Was hat sie, was ich nicht habe - Katarina Michel - E-Book

Was hat sie, was ich nicht habe E-Book

Katarina Michel

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  • Herausgeber: Aquamarin
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
Beschreibung

Es gibt seltsamerweise immer noch viele Paare, die Eifersucht als eine Art "Liebesbezeugung" verstehen. Dieses Buch versucht ein völlig neues Denken und eine kreative Herangehensweise an ein uraltes Problem zu präsentieren. Es geht um Angst, um Festhalten, um Vergleichen und um versteckten oder offenen Egoismus. Sie alle führen zur "Krankheit Eifersucht" und verhindern eine glückliche, auf tiefem Verstehen und wahrer Liebe gegründete Beziehung. Es erfordert Mut und innere Aufrichtigkeit, um sich ehrlich einzugestehen, wo man selber in der Eifersuchtsfalle steckt; aber ohne diese innere Verwandlung gibt es keinen Weg zu einer erfüllten Beziehung.

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Seitenzahl: 180

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Katarina Michel

Was hat sie, was ich nicht habe

Zehn Wege aus der Eifersuchtsfalle

Katarina Michel

Was hat sie, was ich nicht habe

Zehn Wege aus der Eifersuchtsfalle

mit einem Vorwort von

Ruth Maria Kubitschek

ISBN(eBook) 978-3-89427-684-3

Deutsche Originalausgabe

1. Auflage 2014

Aquamarin Verlag Gmbh

Voglherd 1 • D-85567 Grafing

Covergestaltung: Annette Wagner

unter Verwendung von

52152616 – due visi© goccedicolore – Fotolia.com

Alle Rechte vorbehalten.

Inhalte aus diesem Buch dürfen nur nach schriftlicher Zustimmung durch den Herausgeber vervielfältigt, auf Datenträger gespeichert oder auf jegliche Art auch immer, sei es mittels chemischer, elektronischer oder mechanischer Prozesse, als Fotokopien, Aufnahmen oder irgendeine andere Weise veröffentlicht werden.

eBook-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheimwww.brocom.de

INHALT

VORWORT VON RUTH MARIA KUBITSCHEK

EINLEITUNG

1

DIE GESCHICHTE DER EIFERSUCHT

DER ERSTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE DIE SUCHE NACH DEM, WAS IM MOMENT WIRKLICH WICHTIG IST

2

EIFERSUCHT UND GESELLSCHAFTLICHE WERTMASSSTÄBE

DER ZWEITE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE DIE EIGENEN WERTVORSTELLUNGEN ÜBERPRÜFEN

3

DIE EMANZIPATION

DER DRITTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE IN DER STILLE SEINE EIGENE MITTE SUCHEN

4

VERLUSTANGST

DER VIERTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE SICH DEN EIGENEN ÄNGSTEN STELLEN

5

GEFÄHRLICHES VERGLEICHEN

DER FÜNFTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE EIN NEUES INNERES GLEICHGEWICHT FINDEN

6

SEX

DER SECHSTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE AUS DER KRAFT DES HERZENS LEBEN

7

EIN NEUES WERTESYSTEM IN BEZIEHUNGEN

DER SIEBTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE DIE KUNST DES „NEIN-SAGENS“ ERLERNEN

8

LIEBE UND FREIHEIT

DER ACHTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE IM GEBEN EMPFANGEN

9

DIE ALLTÄGLICHE ARBEIT AN DER EIFERSUCHT

DER NEUNTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE DIE EINFACHHEIT WIEDER NEU ERLERNEN

10

NEUE BEZIEHUNGSMODELLE – EIN AUSBLICK

DER ZEHNTE WEG AUS DER EIFERSUCHTSFALLE DAS LEBEN MIT NEUER ACHTSAMKEIT ERFÜLLEN

ZUM SCHLUSS

EIFERSUCHT AUS MÄNNLICHER SICHT

ANMERKUNGEN

VORWORT VONRUTH MARIA KUBITSCHEK

Jeder Mann – und vor allem jede Frau – sollte dieses Buch nicht nur lesen, sondern einatmen. Sie sollten es mit dem Atem tief in Ihr Inneres fließen lassen und die alten Muster von Liebe, Treue, Eifersucht – und vor allem von der Ehe – mit diesem fließenden Atemzug erlösen oder löschen.

Das reiche Wissen von Frau Dr. Michel führt uns durch die Geschichte der Unterdrückung der Frau, die leider in den Grundmustern auch heute noch überall spürbar, fühlbar ist. Unterdrückung schürt Angst, aus Angst wird Eifersucht – nicht nur auf den Mann, den wir lieben, sondern wir suchen mit Eifer all das, was die anderen haben und was wir nicht haben. Es geht um Haben und Nicht-Haben. Um Lieben und Nicht-Lieben.

Ich habe in meinem Leben erlebt, wie furchtbar niederträchtig und würdelos das Gefühl der Eifersucht sein kann. Ganze Leben werden zerstört. Ich habe diesen Stachel, diesen Antrieb der Menschheit aus mir herausgerissen und mir dieses Gefühl nie mehr erlaubt. Nicht ganz schmerzlos, wie ich zugeben muss!

Mit dem Buch von Frau Dr. Michel halten Sie die Möglichkeit, das Gleiche zu tun, in Ihren Händen.

Das Ungewöhnliche und Befreiende an dem Buch ist der Beitrag Ihres Mannes zum Thema Eifersucht. Sehr philosophisch, aber hinführend zur spirituellen Liebe: Zum Gott-Lieben in uns in der Begegnung mit dem Anderen. Jesus lehrte seine Jünger: „Im Himmel wird nicht mehr geheiratet.“ Das gefällt mir sehr. Wir begegnen uns dort im Urzustand, in Freiheit und Liebe. Wir sollten in jedem Fall schon auf der Erde versuchen, die Freiheit wahrer Liebe zu leben und unseren Kindern mit respektvoller Liebe zu begegnen. Leben und leben lassen.

Viel Freude mit der Erfahrung dieses Buches!

„DEINE AUFGABE IST ES NICHT, NACH LIEBE ZU SUCHEN. DEINE AUFGABE IST ES, ALL DIE BARRIEREN IN DIR ZU SUCHEN UND ZU FINDEN, DIE DU GEGEN

EINLEITUNG

Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich mich nur sporadisch für Krimis interessiert. Agatha Christie und Sherlock Holmes – das war alles, was ich auf diesem Feld kannte, in meinen jugendlichen Zeiten in der damaligen Tschechoslowakei.

Nach ein paar Jahren in Süddeutschland habe ich begriffen, was ein „Sonntagabend im Ersten“ bedeutet. Inzwischen habe ich mich selber in den Münsteraner Forensiker Professor Boerne verliebt, verehre Kommissarin Blum, weil sie in meinem zweiten Wohnort Konstanz ermittelt, und auch Reto Flückigers Auftritt in Luzern fiebere ich immer gespannt entgegen, obwohl er mir an der Seite von Frau Blum besser gefiel. Waren die beiden nicht ein herrliches Paar?

Eifersucht ist das zweitstärkste Motiv für Gewalt und Verbrechen.

Der Tatort am Sonntagabend gehört zu den Lebensritualen vieler deutscher Haushalte – mittlerweile auch bei mir. Ich erlebe diesen Abend jedoch nicht nur als das übliche TV-Ritual, sondern betrachte es auch als eine Art Psychologie-Studium der deutschsprachigen Länder.

Wie verblüfft war ich doch, als ich eine Tatort-Staatsanwältin sagen hörte, Eifersucht sei das zweitstärkste Motiv für Gewalt und Verbrechen. Obwohl es nur eine Aussage in einem Spielfilm war, hat sie sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Eifersucht – Rache – Verbrechen, eine interessante Reihenfolge.

Wie stark eine Emotion doch auf den Einzelnen wirken kann – und gleichzeitig Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen hat! Immerhin wird Eifersucht in der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft noch immer als „eine Prise Salz für die Liebe“ bewertet. Ein wenig Eifersucht beim Angebeteten zu wecken, bedeutet, die Flamme von Interesse und Begehren am Brennen zu halten. Ist das aber wirklich so? Welche Tricks, Spiele oder Manipulationen und wie viele falsche Projektionen verbergen sich hinter der Eifersucht? Wie auch immer die Antwort lauten mag: Das Paradoxe an dieser Emotion ist, dass sie ausschließlich an Liebe gebunden ist. An Liebe, die für jeden Menschen wichtig ist, weil jeder geliebt werden will – und weil natürlich jeder meint, ein Anrecht darauf zu haben. Auch ein für das Thema Eifersucht sicher „neutraler“ Beobachter wie der XIV. Dalai Lama sagt: „Eines verbindet alle Menschen. Sie streben alle nach Liebe und Glück!“

Es ist aber gerade die Liebe, die vielen häufig Sorgen, Kummer und sogar Ängste bereitet. Um die Liebe dreht sich unser ganzes Leben. Wir möchten die Liebe leben und genießen, trotzdem gelingt es uns nur allzu oft, sie aus unserem Leben fernzuhalten. So versucht man immer wieder von neuem, sie für das eigene Leben zurückzugewinnen oder zu erhalten. Manchmal unternimmt man auch den selten von Erfolg gekrönten Versuch – sie festzuhalten.

Wenn man nicht bekommt, was man sich gewünscht oder was man erwartet hat, dann wird die innere Leere immer größer.

Liebe kann man nie genug haben, sagen viele, und auf verschiedenen Wegen versuchen sie daher, die schmerzlich empfundene Leerstelle der fehlenden Liebe im Alltag aufzufüllen. Wenn man nicht bekommt, was man sich gewünscht oder was man erwartet hat, oder was man glaubt zu verdienen, dann wird diese innere Leere immer größer.

Daher stellt man sich in vielen Fällen zur Selbsttröstung ganz einfach vor, sie würde automatisch von außen gefüllt. Wenn dann aber niemand „zum Auffüllen“ kommt und das negative „Pretty-Woman-Syndrom“ auftritt, empfindet man wachsende Unzufriedenheit und eine quälende innere Unruhe. Im besten Fall sucht man dann nach dem „Warum?“

Warum bin ich es nicht wert, seine Liebe zu bekommen?

„Warum bin ich es nicht wert, seine Liebe zu bekommen?“ Mit Eifer beginnt man (frau) die Suche nach Antworten auf die ständig im Kopf kreisenden Fragen des Gedankenkarussells. Mit Macht will man nun erreichen, was einem eigentlich zusteht – Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Aufmerksamkeit. Je größer die innere Leere ist, desto eifriger sucht man. Ein Teufelskreis! Aber was sucht man eigentlich? Vordergründig das, was man verloren hat – den Partner, die Sicherheit oder die Liebe. Kann es aber nicht auch sein, dass man auf einer tieferen Ebene sich selbst sucht? Sollte man die Priorität nicht anders setzen, so dass aus dem Auffüllen der inneren Leere von außen eine Erfüllung aus dem eigenen Inneren entwickelt wird?

Hinter einer von den vielen Ängsten, die aus einer egoistischen Liebe gezeugt werden, steckt auch Eifersucht.

Hinter einer von den vielen Ängsten, die aus einer egoistischen Liebe gezeugt werden, steckt auch Eifersucht. Wer weiß, wie die Geschichte der menschlichen Evolution verlaufen wäre oder verlaufen würde, wenn bei vielen Ereignissen nicht Eifersucht, sondern Liebe oder Toleranz geherrscht hätten oder herrschen würden? Das ist natürlich eine hypothetische Frage, weil wir diese denkbaren Entwicklungswege heute gar nicht mehr oder noch nicht zutreffend einschätzen können. Es kann sein, dass viele Kriege nicht geführt worden wären und viele Eheschließungen aus Zwecken der Macht oder des politischen Kalküls nicht stattgefunden hätten. Sicherlich würde einerseits viel Spannendes aus der Geschichte entfallen und manches seine Dynamik verlieren, andererseits könnten wir Menschen wahrscheinlich ein anderes Werte-System pflegen. Innere und äußere Kämpfe, Neid, Hass und Intoleranz könnten entfallen, Offenheit, Verständnis, Toleranz und echte Zuneigung würden an ihre Stelle treten. Achtsamkeit und Kooperation statt Eifersucht und Konkurrenzdenken. Das menschliche Leben würde eine grundlegend andere Qualität gewinnen.

Achtsamkeit und Kooperation statt Eifersucht und Konkurrenzdenken.

Das Rad der Zeit kann man nicht zurückdrehen; das gilt für den Einzelnen wie für eine Gesellschaft. Alles, was der Mensch tun kann und soll, ist, die Chancen zu ergreifen, die sich in jedem Moment des Jetzt, in jedem gegenwärtigen Moment bieten. Bedingt durch alle Erfahrungen und Erkenntnisse, welche die Menschheit bis heute gesammelt hat, auch begünstigt durch die offene Gesellschaft, in der wir heutzutage leben dürfen, kann man mit dem Phänomen Eifersucht ganz anders umgehen. Diese Emotion muss nicht mehr Manipulationszwecken dienen. Sie muss auch nicht mehr die Ursache für Rache und Gewalt sein – deren unheilvolle Auswirkungen uns die Nachrichten nahezu täglich vor Augen führen. Eifersucht kann vielmehr ein innerer Wegweiser im persönlichen Entwicklungsprozess sein – von der Angst weg und hin zur Liebe. Die Emotion Eifersucht trägt eine gewaltige Kraft in sich. Man kann sie zum Positiven nutzen und etwas über sich selbst lernen, oder man unterliegt ihren zerstörerischen Seiten und verliert alles. Auf jeden Fall bringt sie immer eine gewaltige Dynamik in das Leben.

Im vorliegenden Buch möchte ich Sie, liebe Leserin (oder auch lieber Leser), durch die verschleierten und häufig unbemerkten Gassen und Winkel der Eifersucht führen. Auch wenn man es oft im bewegten Alltagsleben nicht wahrnimmt: Diese Emotion spielt eine prägende Rolle in der Gesellschaft. Und sie betrifft nahezu jeden Einzelnen! Nach außen präsentiert sie sich nicht selten als „Drama“, welches beispielsweise für die Regenbogenpresse und ihre kaufkräftige Lesergruppe unverzichtbar ist: „Hast Du gelesen, die Caroline hat schon wieder einen neuen Liebhaber!“ Im tiefsten Inneren eines jeden Betroffenen spielt sich jedoch oft ein schwerer Kampf ab, um die eigene Würde, um Anerkennung, um Selbstachtung – und letztlich um Liebe. Was hinter allen Dramen und Tragödien steckt, ist, vereinfacht gesagt, das eigene Defizit an Liebe. Weil aber jeder diese reine und wahre Liebe leben und genießen möchte, tritt ihr Fehlen so vehement in Erscheinung. Fragen auch Sie sich häufig, wie Sie selbst aus dieser „Eifersuchtsfalle“ herauskommen können? Lassen Sie es uns gemeinsam versuchen, neue Wege zu finden, um uns aus der uralten Falle zu befreien.

Was dahinter steckt, ist das eigene Defizit an Liebe.

Ich verspreche Ihnen bei unserem Abenteuer weder eine fertige Methode noch eine griffige Formel, die Ihnen ein ewiges Liebesglück beschert und Sie von Eifersucht für immer befreit. So etwas gibt es natürlich nicht. Es sind vielmehr Ihre in der Tiefe Ihres Wesens verborgene innere Weisheit und wahrhafte Liebe, welche Sie zu neuen Einsichten führen und von alten Mustern und Überzeugungen befreien können. Nur auf diesem Pfad des inneren Erwachens und der Bewusstwerdung werden Sie lernen, ein Leben zu führen, in dem Sie sich an jener Liebe erfreuen können, die selbstlos, wahrhaftig und auf die niemals endende Begegnung mit einem DU ausgerichtet ist. Wenn Sie selbst innerlich erwacht sind, begegnet Ihnen auch jedes DU immer wieder auf eine neue Weise. Das Leben wird von da an niemals mehr langweilig sein!

Daher konnte die Konstanzer Kommissarin Blum ihrem liebgewonnenen Schweizer Kollegen beim Abschied auch aus guter Überzeugung sagen: „Luzern ist ja nicht weit weg!“

Der Geliebte, den ich im Herzen trage, ist niemals „weit weg“.

1

DIE GESCHICHTE DER EIFERSUCHT

Auf der Suche nach dem Prinzip und der Ursache von Eifersucht wird jeder unschwer erkennen, dass Eifersucht keine psychologische Entdeckung unserer Zeit ist.

Eifersucht ist nicht von der Liebe zu trennen, obgleich sie, was noch zu zeigen sein wird, keinesfalls das Gegenteil von dieser ist. Jede große Liebesgeschichte war immer mit Eifersucht gepaart. Sogar die griechischen Götter kannten sich bestens mit der Eifersucht aus!

Poseidon und Zeus standen in permanenter Rivalität miteinander, weil sie beide eine Verbindung zu zwei Göttinnen hatten. Im Streit und auch im Schönheitswettbewerb standen Hera, Aphrodite und Athene. Als Hera zur Gattin des Zeus wurde, stand deren Ehe unter dem Schatten eines andauernden Eifersuchtskrieges. Aphrodites jugendlicher Geliebter Adonis wurde von ihrem eifersüchtigen Gatten Ares schließlich getötet.

Man kann unendlich viele Geschichten aus mythischen, längst vergangenen Zeiten erzählen, die nicht nur mit der spektakulären Welt der Götter zu tun haben. Eifersucht war ein normales, alltägliches Gefühl, das zum Leben der Götter ebenso gehörte wie zum Leben der Sterblichen. Sie hat Streit und sogar Kriege ausgelöst, politische Komplotte oder kleinliche Missverständnisse hervorgebracht. Stets war Eifersucht eine dynamische, zerstörerische Kraft, die Bewegung und Veränderung ins Leben brachte. Sie war die antreibende Energie hinter vielen Ereignissen, weshalb die Menschen sich, durchaus zu Recht, einerseits durch sie getrieben gefühlt haben, sich andererseits aber auch von ihr treiben ließen.

Stets war Eifersucht eine dynamische, zerstörerische Kraft, die Bewegung und Veränderung ins Leben brachte.

Eine andere Qualität bekam die Eifersucht in den abendländischen Kulturen, nachdem das zur Staatsreligion gewordene Christentum die Ehe als monogam und gemäß Dogma als „unauflöslich“ definiert hatte. Eifersucht wurde mit einer theologisch legitimierten Moral verbunden, die ihr für Jahrhunderte eine stabile Basis für ihre Aufrechterhaltung verlieh. Moral wurde mit Sünde (sogar mit Todsünde) und Sünde mit Hölle verknüpft. Derjenige (zumeist diejenige!), der eine Sünde begangen hatte, wurde bestraft – weltlich und möglicherweise später auch jenseitig.

Moral wurde mit Sünde (sogar mit Todsünde) und Sünde mit Hölle verknüpft.

Die Frau hat dem Mann gedient und der Mann hat die Frau versorgt. Anders war es moralisch nicht vorstellbar und gesellschaftlich nicht umsetzbar. Ab dem 12. Jahrhundert haben sich die Auswirkungen des kirchlichen Monopols auf die Ehe noch verstärkt. Die Institution Ehe hatte nicht nur ihren Sinn für den Aufzug des Nachwuchses, sondern war zudem ein „Schutz-Bündnis“ für die Gesellschaft. Es sollte das Verhalten von jungen Frauen kontrollieren und die sexuelle Energie der Männer kanalisieren. Aus der Liebe und der daraus entstandenen Beziehung wurde so (fast) eine Zwangs-Institution mit genau vorgegebenen Regeln, in welcher der Besitz des Partners eine entscheidende Rolle spielte. Es war eine Phase der menschlichen Entwicklung, in der es wichtig war, „zu haben“ und „zu besitzen“ – auf der materiellen Ebene genauso wie auf der geistigen. Natürlich spielte auch hier die christliche Religion, manifestiert in der Macht der Kirche, eine entscheidende Rolle, weil sie ihren Einfluss auf das Denken der Menschen mit brutaler Konsequenz ausübte.

Dieser Prozess löste eine zweifache Entwicklung aus: Zum einen hatte sich die Freiheit des Einzelnen – und der Frau im Besonderen – der kirchlichen Verkündigung unterzuordnen; zum anderen wurde die Verbindung zwischen Beziehung und Besitz festgeschrieben. Besitz-Ansprüche auf den jeweiligen Partner wurden von der Gesellschaft als völlig normal angesehen und akzeptiert. War im Altertum Eifersucht noch mehr einer Sache der persönlichen „Ehre“, so wurde sie unter der kirchlichen Herrschaft zu einer moralischen Angelegenheit.

Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft und dem Zurückdrängen des kirchlichen Machtanspruches brachen sich Freiheit und individuelle Verantwortung neue Bahnen, in denen neben der Selbstbestimmung auch ein „romantisches Gefühl“ zugelassen wurde. Letzteres gestattete die gesellschaftliche Übereinkunft vorrangig den Frauen.

Die weitere Säkularisierung in der modernen Industriegesellschaft, bis hinein ins 21. Jahrhundert, hat diese Freiräume weiter ausgebaut, nicht selten unter erheblichen Zerwürfnissen (Emanzipations-Bewegung). Geblieben sind allerdings die menschlichen Ur-Themen. Auch für die selbstbewusste Frau im Zeitalter von iPhone und iPad sind die psychologischen Grundstrukturen nicht anders als zur Zeit des Sokrates oder der Hildegard von Bingen.

Ist Eifersucht angeboren oder anerzogen?

Im Zusammenhang mit der Geschichte der Eifersucht steht zeitübergreifend eine Frage im Vordergrund: „Ist Eifersucht angeboren oder anerzogen?“ Gibt es für dieses Gefühl eine genetische Erklärung oder ist es das Ergebnis von Erziehung und Lebensstil? Als Antwort auf diese Frage existieren die unterschiedlichsten Theorien und Meinungen. Auch wenn diese Erklärungsmodelle häufig Vergleiche aus dem Tierreich heranziehen – seien es Säugetiere, Schimpansen, Bonobos, Igel oder Fledermäuse – bleibt in den meisten Fällen leitend, dass für viele Forscher auf diesem Gebiet ein Punkt von besonderer Wichtigkeit ist, nämlich wie sich das menschliche Verhalten auf das Erbgut auswirkt. Eine Theorie besagt, dass die Frauen deshalb mehrere Beziehungen eingehen, weil sie die besten Gene für ihre Nachkommen suchen. Männer wiederum stehen unter dem Zwang, sich fortpflanzen zu wollen. Sie möchten ihr Erbgut weitergeben und suchen dafür immer neue Möglichkeiten, um ihre Nachkommenschaft zu sichern. Wenn die Frauen immer das Beste für sich suchen, müssen die Männer immer das beste Angebot unterbreiten. So einfach stellen sich manche Theoretiker das „Spiel der Geschlechter“ vor.

Die Partnersuche ist genetisch vorgegeben und gehört ganz natürlich zur menschlichen Entwicklung. Der Mensch sucht einen Partner, denn er ist so von der Natur vorprogrammiert. Der Mann sucht die Frau und die Frau sucht den Mann, um sich gemeinsam um das Erbgut zu kümmern. Auch wenn es die komplexe Thematik der zwischenmenschlichen Beziehungen keineswegs auch nur annähernd abdeckt, lebt die Gesellschaft weitgehend mit diesem Grundkonsens, wonach es die primäre Aufgabe des Menschen ist, sowohl des Mannes als auch der Frau, sich um die Weitergabe des vorhandenen Erbgutes zu kümmern. Allerdings, und das macht es etwas kompliziert, scheint es aus der Natur heraus genetisch programmiert zu sein, dass der Mensch einmal hier und einmal da sucht. Man ahnt, dass hier ein ziemliches Konfliktpotenzial schlummert!

Die Partnersuche treibt den Einzelnen so lange an, bis er das bekommt, was er sucht – und sich dabei auch noch wohlfühlt. Aus der Sicht der Genetik steht dem Menschen – aufgrund des „Angebotes“ – die Freiheit bei der Partnerwahl ganz natürlich zu. Es geht schließlich um das Erbgut, das weiterleben und weitergegeben werden soll! Doch es gibt auch hier den berühmten Haken. Die Natur hat es wohl nicht so einfach mit uns Menschen gemeint. Oder erklären wir Menschen die Natur nur auf eine komplizierte Art und Weise? Sobald eine Frau das Beste für ihr Erbgut gefunden hat, wendet sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf diesen Nachwuchs, und sie verlangt und erwartet dasselbe auch von ihrem Partner. Sobald der Mann eine passende Möglichkeit gefunden hat, um sein Erbgut zu vermehren, erhebt er Besitzansprüche auf die Partnerin, um sicherzustellen, dass er der tatsächliche Vater des Kindes ist, damit es „sein Material“ ist, welches er versorgt. So kommen unerwartet neue Besitzansprüche und klar definierte Erwartungen ins Spiel um das Erbgut. Beide zusammen bilden eine wunderbare Grundlage für die Eifersucht.

Die Eifersucht des Mannes ist durch das Patriarchat gesellschaftlich „legalisiert“ worden.

Eine andere Evolutionstheorie nimmt das Patriarchat als Nährboden für die Eifersucht an. Dadurch, dass dem Mann das naturgesetzliche Recht auf „echtes Erbe“ zugesprochen wird, ist die Eifersucht sein natürliches Instrument, um dieses Recht zu verteidigen. Man kann aus heutiger Sicht sagen, dass die Eifersucht des Mannes durch das Patriarchat gesellschaftlich „legalisiert“ worden ist. Sie gilt nicht mehr nur als eine treibende, unruhige, eventuell auch zerstörerische Emotion, sondern eher als moralischer Schutz für den ganz privaten, zutiefst intimen „Besitz“. Dieser seltsame Besitzanspruch des Mannes auf die Frau wurde so gesellschaftlich anerkannt, akzeptiert und hat sich ins Bewusstsein des Menschen eingebrannt. Während Evolutionstheoretiker und Kirchenvertreter in seltener Verbundenheit nun eine Ordnung in der Gesellschaft sehen, was das Erbgut anbelangt, zeigen sich in der Realität, vor allem auf der Seite der Frauen, Einschränkungen, Beklemmungen, Verlogenheit sowie Intrigen und Verleugnungen – die ein wichtiger Nährboden für die Angst sind. Angst wiederum ist, wie sich im Folgenden zeigen wird, von zentraler Bedeutung für die Eifersucht.

Angst ist von zentraler Bedeutung für die Eifersucht.

In einer klassischen Patriarchatsstruktur hatten sowohl diejenigen Angst, die etwas (jemanden) besaßen, als auch diejenigen, welche diesen Besitz darstellten. Der eine hatte Angst um sich selbst, um seine Würde und sein Ansehen, der andere hatte Angst, heimlich etwas zu leben, was er moralisch nicht leben durfte, was nicht gesellschaftlich akzeptiert war. Die Angst prägte viele Handlungen – mit den vorhersehbaren psychologischen Folgen.

Aufgrund von Konvention, Ehre, Ansehen und Moral gewann die Eifersucht immer mehr an sozialer und psychologischer Kraft. Diese Entwicklung vollzog sich so lange, bis sie als „normaler“ Aspekt einer Liebesbeziehung anerkannt wurde. „Wer liebt, ist auch eifersüchtig, sonst liebt er nicht wirklich“, besagen viele alte Beziehungsratgeber. Eifersucht wurde als eine Art „Liebesbeweis“ empfunden. Diese seltsame, aber gesellschaftlich durchaus akzeptierte Abwegigkeit zeigt nur, wie stark der Besitzanspruch auf einen Partner im Bewusstsein der Menschen noch immer wirkt. Die meisten Betroffenen merken gar nicht, dass sie nachhaltig und mit einer starken Tendenz zur Selbstschädigung gegen die Liebe handeln.

Es spricht sehr viel dafür, dass Eifersucht nicht angeboren, sondern vielmehr anerzogen ist.

Es spricht sehr viel dafür, dass Eifersucht nicht angeboren, sondern vielmehr anerzogen ist. Es geht nicht um Genetik, sondern um Bewusstsein. Die geschilderten Entwicklungen haben jedoch zweifelsfrei dazu geführt, dass Eifersucht heute als starke Blockade auf dem Weg zu einer glücklichen Beziehung und zu wirklicher Liebe wirkt.

Was macht mich wirklich glücklich?

Die heutige gesellschaftliche Realität eröffnet Männern und Frauen eine vollkommen neue Perspektive. Der Mensch kämpft nicht mehr um das nackte Überleben. Seine Interessen richten sich vielmehr immer stärker auf die Suche nach dem wahren Sinn seiner Existenz aus. Auf der materiellen Seite kann sich der größte Teil der Menschheit alles erfüllen, was zum Leben benötigt wird. Die elementaren Bedürfnisse des Einzelnen sind gesättigt, wenn nicht sogar übersättigt durch das riesige Angebot an weltlichen Gütern. Offen bleibt dagegen die Frage: „Was macht mich wirklich glücklich?“ Beziehungen und Familien werden nicht mehr aus reiner materieller Not und aufgrund