Wenn die Schulter schmerzt - Mohy Taha - E-Book

Wenn die Schulter schmerzt E-Book

Mohy Taha

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Beschreibung

Chirurgen sind mit dem Forschen und Publizieren von Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften vertraut. Oftmals sind jedoch solche Publikationen kompliziert formuliert und für viele Menschen nicht leicht verständlich. Das Ziel dieses Buches ist, die Leser erfolgreich über das Schultergelenk zu informieren, um sie mit diesem komplexen Gelenk vertraut zu machen. Der Chirurg unterstützt die Patienten in ihrer Entscheidung. Die Einwilligung zu einer Therapie liegt schlussendlich in der Hand der Patienten. Dieses Buch informiert über die unterschiedlichen Ursachen von Schulterbeschwerden und mögliche Therapieformen. Empowering the patient to take informed decision

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Copyright © 2021 von Dr. Mohy Taha, MBBCh, MD, FMH

Kein Teil dieser Publikation darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, einschließlich Fotokopien, Aufzeichnungen oder anderen elektronischen oder mechanischen Methoden, vervielfältigt, verteilt oder übertragen werden, mit Ausnahme von kurzen Zitaten, die in kritischen Rezensionen enthalten sind und bestimmten anderen, nicht kommerziellen Verwendungen, die durch das Urheberrecht erlaubt sind. Genehmigungsanfragen richten Sie bitte schriftlich an den Verlag, adressiert an "Hinweis: Koordinator für Genehmigungen", an die angegebene Adresse.

Wichtiger Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Buch die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.

Haftungsbeschränkung

Die in diesem Buch enthaltenen Informationen dienen nur zu Informationszwecken und treffen möglicherweise nicht auf jede Situation zu. Der Autor, der Herausgeber, der Verteiler und der Anbieter übernehmen keine Gewähr für den Inhalt oder die Richtigkeit der enthaltenen Informationen. Die bereitgestellten Informationen sind subjektiv. Beachten Sie dies bei der Verwendung dieses Buchs. Obwohl der Autor und der Herausgeber alle Anstrengungen unternommen haben, um sicherzustellen, dass die Informationen in diesem Buch zum Zeitpunkt der Drucklegung korrekt waren, übernehmen der Autor und der Herausgeber keine Haftung für Verluste, Schäden oder Störungen, die durch Fehler oder Unterlassungen verursacht wurden, unabhängig davon, ob diese Fehler oder Unterlassungen auf Fahrlässigkeit, einen Unfall oder eine andere Ursache zurückzuführen sind und lehnen diese hiermit ab.

Haftungsausschluss

Dr. Mohy Taha veröffentlicht den gesamten Inhalt dieses Buches nur zu Bildungszwecken. Die von Dr. Mohy Taha oder von den Editoren bereitgestellten Informationen sind nicht dazu gedacht, medizinische Zustände zu diagnostizieren, noch den Anspruch zu erheben, solche Zustände zu verhindern, zu behandeln, zu lindern oder zu heilen. Die in diesem Buch enthaltenen Informationen sind nicht dazu gedacht, ein persönliches Gespräch mit einem Arzt zu ersetzen. Alle Beispiele in diesem Buch sind genau das - Beispiele. Sie sind nicht dazu bestimmt, darzustellen oder zu garantieren, dass jeder die gleichen Ergebnisse einer Behandlung/Operation erzielen wird. Sie verstehen, dass der Erfolg jedes einzelnen von seinem Wunsch, seiner Hingabe, seinem Hintergrund, seiner Anstrengung, seiner Therapie, seiner Operation und seiner Arbeitsmotivation bestimmt wird. Es gibt keine Garantie dafür, dass Sie eines der hier angegebenen Ergebnisse erreichen werden.

Trademarks

Alle Produktnamen, Logos und Marken sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. Alle in diesem Buch verwendeten Firmen-, Produkt- und Dienstleistungsnamen dienen nur zur Identifikation. Die Verwendung dieser Namen, Logos und Marken impliziert keine Genehmigung. Alle anderen hier genannten Marken sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Abkürzungen

In der Medizin werden häufig Abkürzungen verwendet. Hier sind die Abkürzungen aufgelistet, die im Buch vorkommen.

AC-Gelenk

Acromioclaviculargelenk

AO-Stiftung

Stiftung Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen

ASES

American Shoulder Elbow Society Score

CSA

Critical Shoulder Angle

CT

Computertomographie

EBM

Evidenzbasierte Medizin

EMG

Elektromyographie

GTA

Greater Tuberosity Angle

HA

Hausarzt

IV

Invaliditätsversicherung

MPA

Medizinische Praxisassistentin

MRI

Magnetic Resonance Imaging

MTT

Medizinische Trainingstherapie

NSAR

Nichtsteroidale Antirheumatika

OP

Operation

PASTA Läsion

Partialläsionen der artikularseitigen Supraspinatussehne

PJ

Praktisches Jahr

PROMS

Patient Related Outcome Measurements

PRP

Platelet Rich Plasma

RM

Rotatorenmanschette

SAMW

Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften

SLAP

Superior Labral Tear from Anterior to Posterior

SSV

Subjective Shoulder Value

TEAM

Together Each Achieves More

TENS

Transkutane Elektrische Nervenstimulation

TOA

Technischer Operationsassistent

VAS

Visual Analog Score

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

Tabellen und Abbildungen

Vorwort

Danksagung

Einführung

Kapitel 1 Vom Stift zum Lehrmeister

Kapitel 2 Mentoren

Kapitel 3 Beschwerden – MRI – Diagnose - Was nun?

Kapitel 4 Operieren oder nicht operieren

Kapitel 5 Die Anatomie (Schulter)

Die 8 häufigsten Ursachen

Kapitel 6 Rotatorenmanschettenriss

Kapitel 7 Arthrose

Kapitel 8 Impingement / Bursitis subacromialis

Kapitel 9 Lange Bizepssehne

Kapitel 10 Kalkschulter

Kapitel 11 Frozenshoulder / Adhäsive Kapsulitis

Kapitel 12 Schulterinstabilität

Kapitel 13 AC-Luxation

Patientenzufriedenheit

Kapitel 14 Patient

Kapitel 15 Hausärzte

Kapitel 16 Chirurgen

Kapitel 17 OP-Personal

Kapitel 18 Implantate

Kapitel 19 Spitalpersonal

Kapitel 20 Spitalküche

Kapitel 21 Physiotherapie

Kapitel 22 Infrastruktur

Kapitel 23 Versicherung

Kapitel 24 Sekretariat

Schlusswort: Erfolgsformel 1+1=11

Glossar: Schulterchirurgie auf Deutsch

Tabellen und Abbildungen

Einführung

Abb. 1: Prof. Müller und Dr. Taha

Abb. 2: Dr. Taha rund um den Globus auf seinen Fellowships mit Kollegen

Kapitel 1: Vom Stift zum Lehrmeister

Abb. 3: Medizinischer Karriere-Erfolgsweg

Kapitel 3: Beschwerden – MRI – Diagnose - Was nun?

Abb. 4: Herkömmlicher Behandlungsverlauf

Abb. 5: Vorschlag Behandlungsverlauf

Tab. 1: Klinischer Standard Funktionstest

Kapitel 5: Die Anatomie (Schulter)

Abb. 6: Anatomie der Schulter von vorne

Abb. 7: Knochenstrukturen der Schulter

Abb. 8: Knorpelstrukturen der Schulter

Abb. 9: Gelenklippe (Labrum)

Abb. 10: Schultergelenk

Abb. 11: Gelenkkapsel

Abb. 12: a) RM von vorne; b) RM von hinten

Abb. 13: Körpernaher Bizepsmuskel- und Sehnenansatz

Abb. 14: Bänder des Schultereckgelenks (AC-Gelenks)

Abb. 15: Schleimbeutel (Bursa subacromialis)

Kapitel 6: Rotatorenmanschettenriss

Abb. 16: a) Intakte RM; b) RM mit Riss

Tab. 2: Klassifikation einer Sehnenretraktion nach Patte

Tab. 3: Klassifikation des Verfettungsgrades von Muskeln nach Fuchs oder Goutallier

Tab. 4: Klassifikation der Läsionsarten nach Lafosse

Tab. 5: Zusammenfassung OP und Therapie bei RM-Riss

Kapitel 7: Arthrose

Abb. 17: a) Intaktes Schultergelenk; b) Schultergelenk mit Arthrose

Abb. 18: Anatomische Prothese

Abb. 19: Umgekehrte (inverse) Prothese

Tab. 6: Zusammenfassung OP und Therapie bei Arthrose

Kapitel 8: Impingement / Bursitis subacromialis

Abb. 20: Impingement (Einklemmung)

Tab. 7: Zusammenfassung OP und Therapie bei Impingement

Kapitel 9: Lange Bizepssehne

Abb. 21: a) Intakte lange Bizepssehne; b) Gerissene lange Bizepssehne

Abb. 22: a) Gelenklippe angefasert; b) Gelenklippe abgehoben; c) Gelenklippe korbhenkelartig eingerissen, Sehnenansatz intakt; d) Riss reicht in die Bizepssehne hinein

Tab. 8: Zusammenfassung OP und Therapie bei Bizepssehnenriss

Kapitel 10: Kalkschulter

Abb. 23: Kalkschulter; Kalkablagerungen an der Sehne

Tab. 9: Zusammenfassung OP und Therapie bei Kalkschulter

Kapitel 11: Frozenshoulder / Adhäsive Kapsulitis

Abb. 24: a) Intakte Gelenkkapsel; b) Verklebte Gelenkkapsel

Abb. 25: Schmerz- und Beweglichkeitsverlauf einer Frozenshoulder

Tab. 10: Zusammenfassung OP und Therapie bei Frozenshoulder

Kapitel 12: Schulterinstabilität

Abb. 26: a) Intaktes Schultergelenk; b) Ausgekugeltes Schultergelenk nach hinten; c) Ausgekugeltes Schultergelenk nach vorne und unten

Abb. 27: a) Intaktes Labrum; b) Operiertes Labrum (Bankart-OP)

Abb. 28: Abgetrennter und refixierter Rabenschnabelfortsatz (Latarjet-OP)

Tab. 11: Klassifikation der Schulterluxation nach Gerber

Tab. 12: Zusammenfassung OP und Therapie bei Schulterinstabilität

Kapitel 13: AC-Luxation

Abb. 29: Klassifikation nach Rockwood Typ I-VI

Abb. 30: OP: AC-Gelenkstabilisierung mit Fadencerclage

Tab. 13: Zusammenfassung OP und Therapie bei AC-Gelenksprengung

Kapitel 23: Versicherung

Abb. 31: Modell-Kreislauf: Patient-Arzt-Krankenversicherung

Vorwort

Abb.1: Prof. Müller und Dr. Taha

Vorwort Prof. Dr. med. Müller

Die Schulterchirurgie hat in den letzten 30 Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht. Diese Entwicklung ist unter anderem Schweizer Orthopäden zu verdanken. Prof. Gerber (Professor emeritus an der Universitätsklinik Balgrist, Zürich) ist hier im Besonderen zu nennen. In unermüdlicher Arbeit wurde in hunderten von wissenschaftlichen Arbeiten unser Verständnis der Biomechanik des Schultergelenkes bei degenerativen, respektive unfallbedingten Schädigungen verbessert. Ebenso wurden chirurgische Lösungen für bisher nicht behandelbare Pathologien des Schultergelenkes entwickelt und auf ihren Nutzen für den Patienten im kurz- und mittelfristigen Verlauf geprüft. Dank diesen unzähligen, wissenschaftlichen Arbeiten können auch viele Behandlungen gezielter und minimal invasiver durchgeführt werden.

Mit dieser imposanten Entwicklung ist die Komplexität der Schulterchirurgie sowohl bei der Wahl der optimalen Behandlung, als auch bei der Durchführung operativer Massnahmen signifikant angestiegen. Gleichzeitig basiert die ärztliche Behandlung heutzutage auf dem Konzept des ‘shared decisions makings’. Die Patienten/-innen sollen die Vor- und Nachteile der geplanten Behandlung sowie mögliche Therapiealternativen verstehen können und so in den therapeutischen Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. Zudem basieren heute chirurgische und konservative Behandlungen auf Teamwork. Gerade in der Schulterchirurgie ist deshalb Austausch und gegenseitiges Verständnis zwischen Chirurgen, Therapeuten und Kollegen anderer Fachdisziplinen (Allgemeinmedizin, Rheumatologie etc.) essentiell.

Das Ihnen vorliegende Buch ermöglicht Patienten und Interessierten einen schönen Überblick über alle relevanten Schulterpathologien und deren Behandlung in verständlicher Sprache. In akribischer Arbeit hat Dr. Taha ein Werk erschaffen, welches die Verständigung zwischen Schulterchirurgen/-innen, Hausärzten/-innen, Physiotherapeuten/-innen und Patienten/-innen fördern und vereinfachen wird. Dafür gebührt Dir, Mohy, ein grosses Lob.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen eine spannende Lektüre.

Prof. Dr. med. Andreas Marc Müller

Chefarzt Stv.

Teamleiter Schulter-Ellbogenchirurgie

Universitätsspital Basel

Vorwort Dr. med. Abdel-Latif

Es gibt viele Bücher, die sich zu medizinischen Themen äußern. Als SPIEGEL-Bestsellerautor kann ich jedoch bestätigen, dass in den meisten Werken die Vita des Autors kaum einzufließen mag. Vielmehr werden Schwerpunkte auf meist langweilige wissenschaftliche, im Labor gezüchtete Erkenntnisse gestellt. Nicht so im vorliegenden Buch.

Dr. Taha hat es wie kaum ein anderer Autor verstanden, seine eindrückliche Lebensgeschichte, seine ausgeprägte Fachexpertise kompetent, klar strukturiert und mit einer gewissen Prise Schalk in dieses hervorragende Werk einzuarbeiten. Was mich als Facharzt für Radiologie zusätzlich besonders entzückt, ist seine bildliche Erklärung, die es selbst dem ungeübten Leser einfach machen wird die komplexen Strukturen der Schulter zu verstehen und vor dem geistigen Auge nachvollziehen zu können.

Kurzum: Ein innovatives Meisterwerk, welches die komplexe Anatomie und Schulterchirurgie in einem ganz neuen Licht darstellen lässt.

Ein wahrer Lesegenuss der Extraklasse!

Dr. med. Adel Abdel-Latif, MBA

Chairman Radiolutions Swiss Medical Recruitment

Facharzt FMH für Radiologie

Danksagung

“To be a master, you need a master”

Großes Dankeschön an Katharina und Marianne Ottinger sowie Isidora Ceculovic. Ohne ihre Hilfe/Unterstützung und ausgezeichnete Arbeit wäre dieses Buch nicht fertig geworden.

Vielen Dank an Dr. med. Adel Abdel-Latif, Dr. Natalia Ipatow, Dr. med. Christian Ludwig, Dominique Nigg, Dr. med. Madleina Taha-Ludwig, und Peter Voellmy, Tanja Weyer für ihr wertvolles Feedback.

Tausend Dank an Madleina (meine Frau), Loay (Sohn) und Safeya (Tochter) für ihre Unterstützung und dass sie auf mich verzichten, während ich arbeite und dieses Buch schreibe.

Und wenn ich gut bin, dann ist das unter anderem auf die ausgezeichneten Mentoren zurückzuführen, die an mich geglaubt und mich über die Jahre unterstützt haben. Sie haben mich geführt, mir Einblicke gegeben und ihre Erfahrungen geteilt, was mit Sicherheit dazu beigetragen hat, meine Karriere zu beschleunigen. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Nicht zuletzt möchte ich mich bei meiner Mutter (Samia), meinem Bruder (Shady), meinen Schwiegereltern (Annelis und Christian) und meinen Freunden/Kollegen bedanken, die immer da sind, wenn ich sie brauche.

Einführung

Abb. 2: Dr. Taha rund um den Globus auf seinen Fellowships mit Kollegen

01

Vom Stift zum Lehrmeister

Die Faszination für Medizin und Heilkunde wurde mir schon früh in die Wiege gelegt. Von meiner Mutter inspiriert, die selbst als Kinderärztin tätig war, begann ich im Jahr 2000 mein Studium in Humanmedizin in Kairo. Zwei Jahre später wurde mir schnell klar, dass ich mich nach dem regulären Medizinstudium auf Orthopädie spezialisieren wollte.

Dieser Entschluss ging auf ein Ereignis zurück, welches sich als ich neun Jahre alt war, ereignete. Während ich Fußball spielte, hatte ich plötzlich Schmerzen im Knie. Daraufhin besuchte ich einen orthopädischen Chirurgen. Durch seine Beratung und die physiotherapeutischen Übungen verschwanden die Schmerzen. Diese Erfahrung beeindruckte mich so tief, dass sie wegweisend für die Entscheidung, ein orthopädischer Chirurg zu werden, war.

Deutschland hatte im arabischen Raum einen sehr guten Ruf, was die Orthopädie betraf. Viele erfolgreiche Fußballspieler und auch Politiker ließen sich dort behandeln.

Da mein Interesse, mich in diesem Bereich weiterzubilden, sehr groß war, lag die Idee nicht fern, von den Spezialisten in Deutschland zu lernen. 2003 ging ich nach Deutschland, wo ich ein einmonatiges Praktikum in der Charité Berlin absolvierte. Dieses Praktikum bestärkte meinen Wunsch, ein Spezialist auf dem Gebiet der Orthopädie zu werden. Obwohl ich kein Deutsch sprach, fühlte ich mich durch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit meiner Kollegen und Betreuer so gut aufgehoben, dass mir eines schnell klar wurde: Ich wollte wiederkommen.

Wieder zurück in Kairo, fuhr ich mit meinem Studium fort und übernahm die Leitung des Austauschprogramms für ausländische Studenten. Wie der Zufall es wollte, lernte ich dadurch meine heutige Frau kennen. Sie war Studentin der Medizin in der Schweiz und absolvierte ein Austauschprogramm in Kairo.

Schon bald stellte sich für mich die Frage, wie mein Weg weitergehen sollte. Um näher bei meiner Frau zu sein und um mir die teuren Flugtickets zu sparen, entschied ich mich erneut, nach Europa zu gehen. Da ich kaum jemanden in der Schweiz kannte, jedoch gute Erfahrungen in Berlin gesammelt hatte, kontaktierte ich meine Betreuer aus der Charité Berlin. Auf diese Weise konnte ich tausende Kilometer auf wenige hundert Reisekilometer reduzieren. Um meiner heutigen Frau näher zu sein, entschloss ich mich, sechs Monate nach meinem ersten Deutschlandaufenthalt, ein Zwischenjahr für meine Forschungs- und Doktorarbeit in Deutschland einzulegen.

Aus dem arabischsprachigen Raum stammend, war die deutsche Sprache eine weitere Herausforderung auf meinem Weg. Da ich noch kein Deutsch sprach, es aber lernen wollte, beschloss ich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ein ganzes Jahr arbeitete ich tagsüber von 8 Uhr früh bis 17 Uhr im Labor, um dann drei weitere Stunden (18-21 Uhr), fünf Tage die Woche, im Deutschkurs zu verbringen. Ich nutzte jede Gelegenheit und Zeit, um meinen Traum zu verwirklichen, auch wenn das bedeutete, meine Deutsch-Hausaufgaben in der U-Bahn zu erledigen. Nach einem Jahr des Durchbeißens machte sich mein Fleiß bezahlt und ich konnte die deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang erfolgreich ablegen.

Ich plante meine Doktorarbeit und mein Studium in Deutschland zu beenden, doch die vielen Auflagen und Hürden für ausländische Studierende und Quereinsteiger machten mir einen Strich durch die Rechnung. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Nach dem Zwischenjahr in Deutschland entschied ich mich 2005 nach Ägypten zurückzukehren, um zwei Jahre später dort mein Studium abzuschließen.

Nach dem Abschluss ging ich 2008 in die Schweiz und begann mit meinem praktischen Jahr. 2009 spezialisierte ich mich in meiner Assistenzarztzeit auf Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates. Während meiner Ausbildung an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich lernte ich Prof. Christian Gerber, einen renommierten Schulter- und Ellbogenspezialisten, kennen. Diese Begegnung war für mich derart inspirierend und wegweisend, dass ich mich im Jahr 2013 entschied, mein Fachgebiet in Schulter- und Ellbogenchirurgie zu wählen.

Nach meinem Abschluss der Assistenzarztzeit im Jahr 2015 vollendete ich eine Reihe von Fellowships (Weiterbildungen) in anderen Ländern. So lernte ich von vielen Spezialisten in Australien und arbeitete ein Jahr in Sydney in der Schulter- und Ellbogenchirurgie sowie sechs Monate in Brisbane in der Schulter- und Ellbogentraumatologie.

Von 2017 bis 2020 war ich als Oberarzt für Schulter- und Ellbogenchirurgie im Universitätsspital Basel unter der Leitung von Prof. Andreas Müller tätig.

Um meine Kenntnisse in der Schulter- und Ellbogenchirurgie zu vertiefen und von den Besten der Besten aus aller Welt zu lernen, absolvierte ich im Zeitraum zwischen 2013 und 2020 eine Vielzahl an Weiterbildungen auf beinahe jedem Kontinent. Obwohl es heutzutage viele digitale Möglichkeiten, wie Online-Kongresse, Online-Videos, Online-Tagungen usw. gibt, handelt es sich bei der Chirurgie um ein Handwerk, das schwierig durch digitale Meetings erlernt werden kann. Würden Sie mit einem Piloten fliegen, der das Fliegen nur online gelernt hat? Der Chirurg braucht die praktische Übung, um die beste medizinische Versorgung anbieten zu können.

Motiviert ein immer besserer Chirurg zu werden, bereiste ich die Welt, lernte die neuesten Techniken, recherchierte die aktuellsten medizinischen Forschungserkenntnisse und vernetzte mich mit zahlreichen Menschen. Ich bin davon überzeugt: Um selber ein Meister zu werden, muss man von den Meistern lernen.

In Nordamerika unter Mark Morrey und Bassem Elhassan in der Mayo Clinic, Minnesota; Luke Oh und Jon Warner in Harvard, Boston; Mark Frankle in Tampa, Florida und George Athwal in Ontario, Kanada.

In Europa unter Jean Marc Glasson und Laurent Lafosse in Frankreich; Florian Drumm und Borris Hollinger in Deutschland; Mathias Zumstein, Ralf Hertel, Karl Wieser, Alexandre Lädermann und Gregory Cunningham in der Schweiz.

In Australien unter Allan Young, David Sonnabend, Jeff Hughes, Benjamin Cass in Sydney und unter Alok Jhamb, Mark Robinson, Greg Couzens, Steven Frederisken, Phil Duke, Mark Ross in Brisbane.

Die Auslandsaufenthalte und der Austausch mit Lehrern und erfahrenen Chirurgen waren für mich eine große Bereicherung. Ich wollte meine Erfahrungen anderen Studenten, Chirurgen, Spezialisten u. v. a. leichter zugänglich machen.

Dies gab mir den Anstoß, im Jahr 2019 die Onlineplattform www.myfellowship.com zu gründen, um die Menschen, die ein Fellowship suchen, mit den Menschen, die ein Fellowship abgeschlossen haben oder anbieten, unabhängig vom Spezialisierungsgebiet, zu vernetzen. Diese Plattform sollte jedem die Möglichkeit bieten, Kontakte zu knüpfen und die Suche nach geeigneten Fellowships zu vereinfachen.

In meinem Bestseller-Buch “The Swiss Made Egyptian” beschrieb ich den Weg vom Medizinstudenten zum ausgebildeten Oberarzt: Wie man seinen medizinischen Karriere-Erfolgsweg ebnet.

Abb. 3: Medizinischer Karriere-Erfolgsweg

Medizinischer Karriere-Erfolgsweg

Medizinstudent (6 Jahre): Man sollte sich niemals selbst unterschätzen. Die Studenten von heute sind die Führungskräfte von morgen. Hier wählt man seine Spezialisierung.

Wahlstudium/PJ: Jetzt ist es Zeit, das Erlernte in der Medizinausbildung anzuwenden und sich in seiner Spezialisierung auszuprobieren.

Assistenzarzt (4 - 6 Jahre): Hier bildet man die Basis für seine zukünftige Spezialisierung.

Fachgebiet (spezifische Fortbildung 1 - 2 Jahre zusätzlich): Es ist an der Zeit, das Fachgebiet auszuwählen und sich darauf vorzubereiten.

Oberarzt/Leitender Arzt: Man behandelt seine Patienten, unterrichtet seine Studenten und trainiert seine Kollegen.

Seit November 2020 führe ich meine eigene Praxis in Aarau und Rothrist. www.schulterchirurg.ch

Auf meinem Karriereweg begegnete und begegne ich vielen wunderbaren Menschen, die ich auch als meine Mentoren bezeichnen darf. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, welche Wichtigkeit und Bedeutung Mentoren und Vorbilder in meinem Leben hatten und haben. Vieles davon möchte ich Ihnen weitergeben, damit Sie an sich selber wachsen können und, wenn Sie glauben, an einer Stelle aufgeben zu müssen, Sie niemals falsch damit beraten sind, um Hilfe zu bitten.

# Never_stop_learning

02

Wozu braucht man Mentoren im Leben?

Mein ganzes Leben lang bin ich auf der Suche nach Mentoren gewesen, die Ziele erreicht haben, die auch ich mir gesteckt habe. Diesen Mentoren und Vorbildern ist es zu verdanken, dass ich meine Ziele erreichen konnte und dank ihrer Unterstützung versuche ich auch weiterhin, sie zu verwirklichen.

Ich möchte an dieser Stelle einige für mich sehr wichtige Unterstützer erwähnen: Prof. Philip Stahel, Dr. Nikolaus Renner, Prof. Laurent Audige, Prof. Christian Gerber und Prof. Andreas Müller.

Meiner Ansicht nach sind Mentoren dazu da, uns zu unterstützen, wenn Hindernisse unseren Karriere- und Lebensweg zu behindern drohen. Mentoren zeigen uns außerdem neue Sichtweisen und Möglichkeiten auf. Sie spielen eine wichtige Rolle in unserer Entwicklung zu kompetenten und fürsorglichen Ärzten. Deswegen sollten wir alles daransetzen, die Beziehungen, die wir in unserem Leben haben, zu pflegen und neue Beziehungen einzugehen.

Obwohl ich mich in diesem Buch auf Mentoren im medizinischen Bereich konzentriere, möchte ich hervorheben, dass man viele großartige Mentoren und Vorbilder auf allen Ebenen haben kann. Freunde, Familienmitglieder, Lehrer, Coaches oder sogar berühmte Menschen, die man nie getroffen hat, von denen man aber Bücher gelesen oder Vorträge gehört hat – all diese Menschen können einem etwas beibringen und Führung geben. Selbst jemand, von dem man es nicht erwartet, kann uns womöglich etwas Aufschlussreiches lehren. Mir gefällt der Gedanke, dass ich Sie mit meinem Buch ein klein wenig unterstütze, obwohl wir einander wohl nie persönlich kennenlernen werden.

Mentoren können im Leben sehr hilfreich sein. Hier werde ich einige, der für mich wichtigsten Vorteile, nennen.

Unverzichtbare Unterstützung in schweren Zeiten

Während eines Medizinstudiums braucht es viel Konzentration, Hingabe und Anstrengung. Manchmal verliert man aber durch bloßes Lernen, Studieren und noch einmal Studieren den Überblick. Es ist daher sinnvoll, seinen Horizont zu erweitern, also nicht nur das Studium durchzuhalten und die Prüfungen mit gutem Ergebnis zu bestehen, sondern auch Praktika, Hospitationen sowie Fellowships bei anderen Ärzten in anderen Ländern zu absolvieren.

Dabei wird es auch Rückschläge geben. Die Dinge werden nicht immer so laufen wie geplant und man wird sich bisweilen überfordert fühlen. Vielleicht bekommt man das erhoffte Praktikum in der Klinik nicht oder fällt bei einem wichtigen Test durch. Spätestens wenn die unvermeidlichen Misserfolge und Niederlagen kommen, ist es Zeit, sich an einen Mentor zu wenden.

Ein Vorbild oder Mentor – egal ob im medizinischen Bereich oder außerhalb – wird einem zuhören und eine Perspektive zeigen, die den Blick aufs große Ganze ermöglicht. Er wird an vergangene Erfolge erinnern, um die Zuversicht zu stärken, damit man Niederlagen oder Misserfolge überwinden kann.

Das wahre Potenzial erkennen