Weihnachten auf Holmsland Klit - Matthias W. Seidel - E-Book

Weihnachten auf Holmsland Klit E-Book

Matthias W. Seidel

0,0
9,99 €

oder
Beschreibung

Im dritten Teil der Holmslandreihe gehts um Winter, Weihnacht und jede Menge neue Abenteuer. Nora leidet wieder unter Neurodermitis, da kommen Alfreds E-Mail und Papas Idee gerade zur rechten Zeit. Diesmal treffen die Strandpiraten unverhofft in der Mosehytten aufeinander, gehen beinahe in einem Schneesturm verloren, helfen Königen und werden dafür reichlich belohnt, essen Klippfisch und spielen Rummelpott, und lernen viel über die dänische Art, das Fest der Feste zu feiern ... Weihnachten auf Holmsland Klit ist ein lustiges wie spannendes Kinderbuch zum Vorlesen oder Selberlesen für Dänemarkfans und solche, die es werden wollen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Für Monika

Inhaltsverzeichnis

W

wie: Winterurlaub auf Holmsland Klit?

E

wie: Endlich wieder daheim

I

wie: Im Schneesturm gefangen

H

wie: Heute wird gebacken

N

wie: Nissenalarm!

A

wie: Abenteuer auf dem Eis

C

wie: Caspar & die Leiden der Königs

H

wie: Herzenflechten macht müde Männer

T

wie: Tannenbaum in Not

E

wie: Endlich wird gefeiert

N

wie: Noch mal von vorne

W wie: Weihnachten auf Holmsland Klit?

(Hier erfahrt ihr, wie schwer Nora der Abschied fällt, was sie im Herbst so alles durchzustehen hat, warum Papa eine glorreiche Idee bekommt, und wie man sich ordentlich auf eine Winterreise vorbereitet.)

Wer erinnert sich nicht gerne an die Strandpiraten von Holmsland Klit? An Nora, Lisa, Neele und die Brüder Sven, Tom und Janis. An Neeles Opa Alfred, seinen Freund Edgar das Ekel, an die Meerschweinchen Hinz und Kunz oder an Odin, Lisas einäugigen Dackel. An das letzte große Abenteuer um den geheimnisvollen Jungen Dennis und Norbert den Dieb. An … ach, was soll ich euch sagen? Am besten lest ihr selbst noch einmal alles nach.

Nora war kaum zuhause angekommen, da wusste sie, dass der Abschied von Dauer war und die Warterei unerträglich werden würde.

Ihr Fensterschmuck (aus den am Strand gesammelten Schätzen) wanderte augenblicklich in einen Schuhkarton, den ihre Mutter auf dem Dachboden verstecken musste. Nora wollte um nichts in der Welt an Dänemark oder Holmsland Klit erinnert werden. Dennoch konnte sie nicht umhin, beständig an die Abenteuer des vergangenen Sommers denken zu müssen – zum Beispiel in langweiligen Mathestunden oder an verregneten Nachmittagen. Da lag sie ausgestreckt auf dem Bett und starrte an die schneeweiße Decke, bis sich bunte Kreise darauf drehten. Fast war sie froh, nichts von den Strandpiraten zu hören. Jeder Brief, jede E-Mail hätte die schmerzende Wunde erneut aufgerissen. Zu allem Überfluss nahm ihre Neurodermitis ab Oktober kräftig zu. Überall bekam sie Pusteln und Pickel so groß wie nie zuvor. Der Gang zum Kinderarzt war unvermeidbar.

»Na, Norakind«, sagte der, als sie vor ihm auf der weichen Liege saß und lustlos aus einer Schüssel Gummibärchen naschte, »warst du heuer im Sommer nicht an der Nordsee? In diesem … Olmsland Witt?«

»Pff!« Nora sah ihn scharf an und strich sich mit einer kurzen, aber heftigen Bewegung ihre dunkelbraune Mähne zur Seite. Normalerweise mochte sie den Kinderarzt. Heute war das anders.

Sie holte Luft. »Erstens heißt es nicht Wolmsland Kitt! Zweitens fährt man vielleicht nach Dänemark, bestimmt aber auf Holmsland Klit. Es ist dort nämlich wie auf einer Insel. Überall ist Wasser, okay? – Und drittens bin ich nicht Ihr Norakind.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust und stierte mit zusammengebissenen Lippen vor sich hin.

Noras Mutter, die mit im Raum war, wurde feuerrot im Gesicht. »Also Nora, weißt du?«, stammelte sie peinlich berührt. Sie warf dem Herrn neben ihr ein verunglücktes Lächeln zu.

Der Kinderarzt schmunzelte: »Entschuldigung, Nora, selbstverständlich bist du kein Kind mehr, sondern bereits eine richtige kleine Dame.«

»Dame genügt«, raunte sie ihm entgegen. Rasch stibitzte sie eine Handvoll Gummibärchen aus der Schüssel.

Natürlich verschrieb ihr der Arzt reichlich Medizin, das kannte sie nur zu gut. Aber nützte das ganze Zeugs wirklich etwas? Wohl kaum, entschied sie. Es gab nur ein Mittel gegen all ihre Leiden. Leider galt es ganze neun Monate darauf zu warten. War das nicht mehr als aussichtslos? Ja, es war sogar gemein – hundsgemein!

Der November brachte nasskaltes Schmuddelwetter. Noras Stimmung hatte sich unmerklich gebessert. Die Ausschläge ihrer Haut hatten sich kaum verändert. Sie juckten wie die Pest. Nora hätte sich am liebsten komplett in dieses weiße Puder gelegt, das in einer Dose ganz vorne im Arzneischrank stand.

Mama und Papa begannen sich allmählich Sorgen zu machen. So hatten sie ihre Tochter nie zuvor gesehen. Als Ende des Monats eine E-Mail von Neele und Opa Alfred aus der Bäckerei in Hvide Sande auf Papas Laptop flatterte, stand es richtig schlimm um sie.

Eines Abends, kurz vor dem Zubettgehen, riefen sie ihre Tochter zu sich ins Wohnzimmer.

»Ah, Nora«, sagte Papa und legte zwei Blatt Papier zur Seite. Er sah sie ernst an. »Du gefällst uns im Augenblick gar nicht.«

»Wie auch«, antwortete Nora matt. »Ich gefall mir ja selbst kein wenig.«

»Eben dagegen wollen wir etwas tun«, warf Mama lächelnd ein.

Nora blickte von einem zum anderen. »Und was?«

»Kannst du dich an die E-Mail von Alfred erinnern?«, fragte Papa, nahm das eine der Blätter wieder zur Hand und blickte über den Rand seiner Brille hinweg.

»Ich kann sie sogar auswendig«, sagte Nora schlapp.

Das war nicht gelogen. Ob sie es wollte oder nicht, die Worte wollten ihr nicht mehr aus dem Sinn …

Hallo ihr drei!

Hoffentlich geht es euch so gut wie uns. Neele und ich haben ganz spontan übers Wochenende einen Kurzurlaub in Dänemark eingelegt (ich muss ja meine Hütte winterfest machen). Neele geht mir dabei zur Hand. Leider ist es schrecklich einsam ohne euch Strandpiraten, jedoch plaudern wir die ganze Zeit über die Erlebnisse des vergangenen Sommers.

Von Weihnachten bis Neujahr werden wir auch hier oben sein. Habt ihr nicht Lust, mit uns zu feiern? Ihr könnt euch das Ganze ja noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Den Rest laden wir selbstredend auch ein!

Winter auf Holmsland Klit. Wäre das nicht wunderschön?

Bis bald sagen

Neele (mit einer dicken Himbeerschnitte im Mund) & Alfred (noch ohne Leckerei in den Händen)

Nora hatte nicht gewagt zu fragen, ob sie die Feiertage in Dänemark verbringen könnten. Papa hatte zum Jahreswechsel hin immer viel im Büro zu erledigen. Falls überhaupt, bekam er lediglich die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr frei. Wegen lächerlicher acht Tage würde er niemals die weite Anreise gutheißen. Dennoch wünschte sie sich nichts sehnlicher. Nora stellte sich insgeheim vor, wie es dort oben sein mochte, wenn Schnee und Eis den schmalen Landstrich zwischen Meer und Fjord fest im Griff hatten.

Papa legte das erste Blatt beiseite. »Weißt du, was ich hier habe?« Er hob den zweiten Zettel blitzschnell in die Höhe.

Nora zuckte mit den Schultern. »Keinen Schimmer.«

»Willst du es nicht wissen?« Mama verzog die Mundwinkel.

Nora wurde allmählich neugierig. Wieso machen sie beide so viel Aufhebens darum? Das war sonst gar nicht ihre Art. Was hat das zu bedeuten? Eine leise Vorahnung verscheuchte die Gedanken. »Ja – schon«, antwortete sie zögernd.

»Es ist ein Brief«, verriet Mama mit einem verschwörerischen Blick zu ihrem Vater.

Nora zog die Stirn in Falten. »Von Sven, Tom und …«

»Nein«, bemerkte Papa trocken.

»Also von Lisa Wirbelwind.«

»Auch nicht«, gab Mama glucksend von sich.

Nora wurde der Raterei überdrüssig: »Von wem dann?«

»Lies selbst.« Papa reichte ihr das Blatt.

»Lieber Alfred, liebe Neele …« Nora verstummte. Der Brief war von Hand geschrieben. Aber was noch viel verwunderlicher war, von ihrer Mutter höchstpersönlich:

…vielen Dank für eure Nachricht aus Hvide Sande.

Bei uns läuft leider nicht alles so, wie es sein sollte. Nora kämpft seit Wochen mit Neurodermitis. Sämtliche Medikamente haben bislang wenig Wirkung gezeigt. Sie ist am ganzen Körper zerkratzt und zerschunden. Trotzdem schlägt sie sich tapfer, unsere Strandpiratin.

Wir haben euch um das Wochenende auf Holmsland sehr beneidet. Viel lieber wären auch wir am Strand als hier in der trüben Stadt.

Mein Mann und ich haben uns deshalb überlegt, dass ein Urlaub zu Weihnachten bestimmt das Beste für uns alle wäre – insbesondere für Nora natürlich. Wir werden also die Feiertage zwischen den Jahren in Dänemark verbringen.

Wir freuen uns schon heute auf euch!

Mit lieben Grüßen

Nora (krank), Mama (mütterlich) & Papa (besorgt)

Nora legte den Brief auf den Tisch und schwieg einen Augenblick.

Mama und Papa hielten die Luft an.

Da verzog sich ihr Mund zu einem breiten Grinsen. Sie riss vergnügt die Hände in die Luft: »Jippi! Wir fahren Weihnachten auf Holmsland Klit!« Wie der Wind wirbelte sie durch das Wohnzimmer und verteilte dabei freigiebig Unmengen feuchter Küsse.

Schließlich nahm sie den Brief erneut zur Hand, las ihn ein zweites, ein drittes Mal. »Danke, Mama – danke, Papa!«

»Wir bringen ihn gleich morgen zur Post«, sagte ihr Vater abschließend.

»Gleich morgen früh«, präzisierte die Mutter.

»Ich kann es kaum glauben«, gestand Nora und stürmte erneut durchs Zimmer. »Wir müssen auch den Rest überreden, damit wir als Strandpiraten komplett sind. Hipp, hipp, hurra!«

Mama lachte erlösend. Papa hielt sich die Ohren zu.

In dieser Nacht schlief Nora wie ein Stein. Sie träumte von neuen, spannenden Abenteuern auf verschneiten Holmslanddünen, von riesigen blaugrünen Eisbergen, die knirschend an der Küste strandeten und von einem kreisrunden Iglu mit Piratenflagge.

*

Nora war seither kaum zu bremsen, wenn es um Vorbereitungen für den Urlaub ging. Natürlich schrieben sie Briefe, tippten Mails an die übrigen Strandpiraten. Edgar das Ekel wurde über Alfred von ihrem Vorhaben unterrichtet. Soviel sie wusste, hatte er nicht einmal einen Briefkasten an seiner Hütte.

Innerhalb weniger Tage bekamen sie die Rückmeldungen. Alfred und Neele freuten sich ohne gleichen über die Zusage. Edgar das Ekel ließ die besten Grüße übermitteln. Lisas Mutter sagte erst ab, dann zur Freude aller wieder zu. Anne und Otto brauchten wie erwartet am längsten für eine Antwort. Otto schrieb, dass er eine Überraschung hätte. Was das wohl sein mochte?

Papa wurde die verantwortungsvolle Aufgabe zuteil, ein Haus für neun Personen zu finden (Anne und Otto bestanden nämlich, der Kosten halber, auf eine gemeinsame Unterkunft). Dies stellte sich jedoch als problematischer heraus als erwartet. Zunächst schien alles belegt – sogar jede Hundehütte, wie Papa meinte – aber in letzter Sekunde fand sich ein älteres Haus mit der entsprechenden Bettenzahl. Leider ließ sich bei der Bestellung im Internet kein Bildmaterial finden.

»Wir mieten die Katze im Sack«, meinte Papa lakonisch.

Nora fand dies unheimlich spannend. »Wenn die Katze schnurren kann, soll’s mir egal sein.«

Ein Wehmutstropfen blieb. Es war die Tatsache, dass der Heilige Abend in diesem Jahr zwar auf einen Montag fiel (sie also nur bis Freitag die Schulbank drücken musste), aber wenn sie am Samstag fuhren, trotzdem nur ein einziger Tag bis Weihnachten übrig war. Wie sollten sie es da schaffen, alles ordentlich für das große Fest vorzubereiten?

Nora sprach mit ihrer Mutter darüber, aber Hoffnungen machte sie sich keine. Wie ein Wunder erschien es ihr, als sie ihr am gleichen Abend einen unglaublichen Vorschlag unterbreitete.

»Noraschatz, kommst du kurz zu mir?«

»Ja, Mama. Was gibt’s?«

»Hör mal zu. Ich habe mir etwas überlegt.«

»Überlegt?«

»Du bist ganz gut in der Schule, Nora. Ich denke mal, es würde deinen Leistungen nichts ausmachen, wenn du zwei … drei Tage vor Weihnachten plötzlich krank werden würdest.«

»Was?« Nora war ganz perplex. »Aber ich will nicht krank werden. Ich will nach Dänemark!«

»Eben drum«, sagte Mama vielsagend.

Nora stand auf der Leitung. »Soll ich etwa krank werden, damit wir ein oder zwei Tage früher fahren können?«

»Natürlich nicht, Dummerchen«, antwortete Mama und sah sie eindringlich an. »Wir tun nur so.«

Nora war einigermaßen überrascht. »Aber … aber … das ist … gelogen!«

»Hmm …«, gab Mama von sich. »Es ist eine reinrassige Notlüge«, fügte sie schleunigst hinzu. »Für einen guten Zweck. Das heiligt die Mittel.«

»Ich verstehe.« Nora schmunzelte. »Nennen wir es den Holmslandvirus?«

»Holmslandvirus – perfekt!«, meinte Mama anerkennend.

Nora war ganz aus dem Häuschen. Sie sah bereits ihre Mutter am Tisch sitzen und die Entschuldigung schreiben:

Sehr verehrtes Lehrerkollegium, verehrte Schulleitung!

Leider ist meine Tochter Nora seit gestern an dem äußerst ansteckenden Holmslandvirus erkrankt. Dem dringenden ärztlichen Rat folgend, muss ich sie bis Weihnachten von jeglichem Besuch des Unterrichts fernhalten. Sie wird die Ferienzeit nutzen, um von der Krankheit zu genesen. Wir sind ganz in Sorge um sie.

Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Hochachtungsvoll, blablabla …

Nora spitzte die Lippen. »Das würdest du im Ernst für mich tun?«

»Unter einer Bedingung«, sagte Mama und sah ihre Tochter ungewohnt streng an.

»Und die wäre?«

Mama hob den Zeigfinger. »Du darfst niemandem, hörst du, absolut niemandem die Wahrheit sagen. Keiner Menschenseele.«

»Versprochen.« Nora zog die Stirn in Falten. »Auch den Strandpiraten nicht?«

»N-i-e-m-a-n-d-e-m!«, unterstrich Mama.

Nora ließ die Schultern hängen. Irgendwie schade, denn damit hätte sie bei den Strandpiraten mächtig Eindruck hinterlassen.

*

Papa war (wie nicht anders zu erwarten) von dieser Idee wenig begeistert. »Schuleschwänzen? Das geht zu weit! Ich kann kaum glauben, dass du so etwas gutheißt,« monierte er mit strafenden Blicken zu Nora und Mama gewandt. Aber nachdem er selbst von seinem Chef für die Aktion grünes Licht bekommen hatte, drückte er ausnahmsweise beide Augen zu.

So stand dem geplanten Vergnügen eigentlich nichts mehr im Wege, es sei denn die Tatsache, dass Nora immer öfter von ihrer Mutter wissen wollte, was für einen Winterurlaub an der Nordsee im Vergleich zum Sommer gebraucht werden würde.