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Wie resilient ist unsere Demokratie? Wie sichern wir ihr Überleben? Wenn sie ihr Überleben nicht selbst sichert? Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele entwirft in ihrem Essay in Kursbuch 203 drei Szenarien und exerziert an ihnen verschiedene Zukunftsoptionen perspektivendifferenziert durch. Sicher: Damit ist eine Gesellschaft noch lange nicht davor gefeit, dass ihre Demokratie eines Tages in eine gefährliche Schieflage gerät, aber die Szenarienmethode hilft, dem schon jetzt vorzubeugen, wenn sich erste Anzeichen einer Erosion zeigen. "Eines ist sicher: Unsere Demokratie wird auf die Probe gestellt werden. Durch Veränderungen von innen und von außen. Demokratie kann letztlich durch demokratische Entscheidungen sogar abgeschafft werden." Am Leben bleiben muss nicht mehr und nicht weniger als die beste Staatsform, die wir je hatten.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Inhalt
Andrea RömmeleWas wäre, wenn …?Drei Szenarien zum Überleben der Demokratie
Die Autorin
Impressum
Andrea RömmeleWas wäre, wenn …?Drei Szenarien zum Überleben der Demokratie
Wir Menschen neigen gerne dazu, manche Dinge verhältnismäßig schnell für selbstverständlich zu halten. Wir gewöhnen uns etwa an einen bestimmten Lebensstil, ein Gehalt oder unseren Partner. Vor allem bei Kindern lässt sich beobachten, wie die volle Aufmerksamkeit oft auf ein bestimmtes Spielzeug gerichtet wird, dessen Erhalt für kurze Zeit als Erfüllung erlebt wird. Schnell verblasst jedoch die Erinnerung an das Verlangen, das mit dem Wunsch verbunden war. Die Folge: Die Aufmerksamkeit richtet sich auf etwas Neues, oder das Erhaltene verliert langsam an Reiz. Man möchte es zwar nicht unbedingt missen, aber es fällt einem zunehmend schwer, die eigene Faszination, die ursprünglich damit verbunden war, nachzuvollziehen.
Das gilt auch für unsere Demokratie. Damit meine ich allerdings nicht, dass wir ihr gerade überdrüssig werden, sondern dass sie uns als etwas Gegebenes erscheint. Folgt man dem Democracy Index, lebt nicht einmal die Hälfte der Weltbevölkerung aktuell in einer Demokratie. Auch in Deutschland stellt die Demokratie (noch) historisch betrachtet eher die Ausnahme als die Regel dar. Wir sollten deshalb unbedingt Abstand nehmen, die Demokratie und ihr Fortbestehen als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Vieles, was für heutige Generationen quasi natürlich erscheint, ist und bleibt politisch. Und was politisch ist, ist immer in Bewegung. Unser Parlament selbst wählen zu können, ist für den Großteil unserer Gesellschaft nichts Besonderes. Machen wir uns aber bewusst, wie verhältnismäßig kurz der Zeitraum ist, seit dem uns allen (Männern und Frauen, im Westen und im Osten) dieses Recht zusteht, wird deutlich, dass das, was uns alltäglich erscheint, nicht die Regel, sondern eine gewaltige Ausnahme ist.
