Versuchskaninchen Gottes - Helmut Emrich - E-Book

Versuchskaninchen Gottes E-Book

Helmut Emrich

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Beschreibung

Wir fühlen uns als Viertelgötter, haben uns Vorstellungen zurechtgebastelt, die uns vorgaukeln, Herrscher des Alls zu sein. Aber seit Jahrmillionen sind wir Tiere, eine Spezies, wohl die einzige, mit der die Natur (Gott) vielleicht sogar die Frage experimentell beantworten wollte, ob es einer Tierart möglich ist, zu überleben, wenn ein Teil der Entscheidung über ihre Zukunft nicht instinktiv abläuft sondern ihr selbst überlassen bleibt. Damit dies Experiment nicht scheitert und wir aussterben, müssten wir unsere gesamte Gedankenwelt revidieren und sie den Naturgesetzen anpassen. Diese ganze Problematik wird wertfrei und wissenschaftlich begründet in diesem Buch abgehandelt in leicht verständlicher Form von einem Arzt, Diplom-Psychologen und Naturforscher, ehemaligem Universitätslehrer. Zwar religionskritisch, wird aber kein einfältiger, dogmatischer Materialismus vertreten. Sie werden aber viele Gedanken finden, die nie diskutiert wurden, weil unsere Gedankenwelt beherrscht ist von „Selbstverständlichkeiten“, die man nicht in Frage stellt. Aber immerhin hat die Wissenschaft von jeher gerade diese Selbstverständlichkeiten aufs Korn genommen und korrigiert (Die Erde ist eine Scheibe - das Herz ist der Sitz der Seele - die Erde wurde vor 8000 Jahren in Mesopotamien erschaffen usw.) Wir werden angeregt, selbst nachzudenken und unsere Situation zu beurteilen. Zunächst wird das wissenschaftliche Denken vorgestellt im Gegensatz zum alltäglichen und zum gläubigen. Es werden dann viele Forschungsergebnisse aus diversen Gebieten vorgestellt, biologische, psychologische, aber auch physikalische und kosmologische, die uns zeigen, dass wir nur einen winzigen Stellenwert im Universum haben und vor allem unser Wissen noch sehr bescheiden ist, der Grund dafür, dass wir das Wesentliche unserer Welt noch immer nicht erklären können. Die Natur lässt unsere Sinnesorgane nur das erkennen, was wir zum Überleben brauchen. Dennoch lässt uns die Natur in dem Irrglauben, fast alles zu wissen, wohl deshalb, damit wir uns vor dem vielen Unerklärlichen nicht fürchten müssen. Sie werden Gedanken hier finden, die Sie noch nie dachten und Sie werden über „ganz Mächtige“ lächeln – nichts als arme Würstchen – die Ihnen früher vielleicht Angst und Ehrfurcht eingejagt hätten.

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Seitenzahl: 266

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nein ist das langweilig, Zois schüttelte den Kopf, seit es die Saurier nicht mehr gibt. Was haben die gekämpft, da war noch was los! Dann kam dieser blöde Asteroid und um die Saurier war´s geschehen. Jetzt nur langweilige Viecher, alles was sie machen ist voraussehbar, alle gehorchen nur ihren Instinkten, ich glaub, wir schaffen das Leben überhaupt ab, was meist du Apo? Gib ihnen noch eine Chance Zois, lockern wir einer Tierart stufenweise ihre Instinkte und geben wir etwas Intelligenz und Entscheidungsfreiheit, dann werden wir ja sehen was sie machen. Am besten nehmen wir eine Affenart, die haben Hände und können was bewegen. Ach Apo, die sind doch in kürzester Zeit abgewirtschaftet, sie werden sich überschätzen, halten sich für Viertelgötter, beachten die Naturgesetze nicht und weg sind sie, denen gebe ich wenig mehr als 1 Million Jahre! Nein Zois, wenn die die Gesetze der Natur erforschen, möglich dass ihnen das Überleben gelingt und sie werden uns vielleicht was bieten, dass wir uns nicht mehr langweilen. Gut Apo, die Wette gilt! So könnte wohl auch eine „Schöpfungsgeschichte“ beginnen, nun aber im Ernst:

Die Natur stellt allen Lebewesen die Aufgabe, sich und seine Gene zu erhalten und an künftige Generationen weiter zu geben. Sollten die äußeren Bedingungen sich ändern, müssen die Gene angepasst werden oder die Bedingungen verbessert. Dazu gibt die Natur den Wesen feste Verhaltensregeln, bekannt als Instinkte. Auch für den Menschen gibt es noch welche, er aber bekam einen Teil Eigenverantwortung aufgebürdet durch Verleihung geistiger Fähigkeiten, die ihn in die Lage versetzen, seine Situation und die seiner Spezies zu erkennen und zu meistern. Wenn nun der Art eine Gefahr droht – von außen oder aber von innen durch unfähige geistige Führer, so ist es die natürliche Aufgabe und sogar die Pflicht derer, die diese Gefahr erkennen, zu warnen und die möglichen Folgen eines Fehlverhaltens aufzuzeigen. Sind alle oder ein Teil der Menschen bereit, die Argumente zu diskutieren, mögliche Gefahren zu erkennen und abzuwenden, so ist die Aufgabe erfüllt. Wollen die Menschen aber nichts ändern, trotz Warnung ihrem möglichen Untergang entgegengehen, so hat ihnen die Natur zu viel zugetraut in puncto Erkennung der Situation, dann ist es die Bestimmung des Menschen auch wieder unterzugehen, wie viele hundert Spezies vor ihm, die Natur kommt auch ohne Menschen aus.

INHALTSVERZEICHNIS

GEBRAUCHSANWEISUNG

WARUM EIN SOLCHES BUCH?

DENKKFEHLER UND THESEN

ERSTE KULTURENTWICKLUNG: ERKLÄRUNG DER WELT DURCH RELIGION

WIE GEHT DIE WISSENSCHAFT VOR?

IST DER MENSCH EINE TIERSPEZIES?

UNIVERSALITÄT DER NATURGESETZE?

OPERA

MORAL UND NATURGESETZ – DER UNSINN DER ANTHROPOZENTRIK

SCHEINBAR IST ALLES SCHEINBAR

DAS RECHTE MASS

NOCH MEHR UNBEGREIFLICHES

WWW: WUNDERWAFFE: WERTUNG

VAGUS, GIB MIR MEINE LEGIONELLEN WIEDER: BEGRIFFSVERWASCHUNG

DIE QUINTESSENZ DES BISHER GESAGTEN

WAS KANN MAN NOCH GLAUBEN?

ABER DIE NATUR IST DOCH GRAUSAM!

IST DIE NATUR DENN WIRKLICH GRAUSAM?

WIE MACHT DIE NATUR LEBEN?

METHODE MIT TOD

WAS HABEN WIR VON DER NATUR ZU ERWARTEN?

DIE 3 GEBOTE

NATURFEINDE – MANCHE PHILOSOPHEN

SCHMUTZIGE PHILOSOPHIE

ALTERNATIVE HOFFNUNGEN

HERRSCHEN IST SILBER – DIENEN IST GOLD

LOB DES VORURTEILS

NATURWIDRIGE BEDÜRFNISSE

PRIMITIVE GEDANKEN

NATURVERLEUGNUNG, ÄUSSERLICH DEMONSTRIERT

NATURFEINDLICHE DENK- UND VERHALTENSWEISEN

HEILUNG PER PARLAMENTSBESCHLUSS

ERZIEHUNG

NATURFEINDLICHE TODSÜNDEN

EIN SEHR DICKER HUND

FALSCHE SIGNALE

GLAUBENSGENE

DIE GEDANKEN SIND FREI – IST DAS KRIMINELL?

„RASSISTEN“

TROJANER

CUI BONO: UNTERGANG GEPLANT?

WARUM HABEN HUMMELN HAARE?

DER URKNALL UND WIR

WÄREN SIE GOTT…

GEBRAUCHSANWEISUNG

Dieses Buch ist kein Evangelium. Es soll anregen sich eigene Gedanken zu machen, es sollte kritisch gelesen werden. Es basiert auf Beobachtungen des täglichen Lebens und fragt nach Gründen für Fehlentwicklungen und deren Folgen. Es basiert ferner auf Erkenntnissen vieler Einzelwissenschaften und versucht diese Ergebnisse in die Überlegungen einzubeziehen. Natürlich können diese Ergebnisse nicht bis ins Kleinste begründet werden, die Zitate würden tausende Seiten füllen, vielmehr möchte es das, was m.E. Aufgabe der Philosophie immer war, aus vielen Einzelwissenschaften ein Weltbild vorzuschlagen, das dann aber jeder für sich selbst finden muss. Kurz: das Buch soll zum Nachdenken anregen und Kritik ist durchaus willkommen. Ich bin weder Missionar noch ein sonstiger Ideologe und auch nicht geil auf geistige Macht – nur ein Tierlein Mensch, das möchte, dass seine Nachkommen überleben können.

Hier soll niemand missioniert werden, aber jeder mag angeregt sein, selbst zu denken nicht durch Massenmedien denken zu lassen. Offiziell wünscht man sich ja den „mündigen Bürger“, aber der kann nur dann mündig sein, wenn er Zugang zu wertfreien Informationen hat und in der Lage ist, sich intensiv selbst Gedanken zu machen, um sich so frei eine eigene Meinung zu bilden.

WARUM EIN SOLCHES BUCH?

Wer sich in unserer Welt umsieht, der wundert sich fast täglich über Entscheidungen, Beschlüsse, Vorgehensweisen in Justiz und Politik, die er kaum nachvollziehen kann, jeder wird sich an die vielen Merkwürdigkeiten und Kuriositäten erinnern, sie brauchen nicht alle aufgeführt werden. Der Mensch von heute setzt noch immer seinen gesunden Menschenverstand ein, den er als Erbe der vielen Generationen vor ihm mitbekommen hat Unsere „Obrigkeit“ hat sich mit ihren Bestimmungen und Gesetzen von der Natur weit abgekoppelt und langsam beginnt sich auch das menschliche Empfinden an diese Abkoppelung zu gewöhnen. Werden es unsere Nachkommen verkraften können, ohne das Bewusstsein unseres natürlichen Urgrundes zu leben? Ich halte diese Entwicklung für eine massiv krankhafte und befürchte, dass es der Menschheit relativ bald so ergehen wird, wie allen Tierspezies der letzten Milliarde Jahre, die sich zu stark von den natürlichen Erfordernissen entfernt haben – sie sind ausgestorben.

Um den Ursachen der Entwicklung nachzuforschen, sie zu verstehen und evtl. die Folgen abwehren zu können, müssen wir die Situation sachlich betrachten und die Entwicklung bis zum heutigen Tag. Es werden sich dann gravierende Denkfehler zeigen und in deren Gefolge massive Fehleinschätzungen, die uns in unserer eigenen Welt orientierungslos machen. Wir fahren dann wie ein unfähiger Kapitän auf hoher See, wissen nicht wo wir sind und ob wir nicht im nächsten Moment auf ein Riff laufen. Aber es scheinen in den Menschen auch Gesetze aus Urzeiten zu schlummern, die dieses Fehlverhalten ermöglichen, auch die müssen wir aufspüren.

Ausgespart bleibt bei unseren Überlegungen das unnatürliche Handeln des Kommerzes: Welch irreparable Schäden an der Gesamtnatur entstehen, wie am menschlichen Denken und Verhalten durch rücksichtslose Vermarktung völlig sinnloser Produkte (im Sinne natürlicher Bedürfnisse der Menschen), die durch verlogene Werbung als unbedingt notwendig an den Mann gebracht werden. Diese traurigen Kapitel sind schon durch den Autor behandelt worden (Jahrtausendschlußverkauf 1997). Als Vorübung könnten wir uns einmal darüber Gedanken machen, ob unser Überleben als Menschen auch ohne die technischen Errungenschaften der letzten 100 Jahre möglich wäre. Und das ließe uns dann unterscheiden zwischen lebenswichtigem, nur hilfreichem und dem überflüssigen, das die Ressourcen vernichtet, die Müllhalden übergehen lässt, aber die Konten cleverer Produzenten füllt.

Was hat unsere Weltanschauung in den letzten 8-10 000 Jahren geprägt und damit unseren Verhaltenskodex? Und wie ging es den Menschen davor? Es waren zwei Strömungen: Zunächst die Religion und in ihrem Gefolge Herrscher, die sich stets auf die Religion beriefen, um ihre Macht über die Menschen zu begründen und zu festigen. Als zweites begann vor knapp 3000 Jahren die Philosophie. Es waren, wie der Name sagt, die Freunde der Weisheit, die wagten, auch einmal Gedanken zu haben, die nicht ausschließlich um Gott oder Götter kreisten. Mehr und mehr verselbständigte sich die Philosophie, entwickelte Einzelwissenschaften und vor allem Naturwissenschaft, die völlig ohne Gott auskam, jetzt aber, das soll schon einmal angedeutet sein, zu einem Gott zurückzukommen scheint, allerdings völlig anders als ihn sich der brave Theologe vorstellen kann.

DENKKFEHLER UND THESEN

Zunächst sollen die grundsätzlichen Denkfehler lediglich benannt sein, die in später folgenden Kapiteln besprochen werden.

Wie bereits erwähnt, führt eine massive Anpassungsstörung an die Gegebenheiten gewöhnlich zum Aussterben der betreffenden Art. Weil uns die Natur, wie allen Lebewesen, zwei wesentliche Aufgaben gestellt hat, nämlich die der Selbsterhaltung und der Arterhaltung, sind wir aufgerufen alles zu tun, um diese Aufgaben zu erfüllen. Da uns die Natur die Gabe zukommen ließ, Wissenschaft zu treiben, müssen wir vor allem mit ihrer Hilfe Fehlentwicklungen erkennen und zu beseitigen suchen. Es werden zunächst Thesen lediglich einmal formuliert, von denen ausgegangen wird und die später belegt werden.

Menschen stammen aus der Natur, genauer aus dem Tierreich und bleiben in ihr, d. h. sie stammen nicht nur ab vom Tier, sie gehören nach wie vor ins Tierreich. Wir sind Tiere, auch wenn das unser Stolz nicht zulassen will.

Wir unterliegen den Naturgesetzen, die nicht nur auf der Erde sondern im ganzen uns bekannten Universum gelten für Belebtes und Unbelebtes.

Von Menschen geschaffene Vorstellungen, sobald sie den Naturgesetzen widersprechen, sind falsch und schaden über kurz oder lang den Menschen, besonders wenn sie mit Gewalt durchgesetzt werden. Das gilt für Religionen, Moralvorstellungen, politische Richtungen u. ä.

Speziell von eher naturnahen Politikern hört man häufiger den Satz, der Mensch gehöre zur Natur, er sei ein Teil von ihr und dürfe sie nicht zerstören. Was aus dieser Aussage folgt, wird aber nicht bedacht und meist erst gar nicht reflektiert, nämlich dass für den Menschen die gleichen biologischen Gesetzmäßigkeiten zu gelten haben wie für die anderen Tiere mit allen Konsequenzen. Auch grüne Politiker weisen dem Menschen immer noch eine Sonderstellung zu, so dass diese Aussage eher als ein Lippenbekenntnis zu werten ist.

Die gravierenden Denkfehler des modernen Menschen sind:

Diese Thesen sind nur vorangestellt, quasi als Programm des Ablaufs, sie sollen in späteren Kapiteln ausführlich behandelt und präzisiert werden. Damit klar wird, worüber überhaupt zu sprechen ist, müssen die beiden normenkontrollierenden Denksysteme zuvor abgehandelt werden und eine verbindliche Definition erfahren: Religion und Wissenschaft, damit keine Missverständnisse durch unpräzises Denken entstehen. Diese beiden Denkmodelle bedingten die Grundlagen für die Weltanschauung der Menschen. Wie also sollen sie verstanden werden?

ERSTE KULTURENTWICKLUNG: ERKLÄRUNG DER WELT DURCH RELIGION

Religionen sind bei allen Menschen und schon seit langer Zeit zu beobachten. Warum haben sie sich entwickelt und wie? Genaues weiß man nicht. Sicher sind sie Ergebnisse von Erklärungsversuchen menschlicher Umwelten. Daher lagen die Naturgötter nahe: Der Erde, des Wassers, des Donners, des Mondes und vor allem der Sonne. Ahnten die Menschen schon vor mehreren tausend Jahren, dass alles Leben, wie wir es kennen, nur existieren kann, weil es die Sonne bescheint? Oder beeindruckt die Sonne nur wegen ihrer Helligkeit und Wärme und nicht zuletzt durch ihren Auf- und Untergang? Hat sich das alles entwickelt durch Gedanken und Schlussfolgerungen ganzer Sozietäten oder war es ein einzelner Religionsgründer der meinte, eine göttliche Mitteilung erhalten zu haben und Glauben fand bei seinen Mitmenschen? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich spielte auch der Wunsch nach Erlösung eine Rolle, denn das Leben und Überleben vor 30 000 Jahren und mehr war sicher viel schwerer als das heute – und göttliche Hilfe war da willkommen!

Nicht das gleiche wie der Götterglaube aber in die gleiche Richtung geht der Glaube an eine jenseitige Welt und ein Leben nach dem Tode. Nun, die Menschen haben ja andere Welten oft erlebt und sie haben auch ihren verstorbenen Spezi hier angetroffen, der dort munter lebte. Und für dieses Leben musste der Verstorbene auch Gaben ins Grab bekommen und Nahrung. Diese Welt sah schon der frühe Mensch im Traum. Sicher haben unsere frühen Vorfahren bereits geträumt, denn man kann beobachten, dass auch andere Tiere träumen. Ein auf der Seite schlafender Hund bewegt oft die Beine als liefe er, er schnüffelt im Schlaf und leckt sich die Schnauze. Für den Frühmenschen war es offenbar, dass es sich um zwei Welten handelt, denn der Verstorbene beginnt in der Tageswelt zu verwesen und im Traum verhält er sich wie eh und je. In der Frühzeit der menschlichen Selbsterfahrungsversuche ging man wohl einfach vom aktuellen Erleben aus. Dass Traum und Wachen nur auf zwei verschiedenen Zuständen des Gehirns beruhen, konnte man sich nicht vorstellen, man hatte noch kein Schlaflabor, ja man wusste wohl nicht einmal, wozu das Gehirn dient. Man verlegte die „Seele“ ins Herz, weil hier (aus psychosomatischen Gründen) bei Trauer und Leid ein Druck entsteht.

So stand wohl die Religion am Anfang der bewussten Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer Umwelt. Sie bot eine Erklärung für die Erlebnisse mit der Natur, da an Wissenschaft noch nicht zu denken war. Die praktische Beschäftigung, etwa mit einem Steinwerkzeug einen Baum fällen zu können, kann noch nicht als Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit bezeichnet werden. Die genetische Ausstattung hatten die Menschen freilich schon immer. Sie ist ihnen aber nie bewusst geworden. Die Menschen mussten sich Gedanken machen über ihre Situation, über die Möglichkeiten die sie ergreifen konnten und die Gefahren, die sie meiden sollten, das war wichtig zum überleben. So entwickelten sich in ihrer Vorstellung für viele Naturvorgänge Gottheiten, die man gnädig stimmen musste, da man von ihnen Schutz und Hilfe erwartete. Bedrohlich waren ja Blitz und Donner, Hunger und Krankheiten, aber auch Geschenke gab es, wofür man sich zu bedanken hatte: frische Quellen, gute Früchte, Jagdglück und vieles mehr. Für all das standen Götter.

Diese Götter brachten nicht viel Leid. Sie standen für die Natur und erklärten Vorgänge, die man sonst nicht verstand und die deshalb die Menschen ängstigten. Aber dann nahmen die Götter immer mehr Gestalt an. Wohl zu Beginn der „großen Kulturen“ als man das Rudelleben aufgab, sich mehr und mehr von der Natur entfernte kann man den Urbeginn der Massengesellschaft sehen, in der ein Herrscher über viele Menschen gebot und vielleicht haben Aufkommen von monotheistischen Religionen und Massengesellschaft sich gegenseitig erst bedingt.

Die Götter bildeten eine Hierarchie, die ihnen natürlich die Priester zuwiesen, etwa im alten Ägypten, wo blutige Kämpfe ausgefochten wurden, wer der höchste Gott nun sein soll: Ra, Seth, Amon oder wer immer. Im Kampf lag die Priesterschaft einer Göttergruppe mit der anderen und dazwischen immer noch die Pharaonen, die sich ja selbst von Göttern ableiteten. Da wurden Morde ausgeführt, Kriege, und sogar die steinernen Statuen verstorbener Pharaonen wurden zerklopft, wie auch Darstellungen der Götter. Interessanterweise wussten schon die altägyptischen Priester, wie ihre Götter aussahen, sie waren meist von Menschengestalt mit Tierköpfen, die minutiös dargestellt sind. Woher sie das wussten, ist nicht bekannt, ob den Priestern je ein solches Monstrum begegnet ist? Immerhin wurden damals schon halluzinogene Rauschgifte benützt. Im alten Ägypten gab es aber schon einen obersten Gott – eine Entwicklung hin zum Monotheismus.

Und was in der Zeit Mesopotamiens und des alten Ägypten begann, setzte sich dann im Judentum und besonders im Christentum fort. Es gibt einen Gott, auch wenn er dreifaltig ist, und der musste nun einen Gegenspieler haben, man braucht ja ein Feindbild. Der Teufel also, er kommt schon in assyrischen, mesopotamischen und vielleicht anderen alten Schriften vor, er wurde nun von den jüdischen Priestern und Schriftgelehrten übernommen, um von der christlichen Priesterschaft dann gehegt und gepflegt zu werden. Im Islam hört er auf den Namen Scheitan. Dieser Teufel war viel wichtiger als die heilige Dreifaltigkeit, denn letztere blieb immer im Hintergrund, während die Priesterschaft heldenmütig für die Menschen gegen diesen Satan kämpfte. Jener übermächtige Teufel würde die hilflosen sündhaften Menschen zerquetschen und in seiner Hölle braten, hätte nicht der Papst, der Stellvertreter Gottes auf Erden, seine Generäle, die Kardinäle und Bischöfe mit ihren Soldaten, den einfachen Priestern, ausrücken lassen. Sie besiegen den Bösen und retten die Menschen – und das gibt ihnen eine unbedingte Macht, denn wer anders könnte diesen furchtbaren Teufel besiegen? Trotz seiner eigentlichen Unbesiegbarkeit, gewinnt die Priesterschaft immer. Sie könnte ja auch nur verlieren, wenn es den Satan wirklich gäbe nicht nur in den Köpfen der Gläubigen. Dieses Böse, das alle sog. großen Religionen auszeichnet, existiert im Raum der (Natur)wissenschaft nicht, darauf wird noch zurückzukommen sein. Aber der Teufel lohnt sich auf alle Fälle, man kann ihn missliebigen Menschen, sogar ganzen Gruppen zuweisen (sie verteufeln) und sie dann verfolgen, foltern und abschlachten.

Und Gott, wie sieht er aus? Die Menschen wollen nicht ein irgendwie abstraktes Wesen anbeten, sie wollen IHM gegenübertreten, zwar bittend und demütig, aber immerhin gegenüber. Obwohl viele Religionen es nicht gern sehen, wurden Bilder geschaffen, die Gott darstellen sollen, im Christentum gleich dreifach: Gott Vater als gebrechlicher Alter mit weißem Bart, Gott Sohn, dargestellt als gekreuzigter „Verbrecher“, nicht eben würdig, und der Heilige Geist als Taube. Und das alles nach dem merkwürdigen Bibelwort: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.“ Woher weiß denn der Schreiber das? Wenn man sich einen Gott vorstellt, der über alles erhaben ist, der weit über allem steht, so ist diese elende Darstellung eine Beleidigung – eine Gotteslästerung. Und dann noch das, was ihm seine Priesterschaft an Eigenschaften zuweist. Er ist ein Wesen, darauf drängend, permanent gelobt und angebetet zu werden, von Menschen und sogar von Engeln, sonst wird er böse und straft seine Untertanen. Er ist kleinlich, nachtragend und süchtig nach Verehrung. Beschriebe man mit diesen Attributen einen Menschen, dann wäre das eine ganz schwache, selbstunsichere Persönlichkeit ohne jede Souveränität, die dringend in psychotherapeutische Behandlung gehört. Wäre Gott wirklich so, wie der Klerus ihn uns verkauft, dann hätte er seine Priester, die ihn so beleidigen, längst zermalmt – verdient hätten sie es! Denn die Priester bestimmen wie Gott zu sein hat und stellen sich damit de facto über ihn. Eine Unverfrorenheit, die den Gläubigen erstaunlicherweise kaum auffällt. Wir können zusammenfassen: Die großen monotheistischen Religionen und ihre Vorstufen sind geschaffen worden zur Machtergreifung und –erhaltung durch die Priesterschaft. Andere Machtlüsterne haben gemeinsame Sache gemacht mit der Priesterschaft, nämlich die Politiker aller Zeiten, die sich die Macht mit dem Klerus teilten. Sie berufen sich dabei stets auf die Moral welche die Priesterschaft (natürlich in ihrem Sinne) aufgestellt hat und die rigoros durchgesetzt wird, notfalls unter Todesdrohung. Man denke an die Verbrennungen von Ketzern, Ungläubigen aller Art, Hexen und nicht zuletzt auch Wissenschaftlern.

Wenn, wie wir gleich sehen werden, für die Wissenschaft das A und O der Zweifel ist, dann ist er für die Religion pures Gift, jeder Zweifel musste daher früher rigoros verfolgt werden. Religion verlangt auch heute noch den absoluten Glauben und zwar an alles, was die Religion behauptet, mag es auch noch so unwahrscheinlich sein und von der Wissenschaft widerlegt. Dann ist es eben ein Wunder! Die Religion basiert eben auf dem Wissensstand von vor 3000 Jahren und durfte nie revidiert werden. Eine wissenschaftliche Untersuchung reiner Glaubensangelegenheiten wäre ein Tabuverstoß, denn in der Religion sind gerade die ältesten Überlieferungen am heiligsten und deshalb mit Tabu belegt, wahrscheinlich weil sie am angreifbarsten sind. Als sie aufgeschrieben wurden, war die menschliche Erkenntnis noch weniger entwickelt und so manches dort Behauptete könnte einer Untersuchung niemals standhalten.

Der gläubige Mensch hat jedoch mit der Religion seine Richtschnur, seine Verhaltensregeln und so kann er sich in seiner Welt, in seinem Leben fortbringen, er braucht sich um anderes nicht zu kümmern. Bekommt er allerdings Alternativen angeboten (beispielsweise die Abstammungslehre) und er schenkt beiden Richtungen Glauben, dann wird er frei manipulierbar, denn er beginnt das unpräzise Denken.

Die Religion verlangt den bedingungslosen Glauben und im Mittelalter ließen viele Menschen ihr Leben auf dem Scheiterhaufen weil sie dies nicht ausreichend konnten. Heute können wir uns entscheiden, entweder ich vertraue der Wissenschaft oder ich entscheide mich für die Religion. Dann glaube ich, dass mich Gott nach seinem Bilde aus Lehm erschaffen hat (ich also aussehe wie Gott), wie es in der Schrift steht. Ich glaube an alle berichteten Wunder und nehme anderes nicht zur Kenntnis, dann habe ich mein Weltbild gewählt und möge damit glücklich werden. Warum auch nicht, man hat ja Jahrhunderte so gelebt! Die Menschen hatten eine Moral, mit der ein soziales Leben möglich war. Und ein gläubiger Mensch hat seinen Frieden – und das ist viel! Dann muss ich aber die Abstammungslehre unbeachtet lassen. Gott hat den Menschen persönlich erschaffen wie es wortwörtlich die Orthodoxen glauben - und gleichzeitig sei der Mensch aus einer Laune der Natur entstanden – durch eine Mutation eines Primatengens? Beides geht nicht! Oder doch…? Auch in der Physik gibt es ein Sein in 2 Welten, Teilchen und gleichzeitig Welle, solches aber geht über unser althergebrachtes Verständnis hinaus, wir brauchen klare für uns begreifbare Verhältnisse, sonst verlieren wir die Orientierung. Die meisten, die an beides gleichzeitig glauben, bezeichnen die Schöpfung dann als „symbolisch“ während die Abstammung real sei. Das aber ist ein entscheidender und verhängnisvoller Fehler. Er führt nämlich zu unpräzisem Denken und gibt Wasser auf die Mühlen derer, die den Menschen beherrschen wollen. Je verschwommener und unklarer das Denken und die Vorstellungen des Volkes sind, umso leichter haben es Machthaber, die Menschen zu gängeln. Macht beruht nämlich zum kleinsten Teil auf Militär und Polizei, zum größten auf geistiger Macht, also Glaube an die politischen Repräsentanten. Wenn nun das Volk gewöhnt und geübt ist präzise zu denken, präzise Fragen zu stellen und präzise Antworten erwartet, dann tut sich der Machthaber doch schwer, die Leute zufrieden zu stellen. Wenn das allgemeine Wischiwaschi genügt, das alles und nichts bedeuten kann, dann ist das Regieren angenehm. Ein gutes Beispiel hierfür sehen wir ja täglich in den Medien.

In der Wissenschaft haben gerade die neueren Schriften die höhere Glaubwürdigkeit, weil die alten Erkenntnisse zwar in die neuen Untersuchungen eingeflossen sind, aber eben durch neuere Erkenntnisse korrigiert. Die 2000 jährigen und älteren heiligen Schriften durften aber niemals korrigiert werden. Allerdings wurden missliebige oder widersprüchliche Teile über Jahrhunderte aus der Heiligen Schrift von den Konventen immer wieder herausgenommen und so wurde eine saubere Bibel geschaffen, die der Geistlichkeit nun gefällt. Diese nicht mehr offiziellen Bibelteile sind als Apokryphen bekannt. Das alles ist nachzulesen bei Deschner.

Was haben nun die Religionen den Menschen gebracht? War man gläubig, so konnte die Furcht vor dem Tode gemildert werden. Man hoffte in den Himmel zu kommen der aber z. B. im Christentum eher eine Hölle ist, muss man doch täglich und das in alle Ewigkeit lobsingen und Halleluja schreien. Aber auch das durfte man nur, wenn man sich sein ganzes Leben von „Todsünden“ ferngehalten hat, praktisch alle Belohnungen verweigert hat, die die Natur für natürliches Verhalten bereithält. Das Wohlgefühl wenn man seinen Hunger gestillt hat und damit für sein eigenes Überleben gesorgt hat, das Erleben eines Orgasmus, wenn man dem Naturgebot der Arterhaltung gefolgt ist oder wenn man im sozialen Verbund Anerkennung findet. All das ist dem Christentum recht suspekt, wenn nicht gar, wie die Sexualität um ihrer selbst willen, eine Todsünde. Lebt man also nach der Natur, dann droht einem die Hölle mit ewigem Brennen und unerträglichem Schmerz.

Auch in frühen mittel- und südamerikanischen Indianerreligionen wurden viele Menschen den Göttern geopfert. Und man denke an die vielen Kriege, die um Religion geführt wurden, nicht nur in Ägypten oder bei den südamerikanischen Indianern, auch Christen gegen Islam oder Katholiken gegen Protestanten. Die Maja und Azteken ließen sich abschlachten von den Spaniern, weil ihre religiöse Überlieferung ihnen weismachte, die kommenden göttlichen Erlöser seien weiß. Die verbrannten Hexen und Ketzer im Mittelalter gehen natürlich auch auf das Konto der Religion. Und vor allem die Kinderkreuzzüge: Selbsternannte Prediger erkannten als Gottes Wille, dass nach Scheitern der Kreuzzüge die Kinder das „Heilige Land“ vom Islam befreien müssten. Etwa 10 000 folgten den „Rattenfängern“ aus dem deutschen Reichsgebiet und Frankreich – sie sahen weder das „Heilige Land“ noch ihre Heimat je wieder! Die Deutschen erfroren und starben bereits bei der Überquerung der unwegsamen Alpen, etwa 4-5000, die Franzosen wurden auf viel zu kleine Schiffe verfrachtet, von denen 2 sanken und 2000 Kinder mitnahmen, weil sich das Meer nicht geteilt hatte, wie versprochen. Die restlichen 3-4000 wurden auf dem nordafrikanischen Sklavenmarkt verkauft. Dieses Debakel wäre zu verhindern gewesen, hätte nicht der europäische Klerus geschwiegen, obwohl klar erkennbar war, dass ein solches Unternehmen totaler Schwachsinn ist. Die Priesterschaft war ja nicht nur für die Interessen der Kirche da, sie waren die Hirten dieser vollkommen unwissenden Kinder ohne jede Schulbildung im 13. Jahrhundert – und für sie verantwortlich.

Heute verurteilt man in der medizinischen Fachpresse wie in der Laienpresse die Genitalverstümmelung bei Mädchen scharf, verschweigt aber fast immer, dass diese Praktiken ihre Ursprünge in religiösen Vorschriften haben (in diesem Fall islamischen) wie ja praktisch alle naturfeindlichen Denkweisen und Handlungen in ideologischen Vorstellungen gründen.

Aber haben nicht Religionen enorme Kulturleistungen hervorgebracht, erbauten Kirchen und Kathedralen und vor allem die altägyptischen Pyramiden und die indianischen Gebäude, die noch heute uns Menschen erfreuen und das nach mehreren tausend Jahren? Wir müssen aber die Banausenfrage stellen, was haben diese Werke gekostet? Wie viele tausende Sklaven und auch Ägypter sind beim Bau umgekommen, wie viele Indianer meist Kriegsgefangene? Haben das Blut, die Tränen sich gelohnt?

Insgesamt gesehen haben die Religionen unendlich viel Leid den Menschen gebracht, nützten vor allem der machtgierigen Priesterschaft und ihren Verbündeten, den weltlichen Machthabern.

WIE GEHT DIE WISSENSCHAFT VOR?

Die Wissenschaft von der Natur setzt nichts voraus. Sie beobachtet Naturvorgänge – so wie sie sich darstellen ohne Wertung – das sind auch Vorgänge, die sich in und am Menschen abspielen. Sie probiert diese Vorgänge zu messen und zwar wiederholt, um eine statistische Sicherung zu erreichen. Dieses Ergebnis wird dann veröffentlicht. Nun versuchen andere Wissenschaftler den Vorgang mit ähnlichen Messungen zu vergleichen und wenn sich Übereinstimmung ergibt, wird die Erkenntnis verallgemeinert. Das ist der Moment der Hypothesenbildung. Diese Hypothese wird nach erneuter Bestätigung und Einbau in ein allgemeineres wissenschaftliches Gebäude zur Theorie geformt, die weitere Annahmen zu dem Sachverhalt zuläßt und Hypothesenbildung für künftige Experimente ermöglicht.

Diese Theorie ist aber dann kein Dogma wie viele glauben. Nun beginnt nämlich die Periode der Falsifizierung. Mehrere Wissenschaftler versuchen durch ähnliche Experimente Erkenntnisse zu gewinnen, die die Theorie zu Fall bringen. Erst wenn nach langen Versuchen es nicht gelingt, die Theorie zu widerlegen, wird sie anerkannt, aber nur so lange bis sich zufällig oder gewollt doch noch ein Gegenbeweis ergibt. Wenn nun die Theorie weitgehende Bestätigung gefunden hat, werden aufgrund ihrer Voraussagen Arbeitshypothesen aufgestellt die den Ausgang weitergehender Experimente richtig vorhersagen müssen, was aber nur geschehen kann, wenn die Ausgangstheorie stimmt. Das gelungene Experiment kann dann als Beweis anerkannt werden.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen: In langer Forschungsarbeit haben Physiker (in früheren Jahrhunderten gingen sie noch als Philosophen durch) auf der Erde nachgewiesen, daß Massen sich gegenseitig anziehen (Gravitation). Und sie haben dies präzise gemessen. Sie formulierten zudem die Gesetze der Trägheit und der Fliehkraft. Durch das Zusammenspiel von Gravitation und Zentrifugalkraft konnten sie z. B. bestimmen, bei welcher Geschwindigkeit ein Körper am Seil in drehende Bewegung versetzt werden muss, damit er in der Luft bleibt; oder moderner ausgedrückt: ein Auto aus der Kurve fliegen würde. Daß diese Gesetze, die auf der Erde gelten, auch extraterrestrisch, also im Weltraum gelten, ist eine begründete, aber immerhin nur eine Annahme, die Newton, Kepler, Kopernikus und viele andere machten. Bewiesen wurde diese Jahrhunderte alte Annahme aber erst in den letzten Jahrzehnten, als man nämlich Sonden zu anderen Planeten schickte.

Wenn die zum genau richtigen Zeitpunkt mit exakter Richtung und ausreichender Geschwindigkeit weggeschickt werden, dann nützen sie die Anziehung eines jeweils anderen Planeten, bekommen eine neue Richtung und Geschwindigkeit und gelangen so zu ihrem Ziel, z. B. die Umkreisung des Jupiter. Wenn der Versuch aber gelingt, dann heißt das nicht nur, dass die Berechnung beim Start genau gestimmt hat, sondern auch, daß die physikalischen Gesetze, die auf der Erde gelten, auch extraterrestrisch gültig sind und die Annahme Newtons nun experimentell bestätigt ist. Würden die Gesetze auf dem Jupiter nur minimal von den irdischen abweichen, wäre die Sonde niemals angekommen. Ja die Gesetze von Raum und Zeit gelten sogar im gesamten Universum. Das wissen wir durch Beobachtungen von Quasaren. Deren Licht wurde vor 15 Mrd. Jahren in 15 Mrd. Lichtjahren Entfernung abgestrahlt und verhält sich ganz genau wie heute das Licht unserer Taschenlampe. So können weitere Theorien gebildet werden und experimentell geprüft, bestätigt oder verworfen und so entsteht langsam ein naturwissenschaftliches Weltbild, das auch Voraussagen über noch zu Erforschendes erlaubt.

Das wiederum bildet die Voraussetzung für mathematische Berechnungen, die Vorgänge auch dort zu verstehen suchen, wo man experimentell (noch) nicht herankommt. Diese Methode ist heute besonders im Schwange, weil man früher die nötigen Datenmengen nicht erfassen konnte. Erst sehr schnelle Computer mit riesigen Datenspeichern können derartige Berechnungen zu Ende führen. Diese interessanten Möglichkeiten der Forschung werden noch weiter ausgebaut.

Der permanente Zweifel an der Richtigkeit von Theorien ist das Charakteristikum der (Natur)-Wissenschaft und begründet ihre Exaktheit. Freilich gibt es Wissenschaftler, die mit Klauen und Zähnen für ihre liebgewordene Theorie kämpfen, an deren Aufstellung sie vielleicht Jahrzehnte gearbeitet haben. Das ist menschlich verständlich, auch Wissenschaftler sind Menschen, aber die wissenschaftliche Methode gebietet nun mal, daß eine widerlegte Theorie verlassen wird. Freilich kann auch die Widerlegung irren, in diesem Fall wird eben die ursprüngliche Theorie in Ehren wieder eingesetzt.

Wird eine widerlegte wissenschaftliche Hypothese nicht verlassen sondern findet gläubige Anhänger, so wird sie zur Ideologie, besonders verführerisch natürlich durch ihren pseudowissenschaftlichen Anstrich.

Manche Wissenschaftler, ich möchte sie eher ”Unwissenschaftler” nennen, machen den unverzeihlichen Fehler, ihre Ergebnisse über Gebühr zu generalisieren. So hat im 19. Jahrhundert ein Pathologe auf die Frage, ob er an eine menschliche Seele glaube geantwortet: Ich habe in meinem Leben Hunderte Leichen seziert – eine Seele ist mir nie begegnet, also gibt es keine! Der Schluß ist unzulässig: Wenn ich gefragt werde, ob es Gespenster gibt, kann ich exakt nur antworten: Bisher ist mir noch kein Geist begegnet, also kann ich dazu keine Aussage machen.