Warum keiner will, dass du nach oben kommst ... - Martin Limbeck - E-Book

Warum keiner will, dass du nach oben kommst ... E-Book

Martin Limbeck

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15,99 €

Beschreibung

mit Geleitwort von Walter Kohl, Sohn des Bundeskanzlers a.D. Einfach kann jeder – nur Hindernisse machen stark. Ein Widerspruch? Nicht, wenn es nach Martin Limbeck geht. Und er muss es wissen! Mit seinem Bestseller Nicht gekauft hat er schon, der bereits am Erscheinungstag ausverkauft war, eroberte er eine riesige Fan und Leserschar, die seine direkte Art und seine Anekdoten lieben. In seinem neuen Buch beschreibt er nun gewohnt schonungslos in vielen persönlichen Episoden seinen nicht einfachen Aufstieg vom No-Name im Ruhrpott zum bekannten und gefragten Top-Speaker. Martin Limbeck erzählt, dass er auf seinem Weg nach oben an die Spitze mit unzähligen Hindernissen konfrontiert war, von Neid über Selbstsabotage bis hin zu falschen Freundschaften. Hindernissen, wie sie viele Menschen kennen und erleben. Mit dem Unterschied, dass Martin Limbeck sich nicht hat ausbremsen lassen, dass er nicht zu stoppen war. Heute ist er mit sich im Reinen und kann seine Erfahrung, seine Botschaft weitergeben: Wenn das Leben "Nein" zu dir sagt, heißt das nichts anderes, als dass du nur NOCH nicht am Ziel bist. Oft ist nur noch ein kleiner Schritt, eine kleine Anstrengung nötig, um das Ziel zu erreichen, um alle Stolpersteine zu überwinden. Mit dieser Philosophie hat Martin Limbeck es sehr weit gebracht. In seinem spannenden Buch zeigt er, dass es jeder schaffen kann. Ein ermutigender Aufruf an alle, die mehr aus ihrem Leben machen möchten, obwohl – oder eben gerade weil(!) – sie es dabei nicht leicht haben! -Gib niemals auf – ein authentisches und ermutigendes Plädoyer -Die Erfolgsgeschichte von Martin Limbeck. Sein Weg zum Unternehmer, Erfolgstrainer, Top-Speaker und TV-Coach -Mit Witz und Tempo geschrieben zeigt er, wie es jeder schaffen kann Weitere Informationen finden Sie unter wie-du-nach-oben-kommst.de

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Martin Limbeck

Warum keiner will, dass du nach oben kommst …

… und wie ich es trotzdem geschafft habe

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

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2.. Auflage 2015

© 2015 by Redline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

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Umschlaggestaltung: Melanie Melzer, München

Umschlagabbildung: Nils Schwarz

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

Druck: CPI books GmbH, Leck

Printed in Germany

ISBN Print: 978-3-86881-235-0 ISBN E-Book (PDF): 978-3-86414-353-3 ISBN E-Book (EPUB, Mobi): 978-3-86414-448-6

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

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Geleitwort von Walter Kohl

Martin Limbeck und ich lernten uns zufällig am Rande einer Veranstaltung in Kloster Eberbach kennen (wenn es denn solche Zufälle gibt) und kamen ins Gespräch. Daraus entwickelte sich ein Dialog, der eine wesentliche Erfahrung meines Lebens bestätigte: Egal, wo du herkommst, egal, was du tust oder wer du bist, es gibt einige Fragen und Themen die uns alle irgendwann einholen oder beschäftigen. Es bringt nichts vor ihnen davonzulaufen. Habe Mut, stelle dich diesen Themen und finde deine eigenen Antworten!

Martin Limbeck ist heute ein erfolgreicher Verkaufstrainer, ein Power-Selling-Spezialist. So kennt ihn das Publikum. Aber das war nicht immer so. Hinter diesem Erfolg steckt ein Mensch, der einen langen Weg mit vielen Höhen aber auch mit manchen Irrungen und Wirrungen gegangen ist. Ein Mensch, der seinen Weg finden musste und der diesen nun weiter gehen will und wird.

Dieses Buch ist seine Art der Selbstreflexion in der das Äußere, die Fähigkeit zu verkaufen und das Innere, die eigenen Fragen, Unsicherheiten aber auch die Suche nach persönlichen Antworten, zu einem Text werden. Erkenne dich selbst! Diese alte Forderung des Orakels von Delphi aus der griechischen Mythologie gilt auch – und vielleicht besonders – für Verkäufer.

Egal ob es um Dinge wie Herkunft, Disziplin oder den Umgang mit realer oder gefühlter Überforderung geht, Martin Limbeck scheut sich nicht auch solche schwierigen Themen und seine damit verbundenen persönlichen Erfahrungen in der ihm eigenen Direktheit anzusprechen. Das macht dieses Buch anregend und interessant. Es erlaubt einen Blick hinter die Kulissen seines Lebens zu werfen. Martin Limbeck möchte Menschen inspirieren und ermutigen sie selbst zu werden, an ihren eigenen Erfolg zu glauben und daran konsequent und nachhaltig zu arbeiten. Dazu stellt er seine Erfahrungen und seine Biographie zur Verfügung. Er ist überzeugt: Wer viel und intensiv sät, wer sich immer wieder hinterfragt und innerlich auf den Prüfstand stellt, der wird auch ernten. Diese Überzeugung zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch. Herausgekommen ist ein im Inhalt konservatives Buch in modernem Kleid und somit eine spannende Lektüre.

Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken! Walter Kohl

Vorwort – You live, you learn

You live you learn You love you learn You cry you learn You lose you learn You bleed you learn You scream you learn

(Alanis Morissette)

Früher hat der Limbeck das Blei in die Forelle gesteckt … Warte, das mit dem Blei erzähl ich gleich noch genauer. Ich sag jetzt nur: Du glaubst nicht, was ich früher für einen Scheiß angestellt habe. Wie blöd war das denn? Heute lach ich drüber!

Und was ich mir alles habe gefallen lassen! Ich war der Depp für alle. Der Fußabstreifer aus Essen. Der rothaarige Doofi aus dem Kohlenpott, der kein Fettnäpfchen auslässt.

Ständig habe ich eingesteckt. Und ja, schon klar, ich habe auch ständig ausgeteilt. Auch ohne es bewusst zu wollen. Mir passiert es heute noch ständig, dass ich Leuten unabsichtlich auf die Fußspitzen latsche. Da sag ich was Unbedachtes auf der Bühne, oder ich lass einen Spruch auf Facebook ab, einfach weil ich mich des Lebens freue – und schon prasselt ein herrlicher Shitstorm auf mich nieder, dass du glaubst, du wirst nie wieder sauber.

Es gab in meinem Leben so vieles, was unrund gelaufen ist. Heute weiß ich woran das lag: Ich war selber unrund, eckig, kantig. Wenn du so bist, eckst du dauernd an. Zwangsläufig. Du bekommst ständig Kontra. Einverstanden?

Und weißt du was? Das ist gut so! Es war alles gut so, wie es war! Glaub nicht, du kannst ein Original sein und alle heißen dich mit offenen Armen willkommen! So läuft das nicht. Wenn du nach oben willst, gibt es da draußen eine Million Menschen, die das verhindern wollen.

Vielleicht ist das der Grund, warum du heute noch nicht da bist, wo du hinwillst: Dein Leben leistet dir erbitterten Widerstand. Es schickt dir Leute, die dir Schwierigkeiten machen und du bist in hundert Grabenkämpfe verstrickt. Vielleicht will das Geld nicht zu dir hinfließen oder nicht bei dir bleiben. Vielleicht findest du einfach nicht den Beruf, der dich erfüllt. Vielleicht ärgerst du dich mit deinen Lebenspartnern rum. Vielleicht hast du dir deine Gesundheit ruiniert. Ich kann’s ja nicht wissen. Ich weiß nur eins: Jeder Mensch auf diesem Planeten möchte fünf Dinge: eine glückliche Liebesbeziehung, gute Freunde, Gesundheit, den richtigen Job und ausreichend Geld. Ich bitte die Leute immer, die Hand zu heben, wenn alle fünf Bereiche gleichzeitig top sind. Und ich sag dir eins: Ich habe noch nie, nie, nie eine einzige Hand gesehen!

Obwohl: Ein einziges Mal war das anders. Das war in Potsdam bei einem Vortrag bei einer Versicherungsgesellschaft. Zwar hat auf meine Frage niemand die Hand gehoben, aber hinterher kam eine Frau so um die 60 auf mich zu und sprach mich sehr freundlich an. Sie habe meinen Vortrag nicht ruinieren wollen, drum habe sie sich nicht gemeldet. Sie habe vor drei Jahren die Diagnose Krebs bekommen. Die Chemotherapie habe sie gerade so überlebt. Seitdem sei sie in allen fünf Bereichen total zufrieden. Dabei strahlte sie mich an. Großartig! Fantastische Einstellung, ich hätte sie umarmen können! – Aber das war in all den Jahren die einzige Ausnahme.

Die einen streben nach der finanziellen Freiheit und versemmeln darüber ihr Beziehung oder ruinieren sich ihre Gesundheit. Die nächsten investieren alles in ihre Beziehung und haben irgendwann keine Freunde mehr. Die anderen sind topfit, aber kirchenmausarm.

Ich habe noch nie einen gesehen, der ganz oben ist.

Warum? Weil keiner will, dass du nach oben kommst!

Nein, ich bin nicht paranoid! Und ich jammer auch nicht. Im Gegenteil: Heute bin ich über jeden einzelnen der tausend Kämpfe, die ich in meinem Leben gekämpft habe, einfach nur froh. Ich weiß heute: Jede einzelne Niederlage war für etwas gut. Es werden ganz sicher noch einige dazu kommen. Und auch die werden wieder gute Lehrer sein. Im Leben bekommst du immer alles wieder zurück – bad or good. Merk dir eins: Alles ist gut, so wie es ist! Auch wenn du es manchmal erst viel später verstehst.

Denn jedesmal, wenn mir was um die Ohren geflogen ist, jedesmal, wenn das Leben mir einen Tritt in die Weichteile verpasst hat, jedesmal, wenn ich Mist gebaut habe, jedesmal habe ich etwas gelernt. Jeder Kampf hat mich ein kleines bisschen verwandelt. Ich bin heute immer noch der Limbeck, klar – aber gleichzeitig bin ich auch ein vollkommen anderer Mensch geworden. Weißt, was ich meine? Mir und anderen habe ich nie was geschenkt. Und deshalb war meine Lernkurve auch so steil.

Was die fünf Lebensbereiche angeht: Ich war in allen fünfen schon ganz unten. Körper: Ich war dick und hässlich, saft- und kraftlos. Frauen: Ach du lieber Himmel! Freunde: Enttäuschungen ohne Ende. Geld: Alle hatten eine Zündapp – ich fuhr eine blöde Honda Camino, mehr war nicht drin. Job: Die beschissenste Lehre aller Zeiten hab wohl ich gemacht.

Heute? Heute gewinne ich einen Boxkampf – und das schüttelst du dir nicht aus dem Ärmel, das verrat ich dir! Heute halte ich eine Traumfrau in den Armen. Heute habe ich Freunde, auf die ich zählen kann. Heute lebe ich in einer Villa und vor der Tür steht … oh, ja, ich weiß, das ist heute kein Statussymbol mehr. Ein Tesla wäre cooler. Aber hey, ich habe mir mein Leben lang einen Porsche gewünscht, und jetzt habe ich zwei. Gönn es mir!

Heute arbeite ich jeden Tag acht Stunden – an den meisten Tagen gleich zweimal hintereinander, weil’s so schön ist. Und an den Wochenenden natürlich auch. Nicht weil ich muss. Nicht weil ich ein durchgeknallter Getriebener bin, was mir so manche nachsagen. Nein, freiwillig! Weil ich heute meinen Traumjob lebe. Heute passieren mir Sachen, das ist einfach nur geil.

Zum Beispiel: Ich wollte unbedingt mal mit meinem Lieblingstrainer quatschen. Das würde mir viel bedeuten. Er war damals noch bei der Eintracht: Armin Veh. Ich fand einfach stark, wie er die Mannschaft führte. Mit Humor, lässig, aber auch extrem professionell. Und er sorgte dafür, dass die Jungs auf dem Platz ihren Job machten. Aber klar: Der steht in der Öffentlichkeit, an den kommst du nicht so einfach ran. Und was passiert? Ich gehe zu meinem Lieblingsitaliener rein und das sitzt der Veh, zusammen mit seinem Co-Trainer Reiner Geyer. Aha, denke ich, das will das Leben mir schenken. Danke, sag ich und geh zu den beiden hin und rede mit ihnen. Und jetzt sind die sogar total nett, super Typen. Mit beiden bin ich noch in Kontakt. Reiner Geyer hat für mich organisiert, dass mein Sohn Chris bei einem Heimspiel am Spielertunnel Spalier stehen durfte – geiles Erlebnis! – Ja, das ist eine Kleinigkeit. Für dich vielleicht. Und ja, das ist Zufall, logisch. Es ist mir zugefallen. Andauernd passiert mir so was. Und ob du mir das jetzt abnimmst oder nicht: Das ist mir nicht zufällig zugefallen, sondern deshalb, weil ich im Laufe der Jahre meine Einstellung dem Leben gegenüber komplett verändert habe. Du bekommst im Leben immer zurück, was du ausstrahlst. Ich kann’s nicht oft genug predigen.

Früher war ich in mir drin das Opfer. Also hat mich das Leben verprügelt. Früher fand ich mich hässlich, also hat sich das Leben von seiner hässlichen Seite gezeigt. Heute bin ich in mir drin ein Gewinner. Also beschenkt mich das Leben reich. Früher ist mir nie so was Schönes in den Schoß gefallen, wie’s mir heute fast jede Woche passiert. Heute komme ich in einen Raum und ich merke, dass die Leute merken, dass ich da bin. Du kennst das, oder? Manchmal beginnt ein Raum zu leuchten, wenn einer kommt, manchmal wird’s heller, wenn einer geht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich gefühlt habe, als kein Mensch von mir Notiz genommen hat, außer wenn ich gehänselt werden sollte. Ob ich im Raum war oder nicht – interessierte keinen. Heute falle ich auf, egal wo ich hinkomme. Im Ernst: Wenn ich irgendwo reinkomme, geht ein Kronleuchter an. So jedenfalls bekomme ich es immer wieder berichtet. Warum ist das so? – Wegen meiner Ausstrahlung. Und woher kommt die? Von innen, von meiner Einstellung. Und woher kommt die? Weil keiner wollte, dass ich nach oben komme – und ich es trotzdem geschafft habe! Jeder Mensch ist, was er erlebt hat. Wenn du wissen willst, wie ich nach oben gekommen bin: Meine Geschichte verrät es dir.

Ich erzähle sie dir in diesem Buch.

Und ganz sicher erkennst du dich selbst an der einen oder anderen Stelle wieder. Dieses Buch hat einen ganz bestimmten Zweck. Es ist ein Mutmacher für dich:

Ich will, dass du deinen eigenen Weg gehst, egal wer das verhindern will!

Königstein, im Sommer 2014

Martin Limbeck

Rote Karten

Eins vorneweg: Ich hatte keine schlechte Kindheit. Auf meine Eltern lasse ich nichts kommen. Wenn ich dir von meinen frühen Erinnerungen erzähle, dann erzähle ich dir, wie es sich für mich angefühlt hat. Das sagt aber nichts darüber aus, ob meine Eltern einen guten Job gemacht haben. Das ist nicht das Thema. Ich liebe meine Eltern über alles und ich habe sie heute, so oft es geht, um mich. Familie ist für mich mit eine der wichtigsten Sachen überhaupt.

Und trotzdem ging’s mir oft beschissen, damals auf dem Campingplatz, auf dem ich aufgewachsen bin.

Ich war Mamas Liebling, der jüngste von dreien. Meinen Vater habe ich als Kind eher als sachlich und wenig emotional erlebt. Außerdem war er viel unterwegs. Meine Mutter kompensierte das, indem sie mich doppelt betüddelte. Mein Bruder ist zehn Jahre älter als ich, meine Schwester sechs Jahre älter. Weil wir so weit auseinander waren, waren wir nicht so eng. Meine Schwester musste oft auf mich aufpassen, als ich noch klein war. Das hat sie gehasst. Wir haben oft gestritten, sie war mir körperlich natürlich überlegen. Einmal hat sie mir mit der Metallbürste volle Breitseite auf den nackten Rücken gehauen, sodass ich ausah wie ein Anfänger im Fakir-Club nach dem ersten Training. Kuschelig war’s meistens nicht bei uns zuhause …

Überhaupt habe ich ständig was abbekommen. In der Clique war ich auf mich allein gestellt, ich hatte weder einen großen Bruder, der war ja schon zu alt, noch einen besten Freund, mit dem ich mich verbünden konnte. Warum ich keinen Freund hatte? Weil ich rote Haare hatte, pummelig und pickelig war. Und weil ich selber die pummeligen und pickeligen Rothaarigen nicht als Freunde haben wollte. Ich wollte nicht zu den Außenseitern gehören. Ich hatte aber nun mal die Außenseiterkarte gezogen. Schlechte Konstellation!

Ich wurde gehänselt von früh bis spät. »Karlsson vom Dach« riefen sie mich. Und wenn auf dem Campingplatz was angestellt wurde, wenn was kaputt ging oder es Beschwerden gab … der Limbeck war’s!

Hans-Jochen war einer der Anführer. – Ach, übrigens, kleine Unterbrechung: Wenn ich dir in diesem Buch Geschichten erzähle, dann sind das wahre Geschichten. Das Einzige, was nicht an ihnen stimmt, sind die Namen. Ich haue hier doch niemanden in die Pfanne, einverstanden? Ich lasse also grundsätzlich die Nachnamen weg und erfinde neue Vornamen. Außer bei bekannten Persönlichkeiten natürlich.

Also, Hans-Jochen, der in Wahrheit ganz anders hieß, hielt mich als seinen persönlichen Trottel und Vorzeige-Sündenbock. Einmal haben wir morgens um Fünf die Minigolfbahn demoliert und Teile ins Wasser des Sees geworfen. Klar, ich hab mitgemacht. Ich war eben auch bockig und krawallig, irgendwo musste ich ja meinen Frust abbauen. Aber der Hans-Jochen war auch mit dabei. Als der Polizist, der auch auf dem Campingplatz einen Wohnwagen hatte, uns am Schlafittchen unseren Eltern vorführte, da hatte der Vater von Hans-Jochen schon so verinnerlicht, dass ich der Depp des Campingplatzes war, dass er mir glatt eine gescheuert hat.

Gottseidank war mein Vater damals da und ist dazwischengegangen: »Wenn hier einer meinem Sohn eine scheuert, dann bin ich das!« – Du glaubst nicht, wie wichtig mir dieser Satz war! Denn natürlich wollte ich genau das: Dass mein Vater mir Grenzen setzt.

Auch wenn es sicher nicht stimmt: Gefühlt war er kaum da. Er war selbstständig und dauernd auf Reisen. Abends um halb acht kam er aus dem Büro, dann gab’s Abendessen, dann Tagesschau, dann ab ins Bett. Mal mit ihm reden, mal was mit ihm unternehmen … eigentlich hatte ich damals nichts von ihm. Jedenfalls fühlte es sich damals so für mich an.

Er war ein Einzelgänger und Außenseiter. Auf dem Campingplatz musst du gesellig sein, um dazuzugehören, da gab’s ständig Party überall. Mein Vater hat sich rausgehalten und kaum Alkohol getrunken. Höchstens mal ein Bier. Aber auf dem Campingplatz waren ja alle jedes Wochenende besoffen. Mit einem Bier bist du da außen vor.

Ich bin dann konsequenterweise auch Einzelgänger und Außenseiter geworden – eben in meiner Altersgruppe. Obwohl ich gern was anderes wollte. Gespielt habe ich zuhause alleine: Ich konnte stundenlang Städte und Flugplätze aus Lego bauen. Abends haben wir dann Fernsehen geschaut. Samstags kam nach dem Wort zum Sonntag immer noch ein Western. Jeder durfte den gucken, auch die Jungs aus meiner Clique würden am Sonntag davon erzählen. Ich war der Einzige, der ins Bett musste. Und als ich aus irgendeinem Grund an einem Samstag doch mal für den Western aufbleiben durfte, bin ich nach fünf Minuten eingeschlafen. Das war typisch.

Auf verlorenem Posten

In der Schule waren viele Türken. Einer von ihnen hieß Erkan und war der Chef, weil er der Stärkste war. Er hat mich regelmäßig schön verprügelt. Ein Grund ließ sich immer finden. War wohl gut für sein Ego. Was ich damals so pro Woche auf die Fresse bekommen habe, ist schon der Hammer. Einmal bin ich in meiner Rolle als Spielzeug der Nachbarsjungen mit dem Rücken in das Schaufenster eines Blumenladens geflogen. Ich hätte mir alles zerschneiden können, ich hätte tot sein können.

Klar, das gibt’s heute alles auch noch. So wie ich das mitbekomme, werden heute solche Kids, wie wir es waren, reihenweise vom Jugendamt aus dem Verkehr gezogen und in Obhut genommen, wegen Kindeswohlgefährdung und so. Damals war das einfach so, keiner zuckte mit den Augenbrauen.

Auch wenn mein sprunghaft steigender Testosteronspiegel etwas anderes forderte: Die Mädels wollten rein gar nichts von mir. Ich war Luft für sie. Ich war aber auch ein Arsch: Weil mein Selbstvertrauen vom Format Ameise war, ließ ich meine Wut an den Mädels aus. Auch eine Form von Kontaktaufnahme … Ich hänselte sie und legte mich sogar mit ihnen an. Wie armselig war das denn! Mein Vater, unser Familien-Außenminister, musste oft in die Schule deswegen. Ein Verhalten wie ein Loser hatte ich … das war korrekt, ich war ja auch ein Loser.

Loser klauen zum Beispiel. Und ich klaute. In einem kleinen Laden auf dem Land gab es Gartengeräte, Blumen, Angelzeug und so weiter. Hans-Jochen hatte einen Heidenspaß dabei, mich anzustiften. Und ich machte natürlich brav mit, weil ich dazugehören wollte. Ich klaute irgendwelches Zeugs und stopfte es in meine Angelstiefel. Und wurde prompt erwischt und von der Polizei nach Hause gebracht. Nicht mal klauen konnte ich richtig. Drum ließ ich es auch seitdem lieber bleiben.

Und kicken konnte ich auch nicht. Das ist schlimm, wenn du im Pott aufwächst! Unsere Gesamtschule war auf Schalke, direkt neben dem Parkstadion, das heute teilweise abgerissen ist und nur noch als Trainingsplatz dient. Damals war das unser Tempel. Fußball ist im Ruhrgebiet bekanntlich so eine Art Religion. In jeder freien Minute wurde mit dem Tennisball Straßenfußballgottesdienst abgehalten. Und natürlich: Jedesmal durften die stärksten beiden Spieler sich ihre Mannschaften wählen, immer abwechselnd. Selbstredend, dass ich immer als Letzter gewählt wurde. Was heißt »gewählt« – ich blieb eben übrig. Scheißgefühl!

Auch die meisten Lehrer behandelten mich wie Dreck. Meine Mathelehrerin ist freitags immer mit uns zum Mittagessen in die Mensa gegangen. Da gab es Hähnchen. Zuhause haben wir die mit der Hand gegessen. Aber die Mathe-Lady bestand darauf, dass ich das Vieh mit Messer und Gabel essen sollte. Ich konnte das nicht. Also habe ich mal wieder Ärger bekommen. Oder besser gesagt: Meine Eltern haben Ärger bekommen. Als ob die Qualität der Erziehung davon abhängen würde, ob die Kinder den Knigge draufhaben oder nicht!

Mein Vater, mal wieder auf diplomatischer Mission, setzte dann nach einem Gipfeltreffen durch, dass ich auch in der Schule wie zuhause mit den Fingern essen durfte, wenn es Hähnchen gab. Was für ein blödes Affentheater!

Der Doktor Musiklehrer war so ein Clown mit kariertem Sakko und Fliege. So ein Typ, der mit vierzig noch zuhause bei Mama wohnt. (Wenn du so ein Typ bist, der mit vierzig noch zuhause bei Mama wohnt: Zieh aus, verdammt!) Eines Tages musste ich nach vorne zum Vorsingen. Meine Hypothek war, dass ja sowohl mein Bruder als auch meine Schwester sehr musikalisch waren. Das half mir nur kein bisschen: Das Vorsingen ging total in die Hose. Und der Doktor hatte sein Ziel erreicht. Das Schlimmste war sein mitleidiger Ton: »Ach, Martin, setz dich wieder hin. Du bist halt unmusikalisch. Das ist halt so …«

So entstehen Glaubenssätze. »Du bist halt unmusikalisch!« Treffer. Versenkt. Ich habe das verinnerlicht und glaubte tatsächlich fast mein ganzes Leben lang, dass ich unmusikalisch sei. Nur weil so ein schlechter Lehrer sich seiner Verantwortung nicht bewusst war und es nötig hatte, einen schwachen Schüler noch schwächer zu machen.

Ganz ähnlich machte das unser Deutschlehrer, ein Typ mit langen Haaren und Schnurrbart. Er war unser Klassenlehrer und glaubte damit, die Hoheit über unseren weiteren Lebensweg zu haben. Einmal bestellte er meinen Vater ein, weil ich schlechte Noten hatte. Er sagte: »Herr Limbeck, aus Ihrem Früchtchen wird NIE was werden!«

Hammer! Überleg mal, wie aggressiv und wie gehässig. Was musst du für ein armes kleines Würstchen sein, wie wenig muss aus dir geworden sein, um einen völlig verunsicherten Jungen in der Pubertät dermaßen zu demütigen!

Und weil ein guter Teil der Lehrer ihre Schuhe auf mir abstreiften, hatte ich natürlich auch überhaupt kein Standing in der Klasse. So funktioniert Führung – auch im Negativen.

Einer der Jungs sagte mal zu mir: »Du schaffst es nie, ein Toastbrot zu essen, wenn ich es festhalte.« – Ich sah kein Problem und hielt die Wette, doof wie ich war. Es bildete sich ein Ring aus feixenden Jungs um uns, der Typ drehte sich rum, zog seine Hose runter und steckte sich die Scheibe Toastbrot in den nackten Arsch: »Friss, Limbeck!«

Jetzt weißt du, was damals meine gesellschaftliche Rolle war.

Einen der Jungs auf dem Campingplatz bewunderte ich: Florian! Sein Vater hatte ein eigenes Geschäft, Kohle und Öl, dementsprechend hatte Florian Geld im Kreuz. Er hatte alles, was ich haben wollte. Und er sah gut aus, so ein Typ Mick Jagger. Kein Wunder, dass er das schönste Mädchen von allen hatte. Er war der Leader. Er war der Tonangeber. Er hatte die coolste Lederjacke. Er fuhr eine 80er Chopper. – Und ich lebte im Wohnwagen und hatte noch nie ein Mädel angefasst.

Florian war dort, wo ich hinwollte. Aber er war mir meilenweit voraus. Ich habe mich ihm gegenüber so minderwertig gefühlt. Trotzdem suchte ich seine Nähe. Oder gerade deswegen. Einmal, als ich bei ihm war, gab er vor, plötzlich wegzumüssen. Er ließ mich allein mit seiner Model-Freundin. Das Herz klopfte mir bis zum Hals und bis in den Schritt. Sie setzte sich zu mir auf die Couch und begann mich anzumachen. Ich merkte schon, dass da was nicht stimmte. Aber sie sah so unglaublich lecker aus. Und sie roch so gut. Oh mein Gott! Mein Kopf stellte die Arbeit ein und ließ den Rolladen runter. Die Nervenimpulse zuckten durch den Körper, aber kamen bei den Muskeln nicht mehr an: Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Mein Sprachzentrum war auch gelähmt. Ich war völlig überfordert. Da kam Florian zurück und die beiden lachten mich aus. Sehr lustig …

Einmal war ich ganz nahe dran am Honigtopf, es gab da nämlich Yvonne. Sie war nicht von einem anderen Stern wie die Freundin von Florian, aber sie war sehr nett. Die mochte ich. Und ganz offenbar mochte sie mich auch ein bisschen. Es war das erste Mädel überhaupt, das mich wahrnahm. Doch dann kam Axel, auch einer von den Sportlichen, und schnappte sie mir weg. Bei Yvonne war ich nur zweiter Sieger. Und das heißt: erster Verlierer. Damals begann ich das Verlieren wirklich zu hassen. Wenn du den späteren Vollgas-Limbeck verstehen willst, hier ist der Schlüssel.

So in etwa fühlte sich das alles an damals. Eine Welt, in der du jeden Tag einmal irgendwo die Rote Karte gezeigt bekommst: Du bist draußen. Du darfst nicht mitspielen. Du musst vorzeitig zum Duschen. – Da komme ich her.

Ein Nachhilfelehrer nahm mit uns mal Nathan, der Weise von Lessing durch. Da gibt es eine Stelle, wo Nathan zu seinem Freund sagt: »Kein Mensch muss müssen.« – Ha! Ich habe das gehasst. Ich habe die Schule gehasst, ich habe Deutsch gehasst, ich habe Lessing gehasst und am meisten gehasst habe ich das Gefühl, nichts zu dürfen im Leben, was ich wollte, und alles zu müssen, was ich nicht wollte. Der Limbeck ist offenbar wirklich der einzige Trottel unter der Sonne, der müssen muss! Dieser Abgrund zwischen Wollen und Müssen war der Grund, warum ich mich jeden Tag wie ein Verlierer fühlte.

Auch wenn es hässlich ist, so was zu sagen: Ich hasste mein Leben! Und das Allerschlimmste: Ich hasste mich selbst. Dass das eine mit dem anderen zusammenhängt, ist mir heute auch klar.

Und nein, um es nochmal zu sagen: Ich hatte keine schlechte Kindheit. Da gibt’s nichts zu lamentieren. Ich war lediglich ein Loser und das Leben sagte tausendmal Nein zu mir. Aus irgendeinem Grund, war ich nicht bereit, das zu akzeptieren. Das war mein eigentliches Problem.

Ersatzväter

Doch, doch, es gab auch Lichtblicke. Als ich zwölf war, kam ein Engel in mein Leben und entdeckte ein Talent in mir. Das war der Franz. Weil mein Vater kein Angler war, haben mich eben die anderen Erwachsenen mit an den See genommen. Franz hat mir die ersten Kniffe gezeigt – und das hat mich nicht mehr losgelassen. Angeln ist noch heute meine große Leidenschaft!

Als Jugendlicher mit 13 oder 14 bin ich oft morgens um 5 Uhr aufgestanden und bin raus ans Ufer und habe die Angeln ausgelegt. Samstags habe ich oft die ganze Nacht durchgefischt. Meine Mutter hat mir dann öfter mal Brote gebracht. Natürlich war das eine Art Flucht. Ich hatte beim Angeln einfach einen Zufluchtsort in mir drin gefunden, wo ich Frieden fand. Angeln ist meine Meditation. Noch heute ist das so.

Viele, die mich von der Bühne kennen, können das gar nicht glauben. Aber ich liebe die Ruhe und die Stille beim Angeln und ich kann da stundenlang sitzen und warten. Das ist so mit das Größte für mich. Und das verdanke ich Franz, den ich mir als so eine Art Ersatzvater ausgeguckt hatte.

Außerdem hatte ich plötzlich etwas, wo ich der Beste war! Der mit Abstand Beste. An einem Samstag fing ich 101 Rotaugen und zwölf Karpfen. Den Rekord am See für die größten und die meisten Karpfen halte ich noch heute. Damals holte ich mir meine ersten echten Erfolgserlebnisse. Gut in etwas sein! Zum ersten Mal gewinnen! Das Gefühl war so groß, so mächtig, damals habe ich Blut geleckt: Erfolg, gewinnen, Erster sein, das ist mein Ding!

Das Angeln hat mich damals, in der Welt der Roten Karten, absolut über Wasser gehalten. Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich diese eine Sache, in der ich der Beste war, nicht gehabt hätte. Wenn du selbst ein Kind hast oder kennst und du siehst bei ihm irgendein Talent – und sei es Papierfliegerfalten! – dann hab Ehrfurcht davor! Es ist wichtig …

Das Angeln gab mir auch eine ganz neue Richtung: Ich sonderte mich von der fiesen Clique ab und orientierte mich mehr an den Erwachsenen, besonders an dem Franz. Wenn Männer stundenlang gemeinsam etwas tun, Schulter an Schulter – und da brauchst du kein Wort reden – dann entstehen starke Bande zwischen ihnen. Das tat mir wahnsinnig gut. Er war ein emotionaler Anker für mich.

Da waren noch weitere Helden meiner Jugend – lauter Erwachsene. Mein Religionslehrer zum Beispiel. Der hatte das Herz am rechten Fleck. Zum Beispiel war er einer der Ersten, der angefangen hat, sich um AIDS-Kranke zu kümmern, damals in Duisburg. Bei ihm strengte ich mich an, Religion war darum mein bestes Fach. Zu ihm ging ich furchtbar gerne, denn den fand ich irgendwie cool. Noch eine Vaterfigur.

Wegen ihm bin ich dann eben auch Messdiener geworden – sehr wertvoll aus heutiger Sicht, denn so sammelte ich im Gottesdienst meine erste Bühnenerfahrung … Außerdem gefiel es mir, die Uniform zu tragen. Das wertete mein Schrumpf-Ego nach außen ein wenig auf und fühlte sich an wie eine schützende Rüstung.

Im Umfeld meines Religionslehrers gab es auch eine Frau, die mir Kommunionsunterricht gab und mich später auf die Firmung vorbereitete. Bei ihr gab es immer Kakao und Kuchen und eine warme, liebevolle Atmosphäre. Ich habe das aufgesaugt!

Außerdem hatte sie eine hübsche, schlaue Tochter. Hinter der guckte ich dann später immer noch her – nur wollte die nie was von mir. Klar, ich war ja auch der dicke Karlsson mit den Sommersprossen.

Aber okay, jedenfalls war das Christentum, die Kirche und das ganze Drumherum für mich freundlich, friedlich, gutes Terrain. Hier war ich sicher und musste nicht ums Überleben kämpfen. Während ich mir in der Schule und nachmittags unter den Gleichaltrigen wie nackt und mit leeren Händen mitten in einer Stierkampfarena vorkam, waren die Kirche und das Angeln meine Schutzräume.

Und dass die hübsche Tochter nichts von mir wollte, ist nicht schlimm, denn die sieht heute so aus wie ich früher: Ich habe sie Jahre später mal wieder in Gelsenkirchen getroffen, da hätte ich sie allein von den Umrissen her kaum wiedererkannt: Karlsson in weiblich. Absolut nicht mein Typ – auch wenn das jetzt vielleicht ein wenig gehässig rüberkommt.

Mein Patenonkel war noch so ein Lichtblick. Der kam immer zum Geburtstag und zu Weihnachten und brachte die tollsten Geschenke mit: Chemiebaukasten, Mikroskop – die Jungs-Sachen eben. Er war Steiger, Zeitungsausträger, Brötchenausträger … einer der fleißigsten Menschen, die ich kenne. Der beeindruckte mich. Was der so alles machte! Viel, viel, viel arbeiten und dabei trotzdem fröhlich sein – ein wichtiges Vorbild für mich! Vor allem schnitzte er Spazierstöcke mit so kleinen Figuren dran. Der konnte was und redete nicht bloß! Bei ihm war ich gerne.

Später, als ich nach Neu-Anspach in Hessen verschleppt worden war, weil mein Vater in Frankfurt einen neuen Job gefunden hatte, kam noch so ein wichtiger Erwachsener in meinen Kreis, ein richtig starker Lehrer. Stark im wahrsten Sinne des Wortes: ein Bär von einem Mann, zwei Meter groß, 110 Kilo schwer, Vollbart. Der mochte mich irgendwie. Er unterrichtete das spannende Fach »Polytechnik«. Und wie schon früher bei meinem alten Religionslehrer, so war es auch hier: Ein guter Lehrer konnte mich stark motivieren. In seinem Fach war ich gut. Er nahm mich aus irgendeinem Grund ein bisschen unter seine Fittiche.

Er hatte in der Nähe von Usingen, dem Nachbarort von Neu-Anspach, so ein kleines Wochenendhäuschen. Dorthin lud er mich öfter mal ein. Wir haben ein bisschen Zeit miteinander verbracht und er hat mit mir geredet. Der Mann hat mir damals enorm den Rücken gestärkt. Ich weiß genau, dass er es war, dem ich es verdanke, die Mittlere Reife überhaupt geschafft zu haben, obwohl die Schule und ich uns damals schon lange gekränkt den Rücken zugekehrt hatten.

In dieser Zeit kamen auch nach dem Angeln meine ersten paar weiteren Erfolge im Leben. Ich machte mit ungefähr 16 Jahren körperlich einen Riesensatz, war plötzlich nicht mehr pummelig. Ich verstand besser mit meinen Armen und Beinen umzugehen, wurde im Handball plötzlich gut, spielte Basketball, wurde im Fußball besser – und das ist einfach wichtig für einen Jungen! Ich war nirgendwo der Beste, aber ich war eben auch nicht mehr die letzte Geige. Mein Selbstvertrauen wuchs. Ich begann zu kämpfen. Der Ehrgeiz packte mich. Die direkte Folge von all diesen neuen Entwicklungen war, dass ich die ersten richtigen Freunde fand. Mit 16!

Das ist eine wichtige Erkenntnis für mich: Sobald du anfängst dich anzustrengen, ein Ziel zu verfolgen, zu kämpfen, dich auf den Weg zu machen, sobald du anfängst Ehrgeiz zu entwickeln und erkennbar irgendetwas willst, ab diesem Moment wirst du attraktiv für andere Menschen. Plötzlich kannst du Freunde haben! – Und umgekehrt: Keiner schließt sich Losern an! Um Anschluss zu finden, musst du nicht unbedingt die Nummer eins sein. Aber du darfst eben nicht rumhängen. In dem Moment, in dem dein Wille erkennbar wird, etwas zu bewegen, etwas zu verändern, ab dem Moment sind plötzlich andere Menschen da und du bist attraktiv genug, um zumindest mal einen ersten kleinen Kreis von Freunden um dich zu scharen. Und das wiederum gibt dir Stärke zurück und hilft dir beim weiteren Wachsen.

Das war das erste Mal, damals, dass ich dieses Resonanzphänomen erlebte. Und es war nicht das letzte Mal.

Not born in the USA