Viel erreicht - was nun? - Silke Strauß - E-Book

Viel erreicht - was nun? E-Book

Silke Strauß

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Beschreibung

Viele, die zwischen 35 und 45 sind, haben beruflich einiges erreicht. Doch wie soll es weitergehen? An diesem Punkt, an dem andere Karriereratgeber aufhören, fängt dieses Buch an. Silke Strauß unterstützt den Leser bei der Klärung seiner persönlichen Situation.

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Viel erreicht - was nun?
Entscheidungshilfen für Ihre nächsten Jahre im Beruf
Strauß, Silke
Campus Verlag
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
9783593402628
Copyright © 2003. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Besuchen Sie uns im Internet: www.campus.de
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|7|Vorwort

Früher war alles leichter, oder? Da bestimmte man seinen Weg recht frühzeitig mit der Ausbildung, lernte einen Beruf, studierte vielleicht, trat dann in ein kleineres Unternehmen oder einen Konzern ein oder machte sich selbstständig. Vielleicht übernahm man auch ein Geschäft von den Eltern. Die nach der Ausbildung vorgenommene Berufswahl bildete den Rahmen für die gesamte weitere Laufbahn. Meist bestand für die Generationen vor uns nicht die Notwendigkeit, von dem einmal eingeschlagenen beruflichen Pfad abzuweichen. Doch diese geradlinigen Berufswege, die Personalberater nennen sie Schornsteinkarrieren (weil sie ebenso geradlinig nach oben führten), gibt es längst nicht mehr.

Die heute Berufstätigen müssen sich einer veränderten Situation stellen: In einer Welt permanenter technologischer Erneuerung, die jedem Einzelnen ständige Anpassung, vor allem in Bezug auf die Berufsaus- und -fortbildung abfordert, scheint Karriere nicht mehr planbar und in vorhersehbare, sichere Bahnen zu lenken sein.

Früher glaubte man deutlich leichter ausmachen zu können, was »sicher« sei. »Mach’ eine Ausbildung bei der Bank. Dann hast Du später einen sicheren Arbeitsplatz!« Das hat die Generation der heute Dreißig- und Vierzigjährigen bis zum Verdruss von ihren Eltern zu hören bekommen. Und wie sieht es heute aus? Die Banken gehören derzeit zu einer der Branchen, die in großer Anzahl Mitarbeiter entlassen, und zwar bis in die Managementebene. Und genau diejenigen, die vielleicht damals dem Rat ihrer Eltern entsprochen haben, zu einer Bank gegangen sind und heute noch dort sitzen, müssen |8|jetzt mehr denn je um ihren Job bangen. Wie sich die Entwicklung fortsetzen wird, bleibt noch abzuwarten. Aber wirkliche Sicherheit kann heute auch diese Branche nicht mehr bieten, auf keiner Hierarchieebene.

Heute unterliegen Berufsbilder einem immer schnelleren Wandel. Prognosen für die Zeit nach der Ausbildung oder nach dem Studium lassen sich kaum noch stellen, weil sich der Markt für gefragte Jobs bereits innerhalb von drei bis fünf Jahren drehen kann. Neue Berufsbilder formieren sich, und leider hinkt das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten dem Bedarf oft hinterher.

War »Karriere« in den sechziger und siebziger Jahren geradezu als Unwort verpönt, so hat sich diese Haltung spätestens seit Ende der achtziger Jahren völlig gewandelt. Karriere ist »in«. Heute verbreiten sich darüber die Spezialisten in unzähligen Fachbüchern, Seminaren und Trainings. Ganz neu entstandene Branchen profitieren von diesem Trend. Berufseinsteiger werden auf Messen und Recruiting-Veranstaltungen informiert und angeworben; Unternehmen laden High Potentials zu regelmäßigen Terminen ein, um dort deren Qualitäten zu testen. Magazine zur Karriereberatung haben die Zielgruppe der Studierenden und Hochschulabsolventen entdeckt und geben Tipps für den möglichst steilen Weg nach oben. Der »War for Talents« war das Schlagwort der Neunziger. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde die Euphorie allerdings durch die einsetzende Wirtschaftskrise wieder gedämpft.

Dieses Buch richtet sich an jene, die bereits erste berufliche Hürden genommen haben und inzwischen eine Position einnehmen, die sie mit Routine und Kompetenz ausfüllen. Vielleicht sind Sie gerade jetzt an einem Punkt angekommen, wo Sie sich fragen, ob Sie sich mit dem bisher Erreichten zufrieden geben sollen, ob Sie auf der Karriereleiter höher hinaus oder sich gar noch einmal völlig umorientieren wollen. Ab und an schauen Sie in die Stellenanzeigen, und dabei beschleicht Sie manchmal ein unangenehmer Gedanke: Es wird langsam eng mit adäquaten Jobs. Und je weiter Sie aufsteigen, desto mehr beschränken sich die Wahlmöglichkeiten. An der Spitze ist eben nur Platz für wenige. Ein Headhunter hat Ihnen vielleicht schon einmal attestiert, Sie seien »zu hoch« für die |9|Position, die er anzubieten hatte. Obwohl unterschwellige Anerkennung in dieser Äußerung mitschwingt, berührt sie Wechselwillige unangenehm. Wären Sie jetzt in der Verlegenheit, sich umsehen zu müssen, dürften Sie Ihre Jobsuche jedenfalls nicht dem Zufall überlassen.

Vor diesem Hintergrund kreisen Sie in letzter Zeit immer öfter um die Frage, ob Sie vielleicht noch einmal mit aller Kraft durchstarten sollten, ob Sie eine höhere Position in der eigenen Firma, den Wechsel in ein anderes Unternehmen oder gar den Schritt in die Selbstständigkeit anstreben sollten. Oder ob Sie nicht dringend anfangen sollten, Strategien zu entwickeln, um eben die Position, die Sie gerade innehaben, möglichst gut abzusichern.

Die Dynamik der Business-Welt, die Sie die ganze Zeit vielleicht selbst aktiv mitgeprägt haben, kennen Sie zur Genüge aus eigener Anschauung, und sie drohen jetzt nach zehn oder fünfzehn Berufsjahren womöglich zum Bumerang zu werden. Die firmeninternen Seminare mit den letztlich immer gleichen Inhalten haben für Sie ihren Reiz verloren. Für die eine oder andere anspruchsvolle Teilaufgabe Ihres Bereichs haben Sie sich vielleicht bereits einen guten Mitarbeiter herangezogen, der sich neben Ihnen mittlerweile schon ganz hervorragend in Szene setzen kann – zudem zehn Jahre jünger und entsprechend billiger ist als Sie. Sie beobachten die anderen Nachwuchsführungskräfte, die in Ihrer Firma langsam heranreifen, erste Erfolge vorzuweisen haben und natürlich auch zügig weiterkommen wollen. Der letzte Gesellschafterwechsel hat Sie vielleicht noch nach vorne gebracht. Aber wie lange wird es so bleiben? Im Umfeld haben Sie bereits einst kometenhaft aufsteigende Kollegen den Boden verlieren sehen. Geschätzte Vorgesetzte sind vielleicht im politischen Getriebe erst zerrieben und dann entfernt worden. Und der Markt selbst bleibt auch nicht stehen. Angestammte Geschäftsfelder werden zu Sorgenkindern. Neue Bereiche entstehen und gedeihen. Die Rahmenbedingungen verändern sich, worauf Sie kaum einen Einfluss nehmen können, worauf Sie sich jedoch einstellen müssen.

Dieses Buch unterstützt Sie dabei, die anstehenden Entscheidungen strategisch vorzubereiten. Jedes Kapitel wird Sie mit einem anderen |10|Aspekt Ihrer weiteren Karriereplanung vertraut machen, Ihnen die verschiedenen Phasen und Vorüberlegungen aufzeigen und Sie ermutigen, Schritt für Schritt Ihren eigenen Weg, auch in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit oder der Krise, zu gehen und vorausplanend zu gestalten.

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Fahrplan zum Buch

Das Buch versteht sich als Begleiter Ihrer beruflichen Selbstanalyse. Gleich einem Coaching-Programm in der persönlichen Beratungspraxis bietet es Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt Ihnen jedoch keine allgemeingültige Rezeptur an die Hand. In Fragen der persönlichen Karriere ist das auch weder zu leisten noch wünschenswert, denn Motivation, berufliche Ziele und der Weg dorthin lassen sich für jeden Einzelnen nur ganz individuell bestimmen: Jeder von uns »tickt« anders. Während der eine sich handfeste materielle Ziele setzt, zieht ein anderer seine Zufriedenheit daraus, schöpferisch etwas zu gestalten, und wieder ein anderer verlangt nicht mehr als einen »Broterwerb« und legt den Schwerpunkt seines Engagements auf den persönlichen Lebensbereich.

Kein Weg ist besser als der andere! Das ist sicher eine der wesentlichen Botschaften, die ich Ihnen mitgeben will. Dennoch sollte jeder, der einen bestimmten Weg eingeschlagen hat, die Schritte kennen, die ihn am zuverlässigsten zum angestrebten Ziel bringen. Auf dem Weg zum beruflichen Erfolg gilt es zahlreiche Spielregeln zu beachten. Dabei ist eine der wichtigsten, sich selbst – seine Bedürfnisse, Neigungen, Stärken, Schwächen und Ziele – besser kennen zu lernen, um das gesamte Spektrum all der Faktoren, die den Erfolg begünstigen, besser ausschöpfen zu können. Dazu möchte Ihnen dieses Buch möglichst viele Anregungen geben.

Ich habe darauf verzichtet, meine Aufgabenstellungen in Form von Listen zum Ankreuzen oder Formularen aufzubereiten, weil dies meines Erachtens den methodischen Weg zu sehr einschränkt. Sicher haben Sie im Laufe Ihrer beruflichen Praxis Ihre eigene Methodik |11|entwickelt, Projekte voranzutreiben, und sollten auch in Fragen Ihrer persönlichen Weiterentwicklung eine Methodik Ihrer Wahl anwenden können. Für alle Ausarbeitungen empfehle ich jedoch die Schriftform, um einzelne Stationen festzuhalten, auf die Sie zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder zurückkommen können. Ich habe der leichteren Lesbarkeit willen darauf verzichtet, jeweils weibliche Formen (z. B. der/die Gesprächspartner/in) zu verwenden, richte mich aber selbstverständlich gleichermaßen an Leser wie Leserinnen.

Die Kapitel 1, 3 und 5 möchten Sie mit den sich abzeichnenden langfristigen Tendenzen am Arbeitsmarkt, den unternehmensinternen Bedingungen individueller Karrieren sowie den psychologischen Erfolgskomponenten im Hinblick auf Intelligenz und Persönlichkeit vertraut machen. Diese drei Kapitel bilden gewissermaßen den theoretischen Rahmen für jene Analysen und Empfehlungen in Kapitel 2, 4 und 6, die Ihre persönliche Karriere betreffen und die Kernteile Ihres persönlichen Coaching-Programms bilden.

In Kapitel 2 wird eine systematische Bestandsaufnahme Ihrer bisherigen beruflichen Entwicklung und der persönlichen Lebensbedingungen vorgenommen, die auf Ihre Karriere Einfluss nehmen. Kapitel 4 leitet aus den Ergebnissen dieser Betrachtung im Rahmen einer Standortbestimmung die realen Optionen ab, die Ihnen kurz-, mittel- und längerfristig offen stehen, und unterstützt Sie bei der Formulierung entsprechender Zielsetzungen. Kapitel 6 reflektiert die Grundlagen Ihrer Entscheidungsfindung und erarbeitet die strategischen Schritte für die künftige Orientierung.

Heute, da Karrieren nicht mehr dem Automatismus quasi vorgefertigter Laufbahnen folgen, sollte niemand mehr das Thema der beruflichen Zukunft dem Zufall überlassen. Stillstand ist im heutigen Berufsleben im wahrsten Sinne des Wortes existenzbedrohend, und Karriereplanung ist zu einem unverzichtbaren Teil des beruflichen Werdegangs geworden. Selbst wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie eigentlich recht glücklich und zufrieden mit Ihrer derzeitigen Aufgabe sind, sollten Sie zumindest wachsam die sich vollziehenden Veränderungen in Ihrem beruflichen Umfeld reflektieren, um nicht unvermutet von externen Ereignissen überrollt zu werden.

|12|In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die nächsten Berufsjahre viel Erfolg, viel Kraft und den nötigen Mut, um Ihre berufliche Position immer wieder neu zu justieren. Beruf kann auch heute noch zur Berufung werden. Schließlich ist ihre Lebenszeit zu kostbar, um sie mit einem ungeliebten Beruf zu verbringen und zu belasten.

Silke Strauß

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|13|Kapitel 1

Der Arbeitsmarkt früher, heute und in Zukunft

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Individualismus, Selbstverwirklichung und Optionenvielfalt

Ein ganzes Leben an der Seite des gleichen Partners verbracht, Kinder und Enkelkinder im Verbund der Familie großgezogen, von der Ausbildung bis zur Rente der gleichen Firma gedient, zwei- bis dreimal im gesamten Leben umgezogen und dabei vielleicht einmal die Stadt gewechselt – die Biografien unserer Großeltern verliefen in so festen Bahnen, wie wir uns das aus heutiger Sicht kaum noch vorstellen können. Noch das Leben unserer Eltern war, anders als heute, in wenige große Abschnitte gegliedert.

Die heute Dreißigjährigen haben oft schon mehr Umzüge hinter sich gebracht als frühere Generationen in einem ganzen Leben. Ein erster Jobwechsel wird gemeinhin nach den ersten drei bis fünf Jahren in einer Firma angeraten. Zehn- oder zwanzigjährige Betriebszugehörigkeiten werden immer seltener. Das gilt ebenso für die lebenslange Ausübung einer einzigen Tätigkeit. Loyalität, so scheint es, wird auch von Arbeitgebern heute nicht mehr gefordert. Die privaten Beziehungen haben sich in ähnlicher Weise verändert: Frühe Entscheidungen für einen Lebenspartner möchte kaum einer mehr treffen. Auch lebenslange Bindungen werden seltener als früher eingegangen; die Zahl der Scheidungen steigt. Es scheint zu viele Optionen der Lebensgestaltung zu geben, als dass man sich auf einen einzigen Weg dauerhaft festlegen möchte.

Es wird schwerer, sich angesichts der Vielfalt möglicher Lebensentwürfe |14|zu orientieren. Doch die Wahlfreiheit eröffnet für jeden Einzelnen viel größere Chancen, einen der eigenen Identität gemäßen Weg zu finden. Wir unterliegen keiner starren Struktur und keinen unbeugsamen Regeln mehr, wir können selbst ermessen, was für uns gut und richtig ist. Die Möglichkeiten, einen einmal eingeschlagenen Kurs wieder zu verlassen, unterwegs Korrekturen vorzunehmen oder Fehlentscheidungen zu revidieren, haben eindeutig zugenommen. Allerdings bedarf es geeigneter Instrumentarien, um in Phasen wiederholter Um- und Neuorientierung auch die richtige Wahl zu treffen. Eine gründliche Prüfung der persönlichen Bedürfnisse und Ziele sowie der jeweils sich bietenden Optionen ist für jede verantwortliche Entscheidung unerlässlich.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten fünfzig Jahre verliefen, angetrieben durch den technologischen Fortschritt, ungleich rasanter und tiefgreifender als in den vorangegangenen Dekaden. Während etwa das Telefon für seine Verbreitung als Kommunikationsmittel noch fünfzig Jahre benötigte, brauchten Radio und Fernsehen jeweils ein Jahrzehnt, um in nahezu jeden Haushalt Einzug zu halten. Das Internet schaffte seinen Durchbruch in gerade einmal fünf Jahren.

Die Informationstechnologie hat Ende des 20. Jahrhunderts den Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft eingeläutet. Mit wenigen Mausklicks können wir heute ungehindert auf eine unermessliche Fülle an Informationen zugreifen. Es sind dieser Zugang zum Wissen und die effiziente Verarbeitung der riesigen Informationsmengen, die inzwischen über die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsteilnehmer entscheiden.

Die Vermehrung des weltweit verfügbaren Wissens schreitet dabei immer schneller voran. Derzeit spricht man von einer Verdoppelung des Weltwissens innerhalb von fünf Jahren; in zwanzig Jahren, so die Prognosen, wird dieser Zeitraum auf etwa 70 Tage zusammengeschrumpft sein. Auch die Anforderungen an die lebenslange Lernfähigkeit jedes Einzelnen steigen damit enorm. Schon heute geht man davon aus, dass künftig jeder im Arbeitsleben Stehende zwei- bis dreimal sein Know-how erneuern muss und sich nicht mehr auf eine einmal absolvierte Ausbildung stützen kann.

|15|Der durch moderne Technologien, Internationalisierung und Globalisierung beschleunigte Wandel hat in den letzten Jahren vor allem die Arbeitswelt erfasst und bis dahin gültige Strukturen immer mehr aufgelöst. Desolate Zustände am Arbeitsmarkt sind wirtschaftliche Realität geworden. Sichere Arbeitsplätze gibt es fast nicht mehr – in keiner Branche und auf keiner Hierarchieebene. Das Zeitalter des Internet hat alte Betätigungsfelder überflüssig gemacht und neue Berufsbilder entstehen lassen. Spätestens das Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2001 hat die Unwägbarkeiten und das Auf und Ab der Ökonomie deutlich vor Augen geführt. Angesichts solcher Einbrüche, begleitet von entsprechenden Kursstürzen an der Börse, angesichts permanenter Umstrukturierungen von Unternehmen und von ganzen Branchen erscheinen auch Prognosen über künftige Entwicklungen der Berufswelt sowie individueller Karrieren unsicher und jederzeit revidierbar.

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Zukunft der Arbeit – hat die Arbeit eine Zukunft?

Technologische Entwicklungen haben in den letzten Jahrzehnten bereits einen enormen Anteil an Arbeit überflüssig gemacht. Vor diesem Hintergrund entfachte der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin Ende der achtziger Jahre eine Diskussion über das »Ende der Arbeit«. In seinem gleichnamigen Buch schuf er das Szenario einer Zukunft, in der computergesteuerte Automaten für Rationalisierung in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft sorgen und damit eine Vernichtung von Arbeitsplätzen bislang nicht gekannten Ausmaßes verursachen.

Eines ist sicher: Die Entwicklungen lassen sich nicht zurückdrängen, die tatsächlich »vorhandene« Arbeit wird weiter schrumpfen, weil Maschinen und Computer immer mehr Arbeitsplätze ersetzen, die ehemals von Menschen ausgefüllt wurden. Die Zahl der in der Produktion Beschäftigten sinkt kontinuierlich; gleichzeitig wächst der Dienstleistungssektor, und neue Arbeitsformen entstehen, die vor allem der Rubrik »Wissensarbeit« zuzuordnen sind. Die unmittelbaren |16|Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Arbeits- und Lebensgewohnheiten jedes Einzelnen sind immens. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup spricht von der »Erosion der herkömmlichen Arbeitsverhältnisse«. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Anteil der abhängig Beschäftigten an den Erwerbstätigen von 1960 bis 1979 kontinuierlich stieg, nämlich von 77 Prozent auf 88 Prozent, seit Anfang der achtziger Jahre aber stetig sinkt.

Anders als früher, wo Veränderungsprozesse langfristiger verliefen und das Berufsleben im Allgemeinen beständig und kalkulierbar war, scheint in unserer Zeit tatsächlich das einzig Beständige der Wandel und die Unsicherheit zu sein.

Dies hat nicht nur sich verändernde Arbeitsinhalte zur Folge, es hat auch Auswirkungen auf die Form, in der Arbeit heute und in Zukunft organisiert wird. Der Begriff des »Jobnomadentums«, mit dem Soziologen und Zukunftsforscher künftige Entwicklungen am Arbeitsmarkt umschreiben, umfasst die dafür charakteristischen Merkmale, die sich bereits heute deutlich abzeichnen:

Langfristige Vertragsbindungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern gehen zurück; betriebliche Versorgungspakete werden zugunsten individueller Absicherungsmodelle auf ein Mindestmaß reduziert. Befristete Verträge, projektgebundene Engagements und losere Formen der Zusammenarbeit führen dazu, dass Arbeitsverhältnisse ihre ehemals auf Dauer angelegte Verbindlichkeit verlieren. Perspektivisch werden sich dafür auch die gesetzlichen Grundlagen weiter lockern. Die kostengünstigere Auslagerung von Teilprojekten an Externe, die Zusammenarbeit mit Selbstständigen und Freiberuflern wird daher weiter zunehmen. Teams werden immer häufiger fallweise für ein bestimmtes Projekt zusammengestellt, um sich dann wieder aufzulösen.

Diese neuen Kooperationsformen mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Mitbewerbern erfordern andere Formen der Kommunikation und des Führens, die im Unterschied zu althergebrachten Strukturen der größeren Autonomie der Partner Rechnung tragen.

|17|In den Unternehmen selbst haben sich losere Arbeitsformen eingebürgert, bis hin zur Auflösung von festen Arbeitsplätzen. Mobile Bürocontainer machen Büroräume, die einzelnen Mitarbeitern fest zugeordnet sind, überflüssig. Virtuelle Unternehmensverbünde entstehen durch vermehrte Home-Office-Einsätze; ein Einsatz vor Ort ist nicht mehr zwingend erforderlich.

Von Seiten der Mitarbeiter sinkt durch solche Tendenzen die Loyalität gegenüber einem Arbeitgeber. Die Verweildauer in Unternehmen hat sich im Durchschnitt drastisch nach unten bewegt. Im Bedarfsfall versuchen große Unternehmen durch vielfältige Bindungssysteme und ausgefeilte Personalentwicklungsstrategien dieser Entwicklung sogar schon wieder entgegenzuwirken. Doch das Wechseln der Position in relativ kurzen Zeitspannen findet am Arbeitsmarkt überwiegend Akzeptanz, ja wird sogar empfohlen.

Wechselbereitschaft und Mobilität der Mitarbeiter wird in weit stärkerem Maß als noch vor zwei oder drei Jahrzehnten gefordert. In höheren Hierarchieebenen ist ein Wechsel der Position fast schon selbstverständlich mit einem Ortswechsel verbunden. In Top-Positionen, auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene, ist ein Standortwechsel zunehmend auch grenzüberschreitend notwendig und allgemein akzeptiert. Dies zeigt die steigende Anzahl der weltweiten Karrieren in allen Geschäftsfeldern. Denn wo Transaktionen global getätigt werden, sind Beteiligte mit interkultureller Kompetenz und Bereitschaft zu entsprechender Mobilität gefordert.

Unter dem wachsenden Druck am Arbeitsmarkt steigt die Bereitschaft der Menschen, für Arbeit den Standort oder auch das Metier zu wechseln. Viele dieser aktuellen Entwicklungen sind in den USA bereits vorweggenommen und werden sich auch hierzulande weiter verstärken. Das als »Hire and Fire« bezeichnete amerikanische System bietet den Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter im Bedarfsfall flexibler einzustellen und bei rückläufigem Geschäft oder schlechter Performance auch wieder freizusetzen. Die Restriktionen durch Gesetzgebung, Betriebsräte, Gewerkschaften und Tarifverträge |18|sind weit weniger ausgeprägt als in Deutschland. Entsprechend ist auch die Wechselmentalität der Mitarbeiter stärker. Viele Amerikaner haben zudem Zweit- und Drittjobs, weil sie von einer Beschäftigung nicht leben können. Zeitarbeits- und Personalvermittlungsfirmen arbeiten auf anderem Niveau.

In Zukunft werden temporäre Beschäftigungsverhältnisse gegenüber den heute noch vorherrschenden festen Anstellungsverhältnissen dominieren. Dieser Trend ist bereits heute unübersehbar. In Großbritannien beispielsweise ist im Jahre 2001 der größte Arbeitgeber nicht etwa IBM oder General Motors, sondern die Zeitarbeitsfirma Manpower, die eine knappe Million Angestellte beschäftigt. Einschlägige Prognosen zum Beispiel des Hamburger Trendforschers Peter Wippermann weisen darauf hin, dass im Jahr 2010 die Mehrheit aller Erwerbstätigen keine Vollzeitbeschäftigung mehr haben wird und dass im Jahr 2020 nur noch 40 Prozent aller Beschäftigten eine Daueranstellung haben werden. Die übrigen werden in Projekt und Teilzeitbeschäftigungen tätig sein. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Selbstständigen zu. Bereits im Jahr 2002 waren von den 3,2 Millionen in Deutschland existierenden Unternehmen zwei Drittel, also 2 Millionen, Ein-Personen-Firmen.

Die Modelle von Arbeitsverhältnissen werden vielfältiger, und sie werden sich weiter verändern. Somit steht der Arbeitsmarkt der Zukunft vor allem unter einem Vorzeichen: dem einer zunehmenden Flexibilisierung.

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Die Welt wird bunter – ist Karriere in Zukunft noch planbar?

Die permanenten Anpassungsleistungen an einen hochdynamischen Markt werden zweifellos auch in Zukunft mit einem weiteren Verlust an gewohnter Sicherheit, Stabilität und langfristiger Planbarkeit einhergehen. Der Anspruch an Mitarbeiter, flexibel, mobil und anpassungsfähig zu sein, steigt. Diese Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds gehen jedoch auch mit veränderten subjektiven Ansprüchen |19|der Beschäftigten einher. Dazu gehört der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten ebenso wie der nach einem hohen Maß an Selbstbestimmung, an wechselnden Arbeitsinhalten und einem vielfältigen Fortbildungsangebot. Ungeachtet eines Heers von Arbeitslosen steigen die Ansprüche an Arbeit im Hinblick auf Sinnstiftung und individuelle Selbstverwirklichung. Die bloße »Versorgung« mit Arbeit erscheint längst nicht mehr ausreichend.

Dies setzt andere Maßstäbe auch in der individuellen Karriereplanung. Und in der Tat bietet der komplexer werdende und sich schneller wandelnde Arbeitsmarkt bei aller Unwägbarkeit andere und neue Chancen für einen den individuellen Bedürfnissen entsprechenden Berufsweg. Die Vielfalt der Optionen nimmt definitiv zu:

Im Zuge eines weiteren Anstiegs von Projektarbeit, Teilzeit- und befristeten Arbeitsverhältnissen wird der Anteil an Freiberuflern und Selbstständigen deutlich steigen. Wie Schnellboote werden sie die großen Unternehmen umkreisen und zu einem gewichtigen Teil des Arbeitsmarkts werden. All dies bietet größere Chancen zum Aufbau einer selbstständigen Existenz und zu einer größeren Autonomie in Beschäftigungsverhältnissen. Es ermöglicht nicht zuletzt eine individuellere Gestaltung der Lebens- und Arbeitszeit.

Die regulären Arbeitszeiten werden sich noch mehr auflösen als bisher. Die Bereitschaft, auch zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten, wird unumgänglich. Ladenschlussgesetze werden – trotz einer derzeit zu beobachtenden rückläufigen Entwicklung – irgendwann ein Fossil aus der Vorzeit sein. Geschäfte werden an den Kundenbedürfnissen orientierte Öffnungszeiten haben. In den Konzernen wird zunehmend nach Lebensarbeitszeitmodellen gearbeitet werden, um Zeiten schwankender Auslastung zu überbrücken, ohne ständig entlassen und einstellen zu müssen; das wird auch die Gestaltung von Arbeitsverträgen grundlegend verändern.

Mit den neuen Formen der Arbeitszeitgestaltung werden sich Freizeit und Arbeitszeit stärker vermischen und ineinander fließen. Dies wird zu einem erhöhten Dienstleistungsaustausch unter Privatpersonen führen. Tauschgeschäfte von Dienstleistungen werden sich etablieren.

|20|Der Weiterbildungsmarkt wird eine steigende Bedeutung erfahren und immer vielfältigere Angebote zur Erweiterung des persönlichen Kompetenzspektrums bieten. Dies bezieht sich insbesondere auf persönlichkeitsbildende Trainingsmaßnahmen und Beratung.

Die Entstehung neuer Geschäftsfelder bietet auch Quereinsteigern bessere Chancen. Die Überkreuzung und Verschmelzung von Disziplinen bringt den Bedarf an nicht konventionellen Persönlichkeitsprofilen hervor, an Personen, die im herkömmlichen Sinn eher auseinander liegende Kompetenzen in sich vereinen. Der Begriff der »Schnittstellenpersönlichkeiten« ist hierfür prägend geworden. Bei Berufsbildern, die früher auf einen einzigen Weg festgelegt waren, ergeben sich heute Möglichkeiten der Überkreuzung mit anderen Tätigkeitsfeldern. Ausgebildete Fachleute wie Ärzte, Ingenieure oder Geisteswissenschaftler können zum Beispiel außerhalb Ihres Metiers auch in wirtschaftsnahen Bereichen wie Unternehmens- und Personalberatung oder in der Öffentlichkeitsarbeit tätig werden. Selbst in Domänen, wo Werdegänge früher schlechthin von Kontinuität geprägt waren, gibt es mittlerweile Einsätze außerhalb der angestammten Beschäftigungsfelder. So bietet zum Beispiel das bayerische Wirtschafts- und Finanzministerium den Anwärtern auf die höhere Beamtenlaufbahn neuerdings einen befristeten »Außendienst« in der freien Wirtschaft an, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Durch all diese Entwicklungen werden Berufsbiografien künftig völlig anders als früher aussehen und auch lebenszeitlich in unterschiedliche Phasen geteilt sein. Es werden sich Phasen im Angestelltenverhältnis mit Phasen einer selbstständigen Tätigkeit oder eines temporären Ausstiegs aus dem Berufsleben abwechseln. Es werden Wechsel zwischen Stabs- und Linienfunktion sowie zwischen Management- und Fachkarriere stattfinden. Die Schornsteinkarriere klassischer Prägung wird der so genannten Patchwork-Karriere, einer aus unterschiedlichen Teilstücken zusammengesetzten Laufbahn, weichen.

|21|Für solche Karrieren sind die Hürden in einer wissensdominierten Welt kleiner geworden. Die Autorin und Filmemacherin Gundula Englisch wendet auf dieses Phänomen ebenfalls den Begriff des Jobnomaden an. Doch sie versteht darunter nicht den aus allen Sicherungsnetzen herausgefallenen Tagelöhner der Neuzeit, sondern den mobil, flexibel und zugleich autonom tätigen Typus, dem die Zukunft gehört: »Jobnomaden können überall arbeiten. Sie tragen ihr Büro in der Westentasche, ihren Ideenspeicher im Kopf, ihre persönlichen Visionen im Herzen und verfügen über ihre Arbeitskraft nach eigenem Ermessen.«

Wissensarbeiter, Kopfarbeiter oder Flexisten werden die Akteure dieser neuen Arbeitswelt genannt. Flexisten deswegen, weil sie sowohl räumlich als auch zeitlich völlig ungebunden agieren. Sie sind nicht an feste Arbeitszeiten gebunden und haben in den Firmen, für die sie arbeiten, keine festen Büros.

Viele Menschen werden in Zukunft mehrere Jobs haben, vielleicht sogar einen, den sie ehrenamtlich und ohne Vergütung verrichten, oder einen Nebenerwerb, von dem alleine sie nicht leben könnten, der aber ihr Leben bereichert und vielleicht sogar stärker erfüllt als der eigentliche Erwerbsjob. Diese Form der Arbeit erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation, Networking und Kommunikation, ein ganzes Bündel an unterschiedlichen Kompetenzen also. Sie ist vor allem Ausdruck einer gestiegenen Vielfalt der Optionen gegenüber traditionellen Arbeitsverhältnissen.

Es wird schwieriger, Orientierung zu finden in einer Welt, die fast alles erlaubt und vieles möglich macht. Der Wegfall verbindlicher Lebensmodelle fordert einen hohen Grad an Selbstreflexion und Eigenverantwortlichkeit in den persönlichen Entscheidungen. Es gilt, die eigenen Bedürfnisse, Motive, Ziele und Visionen genau zu ergründen, und es bedarf klug durchdachter Strategien, um sie erfolgreich umzusetzen. Dies betrifft auch die individuelle Berufs und Karriereplanung. Genau darin möchte Ihnen dieses Buch Unterstützung geben. Auch mitten auf einem schon eingeschlagenen beruflichen Weg bieten Veränderungen Chancen der persönlichen Neuorientierung. Diese gilt es aufzudecken und konsequent zu nutzen. Dazu braucht es Mut. Doch er zahlt sich aus. Die aktive |22|Ausgestaltung des eigenen Berufswegs wird Ihnen neue Perspektiven eröffnen und zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit beitragen. Ohne die Entwicklung persönlicher Qualitäten wird sich im Übrigen auch der beruflich angestrebte Erfolg nur schwerlich einstellen.

Die folgenden Empfehlungen sollen Sie darauf vorbereiten, aufmerksam die Veränderungen Ihres Umfelds wahrzunehmen, daraus sich ergebende Chancen für Ihre persönliche Entwicklung zu erkennen und aktiv Strategien zu deren erfolgreicher Realisierung zu ergreifen.

1. Stellen Sie sich auf Veränderungen ein. Sie werden kommen.

Auch wenn Sie heute meinen, dass Sie Ihre derzeitige Tätigkeit noch lange Zeit so wie heute ausüben können: Rechnen Sie – mindestens als gedankliche Übung – auch damit, dass dem nicht so sein wird. Bleiben Sie niemals in Ihrer Entwicklung stehen, sondern versuchen Sie immer, den nächsten Schritt vorauszudenken und gleichzeitig Alternativen zu erwägen.

2. Seien Sie vorbereitet auf den nächsten Schritt.

In jeder Position sollten Sie stets die gebotenen Möglichkeiten der Weiterentwicklung – sowohl fachlich als auch persönlich – annehmen und diese darüber hinaus selbst aktiv betreiben. Das kann bedeuten, eine weitere Fremdsprache zu erlernen, ein Ihrem Fach verwandtes Wissensgebiet im Selbststudium zu erarbeiten oder eine bestimmte persönliche Kompetenz, wie Kommunikation oder Führungsverhalten, systematisch zu schulen.

3. Bleiben Sie wachsam für die Entwicklungen, die Sie und Ihren Beruf bestimmen.

Heute gibt es keine Jobs mehr, die nicht dem Wandel unterliegen. Beobachten Sie stets, was sich »außerhalb« Ihrer Welt ereignet. Der Mikrokosmos eines Unternehmens verführt zur Betriebsblindheit. Wirken Sie dem aktiv entgegen, indem Sie nicht nur die nahe Konkurrenz und den heimischen Markt beobachten, sondern zum Beispiel auch die Entwicklung Ihrer Branche im Ausland verfolgen. Erschließen |23|Sie sich anliegende Kompetenzbereiche oder solche, die sich gut mit den Ihren vernetzen lassen.

4. Bleiben Sie offen für die Veränderungen, die um Sie herum passieren.

Wenn in Ihrem Unternehmen Veränderungen anstehen, gehen Sie aktiv darauf zu. Melden Sie sich für Pioniertätigkeiten, neue Aufgabenstellungen oder Sonderprojekte und vermeiden Sie die überhebliche Einstellung, dass etwas Neues gar nicht notwendig sei. Es ist leichter, die Chancen abzuschätzen, die Neuerungen bieten, wenn Sie wissen, worum es geht. Verlassen Sie Ihre eigenen Bequemlichkeitszonen und lassen Sie sich die Gelegenheit, Neues kennenzulernen, niemals nehmen.

5. Vermeiden Sie mentale Isolation. »Einigeln« ist die denkbar schlechteste Taktik im beruflichen Leben.

Netzwerke sind das A und O der beruflichen Entwicklung. Ihr Wert ist unschätzbar und steigt zunehmend. Intern haben Sie wahrscheinlich schon gelernt, sich selbst zu positionieren. Wann immer Sie die Chance haben, nutzen Sie auch externe Kontakte und pflegen Sie sie. Planen Sie in Ihren Arbeitsalltag regelrecht eine Zeit für »Kontaktpflege« ein. Führen Sie eine Liste von Personen, mit denen Sie in Kontakt bleiben wollen. Richten Sie einmal im Monat einen halben Tag ein, den Sie ausschließlich darauf verwenden, diese Kontakte zu pflegen.

6. Schenken Sie Ihrer persönlichen Entwicklung mindestens so viel Aufmerksamkeit wie der Erledigung Ihrer Aufgaben.

Eher noch sollten Sie Ihr Haupt-Augenmerk auf Ihre eigene Entwicklung legen. Überprüfen Sie kontinuierlich Ihre Kenntnisse, Ihre Standpunkte und die Qualität Ihrer Kontakte. So, wie Sie Wiedervorlagen für geschäftliche Prozesse organisieren, sollten Sie sich regelmäßig Ihre eigene Entwicklung – idealerweise mindestens einmal im Jahr – vornehmen. Setzen Sie sich jährliche persönliche Ziele und bearbeiten Sie diese wie eine Soll/Ist-Analyse.

|24|7. Erkennen Sie eigene Bedürfnisse und handeln Sie danach.

Dazu gehört, dass Sie nicht zufrieden stellende Umstände analysieren und sich selbst das Ziel setzen, sie zu beseitigen, so es denn in Ihrer Macht steht, oder konsequent eine Veränderung Ihrer Situation einzuleiten. Ihre Arbeitszeit ist ein wesentlicher Teil Ihrer Lebenszeit – und damit kostbar.

8. Werden Sie aktiv!

Das können Sie bereits anhand der Anleitungen dieses Buches tun. Erste Schritte sind die Wahrnehmung, die Reflexion und die Analyse Ihrer derzeitigen Situation. Beschäftigen Sie sich mit anstehenden oder sich bereits vollziehenden Veränderungen, möglichst bevor es zu einer krisenhaften Zuspitzung kommt und Ihnen die rote Karte, sei es privat oder beruflich, gezeigt wird. Damit können Sie jetzt unmittelbar beginnen.

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|25|Kapitel 2

Ihre persönliche Bilanz

Unter den Bedingungen einer sich tiefgreifend verändernden Arbeitswelt werden Erwerbsbiografien künftig unsteter und weniger voraussehbar verlaufen, Abzweigungen vom einmal eingeschlagenen beruflichen Pfad sind schon heute selbstverständlicher Teil der professionellen Entwicklung. Damit erschließen sich neue und gegenüber früher anders geartete Betätigungsfelder, die Sie für die eigene Karriere dann am zuverlässigsten nutzen können, wenn Sie sich zunächst der Erkundung Ihrer individuellen Voraussetzungen, Ihrer Stärken und Schwächen, der Rahmenbedingungen Ihres persönlichen Lebens und Ihrer derzeitigen beruflichen Positionierung zuwenden.

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Ein systematischer Ansatz

Dieses Kapitel gibt Ihnen einen Leitfaden an die Hand, der Ihnen helfen wird, in Fragen Ihrer beruflichen und persönlichen Orientierung mehr Sicherheit und Klarheit zu gewinnen. Grundlage für alle weiteren Schritte wird zunächst eine detaillierte Bestandsaufnahme sein, die eine Analyse Ihrer gegenwärtigen Lebensumstände umfasst. Sie wird sich darüber hinaus den vergangenen Stationen Ihres Lebens zuwenden mit dem Ziel, möglichst viele in Ihrer Biografie angelegte, vielleicht bisher versteckte oder auch nur vergessene Facetten zu entdecken und als Optionen nutzbar zu machen. Sie werden persönliche |26|Zukunftsvisionen formulieren können, um daraus konkrete Zielsetzungen, gegebenenfalls Entscheidungen für künftige Veränderungen abzuleiten. Jede Veränderung kann Angst machen. Doch werden Sie dagegen am besten gewappnet sein, indem Sie planmäßig und in klaren Schritten vorgehen und so auf jeder einzelnen Etappe die Gelegenheit haben, Chancen und Risiken realistisch gegeneinander abzuwägen.

Gerade wenn Sie nicht mehr am Anfang Ihrer beruflichen Entwicklung stehen und bestimmte Weichenstellungen in der Vergangenheit bereits vollzogen haben, gilt es, nicht etwa verpassten Chancen oder einer nicht mehr unbegrenzten Entscheidungsfreiheit nachzutrauern, sondern jene Möglichkeiten, die Ihnen heute offen stehen, zu erkennen und gezielt wahrzunehmen.

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Entscheidungsmöglichkeiten und persönliche Rahmenbedingungen

Nachdem Sie beruflich bereits eine gewisse Wegstrecke zurückgelegt haben, markiert die Reflexion über Ihren bisherigen persönlichen und beruflichen Werdegang einen wesentlichen Meilenstein und oftmals einen entscheidenden Wendepunkt. Sind Sie im Alter zwischen Mitte Dreißig und Mitte Vierzig, so werden erste große und ultimative Lebensveränderungen bereits hinter Ihnen liegen. Diese Veränderungen sind – positiv wie negativ – zu einem unverrückbaren Teil Ihrer Erfahrung geworden. Ihr Charakter, Ihre Persönlichkeit hat sich geformt und ausgeprägt. Die Zeit des unverbindlichen Experimentierens, des spielerischen Umgangs mit den eigenen Fähigkeiten ist vorüber. Ihre Bedürfnisse und Wünsche haben sich deutlich herauskristallisiert. Und wahrscheinlich haben Sie auch eindeutige »No-Go-Kriterien« für weitere Stationen Ihres künftigen Lebens entwickelt.

Auch wenn Sie vielleicht noch immer in dem Unternehmen arbeiten, in das Sie nach Ihrer Ausbildung eingetreten sind, Ihre Einstiegsposition werden Sie wahrscheinlich hinter sich gelassen und |27|damit erste entscheidende Hürden genommen haben. Und wenn Sie bereits in verschiedenen Unternehmen Erfahrungen sammeln konnten, hatten Sie sicher Anlass genug, deutliche Vorstellungen über Ihre Bedürfnisse und Ziele auszubilden.

Im Laufe dieser Entwicklung dürfte sich naturgemäß aber auch die Optionenvielfalt früherer Jahre vermindert haben – schon allein deshalb, weil Ihr Leben, privat ebenso wie beruflich, mittlerweile in relativ festen Bahnen verläuft. Persönliche Prägungen sind auch dadurch entstanden, dass Verluste und schmerzliche Erfahrungen, etwa in zwischenmenschlichen Beziehungen wie Trennungen oder Scheidungen, vielleicht auch gesundheitliche Krisen, ihre Spuren hinterlassen haben. Und wer eine Familie gegründet hat, wird aus dieser Perspektive heraus eine Veränderung der Wertigkeiten gegenüber früher erfahren haben.

In jedem Fall bewegen Sie sich in einem Lebensrahmen, den es nicht zuletzt finanziell zu erhalten und abzusichern gilt. Sie pflegen einen gewissen Lebensstandard, haben vielleicht eine Wohnung oder ein Haus erworben, möchten regelmäßig verreisen und für Ihr Alter vorsorgen. Vielleicht sind Sie dafür verantwortlich, andere Familienmitglieder zu versorgen. Und wenn Sie Kinder haben, haben Sie womöglich damit begonnen, Vorsorge für deren Ausbildung und die daraus resultierenden laufenden Kosten zu treffen.

Ein Geflecht von Beziehungen und Bindungen – seien sie familiärer, beruflicher oder auch finanzieller Natur – hat sich so im Laufe der Jahre um Sie herum gesponnen. Sie könnten sich diesem gar nicht mehr von heute auf morgen entziehen. Vielmehr müssen Sie dieses Geflecht zunächst einmal als eine Gegebenheit, die Ihr Leben maßgeblich ausmacht, annehmen und es in alle Ihre weiteren Planungen mit einbeziehen.

Durch Prioritäten, die Sie in der Vergangenheit gesetzt haben, haben Sie die Rahmenbedingungen ihres heutigen Lebens mitgeschaffen. Die Gestaltung Ihrer Zukunft kann davon nicht mehr losgelöst betrachtet werden. Dennoch tun Sie gut daran, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, was Sie wirklich in Ihr weiteres Leben mitnehmen und auf was Sie gegebenenfalls verzichten möchten.

Jeder Mensch ist mit all seinen persönlichen Bindungen Teil eines |28|übergreifenden Gefüges. Folglich werden Sie niemals über den grenzenlosen Horizont eines völlig unabhängig agierenden, uneingeschränkt mobilen und jederzeit wechselbereiten Menschen verfügen. Unweigerlich baut sich somit im Laufe des Lebens ein Spannungsfeld zwischen mehr oder weniger feststehenden Gegebenheiten einerseits und dem utopischen Anspruch vollkommener persönlicher Autonomie und Entscheidungsfreiheit andererseits auf.

Das folgende Selbstcoaching-Programm soll Ihnen dabei helfen, einmal Ihren persönlichen Mikrokosmos sowie die zahlreichen externen Einflüsse, die Ihr Leben bestimmen, genauer unter die Lupe zu nehmen. Beide Aspekte verhalten sich zueinander wie die zwei Seiten einer Medaille, die nicht unabhängig voneinander bestehen können. Um es in der Sprache der Wirtschaft zu formulieren: Kein Wirtschaftsteilnehmer kann mit seiner mikroökonomischen Planung losgelöst vom Markt, von den makroökonomischen Gegebenheiten, agieren. Die totale Anpassung an die Marktumstände wiederum trägt nicht den persönlichen Bedürfnissen Rechnung.

Der Ausgleich zwischen beiden Sphären aber – den eigenen Ansprüchen und denen der Außenwelt – birgt ein hohes Konfliktpotenzial. Ernste Lebenskrisen können die Folge sein, wenn es nicht gelingt, etwa eine notwendige berufliche Umorientierung mit dem persönlichen Lebensumfeld zu vereinbaren. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

Steffen K., 36 Jahre alt, ist Ingenieur, verheiratet und hat zwei Kinder. Seit neun Jahren arbeitet er in einem Glas produzierenden Unternehmen, das ihm nach sechs Jahren die Geschäftsführung eines kleinen, spezialisierten Produktionszweiges anvertraute. Das Projekt scheiterte, Steffen K. wurde mit der Rückabwicklung beauftragt. Bereits in dieser Phase bemerkte er, dass das Vertrauen seiner Vorgesetzten gelitten hatte. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Als Geschäftsführer waren ihm zwar einige Fehler unterlaufen, doch – so hält er sich zugute – war es vor allem der Markt, der einfach gegen ihn lief. Was als Projekt so vielversprechend schien, war so in der Praxis einfach nicht umzusetzen. Seinen

Vorgesetzten aber fehlte der lange Atem, so dass sie ihm nach nur zwei Jahren den Geldhahn zudrehten. Die verfügbaren Gelder wurden für andere, erfolgversprechendere |29|Bereiche aufgewandt. Steffen K. fasste den Entschluss, sich extern zu bewerben. Allerdings gab es in Deutschland nur eine einzige Firma, die sein äußerst spezifisches Know-how hätte verwerten können. Obwohl das Vorstellungsgespräch gut verlief, erhielt er kein Angebot. Die Firma zog »Eigengewächse« für die Managerlaufbahn vor. Nach einem fast endlosen Jahr quälender Stagnation bot ihm seine Firma eine Position in Frankreich an. Er konnte nicht ablehnen, wusste er doch nur zu gut, dass Positionen dieser Art äußerst rar waren. Nach ersten Gesprächen stellte sich jedoch heraus, dass er mit  Verdiensteinbußen zu rechnen hätte. Auch die Aufgabenstellung sagte ihm nicht wirklich zu. Die Gespräche mit seiner Frau wurden immer belastender, da sie mit den Kindern nicht in ein anderes Land ziehen wollte, dessen Sprache sie nicht verstand. Trotz aller offenkundigen Hinderungsgründe sah Steffen K. jedoch keine andere Möglichkeit, als die angebotene Stelle anzunehmen.

Das Beispiel zeigt, wie leicht der Anspruch beruflicher Flexibilität und persönlicher Entscheidungsfreiheit in Konflikt mit den individuellen Lebensumständen geraten kann, die die abstrakte Vielfalt der Optionen notwendigerweise begrenzen. Eine systematische Standortbestimmung, die wir im Laufe dieses Kapitels als Grundlage Ihrer künftigen Karriereplanung vornehmen werden, sollte daher die Analyse sämtlicher Rahmenbedingungen Ihres persönlichen Lebens einbeziehen.

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Karrieremuster – Musterkarrieren

Karrieren entwickeln sich in der Regel nach einem typischen Muster, das sich recht genau beschreiben lässt. Sie verlaufen vor allem zeitlich in bestimmten Phasen oder Zyklen. Dies gilt für den Bereich der Wirtschaft ebenso wie für andere Berufsfelder. Nirgendwo aber lässt sich der Verlauf einer klassischen Karriere so deutlich ablesen wie in der Sphäre des Sports. Die typische Karriere eines Spitzensportlers bietet sich geradezu als ein Modell an, aus dem sich vielfältige |30|