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Sie glaubt, sie sei sicher- doch die Gefahr ist näher, als sie denkt … Luca-Elise hat ihre Ziele erreicht: Endlich hat sie ihre bedingungslose Liebe gefunden und glaubt, bei Max angekommen zu sein. Die beiden versuchen, nach so vielen Turbulenzen, ein normales Leben zu führen. Obwohl die Gefahr nicht weit entfernt ist, sind sie das erste Mal glücklich. Als Luca-Elise ihre Mutter im Krankenhaus besucht, entpuppt sich der Unfall als ein Spiel mit dem Feuer, welches Luca-Elise hoffentlich genauso gut spielt wie ihr Gegner … Kann sie sich aus den Machenschaften ihres Vaters befreien oder verliert sie zum Schluss alles?
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Ana L. Rain
Für meine Buchblogger,
Prolog
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Epilog
Danksagung
Wenn mein Herz mit
dir geht
Roman
Band 2
die mich von Anfang an begleitet haben.
»Luca - Elise, Schatz, wach auf«, weckt mich meine Mami und ich öffne die Augen. Ich bin so müde, ich will noch nicht das Bett verlassen.
»Luca - Elise komm, wir müssen aufstehen«, flüstert Mama und sie hebt mich hoch. Mir ist kalt, warum zieht sie mich aus? Draußen ist es dunkel.
»Zieh das an«, befiehlt sie und gibt mir das schöne blaue Kleid. Mein Lieblingskleid. Ihre Hände zittern, ob ihr auch kühl ist? Als ich das Kleidchen trage, hebt sie mich auf ihren Arm.
»Wir müssen jetzt ganz leise sein, sonst wird dein Vater sauer, okay?«, wispert sie und ihre Augen sind riesig.
»Wohin gehen wir?«, frage ich.
»Wir besuchen deine Oma und deinen Opa«, sagt sie in mein Ohr. Schließlich öffnet sie die Haustür und läuft schnell von unserem Haus weg. Wir werden nass und ich friere, weil der Regen so kalt ist.
»Charlotte, gib sie mir«, sagt eine unbekannte Stimme. Ich drehe mich zu der Frau, die mich anfasst und auf ihren Arm hebt. Wer ist das? Ich will wieder zu meiner Mama. Doch die Tante setzt mich in das grüne Auto.
»Ich hol schnell die Reisetasche«, erklärt mir meine Mami und sie rennt zurück. Ich will, dass sie bei mir bleibt, und ich strecke einen Arm nach ihr aus. Sie schaut zu mir, bevor sie mit einer riesigen Tasche aus der Tür läuft. So eine große brauchen wir bei Oma und Opa? Sonst bringen wir nur Kuchen mit.
»Hallo Luca - Elise, oh Gott«, jammert die Frau, die mich anschnallt.
»Gudrun, sie sind da, beherrsch dich«, sagt der Mann, der vor mir sitzt, ruhig und blickt mich an.
»Wo willst du hin?«, brüllt Vater und ich will aus dem Fenster schauen, doch die Frau drückt meinen Kopf nach unten.
»Charlotte, du bist meine Ehefrau, du musst mich ehren und Luca - Elise ist meine Tochter, sie gehört zu mir, zu uns« schreit Vati.
»Fahr los«, schreit Mama und die Autotür knallt zu.
Der Mann fährt so schnell und ein Quietschen ertönt. In diesem Augenblick schaue ich aus dem Fenster und winke Vater zu.
»Mami, wer ist das?«, frage ich und blicke die Fremden an.
»Das sind meine Mama und mein Papa und deine Oma und Opa«, sagt sie und lächelt.
»Psst, wir wollen nicht Ihre Mutter wecken«, spricht er mit gedämpfter Stimme und sein Grinsen vergeht. Am liebsten würde ich losschreien. Lasse es jedoch und schaue auf die Uhr.
Es ist mittlerweile halb eins. Wo sind Max und Jakob?
»Wo ist mein Freund und sein Sohn?«, frage ich und drehe mich zur Bettnachbarin um, die immer noch nicht von ihrer OP zurück ist.
»Das weiß ich nicht, Luca-Elise«, erklärt der Kerl mir und ich schüttele den Kopf.
»Das glaube ich nicht. Er wollte zur Mittagszeit hier sein«, sage ich und suche das Handy auf dem Bett meiner Mama.
»Toll diese Mobiltelefone, oder?« Er hebt es hoch. Als ich schlief, hat er es mir anscheinend entwendet. Ich atme tief ein und frage mich, was der Kerl will.
»Ich gebe es Ihnen, denn Ihr Freund hat Ihnen geschrieben, aber Sie hören mir zu, ohne jemanden anzurufen oder sonst eine Flucht zu starten«, bietet er mir an und ich nicke und strecke meine Hand aus.
Sofort tippe ich die Pin ein, um die ganze Nachricht zu lesen.
Wir kommen später zurück ins Krankenhaus.
Winfried zeigt uns die Gegend.
Auf dem Rückweg bringen wir Döner mit.
Dort bist du in Sicherheit.
Gegen halb eins, eins sind wir da.
Ich liebe dich, Max.
»Ich sagte ja, wir haben ihnen nichts getan«, beteuert der Kerl und lehnt sich zurück, dabei wackelt seine blonde Haartolle kurz hin und her.
»Ich werde freiwillig nicht mit dir gehen und aus dem Krankenhaus wirst du mich niemals entführen können. Das ist zu auffällig«, sage ich abwertend und duze ihn sofort, auch wenn er mich siezt. Im Zuge dessen verschränke ich die Arme. Obwohl ich panische Angst habe, dass er mir etwas antun könnte, versuche ich, es mir nicht anmerken zu lassen.
»Haben Sie nicht die Nase voll, ständig umzuziehen? Wieso tun Sie das? Sie hätten ein schönes Leben bei mir gehabt«, sagt er. Schlagartig wird mir schlecht, mein Herz jagt und am liebsten würde ich weglaufen. Aus Furcht bleibe ich jedoch sitzen.
»Keine Sorge, ich will Sie weder entführen, noch zur Frau nehmen. Obwohl Ihr Vater und meine Eltern weiterhin darauf bestehen, weil Sie mir versprochen wurden. Ich will Cornelia heiraten und Sie stehen uns dabei im Weg! So eine wie Sie, die jetzt eine Ehe auf dem Gewissen hat, will ich definitiv nicht zur Frau«, sagt er bösartig und dennoch beruhigen mich seine Worte. »Andererseits sind Sie wirklich hübsch, ansprechender als Cornelia, dennoch zu wissen, dass andere Männer Sie hatten, widert mich an.« Er streicht mir über die Wange und ich rutsche von ihm weg.
»Ich will dich ebenfalls nicht heiraten, Karlo. Sonst würde ich nicht weglaufen«, wehre ich mich und frage mich, was er von mir will.
»Mich wundert es, dass Sie noch meinen Namen kennen. Ich will Ihnen ein Angebot machen«, erklärt er mir und ich ziehe die Braue hoch und atme tief ein und aus.
»Was für ein Angebot?«, hake ich mit all meinem Mut nach.
»Wir tauschen die Handynummern aus und ich sage Ihnen, wie weit die Suchergebnisse von unseren Eltern sind. Schon seit längerer Zeit, versuche ich mit Ihnen zu sprechen. Auf dieser Rockabillyparty waren Sie jedoch so schnell weg. Als ich Sie entdeckte, hatte ich keine Chance mit Ihnen zu reden.«
Ich hole tief Luft.
»Dein Name wurde damals ständig erwähnt und von ihr wurde ich gewarnt. Wie lange wisst ihr schon, wo ich wohne?«, frage ich nach und deute vorher auf meine Mama.
»Keine Sorge, lediglich meine zwei Kumpels und ich. Ich finde Sie immer zügig und diesmal war es einfach. Bis Ihr Vater es herausfindet, dauert es ein wenig. Also gilt unser Deal?«, fragt der Feind.
»Woher weiß ich, dass ich dir vertrauen kann? Das tue ich nämlich nicht«, sage ich und er lächelt.
»Sie müssen mir wohl oder übel vertrauen. Ich versuche, Ihren Vater aus dem Verkehr zu ziehen. Er will Sie unbedingt finden, bevor Sie heiraten. Langsam wird er alt und man könnte meinen, er dreht völlig durch, denn Ihre Mutter hat ihm sein Herz gebrochen. Wenn Sie gerettet werden wollen, müssen Sie mir Ihre Nummer geben. Sicherlich bekomme ich sie so raus, andererseits ist es so einfacher«, erklärt er mir und ich schüttele den Kopf.
»Ich dachte ihr benutzt keine neue Technik?«
Kurz lacht er auf und grinst mich breit an. »Hat Ihnen das Ihre Mutter erzählt?«, fragt er nach und blickt zu ihr.
»Ja, und ihr lebt doch wie früher?«, wiederhole ich das, was mir immer gepredigt wurde.
»Privat in jedem Fall. Wenn wir arbeiten, können wir Computer und Handys nicht ignorieren. Definitiv hat sie übertrieben.«
»Das stimmt nicht, soweit ich weiß, habt ihr euch gegen jegliche Technik gewehrt, auch auf der Arbeit. Ich habe selbst noch Erinnerungen an die Zeit«, rechtfertige ich mich und kralle mich in die Lehne. Wie kann er es wagen, sie als Lügnerin darzustellen?
»Hm ..., Sie meinen den Erziehungsstil? Die Zeiten fordern ein Umdenken« Er blickt auf die Uhr.
»Sie sollten sich entscheiden. Ihr Freund Maximilian Schultz wird bald zurückkommen. Entweder Sie vertrauen mir oder Sie werden nie Ruhe finden. Ina Schultz hätte da fast etwas ins Rollen gebracht, was nicht mehr aufzuhalten gewesen wäre«, sagt er leise und schaut zu Mama, die sich kurz bewegt.
»Du hast ihr das angetan«, sage ich zornig und balle die Hände zu Fäusten.
»Ich wusste, dass Sie kommen würden, und meine zwei Kumpels waren ein wenig grob. Das tut mir leid, allerdings musste ich Sie sprechen und Frau Schultz habe ich hoffentlich ruhiggestellt. Luca - Elise wir wollen beide dasselbe«, äußert er und beugt sich zu mir vor.
Mein ganzer Körper ist völlig versteinert, wie damals als Ina bei Familie Schultz so schlimm rumgebrüllt hat. Jedoch ist es in diesem Moment ein wenig anders. Ich bin zwar wie starr, dennoch macht sich eine innere Unruhe in mir breit, dass - als ich meine Hand hebe, sie beginnt zu zittern, als wäre sie Wackelpudding. Soll ich ihm meine Nummer geben oder lieber nicht?
»Okay, du bekommst sie«, gehe ich den Deal mit bebender Stimme ein und diktiere sie ihm. Schließlich steht er auf und verabschiedet sich mit einem Handschlag von mir.
»Der Feind meines Feindes ist mein Freund«, raunt er und plötzlich klopft es an der Zimmertür und Max kommt mit Jakob und Winfried rein.
»Was? Wer?«, fragt Winfried laut und der Kerl lächelt mich an, bevor er aus der Tür geht.
»Luca, alles in Ordnung?« Max stürmt sofort zu mir.
»Ja ..., ja, ich denke schon«, antworte ich leise, stehe auf und umarme ihn ganz fest. Als würde ich ihn zerquetschen mit meiner Umarmung und nie wieder gehen lassen, halte ich ihn.
»Oh Gott, ich dachte, du wärst sicher. Hätte ich geahnt, dass diese Leute vor nichts zurückschrecken, hätte ich dich nicht allein gelassen«, sagt er in mein Haar und außer Atem.
»Was ist passiert?«, fragt meine Mama hinter meinem Rücken müde nach.
»Hallo Schatz«, begrüßt Winfried sie und er läuft an uns vorbei.
»Es ist alles in Ordnung. Wir sollten nach Hause fahren«, wispere ich und die Anspannung der letzten Minuten lässt nach. Mein ganzer Körper zittert und Max hält mich dicht an sich.
»Luca, ist wirklich alles in Ordnung? Was hat dieser Hinterwäldler getan?«, fragt der Mann von Charlotte sofort nach.
»Was für ein Hinterwäldler? Wer war hier?« Meine Mama ist total hysterisch und setzt sich auf. »Ja, mir geht es gut. Er tat nichts und wollte bloß mit mir reden«, antworte ich und erzähle ihnen nicht, warum Karlo wirklich da war. Nachher im Auto werde ich Maximilian alles erklären, weder Winfried noch Charlotte müssen davon erfahren.
Mein Handy piept und ich blicke drauf.
Der Feind meines Feindes ist mein Freund - Napoleon.
Nun habe ich seine Nummer und hoffe, ich bin keinen Pakt mit dem Teufel eingegangen.
»Mama, wir fahren nun zurück«, kündige ich an und setze mich zu ihr auf den Bettrand. Ich will nicht länger hierbleiben, wenn sie erfährt, dass Karlo vor wenigen Minuten an ihrem Bett saß, wird sie panisch werden. Irgendwann muss ich sie nach der Wahrheit fragen, ob sie mir damals alles nur so schlimm erzählt hat oder ob es tatsächlich so war. Immerhin war die Technik in den 90ern nicht soweit wie heute. Vielleicht haben sie es nach und nach akzeptieren müssen und konnten sich nicht mehr dagegen lehnen?
»Ja, aber wer war denn hier?«, hakt sie verwirrt nochmal nach und ich streiche über ihre Hand.
»Es ist alles gut. Mach dir bitte keine Sorgen«, flüstere ich und bleib stark.
»Nein, das geht nicht. Was ist passiert, Luca?«
»Mama bitte, beruhige dich. Mir geht es gut«, sage ich und nehme ihre Hand.
»Es war schön, dich endlich wiederzusehen und Sie kennenzulernen«, sagt sie und beginnt erneut zu weinen. Mit einer festen und langen Umarmung verabschieden wir uns. Wer weiß, wann ich sie das nächste Mal sehen werde.
»Ich habe dich lieb, Mama. Ruf mich an oder schreib mir, wenn du aus dem Krankenhaus entlassen wirst«, jammere ich und mein Herz zieht sich zusammen, sodass ich kaum Luft bekomme.
Wäre ich vor Jahren zurückgekehrt und hätte Karlo geheiratet, ob ich sie besuchen dürfte, ohne dass ihr Schaden zugefügt wird? Jedoch wäre ich wahrscheinlich genauso unglücklich geworden wie sie.
»Die Freude war ganz auf meiner Seite«, verabschiedet sich Maximilian und schüttelt erst ihre und schließlich Winfrieds Hand.
»Vielleicht sehen wir uns in ein paar Monaten schon wieder«, sagt Winfried und umarmt mich. Seine Umarmung ist sehr fest und ich habe das Gefühl, er zerdrückt mich.
Was meint er damit, dass wir uns in ein paar Monaten wiedersehen? Als ich zu Max schaue, der mittlerweile Jakob an der Hand hält, lächelt dieser stark, so dass seine Grübchen hervorstechen, die ich so gerne habe.
»Umso länger wir verweilen, desto schlimmer ist der Abschiedsschmerz«, sagt Max und nimmt mich an seine Hand.
»Das stimmt, tschüss und passen Sie gut auf meine Tochter auf«, jammert Charlotte und ich winke, bevor ich mir die Tränen wegwische. Dicht zupft Max mich an sich und schenkt mir einen Kuss auf die Schläfe. Um einen Beutel, der auf dem Tisch steht - mitzunehmen, lässt er mich los. Schließlich zieht er mich samt Tüte an sich und wir halten diese nun gemeinsam fest. Wahrscheinlich sind dort unsere Döner drin.
Danach gehen wir zu dritt aus dem Zimmer, fahren den Fahrstuhl runter und steigen ins Auto.
Sofort beginne ich laut zu schluchzen und weine. Ich kann gerade nichts anderes mehr tun. Es fühlt sich an, als würde alles zerbrechen und ich würde alle in Gefahr bringen. Jetzt muss ich um jeden in meiner Nähe Angst haben.
Oder habe ich das Tor zur Freiheit geöffnet?
»Hey, es tut mir so leid, dass du das eben durchmachen musstet. Hätte ich es geahnt, hätte ich dich gar nicht alleine lassen sollen. Ich dachte, im Krankenhaus bist du gut aufgehoben.« Über die Mittelkonsole zieht mich Max zu sich und gibt mir viele, sanfte Küsse.
»Nein, alles gut. Ich erzähle dir erstmal, was Karlo wollte. Wir können uns diesmal mit fahren abwechseln, wenn ich dein Auto fahren darf? Du musst die ganze Strecke nicht alleine fahren, denn es wird bestimmt spät werden und ich habe nochmal kurz geschlafen, du nicht«, erkläre ich ihm.
»Karlo?« Max lässt mich los und schaut mir ungläubig in die Augen. »Willst du erst fahren?«, fragt er mich und schnallt sich ab.
»Ja, das kann ich machen«, antworte ich und wir tauschen unsere Plätze. Ich starte den Motor und es fühlt sich komisch an, so ein großes Auto zu nehmen. Max schaut zu Jakob nach hinten, der mit seinem Dino spielt.
»Also erzähl mir von Karlo«, beginnt Max das Gespräch und klingt nun eher neugierig als skeptisch.
»Er ist derjenige, dem ich versprochen bin, und er war auf der Rockebillyparty, doch ich war zu schnell weg. Ihn habe ich nicht gesehen, ich habe gedacht, ein älterer Herr hätte mich im Visier gehabt, nicht er«, erkläre ich ihm.
»Schatz, du schweifst ab, ich möchte wissen, was der Typ wollte.«
»Ja, einen Moment. Karlo wollte mit mir sprechen und mir ein Deal anbieten. Na ja, jetzt kam Ina und hat in meiner Vergangenheit herumgeschnüffelt und er sagte, sie hätte fast etwas ins Rollen gebracht, was nicht mehr aufzuhalten gewesen wäre. Er meinte, er hätte sie ruhiggestellt und hat Charlotte das angetan, um an mich ranzukommen. Er sagte, er wusste, dass ich herfahre, wenn ihr was passiert.« Während ich ihm alles erzähle, fahre ich relativ zügig durch die Straßen und schließlich auf die Autobahn.
»Was für ein Deal?«, hakt er nach und schaut zu mir rüber.
»Das wir Handynummern tauschen und er mir schreiben will, wie weit die ältere Generation ist, mich zu finden. Karlo sagte, er findet relativ schnell raus, wo ich wohne. Aber er möchte mich nicht heiraten, sondern eine Cornelia.« Ich zucke mit den Schultern. »Er will mich vorwarnen und versuchen, alles umzulenken, und meinen Vater aufhalten oder so. Keine Ahnung. Er will jedenfalls genauso wenig eine Ehe mit mir wie ich mit ihm.«
Ich merke, dass Max sich verspannt, und seine großen tiefblauen Augen starren mich an.
»Hast du ihm deine Nummer gegeben?«, fragt er und faltet seine Hände.
»Ja, habe ich. Ich habe gezögert, aber ich musste es riskieren. Entweder habe ich das Tor der Hölle oder des Himmels geöffnet. Ich habe dich an meiner Seite und weiß, wie viel du zu verlieren hast«, erkläre ich ihm und mein Herz zieht sich zusammen. »Außerdem habe ich mittlerweile eine Menge zu verlieren. Du bist der Erste, den ich so sehr liebe und wenn ich daran denke, ohne dich gehen zu müssen ...« Ich schüttele den Kopf und kralle mich ins Lenkrad.
»Du wirst mich nicht alleine lassen, ich würde mit dir untertauchen. Immerhin willst du mir einen Sommerurlaub spendieren.« Max zwinkert mir zu und bringt mich dadurch auf andere Gedanken.
»Also bist du deshalb nicht sauer?«, frage ich nach und bewege meine Finger nacheinander und strecke die linke Hand kurz aus. Durch den festen Griff um das Lenkrad habe ich einen leichten Krampf bekommen.
»Hm ... die Chance, es dir zu überlegen und mit mir darüber zu reden, hattest du in diesem Augenblick wahrscheinlich nicht, denn ich hätte die Entscheidung gerne mit Dir gemeinsam getroffen. Allerdings war es die Richtige, weil es Hoffnung bedeutet. Ein Lichtblick für uns«, antwortet mir Max ruhig und nimmt meine Hand, die mittlerweile auf meinem Schoß liegt.
»Danke«, piepse ich.
»Wofür?«
»Für dein Verständnis und einfach alles. Dass es dich gibt und du so bist wie du bist.«
Er lacht. »Da musst du dich bei meinen Eltern bedanken, ich gebe es gerne weiter. Was hat er über Ina erzählt?«
»Nicht viel, nur dass sie fast etwas ins Rollen gebracht hat und er sie hoffentlich zum Schweigen bekommen hat.« Ob Ina Karlo alles von Max und mir mitteilte? Sie ist so dumm! Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sie so furchtbar ist. Wahrscheinlich ist Kiara nicht ganz unschuldig, immerhin weiß sie nicht viel von mir und das ist für sie katastrophal. Im Gegensatz zu Kiara macht es Boris nichts aus.
»Und wie hat er das gemacht?«, hakt Max nach und ich schaue kurz zu ihm.
»Keine Ahnung.«
Langsam wird es still hinter uns und Max dreht sich zu Jakob um.
»Er ist eingeschlafen, wie lange willst du fahren?«, fragt er mich.
»Wir sind eben erst losgefahren oder fahr ich so schlecht?«
»Nein, nur im Schneckentempo, du weißt, dass rechts das Gas ist?«, zieht er mich auf.
»Max, das ist dein Auto und ich bin es noch nie gefahren. Ich muss erstmal mit der Karre warm werden«, rechtfertige ich mich.
»Ja okay, ich lasse dich in Ruhe, dennoch kannst du ruhig schneller als 140 fahren, sonst kommen wir nie zu Hause an«, bemängelt er und ich trete schließlich auf das Pedal, um ihn zufriedenzustellen. Männer ...
Nach einiger Zeit knurrt mein Magen und ich habe ein leeres Gefühl in mir.
»Oh Gott, wir haben noch gar nichts gegessen«, platzt es aus mir raus und ich schaue auf den Fußraum bei Max, wo die Tüte mit unserem Essen liegt.
»Das fällt dir erst jetzt ein?«
»Ja ..., weil ich Hunger habe«, murmle ich verlegen.
»Dann halten wir bei der nächsten Raststätte an und essen die Döner«, bietet er an und zeigt auf das Schild, an dem wir vorbeifahren. In fünf Kilometer ist ein Rasthof.
»Ja, das klingt gut. Hast du noch keinen Hunger? Jakob muss was essen«, frage ich Max.
»Jakob hat schon am Imbiss gegessen und ich habe seine Reste verputzt«, erklärt er und mir wird klar, warum Max nicht hungrig ist.
»Was hast du Jakob gekauft?«
»Ausnahmsweise Pommes und Dinonuggets, ab morgen gibt es wieder gesundes, selbstgekochtes Essen«, antwortet er und ich blinke, um von der Autobahn abzufahren.
Schließlich genießen wir unsere nun kalten Döner und danach weckt Max seinen Sohn, damit er - wie wir - auf Toilette geht. Ich bin vor ihnen am Auto und schließe es auf, denn ich habe den Schlüssel. Plötzlich klingelt Max‘ Handy und ich blicke drauf. ›Alina‹, prangt auf seinem Display auf und ich weiß nicht, wer Alina ist.
Gleich daraufhin piept es und in jenem Moment kommen Jakob und Max zurück zum Auto. Sofort krabbelt der kleine Mann in den Kindersitz und Max schnallt ihn an.
»Dein Handy hat geklingelt, irgendeine Alina, ich wollte eigentlich nicht darauf schauen, es lag ungünstig«, sage ich und fühle mich schlecht, weil es sich so anhört, als würde ich ihm nicht vertrauen.
»Alina?«, fragt er nochmal nach und nimmt gleichzeitig sein Handy von der Mittelkonsole.
»Ja«, antworte ich und er liest anscheinend die Nachricht, denn ich habe das Gefühl, er hört mir gar nicht zu.
»Ich muss schnell telefonieren, danach fahren wir weiter.«
»Wir können jetzt weiterfahren«, erkläre ich.
»Hm ... ich dachte, ich bin ab jetzt am Steuer. Du bist immerhin schon eine Weile gefahren, lass mich kurz anrufen und ...« Er stoppt. »Hallo Alina, was für ein Problem gibt es denn?«, beginnt Max das Telefonat und ich vermute das Alina bei ihm oder mit ihm arbeitet. Langsam läuft er von dem Auto weg und ich lasse mich auf dem Fahrersitz nieder.
»Jakob, geht es dir gut, hast du Durst?«, frage ich und drehe mich um.
»Ja, ich möchte Wasser«, antwortet er mir und ich öffne ihm die kleine Wasserflasche, die ich in der Raststätte gekauft habe.
»Papa geht immer weg, wenn er mit Alina telefoniert«, sagt Jakob, nachdem er getrunken hat, als wäre er schon ein großer Junge und wüsste, wer sie ist.
»Kennst du Alina?«, hake ich nach und er lehnt seinen Kopf an den Kindersitz.
»Ja, das ist Papas Freundin.«
»Seine Freundin, sowie ich Papas Freundin bin?«, bohre ich neugierig nach und meine Fingernägel krallen sich in den Sitz und ich werde steif. Doch Jakob lacht.
»Nein, Alina hat noch nie bei uns geschlafen und sie hat nie für uns gekocht so wie du. Sie reitet bei Oma und Opa auf Papas Pferd«, erklärt er mir und ich bemerke, dass ich für einen kurzen Moment sogar aufgehört habe zu atmen. Wahrscheinlich ist sie seine Reitbeteiligung oder sowas.
»Ach so«, murmle ich und warte mit Jakob auf Maximilian Schultz.
Plötzlich geht die Fahrertür auf und Max steht vor mir.
»Willst du wirklich noch fahren?«, fragt er mich und schaut liebevoll. Seine Augen sind zum Dahinschmelzen, wenn ein leichtes Lächeln sein Gesicht schmückt und die Grübchen zum Vorschein kommen.
»Ja, los steig drüben ein«, antworte ich und schnalle mich an. Er läuft ums Auto rum, steigt ein, schnallt sich an und sagt dazu kein Wort mehr.
»Papa, das hat lange gedauert«, meckert nun Jakob und Max lacht kurz auf. Bevor ich losfahre, beobachte ich Jakob - wie er mit seinen Beinen hin und her schaukelt.
»Tja, Schatz, manche Gespräche sind eben sehr wichtig und dauern«, erwidert er seinem Sohn und schaut nochmal zu ihm.
»Warum?«, fragt Jakob.
»Weil, das so ist«, hält Max ihn, mit einem strengen Ton, kurz und Jakob hört auf zu fragen.
Ich fahre Richtung Allgäu zurück auf die Autobahn. Eigentlich würde ich selbst gerne nachfragen, wer Alina ist und was sie wollte, denn obwohl Jakob kein Zeitgefühl hat, war es über eine Viertelstunde, die Max mit ihr telefonierte.
Nun ist es im Auto still und weder Max noch ich sagen etwas. Manchmal wird das Gebrabbel von Jakob lauter, jedoch schläft er irgendwann ein und dann ertönt allein das Radio im BMW.
Draußen ist es stockdunkle Nacht, der Wind fegt und die Blätter tanzen wild umher. Endlich sind wir zurück zu Hause und Max fährt durch den Ort, wo ich wohne, ohne bei mir anzuhalten. Als wir an dem Ortsschild vorbeifahren, atmet er tief ein.
»Du hast ja Kleidung bei mir, ich denke, momentan ist es besser, wenn du bei uns wohnst, ist das ok?«, fragt er mich und redet seit Ewigkeiten wieder mit mir. Nur als wir die Plätze gewechselt haben, hat er kurz geredet. Noch nie haben wir so lange geschwiegen. Gesprächsthemen hatten wir sonst immer und wenn es Nichtigkeiten waren, die unser Leben zu jener Zeit einfacher machten.
Ich liebe genau diese Gespräche mit ihm und habe mir so eins, in jeder Minute, die wir in diesem Auto saßen, herbeigewünscht, jedoch konnte ich nichts sagen. Mein Gefühl sagt mir, diese seltsame und schwere Stille zwischen uns, hat etwas mit dieser Alina zu tun ... Ich vertraue Maximilian Schultz blind und er weiß über mich so viel, aber irgendwo hinter einer großen Tür kommt die Angst hervor, dass diese Alina eine Affäre ist oder war oder sowas eben. Andererseits kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen, weil er ständig bei mir ist und sein will.
»Luca, schläfst du?«, redet er leise und ich zucke kurz zusammen, weil gegen meine Scheibe ein Ast fliegt.
»Nein, entschuldige, ja ich habe noch Klamotten bei dir«, antworte ich auf seine längst gestellte Frage und merke, dass wir den kleinen Weg langfahren, wo sein Haus steht.
Plötzlich stöhnt er laut und ich schaue zu dem Haus, in dem Licht brennt. Das kann gar nicht möglich sein ... Mein Blick wandert zu Max und seine Hände krallen sich ins Lenkrad, wie meine eben. Vor der Haustür parkt ein 8er BMW und Max‘ Körperhaltung verspannt sich, denn das Auto gehört Ina. Mein ganzer Körper wird heiß und ich fühle mich, wie die Wut in dem Disneyfilm >Alles steht Kopf<. Von der Zehenspitze bis hin zum letzten Haar würde ich am liebsten anfangen zu brennen, obwohl ich sie noch nicht gesehen habe.
»Ihr solltet im Auto bleiben, ich werfe sie raus«, sagt Max zornig und ich halte seinen Arm fest, damit er nicht aussteigt.
»Wir kommen mit, Jakob wird es egal wie mitkriegen und so können wir wenigstens in sein Zimmer gehen oder ins Badezimmer. Er hat früher schon mitbekommen, wie ihr euch anschreit«, sage ich.
»Du hast recht. Es tut mir leid, dass du im Moment so viel durchmachen musst.« Er streicht mir über die Wange und schenkt mir einen Kuss.
»Danke, du trägst genauso ein Päckchen. Wir gehen da jetzt zusammen rein und falls es schlimm ist, zerreiße ich sie, so viel Wut habe ich in mir.« Mit diesem Satz bringe ich ihn ein wenig zum Lächeln und schließlich steigen wir aus. Vorsichtig nehme ich Jakob aus dem Sitz und Max nimmt die Taschen, um danach die Tür aufzuschließen. Gemeinsam treten wir in das Musterhaus ein und Max lässt die Reisetaschen auf den Boden fallen, damit ein lauter Knall entsteht.
»Ja, ich weiß, ich weiß ...« Ina kommt lachend aus dem Wohnzimmer und wenn Blicke töten könnten, wären Max und ich sicherlich Bonnie und Clyde. Obwohl ich ihr selbst den Hals umdrehen möchte, gehe ich mit Jakob im Arm die Treppe hoch.
»Du verschwindest jetzt, sofort«, befiehlt Max dominant und zornig. »Es reicht mir mit dir, Ina. Du gehst zur Bank und willst mein Geld haben? Denkst du, ich bin so blöd und lasse dir nach allem noch den Zugriff? Wofür brauchst du 30 000 Euro?«
Jakob reibt sich die Augen, als ich mit ihm ins Badezimmer laufe und die Tür schließe, bevor Ina antworten kann.
»Hat dich dein kleiner Ginger sofort angerufen und informiert? Das hätte ich mir denken müssen«, antwortet sie laut. Wer ist denn sein rothaariger Freund, warum verwendet Ina solche Wörter?
»Was willst du mit 30 000 Euro?«, fragt Max wiederholt dröhnend.
»Dies und das kaufen, Möbel für meine neue Wohnung. Ich denke, das steht mir zu, nachdem ich so viel mit dir und ihr durchgemacht habe«, provoziert sie ihn.
»Was du durchgestanden hast? Ina hau ab, sonst schmeiß ich dich raus«, redet Max plötzlich relativ ruhig und sein Tonfall macht mir Angst. Ich blicke zu Jakob, der in meinem Arm weiter schläft, und ich versuche ihn kurz in die Wanne zu legen, weil ich auf Toilette muss. Anscheinend war sein Augenreiben ein Reflex im Schlaf, denn nicht mal die harte Badewanne stört ihn.
»Wie willst du das machen? Ich habe Besuch, du kannst uns nicht rauswerfen«, fragt sie höhnisch und bei mir gehen alle Alarmglocken an.
Fest drücke ich die Spülung und während ich mir die Hände wasche, habe ich das Gefühl, Feuer sprüht aus meinem Kopf. Wie kann sie es wagen, einen Mann mit herzunehmen, wenn sie doch weiß, dass wir in diesem Haus wohnen und schlafen. Ist ihr Jakob plötzlich völlig egal?
Auf einmal höre ich Max‘ Stimme nur noch dumpf, als ob sie nicht mehr im Flur, sondern im Wohnzimmer oder in der Küche sind.
»Ihr zwei verschwindet sofort«, brüllt Max so laut und im selben Augenblick klingelt mein Handy und Karlo prangt auf dem Display. Bevor ich abnehme, hebe ich Jakob hoch. Mit dem Finger schiebe ich den Hörer zur Seite und nehme den Anruf an.
»Wo bist du?«, fragt Karlo, ehe ich mich mit meinem Namen melden kann.
»Zu Hause und hast du schon etwas herausgefunden?«, antworte ich und frage sofort nach den neusten Erkenntnissen. Leise öffne ich die Tür und bringe Jakob in sein Bett.
»Sie sind noch nicht soweit. Ich soll dir schöne Grüße von Cornelia bestellen und dir sagen, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast.«
»Das hoffe ich für dich und sie. Rufst du deshalb an, ich habe derzeit Besseres zu tun?«, raune ich und decke den kleinen Mann zu.
»Das denke ich auch, du solltest langsam den Streit zwischen deinem Freund und seiner Frau unterbrechen«, sagt er und mir rutscht das Herz in die Hose. Wie hat er Ina ruhiggestellt? Zügig gehe ich aus dem Kinderzimmer, schließe die Tür und renne die Treppe herunter, um so schnell wie möglich bei Max zu sein. Während ich die Stufen runterstolpere, wird der Streit unter Ina und Max lauter. Gott sei Dank liegt Jakobs Zimmer auf der anderen Seite des Hauses und ist ein wenig abgeschottet.
»Das ist mein Grund und Boden und ich will niemanden von euch beiden hier sehen. Pack deine Sachen und geh, sonst ruf ich die Polizei«, brüllt Max und mein Herz rast.
»Na, na, na, dein Freund sollte nicht die Bullen rufen«, spricht Karlo zu mir, als würde er neben mir stehen. Bebend stoppe ich, der Schock sitzt viel zu fest, dass ich ruhig sein kann. Völlig außer Atem hole ich tief Luft und versuche, mich zu beruhigen.
»Was ist dein Plan?«, frage ich kaum hörbar, bevor ich ins Wohnzimmer laufe.
»Ich werde nicht verschwinden, das ist ebenso mein Haus, ich habe viel Geld reingesteckt«, schreit Ina ihn an.
»Du hast Dekoscheiß und Möbel gekauft, mehr nicht. Das Gebäude habe ich bezahlt«, sagt Max wütend.
»Mein Kumpel passt ein wenig auf Ina auf. Immerhin lebt sie ein sehr offenes Leben, wenn es um ihre Sexualität geht. Sei nett zu Henry, er soll sie überreden, dass sie in die Scheidung einwilligt und sich keinen Anwalt nimmt«, erklärt mir Karlo und ich schüttele den Kopf. Wie soll das funktionieren?
Mein Blick wandert von Max zu Ina und danach zu diesem Henry. Ich kann das alles nicht glauben ... Henry tippt etwas in sein Handy und nickt mir zu. Die beiden Streithähne bekommen unseren Blickaustausch überhaupt nicht mit und meine Hand krallt sich ans Telefon. Er sieht absolut nicht aus wie einer von ihnen. Sein Mobiltelefon steckt er in sein sportliches, schickes, graues Jackett und schließlich wuschelt er sich in seinen dunklen Haaren rum, als wäre er ein cooler Typ und ihm würde diese Situation nichts ausmachen. Durch seine Hosenträger, die zum Vorschein kommen, als er sich nach links dreht und seine alt wirkende Uhr, könnte man darauf schließen, dass er ein Mitglied ist.
»Henry wirbt ein bisschen um Ina, wir sind wie Brüder und ich habe ihm ebenfalls schon ein paar Gefallen getan. Außerdem wollte er dich mal wiedersehen und fand die Gelegenheit passend. Vielleicht freundet ihr euch sogar an.« Karlo lacht und ich kann seinem Plan nicht folgen. Denkt er, weil Henry mit ihr einige schöne Nächte verbringt, wird Ina mir nichts dir nichts in die Scheidung einwilligen? Er merkt doch selbst, wie furchtbar sie ist. Wie ein Bakterium, das man sich eingefangen hat und nach einem Antibiotikum losbekommt. Soll Henry jetzt das heilende Medikament sein?
Ina schreit wieder herum und plötzlich schaut mein Freund zu mir.
»Dann nimm deine Sachen mit, ich will und brauch sie nicht.« Max greift neben sich die Skulptur und eine Dekoschale, läuft in den Flur und wir drei laufen hinterher. Was hat er vor? Irgendwie ahne ich es. Er öffnet die Haustür und wirft die Sachen aus dem Haus.
»Und jetzt raus, sonst werfe ich noch mehr nach draußen. Morgen können wir einen Termin ausmachen, wann du dein Eigentum abholen kannst«, sagt Maximilian zornig.
»Sag mal, du hast sie doch nicht mehr alle. Weißt du, wie teuer die Skulptur war?«, kreischt die böse Frau herum und weil sie einen Schritt vor geht, sieht es so aus, als wolle sie auf Max losgehen, aber bevor sie einen weiteren macht, nimmt Henry Inas Hand und küsst sie.
»Liebes, wir sollten in die Wohnung fahren. Lass deinen Mann hier glücklich werden.« Henry zwinkert mir zu und schaut Max gehässig an. Sofort erkennt mein Freund, was vor sich geht.
»Luca - Elise, ich wünsche dir eine gute erholsame Nacht. Ich melde mich«, verabschiedet sich Karlo, als ob er mich anrief, damit er alles mit anhören kann. Ohne etwas zu sagen, nehme ich das Telefon vom Ohr und lege auf, denn ich kann nicht mehr sprechen. Ich muss den genauen Plan kennen, den Karlo verfolgt.
»Das ist auch mein Haus«, protestiert Ina.
»Ich rufe jetzt die Polizei, mir reicht es«, sagt Max und zieht sein Handy aus der Hosentasche.
»Nein Schatz, keine Polizei, denk an Jakob«, bitte ich ihn und versuche, mich mit Blicken zu verständigen. Meine Hände zittern, denn ich weiß nicht, was Karlo oder Henry machen, wenn Max die Bullen ruft.
»Wir gehen, ich will keinen Ärger mit ihnen. Komm Liebes, wir haben keine Chance zu bleiben, eine Luftmatratze kann ebenfalls Spaß bereiten«, redet der Feind auf die blonde Hexe ein und kneift ihr schließlich in den Po. Ich glaube, mir wird schlecht.
»Ich melde mich morgen und dann will ich alles, was mir gehört holen«, sagt sie wütend und geht mit Henry an die Garderobe, um sich die Jacken anzuziehen.
»So soll es sein«, murmelt Max zwischen seinen zusammengepressten Zähnen.
Ina knallt die Tür hinter sich zu.
Endlich ist sie fort.
Sofort laufe ich ins Kinderzimmer, um nach Jakob zu schauen und Max folgt mir.
»Er schläft tief und fest, Gott sei Dank«, brummle ich und mein Freund umarmt mich von hinten. Diese Umarmung ist so wohltuend und ich spüre, wie er kräftig durchatmet. Die ganze Anspannung fällt von ihm ab.
»Was war das bitte schön gerade für eine abgefuckte Scheiße?«, raunt Maximilian in mein Ohr.
»Ich weiß es nicht, aber es tut mir so leid.« Ich drehe mich zu ihm um und küsse ihn sanft am Hals. Meine Lippen berühren ihn kaum und trotzdem kann ich ihm dadurch so viel Liebe geben, dass er sich entspannt.
»Lass uns ins Bett gehen«, flüstert er, dreht sich um und zieht mich mit seiner Hand aus dem Kinderzimmer ins Schlafzimmer.
Abrupt bleibe ich stehen, als Max die Tür öffnet und ich ein weiteres Unglück sehe. Vor dem Kleiderschrank wartet die nächste Überraschung auf uns. Ich lasse seine Hand los und laufe darauf zu. Ina hat meine Kleidung in Mülltüten gepackt und sie schauen dreckig oder nass aus. Sofort öffne ich eine der Tüten und rieche daran.
Ruckartig lasse ich den Müllbeutel fallen und halte die Hand vor den Mund, damit ich nicht würge. Es stinkt einfach eklig, undefinierbar und widerlich.
Schließlich greift Max die offene Tüte und knotet sie zu, nimmt beide und läuft die Treppen runter, ohne mit mir zu sprechen.
Ich lasse mich auf das Bett fallen und Tränen steigen in die Augen. Warum macht sie so was Fieses? Sie ist selber schuld, dass Max sie verlässt und sich neu orientiert. Mit den Füßen ziehe ich die Schuhe aus und krieche wie eine Schlange ins Bett und schaue kurz unter die Decke, ob da nicht noch eine Überraschung ist. Mein ganzer Körper zittert und als ob sich eine Schlinge um meinen Hals knoten, bekomme ich immer weniger Luft. Mir wird heiß und trotzdem ist mir absolut kalt. Ich habe das Gefühl, ich liege direkt neben mir und schaue mich an, dabei kommen die Wände stets näher. Tausend Horrorszenarien gehen mir im Kopf herum und mit einem Sprung bin ich aus dem Bett draußen, hole mir Handschuhe aus dem Badezimmer, die ich dort zum Putzen verstaut habe, und ziehe die Bettwäsche komplett ab.
»Schatz«, sagt Max, der zurück im Schlafzimmer ist. Ständig laufen mir Tränen übers Gesicht und ich schniefe, doch als wäre mein Mund zugeklebt, kann ich ihm nicht antworten.
»Schatz«, spricht er mich erneut an und ich ziehe das letzte Kopfkissen ab.
»Luca«, wispert er und ich spüre, wie er näherkommt und schließlich vor mir steht.
»Wer weiß, was sie mit dem Bett gemacht hat. Ich kann darin nicht schlafen. Sie ist das Abscheulichste, was ich kenne und erlebt habe.«
Immer weiter ziehe ich das Spannbettlaken ab und sehe den Schonbezug der Matratze. Die Bettwäsche so wie das Laken knülle ich zusammen und werfe es in den Flur, laufe auf das Bett zu und öffne den Reißverschluss des Polsters.
»Luca, Luca, bitte hör auf, du bist völlig panisch«, sagt Max und versucht, mich zu stoppen, trotz alledem funktioniert es nicht und ich zerre an dem Bezug und sehe nur noch die bloße Matratze mit ihrem Schaumstoff.
»Luca, hey Schatz, hör auf, bitte«, fleht Max und zieht mich schroff zu sich.
Meine Lippe zittert und ich versuche, die Hände stillzuhalten, indem ich mich in seinen Rücken kralle. »Ich kann das nicht, wir sollten bei mir übernachten«, jammere ich.
»Okay, die Couch ist groß genug, dann schlafen wir unten, wir fahren jetzt nicht mehr zu dir. Jakob schläft schon in seinem Bett«, spricht er mit gedämpfter Stimme, streicht mir über den Rücken und so langsam beruhige ich mich.
»Du drehst durch«, erkennt er. Er nimmt meine Hand, um mit der anderen die Schranktür aufzumachen.
»Meinst du, wir können die Sachen anziehen?«, hauche ich.
»Ja, ich denke, sie tat das nur mit deiner Kleidung«, antwortet er und zieht zwei Shirts und eine Boxershorts raus. Das Schwarze und die Shorts nehme ich ihm ab, denn ich weiß, dass diese für mich sind. Danach lasse ich seine Hand los, um aus dem furchtbaren Zimmer zu fliehen, in dem ich immer noch den ekligen Geruch von Chemikalien sowie Tierkot rieche, und schleiche Stufe für Stufe die Treppe herunter.
»Schatz«, ruft Max mir hinterher, ich bleibe stehen und drehe mich zu ihm um.
»Ja«, flüstere ich mit Tränen in den Augen. Sie hören einfach nicht auf zu fließen.
»Ich komme sofort nach, okay?«, informiert er mich, als wolle er mich eigentlich gar nicht alleine lassen.
»Ok«, wispere ich und gehe weiter die Treppe runter. Mit jeder Stufe, die ich mich einen Schritt nach unten schleppe, bekomme ich noch mehr Wut auf diese Frau.
Ich dachte, Karlo wollte sie ruhigstellen und dann lässt sein Kumpel zu, dass sie sowas mit meiner Kleidung macht? Ob mein versprochener Mann, davon überhaupt weiß? Vielleicht hat Henry ihn darüber gar nicht informiert, oder Karlo ist es scheiß egal, wie es mir geht und was Ina anrichtet. Hauptsache es zerstört seine Pläne nicht.
So langsam wie eine Schnecke ziehe ich mir die Klamotten aus, stülpe mir Max‘ Shirt über und zupfe die Boxershorts über den Po, damit ich mich schließlich in die Wolldecke einwickeln kann.
Im ganzen Haus ist es still und ich versuche, die Augen zu schließen, sodass ich einschlafe. Doch die Tränen laufen weiter. Eigentlich bin ich total müde, jedoch kann ich nicht schlafen und zwischen meinem Jammern und Schluchzen höre ich plötzlich Max reden. Mit wem telefoniert er um die Uhrzeit? Selbstgespräche führt er sicherlich nicht.
Ob es diese Alina ist?
Nein, Luca - Elise! Hör auf sowas zu denken ... Max liebt dich.
Am liebsten würde ich aufstehen und lauschen, doch erstens ist das nicht meine Art und zweitens bin ich dafür viel zu schwach. Vielleicht rege ich mich danach noch mehr auf.
Also warte ich darauf, dass Maximilian zu mir kommt, mich in den Arm nimmt und ich einschlafen kann, weil ich weiß, bei ihm bin ich zu Hause. Keine Wohnung oder Gebäude können dieses Gefühl herbeiführen. Nein, lediglich ein einziger Mensch und das ist bei mir Maximilian Schultz.
Und ich weiß, in meinem Innersten, telefoniert er mit irgendwem, damit es mir und ihm wieder gut geht und nicht mit einer anderen Frau, namens Alina.
Langsam fühle ich die Wärme, die mir Kraft gibt und mich zu Hause sein lässt.
»Hey«, flüstere ich und kuschele mich dichter an Maximilian.
»Hey, ich wollte dich nicht wecken«, wispert er, zieht mich in seinen Arm und schlingt ihn um meinen Körper, um mich mit beiden Händen festzuhalten.
»Das hast du nicht, ich war wach.«
»Hm ..., dann schlafen wir jetzt gemeinsam ein«, schlägt er mit seiner wohltuenden Stimme vor und ich nicke bloß, denn eigentlich war ich schon fast eingeschlafen.
Mit den Händen kralle ich mich in seinen Arm, der mich umschließt, und ziehe ein Stück Wolldecke zu mir.
Zum Schluss berühren mich seine Lippen auf der Stirn und mir entweicht ein leichter Seufzer, der mich schließlich ins Nimmerland befördert.
»Pass auf, vorsichtig, ich will nicht, dass es kaputt geht, obwohl sie es verdient hätte«, sagt Maximilian und ein lauter Knall ertönt plötzlich.
»Sorry, falls Ina meckert, schieb mich vor und ja, definitiv hat sie es verdient. Selbst Kiara war geschockt, als ich es ihr heute Morgen erzählte«, entschuldigt sich mein bester Freund. Mit den Augen blinzle ich und reibe die Hände übers Gesicht. Ich drehe mich hin und her, um letzten Endes mein Handy zu greifen, doch finde es nicht.
Ich hatte es gestern gar nicht mit heruntergenommen.
»Hat dieser Karlo sonst noch etwas erzählt?«, fragt Lias und bei dieser Frage bin ich hellwach. Wie meint er das?
»Nein, nur wie sein grober Plan ist und dann schrieb er mir, dass Henry von der Kleidung nichts wusste. Wahrscheinlich hat Ina das vorher getan. Wer weiß ...«, antwortet ihm Maximilian, als sie die Stufen hochlaufen. Langsam setze ich mich auf und stelle mich hin, laufe zur Treppe und bevor ich hochgehe, schaue ich auf den Hof. Dort stehen zwei Betten, vier Nachttische und viele weitere Möbel sowie Tüten und Kartons, in denen Inas Kram drin ist. Vor ein paar Wochen hatte Max schon alle Schränke und Schubladen ausgeräumt und Inas Hab und Gut in die Umzugskartons und Plastiktüten geräumt. Ich schüttele den Kopf, um schließlich hochzugehen, und höre kurz, was die beiden miteinander reden, denn sie haben nicht mitbekommen, dass ich wach bin.
»Als ich fragte, ob wir uns treffen könnten, war er freundlich.
Ich muss den Termin nur mit Luca besprechen«, erzählt Max.
»Ich vermute, du musst ihr erstmal beichten, dass du an ihrem Handy warst.« Wie bitte? Maximilian Schultz ist, ohne zu fragen, an mein Telefon gegangen? Jetzt weiß ich wenigstens, mit wem er gestern telefonierte.
»Ja, stimmt, glaubst du, sie wird sehr sauer sein?«, hakt Max nach und ich spüre sein schlechtes Gewissen. Allerdings bin ich schon verärgert.
»Keine Ahnung, ich vermute es, weil sie ja gerne ihre Privatsphäre hat, und du hast diese dadurch missachtet. War er nicht sauer oder schockiert, dass du ihn angerufen hast? Immerhin ist das ein Abkommen mit Luca und ihm.«
»Ich kann noch nicht glauben, was alles in den letzten paar Tagen passiert ist ...«, erklärt Lias, der damit voll ins Schwarze trifft und ich bleibe an der Wand stehen. Hoffentlich erwischen sie mich nicht.
»Nein, eigentlich nicht. Er sagte, er hat schon geahnt, dass ich mich bald melden würde. Ich will gar nicht wissen, was Ina ihm erzählt hat, bloß hoffe ich, dass sein Plan funktionieren wird, ohne dass nochmal jemand zu Schaden kommt. Winfried hat mir gesagt, was sie alles durchstehen mussten, bevor sie geheiratet haben ...« Max atmet tief durch. »Lias, da habe ich Gänsehaut bekommen und er meinte, Charlotte und Luca mussten viel mehr ertragen.«
Für einen Moment ist es still.
»Ich weiß, es ist gut, dass Luca dich endlich hat. Was kommt nun?«, fragt Lias und mein Herz wird bei ihrem Gespräch ganz schwer. Wenn Max mit Karlo telefoniert hat, gehe ich davon aus, dass er mein Handy hat oder jedenfalls hatte und jetzt fällt es mir wieder ein! Als ich ins Bett kroch, legte ich es vorher auf das Tischchen.
Leise klopfe ich an der Schlafzimmertür und laufe rein, bevor sie mich ertappen.
»Guten Morgen, was macht ihr und vor allem warum bist du da?«, frage ich Max und Lias, als wäre ich gerade erst aufgestanden.
»Guten Morgen Schatz«, begrüßt mich mein Freund, kommt auf mich zu und gibt einen liebevollen Kuss. »Wie geht es dir?«
»Ganz gut, was macht Lias bei uns?«, frage ich nochmal direkter nach.
»Er hilft mir, Inas Eigentum raus zu tragen. Ich habe ihn gestern Abend noch angerufen, als du schon unten aufs Sofa bist«, antwortet er mir. »Hast du gut darauf geschlafen?«, hakt er nach und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
»Ja, ungewohnt, aber besser als im Hotel«, sage ich und schaue zu Lias, der darauf wartet, weitere Möbel runter zu tragen.
»Ich dachte mir, ich werfe all ihre Möbelstücke und Dekorationen raus und wir holen vielleicht deine Sachen her? Du könntest deine Wohnung kündigen und komplett zu Jakob und mir ziehen«, erklärt mir Max selbstsicher mit einem verschmitzten Lächeln und ich bin sprachlos, was für einen Plan er sich über Nacht ausgedacht hat.
»Was?«, frage ich ungläubig. »Ich kann das Apartment nicht kündigen, ich habe Kiara zugesagt, dass ich mindestens zwei Jahre bleibe«, erkläre ich ihm.
»Mit Kiara ist schon alles geklärt. Das würde funktionieren«, mischt sich Lias ein und ich schaue beide verwirrt an. Darüber will ich nicht mit Max reden, wenn Lias dabei ist. Das geht ausschließlich uns etwas an, also wechsle ich das Thema.
»Wo ist Jakob und wie viel Uhr haben wir?«, frage ich.
»Du hast lange geschlafen, mittlerweile ist es elf Uhr und Jakob ist seit halb zehn bei meinen Eltern. Ihm geht es gut und er hat von gestern nichts mitbekommen. Ich habe ihm erklärt, dass Lias und ich Möbel ausräumen und er deshalb zu Oma und Opa muss«, erzählt mir Maximilian, während er auf die Knie geht und den Teppich zusammenrollt.
»Wir müssen nachher nochmal reden, aber mach dich erstmal frisch«, bestimmt er und hebt den Läufer hoch. Hätte ich nicht gelauscht, wäre ich wahrscheinlich nicht die Ruhe selbst, allerdings kann ich nun, ohne mir große Gedanken zu machen, ins Badezimmer gehen und unter die Dusche springen.
Als ich in der Küche die Haferflocken und Rosinen in die Müslischale schütte, kommen Max und Lias zu mir. Während mein bester Freund sich auf einen der Barhocker setzt, holt Max zwei Gläser aus dem Schrank und eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank, um ihnen einzuschenken.
»Also, du willst, dass ich bei dir einziehe, komplett und wirfst Inas Sachen raus?«, hake ich nach und unterbreche ihr Schweigen.
»Ja, möchtest du jetzt darüber reden, obwohl Lias da ist?«, fragt Max und trinkt einen großen Schluck.
»Eigentlich nicht, jedoch hilft er dir und ihn rauszuschicken, gehört sich nicht.« Bevor ich das Müsli beginne zu essen, lächle ich schnell meinen besten Freund an, damit er versteht, dass ich es nicht böse meine.
»Wisst ihr was, ich trag die Kleinigkeiten aus dem Flur raus und mach einfach die Tür zu, okay?«, bietet Lias an und wuschelt seinem Kumpel in den Haaren herum.
»Danke«, sagen Maximilian und ich gleichzeitig.
Auf ex trinkt Lias sein Wasserglas leer und marschiert davon. Bis er die Tür schließt, ruhen Max‘ Augen in meinen. Schließlich muss ich lächeln, weil ich weiß, dass alles, was er heute, gestern und die anderen Tage davor gemacht hat, nur tut, weil er mich liebt und mich nicht verlieren will. Wahrscheinlich klammert er sich an jeden Halm, der ihm irgendwie Hoffnung schenkt, dass ich bei ihm bleibe und nicht abhaue.
»Du willst nicht hierherziehen?«, fragt er sofort, als die Tür zu ist und ich esse mein Frühstück weiter.
»Das habe ich nicht gesagt, ich nahm an, du fragst mich oder ich frage dich und wir reden darüber«, murmle ich mit vollem Mund.
»Ich dachte, du bist früher schnell zu deinen Freunden gezogen, deshalb würde es dir nichts ausmachen, wenn ich es alleine entscheide«, erklärt er mir plausibel.
»Wie kommst du darauf, dass ich rasch mit ihnen zusammenzog?«, hake ich ungläubig nach.
»Für mich hat es sich so angehört«, äußert er sich.
»Hm, eigentlich nicht, aber bei uns ist sowieso alles anders. Das heißt, du willst, dass ich die Wohnung kündige und zu dir ziehe, komplett?«, bohre ich nochmal nach und schiebe mir einen weiteren Löffel in den Mund.
»Ich würde mich freuen, wenn du täglich neben mir aufwachst und einschläfst. Vielleicht ist es überstürzt, allerdings bräuchte ich ab heute neue Möbel und da kann man auch das Notwendige mit dem Schönen verbinden, nicht?« Er grinst mich an. Als ob er aus diesem Grund will, dass ich einziehe ... Wenn Ina 30 000 Euro von seinem Konto abbuchen wollte, hat er mehr als genug Geld, um sich eigene Möbel zu kaufen.
»Okay unter einer Bedingung«, fordere ich sofort, denn dadurch wird meine Bitte, ins moderne Haus ein bisschen Gemütlichkeit zu zaubern, einfacher.
»Und die wäre?«, hakt er nach und bevor ich die Frage stelle, schlinge noch zwei weitere Löffel Müsli runter.
»Ich will ein paar Wände streichen oder tapezieren und alles wohnlicher machen so wie bei mir. Dieses Haus ist viel zu kalt und modern. Das einzige Zimmer was Liebe ausstrahlt, ist Jakobs Kinderzimmer und selbst das, sieht aus wie eins aus dem Katalog. Dieser Bau ist wie ein Musterhaus.« Plötzlich fällt mir meine Küche ein, die so selten benutzt wurde. Ich atme tief durch und Max‘ Grinsen wird immer breiter.
»Wenn es allein das ist. Du kannst dich gerne austoben, viele Möbel verschwinden, weil sie Ina gekauft hat, wenn dir alles nicht gefällt, können wir mehr rauswerfen und neu machen. Lediglich mein Büro möchte ich so lassen, wenn es für dich okay ist?«, sagt er und sieht so glücklich aus, als wäre er ein kleines Kind und ich habe ihm gerade eine Tüte Gummibärchen gegeben.
»Hm ... meine Möbel würde ich alle gerne mitnehmen, weil sie viel Geld gekostet haben und weil das die ersten sind, die ich mir neu gekauft habe«, erkläre ich ihm. »Die Küche könnten wir, wenn Kiara einen Nachmieter schnell bekommen würde, dort lassen und an den neuen Mieter verkaufen, denn für diese Küche ist sie viel zu klein.«
»Okay, das könnten wir mit ihr abklären, was meinst du mit, das sind deine ersten Möbel, die du neu gekauft hast. Du bist doch dauernd umgezogen?«, bohrt er nach und ich kratze die Müslischale aus.
»Na ja ich habe mir sonst immer Secondhand Stücke angeschafft oder eben eine möblierte Wohnung gemietet. Dadurch konnte ich schnell umziehen, wenn es nötig war und die Möbel in den Apartments mit meinen Exfreunden, haben alle ihnen gehört. Außer meinem Sessel und die Bücherregale, die habe ich schon ewig«, erkläre ich und Max neigt seinen Kopf nach rechts. Mit einem Mitleidsblick läuft er um die Kücheninsel herum und schenkt mir einen leidenschaftlichen Kuss, bei dem seine Zunge Einlass in meinen Mund will, den ich ihr gewähre. Seine Hände gleiten über seinen Pullover, den ich trage, und schließlich sind die warmen Hände auf meiner Haut unter dem Pulli.
»Ich liebe dich«, flüstert er, nachdem er aufhört, mich zu küssen.
»Ich liebe dich auch«, wispere ich vor seinen Lippen und gebe ihm noch einen sanften Kuss. »Meine Möbel darf ich alle mitnehmen?«, frage ich nochmal nach und seine Hände gleiten über meine nackte Haut zur Hüfte auf die Hose.
»Ja, wollen wir uns ein Schlafzimmer kaufen und deins als Gästezimmer nehmen oder deins als unseres?« Er beißt sich auf die Unterlippe und ich merke sofort, dass er lieber ein Neues kaufen würde, warum?
»Was hast du für ein Problem mit meinem?«, hake ich nach.
»Keins, nur brauchen wir ein Gästezimmer und ich dachte, ich frage dich, ob wir für uns was Neues oder für die Gäste etwas Frisches kaufen.«
»Wir könnten mein Sofa ins Zimmer stellen oder das, wenn es nicht Ina gehört?« Ich zeige auf die Couch im Wohnzimmer, auf der wir geschlafen haben.
»Die ist Inas«, informiert er mich.
»Dann nehmen wir meine für die Gäste und meinen Kleiderschrank. Mein Bett will ich für uns behalten und wir kaufen einen passenden Schrank« Mir schwirren hunderte Ideen im Kopf herum, wie ich diese vier Wände zu unserem zu Hause machen kann. Ich klatsche in die Hände und knutsche Maximilian regelrecht mit einem wilden Kuss ab.
»Oh Schatz, das wird so toll. Glaub mir, es wird selbst dir gefallen«, quietsche ich und mein Freund lacht glücklich. Seine blauen Augen leuchten, als würde die Sonne im Ozean sich reflektieren und ich muss ihm einfach noch einen Knutscher verpassen.
»Dann geh das Haus von oben bis unten durch und morgen können wir Möbel kaufen und Farbe oder was du willst«, sagt er und ich schaue ihn mit großen Augen an.
»Morgen schon?«
»Schatz, wir werden fast keine Möbel mehr besitzen, wenn du alles neu haben willst«, amüsiert er sich und ich nicke, weil ich ihn verstehe.
»Okay, ich fang an. Hast du klebende Notizzettel? Ich mach an die Dinge einen Zettel, was raus muss oder Ina gehört. Das müsstest du mir sagen«, erkläre ich ihm und räume mein Geschirr in die Spülmaschine, weil ich beginnen möchte.
»Bevor du so euphorisch loslegen willst, muss ich dir etwas beichten ...«, fängt Max an und mir fällt das Gespräch zwischen Lias und ihm ein, was ich belauscht habe.
»Okay«, brummle ich.
»Gestern nachdem du so panisch warst und du runtergelaufen bist, habe ich dein Handy am Nachttisch gesehen und ... und ...«, stottert Max plötzlich, weil er ein schlechtes Gewissen hat.
»Du warst an meinem Telefon?«, hake ich nach und sage es so überrascht und entsetzt, wie ich kann.
»Ja, es tut mir leid, ich wollte dir nicht hinterherspionieren, allerdings dachte ich, ich rufe diesen Karlo an und frage ihn, warum dieser Typ gestern Abend zu lässt, dass Ina deine Klamotten zerstört«, erklärt er mir und er sieht sauer sowie missmutig aus. Sein Gewissen frisst ihn fast auf.
»Du wusstest gar nicht, dass Henry zu Karlo gehört?«, sage ich.
»Nein, ich habe es vermutet, so wie er dich im Auge behalten hat und außerdem hast du telefoniert, als du bei uns ankamst. Das war ziemlich komisch, du weißt, ich bin gut im Kombinieren.« Er zwinkert mir zu.
»Hm ..., was hat Karlo gesagt, als du anriefst? Ich will ihn ebenfalls anrufen oder ihm schreiben, weil ich seinen genauen Plan wissen möchte, wenn er Henry auf Ina ansetzt«, werfe ich ein.
»Er meinte, er hätte geahnt, dass ich mich irgendwann melden würde und dass er von deiner Kleidung nichts weiß. Danach hat er sich erkundigt und schrieb mir, dass Henry ebenfalls unwissend war. Ich vermute, dass Ina es schon eher tat, bevor Henry herkam.« Er räuspert sich und presst schließlich seinen Kiefer zusammen, sodass Grübchen entstehen. »Außerdem habe ich ihm gesagt, dass ich mich mit dir und ihm treffen will. Darauf ist er eingegangen und er könnte nächste Woche Samstag nach München kommen, wenn du überhaupt möchtest ... Allerdings würde ich ihn gerne kennenlernen und seinen Plan erläutert bekommen«, erzählt mir Max und seine Augen leuchten nicht mehr so stark. Sie sind eher trüb, als hätte er vor meiner Reaktion Angst.
»Er war nicht sauer, dass du ihn anriefst?«, hake ich nochmal nach und kann seine Beichte noch nicht ganz verarbeiten.
»Nein«, murmelt er. »Bist du sauer?«, fragt er und schaut mich bedrückt an.
»Dass du an mein Handy gegangen bist, finde ich nicht gut«, tadle ich ihn und er nickt. »Trotzdem kann ich dich irgendwie verstehen und du machst das alles zurzeit nur für mich. Daher kann ich dir nicht böse sein«, antworte ich ehrlich, drehe mich einmal im Kreis und deute auf das Haus.
»Max, du weißt so viel über mich und mein Leben, deshalb weiß ich, alles, was du tust, machst du, weil ich nicht verschwinden soll.«
»Das beruhigt mich. Ich hatte wirklich Angst, dass du mir den Kopf abreißt. Lias sagte ebenfalls, du wirst nicht begeistert sein, wenn du erfährst, dass ich dein Telefon hatte«, erzählt er.
»Ich bin nicht verzückt und etwas sauer bin ich ebenso, aber irgendwie auch nicht. Also wo sind die Notizzettel?«, wechsele ich das Thema, weil ich nach dem ganzen Ärger gestern, mir gute Laune machen muss. Sofort fängt er an zu lachen und schenkt mir nochmal einen Kuss.
»Ich gebe sie dir. Wenn ein Zettel drauf ist, kommt es weg, richtig?«, fragt er sicherheitshalber nach.
»Jawoll, so soll es sein«, antworte ich und er läuft mit mir aus der Küche und Lias sitzt auf der Treppe. Sicherlich wartet er auf uns oder auf Max, damit sie weiter die Möbel ausräumen können.
»Und habt ihr alles geklärt, also wirklich alles?«, hakt mein bester Freund sofort nach und ich nicke.
»Ja, ich weiß alles und nun werden Möbel ausrangiert«, informiere ich ihn, als wäre ich der Boss. Selbst Lias lacht und freut sich, dass es mir soweit gut geht. Ich darf einfach nicht an Ina oder an das ganze Andere denken. Während Max mir in der oberen Etage zeigt, welche Möbel Ina gehören, klebe ich die Zettel an die Stücke dran. Danach tragen sie jene raus, die sie besitzt und alle, die ich aussortiert habe, die mir nicht zusagen für den neuen Einrichtungsstil. Ehrlich, dieses Mobiliar ist vielleicht schön, wenn es im Möbelgeschäft steht, allerdings nicht, wenn man zu Hause ist. So modern und kühl kann das einem gar nicht gefallen. Ob Max sich hier jemals wohlgefühlt hat? Immerhin wohnen seine Eltern nicht so klinisch. Möglicherweise hat es ihm zugesagt, weil es so steril wirkt? Wer weiß, irgendwann muss ich ihn fragen.
Als ich fertig bin, gehe ich mit Max kurz ins Erdgeschoss und wir spielen dasselbe Spiel erneut. Erst zeigt er mir, was Ina gehört, danach klebe ich die Zettel an die Sachen, die mir nicht gefallen. Als ich die Treppe zu ihnen hochlaufe, werfe ich einen Blick auf den Hof, wo all die Möbel stehen. Langsam könnte man den Hof zu einem Möbelgeschäft eröffnen.
»Vorsichtig Luca«, ruft Lias von oben runter und ich schaue zu ihnen. Die beiden haben eine Vitrine in den Händen und wollen sie runtertragen. Mit einem großen Schritt gehe ich auf die Seite, weil ich im Weg stehe.
»So das war’s oben, nun geht’s unten weiter«, verkündigt Max und in jenem Moment fällt mir etwas ein.
»Wenn wir kein Bett und kein Sofa mehr im Haus haben, wo wollen wir heute Nacht schlafen?«, hake ich nach.
»Wir holen entweder dein Bett oder dein Sofa her. Lias hatte die Idee«, antwortet mir mein Freund.
»Ihr habt euch viel vorgenommen«, merke ich an und Lias grinst breit.
»Ja, wir haben Boris, Luna und deinen zukünftigen Schwiegervater angerufen, dass sie zum Helfen kommen sollen«, sagt Lias und ich verdrehe die Augen, als er das mit dem Schwiegervater sagt.
»Luna darf doch gar nicht schwer heben«, belehre ich sie, als wüssten sie es nicht.
»Ach Luca, Luna kommt, um dir Gesellschaft zu leisten«, äußert mein Kumpel.
»Dann kann sie mit mir nach Hause fahren, meine Klamotten
holen und wir können einkaufen. Ich koche heute Lasagne für uns alle. Max, ruf deine Mama an, sie soll kommen, sonst lernt Gustaf allein meine Kochkünste kennen und Sabine wäre sauer. Außerdem kann ich dadurch mein Auto holen«, brabble ich einfach los und mir fallen so viele Sachen ein.
»Lasagne?«, hakt Max nach und grinst.
»Ja, das isst du doch, oder? Das Rezept ist schon von meiner Oma und die hat es meiner Mama gegeben. Na ja, und ich habe es von ihr«, erkläre ich.
»Ein altes Familienrezept? Demzufolge muss die Lasagne ja besonders gut schmecken«, merkt er und ich nicke.
Plötzlich hupt es auf dem Hof und ich schrecke auf, dabei schauen wir alle zu dem Auto. Gustaf, Max‘ Papa schimpft im Auto und wedelt mit seinen Händen wild umher, weil die beiden Männer die Möbel mitten in den Hof gestellt haben. Man erkennt sofort, worüber er sich aufregt. Ich kichere und Max läuft zu ihm, um ihn um das Mobiliar herum zu lotsen.
»Hoffentlich komme ich später da raus«, schimpft Gustaf und reicht Lias und mir seine Hand. Bei seinem Gemeckertem fällt mir etwas ein.
»Wann kommt Ina und holt die Möbel?«
»Ich schreibe ihr, sobald alle draußen stehen. Sie kann diese holen, wann immer es ihr gefällt«, erklärt uns Max.
»Du hast ihr nicht geschrieben?«, fragt Gustaf schockiert.
»Nein Papa, sie hat sich die letzten Tage wie der Teufel benommen, das ist ihre Quittung.«
»Du sollst nicht Böses mit Bösem vergelten«, ermahnt Gustaf seinen Sohn.
