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Als Joe Biden als Präsident der USA antrat, hofften viele, dass er die zerrissene Nation einen, ihre Wunden heilen könnte. Heute sind die gesellschaftlichen Gräben tiefer denn je. Rechte Gruppen haben sich weiter radikalisiert, Donald Trump bereitet seine Rückkehr ins Weiße Haus vor, und das Misstrauen gegenüber Politik und Staat ist so groß wie nie. Claudia Buckenmaier, bis 2022 Korrespondentin und Leiterin des ARD-Studios in Washington, ist eine ausgewiesene Kennerin Amerikas. Reportagereisen haben sie quer durch das Land geführt, zu Menschen, deren Geschichten zeigen, wo die USA heute stehen. Darunter ein hispanischer Sheriff einer texanischen Grenzstadt, der das Versagen der amerikanischen Einwanderungspolitik täglich miterlebt; ein Pastor aus Ohio, der mitansehen muss, wie seine Gemeinde immer extremeren Verschwörungstheorien verfällt; ein demokratischer Abgeordneter, der im Sitzungssaal war, als das Kapitol von einem wütenden Mob gestürmt wurde. In ihrem Buch fühlt Buckenmaier der mächtigsten Nation der Welt den Puls: Gibt es Hoffnung auf Versöhnung, oder ist Amerika dabei, sich selbst zu verlieren? Und was bedeutet das für uns? Das ebenso persönliche wie scharfsichtige Porträt eines gefährlich destabilisierten Landes.
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Seitenzahl: 485
Veröffentlichungsjahr: 2022
Claudia Buckenmaier
Bericht aus einem verwundeten Land
Als Joe Biden als Präsident der USA antrat, hofften viele, dass er die zerrissene Nation einen, ihre Wunden heilen könnte. Heute sind die gesellschaftlichen Gräben tiefer denn je. Rechte Gruppen haben sich weiter radikalisiert, Donald Trump bereitet seine Rückkehr ins Weiße Haus vor, und das Misstrauen gegenüber Politik und Staat ist so groß wie nie.
Claudia Buckenmaier, bis 2022 Korrespondentin und Leiterin des ARD-Studios in Washington, ist eine ausgewiesene Kennerin Amerikas. Reportagereisen haben sie quer durch das Land geführt, zu Menschen, deren Geschichten zeigen, wo die USA heute stehen. Darunter ein hispanischer Sheriff einer texanischen Grenzstadt, der das Versagen der amerikanischen Einwanderungspolitik täglich miterlebt; ein Pastor aus Ohio, der mitansehen muss, wie seine Gemeinde immer extremeren Verschwörungstheorien verfällt; ein demokratischer Abgeordneter, der im Sitzungssaal war, als das Kapitol von einem wütenden Mob gestürmt wurde. In ihrem Buch fühlt Buckenmaier der mächtigsten Nation der Welt den Puls: Gibt es Hoffnung auf Versöhnung, oder ist Amerika dabei, sich selbst zu verlieren? Und was bedeutet das für uns? Das ebenso persönliche wie scharfsichtige Porträt eines gefährlich destabilisierten Landes.
Claudia Buckenmaier, zuvor im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin tätig, begann ihre Auslandslaufbahn als Vertretung der ARD-Korrespondentin in London, war dann von 2007 bis 2012 Leiterin des Studios Stockholm und berichtete für die ARD aus Skandinavien und dem Baltikum. 2012 übernahm sie die Leitung der Auslandsredaktion des NDR in Hamburg, 2017 wurde sie ARD-Korrespondentin in Washington. Bis Juni 2022 leitete Buckenmaier das Studio in Washington. Seither arbeitet sie wieder als Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Oktober 2022
Covergestaltung Anzinger und Rasp, München
Coverabbildung Dirk Anschütz
ISBN 978-3-644-01327-8
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Für meine Eltern ...
Vorwort: «Das sind wir nicht!»
Ein verwundetes Land – zwei Momentaufnahmen
Wie die Pandemie eine Familie spaltet
Im Land der Waffen
Eine gefährdete Demokratie – Parteien und Wahlrecht in der Krise
Linke Demokraten im Trumpland
Kampf um die eigene Stimme
Angriff auf die Wahrheit – Medien, Verschwörungstheorien, Hetze
Politik der Fake News
Ein gefährlicher Irrglaube weitet sich aus
Die «Ursünde» der Vereinigten Staaten – Rassismus
Schwarzes Leben in Amerika
Ungleiche Chancen
Tage des nationalen Traumas – 11. September und 6. Januar
9/11 – zwanzig Jahre danach
Der Sturm auf das Kapitol
Das Land der vielen – Immigration, Minderheiten, indigenes Leben
An der Grenze
Die umkämpfte Minderheit
Verdrängte Geschichte
Die Rückkehr der Bisons
Verspieltes Vertrauen – Sackgassen und Herausforderungen der Politik
Untergang einer Industrieregion
Wut und Enttäuschung von links
Sehnsucht nach der Mitte
Schluss: Ein zerrissenes Land
Zum Weiterlesen
Politik generell/USA
Joe Biden
Black Lives Matter
Wahlrecht/Schwarzes Leben in den USA
Native Americans
Arbeitswelt
Soziale Ungerechtigkeit
QAnon
Milizen
6. Januar 2021
Dank
Für meine Eltern und meinen Mann
Wie lässt sich der Hass beschreiben, der mir, der unserem Team am 6. Januar 2021 entgegenschlägt, wenn das, was aufgebrachte Trump-Anhänger uns ins Gesicht schreien, nichts für einen geschriebenen Text ist? Das F-Wort, immer wieder, bis die Stimme sich überschlägt. Der Mensch, der seiner Verbitterung Luft macht, bis fast keine Luft mehr da ist. Eine Schimpftirade folgt auf die nächste. Dieser Mensch ist eine Frau mittleren Alters, durchschnittlich und bequem gekleidet, unauffällig, keine rote Kappe, auf der in Großbuchstaben «MAGA» steht, «Make America Great Again».
Seit mehr als vier Jahren sind die roten Baseballkappen das Erkennungszeichen von Amerikanerinnen und Amerikanern, die sich ganz ihrem Helden Donald Trump verschrieben haben. Doch diese Frau, die an der Absperrung zum Medienbereich steht, einem kleinen Areal, auf dem sich viele Kamerateams, Reporterinnen und Reporter drängen, trägt weder die unverkennbare Kopfbedeckung noch ein T-Shirt mit dem Konterfei des Präsidenten. Sie könnte Lehrerin sein. Eine junge Großmutter. Eine Krankenschwester. Sie wirkt nett, bis sie den Mund aufmacht. Jeder Versuch, mit ihr ins Gespräch zu kommen, scheitert, wird mit Schreien beantwortet. Von Mal zu Mal lauter. Wir, die Medien, seien an allem schuld. Sie muss gar nicht konkreter werden. Aus ihrer Sicht trage ich, tragen wir, die an diesem Tag vom Kapitol berichten, die Verantwortung für all das, was nicht so ist, wie sie es sich wünscht, und vor allem dafür, dass Donald Trump nun bald nicht mehr Präsident sein wird.
Ich habe schon häufiger einer Menschenmenge gegenübergestanden, die, angestachelt von Präsident Trump, voller Ressentiments gegenüber Journalisten ist, aber an diesem 6. Januar fühlt es sich anders an, zugespitzter, aufgeheizter. Das, was wir immer befürchtet haben, dass die lautstarken Beschimpfungen eines Tages in nicht mehr kontrollierbare Gewalt umschlagen könnten, liegt in der Luft. Kurze Zeit später bricht sich diese Wut Bahn. «This is our house. We are the people», «Das ist unser Haus. Wir sind das Volk», skandieren Hunderte und drängen die wenigen Polizisten zurück. Einige Angreifer schwenken US-Flaggen, auch jene mit den schwarz-weiß-blauen Streifen, zu Ehren der Polizisten, auf die sie mit ebendiesen Fahnen im nächsten Moment einschlagen werden.
Zuvor hat Donald Trump vor Tausenden geredet. Sie sind aus dem ganzen Land nach Washington, D.C., gekommen und wollen verhindern, dass Joe Biden zum neuen amerikanischen Präsidenten erklärt wird, überzeugt davon, dass nur Trump ihr rechtmäßiger Präsident sein könne. Den Zweifel hat Trump schon lange vor der Wahl gesät. Jetzt hetzt er seine Anhänger auf: «Ihr werdet einen illegitimen Präsidenten bekommen. Das können wir nicht zulassen. Das ist die korrupteste Wahl in der Geschichte, vielleicht der ganzen Welt. Wir werden kämpfen. Wie der Teufel. Und wenn wir das nicht tun, dann verlieren wir unser Land.»
Während ich darauf warte, zu den Abendnachrichten nach Deutschland geschaltet zu werden, fällt ganz in unserer Nähe die Absperrung, ein einfaches Gitter, geschützt nur von ein paar Polizisten der Capitol Police. Im ersten Moment wirkt es so, als ob die, die sich Zugang verschaffen, gar nicht glauben können, wie leicht das geht. Die Polizisten versuchen, den Zugang zu den Treppen und Eingängen des Kapitols zu blockieren, aber lange halten sie dem Ansturm nicht stand. Unser Kameramann filmt oben am Hauptportal, bis das Glas splittert. Wir fragen uns, ob es noch verantwortbar ist zu bleiben oder ob es zu riskant wird. Bis zu dem Punkt, als meine Kollegin einen Mann mit einem Megafon auf unseren abgesperrten Bereich zulaufen sieht, gefolgt von einer Handvoll Menschen, die zu allem bereit scheinen. Er schreit: «There they are, the fucking lying media», «Dort ist sie, die scheiß Lügenpresse.»
Für uns ist klar, wir können hier nicht länger bleiben. Wir suchen uns eine andere Stelle, mit ausreichend Abstand, und müssen aus der Ferne mitansehen, wie die Gruppe die dort noch ausharrenden Journalisten regelrecht niederrennt. Die Kollegen fliehen; die Ausrüstung vieler Sender bleibt zurück. Später gehen Bilder um die Welt, wie die Meute in Jubelgeschrei ausbricht und mit Mikrofonen posiert. Sie haben vieles kurz und klein geschlagen. Als wir an unserem neuen Standort sehen, wie sie in unsere Richtung kommen, müssen wir ein Livegespräch abbrechen.
Zu diesem Zeitpunkt – es ist später Nachmittag, früher Abend, die ersten Lichter gehen an – sind die meisten längst weg. Anfangs waren Familien mit Kindern vor Ort. Demotourismus, ein bisschen Volksfest mit vielen Fanartikeln des abgewählten Präsidenten. Sie alle fühlten sich im Recht. Ich erinnere mich noch, wie ein Mann zu uns kam und schrie: «Sie haben soeben eine Frau erschossen. Sie hat friedlich protestiert. Aber darüber berichtet ihr ja nicht.» Später stellt sich heraus, dass der Mann von Ashli Babbitt sprach. Ein Polizist schoss auf sie, als sie versuchte, durch ein geborstenes Fenster in die Lobby des Sitzungssaals im Repräsentantenhaus zu dringen. Der Polizist sah keinen anderen Ausweg, um die im Raum hinter ihm kauernden Abgeordneten zu schützen. Doch bestätigt wird das alles erst viel später.
Inzwischen ist die Nationalgarde im Einsatz. Die Soldaten bestimmen das Bild, das Chaos des Nachmittags ist gespenstischer Ruhe gewichen. Wir sehen, wie Verhaftete abgeführt werden, und hören, dass die Abgeordneten noch in der Nacht wieder zusammenkommen wollen, um das zu tun, wovon sie der Sturm auf das Kapitol abhalten sollte: Biden zum Präsidenten zu erklären.
Erst langsam wird uns allen bewusst, was sich in den letzten Stunden abgespielt hat. Erschüttert machen wir uns auf den Weg ins Studio. Ein historischer Tag, ein Tag, der die USA verändern wird. Zumindest denke ich das am 6. Januar 2021. Zum Guten oder zum Schlechten? Diese Frage ist noch immer nicht abschließend beantwortet, noch immer offen, aber ein Weckruf war der Tag, an dem das Kapitol gestürmt wurde, nicht, auch wenn das anfangs viele gehofft hatten.
Joe Bidens Ton war erschrocken und zugleich fast flehend, als er an diesem 6. Januar an die Bevölkerung appellierte, die Gewaltexzesse zu verurteilen: «This is not who we are!», «Das sind wir nicht!» Doch dieser Appell verhallt ungehört. Heute, gut anderthalb Jahre später, gibt es viele, die behaupten, das sei doch alles gar nicht so schlimm gewesen. Alles nur demonstrierende Menschen, die ihre Meinung frei sagen wollten. Es ist die Verharmlosung eines Angriffs auf die Demokratie, eines versuchten Umsturzes, unabhängig davon, ob er im Vorfeld detailliert geplant war oder nicht. Diese Menschen wollten die friedliche Amtsübergabe mit Gewalt verhindern. Sie unterbrachen die zeremonielle Zählung der Stimmen, wie sie seit Mitte des 20. Jahrhunderts alle vier Jahre am 6. Januar praktiziert wird.
Ein nationales Trauma. Doch nur einen Wimpernschlag lang scheinen sich darin alle einig zu sein. Heute sehen das nur noch die Demokraten und wenige Republikaner so. Ende Mai 2022, am Memorial Day, dem Tag, an dem das Land der gefallenen amerikanischen Soldaten gedenkt, sagt Biden, die Demokratie zu bewahren sei die «Mission unserer Zeit», und er meint damit, eine der drängendsten Herausforderungen. Doch es ist ihm nicht gelungen, die Bevölkerung mitzunehmen, trotz dieser Mahnung, die er regelmäßig wiederholt.
In der Rede zu seiner Amtseinführung am 20. Januar 2021 verspricht Biden, das Land wieder zu einen. Mit ganzer Seele wolle er sich diesem Ziel widmen, und er bittet alle Amerikanerinnen und Amerikaner, ihn zu unterstützen, denn nur so könne man die gemeinsamen Feinde bekämpfen: «Wut, Verbitterung, Hass. Extremismus, Gesetzlosigkeit, Gewalt. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Geeint können wir Großes und Wichtiges bewirken. Wir können Unrecht korrigieren, wir können Menschen gute Jobs verschaffen. Wir können unsere Kinder in sicheren Schulen unterrichten. Wir können das tödliche Virus besiegen. Wir können Arbeit belohnen, die Mittelschicht wiederaufbauen und Gesundheitsversorgung für alle sichern. Wir können den Rassismus besiegen und Gerechtigkeit schaffen, und wir können Amerika wieder zu der führenden Kraft für das Gute in der Welt machen.» Ein sehr amerikanisches Versprechen, allumfassend, mit viel Pathos, aber es umfasst all die Themen, mit denen Biden sich letztendlich gegen Trump durchsetzen konnte. Er weckt damit große Erwartungen und Hoffnungen, die schon bald zur Last seiner Präsidentschaft werden.
Der Endsiebziger wirbt für einen Neustart. Biden will ein Präsident für alle sein, auch für die, die ihn nicht gewählt haben. Er werde für sie genauso hart kämpfen wie für seine Unterstützer. Aber das wird nicht gehört. Seine politischen Gegner beschreiben ihn als senilen, unfähigen, überforderten Mann, und in großen Teilen der Bevölkerung setzt sich dieses Bild nach und nach fest.
Der neue Präsident kündigt schnelle Lösungen an, für all die großen Probleme – die Coronapandemie, den Rassismus, die Waffengewalt, die Angst vor sozialem Abstieg, die illegale Einwanderung und vieles mehr. Doch er macht Fehler und prallt zugleich an den Beharrungskräften eines Parlaments ab, von dem er sich vergeblich parteiübergreifende Kompromisse erhofft hat.
Lange Zeit glaubte fast jede Amerikanerin, jeder Amerikaner zu wissen, wer oder was die USA sind: die großartigste Nation, die moralisch Guten im Spiel der Weltmächte, die Gesellschaft, die jedem unbegrenzte Möglichkeiten bietet, ein Land, das die Welt geprägt hat wie kein anderes, das vorgibt, alles, aber auch wirklich alles im Zeichen der Freiheit zu sehen. Stolz auf das Versprechen der Unabhängigkeitserklärung von 1776, in der es heißt: «Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen worden sind; dass sie vom Schöpfer gewisse unveräußerliche Rechte bekommen haben, darunter ihr Leben, ihre Freiheit und das Streben nach Glück.» Doch mehr als die Hälfte aller Amerikaner hat das jahrhundertealte Vertrauen in ihre Demokratie verloren. Viele nehmen die Politikerinnen und Politiker in Washington nur noch als «die da oben» wahr, die nicht verstehen, wie es den Menschen im Land wirklich geht. Weder den Weißen noch den Schwarzen, den Latinos oder den Indigenen.
Joe Biden ist schnell tief gefallen, in den Umfragewerten, im Ansehen auch derer, die ihn gewählt haben. Sein Vorgänger ist nie leise geworden, im Gegenteil. Er befeuert die Lüge, bei der letzten Wahl betrogen worden zu sein, permanent weiter, und inzwischen glauben ihm viel zu viele. Trump hat sich nie aus der aktuellen Politik zurückgezogen. Er tritt weiterhin regelmäßig auf, präsentiert sich aber vorerst nur als Königsmacher. Er unterstützt gezielt Kandidaten, die ihm Treue geloben. Nach wie vor sammelt er erfolgreich Spenden, auch wenn diese zuletzt leicht rückläufig waren. Noch setzen die meisten, die für die Republikaner antreten, auf das Zugpferd Trump, sprich, sie leisten sich keine Widerworte. Trumps Umfragewerte sind nach wie vor deutlich besser als die anderer republikanischer Hoffnungsträger, und er hält so seine Partei fest im Griff. Es wird darüber spekuliert, ob der einmal Geschlagene 2024 wieder antreten wird. Eine Spekulation, die Trump selbst befeuert, ohne sich bisher festgelegt zu haben, was aber jederzeit geschehen kann. Doch eines ist sicher: Jeder, der mit dem Gedanken spielt, selbst in den Ring möglicher Präsidentschaftskandidaten zu steigen, muss versuchen, den Trump-Anhängern zu gefallen. Mit dem Ergebnis, dass inzwischen manch einer den ehemaligen Präsidenten rechts überholt. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die Rückkehr des isolationistischen Trump-Populismus besiegelt wird oder ob Biden und mit ihm die Demokraten doch noch eine Chance haben, die Wählergunst zurückzugewinnen, vielleicht nicht bei den anstehenden Midterms, den Kongresswahlen im November, aber bei der nächsten Präsidentschaftswahl.
Auf meinen Reisen durch die USA habe ich viele beeindruckende Menschen kennengelernt, die sich mit den Widrigkeiten des amerikanischen Systems herumschlagen, manchmal fast untergehen und doch nie aufgeben. Menschen, die sich von der herkömmlichen Politik im Stich gelassen fühlen und nach etwas Neuem, Unkonventionellem suchen. Die einen glauben, das in jemandem wie Trump gefunden zu haben; die anderen hoffen eher auf einen Gegenentwurf wie Bernie Sanders. Da ist zum Beispiel die schwarze Aktivistin, die in die Mühlen der Justiz geraten ist, obwohl sie doch eigentlich nur ihr Wahlrecht wahrnehmen wollte. Oder der Sheriff, der Mitglied der Demokratischen Partei ist, sich in seinem Amt zwischen dem Kampf gegen illegale Immigration und dem Schutz seines Bezirks aufreibt und sich von seiner Partei alleingelassen fühlt. Ich habe einen Farmer getroffen, der sich nach mehr «Mitte» sehnt, dem Republikaner und Demokraten viel zu weit an die Ränder gerückt sind, nicht mehr in der Lage, einen Kompromiss zu finden. Was für Menschen wie ihn bleibt, ist der Rückzug in die eigene kleine Welt, beschränkt auf das, was man selbst noch überschauen kann. Oder eine junge Indigene, die hofft, dass amerikanische Politiker endlich zu den grausamen Verbrechen stehen, die die Vereinigten Staaten an den Indigenen begangen haben. Immer wieder begegnete ich Menschen, die eine Art Urvertrauen in ihr Land verloren haben. Die, die dieses Vertrauen nicht verloren haben, lehnen häufig all das ab, was von der neuen Regierung unter Präsident Biden kommt. Es waren Reisen durch ein zerrissenes Land. Kaum ein Ort, an dem ich nicht mit der Spaltung der Bevölkerung konfrontiert wurde.
Immer geht es um Freiheit. Die Freiheit, so leben zu dürfen, wie man selbst will, aber auch darum, anderen die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, nehmen zu wollen. Es geht um einen sich immer weiter verschärfenden Kulturkampf, um die Frage, was Amerika ausmacht, was «richtig» und was «falsch» ist. Der Kampf um die Deutungshoheit ist nicht nur am 6. Januar in Gewalt umgeschlagen. Mitte Mai 2022 tötet in Buffalo ein Mann gezielt schwarze Menschen in einem Supermarkt. Bei dem rassistischen Anschlag kommen zehn Frauen und Männer ums Leben. Durch einen Achtzehnjährigen, der sich als «White Supremacist» bezeichnete und an die Verschwörungstheorie des «Great Replacement», des «Großen Austauschs», glaubte und davon ausging, dass alle von Europäern abstammenden Menschen mit weißer Hautfarbe im Land nach und nach durch «Nichtweiße» ersetzt würden. In Buffalo nennt Präsident Biden den Glauben an eine «Überlegenheit der Weißen» ein «Gift», das das ganze Land durchziehe. «Die Gefahr durch das Gift konnte gären und direkt vor unseren Augen größer werden.» Wer schweige, mache sich mitschuldig. Für Biden gibt es keinen Zweifel: Die Tat in Buffalo ist aus seiner Sicht ein Fall von Terrorismus, und er verurteilt all jene, die die rassistische Ideologie einer «White Supremacy» aus politischem Kalkül verbreiten.
Die Kombination aus dem Glauben an eine solche Verschwörungstheorie und dem leichten Zugang zu jeder Art von Waffen kann tödliche Auswirkungen haben. Wie in Buffalo. Aber die Angst in der weißen Bevölkerung vor dem Verlust ihrer Deutungshoheit führt auch – ohne tödliche Gewalt – zu Entwicklungen, die Menschen mit anderer Hautfarbe, anderer Religion, anderer sexueller Orientierung stigmatisieren und unterdrücken. Wie zum Beispiel überall dort in den Vereinigten Staaten, wo zurzeit Bücher mit unliebsamen Inhalten aus Büchereien und Lehrplänen entfernt werden – Entscheidungen, die damit gerechtfertigt werden, dass man sonst selbst in seiner Freiheit eingeschränkt und unterdrückt werde.
In den gut eineinhalb Jahren seit dem Sturm auf das Kapitol ist nichts einfacher geworden. Fronten haben sich weiter verhärtet, in der Politik wie in der Bevölkerung. Wo bleibt der viel beschworene Silberstreif am Horizont? Eine amerikanische Freundin sagte mir, dass sie große Angst um ihr Land habe, um die Demokratie. Sie ist Ende siebzig und hat viele Jahre auf dem «Hill» gearbeitet, wie das Kapitol in Washington heißt, zwar auf der demokratischen Seite, aber sie war immer auch in Kontakt mit vielen Republikanern. So habe sie die Politik noch nie erlebt.
Am 7. Januar 2021, dem Tag nach dem Sturm auf das Kapitol, berichten wir wieder vor Ort. Es ist unwirklich. Alles leer gefegt, bis auf Journalisten und die vielen Sicherheitskräfte, die am Tag zuvor gefehlt haben. Auf der Wiese vor dem Kapitol finde ich Überbleibsel der Gewalt. Ich werde nie die zertretene Brille in der Nähe des Pressebereichs vergessen, den die Trump-Anhänger gestürmt haben. Und auch nicht den beißenden Gestank von Chemikalien, unter anderem Bärenspray, den diese Leute gegen Polizisten eingesetzt haben und der rund um das Kapitol immer noch in der Luft hängt, als ich in einer Pause ins Gebäude gehe.
Drinnen treffe ich eine Angestellte, die ungefähr so alt ist wie die Frau, die mich am Tag zuvor so hasserfüllt angeschrien hat. Sie arbeitet als Reinigungskraft im Kapitol und musste erleiden, was jene, die von sich sagen, sie seien das Volk, angerichtet haben. Die schwarze Frau fürchtete um ihr Leben, musste sechs Stunden lang in einem Versteck ausharren, bevor Polizisten sie nach draußen brachten. Einen Tag später ist sie wieder da, trotz des Schocks und des Traumas – um aufzuräumen, wo andere Chaos hinterlassen haben.
Die Trump-Unterstützerin, die eigens nach Washington fährt, um gegen das Ergebnis einer Wahl zu demonstrieren, bei der ihrer Überzeugung nach betrogen worden ist. Die schwarze Putzfrau, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl nie wieder wirklich sicher fühlen wird. Beide haben bereits unzählige Male ihrem Land die Treue geschworen, mit der rechten Hand auf dem Herzen, den Blick auf die amerikanische Flagge gerichtet: «der Republik, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle». Und doch könnte die Kluft zwischen diesen beiden Frauen größer nicht sein. Der Tag, an dem Tausende zum Kapitol stürmten, um zu verhindern, dass eine rechtmäßige Wahl bestätigt wird, ist eine schwärende Wunde in diesem Land, die bisher niemand schließen konnte. Nicht Joe Biden, der mit diesem Versprechen angetreten war, aber auch nicht seine politischen Gegner, die sie eher offen halten, indem sie sich einer Aufarbeitung verweigern.
«Die Leute haben noch immer im Kopf, wie Trump sagte: Corona ist ein Schwindel, die Impfung bringt euch um. Das hat sich festgesetzt.»
Stephanie Rimel aus Pennsylvania
Als Joe Biden am Tag seiner Vereidigung zum Präsidenten ankündigt, die Menschen von der Pandemie zu befreien, richtet er sich an ein zutiefst verwundetes und verunsichertes Land. Er setzt auf Vernunft, Einsicht, darauf, dass es ihm gelingen wird, die Menschen davon zu überzeugen, das Virus als das zu sehen, was es ist, als einen Angriff auf die Gesundheit aller, egal welcher Partei sie sich zugehörig fühlen. Eine medizinische Krise eignet sich nicht für politische Machtspiele, davon ist Biden überzeugt. Nicht nur seine Wählerinnen und Wähler, sondern alle Menschen im Land werden ihren neuen Präsidenten an diesem Versprechen messen. Biden will schnell handeln, das Problem sei dringend. Selten in der Geschichte der USA sei eine Zeit so schwierig gewesen. Biden muss in dem Moment bewusst sein, was für ihn auf dem Spiel steht. Die Empathie, das Mitgefühl für all jene, die jemanden an das Virus verloren haben, das nehmen ihm die Menschen ab. Aber die beschwörenden Worte, dass das Virus die Menschen zusammenbringe, es die Nation eine, so wie es früher Kriege getan hätten, wie es ein gemeinsamer Feind vermocht habe, gegen den man nur geschlossen siegreich sein könne – diese Worte verhallen bei vielen ungehört. Genauso wie Bidens Bitte an die Amerikaner, sich ihm anzuschließen.
An diesem 20. Januar 2021 ruft er die Bevölkerung zu einem Moment des stillen Gebets auf, um all der Opfer der Pandemie zu gedenken. Bereits mehr als 400000 Tote sind es zu diesem Zeitpunkt. «Wir werden sie ehren, indem wir das Volk und die Nation werden, von der wir wissen, dass wir sie sein können und sein sollten.»
Gut vier Autostunden von Washington entfernt, in einem Hotelzimmer in Pennsylvania, schalten Cindy Catalano und ihr geschiedener Ehemann Alfred Dixon den Fernseher ein. Verzweifelt, betäubt von großem Leid. Die beiden haben an diesem Tag ihren einzigen Sohn an das Virus verloren, er war siebenundzwanzig Jahre alt, gestorben in einem Krankenhaus, das nicht in der Nähe der Wohnungen seiner Eltern lag. «Ich weiß nicht, warum mir das so wichtig war, aber ich wollte wissen, der wievielte Coronatote Kyle war», sagt Cindy. Der Nachrichtensender CNN blendet in dieser Phase der Pandemie immer eine kleine Tafel im laufenden Programm ein, auf der die aktuellen Opferzahlen zu sehen sind. Cindys Sohn muss unter denen sein, die die Zahl auf 410000 bringen. Dass an diesem Tag Joe Biden als Präsident vereidigt wird, das nehmen Cindy und ihr Mann Alfred kaum wahr.
Wir lernen Cindy, ihren Mann und ihre Tochter Stephanie Rimel knapp ein Jahr später kennen. Die heute einunddreißigjährige Stephanie ist das älteste der vier Kinder. Alfred ist ihr Stiefvater. Die zwei anderen Töchter sind gleich nach dem Familienfest an Thanksgiving wieder nach Hause nach Pittsburgh gefahren. Noch immer ist die Trauer um den verlorenen Sohn und Bruder groß. Und über allem schwebt die Frage nach dem Warum. Würde Kyle noch leben, wenn er die Gefahr, die von Corona ausgeht, ernster genommen hätte, wenn er nicht, ganz im Vertrauen auf den früheren Präsidenten Donald Trump, gedacht hätte, ihm könne die Krankheit nichts anhaben, er sei doch jung, stark, gesund? Quälende Fragen, die den Schmerz immer neu aufwühlen.
Wir sitzen zusammen am Esstisch in dem Haus, in dem Kyle bis zuletzt mit seinem Vater gelebt hat. Die Eltern sind seit Jahren getrennt, doch die Krankheit und der Tod ihres Sohnes haben sie einander wieder nähergebracht. «Wir funktionieren als Einheit», sagt Cindy und fragt mich: «Ergibt das Sinn?» Obwohl sie doch schon so lange getrennt leben, meint sie damit. Seit Kyles Tod wechselt sie sich mit den drei Töchtern ab, um Alfred Gesellschaft zu leisten, der jetzt allein in dem Haus lebt.
Stephanie zieht ein paar Fotos aus einem Karton, in dem sie viele frische Abzüge aufbewahrt. Sie sind schwer zu ertragen. Aufnahmen von Händen, die die große Hand ihres Bruders Kyle halten. Sie hat die Fotos kurz vor seinem Tod gemacht. Stephanie will diesen Moment mit uns teilen. Ihr war es wichtig, diese Erinnerung zu dokumentieren, die letzte Begegnung mit ihrem geliebten Bruder. «Das ist meine Hand», beschreibt sie das erste Bild. «Dieses Foto zeigt die Hand unserer Mutter. Da sieht man die Hände meiner Schwestern. Nur Alfred, unser Vater, wollte so ein Foto nicht.»
Sie erinnern sich an den 20. Januar 2021. Trotz Corona darf die ganze Familie zu Kyle Dixon. Der junge Mann liegt im Sterben. Die Hauptstadt, in der zeitgleich ein neuer Präsident vereidigt wird, ist weit weg. Stephanie kommen sofort die Tränen, als sie an Kyles letzte Stunden denkt. «Ich hielt seine Hand. Meine beiden Schwestern standen am Fußende von Kyles Bett. Unsere Mutter stand auf der anderen Seite, unser Vater etwas weiter weg, an der Wand. Wir hielten Kyle fest, bis zum Ende. Er krümmte sich vor Schmerzen. Wenn die Menschen gesehen hätten, wie mein Bruder starb, vielleicht hätten sie dann etwas mehr Mitgefühl, wenn es ums Impfen geht. Niemand sollte seinen siebenundzwanzigjährigen, gesunden Bruder so sterben sehen. Er ist erstickt. Es war schrecklich.»
Verzweifelt über den frühen Tod von Kyle, hat die Familie eine für die USA äußerst ungewöhnliche Grabinschrift gewählt. Auf dem Grabstein für den jungen Mann steht unter Geburts- und Sterbedatum: «Fuck Covid-19». Das ist so ungewohnt drastisch und direkt, dass Zeitungen und Radiosender darüber berichtet haben. Für die Familie aus Pennsylvania ist es ein Aufschrei gegen eine Krankheit, die – davon sind Kyles Eltern und Geschwister überzeugt – nicht tödlich hätte sein müssen, wäre sie von Anfang an ernst genommen worden. Sie machen Trump für Kyles Tod verantwortlich. Das hat einen Keil in die weitverzweigte Familie getrieben, denn es gibt Tanten und Onkel, die das ganz anders sehen. Sie halten bis heute zum früheren Präsidenten, und das bedeutet auch, dass sie die Pandemie in einem anderen Licht sehen. Alles sei nur aufgebauscht, von den Demokraten; Corona diene als Mittel, um Menschen zu drangsalieren, ihnen ihre Freiheit zu nehmen. Das Schicksal des Neffen wird ausgeblendet. Ob man Corona ernst nimmt, sagt in den USA heute viel darüber aus, wo man politisch steht.
Anfangs sieht es so aus, als ob Biden den Umgang der Amerikaner mit der Pandemie tatsächlich in eine andere Richtung lenken könnte. Er profitiert davon, dass Trumps oft unorthodoxe Art, Politik zu machen, dazu geführt hat, dass die USA relativ früh über Impfstoffe verfügen. Bidens Regierung organisiert den Start der Impfkampagne. Die Zahl der Geimpften schnellt in die Höhe; eine Mehrheit scheint der Regierung in dieser Frage zu vertrauen. Am 11. März, wenige Wochen nach Amtsantritt, unterzeichnet Biden ein rund 1,9 Billionen Dollar schweres Hilfspaket. Es gelingt ihm zwar nicht, republikanische Politiker auf seine Seite zu ziehen, obwohl sie ähnlich umfassenden Hilfsprogrammen unter Trump zugestimmt hatten, aber die Demokraten stehen, bis auf einen Abgeordneten im Repräsentantenhaus, geschlossen hinter ihrem Präsidenten. Noch. Bidens Umfragewerte sind gut.
Gleich zu Beginn hat der neue Präsident per Dekret eine Maskenpflicht erlassen, für alle Bundesbereiche und in Transportmitteln, vor allem in Flugzeugen. Das bringt ihm Kritik ein, aber in den ersten Monaten schadet es ihm nicht, weil die Maskenpflicht für Geimpfte an vielen Orten bald wieder fällt. Nach den verheerenden Entwicklungen unter Trump scheint die Pandemie unter Kontrolle. Ein Trugschluss. Bidens Regierung will die Vorzeichen einer neuen Infektionswelle nicht wahrhaben. Obwohl die Gesundheitsbehörde Ende Juni bereits warnt, feiert der Präsident am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der USA, im Garten des Weißen Hauses mit großem Pathos eine Art Freiheitsfest mit vielen Menschen, ohne Masken: «Vor 245 Jahren haben wir unsere Unabhängigkeit erklärt. Heute stehen wir kurz davor, unsere Unabhängigkeit von einem tödlichen Virus zu erklären.» Dabei hat Biden das Ziel verfehlt, bis zu diesem Tag 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal geimpft zu haben. Wenn auch nur knapp, mit 66,8 Prozent.
Schon kurze Zeit später ist klar, dass die auf dem Fest verbreitete Botschaft, die die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie geschürt hatte, voreilig war. Die neue Delta-Variante des Coronavirus schlägt mit voller Wucht zu. Die Folge: Vertrauensverlust. Die Rückkehr zur Maskenpflicht, auch für Geimpfte, löst einen wahren Kulturkampf aus. Die Anordnung, Masken zu tragen, wird als Verstoß gegen die Verfassung bezeichnet. Republikanisch geführte Regierungen in einzelnen Bundesstaaten politisieren die Diskussion über eine Maskenpflicht so weit, dass sie selbst in Schulen, die Infektionen mithilfe von Masken verhindern wollen, das Tragen untersagen. Immer mehr Menschen bezweifeln die Wirksamkeit der Impfung, als zunehmend auch Geimpfte an Corona erkranken. Das Argument, dass diese Menschen gerade durch das Vakzin nur einen leichten Krankheitsverlauf haben, dringt zu Impfgegnern nicht durch. Bidens anfänglicher Erfolg hat sich in wenigen Monaten ins Gegenteil verkehrt.
Kyles Familie kann nicht verstehen, warum sich nicht alle an die Empfehlungen der Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten, warum die Diskussion so aufgeladen ist, einem politischen Glaubenskrieg gleicht. Sie wären froh gewesen, wenn es die Impfung schon gegeben hätte, als Kyle erkrankte, erzählen sie uns, als wir sie Ende November 2021, zwei Tage nach Thanksgiving, für einen Fernsehdreh in dem kleinen Ort Lanse in Pennsylvania besuchen, im Haus von Kyles Vater Alfred – ein Jahr, nachdem das Drama um den jungen Mann seinen Anfang genommen hat.
An Thanksgiving wollten sich alle treffen, um zu Kyles Grab zu gehen. «Kommt ruhig an dem Feiertag», sagen sie uns, «dann könnt ihr mit mehreren Familienmitgliedern drehen. Wir sind ja alle da.» Doch dann ruft Stephanie an. Ihr Großvater liege im Sterben, sie könne nicht sagen, ob unser Treffen noch möglich sei. Auch wir zögern, sind hin- und hergerissen. Wir haben die Sorge, eine Familie, die bereits viel Leid erfahren hat, in einem so schwierigen Moment weiter aufzuwühlen, mit der Kamera in ihr Leben einzudringen. Wir entscheiden uns abzuwarten. Schließlich meldet sich Stephanie wieder: «Kommt», lautet ihre Nachricht, «wir wollen das machen, wir wollen unbedingt Kyles Geschichte erzählen.»
Die Familie stammt aus Clearfield County, einer sehr ländlichen Gegend mitten in Pennsylvania, «halfway to everywhere», auf halber Strecke nach überallhin, damit wirbt man im County. In der Region wurde früher Kohle gefördert. Viele Menschen trauern Donald Trump nach, mehr als siebzig Prozent hatten für ihn gestimmt. Joe Biden akzeptieren sie nicht als ihren rechtmäßigen Präsidenten. Corona, das sei doch nur eine Lüge der Demokraten, um den Amerikanern die Freiheit zu nehmen, sagen sie.
Auch Kyle war begeistert von Donald Trump. «Das hat uns fünf Monate mit ihm gekostet», klagt Cindy. So lange haben Mutter und Sohn kaum noch miteinander geredet, zerstritten über politische Ansichten. Cindy lebt seit der Scheidung mit den Töchtern im liberalen Pittsburgh, zwei Autostunden entfernt. Eine Stadt, die ihren politischen Überzeugungen entspreche. Kyle blieb beim Vater, der sich in einer 200-Seelen-Gemeinde mitten im Bundesstaat für einen Spottpreis ein Haus mit großem Grundstück gekauft hat. Dort gefiel es Kyle besser als in der Stadt. Er konnte in die Wälder gehen, jagen, seiner Liebe zu Waffen frönen. Dafür nahm er in Kauf, eine Dreiviertelstunde bis zu seiner Arbeit fahren zu müssen.
Die Funkstille zwischen Mutter und Sohn hält bis Thanksgiving 2020. Dieses Fest feiert die Familie trotz aller Differenzen gemeinsam, wie so viele andere amerikanische Familien, die der Streit zwischen den politischen Lagern entzweit hat. Ein Streit, der nicht nur zwischen Republikanern und Demokraten verläuft, sondern zwischen denen, die Trump gut finden, und denen, die ihn ablehnen. Am Ende des Familienfests ist nicht klar, wer wen angesteckt hat, aber kurz danach ist die ganze Familie mit Corona infiziert.
Kyle arbeitete als Gefängnisaufseher in einem Bereich, in dem es nur wenig Luftzirkulation gibt. Kurz vor dem Feiertag seien dort fünf Beschäftigte positiv getestet worden, da müsse er sich wohl angesteckt haben, sagt Cindy. Als sein Husten immer schlimmer wird, kann keiner aus der Familie zu ihm kommen, da alle in Quarantäne sind. Dass es ausgerechnet Kyle so heftig erwischen würde, hatte niemand für möglich gehalten. «Pokie war stark wie ein Pferd.» Cindy kommen immer wieder die Tränen, als sie sich an Kyle erinnert. Sie will, dass wir uns ein Bild von ihm machen können. «Mother» habe er sie von klein auf genannt, mit einem strengen, bestimmten Ton. Und er habe das Wort so lange wiederholt, bis sie ihm ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte. Sie zeigt uns ein Spielzeugpferd. Das habe er im Jahr zuvor für seine Nichte Macy zu Weihnachten bestellt. Selbst schenken konnte er es ihr nicht mehr. Kyle sei ein Onkel mit Leidenschaft gewesen, nur auf den Arm nehmen wollte er die Kleine nicht so gerne. Er habe Angst gehabt, sie zu erdrücken.
Kyle war groß, fast 1,90 Meter, ein mächtiger Kerl. Nicht gerade schlank, aber auch nicht krankhaft übergewichtig. Das ist Cindy wichtig. Er war ein paar Jahre als Wrestler aktiv. Als er damit aufgehört hatte, wollte er abnehmen. Er sei auf einem guten Weg gewesen, erzählt die Mutter. Sie zeigt uns eine Pinnwand in seinem Zimmer. Dort hängt noch immer ein Zettel, auf dem er sein Ziel notiert hatte, und seine ersten Erfolge.
Als Kyle krank wird, holt er sich Rat bei seiner Mutter. Cindy ist von Beruf Krankenschwester und zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten mit Menschen konfrontiert, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben; sie weiß, wann es ernst wird. Verzweifelt versucht sie, ihrem Sohn über Videoanrufe zu helfen, und muss mitansehen, wie ein überfordertes Notfallteam Kyle unzureichend versorgt und schließlich ins Krankenhaus bringt.
Immer wieder muss sie sich anhören, dass ihr Sohn Vorerkrankungen gehabt haben müsse, sonst hätte es einen so jungen Menschen doch nicht derart schwer erwischen können. Das ärgert sie. Als trage ihr Sohn selbst Schuld an seinem Tod. Wäre er bei einem Autounfall ums Leben gekommen oder an Krebs gestorben, dann wäre ihm und seiner Familie das ungeteilte Mitgefühl sicher gewesen, davon ist Cindy überzeugt. Aber wenn jemand am Virus sterbe, dann rede man darüber nur hinter vorgehaltener Hand, als hafte der Krankheit ein Makel an. Manchmal erinnere sie das an die Zeit, als sich die ersten Menschen mit Aids infiziert haben.
Vor dem Haus steckt eine Axt tief in einem Holzblock. Die habe Kyle reingehauen. Nun könne sie niemand mehr herausziehen, so stark sei er gewesen. Drinnen hängen Jacken von ihm. Wem kalt sei, der ziehe eine über. In der Küche stehen noch die angebrochenen Hustensaftflaschen. Das Papierbändchen, das er bekam, als er das erste Mal ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hängt an einer Pinnwand. Kyle selbst hat es dort befestigt, bevor er kurze Zeit später wieder in die Notaufnahme musste. Überall Spuren eines abrupt zu Ende gegangenen Lebens.
Sein Zimmer im ersten Stock – fast unverändert. Eine halb volle Flasche eines Sportgetränks, das Buch, das er zuletzt gelesen hatte. Nur das Bett ist gemacht. An der Wand hängt eine Fahne mit der Aufschrift «Don’t tread on me!», «Tritt nicht auf mich!», gelb mit einer grünen Klapperschlange. Fahnen wie diese haben Trump-Anhänger am 6. Januar beim Sturm auf das Kapitol über ihren Köpfen geschwungen. Die Geschichte der Fahne geht zurück bis auf den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. Die Menschen, die sie heute benutzen, protestieren damit gegen die Regierung, die in ihren Augen den amerikanischen Bürgern ihre Freiheit nehme, mit Waffengesetzen oder Vorschriften in der Pandemie wie der Maskenpflicht. Mit der Fahne wollen sie zum Ausdruck bringen, dass sie sich von einer Regierung, deren Rechtmäßigkeit sie nicht anerkennen, drangsaliert fühlen.
Am 6. Januar ringt Kyle Dixon auf der Intensivstation schon mit dem Tod. Als er sich infiziert hatte, gab es noch keinen zugelassenen Impfstoff, doch seine Familie zweifelt, ob er sich umgehend hätte impfen lassen. In Gegenwart seiner Eltern – auch der Vater hat einen Pflegeberuf, als Altenpfleger – greift er zu Masken, aber Cindy glaubt, dass er sonst nicht so gewissenhaft war. Erst im Krankenhaus habe er ihr einmal zugestimmt: «Das Virus ist echt. Es ist wirklich schlimm.»
Es sind Geschichten wie die von Kyle und seiner Familie, die Biden meinte, als er in seiner ersten Rede als vereidigter Präsident von dem unermesslichen Leid vieler amerikanischer Bürger sprach. Weit mehr als eine Million Menschen sind inzwischen in den USA an einer Coronainfektion und den Folgen gestorben, mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt. Im Frühjahr 2022 gehen Statistiken von etwas mehr als sechs Millionen Pandemieopfern weltweit aus. Die USA sind das am stärksten betroffene Land, vor allem im Vergleich zu anderen wohlhabenden Ländern in Europa oder wie Kanada. Während dort zu Beginn der Pandemie verhältnismäßig mehr Menschen an Corona starben, liegen die USA mittlerweile bei der Sterblichkeit vorne und bei der Impfrate hinten. Das hat viel mit der beschriebenen Politisierung der Pandemie zu tun, die verhindert, dass Vorsichtsmaßnahmen, wie sie in vielen Ländern praktiziert wurden und werden, akzeptiert werden. Seit die Omikron-Variante vorherrscht – als Stichtag wird in einer Erhebung der «New York Times» der 1. Dezember 2021 genannt –, liegt die Sterberate in den USA um mindestens 63 Prozent höher als in anderen großen, wohlhabenden Ländern. Ein Grund dafür ist, dass überproportional viele ältere Menschen nicht vollständig geimpft sind oder keine Auffrischungsimpfung wollten.
Eine Studie der medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» bringt das Problem in den USA auf den Punkt: «Unsere Studie legt nahe, dass eine Regierung seine Bevölkerung dann am besten vor einem neuen ansteckenden Virus schützt, wenn es die Bürgerinnen und Bürger überzeugen kann, sich selbst zu schützen.» Genau das aber ist der Biden-Regierung nicht gelungen. Das weiß Cindy Catalano, das weiß ihre Tochter Stephanie, doch die beiden Frauen lasten dieses Versagen nicht dem neuen Präsidenten an, wie sie uns später erklären werden.
Kyles Mutter zieht seit dem Tod ihres Sohnes seine Socken an. Eigentlich seien sie viel zu groß, aber wenn sie die bei der Arbeit trage, gebe ihr das Kraft. In der Arztpraxis, in der sie angestellt ist, trägt sie jetzt außerdem immer Gelb, ein gelbes T-Shirt und gelbe Schuhe. Die Farbe soll Bewusstsein für die Pandemie schaffen, ähnlich wie Pink für Brustkrebserkrankungen. Cindy will nichts unversucht lassen, will nicht einfach nur still trauern. Sie hat ihr Leben ganz in den Dienst der Erinnerung an ihren Sohn gestellt. Nur Fotos von Kyle kann sie sich noch nicht ansehen.
Stephanie geht es anders. «Wir sind keine Familie, die viel Wert auf Fotos legt», gesteht sie. Umso überraschter sei sie gewesen, als sie auf Kyles Handy unendlich viele Selfies gefunden habe. Er habe in allen möglichen Lebenslagen Fotos von sich gemacht und sie dann manchmal auch mit einer App bearbeitet. Ein strahlender junger Mann, der mit seiner Freundin zusammenziehen will. Auf einem Foto steht er in Flammen, auf einem anderen hat er sich künstlich altern lassen. «Wir werden nie wissen, wie Kyle mit vierzig oder fünfzig ausgesehen hätte, aber das Foto gibt mir zumindest eine Idee davon.» Stephanie sagt, dass ihr das ein Trost sei.
Über Kyle zu reden, schmerzt beide Frauen. Aber sie wollen, dass andere begreifen, wie gefährlich Corona ist. Dabei wissen sie, dass viele sich dieser Einsicht verweigern. Auch in der eigenen Familie, obwohl sie ganz aus der Nähe miterlebt haben, wie es Kyle immer schlechter ging, wie der junge Mann um sein Leben kämpfte, bis seine Lungen schließlich aufgaben. Besonders schlimm findet Stephanie, dass bei der Trauerfeier Verwandte zum Sarg kamen und trotzdem weiterverbreiten, dass Corona doch gar nicht so schlimm sei. «Die sind für mich gestorben. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben.» Eine gespaltene Familie, ein gespaltenes Land.
Cindy dagegen will nicht ganz mit ihrer Schwester brechen, die zu denen gehört, die bis heute die Gefahr des Virus leugnen. Cindy ist etwas milder als Stephanie, aber auch sie verfolgt nicht mehr, was andere über Facebook verbreiten. Früher hat sie selbst intensiv ihre politische Meinung in den sozialen Medien kundgetan. Heute sieht sie dort eine der Ursachen für die Verblendung vieler Menschen, die sich gegenseitig in ihrem Irrglauben bestätigen. Sie will der giftigen Atmosphäre im Internet entfliehen und postet nur noch Erinnerungen an Kyle.
Die Frau, die ihren einzigen Sohn verloren hat, fragt sich, ob die Stimmung in der Bevölkerung sich vielleicht ändere, wenn eines Tages jeder betroffen sei und einen geliebten Menschen an die Pandemie verloren habe. Aber noch befindet sich das Land wie bei vielen anderen Themen auch beim Thema Corona in einer Art Glaubenskrieg. Zwischen denen, die wissen, wie schlimm das Virus sein kann, und denen, die in einer Welt feststecken, die die Gefahr leugnet. Dass diese Menschen ihre Haltung mit dem Wunsch nach Freiheit begründen, ärgert Stephanie ganz besonders. «Die sagen, man würde ihnen ihre Freiheit nehmen, wenn man ihnen vorschreibe, Masken zu tragen und sich impfen zu lassen, aber was ist mit der Freiheit meines Bruders? Er liebte seine Waffen. Wo waren diese Typen, als er gestorben ist? Wo war Trump? Er war ganz bestimmt nicht für Kyle da. Ich verstehe nicht, wie diese Leute ticken.»
«Warum nur musste das Virus so politisiert werden?» Kyles Schwester findet, Trump hätte doch gleich zu Beginn einfach nur durchgreifen müssen, so wie es in anderen Ländern geschehen sei. Wenn er die Pandemie ernst genommen hätte, dann wären die Menschen heute beim Thema Corona nicht so gespalten. Davon ist sie überzeugt. Doch selbst nach seiner eigenen Infektion habe er das Risiko weiter heruntergespielt.
Für die Frauen war daher bei der Präsidentschaftswahl klar, dass sie Biden wählen, auch wenn ihnen manches an dem demokratischen Kandidaten nicht gefiel. Den Fans von Bernie Sanders war er nicht links genug. Aber sie hatten ein Ziel, Trump musste abgewählt werden. Als ich sie frage, ob sie nach fast einem Jahr unter der neuen Regierung nicht enttäuscht seien, schütteln beide den Kopf. «Biden hat Trumps ‹Shitshow› geerbt. Die Leute haben noch immer im Kopf, wie Trump sagte: Corona ist ein Schwindel, die Impfung bringt euch um. Das hat sich festgesetzt.» Biden habe gar keine Chance, viel anders zu machen.
So gnädig wie Stephanie und Cindy sind wenige. Viele haben mehr von Biden erwartet. Sein Appell, auf jene Ungeimpften zu hören, die im Krankenhaus mit ihrem letzten Atemzug sagen «Hätte ich mich nur impfen lassen», verhallt vor allem bei Republikanern ungehört. Im November 2021 stehen 60 Prozent aller Ungeimpften der Republikanischen Partei nahe oder sind sogar Parteimitglied. Im Unterschied zu nur 17 Prozent bei den Demokraten. Statistiker finden heraus, dass die Sterberate in Trump-Hochburgen inzwischen deutlich höher ist als in Wahlkreisen, die mit großer Mehrheit für Biden gestimmt haben, fast fünfmal so hoch. In Pennsylvania sind das die Bezirke, in denen Trump zwischen 70 und 80 Prozent der Stimmen erhalten hat. Zwar gibt es seit Beginn der Pandemie immer wieder Phasen, in denen vor allem in republikanisch regierten Bundesstaaten wie Florida oder Texas Menschen schwer erkranken und überdurchschnittlich oft ins Krankenhaus müssen. Doch das wirkt sich in Umfragen nicht nachteilig für die republikanischen Gouverneure aus, die lautstark gegen zu große Vorsichtsmaßnahmen argumentiert haben und somit Verantwortung für hohe Infektionszahlen tragen, sondern für Biden.
Kyles Vater Alfred will nicht groß über Politik reden. Er ist stiller als seine Ex-Frau und seine Stieftochter, als wir Ende November gemeinsam am Tisch sitzen. Es sei leer geworden im Haus, seit sein Sohn tot ist. Er lebe mit den Erinnerungen. Er stürzt sich in die Arbeit, macht Doppelschichten im Altersheim. Als ich ihn frage, was er sich von Politikern erhoffe, sagt er etwas, das ich so oft auf meinen Reisen durch das Land höre: «Ich erhoffe mir gar nichts von denen in Washington. Die sind doch alle gleich. Was sollen die schon für uns tun.» Begeistert von Trump, wie sein Sohn es war, ist er nicht. Aber dessen allgemeinen Verdruss über die politische Klasse, den teilt er. Er will mit der Regierung nichts zu tun haben. Die eine Partei sei nicht besser als die andere.
Seine Ex-Frau ist da anders. Cindy will, dass jemand Verantwortung für den Tod ihres Sohnes übernimmt. Sie will die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Deshalb fordert sie von Biden, dass er Klagen gegen Menschen erlauben soll, die zur Verbreitung des Virus beitragen, die leichtsinnig mit Infektionen umgehen, die Fehler in der Behandlung machen. Stephanie hofft auf ein Denkmal für die Opfer der Pandemie. Damit etwas bleibt, damit das Leid so vieler nicht vergessen wird. Ähnlich wie die Kriegsdenkmäler, die an die gefallenen Soldaten erinnern. Als Mahnung für nachfolgende Generationen.
Beide Frauen sehnen sich nach einer Bestätigung, dass Kyles Tod nicht vergeblich war. Auch deshalb haben sie nicht gezögert, auf Kyles Grabstein «Fuck Covid-19» zu schreiben. Obwohl das F-Wort in den USA tabu ist; die amerikanischen Journalisten, die über den ungewöhnlichen Grabspruch berichtet haben, ersetzten die Buchstaben «u» und «c» durch Sternchen. Rücksicht auf eine Kirchengemeinde musste die Familie nicht nehmen, da der Friedhof, auf dem Kyle beerdigt wurde, privat ist. Er gehört Cindys Familie, die seit Generationen in der Gegend zu Hause ist. Solche kleinen Friedhöfe gibt es in den USA häufig. Das Land ist zwar in Privatbesitz, aber der Boden ist kirchlich gesegnet. «Wenn wir einmal nicht mehr da sind, sollen trotzdem alle wissen, woran Kyle gestorben ist», erklärt Stephanie die ungewöhnliche Direktheit.
An dem Tag, an dem sie uns mit zu Kyles Grab nehmen, haben sie Weihnachtsdekoration dabei. Ein kleiner Baum mit blauen und silbernen Kugeln und eine Lichterkette, ebenfalls in Blau. Das sei die Lieblingsfarbe der ganzen Familie. Auch Kyle habe sie geliebt. Alle hätten seit vielen Jahren blau geschmückte Weihnachtsbäume. Es wird ihr erstes Weihnachten ohne den Sohn, ohne den Bruder. 2020 lag er im Krankenhaus, genauso wie eine seiner Schwestern, die das Virus ebenfalls heftig erwischt hatte; der Rest der Familie überstand die Infektion mit leichten Symptomen. Am Weihnachtstag waren die beiden Kranken über Video zugeschaltet. Damals gab es noch Hoffnung. Die Schwester schaffte es, Kyle starb einen knappen Monat später. Sechs Wochen lang lag er im Krankenhaus, zwischen Leben und Tod.
Immer wenn eine neue Rekordzahl erreicht wird, gedenken besonders viele Menschen der Toten. Bei jeder Hunderttausenderschwelle läuten die Glocken der National Cathedral in Washington. Als die Zahl 500000 erreicht ist, erklingt fünfhundertmal ein dumpfer Glockenschlag, bei 600000 Toten sechshundertmal und so weiter. Im September 2021 gibt es eine Kunstinstallation auf dem Rasen vor dem Washington Monument, ganz in der Nähe des Weißen Hauses. Jedes Mal, wenn Biden mit dem Hubschrauber vom «South Lawn» vor dem Präsidentensitz abhebt, blickt er auf Abertausende weißer Fähnchen. Sie erinnern an die Opfer der Pandemie. Auf einer Anzeigetafel werden während der Dauer der Ausstellung die Toten gezählt. Auch Biden organisiert die ein oder andere Gedenkveranstaltung, doch er wirkt immer ohnmächtiger angesichts des Widerstands in der Bevölkerung, auf die Ratschläge von Politik und Wissenschaft zu hören.
Seiner Regierung ist es nicht gelungen, die verhärteten Fronten beim Thema Corona aufzubrechen. Jeder Versuch des Präsidenten, landesweit verbindliche Regeln festzulegen, wird unterminiert. Republikanische Gouverneure in Bundesstaaten wie Florida oder Texas überziehen die Regierung in Washington mit Klagen. Ob es um eine Impfpflicht für Angestellte des Bundes in den einzelnen Staaten geht oder um die bereits erwähnte Maskenpflicht in Schulen – der Riss durch die Gesellschaft verläuft entlang der Parteilinien.
Jede Seite beansprucht für sich, die richtige Haltung gefunden zu haben, jede Seite sieht sich im Recht. Das gilt nicht allein bei der Pandemie. Die Menschen stehen sich nicht nur unversöhnlich gegenüber, immer häufiger enden verbale Auseinandersetzungen mit Gewalt. In Flugzeugen, wenn es darum geht, die Maskenpflicht durchzusetzen. Oder in Schulen, bei Treffen zwischen Eltern und Lehrern.
Joe Biden dringt zu einem großen Teil der Bevölkerung gar nicht durch. Und der Teil, der ihm anfangs wohlgesonnen war, hinterfragt sein Handeln in der Pandemie inzwischen immer stärker. Denn die Regierung hat auch Fehler gemacht. Dazu zählt nicht nur der voreilig verkündete «Sieg» über das Coronavirus, auf den neue Wellen mit neuen Virusvarianten folgten. Sie hat sich beispielsweise auch zu spät darum gekümmert, ausreichend Coronatests zur Verfügung zu stellen. Mitten in der Hochphase der extrem ansteckenden Omikron-Variante mussten Menschen oft tagelang auf Tests oder das Ergebnis warten. Nicht zuletzt aus diesem Grund steckt Biden in einem Umfragetief. Er hat eines der wichtigsten Versprechen seines Amtsantritts nicht einhalten können: die Nation in dieser so wichtigen Frage zu einen. Dabei hatte er diese Einheit zur Voraussetzung für einen Sieg über die Pandemie erklärt.
Inzwischen sieht eine Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner die Pandemie nicht mehr als Krise. Allerdings weichen die Wahrnehmungen bei Demokraten und Republikanern immer noch deutlich voneinander ab. Republikaner sagen laut einer Umfrage vom April 2022 zehnmal häufiger als Demokraten, dass Corona kein Problem mehr sei. Entscheidend ist aber, dass die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung genug von Einschränkungen und Masken zu haben scheint, darin unterscheiden sich die USA nicht von anderen Ländern. Der Gesundheitsbehörde bereitet das Sorge, denn viele Menschen realisieren gar nicht, dass die Infektionszahlen wieder ansteigen. Experten befürchten daher, dass neue Einschränkungen, sollten sie nötig werden, auf noch stärkeren Widerstand stoßen könnten als früher.
Der Wahlkampf, der das Land in den nächsten Monaten bis zum 8. November beherrschen wird, ist da nicht hilfreich. Die Pandemie wird ein wichtiges Wahlkampfthema sein, zerredet und zugespitzt für schnelle politische Punkte. Die Opfer werden Menschen sein, die sich an politische Parolen statt an medizinische Empfehlungen halten. Cindy Catalano und ihrer Tochter graust es davor. Sie wollen weiter auf die Gefahren von Covid aufmerksam machen. Und sie werben dafür, Biden eine echte Chance zu geben. «Er kann keine Wunder bewirken, aber er ist gewählt worden. Wenn er nicht all diesen Gegenwind bekommen hätte, wer weiß, was er hätte bewirken können. Verstehen Sie, was ich meine?» Cindy legt Wert darauf, Biden nicht zu ihrem Idol zu machen. «Er wurde gewählt, um einen Job zu erledigen. Wenn er das nicht macht, dann werde ich ihn abwählen, so wie zuvor Trump, aber zuvor muss man Biden die Chance geben, die er verdient.»
«Wenn sie versuchen sollten, uns unsere Waffen wegzunehmen, dann wird es einen Bürgerkrieg geben.»
Travis Fillmore, Veteran aus Arizona
Travis Fillmore fällt meiner Kollegin auf, als er schwer bewaffnet in Phoenix, Arizona, vor dem Gebäude auf und ab geht, in dem nach der Präsidentschaftswahl im November 2020 die Stimmen ausgezählt werden. Es ist Freitag, die Wahl war am Dienstag. Noch immer steht das Ergebnis nicht fest. Dabei ist Arizona einer der Bundesstaaten, der darüber entscheidet, ob Trump oder Biden die Präsidentschaftswahl gewinnen wird. Die Auszählung dauert, der Vorsprung Bidens wächst. Die Wahlleitung will alles richtig machen, die Stimmung draußen auf der Straße ist angespannt. Trump-Anhänger protestieren, manche patrouillieren sogar mit AR-15-Schnellfeuergewehren. Sie sind überzeugt, dass bei der Wahl am 3. November betrogen wurde.
Für Travis und andere, die vor dem Wahllokal bewaffnet Präsenz zeigen, sind die USA ein Land, in dem die Falschen zu viel Macht haben. Linke, Liberale, Menschen, die nicht das Beste für ihre Heimat im Sinn haben, glauben Travis und die, die so denken wie er. Sie sehen ihr Weltbild bedroht. Deshalb wollen sie wehrhaft sein. Sie würden wohl kaum einfach losschießen, aber sie nehmen bewusst in Kauf, dass sich andere fürchten, sich eingeschüchtert fühlen, vor allem Menschen, die anderer Meinung sind. Travis erzählt, dass ein älterer Mann mit einem Joe-Biden-Plakat vor Ort gewesen sei. Dieser habe sich ein paar Kommentare über seinen Kandidaten anhören müssen, aber er sei nicht feindselig behandelt worden. Nach zehn bis fünfzehn Minuten habe er wohl von all den Trump-Rufen genug gehabt und sei verschwunden. Nur selten wagt sich jemand in das jeweilig andere Lager. So war das 2020 kurz nach der Wahl, und so ist das heute, fast zwei Jahre später, immer noch. Doch niemand wundert sich mehr darüber. Das Leben in getrennten Welten ist längst Alltag geworden.
Travis Fillmore habe ich durch die Augen meiner Kollegin kennengelernt, durch ihre Interviews, ihre Schilderungen und die Aufnahmen von ihm und anderen schwer bewaffneten Männern. Die meisten sehen sich als Mitglieder sogenannter Milizen, paramilitärischer Gruppen, die sich zumeist feindlich gegen die Regierung und staatliche Institutionen richten. Auf die erste Frage, warum er ein Gewehr dabeihabe, sagt Travis lapidar: «Ich mag es, meine Waffe offen mit mir herumzutragen. Das ist mein Recht, so wie es in der Verfassung steht. Ich mache das für meine Sicherheit und die von anderen Menschen. Ich will in der Lage sein, mich zu verteidigen, wenn es nötig sein sollte.»
Travis Fillmore, Mitte dreißig, war acht Jahre lang Soldat. Zweimal war er im Kriegseinsatz. Später gehörte er zum privaten Wachpersonal der US-Botschaft in Afghanistan. Heute betreibt er eine Sicherheitsfirma, unterrichtet den Umgang mit Waffen. Ihm ist wichtig zu betonen, dass er keiner Miliz angehöre. Er sei sein eigener Herr. Er kenne Mitglieder solcher Milizen oder Bürgerwehren, aber er selbst bleibe lieber für sich.
Diese militanten Organisationen sind in den aufgewühlten Tagen vor und nach der Präsidentschaftswahl an vielen Orten präsent, nicht nur in Arizona: die «Boogaloos», die «Three Percenters», die «Proud Boys», die «Oath Keepers». Es gibt viele verschiedene Gruppen, manche vernetzen sich mit anderen, manche bleiben unter sich. Ihre politischen Überzeugungen sind in großer Mehrzahl dem rechten bis rechtsextremen Lager zuzuordnen. Sie stehen fest zu Trump und beteiligen sich am 6. Januar auch am Sturm auf das Kapitol.
Die Nichtregierungsorganisation ACLED, die Daten zu politischer Gewalt weltweit sammelt, hat 2020 in den USA mehr als achtzig solcher Milizen ausgemacht. Manche haben tausend und mehr Mitglieder, manche nur sehr wenige. Genaue Zahlen sind schwer zu erheben. Einem Computerhacker ist es gelungen, an Daten der «Oath Keepers» zu kommen. Dabei fand er heraus, dass die Miliz nach dem Sturm auf das Kapitol großen Zulauf hatte, Hunderte neue Mitglieder gewinnen konnte, darunter auch ehemalige Polizisten und Veteranen.
Vor allem die «Proud Boys» waren im Vorfeld der Wahl in die Schlagzeilen geraten. Trump selbst hatte sie im September 2020, während der ersten TV-Debatte mit Herausforderer Biden, ins Rampenlicht gerückt. Der Moderator fragte Trump, ob er sich von rechten Milizen distanziere, die sich für «White Supremacy» einsetzen; ob er diese Milizen aufrufe, keine Gewalt mehr auszuüben. Zu der Zeit kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen. Trump antwortete, das eigentliche Problem sei die Antifa, die antifaschistische Bewegung der linken Szene. Aber man solle ihm doch einen Namen nennen. «Proud Boys», rief Biden. Darauf Trump: «Proud Boys, stand back and stand by», «haltet euch zurück und haltet euch bereit». Ein Aufschrei ging durch Teile des Landes. Hatte Trump in der Debatte etwa eine rechte Miliz dazu aufgefordert, sich für ihn bereitzuhalten? Notfalls mit Gewalt? Trump vermied es in der Debatte, sich von den Milizen zu distanzieren. Stattdessen fuhr er fort: «Ich sage Ihnen etwas, jemand muss etwas gegen die Antifa und die Linken unternehmen, denn das ist kein Problem der Rechten, sondern der Linken.»
In der Tat gibt es in den USA auch ein paar wenige milizartige Verbände, die sich als links verstehen und sich auf der Seite antifaschistischer Gruppen verorten. Sie waren vor allem im Sommer 2020 sichtbar, als sie Black-Lives-Matter-Demonstranten vor Übergriffen rechter Gruppen schützen wollten. Manchmal erschienen sie aus eigenem Antrieb, manchmal wurden sie von den Demonstranten aufgefordert zu kommen, insbesondere in den Wochen nach dem 25. Mai, als George Floyd, ein Schwarzer, von einem Polizisten bei einer Kontrolle getötet worden war. Danach erschütterten gewaltsame Proteste mehrere Städte. Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Gruppen die bestehende Ordnung der USA infrage stellen. Anders als Milizen wie die «Proud Boys». Zahlreiche Mitglieder dieser Gruppe stehen inzwischen vor Gericht, manche wurden bereits verurteilt, wegen nachgewiesener Straftaten am 6. Januar. Sie waren auf Videoaufnahmen und Fotos vom Sturm auf das Kapitol leicht auszumachen durch die schwarz-gelben Polo-Shirts, ihrem Erkennungszeichen.
Die Milizen beider Lager haben eigentlich nur eines gemein: ihr Bekenntnis zu Waffen als wichtiges Mittel, um sich und ihre politischen Ideale zu verteidigen. Jedes Mal, wenn ich diesen Gruppen begegnete, fragte ich mich, was wird sie davon abhalten, eines Tages aufeinander loszugehen? Ist ihr selbstbewusstes Auftreten ein Signal, dass ein neuer Bürgerkrieg in den USA möglich sein könnte?
Travis Fillmore stammt aus Arizona. Rötliches Haar, militärisch kurz, ebenso wie sein Vollbart. Am 6. November 2020, dem Tag vor dem Auszählungslokal in Phoenix, hat er eine Trump-Fahne wie einen Umhang um die Schultern drapiert. Eine Kappe in Tarnfarben, Hose und T-Shirt in gedeckten Farben; leger vor dem Bauch hängt sein halbautomatisches Gewehr. «In der Menge sind ein paar Mitglieder von Milizen», erzählt er, «sie wollen für Sicherheit sorgen. Die Polizei kann sich nicht um alles kümmern. Sie haben sich auf den Gebäuden in Position gebracht, in einem größeren Umkreis verteilt. Ich kann doch keinen Polizisten in meiner Tasche herumtragen, wenn ich ihn brauche. Ich schütze mich lieber selbst, hab alles bereit, statt nach der Polizei zu rufen, wenn ich sie brauche. Bis sie kommt, wäre ich längst angeschossen.» Deshalb laufe er mit einer Waffe durch die Stadt. Normalerweise trägt er nur eine Pistole am Gürtel. Aber in diesen Tagen, in denen Trump-Anhänger wie er organisierten Wahlbetrug vermuten und deshalb vor dem Auszählungslokal patrouillieren, will er eine stärkere Botschaft senden. Fillmore hat sich daher für das nicht zu übersehende Gewehr entschieden.
Menschen, die im Alltag Waffen mit sich herumtragen – das ist ein Anblick, den ich mir in Deutschland nie hätte vorstellen können. In den Jahren, die ich in den USA gelebt habe, ist mir das immer wieder begegnet. Ich erinnere mich noch gut an eine Szene in West Virginia. Als wir für die Geschichte über eine Imkerkooperative ein paar Aufnahmen in einer Kleinstadt drehen wollen, kommt plötzlich eine junge Frau aus einem Haus, am Hosenbund eine Pistole. Sie setzt ihr Kind ins Auto und fährt los. Die Waffe als Accessoire wie eine Tasche. Aus Texas kenne ich ähnliche Bilder. Doch als dann zuerst während der Black-Lives-Matter-Proteste und später bei Demonstrationen nach der Präsidentschaftswahl Menschen mit AR-15-Gewehren auftauchen – Waffen, die bei vielen Massakern in den USA benutzt wurden und wohl auch in Zukunft benutzt werden, solange niemand diese Schnellfeuerwaffen verbieten wird –, ist klar, das gehört nun in vielen Bundesstaaten zum Alltag, zumindest überall dort, wo das offene Tragen von Waffen erlaubt ist. Das Gesetz macht in diesen Fällen keinen Unterschied zwischen einer Pistole und einem halbautomatischen Gewehr. Hauptsache, der Waffenschein ist vorhanden – wenn er denn überhaupt Vorschrift ist.
Mir wird immer wieder mulmig, wenn ich derart hochgerüsteten Passanten begegne. Viele Amerikaner gehen an den schwer bewaffneten Menschen, die meist auch noch mit kugelsicheren Westen ausgestattet sind, achselzuckend vorbei, ohne sich größere Sorgen zu machen, dass etwas außer Kontrolle geraten könnte. Waffen sind fester Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft. Jeder Versuch, die Gesetze so zu verschärfen, dass sie Bestand haben, ist bisher gescheitert. Die Macht der Waffenlobby, der National Rifle Association (NRA
