Wer schön sein will, lässt leiden - Laetitia Barnick - E-Book

Wer schön sein will, lässt leiden E-Book

Laetitia Barnick

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Beschreibung

"Botox" – hinter diesem Begriff der "ästhetischen Medizin" verbirgt sich in Wahrheit eine der schrecklichsten Massen-Tierquälereien der Weltgeschichte. In diesem Buch wird schonungslos aufgedeckt, warum immer noch Millionen weißer Mäuse in den weltweiten Versuchslaboren mit LD50-Tests gefoltert werden, obwohl es schon längst Testmethoden ohne Tierversuche gibt. Und warum die Pharma-Industrie seit vielen Jahren die Öffentlichkeit mit raffinierten Taschenspielertricks über diese Gräueltaten hinwegtäuscht – das steht in diesem sorgfältig recherchierten Buch!

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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Laetitia Barnick

Wer schön sein will, lässt leiden

Fakten und Hintergründe zur BOTOX-INDUSTRIE und dem damit verbundenen unermesslichen Tierleid der weißen Versuchs-Mäuse

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Widmung und Vorwort

Die Geschichte des Botulinumtoxins

Höllenqualen im Dienste der Schönheit

Gigantische Firmen und schmutzige Geschäfte

Neurologische Forschungen

Das tödlichste Gift der Welt als Biowaffe

Prominente Botox-Opfer

Eine Zeitreise durch Schönheit und Mode

Quellenverzeichnis

Über die Autorin

Impressum neobooks

Widmung und Vorwort

WIDMUNG

Dieses Buch widme ich den millionenfach zu Tode gequälten Tieren und auch jenen, die zusammengepfercht oder isoliert in verdreckten und verwahrlosten Ställen, in sterilen Versuchslaboren und anderen schrecklichen Kerkern ihr grausam deprimierendes Dasein fristeten und noch fristen, oft viele Jahre, bis der Tod diesem Dasein – auf welche Art auch immer – ein zumeist ebenso qualvolles Ende bereitet.

Warum dieses Buch? Diese Frage stellt man sich vermutlich, wenn man im unüberschaubaren und scheinbar endlosen Bücher-Dschungel - speziell auch das Thema betreffend - zufällig auf diese Publikation gestoßen ist. Und auch ich selbst stellte mir immer wieder die Frage während eines mehrere Jahre dauernden Prozesses, bevor ich dann tatsächlich mit dem Schreiben anfing: Sollte ich oder sollte ich nicht...? Dieser Prozess begann im Grunde schon vor sieben Jahren, als ich damit begonnen hatte, ein Buch über meine Generation (Generation Forever Young, AAVAA Verlag 2017) - ich bin Jahrgang 1955 - zu schreiben und im Rahmen der Recherche zum Thema Altersforschung plötzlich voller Wucht mit dem Thema "Botox" konfrontiert wurde. Und schnell ergab sich aus vorläufig oberflächlichen Recherchen, was vermutlich vielen Menschen bekannt sein dürfte: Die Botox-Behandlung ist die am häufigsten praktizierte kosmetische Anwendung weltweit, der Begriff Botox ist der meistverwendete im Sprachgebrauch in der Beauty-Industrie - und: Botox ist seit vielen Jahren ein Milliardengeschäft der Pharma-Konzerne mit stetig rasant steigendem Wachstum. In welchen Größenordnungen sich die Zahlen dieses Geschäfts bewegen, kann nur grob geschätzt werden und wird - so wie die übrigen dunklen Tatsachen auch – wohl bewusst verschleiert, wenn nicht sogar für die Öffentlichkeit massiv manipuliert.

Diesen vor der Öffentlichkeit verborgenen Tatsachen würde man - wie mir dann bald klar wurde - auch mittels intensivster und fachlich versierter Recherche wohl nicht annähernd auf die Spur kommen, da eine vermutlich gezielte Strategie von unüberschaubaren unternehmerischen Transaktionen der Pharma-Konzerne über Jahre und Jahrzehnte hinweg das gigantische Täuschungsmanöver perfektionierte. Deshalb konnte ich diesen Wirrnissen natürlich nur ansatzweise auf den Grund gehen. Die Vorgehensweisen innerhalb dieser hoch komplizierten Machenschaften zu durchschauen und erst recht aufzuschlüsseln und zu Papier zu bringen, würde nun allerdings aller Vernunft nach keineswegs in meinen Kompetenzbereich als ehemals versuchsweise Kinderbuchautorin und viele Jahre kleine Presseberichte schreibende Lokalreporterin fallen. Und mich um die Winkelzüge trickreich arbeitender Großkonzerne zu kümmern, würde normalerweise auch nicht zu meinen Lebensaufgaben gehören.

Doch es erging mir, wie es häufig der Fall ist, sobald man sich intensiver mit einer Sache beschäftigt: eines kommt zum anderen und man stößt auf Informationen, die einen immer noch tiefer in die Thematik hineinführen, so dass man im Laufe der Zeit sogar leicht Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Und als ich dann auf immer interessantere Informationen stieß, begann ich, in meinem PC Ordner anzulegen und alles systematisch abzuspeichern. Und langsam wurde mir klar, dass ich darüber schreiben musste. Nicht nur über das gefährlichste Gift an sich, das ohnehin eine tickende Zeitbombe darstellt, sondern vor allem über eine der grausamsten und hinterhältigsten Tierquälereien dieses begonnenen und des vergangenen Jahrhunderts. 

Als ich verwundert feststellte, dass es bisher keine wirklich ernsthafte Publikation gibt, die sich mit dieser Katastrophe bewusst und kritisch auseinandersetzt, verfestigte sich langsam mein Vorhaben. Zwar gibt es durchaus zahlreiche kämpferische Veröffentlichungen der Tierschutz-Organisationen, die sich schon seit Jahren intensiv mit dem Thema befassen, die aber trotz ihrer Eindringlichkeit und obwohl sie schon viel bewegt haben, letztendlich keine radikale Veränderung bewirken konnten. Dies liegt einfach an der Übermacht der Konzerne und deren Vertuschungsmanövern, die, wenn sie in diesen Größenordnungen zelebriert werden, erstens kaum durchschaubar und zweitens - wenn doch – nicht veränderbar sind. Denn etwas verändern kann man nur, wenn man etwas verändern will. Hier jedoch will keiner etwas verändern außer den Tierschützern, die allerdings in den seltensten Fällen Gesetzesänderungen bewirken können. Und so kommen wir zu einem weiteren Kernpunkt des Dilemmas: Indem der Staat bei diesem weltweit blühenden Geschäft ordentlich absahnt, hat er natürlich auch kein Interesse daran, die Gesetzeslage zu ändern, im Gegenteil. Der Verdacht liegt sogar nahe, dass so manches glatte Gesicht aus den Reihen der Politprominenz mit dem gefährlichen Nervengift behandelt wurde. Möglicherweise auch deshalb, da die Politiker von heute – mit einigen wenigen Ausnahmen – es vor allem anstreben, wie ein Pop-Star im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen, anstatt sich ihrer eigentlichen Aufgabe zu widmen, nämlich der, ihrem Land bedingungslos zu dienen und zu nützen.

Darüber hinaus muss in Bezug auf die stetig und rasant steigenden Botox-Behandlungen davon ausgegangen werden, dass sich mittlerweile Angehörige beinahe aller sozialen Schichten selbstverständlich und ohne jemals die Problematik zu hinterfragen, mittels der Botox-Spritze „verschönern“ lassen (ob dies tatsächlich immer dem Resultat der Behandlung entspricht, ist ohnehin äußerst fraglich). Aus diesen Gründen – um nun die eingangs gestellte Frage zu beantworten – musste dieses Buch geschrieben werden in der Hoffnung, wenigstens einen schwachen Lichtschimmer in dieses hochaktuelle und hochbrisante Kapitel der Menschheit zu bringen.

*Der alte Kettenhund*

Ich bin allein, es ist schon Nacht und stille wird´s im Haus. Dort ist ein Feuer angemacht, dort ruht mein Herr sich aus. Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu, und ich auf meinem harten Brett  bewache seine Ruh.

Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht, der Wind aus Ost weht kalt; die Kälte ins Gebein mir kriecht, ich bin ja auch schon alt. Die Hütte, die mein Herr versprach, erlebe ich nicht mehr. Der Regen tropft durch´s nasse Dach, Stroh gab´s schon längst nicht mehr.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält, mein Winseln niemand hört - und wüsst´ mein Herr auch, was mir fehlt, er wird nicht gern gestört. Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal leck ich die Schüssel aus. Den Knochen, den ich jüngst versteckt, den holt´ ich längst schon raus.

Die Kette, die schon oft geflickt, sie reibt den Hals mir bloß, Sie reicht nur noch ein kurzes Stück, und nie werd´ ich sie los. Was Freiheit ist, das lern ich nie, doch weiß ich, ich bin treu. So lieg ich, warte auf den Tod, denn dieser macht mich frei.

(Unbekannter Verfasser)

Die Geschichte des Botulinumtoxins

Botulinumtoxin (BTX) – oder auch Botulinum-Neurotoxin (BoNT),Botulismustoxin, Botulinustoxin oder Botulin -ist zwar unter dem Namen „Botox“ heute in aller Munde, aber dennoch wissen viele Menschen nicht, woher es kommt und wie es wirkt. Botox® war das erste Fertigpräparat einiger ähnlich wirkender sogenannter neurotoxischer Proteine und ist auch deren Sammelbegriff und Handelsname. Bei dem Begriff „neurotoxische Proteine“ wird auch schon klar, was Botulinumtoxin ist und wie es wirkt, nämlich neurotoxisch, also nervenschädigend, und das bereits in einer extrem geringen Dosis.

Die Geschichte des Botulinumtoxins begann im Grunde bereits vor über 200 Jahren, als der württembergische Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) im Februar 1815 die Krankheit Botulismuszum ersten Mal wissenschaftlich darstellte. Kerner fand nämlich heraus, dass der Botulismus (von lat. botulus ‚Wurst‘) durch eine Fleisch- oder Wurstvergiftung ausgelöst wurde, das heißt, durch den Verzehr von verdorbenem Fleisch, Fisch, oder verdorbenen Fleischerzeugnissen. Ungefähr gleichzeitig mit dem Arzt und Mathematiker Johann Georg Steinbuch, der ebenfalls seine Forschungsergebnisse in Bezug auf das „Wurstgift“ publizierte, veröffentlichte Kerner im Jahre 1817 in der Fachzeitschrift Tübinger Blätter für Medizin und Arzneykunde die erste genaue Beschreibung der Symptome des Botulismus. Auf diese Symptome war Kerner gestoßen, da er in seiner Eigenschaft als Amtsarzt bei seinen Hausbesuchen auch die Ursachen von Lebensmittelvergiftungen untersuchen musste, die zu damaligen Zeiten viel häufiger auftraten als heutzutage. Das erste klinisch und epidemiologisch untersuchte Ausbruchsgeschehen des Botulismus wurde im Jahre 1793 in dem württembergischen Ort Wildbad dokumentiert, in dem 13 Personen nach dem Verzehr von hausgemachter Blutwurst an den typischen Symptomen erkrankten, sechs davon mit Todesfolge. Weitere schwere Ausbrüche in ländlichen Gegenden vor allem in Württemberg, aber auch in Bayern folgten infolge der mangelhaften hygienischen Zustände bei der Lebensmittelherstellung. Durch die in Süddeutschland verbreitete Armut nach den napoleonischen Kriegen und die für diese Gegenden traditionelle Herstellung von Kochwurstwaren (Blut- und Leberwurst) tauchten immer wieder schwere Erkrankungsfälle auf, für die es zunächst keine Erklärung gab. Dem perfektionistisch arbeitenden Kerner fiel jedoch bei seinen Hausbesuchen auf, dass die Erkrankungen ausnahmslos nach dem gemeinsamen Genuss von Kochwurstwaren auftauchten und weiter, dass von den in Gefäßen aufbewahrten Fleischstücken oder Würsten nur diejenigen giftig wurden, die zuunterst am Topfboden lagen und speziell dickere Würste nur im innersten Teil übelriechend faulig wurden. Dies ließ den ununterbrochen forschenden Arzt vermuten, dass sich das Gift vor allem unter Luftabschluss entwickelte. Speziell nach dem Ausbruchsgeschehen in Wildbad befasste sich Kerner näher mit dem Botulismus-Geschehen. Zeitgleich mit J. G. Steinbuch, ebenfalls Amtsarzt in Württemberg, der 1817 einen Fallbericht über einen Botulismus-Ausbruch nach dem Verzehr von Leberwurst mit sieben Erkrankten und drei Todesfällen verfasste, beschrieb J. Kerner ebenfalls ein tödlich endendes Botulismus-Geschehen aus seinem Amtsbezirk. Allerdings befasste sich Steinbuch danach nicht weiter mit dem Botulismus-Phänomen und Kerner forschte im Gegensatz dazu unbeirrt weiter, bis er schließlich im Jahre 1820 aufgrund seiner Untersuchungen das klinische Bild der Vergiftungserscheinungen durch das „Wurstgift“ oder „Fettgift“ in den Tübinger Blättern für Naturwissenschaften und Arzneykunde publizierte. Dieses klinische Bild hat aber heute noch Gültigkeit. So beschrieb er, dass sich das Gift, nachdem es über die verdorbene oder sogar verfaulte Nahrung in den Magen gelangt ist, nach vier bis zwanzig Stunden seine Wirkung zeigt, indem der Patient zunächst unter Sodbrennen leidet und eine „blutartige Flüssigkeit“ erbricht. Danach breite sich das Gift, so Kerner, in den sympathischen Nerven aus, vor allem das Herz und die Augen betreffend. Hierbei würden die Muskeln – insbesondere die äußeren geraden Muskeln - um die Augen bewegungsunfähig, sodass „die Augendeckel“ wie gelähmt über den „starren Augen“ hängen. Weiterhin erweitere sich die Pupille und reagiere nicht mehr auf Lichtreize, auch verschwinde die Tränenfeuchtigkeit, wie auch die „Haut vertrockne“. Abgesehen von der mechanischen Beeinträchtigung des Sehvermögens blieben aber wohl der Geruchs-, Seh- und Hörsinn unbeeinträchtigt, ebenso wie das Gehirn und das Rückenmark. Der Patient leide aber plötzlich außerdem unter einer heiseren Stimme oder sie bliebe ganz weg. Massiv beeinträchtigt werde aber das Schlucken – oder, wie Kerner es ausdrückte - trete die größte Hemmung im Schlingen ein, die zunächst im Bereich des Kehlkopfs, später dann etwa vier Zoll tiefer in der Speiseröhre empfunden werde, sodass diese zu einer todten und bewegungslosen Röhre werde. Kerner schilderte diese unangenehme Begleiterscheinung sehr detailliert weiter: So würden die flüssigen Nahrungsmittel eher mechanisch zum Magen fließen, da sich die Speiseröhre durch den fehlenden Schluckmechanismus ja nicht mehr zusammenziehen könne. Dies wiederum habe zur Folge, dass die Speisen bei der geringsten Körperbewegung wieder nach oben befördert würden. Festere Nahrung aber bliebe im Speisekanal hängen, was panische Angstzustände auslösen könne. Von der allgemeinen Austrocknung betroffen sei auch die Produktion des Mukus der Schleimdrüsen, der normalerweise als ein visköses, organisches Sekret die Schleimhäute wie ein feiner Film überzieht. In allen Schleimhöhlen der menschlichen Maschine, so führte der Dichterarzt aus, stehe die Absonderung dieses Mukus still, angefangen von der größten, des Magens, über die Speicheldrüsen und der Nase, des Gehörgangs mit der Eustachischen Röhre und so wie im Speisekanal auch in den Gedärmen. Getränke, die wieder aufwärts befördert würden, gerieten in die Luftröhre und wiederum in den Nasenkanal und die sogenannte Gaumensegellähmung stelle sich ein. Dies alles würde als äußerst schmerzhaft empfunden, besonders, wenn der Patient versuche, etwas zu trinken, da er unter starkem Durst leide, aber auch unter Hunger. Bezüglich der Dauer aller dieser Lähmungserscheinungen bestehe die Lähmung der Gedärme am längsten, die Gallensekretion bliebe aus, die Blase funktioniere nicht mehr, bis zuletzt eine Lähmung der peripheren motorischen Muskulatur, der Nervenleitungen, besonders die der Hirnnerven, eintrete. Ferner schilderte Justinus Kerner ein durch die Lähmungen verursachtes weiteres sehr beängstigendes Symptom, nämlich das plötzliche Eintreten einer Herzschwäche, so dass der Patient oftmals gar keinen Herzschlag mehr fühlen könne, ebenso berichtete er vom Stillstand der Lungenfunktion. Damit hatte er lange vor der Entdeckung des Bakteriums die Symptome und den Verlauf dieser gefährlichen Krankheit äußerst präzise beschrieben. Zusätzlich zu den Untersuchungen an seinen Patienten führte Kerner jedoch auch recht riskante Experimente an sich selbst (sowie an Tieren) durch, um die Wirkung des Giftes zu testen. Aufgrund all dieser Erkenntnisse schlug der Dichterarzt fünf Jahre später vor, dieses Gift, das er als Fettgift, Wurstgift und Fettsäure bezeichnete, in extrem niedrigen Dosen als Medizin oder Arzneistoff für verschiedene nervöse Störungen einzusetzen. Kernerbeschrieb auch weiterhin die Abhängigkeit der Giftwirkung von der Dosis, die lange Halbwertzeit des Gifts und überhaupt die lange Wirkungszeit, was ihn spekulieren ließ: Wenn man verstünde, das Wurstgift als Arzneymittel anzuwenden, hätte man vielleicht ein gutes Mittel.

Mit dieser Vermutung hatte der Dichterarzt mit den vielen Fähigkeiten beinahe auch eine Begabung zum Hellsehen bewiesen. Überhaupt sollte man der Person Justinus Kerners an dieser Stelle unbedingt noch weitere Beachtung zollen. Bereits in jungen Jahren zeigte sich Kerners Talent zur Dichtkunst, nachdem er als Ausgleich zu der stumpfsinnigen Kaufmannslehre, in die ihn seine Mutter nach dem Tode des Vaters gesteckt hatte, begonnen hatte, Gedichte zu schreiben. Die Tatsache, dass er die Kranken des im selben Gebäude untergebrachten „Irrenhauses“ durch sein Spiel auf der Maultrommel unterhielt, zeugt von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Deshalb war es nur gut für ihn, dass sein ehemaliger Pfarrer und Lehrer Karl Philip Conz- inzwischen Professor für alte Sprachen an der Universität Tübingen - bei Kerners Mutter durchsetzte, dass der junge Kerner studieren durfte. So studierte Justinus von 1804 bis zu seiner Promotion 1808 Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen. Während der Studienzeit war Kerner schon mit Ludwig Uhland, Karl Mayer, Gustav Schwab und Karl Heinrich Gotthilf von Köstlin befreundet. Aus diesem Kreis entstand später dieSchwäbische Dichterschule, zu deren namhaftesten Vertretern auch Justinus Kerner zählte. Seine Tochter Marie und sein Sohn Theobald – beide Schriftsteller – berichteten später nach dem Tode des Vaters in ihren Büchern von den illustren Treffen der Dichter und Künstler im Kernerschen „Geisterturm“ in Weinsberg. Mit seinen schlichten und innigen Gedichten wurde Kerner, der im Jahr seiner Pensionierung 1850 aufgrund seiner Verdienste geadelt und zum Ritter des Ordens der Württembergischen Kroneernannt wurde, über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Aus Freude am grotesken Humor schuf er seine „Klecksographien“, die wiederum aus den „Tintensäuen“ entstanden, die zunächst als Kleckse versehentlich auf die Briefe und Manuskripte des inzwischen fast erblindeten Dichters fielen. Indem er das Papier faltete, entstanden aus den zerdrückten Tintenklecksen abstrakte Zeichnungen, aus welchen er mit gekonnten Federstrichen Bildergeschichten schuf. Auch in der Heimatkunde engagierte er sich als Geschichtsschreiber von Weinsberg und um die Erhaltung der Burgruine Weibertreu. Der von ihm initiierte Frauenverein Weinsberg existiert tatsächlich bis heute. Letztendlich berühmt wurde Kerner mit seinen 1821 und 1822 erschienenen Schriften: Neue Beobachtungen über die in Württemberg so häufig vorfallenden tödlichen Vergiftungen durch den Genuss geräucherter Würste und Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkungen auf den thierieschen Organismus. Ein Beytrag zur Untersuchung des in verdorbenen Würsten giftig wirkenden Stoffes. Was aber hätte der feinsinnige Dichter und hochintelligente Wissenschaftler wohl dazu gesagt, wenn er von den Auswirkungen, die seine Forschungen rund 200 Jahre später erreichten, erfahren hätte?