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Unterhaltsame Kurzgeschichten zur Weihnachtszeit für Jung und Alt. Christbaumkugeln, die nur knapp einem Unglück entgehen, ein Lebkuchenmann, der über sich selbst hinauswächst oder ein Teufel, der einen Engel verführen möchte. Der Autor, Kurt Schmitz, stellt weihnachtliche Figuren in den Mittelpunkt, die uns mit ihrer Menschlichkeit überraschen. Mal lustig, mal ironisch oder auch mal ernster erzählt. Unterhaltsam sind die Kurzgeschichten allemal.
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Seitenzahl: 75
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Christbaumkugeln, die nur knapp einem Unglück entgehen, ein Lebkuchenmann, der über sich selbst hinauswächst oder ein Teufel, der einen Engel verführen möchte.
Der Autor, Kurt Schmitz, stellt Figuren in den Mittelpunkt, die uns mit ihrer Menschlichkeit überraschen.
Mal lustig, mal ironisch oder auch mal ernster erzählt – unterhaltsam sind die Kurzgeschichten allemal.
Kurzgeschichten für Jung und Alt
zum Lesen und Vorlesen
Christbaumkugeln
Das Kind in der Krippe
Der Lebkuchenmann
Der Weihnachtskarpfenaufstand
Die drei Weisen
Die Schneeflocke
Die Weihnachtsolympiade
Eine Krippengeschichte
Engel und Teufel
Krippenführung
Nachts in der Krippe
Nikolaus und Knecht Ruprecht
Schöne Bescherung
Unerwartete Bescherung
Warum der Keramiknikolaus vom Kaminsims fiel
Weihnachtsengel
Weihnachtsrummel
„Oh je, oh je - mir wird schlecht.“ Die kleine Christbaumkugel schaute nach unten. „Ich möchte wieder zurück in meinen Karton. Mir wird schlecht, wenn ich so weit oben hängen muss. Ich vertrage das nicht.“
„Jetzt geht das wieder los. Jammer nicht so rum“, hörte man eine Christbaumkugel aus den unteren Reihen sagen. „Als ich so hoch hing wie du, habe ich mich darüber gefreut. Das ist eine besondere Ehre.“
„Dann komm du doch nach oben. Ich will nicht geehrt werden. Ich will einfach nur in Ruhe in der unteren Reihe hängen und weihnachtlich glänzen.“
„Geht das jetzt die ganze Weihnachtszeit über so?“, wollte eine andere Christbaumkugel wissen. Genervt begann sie hin und her zu schaukeln.
„Nicht so wackeln“, schrie die kleine Kugel aus der oberen Reihe. „Ich habe Angst. Ich will hier runter.“ Sie war den Tränen nah.
„Ruhe! Verdammt noch mal. Immer diese Streitereien. Ich will nach oben – du willst nach oben – ich will nach unten, nach hinten, nach vorne. Himmel, ich kann das nicht mehr hören. Immer wird nur gemeckert. Kann man denn nicht mal seine Ruhe haben und einfach stilvoll glänzen?“ Die Christbaumspitze war außer sich.
„Genau – mir reicht`s auch“, sagte der kleine Strohstern an der Spitze des Tannenzweiges. „Was soll ich denn sagen? Ich hänge hier im Freien in der Luft. Gleich über dem Holzboden. Wenn ich herunterfalle, breche ich mir meine Spitzen ab und keiner will mich mehr haben. Ihr fallt wenigstens in die weichen Zweige.“
„Jetzt fängt der auch noch an.“ Die Christbaumspitze war genervt.
„Wer um alles in der Welt hat euch aus dem Karton genommen? Der Deckel wäre besser zu geblieben. Letztes Jahr waren wir ein viel besseres Team. Ihr hättet euch einen anderen Job suchen sollen“, sagte die Christbaumspitze.
„Ha! So ein Blödsinn“, lachte eine der Christbaumkugeln: „Einen anderen Job suchen. Wie soll das denn gehen? Aber das ist ja wieder typisch – auf alle herabschauen und dumme Kommentare abgeben.“ Einige Christbaumkugeln schütteten sich aus vor Lachen.
Die Christbaumspitze starrte schweigend nach vorne und würdigte die Kugeln keines Blickes mehr.
„Kann mir mal jemand helfen?“ Die große Christbaumkugel aus der Mitte meldete sich. „Eine Tannennadel sticht mir genau auf die Kugel.“ Sie versuchte verzweifelt, sich von der Tannennadel zu befreien und drehte und wendete sich vorsichtig, um sich nicht an der spitzen Tannennadel zu zerkratzen.
„Ich könnte auf und ab springen“, sagte die Kugel über ihr. „Vielleicht löst das dein Problem“, sagte sie und begann, auf und ab zu hüpfen.
„Niiiiiiicht!“ Die kleine Christbaumkugel im oberen Teil des Baumes schrie hysterisch. „Aufhööööören. Ich falle runter.“
„Na und? Soll ich mich deswegen zerkratzen lassen?“, fragte die größere Christbaumkugel schnippisch und rief der Kugel über ihr zu: „Mach ruhig weiter. Ich glaube, die Tannennadel ist schon etwas verrutscht.“
Die kleine Christbaumkugel begann zu weinen: „Ich will wieder in meinen Karton zu meiner Verpackungsfolie.“ Sie weinte und war nicht mehr aufzuhalten.
„Aufhören“, schrien einige Strohsterne. „Wir weichen noch alle auf.“ Die Aufregung unter den Strohsternen war groß.
„Hiiiiiilllfe!“ Ein Schrei kam aus den oberen Zweigen. „Meine Halterung hat sich gelöst. Ich falle runter. Kann mir denn niemand helfen?“ Verzweifelt versuchte eine Christbaumkugel sich an ihrer Halterung festzuklammern.
Die anderen Kugeln darunter schreckten auf: „Wenn sie auf uns fällt, reißt sie uns vielleicht auch mit runter.“
Panik machte sich unter den Kugeln breit. Mit kräftigen Schwüngen versuchten sie, sich aus der Sturzrichtung zu entfernen. Auch die rechts und links daneben hängenden Kugeln wurden von der Panik mitgerissen und befürchteten, vom Christbaum zu stürzen.
Ein heilloses Durcheinander hatte den Weihnachtsbaum erfasst:
In der oberen Reihe heulte die kleine Christbaumkugel ohne Unterlass, worüber die darüber festgesteckte Christbaumspitze nur verständnislos ihre Spitze schütteln konnte. Die Strohsterne schrien laut durcheinander und versuchten, den Tränen der kleinen Christbaumkugel auszuweichen, in dem sie nach rechts und links schaukelten. Und die Christbaumkugeln, die in der Sturzrichtung der losen Christbaumkugel hingen, schwangen sich von rechts nach links und vor und zurück, um nicht mit nach unten gerissen zu werden.
Plötzlich herrschte Schweigen.
Unbemerkt von allen war der Christbaum ins Schwanken geraten.
Nach rechts, nach links und wieder rechts und wieder nach links.
Der Baum drohte umzufallen, und einigen Christbaumkugeln war das Entsetzen anzusehen. „Oh nein“ oder „Bitte nicht“ konnte man leise vernehmen.
Sekunden wurden zu Minuten und die Anspannung war deutlich zu spüren. Der Baum schwankte unaufhörlich und bedrohlich hin und her. Würde er umfallen, wäre das eine Katastrophe für den ganzen Christbaumschmuck. Aber sie hatten Glück: Nach und nach beruhigte sich der Christbaum wieder und bald stand er wieder ruhig an seinem Platz.
Die Christbaumkugeln und die Strohsterne atmeten erleichtert auf, rückten sich an ihren Zweigen ganz vorsichtig wieder zurecht und blieben schweigend und reglos hängen.
Niemand wagte es mehr, sich zu bewegen oder ein Wort zu sagen.
Nur die Christbaumspitze schaute noch einmal vorsichtig nach unten und flüsterte vor sich hin: „Endlich Ruhe.“ Entspannt richtete sie sich wieder auf und strahlte, als wäre nie etwas geschehen.
„Was sticht denn da so?“ Das Kind in der Krippe war erwacht und kratzte sich erst mal ausgiebig.
Dann tastete es vorsichtig rechts und links neben sich. Stroh, es war wirklich alles Stroh. „Wo bin ich denn hier gelandet?“, fragte sich das Kind und öffnete die Augen. „Na super! Ein Stall. Und ich liege in einer Holzkrippe“, sagte es zu sich selbst.
Das Kind setzte sich aufrecht hin und schaute sich um. Es glaubte, seinen Augen nicht zu trauen, als es in der hinteren Stallecke einen Esel und einen Ochsen stehen sah. „Das darf doch wohl nicht wahr sein. Kein Wunder, dass das hier so riecht.“
Das Kind wollte aus der Krippe klettern, aber in diesem Moment betraten Maria und Josef den Stall.
„Wer seid ihr denn?“, rief das Kind Maria und Josef zu. „Was wollt ihr hier?“
Maria und Josef staunten nicht schlecht über diese Frage. „Ähm, wir sind deine Eltern“, erwiderte Josef und hielt Maria, die verunsichert wirkte, an der Hand.
„Meine Eltern? Das kann ja wohl nicht sein. Meine Eltern sind reich und wohnen in einem Palast“, sagte das Kind.
Josef wollte etwas erwidern, aber in diesem Moment betraten die Heiligen Drei Könige den Stall. „Oh je, wer sind die denn?“, entfuhr es dem Kind.
„Wir sind die Heiligen Drei Könige und bringen Geschenke.“
Das Gesicht des Kindes hellte sich auf: „Geschenke? Super, das ist nett von euch. Kommt nur näher. Ich bekomme die Geschenke.“
Maria musste sich erst mal setzen und Josef, der noch immer etwas sagen wollte, klappte den Mund wieder zu.
Ehrfürchtig schritten die Heiligen Drei Könige auf die Krippe zu: “Wir bringen Gold, Weihrauch und Mhyrre.“
„Weihrauch und Mhyrre brauche ich nicht“, sagte das Kind. „Aber das Gold nehme ich gerne.“
Die Heiligen Drei Könige staunten nicht schlecht und schauten Maria und Josef fragend an.
„Legt die Geschenke doch einfach vor die Krippe“, versuchte Josef die Situation zu retten. „Das Jesuskind ist heute irgendwie verwirrt.“
„Ich? Verwirrt?“, schrie das Kind „Von wegen. Die Geschenke sind für mich. Wenn ich schon in einem Stall liegen muss, möchte ich wenigstens die Geschenke haben.“ Kaum hatte das Kind die Worte ausgesprochen, sprang es aus der Krippe und schritt auf die Heiligen Drei Könige zu.
Die Heiligen Drei Könige schreckten zurück. In Windeseile hatte das Kind das Gold an sich genommen, rannte zurück zur Krippe und schob es unter das Stroh. Dann sprang es selbst wieder in die Krippe, legte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Die Anwesenden waren ratlos: Seit über 2000 Jahren kannten sie die Geschichte nun schon, aber was jetzt passierte, überforderte sie völlig.
„Meine Herren“, sagte Josef zu den Heiligen Drei Königen „vielleicht sollten sie jetzt besser gehen. Wir haben da wohl was zu klären. Vielen Dank für den Besuch und für die Geschenke und bis nächstes Jahr.“ Josef schob die Heiligen Drei Könige zielstrebig zur Tür heraus.
Kopfschüttelnd und murmelnd verließen die Heiligen Drei Könige den Stall. So etwas hatten sie noch nicht erlebt.
Das Kind hatte sich zwischenzeitlich einen Strohhalm in den Mundwinkel gesteckt und kaute genüsslich darauf herum, während es Josef respektlos anstarrte.
„Wie kommst du eigentlich dazu, dich so zu verhalten?“, wollte Josef von dem Kind wissen.
