Vom Fleisch fallen. - Corinna Schirmer - E-Book

Vom Fleisch fallen. E-Book

Corinna Schirmer

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Beschreibung

Veggi-"Burger", Soja"wurst", vegetarisches Hack – Fleischersatzprodukte boomen und scheinen das Zeitalter der karnivoren Krise einzuleiten. Ganz zum Leidwesen der Fleischindustrie, deren Kampf um die Namensgebung das Europäische Parlament nicht ausfechten will und gegen das "Benennungsverbot" von vegetarischen Waren als "Wurst" gestimmt hat. Während uns der Veggi-Burger also erhalten bleibt, fragt sich Kulturanthropologin Corinna Schirmer in ihrem Beitrag in Kursbuch 204, wie es um den Umgang mit Fleisch in den vergangenen Jahrhunderten bestellt war und ist. Ist die heute propagierte vegetarische (und vegane) Ernährungsweise nur Luxuserscheinung? Oder angemessene Kehrtwende?

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Seitenzahl: 15

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Corinna SchirmerVom Fleisch fallenDas Ende einer Essgewohnheit

Die Autorin

Impressum

Corinna SchirmerVom Fleisch fallenDas Ende einer Essgewohnheit

Im Oktober 2020 beriet das EU-Parlament über einen Gesetzesentwurf, der die Benennung von vegetabilischen Produkten regeln sollte. Ziel des Entwurfs sollte sein, die sprachliche Nähe zwischen pflanzlichen und fleischlichen Produkten zu regulieren beziehungsweise sie klar voneinander abzugrenzen. Mit anderen Worten: Veggie-Burger, vegetarische Wurst und Co. sollten künftig andere Namen bekommen. Vorbild für diesen Gesetzesentwurf war eine EU-Verordnung, die die Benennung von Milchprodukten beziehungsweise von Produkten, deren Namensgebung an originäre Tiermilchprodukte erinnern könnte, mit folgender Regelung unterbindet: »Der Ausdruck ›Milch‹ ist ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug, vorbehalten.« 1 Das EU-Parlament entschied – entgegen der Entscheidung aus dem Jahre 2013 zum Thema »Milch« – bei der Benennung von sogenannten Fleischersatzprodukten jedoch dahin gehend, dass eine Regulierung seitens der EU nicht vorzunehmen sei: »Die Abgeordneten lehnten alle Vorschläge ab, sich auf Fleisch beziehende Bezeichnungen für fleischhaltige Produkte zu reservieren. Für Produkte auf pflanzlicher Basis und die Namen, die sie derzeit beim Verkauf verwenden, wird sich nichts ändern.« 2

Die Entscheidung mutet wie ein Erfolg für derzeitige Vermarktungsstrategien fleischloser Steaks, Frikadellen und diverser Äquivalente an. Und dient gleichzeitig zur Dokumentation eines Höhepunkts zwangloser vegetabilischer Ernährung: Seit einigen Jahren erobern Fleischersatzprodukte die Supermarktregale. Sie gehören – teils als Lifestyle-Produkte – zu einer (vermeintlich) umweltbewussten, ethisch-moralisch geprägten Ernährungsweise, die im Zuge fortschreitender Globalisierung, Diskussionen um Klimawandel und Erderwärmung sowie prekärer Tierhaltungsbedingungen zunehmend an Unterstützung gewinnt. Befindet sich das Fleisch als Nahrungsmittel also in der Krise?

Vegetabilische Ernährung – eine Erfindung des 21. Jahrhunderts?