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Das Buch behandelt des Verhältnis des Menschen zu seinen Wünschen und Vorstellungen und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Ungewissheit der dem Menschen beschiedenen Lebenszeit. Es soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es für ein erfülltes Leben in Wahrheit viel weniger bedarf, als dies von den meisten vermutet wird, sofern der Mensch es versteht, sich von überflüssigen Forderungen an das Leben, deren Erfüllung ihn bloß temporär stark begrenzt zufriedenstellen würde, zu befreien und seinen Blick und sein Streben auf die Dinge zu richten, die wahrhaftig notwendig sind. Das Buch spricht sich darüberhinaus dafür aus, eine individuelle, stetige und weitumfassende, persönliche Progression, insbesondere auf mentalem Gebiet, zu verfolgen, um seine eigene Resistenz und Resilienz zu vervollkommnen um dadurch, gepaart mit einem stets besonnenen, überlegten Denken und Handeln, zu einer unerschütterlichen Naturgewalt zu werden, die durch keine Hürden und Aufgaben des Lebens erschüttert wird. Die Beschränkung auf das Wesentliche und die damit verbundene Befreiung von unnützem Begehren, welches in Wahrheit lediglich Ballast und unnötige Abhängigkeiten darstellt, ist hierfür eine grundlegende Voraussetzung. Das Buch soll helfen, den Blick von entbehrlichem abzuwenden und ihn ganz im Sinne der menschlichen Vernunft auf Beständiges und Edles zu richten und das meist beschränkte Sichtfeld des Menschen in eine ihm stetig und in allen Lebenssituationen begleitende Weitsicht zu verwandeln.
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Wie oft trafen wir nicht alle schon auf Menschen, die bedauernswerten Blickes und aus tiefster Überzeugung über die angebliche Kürze ihres eigenen Lebens geklagt haben? Nebst Enttäuschung, Unsicherheit und Trauer ist okkasionell gar eine ehrliche Verzweiflung des Wehklagenden spürbar, welcher als verirrter Wanderer auf den verwinkelten Pfaden des Lebens über den Sinn seiner, mindestens körperlich definitiv endlichen Existenz, schwadroniert. Die Menschen verfallen in ihren zumeist unbekannten, vor allem aber unerfüllten Forderungen an das von ihnen ersehnte Leben nicht selten in einen tiefen Trübsinn – besonders in solchen Momenten, in denen sie sich selbst vollen Bewusstseins der eigenen Endlichkeit gewahr werden. Gedenken sie, ganz in ihre Gedanken versunken, einst getroffenen Entscheidungen, so verfallen sie nicht nur in eine von einem romantisch-nostalgischen Hauch umgebene, melancholische Stimmung, sondern zugleich in einen Zustand der Reue aufgrund jenen, retrospektiv als falsch erachteten Entscheidungen samt denen durch sie verursachten Auswirkungen – und mögen ihre Gedanken, durch diese Unzufriedenheit und Zweifel getrübt, sich durch die Hinwendung zu erlebten Momenten schönster Beschaffenheit zu beruhigen versuchen, so lassen sie die Menschen sich zugleich schluchzend an die zu diesen Erinnerungen mittlerweile bestehende Distanz erinnern, welche ihnen in ihrer derzeitigen Unzufriedenheit und in ihrem Wunsch nach dem Wiederaufleben, nach der Renaissance von diesem Teil ihrer Vergangenheit, voller Tragik die Tränen in die Augen treiben. Resultierend aus der so selten vorgenommenen, bewussten Überlegung des eigenen, insbesondere des alltäglichen – zur Gewohnheit gewordnen – Handelns und des eigenen Willens im Leben, sprechen sie voller Unsicherheit und Verzweiflung über die beste Verwendung der ihnen sich selbst in aller Naivität prognostizierten, definitiv aber in ungewissem Maße noch gegebenen Zeit, von der sie in diesem Moment ihrer Überlegungen wissen, dass sie ihnen mit jeder verstrichenen Sekunde vergeht. Diese bewusste Betrachtung der definitiven zeitlichen Begrenztheit des eigenen, mindestens stofflichen, Lebens lässt die Menschen in ihrer erfolglosen Selbstbefragung nach der bestmöglichen Gestaltung ihrer Zeit in Orientierungslosigkeit taumelnd verzweifeln und macht die idealistischen Naturen unter ihnen anfällig für allerlei Suggestionen, welche sie aus ihrer scheinbar ausweglosen Situation oder gar vor ihrem menschlichen Schicksal zu erretten beziehungsweise zu bewahren versprechen. Die Forderung nach einer Ausdehnung des Lebens ist, wie die mit ihr verbundenen Unbesonnenheit, allgegenwärtig. Müssten solche klagenden Geister nun aber Rechenschaft darüber ablegen, wie sie die von ihnen in aller Selbstverständlichkeit ersehnte zusätzliche Zeit denn verbringen würden, wäre die Antwort aller Wahrscheinlichkeit nach in Form eines kollektiven Schweigens und eines zunächst ratlosen, introvertierten sich-befragens zu vernehmen, da sie in diesem Augenblick, durch diese sich selbst nie gestellte Frage völlig verwundert, über das als selbstverständlich Empfundene nachzudenken begännen: dem Leben als Selbstzweck mit dem Wunsch nach bloßer Existenz und dem reinen Willen zur Bewahrung des ihnen bekannten Zustandes. Wie eine Pflanze, welche ein Dasein ohne tiefergehenden Sinn und Zweck fristet, will der unbesonnene Mensch sich der Natur sowie seinem Schicksale widersetzen und nur Leben um des Lebens willen und verfehlt dabei, wie er als Mensch sein sollte. Gleich der unabänderlich vergangenen Zeit, welche ohne jede Besonnenheit verwendet wurde, wünscht er sich im Präsenz lediglich die ihm in seiner Vergangenheit bereits vorhanden gewesene Voraussetzung, ohne weiterhin, ebenfalls zu seiner Vergangenheit analog, ein Ziel zu kennen, für dessen Erreichung er die Ausdehnung seines Lebens ersehnt; die Folge eines längeren Lebens in solcher Orientierungslosigkeit wäre letztlich also nur noch mehr unbesonnen verbrachte Zeit. Er beabsichtigt nicht zu Werden, sondern bloß zu Sein – und im schlimmsten Falle so, wie er bislang gewesen ist, ohne zu bemerken, dass in seinem Verhältnis zur Zeit der Grund dafür liegt, dass er die Gewährung von zusätzlicher Lebenszeit nun als notwendige Voraussetzung für die Erlangung der eigenen Ruhe und Glückseligkeit betrachtet.
Nach reiflicher Überlegung würden uns auf unsere Frage wohl allerdings mannigfache Antworten in Form von Vorhaben und Handlungen gegeben werden, welche einzig aus dem Grunde einer zusätzlichen Zeitspanne des Lebens bedürfen, da die bislang vergangene Zeit desselben ohne die notwendige Besonnenheit verwendet wurde. Verschiedenartigste Versuche der Menschen führten zu der heute allgemein verbreiteten Einsicht, dass wir unserem Leben in nur sehr begrenztem Umfange mehr Tage geben können, wohl sind wir aber, spätestens ab dem Eintritt der eigenen Mündigkeit, allein Kraft unseres Willens dazu fähig, unseren Tagen mehr Leben zu schenken. Die Geschichte lehrt uns, dass eine durchschnittliche – in der Vergangenheit im Vergleich zu der heutigen Lebenserwartung notabene wesentlich kürzere – Lebenszeit ausreichen kann, um die größten Taten zu vollbringen, wenn dieselbe denn nur gut verwendet und nicht in aller Unbesonnenheit und Verschwendungssucht vergeudet wird. Die von den meisten Menschen erwartete und sich in den meisten Fällen auch präterpropter als zutreffend erweisende Prognose der eigenen Lebenserwartung zeigt, dass das Leben an sich, jedenfalls im Hinblick auf die in ihm möglichen Dinge, keine kurze Zeitspanne darstellt – dies ist lediglich die subjektive Empfindung, welche resümierend im Menschen entsteht, sollte er sich der Begrenzung des eigenen körperlichen Seins, etwa durch plötzliche, auswirkungsreiche Ereignisse, gewahr werden und daraus resultierend feststellen, seine ihm bislang nimmer endend scheinende Zeit unbedacht verwendet zu haben und noch im Besitz stets vertagter Ziele zu sein, für welche ihm nun die Zeit entronnen zu sein scheint; ihm war nicht wenig Zeit gegeben, sondern er vergeudete schlichtweg einen erheblichen Teil derselben und unterlag somit zweierlei Täuschungen, nämlich erstens, dass ihm für seine Ziele gewiss noch viel Zeit beschieden sein wird und zweitens, dass er diese im aktuellen Moment nicht hat. Sobald die Unbesonnenheit die Oberhand über die Handlungen übernimmt oder gar als Alleinherrscher einziger Lenker derselben wird, ein Leben in Genusssucht und Nachlässigkeit zerrinnt und es dem Menschen zur unhinterfragten Gewohnheit geworden ist, die Erdentage für nichts Unendliches oder mindestens Beständiges zu gebrauchen, so realisiert er meist erst unter dem Druck seines absehbaren Endes die Grenzen seiner materiellen Existenz oder, treffender formuliert, seine eigene Endlichkeit. Die Erfahrung zeigt uns, dass weder eine unsichere Gemütsverfassung noch die Realisation von Verfehlungen der Vergangenheit den meisten Menschen Anlass dazu geben, grundlegend an der, von ihnen meist bereits in großer Naivität geplanten Zukunft, zweifeln zu lassen; richten sie ihre Gedanken auf ihre seit langer Zeit unerfüllten Wünsche, deren geplante Erfüllung sie schon seit geraumer Zeit in die ihnen faktisch ungewisse Zukunft immer wieder hinausschieben, so sind sie dennoch der festen Überzeugung, dass sie sich ihnen, völlig ungeachtet ihres Lebensalters, definitiv noch erfüllen werden. Dieses lügenhafte Versprechen an sich selbst mag sie zwar, solange sie es sich selbst noch glauben können, mit einer gewissen, positiven Erwartungshaltung in die Zukunft blicken lassen – sobald ihnen von dieser aber nur noch ein geringer – aber dafür mit mannigfachen Wünschen und Vorsätzen angefüllter – Teil beschieden ist, werden sie nicht nur ihrer Zukunft skeptisch sowie ohne jede Leidenschaft und Lebensdrang entgegensehen, sondern ebenfalls voller Verdruss und Reue in ihre Vergangenheit blicken, deren Zeit sie so wenig zu nutzen verstanden. Einzig in der frühen Besonnenheit liegt für den Menschen die Möglichkeit, sich einst vor Vorwürfen an sich selbst zu bewahren.
Die Zeit ist ein ungeheures Gut, welches von vielen – besonders in der Unbeschwertheit ihrer Jugend – nicht als solches angesehen und entsprechend geachtet wird. Das Leben des Menschen kann in drei Zeiten gegliedert werden, an welche er im Gegensatz zum Tiere stets zu denken in der Lage ist: seine immer länger werdende Vergangenheit, den in dieser Sekunde schon wieder zur Vergangenheit gewordenen gegenwärtigen Augenblick und seine immer kürzer werdende, ungewisse Zukunft. Wer in seiner Vergangenheit stets bewusst und wohldurchdacht handelte, wird sich an diese seine individuelle Geschichte samt aller sie prägenden und ausmachenden Erlebnisse gern frei von jeglichen Gedanken der Reue zurückerinnern, da er stets nach bestem Wissen und Gewissen handelte. Die Vergangenheit ist eine starre Erinnerung, welche sich zwar mit dem Verstreichen einer jeden Sekunde – subjektivistisch mehr oder minder belangvoll – stetig erweitert, in ihrer Beschaffenheit jedoch unabänderlich ist. Eine Vergangenheit kann für die bewusste Bestreitung der Zukunft die nötige Schubkraft liefern, indem sie, ganz gleich, welches Verhältnis von Positivitäten und Negativitäten sie prägt, den Wandervogel in der Zukunft auf die richtigen, schönsten Pfade zu führen vermag. Wer alles unter ständiger eigener Kontrolle und reiflicher Überlegung tat, wird sich und somit seinen in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen samt ihren Wirkungen nichts vorzuwerfen wissen. Welche Auswirkungen und Effekte letztlich durch sein Handeln auch hervorgerufen wurden, so sind dieselben einzig als Produkte seines besonnenen Geistes zu betrachten, welcher ihn die vergangenen Handlungen unter Zuhilfenahme seines gesamten Wissens und unter Beachtung der ihm innewohnenden Vernunft in dieser Art vollführen ließ. Das menschliche Leben kann gleich einem Museum gedacht werden, dessen vielfältige, mit Reminiszenzen gefüllte Räume der Besitzer selbst von Zeit zu Zeit gerne durchwandelt, um in seinem Geiste die Freuden der Vergangenheit für einen kurzen Moment wiederzubeleben, sofern diese Räume von guter Beschaffenheit und mit schönen Dingen geschmückt sind. Wurden jene jedoch ohne Besonnenheit errichtet und beherbergen sie resümierend betrachtet einzig Abbilder vergangener, jedoch bis in die heutige Zeit reichender Ängste und Schrecken, so ist dieses höchst individuelle, private Gebäude gleich dem Leben des sie Durchstreifenden in höchstem Grade einsturzgefährdet. Eine – mindestens subjektiv – schreckliche Vergangenheit gepaart mit der Unfähigkeit, derselben zu trotzen und aus ihr individuelle Maximen für die eigene Zukunft ableiten zu können, ist nicht selten die Ursache dafür, dass ein Mensch wie ein vermoderter Kahn an einer Felsklippe im Kern zerspringt und dass ihm seine individuelle Vergangenheit zur Ursache seiner eigenen schleichenden, grässlichen Verendung wird. Seine geringe vorhandene Kraft lässt ihn an seiner Vergangenheit wie an einem blutigen Riss im Herzen langsam verbluten und keine Möglichkeit finden, sich von dieser ewig scheinenden Verletzung mithilfe eigener, geistig-mentaler Medizin zu heilen, da er es nicht vermag, aus seinen vergangenen Erfahrungen die Lehren für eine gelungene Zukunft zu ziehen. Das zeitige Voranschreiten eines Lebens ist kontinuierlich und kann weder gestoppt oder gar umgekehrt werden, wohl können aber aus den Erfahrungen der Vergangenheit der Gegenwart und der Zukunft dienliche Analogien gezogen werden. Die Gegenwart existiert bloß in dem Augenblick, indem sie schon wieder verfliegt, um sich als unabänderliches Fragment der Vergangenheit anzufügen. Sie ist Stück Zukunft, welches schon bald ein Teil der Vergangenheit wird sowie außerdem eine Zeit, welche oft der fernen Zukunft Willen zerstört wird – wie oft wünscht sich der Mensch nicht in seiner Ungeduld, dass ihm die Zeit bis zu einem von ihm sehnlichst erwarteten Ereignis subjektiv schneller vergehen möge, ohne dabei zu bemerken, dass er sich dadurch seine Gegenwart bis zu dem Eintreffen des von ihm ersehnten Moments in ein Jammertal verwandelt. Ihm sind die Tage vor und zwischen seinen erfüllten Begierden verhasst; er vermag nicht zu erkennen, dass er seine Fähigkeit zum Glück längst derart reduziert und an Voraussetzungen gekettet hat, dass er einem Tage an sich – und möge derselbe auch frei von als Bürde empfundenen Verpflichtungen sein – kein Glück abgewinnen kann. Er verdirbt sich die Tage für die Nächte und bangt in den Nächten vor den nächsten Tagen, die ihn noch von dem von ihm begehrten Zeitpunkt trennen, während er sich durch dieses seine Verhältnis zur Zeit nicht nur seine Gegenwart, sondern letzten Endes auch seine Zukunft und damit sein Leben verdirbt. Gleich einem Reisenden, der sich durch seinen Starrsinn und seine sture Fixiertheit auf das von ihm verfolgte Ziel jede Reise in eine Tortur verwandelt und derselben trotz ihres reichen und wunderschönen Pfades höchstens Negativitäten, die ihm seine Reise erschweren, abgewinnen kann, wird der sich in starrer Erwartung Befindende niemals in der Lage sein, die Zeit bis zu dem von ihm herbeigesehnten Ereignis trotz ihrer eigentlichen Schönheit als etwas Angenehmes zu empfinden. Während der Reisende die Schönheit der von ihm bereisten Wege durch seinen starrsinnigen, fokussierten Blick nicht zu erkennen vermag, raubt der Wartende in seiner ständigen, auf die Zukunft gerichteten Erwartungshaltung, der ihm gegebenen Zeit jegliche Möglichkeit, ihm zuträglich zu sein und als angenehmes sowie erinnerungswürdiges Fragment sein individuelles Mosaik der Vergangenheit positiv zu erweitern. Ein Leben, welches ganz auf die Zukunft hin ausgerichtet ist, wird so lange unglücklich sein, bis in der Zukunft nur mehr der Tod auf es wartet. Ranken sich die Gedanken nicht auch um die Gegenwart, wird die Vergehung derselben dem Menschen erst rückblickend, im Moment des nahezu vergangenen, eigenen Lebens gewahr. Wer das andere Extrem verkörpernd allerdings ausschließlich im Momentum denkt, wird die Gegenwart ebenso unbedächtig verbringen wie jener zuvor genannte, der sein Leben einzig auf seine in der Zukunft liegenden Wünsche und Ereignisse hin ausrichtet. Wer die Zukunft sich in aller Unbeschwertheit der scheinbar ewig andauernden Gegenwart verdirbt, wird im letzten Moment seines Lebens ebenso voller an sich selbst gerichteter Vorwürfe sein wie derjenige, der durch seinen einzig auf die Zukunft gerichteten Blick, seiner Gegenwart jede Möglichkeit nahm, seinem Gemüt und seinem Glück dienlich zu sein. Es gilt, in seiner Betrachtung das richtige Maß nicht nur zwischen Gegenwart und Zukunft, sondern zwischen allen drei Zeiten zu finden, um auch aus in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen Erkenntnisse und Lehren für den aktuellen sowie alle noch darauffolgenden Momente zu gewinnen. Lasst euch die Vergangenheit Beraterin und Wegweiserin sein, um die Zukunft – und damit alles aus ihr hervorgehende – besonnen zu gestalten. Es gilt letztlich, sich durch die Gegenwart eine von Reue weitestmöglich befreite Vergangenheit zu schaffen, von welcher hinsichtlich der Zukunft gezehrt werden kann. Des Menschen individuelle, in den dunklen Schleier der Ungewissheit gehüllte Zukunft ist die einzige ihm gegebene Möglichkeit, seine Gegenwart und die daraus entstehende Vergangenheit so zu gestalten, dass er einst frei von Vorwürfen an sich selbst sowie ohne jedwede Form der Reue mit einem lächeln auf dieselbe zurückblicken wird. Wer sich sowohl des hohen Wertes des gegenwärtigen Moments, als auch mit einem gen Zukunft schweifenden Blick sich nicht nur der Unbestimmtheit derselben, sondern auch ihrer Möglichkeiten gewahr wird und sein Leben dieser Erkenntnis entsprechend ausrichtet, wird sich einst nichts vorzuwerfen wissen, da er stets besten Wissens handelte. Das stetig auf dem gegenteiligen Pfad der Unbesonnenheit wandelnde andere Extrem stellt hingegen zweifelsfrei das am bedauernswerteste Geschöpf dar, denn auf diesem Irrwege finden wir den Typus des gänzlich orientierungslosen, umherirrenden Landstreichers und Wandervogels, welcher das Vergangene bereut, das Gegenwärtige verschmäht und das Zukünftige fürchtet, welchem er in seiner Ohnmacht wie ein Schiffsbrüchiger auf hoher See entgegentreibt. Der Tor vergeudet die ihm gegebene Zeit aufgrund seiner Unbesonnenheit, welche sich entweder in Form einer allgemeinen, unbedachten Orientierungslosigkeit oder aber als in endloser Zahl in ihm stets vorhandenen und stetig neu entstehenden zu verschmähenden Forderungen an das Leben, deren Erfüllung ihm seiner fälschlichen Überzeugung nach Glückseligkeit bescheren können, zeigt. Im sehr wahrscheinlich auftretenden Falle einer späteren Einsicht und einer damit einhergehenden resümierenden Anschauung seiner Vergangenheit wird er sich mit sich selbst konfrontiert sehen, falls er nicht schon heute, unter dem trügerischen Nebel der nur kurzweiligen Befriedigungen, allmählich bemerkt, dass er durch seine unvernünftig gearteten Ansprüche an das eigene Leben niemals satt oder zufrieden sein kann.
Während der Besonnene sich darüber freut, gegenwärtig zu leben, in der Vergangenheit bereits gelebt zu haben und in der Zukunft, wenn auch nur für eine unbestimmte, definitiv begrenzte Zeitspanne voller zwar beeinflussbarer, definitiv aber ungewisser Ereignisse, noch zu leben, versinkt der Unbesonnene in einem ihn immer tiefer in sich ziehenden Sumpf aus Wut, Trauer und Reue, aus welchem es der Überzeugung seines unbesonnenen Geistes nach, kein entrinnen gibt.
