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Der Klassiker der ganzheitlichen Medizin Wenn man heute mit dem Namen Bircher-Benner vor allem das Birchermüesli, allenfalls noch die Rohkostlehre verbindet, gerät in Vergessenheit, wie vielfältig die Anregungen sind, die von diesem ersten Vertreter einer ganzheitlichen Medizin ausgingen. Bircher-Benner propagiert nicht nur eine Rückkehr zu einer naturnäheren Ernährungsweise und zu mehr Bewegung – Empfehlungen, die uns heute selbstverständlich sind –, sondern auch eine umfassende, an Naturrhythmen orientierte Reform der Lebensweise. Nicht zuletzt bezieht er ausdrücklich die entstehende Psychotherapie in seine Vision vom 'neuen Arzt als Körper- und Seelenarzt' ein. Maximilian Oskar Bircher-Benner (* 22. August 1867 in Aarau; † 24. Januar 1939 in Zürich) entwickelte ab 1891 als praktischer Arzt und ab 1904 in seinem Sanatorium auf dem Zürichberg seine Ernährungslehre und Ordnungstherapie. Prominente Kurgäste wie Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Herrmann Hesse machten vor dem I. Weltkrieg Bircher-Benners Lehre weit über die Grenzen der Schweiz bekannt.
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Seitenzahl: 217
Veröffentlichungsjahr: 2013
Bircher-Benner
Vom Werden des neuen Arztes
Verlag Hans Huber
Programmbereich Medizin
Max Bircher-Benner
Vom Werden des neuen Arztes
5. Auflage
Verlag Hans Huber
Lektorat: Dr. Klaus Reinhardt
Gestaltung und Herstellung: Peter E. Wüthrich
Bearbeitung: Ulrike Boos, Freiburg
Umschlaggestaltung: Claude Borer, Basel
Druckvorstufe: Claudia Wild, Konstanz
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Kösel, Krugzell-Altusried
Printed in Germany
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5. Auflage 2013
© für die Ausgabe 1963, 2013 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-456-95199-7 /
E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-456-75199-3)
ISBN 978-3-456-85199-0
eBook-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheimwww.brocom.de
Inhalt
Vorwort
1. Einleitung
2. Das Medizinstudium
3. Die Praxis
4. Die Lösung der Ernährungsfrage
5. Ordnungstherapie
6. Psychotherapie
7. Der neue Arzt als Körper- und Seelenarzt
8. Unterschiede in der Heilbehandlung
Vom eigenen Weg und von erlebten Dingen rede ich.
Dem Arzt, wie er gemacht wird, stelle ich den «neuen» Arzt gegenüber, der sich selber macht, der, einem inneren Drange folgend, in unablässigem, unermüdlichem Ringen mit Krankheit, Tod und Teufel, Wissen und Können, Erkenntnis und Erfahrung mehrt; der durch Überwindung und Entsagungen am eigenen Körper und an der eigenen Seele erlernt hat, wie er des Kranken Herz bewegt, auf dass er seine Gewohnheiten, kurz, den Menschen in sich überwinde, die Ursachen seiner Erkrankung besiege.
Wegweiser zur Gesundheit, Beschützer des Lebens, Freund und Wohltäter der Leidenden – soll der neue Arzt sein.
«Wir haben einen Überfluss an Medizinern, aber einen Mangel an Ärzten», sagte Erwin Liek. Die Mediziner werden mich nicht verstehen. Trotzdem, die Gegenwart in ihrer düstern Not zwingt mich zu reden. Wer fernsichtig ist und an die Zukunft denkt, wird mir zustimmen und mitwirken.
Vor Kurzem fand ich Worte nach meinem Herzen von Friedrich Nietzsche. Sie lauten:
Die Zukunft des Arztes: – Es gibt jetzt keinen Beruf, der eine so hohe Steigerung zuließe, wie der des Arztes, namentlich nachdem die geistlichen Ärzte, die sogenannten Seelsorger, ihre Beschwörungskünste nicht mehr unter öffentlichem Beifalle treiben dürfen und ein Gebildeter ihnen aus dem Weg geht. Die höchste geistige Ausbildung eines Arztes ist jetzt nicht erreicht, wenn er die besten neuesten Methoden kennt und auf sie eingeübt ist und jene fliegenden Schlüsse von Wirkungen und Ursachen zu machen versteht, derentwegen die Diagnostiker berühmt sind: Er muss außerdem eine Beredsamkeit haben, die sich jedem Individuum anpasst und ihm das Herz aus dem Leibe zieht, eine Männlichkeit, deren Anblick schon den Kleinmut (den Wurmfraß aller Kranken) verscheucht, eine Diplomatengeschmeidigkeit im Vermitteln zwischen solchen, welche Freude zu ihrer Genesung nötig haben, und solchen, die aus Gesundheitsgründen Freude machen müssen (und können), die Feinheit eines Polizeiagenten und Advokaten, die Geheimnisse einer Seele zu verstehen, ohne sie zu verraten – kurz, ein guter Arzt bedarf jetzt der Kunstgriffe und Kunstvorrechte aller andern Berufsklassen: so ausgerüstet ist er dann imstande, der ganzen Gesellschaft ein Wohltäter zu werden durch Vermehrung guter Werke, geistiger Freude und Fruchtbarkeit, durch Verhütung von bösen Gedanken, Vorsätzen, Schurkereien (deren ekler Quell so häufig der Unterleib ist), durch Herstellung einer geistigleiblichen Aristokratie (als Ehestifter und Eheverhinderer), durch wohlwollende Abschneidung aller sogenannten Seelenqualen und Gewissensbisse: so erst wird er aus einem «einfachen Medizinmann» ein Heiland und braucht doch keine Wunder zu tun, hat auch nicht nötig, sich kreuzigen zu lassen. (Menschliches, Allzumenschliches I, 243)
Diese Worte des großen Überwinders und Fernsehers sind der Schlüssel zum Inhalt meiner Schrift «Vom Werden des neuen Arztes».
Zürich, im August 1938
M. Bircher-Benner
Anlage – Kindheits- und Jugenderlebnisse als Richtungsimpulse – Gewöhnung an unablässige, mannigfaltige Arbeit – Berufswahl
Mein Arzterlebnis mit dem zugehörigen Sümmchen von Wissen, Beobachtung und Erfahrung während 45 Jahren Praxis und Forschens lehrte mich, dass in den kommenden Zeiten dem Arzte neue Aufgaben von hoher Bedeutung für die Menschheit zufallen werden. Die Ärzte der heutigen Schule sind für diese Aufgaben nicht gerüstet. Es bedarf einer Wandlung der Schule, neuer Ärzte.
Die Zivilisation hat nicht nur mancherlei Annehmlichkeiten, sondern auch viel Unheil gebracht. Die durchschnittliche Lebensdauer habe sich verlängert, wird berichtet; dagegen haben sich eine stetige Zunahme der Kränklichkeit und eine anwachsende Verschlechterung der Konstitution eingestellt, die zu höchster Besorgnis Anlass gibt. Ein bekannter Biologe sieht darin «eine schicksalhafte Vergreisung» der zivilisierten Menschheit und einen unaufhaltsamen Untergang. So bliebe nichts übrig, als die Hände in den Schoß zu legen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
In Wirklichkeit verhalten sich die Zusammenhänge anders: Bestimmte, greifbare Ursachen, gegen welche ein erfolgreicher Kampf möglich ist, unterminieren die körperliche und seelische Gesundheit der Völker. Es handelt sich darum, die Bekämpfung dieser Ursachen aufzunehmen. Leicht gesagt, aber schwer zu tun. Hier scheint ein Verhängnis zu walten. Es scheint, als ob man nicht wagte, diesen Ursachen ins Auge zu schauen, als ob ihr Anblick jede Tatkraft lähmte, als ob deshalb der Kampf unterbliebe.
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