Von Kindern lernen - Claudia Philipp - E-Book

Von Kindern lernen E-Book

Claudia Philipp

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Beschreibung

In der letzten Zeit ist viel diskutiert worden über Formen der Kinderbetreuung, über den Ausbau der Kita-Plätze auf der einen und die Einführung des Betreuungsgeldes auf der anderen Seite, über Bildungsgerechtigkeit und familiäre Bindung. Die Diskussionen zeigen zum einen den bildungspolitischen Handlungsbedarf, der seit der ersten PISA-Studie 2001 offenbar wurde, zum anderen die Pluralität der gesellschaftlichen und politischen Auffassungen von der "richtigen" (Klein-)Kinderbetreuung. So hitzig die Diskussion vor allem um die "Herdprämie" ist, so unangetastet ist die Forderung nach einem Mehr an professioneller Kinderbetreuung. Der Besuch einer Kindertagesstätte ist in Deutschland zwar (noch) nicht Pflicht aber im 21. Jahrhundert fester Bestandteil nahezu jeden Kinderlebens in diesem Land. Dass uns die Existenz des Kindergartens in seiner heutigen Form so selbstverständlich erscheint, liegt wohl daran, dass er inzwischen eine über 170-jährige Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte vorzuweisen hat. Wer hinter der Idee des Kindergartens jedoch steckt, ist weitgehend unbekannt: Friedrich Fröbel, der 1840 im thüringischen Blankenburg den ersten deutschen Kindergarten gründete und damit eine Institution ins Leben mit internationaler Strahlkraft rief. Das Leben Fröbels wird in diesem Buch knapp und prägnant erzählt, wichtige Quellen der Zeit werden zitiert und zeichnen so ein buntes Bild über die Entstehung des Kindergartens. Die Reihe "Geschichte kompakt" bietet einen zeitgemäßen Zugriff auf Themen und Fragen der Weltgeschichte - geeignet für Schule und (Eigen-)Studium, zum Nachlesen, Nachschlagen, Lernen, auf den aktuellen Stand bringen und Bescheidwissen.

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Seitenzahl: 31

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Claudia Philipp

Von Kindern lernen

Friedrich Fröbel und die Erfindung des Kindergartens

Impressum

ISBN 978-3-86408-141-5 (epub) // 978-3-86408-142-2 (epub)

© Vergangenheitsverlag, 2012 –www.vergangenheitsverlag.de

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

Inhalt

Einleitung

1.Keimzeit – Kindheit und Jugend Friedrich Fröbels in Oberweißbach und Stadtilm

2.Wachstum – Jahre des Suchens und des Findens

3.Blütezeit – Fröbels pädagogisches Schaffen

4.Früchte – die Spielgaben und Kindergarten-Konzeption

5.Herbst – die späten Jahre

6.Erntezeit – Was von Fröbel übrig blieb

7.Literatur

Einleitung

In der letzten Zeit ist viel diskutiert worden über Formen der Kinderbetreuung, über den Ausbau der Kita-Plätze auf der einen und die Einführung des Betreuungsgeldes auf der anderen Seite, über Bildungsgerechtigkeit und familiäre Bindung. Die Diskussionen zeigen zum einen den bildungspolitischen Handlungsbedarf, der seit der ersten PISA-Studie 2001 offenbar wurde, zum anderen die Pluralität der gesellschaftlichen und politischen Auffassungen von der „richtigen“ (Klein-)Kinderbetreuung. Manche sehen sie nur in der Familie ideal realisiert, andere wiederum versprechen sich mehr soziale Gerechtigkeit durch die flächendeckende Betreuung aller Kinder in den Kindertagesstätten. Wenn nun jedem Kind ein Kita-Platz rechtlich garantiert und gleichzeitig das Betreuungsgeld eingeführt wird, zeigt sich umso mehr der ideologische Grabenkampf zwischen den Verfechtern der häuslichen Erziehung als der einzig wahren und denjenigen, die eine Kita-Betreuung der Kinder nicht nur als eine Errungenschaft für berufstätige Eltern, sondern auch als Teil des Weges aus der deutschen Bildungsmisere und sozialen Not so manchen Kindes sehen.

So hitzig die Diskussion vor allem um die „Herdprämie“ ist, so unangetastet ist die Forderung nach einem Mehr an professioneller Kinderbetreuung. Der Besuch einer Kindertagesstätte ist in Deutschland zwar (noch) nicht Pflicht aber im 21. Jahrhundert fester Bestandteil nahezu jeden Kinderlebens in diesem Land. Hier toben die „Prenzelzwerge“ über Berliner Spielplätze, da haben die „Haselmäuse“ ihren Waldtag oder die „Remmidemmis“ eine Geburtstagsfeier. Es gibt Waldkindergärten, konfessionelle oder städtische Einrichtungen, Montessori-Läden oder Elterninitiativkitas. Die Kita-Landschaft ist bunt.

Dass uns die Existenz des Kindergartens in seiner heutigen Form so selbstverständlich erscheint, liegt wohl daran, dass er inzwischen eine über 170-jährige Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte vorzuweisen hat. Ein reifer, gewachsener Garten also, dessen erste zarte Triebe im Laufe der Jahrzehnte zu lauter bunten Blumen herangewachsen sind, die landauf, landab die Bildungslandschaft prägen. Wer jedoch den ersten Spatenstich zu diesem besonderen Garten wagte, ist trotz der Omnipräsenz der Institution weitgehend unbekannt. Es ist der Pädagoge Friedrich Fröbel, der 1840 im thüringischen Blankenburg den ersten deutschen Kindergarten gründet und damit eine Institution ins Leben ruft mit internationaler Strahlkraft: Vor allem im englischsprachigen Raum findet das Fröbelsche Konzept einer Bildungsstätte für die Kleinsten großen Anklang, die Bezeichnung „Kindergarten“ hält sogar Einzug in die englische Sprache.

Der Person Friedrich Fröbels und seiner Kindergartenpädagogik widmet sich dieser Band und soll ein Beitrag sein, den so verdienstvollen Pädagogen etwas bekannter zu machen.

1.Keimzeit – Kindheit und Jugend Friedrich Fröbels in Oberweißbach und Stadtilm

Als Friedrich Fröbel am 21.04.1782 im thüringischen Oberweißbach das Licht dieser Welt erblickte, war er das sechste und letzte Kind seiner Mutter, die nur wenige Monate nach seiner Geburt an einer Infektion starb. Ihren frühen Tod deutete Fröbel rückblickend in einem Brief an seinen Bruder Christoph als ein allzu plötzliches Entlassenwerden in die „Welt, mit all ihren Mängeln und Gebrechen, Verdorben- und Verkehrtheiten (…), deren Bild sich leicht in mir mit allen seinen Schattenseiten abdruckte.“1 Ein sperriger Start für den kleinen Spross, der fortan auf sich und seine älteren Geschwister gestellt aufwuchs.

Der Vater war viel beschäftigt als Pfarrer der örtlichen Gemeinde, ein „Theolog der alten Zeit“2, und streng in der Erziehung seiner Kinder. 1785 heiratete er ein zweites Mal, und Friedrichs Kindheit verdunkelte sich erneut: Die Stiefmutter hatte nicht viel übrig für den Kleinen, beschimpfte ihn und sprach ihn stets in dritter Person an.3