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Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. »Jara! Oh, Gott, ich kann das nicht!« rief Silke Steffen völlig verzweifelt. »Du mußt!« Jara Berthold keuchte unter der Anstrengung der Wehen. »Ohne dich schaffe ich es nicht!« Sie schrie auf, weil die nächste Wehe sie mit einer nicht gekannten Wucht überfiel. Mit bebenden Händen stand Silke daneben und wußte nicht, was sie tun… wie sie ihrer besten Freundin helfen sollte. »Wenn nun etwas schiefgeht?« Silke war den Tränen nahe. »Ich meine… du warst nie beim Arzt. Woher weißt du, daß das Baby richtig liegt… daß es gesund ist…« Jara ließ sich erschöpft in die Kissen zurückfallen. Ihr langes dunkles Haar fiel in nassen Strähnen über ihre schmalen Schultern. »Wenn es schiefgeht, dann sterben wir eben beide… das Baby und ich«, flüsterte sie nahezu tonlos. Silke zuckte zurück, als hätte Jara sie geschlagen. »Bist du verrückt?« stieß sie hervor. »Du darfst nicht sterben! Meine Güte, Jara, du bist erst achtzehn! Wie kannst du vom Tod sprechen?« Teilnahmslos zuckte Jara die Schultern. »Was hat mein Leben denn noch für einen Sinn? Ohne Bastian…« Sie konnte den Satz nicht mehr beenden, weil die nächste Wehe kam. Erneut schrie sie auf und begann schließlich lauthals zu weinen. »Es tut so weh«, schluchzte sie. Spontan nahm Silke sie in die Arme, aber Jara konnte jetzt keine Berührung ertragen. Jeder einzelne Nerv in ihrem Körper schien zu schmerzen. In diesem Moment hätte sie vor dem Tod wirklich keine Angst gehabt. Vielmehr erschien er ihr weit tröstlicher als das Leben, das nun vor ihr lag. Mit Silkes Hilfe war es ihr gelungen, ihre Schwangerschaft irgendwie geheimzuhalten, aber wenn
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2017
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»Jara! Oh, Gott, ich kann das nicht!« rief Silke Steffen völlig verzweifelt.
»Du mußt!« Jara Berthold keuchte unter der Anstrengung der Wehen. »Ohne dich schaffe ich es nicht!«
Sie schrie auf, weil die nächste Wehe sie mit einer nicht gekannten Wucht überfiel. Mit bebenden Händen stand Silke daneben und wußte nicht, was sie tun… wie sie ihrer besten Freundin helfen sollte.
»Wenn nun etwas schiefgeht?« Silke war den Tränen nahe. »Ich meine… du warst nie beim Arzt. Woher weißt du, daß das Baby richtig liegt… daß es gesund ist…«
Jara ließ sich erschöpft in die Kissen zurückfallen. Ihr langes dunkles Haar fiel in nassen Strähnen über ihre schmalen Schultern.
»Wenn es schiefgeht, dann sterben wir eben beide… das Baby und ich«, flüsterte sie nahezu tonlos.
Silke zuckte zurück, als hätte Jara sie geschlagen.
»Bist du verrückt?« stieß sie hervor. »Du darfst nicht sterben! Meine Güte, Jara, du bist erst achtzehn! Wie kannst du vom Tod sprechen?«
Teilnahmslos zuckte Jara die Schultern. »Was hat mein Leben denn noch für einen Sinn? Ohne Bastian…« Sie konnte den Satz nicht mehr beenden, weil die nächste Wehe kam. Erneut schrie sie auf und begann schließlich lauthals zu weinen.
»Es tut so weh«, schluchzte sie.
Spontan nahm Silke sie in die Arme, aber Jara konnte jetzt keine Berührung ertragen. Jeder einzelne Nerv in ihrem Körper
schien zu schmerzen. In diesem Moment hätte sie vor dem Tod wirklich keine Angst gehabt. Vielmehr erschien er ihr weit tröstlicher als das Leben, das nun vor ihr lag.
Mit Silkes Hilfe war es ihr gelungen, ihre Schwangerschaft irgendwie geheimzuhalten, aber wenn das Baby erst da ist… wie sollte es dann weitergehen? Jara kann ja nicht zu ihren Eltern gehen und sagen: »Hier ist euer Enkelkind.«
Wieder wurde sie von einer Wehe überrollt. Die Gedanken an ihre ungewisse Zukunft lösten sich auf in an- und abschwellenden Schmerzen. Jara gab dem schier unerträglichen Preßdrang nach.
»Oh, Gott, es kommt!« hörte sie Silkes Stimme durch den Schleier des Schmerzes, der sie umgab. »Ich sehe den Kopf! Jara, was soll ich denn bloß tun?«
Jara gab keine Antwort. Es war ihr egal, was Silke tun würde. Wichtig war nur, daß die Schmerzen endlich aufhörten! Wieder preßte sie… hatte das Gefühl, als würde das Baby sie zerreißen, und dann hörte sie auf einmal das leise quäkende Stimmchen.
Silke stand da und starrte auf das Wunder, dessen Zeugin sie soeben geworden war. Da lag dieses winzige Wesen naß und blutverschmiert zwischen Jaras Beinen. Silke wußte, daß sie irgend etwas tun sollte, aber sie hatte keine Ahnung, was.
In diesem Moment richtete sich Jara schwerfällig auf. Sie fühlte unangenehm brennende Schmerzen im Intimbereich, schob das aber auf die gerade überstandene Geburt. Vorsichtig nahm sie ihr Baby in den Arm und betrachtete es liebevoll.
»Mein Kind«, flüsterte sie. »Mein kleiner Liebling.«
»Ich glaube, man sollte die Nabelschnur irgendwie durchtrennen«, murmelte Silke – gerührt von dem, was sie hier miterlebte, aber zugleich sorgenvoll, weil es in diesem Fall für Mutter und Kind keine gemeinsame Zukunft geben würde. Dafür würden allein schon Jaras Eltern sorgen.
Jara gab auf Silkes Hinweis keine Antwort. Für sie zählte in diesem Moment nur der kleine Junge, den sie zur Welt gebracht hatte. Vorsichtig bettete sie ihn neben sich und streichelte mit den Fingerspitzen über das verklebte Büschelchen Haare.
Inzwischen hatte Silke die Nabelschnur durchgeschnitten und hoffte inständig, daß sie dabei keinen Fehler gemacht hatte. Als Jara aufstöhnte, blickte Silke erschrocken hoch. Ihre Freundin preßte wieder, und Silke fühlte, wie ihr der Schweiß ausbrach. Sollten es womöglich Zwillinge werden?
Aber dann fuhr sie erschrocken zurück, denn was da zum Vorschein kam, war kein Kind, sondern ein dunkelrotes Etwas.
Die Plazenta, fiel es Silke ein. Daran hatte sie im ersten Schock gar nicht gedacht. Sie zögerte einen Moment, ehe sie die ausgestoßene Plazenta in mehrere Küchentücher wickelte und dann in den Abfall warf.
Inzwischen hatte Jara ihr Baby wieder in den Arm genommen und bemerkte, wie der winzige Mund nach der von der Natur eingerichteten Nahrungsquelle suchte. Mit unwahrscheinlicher Kraft begann der Kleine zu saugen, während Jara Tränen über das Gesicht liefen.
»Wie soll es mit uns nur weitergehen, Silke?« stieß sie schluchzend hervor.
Ihre Freundin setzte sich zu ihr ans Bett. »Sehr viele Möglichkeiten wirst du nicht haben. Deine Eltern vermuten dich als Au-pair-Mädchen in England. Es ist ohnehin beinahe ein Wunder, daß sie diesen ganzen Schwindel nicht durchschaut haben.« Sie atmete tief durch. »Wenn du deinen Eltern also nicht nachträglich noch die Wahrheit sagen willst, dann…« Sie zuckte die Schultern. »Dir wird nichts anderes übrigbleiben, als das Baby wegzugeben.«
Wieder brach Jara in Tränen aus. »Ich kann nicht! Es ist mein Kind! Das einzige, was mir von Bastian geblieben ist!«
Unwillkürlich schnitt Silke eine Grimasse. »An Bastian würde ich an deiner Stelle lieber nicht erinnert werden. Dieser Schuft hat dich einfach im Stich gelassen.«
»Ich liebe ihn aber!« begehrte Jara trotzig auf. Ihr Blick traf wieder das Baby in ihrem Arm. »Und ich liebe mein Kind.«
Silke betrachtete den Kleinen und lächelte. »Er ist ja wirklich ein herziges Kerlchen.« Ihr Blick wanderte zu Jaras Gesicht. »Wenn du deinen Eltern nun doch die Wahrheit sagst?«
Jara senkte den Kopf. »Ich weiß nicht. Ich muß darüber nachdenken.«
*
Die ganze Nacht über fand Jara keinen Schlaf, obwohl sie nach den Anstrengungen der Geburt todmüde war. Der kleine Christian war inzwischen gebadet und trug einen Strampelanzug, den Silke schon vor Wochen besorgt hatte.
Jara hatte die Nachttischlampe eingeschaltet. Je länger sie ihr Baby betrachtete, um so sicherer wurde sie, daß sie den Kleinen nicht würde weggeben können. Andererseits… sie wagte sich gar nicht vorzustellen, wie ihre Eltern reagieren würden, wenn sie mit einem Baby nach Hause zurückkäme.
»Was sollen wir denn bloß tun?« flüsterte sie verzweifelt, obwohl sie ja wußte, daß von ihrem Baby keine Antwort kommen würde.
Am Anfang ihrer Schwangerschaft… als Bastian sie so schmählich im Stich gelassen hatte… da hatte alles noch ganz einfach ausgesehen. Jara hatte gedacht, sie würde ihr Baby heimlich zur Welt bringen und es dann vor irgendeine Haustür legen. Aber dann hatte sie die ersten Bewegungen ihres Kindes gespürt und im Laufe der Monate war es ihr immer unmöglicher erschienen, ihr Kind einer ungewissen Zukunft auszusetzen.
»Aber mit mir zusammen hast du ja gar keine Zukunft.« Wieder war Jara den Tränen nahe. Ihre Eltern würden sie mit absoluter Sicherheit zwingen, Christian zur Adoption freizugeben. Das hatten sie damals bei ihrer Schwester Simone auch so gemacht. Jara war erst zwölf gewesen, aber sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie bitterlich Simone geweint hatte… wie sie ihren Vater angefleht hatte, ihr Baby behalten zu dürfen, aber er war hart geblieben.
Nach der Geburt des Babys und der erzwungenen Freigabe zur Adoption hatte Simone ihre erste Psychose erlitten und war stationär in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Jahrelang hatte sie geglaubt, das Weinen ihres Kindes zu hören, bis sie ihrem freudlosen Dasein schließlich ein Ende gesetzt hatte.
»So wird es mir nicht ergehen«, schwor sich Jara fast grimmig. »Ich werde eine Lösung finden, mit der wir beide leben können.«
»Und wie soll die aussehen?«
Erschrocken fuhr Jara hoch, als so unerwartet die Stimme ihrer Freundin erklang.
»Warum schläfst du denn nicht?« wollte sie wissen.
Silke zuckte die Schultern. »Das könnte ich dich eigentlich auch fragen.« Sie setzte sich auf die Bettkante, betrachtete das Baby und streichelte sanft über das runde Pausbäckchen des Kleinen. »Je länger du die Entscheidung hinauszögerst, umso schwieriger wird sie.«
Jara seufzte. »Das weiß ich auch, aber was soll ich denn nur tun? Ich kann ihn nicht einfach vor eine Haustür legen.«
»Ursprünglich wolltest du das aber«, hielt Silke dagegen.
»Das war ganz am Anfang meiner Schwangerschaft. Damals konnte ich mir ja überhaupt noch nicht vorstellen, daß ich dieses Baby einmal lieben könnte. Es war so ein fürchterlicher Schock. Schwanger… von Bastian verlassen… ich dachte, es wäre ganz einfach, aber jetzt… schau ihn dir an. Wie süß er ist.« Sie schluchzte auf. »Ich will ihn nicht hergeben!«
Nun war es Silke, die seufzte. »Dann mußt du eben darauf vertrauen, daß deine Eltern aus dem Fehler mit Simone gelernt haben. Ich glaube nicht, daß sie auch dich dazu zwingen würden, das Kind wegzugeben. Immerhin sehen sie ja, wohin ihre gnadenlose Strenge das letzte Mal geführt hat. Simone hat Selbstmord begangen, und deine Eltern können nicht wollen, daß dir dasselbe widerfährt.«
»Simone war immer labiler als ich«, warf Jara ein. »Ich war von Anfang an die kräftigere… die stärkere von uns beiden. Das, was ich hier zusammen mit dir durchgestanden habe, hätte Simone niemals geschafft. Allerdings bringt mich das im Moment auch nicht weiter. Wenn Bastian hier wäre…«
»Auf den kannst du nicht zählen, und das weißt du auch«, fiel Silke ihr scharf ins Wort. »Er hat dir klipp und klar gesagt…«
»Ich erinnere mich noch sehr gut daran«, entgegnete Jara bitter.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann meinte Silke: »Wenn du den Kleinen in die Kirche legen würdest… Pfarrer Wenninger würde bestimmt dafür sorgen, daß er in gute Hände kommt.«
Jara nickte ein wenig halbherzig. Allein der Gedanke, Christian in die kalte Kirche zu legen… ihn einem so ungewissen Schicksal zu überlassen. Sicher, Pfarrer Wenninger war ein äußerst liebenswerter Mensch. Er würde alles versuchen, um Christian ein Leben im Heim zu ersparen, aber… wenn es ihm nun nicht gelingen würde? Jara fröstelte, als sie sich ihren kleinen Jungen in einem Waisenhaus vorstellte… einsam, allein, ohne die wärmende Liebe seiner Mutter…
»Nein!« wehrte sie energisch ab. »Nicht in die Kirche! Pfarrer Wenninger ist über siebzig. Er hat bestimmt nicht mehr die Energie, nach guten Eltern für Christian zu suchen. Es muß eine andere Lösung geben.« Plötzlich hatte sie die Idee! »Dr. Daniel. Er und seine Frau haben selbst erst vor kurzem ein Baby bekommen. Dort wird Christian es gut haben.« Sie lächelte wehmütig. »Er wird liebevolle Eltern haben und Geschwister… ihm wird es an nichts fehlen und ich…« Tränen rollten über ihr Gesicht. »Ich kann ihn sogar ab und zu sehen, wenn ich in die Sprechstunde gehe oder… einfach so… bei einem Spaziergang…« Schluchzend schloß sie ihr Baby in die Arme. »Oh, Gott, ich will dich nicht hergeben!«
*
Dr. Robert Daniel und seine Frau Manon genossen den ungewöhnlich lauen Herbstabend auf dem Balkon. Gerade hatten sie ihr sechsjähriges Adoptivtöchterchen Tessa zu Bett gebracht und warteten jetzt darauf, daß der kleine Gerrit seine Rechte anmelden würde. Er war erst vier Monate alt und ein äußerst lebhaftes Kerlchen, an dem seine Eltern Tag für Tag ihre Freude hatten.
»Aha, pünktlich wie die Maurer«, stellte Manon lächelnd fest, als sie das klägliche Weinen ihres Babys hörte. Schmunzelnd stand sie auf. »Irgendwie ist wohl etwas an der Familienähnlichkeit. Nach Stefans Hunger kann man auch die Uhr stellen.«
Dr. Daniel mußte lachen. Allerdings hatte seine Frau nicht ganz unrecht mit ihrer Feststellung. Sein Sohn Stefan, der seit Gerrits Geburt Manons allgemeinmedizinischen Teil der Gemeinschaftspraxis übernommen hatte, war wirklich immer äußerst pünktlich, wenn es ans Essen ging.
Dr. Daniel hörte, wie Gerrits Weinen verstummte. Offensichtlich hatte Manon ihn aus seinem Bettchen geholt. Um so erstaunter war der Arzt, als das klägliche Geschrei gleich wieder einsetzte.
Besorgt ging er hinein und die Treppe hinauf, wo sich die Schlafzimmer der Familie befanden. Hier war seltsamerweise alles ruhig. Dr. Daniel öffnete die Kinderzimmertür und warf einen Blick hinein.
»Hat Gerrit noch mal geweint?« wollte er wissen, obwohl das recht unwahrscheinlich war, weil der Kleine gestillt wurde.
Manon schmunzelte. »Dein Sohn weint grundsätzlich nicht, wenn er seine Lieblingsnahrungsquelle gefunden hat.«
»Komisch«, murmelte Dr. Daniel. »Mir war, als hätte ich ihn eben gehört.« Er setzte sich zu seiner Frau und betrachtete zärtlich dieses Bild, das von tiefer Mutterliebe zeugte. Dabei mußte er daran denken, wie viele Sorgen sie sich während der Schwangerschaft um Gerrit gemacht hatte. Einige Untersuchungen hatten zweifelhafte Befunde ergeben, so daß man schon mit einer Behinderung hatte rechnen müssen. Um so glücklicher waren sie alle gewesen, als der kleine Bub gesund zur Welt gekommen war – gerade zu einem Zeitpunkt, wo die Familie Daniel an einem Tiefpunkt gestanden hatte.
Damals war wirklich alle vorstellbare Tragik zusammengetroffen – der Brand in der Waldsee-Klinik, der schreckliche Tod von Darinka Stöber, die mit Stefan verlobt gewesen war, und von dem Chefarzt der Waldsee-Klinik, Dr. Gerrit Scheibler, während er Stefan aus den Flammen gerettet hatte. Im Gedenken an ihn hatten sich Dr. Daniel und Manon entschlossen, ihren kleinen Sohn auf den Namen Gerrit zu taufen. Für die ganze Familie war die Geburt des Babys so etwas wie frischer Aufwind gewesen – auch wenn sie noch immer unter dem schrecklichen Drama litten… allen voran Stefan, der seine Verlobte und seinen besten Freund verloren hatte und der sich nun in rührender Weise um Dr. Scheiblers junge Witwe Stefanie und ihre vier Kinder kümmerte.
Der kleine Gerrit schien nun satt zu sein. Selig lächelte er zu seiner Mutter hinauf. In diesem Moment hörten sie und Dr. Daniel wieder das klägliche Weinen eines Babys.
»Vielleicht hat Stefan die kleine Angela dabei«, vermutete Manon. Es war in letzter Zeit einige Male vorgekommen, daß der junge Arzt Dr. Scheiblers Kinder mitgebracht hatte, um Stefanie ein wenig Ruhe und Entspannung zu verschaffen.
»Möglich«, murmelte Dr. Daniel. »Ich werde mal nachsehen.«
Er ging über den Flur zu Stefans Zimmer und klopfte, bevor er einen Blick hineinwarf, aber sein Sohn war nicht hier. Es hätte Dr. Daniel allerdings auch gewundert, wenn sich Stefan ohne ein Begrüßungswort in sein Zimmer zurückgezogen hätte.
Dr. Daniel betrat wieder den Balkon. Hier war das Weinen des Babys besonders deutlich zu hören. Kurz entschlossen lief der Arzt die Treppe hinunter und öffnete die schwere, eichene Eingangstür, dann prallte er erschrocken zurück.
