 1125 ist umstritten. Fest steht, dass er in Saint-Gilles bei Arles ein Kreuz in Brand setzte und dafür vom Mob in die Flammen gestoßen wurde. Er predigte Gewaltfreiheit, aber seine Jünger zerstörten im Anschluss Dutzende Kirchen, griffen Geistliche an. Ohne Orientierung suchten sie einen Führer und fanden Heinrich von Lausanne. Chefpropagandist Clairvaux hielt Innozenz II darüber auf dem Laufenden. Er bestätigte zunächst die Templer, erhob sie zur militärischen Bruderschaft. „Gott selbst hat euch zu Gegnern der Feinde Christi gemacht.“ 30 Jahre nach dem Einfall in Palästina war der Orden damit dem Papst direkt unterstellt und für weltliche Herrscher tabu. Neue Statuten ergänzten alte, Zuständigkeiten wurden geregelt. Höchster Würdenträger im Orden: Der Großmeister. Er war adliger Herkunft, trug den Titel „von Gottes Gnaden“, hatte Prokura und besaß als einziger persönliches Vermögen. Er ernannte Jerusaelms Marschall, die Provinzkommandeure sowie die Chefs der Templerhäuser. Alle Brüder verzichteten beim Eintritt auf Besitz oder überschrieben ihn dem Orden. Sie trugen wie ihr Meister weiße Kutten mit Kapuze und aufgenähtem roten Tatzenkreuz. Die bürgerlichen Offiziere und Kaplane waren in braune oder schwarze Montur gekleidet. Der Papst gab den Brüdern Privilegien, ließ sie etwa von der Steuer befreien. Entscheidend allerdings war die päpstliche Unterstellung. Denn dadurch wurden Orden und Ritter unantastbar für weltliche Herrscher.

1130: Kreuzzüge im Norden.

Neue Mitglieder schenkten ihnen ganze Regionen, um weitere Komtureien zu gründen. Der Kreuzzugsgedanke entwickelte Eigendynamik. In Norddeutschland hatten sich der Sachse Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär ihre Eroberungspläne im Wendenland und Pommern vom Papst absegnen lassen. Sie besetzten christliche Siedlungen vor der eigenen Haustür. Polenherzog Boleslaw III rief durch Magdeburgs Erzbischof den „Heiligen Krieg“ aus, um slawische Stämme zwischen Elbe und Oder zu unterwerfen. Es dauerte nicht lange, bis die Päpste gegen die religiösen Minderheiten in Mitteleuropa vorgehen. Sie rechtfertigten dies mit dem Hinweis auf die „alleinseligmachende Wahrheit des Christentums“. Die Ritter verdienten sich ebenfalls immer wieder als gewöhnliche Söldner. In einer Christen-Allianz um Alfons XI von Kastilien vertrieben sie das Heer von Marokkos Sultan Abu I-Hasan aus Algeciras. Die Hafenstadt in der Straße von Gibraltar war vor über 600 Jahren in die Hände der Mauren gefallen - nun war die iberische Halbinsel sicher vor Einfällen aus Nordafrika. Dafür schenkte Alfons den immer reicher werdenden Templern Territorien in Aragón. Es folgten Festungen in Monzon, Castellotte, Chalmera, Miravet oder Asco. So war der Orden in der Lage, das erste paneuropäische Netzwerk zu errichten. 15000 Ritterbrüder managten „Hunderte Komtureien und erwirtschafteten die Gelder für den Heiligen Krieg“. Die Netzwerktaktik hatten sie beim ersten Kreuzzug entwickelt. Zur Erhöhung der Sicherheit hatten sie die Pilgerroute nach Jerusalem in Tagesmärsche eingeteilt. Vom italienischen Treviso über Brana in Dalmatien, Mazedonien bis Antiochia - jede Etappe „endete entweder in einer Komturei, einem befestigten Landgut oder einem Biwak mit Brunnen“. Wichtigste Station für den Seeweg ins „Heilige Land“ war Marseille. Von der Pariser Zentrale in der „Rue du Temple“ gelangten die Gelder aus den Filialen, Waren oder Pferde in die Hafenstadt. Am Mittelmeer schlossen sich Pilger an und stachen in Richtung Palästina in See. Der Orden war erster professioneller Reiseveranstalter für Wallfahrten. Die Pilgerbedürfnisse prädestinierten ihn zudem, Finanzdienste anzubieten. Weil das Ordensnetzwerk sich bestens dafür eignete, betrieben die Templer Bankgeschäfte. Pilger zahlten in der Pariser Zentrale oder in Komtureien Geld ein, das ihnen bei Ankunft in Palästina ausgezahlt wurde. Ganz wie dies spätere Wechsel und Kreditbriefe leisteten. Die Ritter hatten sich die Methode bei den Seerepubliken abgeschaut. Sie waren die Ersten, die auf dem Weg ins Morgenland Niederlassungen gründeten. Dorthin folgten ihnen Wechsler. Sie vereinigten sich mit Kaufleuten zu Landsmannschaften und boten über ihr Kontaktnetzwerk Geldtransfers an. Ebenso sicherten sie den Transport von Gold und Silber, der zur See und zu Land Gefahren ausgesetzt war. Die Italiener erfanden den Wechsel, den Vorläufer des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Schließlich verliehen die Templer selbst Gelder gegen Zinsen. Das war nach katholischer Jurisdiktion zwar verboten. Doch nachdem sie ihr Armutsgelübde schon ad acta gelegt hatten, wurde dies ebenfalls hingenommen. Wie in der Papstkirche seit 800 Jahren war Profitmachen für Templer Alltag. In Komtureien wurden zudem Fremdwährungen in Regionale getauscht oder Objekte deponiert.

1135: Templer verleihen Geld, Urlügen der Kirche.

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