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Vertrauen ist in diesen Zeiten ein Wert, der stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Ukrainekrieg wird gerade Vertrauen zwischen Ländern verspielt. Mit zivilisatorisch noch überhaupt nicht absehbaren Folgen. Die Corona-Pandemie hat zwischenmenschlich Gräben zwischen Geimpften und den Impfnaiven geschaffen. Kein Wunder, dass sich das Kursbuch 210 auf die Spuren von Vertrauensverlust und Vertrauenskrise begibt. In seinem Beitrag beobachtet Lars Hochmann, dass es in der Wirtschaft nicht mehr in erster Linie um Knappheitsmanagement geht (abgesehen von Verteilungs- und Allokationsfragen), sondern um Unsicherheitsmanagement. Gerade die Bearbeitung von Unsicherheit brauche eine vertrauensvolle Form wechselseitigen Vertrauens.
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Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Inhalt
Lars HochmannVertrauen als LohnGrundzüge guter Unternehmensführung
Der Autor
Impressum
Lars HochmannVertrauen als LohnGrundzüge guter Unternehmensführung
Wir leben in einer Gesellschaft voller Drehtüren. Takt und Frequenz des sozialen Lebens beschleunigen, auch der Durchlauf selbst nimmt zu. Bindung und Verbindlichkeit sind in der Folge schwierige Kategorien geworden. Die Anzahl an Jobs, an Wohnorten, an Mobilität in allen Lebenslagen war historisch nie so hoch wie heute. Ob Kirchenaustritte, Scheidungen, Haarfarbe oder die Laufzeit von Mobilfunkverträgen: Sich festzulegen, ist aus der Mode gekommen. Unverbindlichkeit gewinnt. Selbst Beziehungen und Freundschaften sind bloß einen Swype entfernt, aber ganz zwanglos und unverfänglich, schließlich könnte die noch passendere Partnerin oder der noch geeignetere Freund gleich morgen im Feed erscheinen. In der »Multioptionsgesellschaft« scheinen die Möglichkeiten grenzenlos zu sein. Es zählt das Einzigartige, das Besondere, das Singuläre. Konventionelle Familien-, Arbeits- und Rollenbilder geraten unter Rechtfertigungsdruck. Sesshaftigkeit war gestern. Freiheit beinhaltet die Möglichkeit, jeden Tag neu anzufangen. It’s up to you!
Das Glück schmieden
Das Ergebnis ist ambivalent. Einerseits ergeben sich Chancen zur Selbstverwirklichung in historisch wohl beispiellosem Ausmaß. Die Möglichkeiten, mit dem eigenen Leben auch die eigene Geschichte zu erzählen statt die der Eltern oder des Milieus, in welches man zufälligerweise hineingeboren wurde, wachsen unentwegt. Das sozial präfigurierte Leben vormaliger Dekaden bot diesbezüglich zwar Orientierung und Stabilität, jedoch wenig soziale Mobilität. Heute ist das in vielerlei Hinsicht anders. Diese Entwicklungen, darüber wird wohl kein Streit entstehen, sind zu schützen und für jene auszubauen, für die sie sich noch nicht vollends eröffnet haben. Denn sie sind Errungenschaften, die das Versprechen liberaler Demokratien einlösen, dass die einen Menschen ihr Leben so und die anderen Menschen ihr Leben eben anders führen können.
Doch fordern diese Lust- und Freiheitsgewinne andererseits ihren Tribut. Auch Selbstbestimmung will und muss gelernt sein. Andernfalls droht Überforderung. Und gesellschaftlich droht die Entfähigung. Denn dem Zeitgeist, demgemäß nichts taugt, was nicht sofort gelingt, geht die Bereitschaft zur Hingabe und zur bedingungslosen Verausgabung verloren, die jedwede Form von Könnerschaft benötigt, sei es am Schlagzeug, am Reißbrett oder beim Pizzabacken. Die Vielfalt in der Breite, welche die hyperindividualisierte Gesellschaft der Gegenwart gewinnt, geht so mit einem Verlust an Tiefe einher.
Die Konstellation der Drehtüren ist also nicht ambivalent in dem Sinne, dass Licht und Schatten vorhanden sind und sich changierend die Waage halten. Die Schattenseiten dieser kulturellen Entwicklung nehmen überhand. Aus Selbstverwirklichung ist Selbstoptimierung, ist Selbstzerstörung geworden, zumindest in der Tendenz. Vereinzelung, Erschöpfung und Ermüdung sind die Folgen.
Die Unsicherheit bewältigen
