Vom Rettungsboot zum Leuchtturm - Bärbel Jung - E-Book

Vom Rettungsboot zum Leuchtturm E-Book

Bärbel Jung

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Beschreibung

Mit diesem Ratgeber zeigt Bärbel Jung Wege auf, wie Sie sich als Eltern selbst stärken und Ihr familiäres Chaos selbstbestimmt besiegen können. Für die Autorin und fünffache Mutter sind die stärksten mitmenschlichen Wirkkräfte innerhalb der Familien. Wir können uns schwächen, wir können uns stärken: Immer! Es bleibt in unserer Macht! Und so eröffnet dieser Begleiter Ihnen als Eltern einen einmaligen Schatz: In einfacher Sprache macht Bärbel Jung fundiertes Wissen über Entstehung und Verlauf von emotionalem Chaos innerhalb unserer Familien verstehbar. Dank ihrer jahrelangen Praxistätigkeit und Psychoedukation im Auftrag einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, kann sie über persönliche Erzählungen betroffener Eltern die Menschen dort abholen, wo sie sind: in der Krise. Alle berichtenden Eltern hatten, in Zeiten extremst emotionalen und stark herausfordernden Verhaltens ihrer Kinder, den Glauben daran, gute Eltern zu sein, verloren. Aus ihrem familiären Zusammenleben entwickelte sich im Laufe der Jahre ein verzweifelter Kampf gegeneinander, in dem jedes Familienmitglied letztendlich zum einsamen Verlierer wurde. Auch wenn sich die persönlichen Schicksale im Detail unterscheiden, stehen alle Eltern im Umgang mit emotionaler Instabilität vor vergleichbaren Problematiken. Wie ein Leuchtturm zeigt dieser Begleiter Achterbahnfamilien den Weg: heraus aus dem Chaos, hinein in ruhigere Gewässer des Miteinanders. Echte Verbundenheit kann neu gelebt werden, selbst dann, wenn wieder mal einer in der Familie vom Kurs abkommt. den Weg: heraus aus dem Chaos, hinein in ruhigere Bahnen des Zusammenlebens. Echte Verbundenheit kann immer gelebt werden, selbst dann, wenn wieder mal einer in der Familie vom Kurs abkommt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Es war einmal eine Familie…

eine Mutter und ihre fünf Kinder. Wie viele Familien lebte auch diese auf dem Meer.

Auf einem großen Schiff. Doch irgendwann reichte dieses Schiff den Kindern nicht mehr aus, es wurde ihnen zu eng. Und wie alle Jugendlichen packte auch diese Fünf die Sehnsucht, hinaus aufs Meer zu fahren. So baten sie ihre Mutter, einer nach dem anderen, um ein eigenes kleines Boot. Nach und nach verließen sie das Schiff und gingen auf Entdeckungsreise. Sie erlebten die unterschiedlichsten Abenteuer. Sie bereisten die Welt und lernten die viele Menschen und Lebensformen kennen.

Doch eine der Töchter geriet in ganz besonders stürmische Unwetter. Sie sah schrecklichen Seeungeheuern ins Auge und musste gegen räuberische Piraten ankämpfen. Es schien fast, als wollte dieses Mädchen um jeden Preis Schiffbruch erleiden. Trotz Warnungen der Mutter begab es sich auf sehr dunkle und sehr gefährliche Reisen. Dann und wann erreichte die Mutter eine Nachricht ihrer Tochter; von irgendwo – aus der Ferne. Häufig waren es Hilferufe. Und es gab Zeiten, da schien das Mädchen wie vom Erdboden verschluckt. Kein Lebenszeichen in Sicht.

So bemühte sich die Mutter nun, es so gut zu unterstützen, wie sie es vermochte. Doch was sie auch tat, es schien nie genug. Und schon bald wusste sie nicht mehr, wie sie all die Probleme ihrer Kinder, besonders die ihrer ältesten Tochter, aus der Ferne lösen konnte. Wie und wo sie sie erreichen sollte.

Schließlich befand sich auch die Mutter auf ihrer ganz eigenen Reise. Auch sie steuerte mit ihrem kleinen Schiffchen übers raue Meer und versuchte Kurs zu halten. Ihr Schiff, ihre Suche nach Antworten und Wegen, führte sie in unbekannte Gewässer, die sie immer wieder unbeirrbar durchsegelte.

Denn irgendwo da draußen musste es doch Antworten geben! Von Jahr zu Jahr erfuhr sie mehr über das Leben auf See. Sie sprach mit unzähligen Familien, war zu Gast auf deren Schiffen. Sie fand Gelassenheit und entdeckte, dass es eine Sprache gab, die alle Menschen verstanden, die die sie einander näherbrachte.

Und mit Hilfe dieser Sprache erreichte sie auch ihre Tochter wieder. Sie lernte, dass die schlimmen Unwetter dazu gehörten, dass man diese hinnehmen musste und dass die klaren ruhigen Morgen, die auf diese Unwetter folgten, den Zauber neuer Möglichkeiten in sich bargen. Man konnte an ihnen wachsen und aus ihnen lernen.

Und mit der neu gewonnenen Gelassenheit und all ihren persönlichen Erfahrungen wurde ihr mehr und mehr bewusst, dass sie versucht hatte, an einem falschen Ort zu leben. Und so zog sie in einen kleinen Leuchtturm und wurde dessen Wärterin. Von dort aus begann sie ihr kleines Licht raus aufs Meer zu senden, damit es ihre Kinder sehen konnten. Doch nicht nur ihre Kinder sahen das Licht. Auch die Menschen, die sie auf all ihren vielen Reisen getroffen hatte, jene, die teilweise noch immer orientierungslos auf dem Meer umher ruderten und versuchten Ihre Kinder zu retten.

Und die Frau erkannte ihre Bestimmung. Sie fühlte eine neue Leidenschaft, die den Reisen der anderen galt, ihren Routen und Schicksalen, ihren Abenteuern und Herausforderungen. Und so öffnete sie fortan ihre Tür jedem, der davorstand. Und sie lud die Menschen ein, das Erlebte mit ihr zu teilen. Und sie hörte, was die Menschen sagten, und sie fühlte mit ihnen. Sie schenkte ihnen ein Stück ihrer Gelassenheit, die Sprache des Herzens und von dem Wissen, dass nach jeder stürmischen Nacht ein neuer Morgen folgt.

Und so kam es, dass Jahr um Jahr immer mehr Leuchttürme begannen, über das Meer zu leuchten. Und es fanden immer mehr der kleinen Boote mitsamt den Kindern an Bord den Weg nach Hause, um Rast zu machen und die erlebten Abenteuer mit ihren Müttern und Vätern zu teilen. So auch ihre Tochter.

Diese Leuchtturmwärterin ist meine Mutter, sie ist die Verfasserin dieses Manuals, welches sie nicht nur geschrieben hat, sondern auch selbst lebt. Wie viele anderen Mütter und inzwischen auch ich: Tag für Tag ein Stückchen mehr. Und das wünsche ich auch euch, allen Eltern da draußen auf dem Meer: Dass Ihr mit diesem Büchlein einen kleinen Kompass, ein Stück Gelassenheit für euch persönlich und für euer Elternsein findet, so wie wir.

Ich war lange allein auf rauer See und konnte die Anstrengungen meiner Mutter nicht sehen. Nicht verstehen, dass jeder seinen eigenen Raum braucht, sein eigenes Leben leben muss, um die Schönheit jener Momente zu erschaffen, die man dann und nur dann bewusst teilen kann, wenn man eine Wahl hat.

Heute bin ich sehr dankbar für meine Leuchtturmmutter und ihre Arbeit - für mich und all die Mütter und Eltern da draußen.

Ich liebe dich für dein Du und für unser Wir…

…und in der Dunkelheit sehe ich ein Leuchten.

Laura

Bärbel Jung

Ich habe keine Lehre.

Ich zeige nur etwas.

Ich zeige Wirklichkeit, ich

zeige etwas an der Wirklichkeit,

was nicht oder zu wenig

gesehen worden ist. Ich

nehme ihn, der mir zuhört, an

die Hand und führe ihn zum

Fenster.

Ich stoße das Fenster auf und

zeige hinaus. Ich habe keine

Lehre, aber ich führe ein Gespräch.

Martin Buber

Wenn einer in der Familie ein Problem hat, dann hat die Familie das Problem.

„Es kommt einzig darauf an, bei sich zu beginnen.“

Martin Buber

Kinder und Jugendliche mit stark instabilen Gefühlszuständen können sehr viel Liebe geben, jedoch nur wenig Liebe annehmen.

Die Sicherheit einer haltenden, tragenden Familie erhöht die Chance, der Liebe zum eigenen SELBST die Tür zu öffnen und sich willkommen zu heißen.

Inhaltsverzeichnis

An meine Tochter, auf dem Weg zu sich selbst

Vorwort

Einführung

Vom Gefühl, allein zu sein und dem Weg heraus

Die besten Eltern machen jeden Tag ca. 20 Fehler

Finden Sie Ihren persönlichen Weg, gute Eltern zu sein

Befreiung aus dem Netz von Vorwürfen und Verurteilungen

Radikale Akzeptanz und Grundvertrauen in sich und sein Kind

Weder Krisen noch Hilfen machen Eltern schwach oder schuldig

Sich der Situation stellen

Vom Chaos zur Klarheit

Erkennen, was zugrunde liegt

Verhaltensmuster entziffern und verändern

Der Tag X ist x-mal täglich

Was Eltern erleben

Vom Wunsch, gute Eltern zu sein

Miteinander Wege suchen, statt einseitige Problemzuschreibung

Respektvolle Neugier

Radikale Akzeptanz

Verantwortungen klären

Emotionale Instabilität und Borderline

Entstehung und Symptome von emotionaler Instabilität

Der diagnostische Blick: Fluch und Segen

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Entstehung und Symptome

Orientierung durch Haltung

Vom Elternsein

Elterliche Führungsaufgabe

Was Sie in Ihrer Erziehung prägte

Eltern-Kompetenz bewahren und stärken

Halt finden und Orientierung geben: Vom Rettungsboot zum Leuchtturm

Unsere Werte und Bedürfnisse bestimmen unser Fühlen, Denken, Handeln

Einfach mal zuhören

Die persönlichen Werte und die der Familie finden

Starke Werte, die für alle Familien tragend sind

Gleichwürdigkeit: Sich gleichwürdig begegnen ohne gleich zu sein

Verantwortung ist immer persönlich: Werte leben

Authentizität: Echt sein

Integrität: Wissen wer ich bin und das zum Ausdruck bringen

Zu sich selbst JA sagen – als Kind und als Eltern

Klar und glaubwürdig sein

Haltungen, die Veränderungen ermöglichen

Radikale (tiefe) Akzeptanz .

Dialektik – schwer Verdauliches bekömmlich machen

Von der Haltung in die Handlung

Der Wende Tag X ist heute

Was Eltern hilft – Erfahrungen aus 15 Jahren Zusammenarbeit mit Achterbahnfamilien

Unsere Arbeit mit Symbolen

Hilfreiche Symbole für Achterbahn-Familien im Chaos der Gefühle

Symbol Stoppschild

Symbol Leuchtturm

Radikale Akzeptanz: Mit einem Schritt ins Land der Gelassenheit

Erste (Neben-)Wirkung: Neue Möglichkeiten

Zweite (Neben-)Wirkung: Ende der emotionalen Dauerfolter

Dritte (Neben-)Wirkung: Gelassenheit

Symbol Dialektik: Türöffner in die Welt des Gegenübers

Symbol „Nein aus Liebe“

Die Giraffen-Sprache

Ein wirkliches Bedürfnis formulieren können

Wolfshaltung (im Bewertungs-Modus)

Giraffenhaltung (im Bedürfnis-Modus)

Was Sie konkret dazu beitragen können

Schlüssel-Unterscheidungen der fünf Schritte

Die fünf Schritte der Giraffe

Beobachtung

Gefühle

STOPP (Moment der persönlichen Freiheit)

Bedürfnis / Werte

Bitte (Was brauche ich jetzt?

Klare Kommunikation im Konfliktfall

Liste von Bedürfnissen und Gefühlen

Zwei Wölfe

Persönliches

Brief einer Mutter

Danke an

Menschen aus meinen persönlichen und beruflichen Kontexten; Erfahrene, Betroffene, Angehörige Profis, Meine literarischen Leuchttürme Menschen und ihre Literatur

An meine Kinder

An meine Tochter auf dem Weg zu sich selbst

Mein Kind,

in wenigen Tagen feierst du deinen 21. Geburtstag.

Du bist eine schöne junge Frau, mit vielen Gesichtern, die mich Neues sehen lehren.

Manchmal, wenn ich weine,

dann weiß ich nicht,

weine ich um mich oder um dich, mein Kind.

Manchmal, wenn ich zweifle,

dann weiß ich nicht,

zweifle ich an meiner oder an deiner Kraft, mein Kind.

Manchmal, wenn ich mich befreit fühle,

dann weiß ich nicht,

frei von meiner oder frei von deiner Angst, mein Kind.

Manchmal frage ich mich,

wer zeigt hier wem, was Leben ist,

zeig ich es dir oder du mir, mein Kind.

Du schmückst dein junges Leben mit sichtbaren

Narben, für jedermann zu sehen,

doch nur für wenige zu verstehen.

Ich habe gelernt sie zu lesen.

Ich lese in ihnen wie in einem Buch.

Manchmal bin ich darin dein Gast,

manchmal auch eine Ungebetene, eine Blinde, eine Nichtversteherin.

Das Buch deines Lebens, es ist geschrieben, mit vielen dunklen Geschichten, doch am Ende wird es von deiner unbändigen Lebensfreude berichten.

Deine Freude am Leben, deine Kraft, deine Schönheit, die in dir steckt, die dich, wenn sie hervorblitzt, heute noch erschreckt.

Die Lebendigkeit, die du dir so sehr wünschst,

jedoch aus Angst sie wieder zu verlieren, hinterfragst, vernichtest, verdrängst.

Der Weg, den du jetzt gehst, geh ihn weiter.

Und vielleicht, wenn ich einmal zweifle, ist es DEIN Lächeln, was mir zuflüstert: Mama, mach weiter!

März 2008

Vorwort

Boot für Dich

Es gibt Momente, da wünschte ich, ich wäre ein Boot für Dich.

Ein Boot, das Dich fortträgt, wohin auch immer es Dich sehnt.

Ein Boot, das niemals kentert, egal wie stürmisch Deine See ist.

Ein Boot für Dich, mein Kind!

©unbekannt

Dieses Buch richtet sich an Eltern, die sich mit ihren Jugendlichen oder jungen erwachsenen Kindern in einem Teufelskreis aus Stress, Krisen und Ohnmachtsgefühlen gefangen fühlen. Eltern, die in die emotionalen Irrfahrten ihrer Kinder mit eingestiegen sind und den Weg aus dem Chaos alleine nicht mehr finden. Eltern, die an ihrer Angst verzweifeln, nicht mehr wertvolle und wichtige Lebensbegleiter ihrer Kinder sein zu können. Eltern, deren größte Angst es ist, die Verbindung zu ihrem Kind zu verlieren. Eltern, die gefangen sind in ihren persönlichen Verstrickungen aus Schuld- und Schamgefühlen. Eltern, die erleben und befürchten, als schlechte Eltern stigmatisiert zu werden.

Sie wurden zum Rettungsboot ohne Kompass.

Eltern eines emotional instabilen Jugendlichen zu sein, ist eine Herkulesaufgabe, auf die uns niemand vorbereitet. In der Fachwelt finden wir wenige alltagstaugliche Unterstützungsangebote, die geprägt sind von tiefgreifendem Respekt der Elternschaft gegenüber oder die komplexen Dynamiken familiären Zusammenspiels in ihre Auseinandersetzung genügend mit einbeziehen.

Leider sind es oft die Eltern selbst, die an ihrer Wirksamkeit zu zweifeln beginnen oder kurz davorstehen, die Führung ihrer Familie aus der Hand zu geben. Genau das ist die Schwachstelle im Familien-Chaos! Das Ruder Ihres familiären Zusammenwirkens müssen Sie, liebe Eltern, in Ihren Händen halten! Denn besonders in stürmischen Zeiten brauchen Jugendliche die Führung von Erwachsenen, die wissen, wer sie selbst sind. Eltern, die ihre eigenen Grenzen kennen, ihre eigenen Bedürfnisse, ihre eigenen Werte. Nur solche Eltern sind in der Lage, deutliche Signale zu senden. Gelingt Ihnen das nicht mehr, ist zunächst Selbstreflexion gefragt.

Sie sind und bleiben der Leuchtturm Ihres Kindes!

Werden Sie sich als Eltern darüber bewusst, wie tief Sie immer noch in Ihren eigenen Denk- und Verhaltensmustern gefangen sind. Erkennen Sie, wie stark Ihre Art zu handeln, Einfluss auf das Verhalten Ihres Jugendlichen nimmt. Betrachten Sie Ihre Sorgen aus einer anderen Perspektive; Schauen Sie bitte auf sich selbst.

An dieser Stelle:

Hand aufs Herz; gefällt Ihnen, was Sie da sehen?

Dieser Perspektivwechsel kann Ihnen die gewünschte Wende bringen. Das ist und bleibt Ihr machtvoller Eltern-Anteil, den Sie nutzen können.

In einer Krise zusammen zu wachsen, eine familiäre Krise gemeinsam zu meistern, schweißt Menschen emotional dichter zusammen als alles andere auf der Welt. Und dafür lohnt sich jede Anstrengung. Schenken Sie dem Jugendlichen Ihr Vertrauen, unabhängig davon, was gerade in seinem Leben passiert. Dieses Manual dient Leuchtturm-Eltern als eine Art Kompass. Es zeigt ihnen die Richtung, in die sie ihre Signale schicken können.

Also: Wenn Sie die Kraft verlässt, machen Sie Pause; nehmen Sie sich eine Auszeit. Wenn Sie diese Reise durchhalten, werden Sie ans Ziel kommen. Holen Sie sich Verbündete! Gemeinsam unterwegs zu sein, ist leichter. Und achten Sie unterwegs unbedingt auf das Schöne und Leichte; es ist immer da. Sie müssen wieder lernen es zu sehen. Sie müssen Ihren Blick auf das richten, was Ihrer Seele guttut, was Sie aufblühen lässt. Ihre Kraftquellen warten auf Sie, damit Sie sich selbst Gutes tun, wieder auftanken, in Ihre Kraft kommen!

Eine gefühlte Nähe zu Ihnen ist mir ein tiefes Bedürfnis, denn ich war selbst für eine sehr lange Zeit eines dieser orientierungslosen Rettungsboote ohne Kompass.

Was ich Ihnen deshalb anbiete, ist kein intellektueller Diskurs, sondern eine Art persönliche und aktive Wegbeschreibung. Ein mitfühlender Eltern-Kompass, erweitert um fachlich fundiertes Hintergrundwissen. Er zeigt Ihnen den Weg heraus aus dem emotionalen Chaos – und in Richtung einer definierten, entspannteren Elternschaft!

Seit mittlerweile über zehn Jahren begleite ich Familien auf dem Weg zum ‚Leuchtturm’. Viele sind angekommen. In diesem Praxisbuch lassen Sie einige dieser wunderbaren Leuchttürme mit ihren sehr persönlichen Erzählungen am selbst Erlebten teilhaben. Dafür bin ich diesen Müttern und Vätern sehr dankbar. Um Anonymität zu wahren, wurden alle Namen geändert.

Die Inhalte dieses Manuals wurden in Anlehnung an meine Leuchtturm-Schulungsgruppen aufgebaut. Der Aufbau hat sich in den Jahren der Familienarbeit bewährt.

Es ist sinnvoll, dass Sie sich beim Lesen Zeit und Ruhe gönnen (ja, ganz besonders im Chaos!). Lassen Sie sich bitte Zeit. Gönnen Sie Ihrer Seele die ersehnte Ruhe und einen schützenden Raum. Den brauchen Sie, um sich berühren zu lassen. In manchen Momenten bewegt Sie vielleicht schon ein einziger Satz oder auch nur ein Wort. Es macht Sie vielleicht traurig oder vielleicht eher hellwach? Alles, was da ist, darf da sein. Lassen Sie sich darauf ein.

Als orientierungsloses Rettungsboot brauchen Sie besonders viele Seelenstreichler. Häufig muss Orientierung erst wieder gelernt werden. Deshalb zählt zu Ihren ersten Schritten, an einem sicheren Ort jenseits Ihrer stürmischen Seefahrt, vor Anker zu gehen. Denn nur dort, wo Sie tragenden Boden unter Ihren Füßen spüren, können Sie allmählich Vertrauen gewinnen, zur Ruhe kommen, sich entspannen. Ziehen Sie sich dahin zurück. Auch, um sich ungestört den eigenen seelischen Verwundungen widmen zu können.

In der Ruhe finden Sie wieder Kraft. Dafür sind Sie als Erwachsene allein verantwortlich. Auch dafür, wo, wie und wann Sie das tun. Kümmern Sie sich also gut um sich selbst, damit Sie für die weiteren stürmischen Fahrten Ihres Jugendlichen die notwendige Kraft besitzen und Orientierung geben können

Also – raus aus dem Chaos, hin zur Klarheit!

Bilden Sie neue Gemeinschaften mit Eltern, die sich in ähnlicher Not befinden wie Sie. Sie sind nämlich nicht allein. Wenn z.B. in Ihrer Straße 100 Häuser stehen, können Sie davon ausgehen, dass in mindestens weiteren fünf Häusern Eltern leben, die sich ebenso hilflos fühlen wie Sie.

Es geht nicht darum, auf alles eine Antwort zu finden. Verabschieden Sie sich von der Illusion, für jedes Problem Ihres heranwachsenden Kindes eine Lösung präsentieren zu müssen. Das ist weder realistisch, noch sinnvoll. Das will, kann und muss der Jugendliche letztendlich selbst lernen.

Was braucht er jetzt von den Erwachsenen? Das unerschütterliche Vertrauen in ihn! Und zwar als der Mensch, der er ist und nicht als der, den Sie vielleicht gerne hätten!

Es geht darum, dass Sie als Eltern neuen Ideen eine Chance geben. Sie sollen neue Versuche wagen und dann schauen, was und wie es klappt. Es geht darum, Gemeinschaften zu finden oder selbst zu gründen, in denen Sie spüren, dass Sie dort mit Ihren Familiensorgen am richtigen Ort sind.

Familien brauchen keinen Konkurrenzkampf, keine Vergleiche. Eltern brauchen gefühlte Gemeinschaften mit anderen Eltern. Sie brauchen auch die Bestätigung, dass sie grundsätzlich richtig sind. Und dass es normal ist, unterwegs im Leben mit dem Familienschiff auch mal vom Kurs abzukommen. Ganz besonders in stürmischen Zeiten. Dann müssen die Eltern als Kapitäne ihrer Schiffe wieder den Kurs in sichere Gewässer finden, bis hin in einen sicheren Hafen.

Von dort aus werden sie dann sinnbildlich zum Leuchtturm und senden ihr Licht aufs offene Meer hinaus. Dieses Licht soll die Jugendlichen dann bei ihrem selbständigen Navigieren durch gefährliche Gewässer und dunkle Zeiten unterstützen.