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Sollen Frauen sich einfach nur verlassen auf Frauenquote und Genderwahn, wenn sie in Politik und Wirtschaft aufsteigen wollen? Anstatt unser Leben selbst in die Hand zu nehmen, so Jaegers Ansatz, jammern wir Frauen ständig herum. Die Botschaft der FAZ-Volontärin dürfte für viele, die sich in der Kunst der Beschwerde eingerichtet haben, unbequem sein: Frauen, vertraut auf die eigene Kraft, baut auf Eure Leistung - und nicht auf überflüssige Gesetze, die zur Gleichmacherei führen. Also: mehr machen statt maulen. Ein Lob der Leistung.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Impressum
Mona JaegerWer will schon Quotilde sein?Gegen Quotenwahn und Gleichmacherei.Eine Polemik
© Weissbooks GmbH Frankfurt am Main 2015
Alle Rechte vorbehalten
Konzept Design
Gottschalk+Ash Int’l
Umschlag/Illustration
© Julia Borgwardt, borgwardt design
Foto Mona Jaeger
© Marcus Kaufhold, FAZ
Satz
Anne Mayer-Tasch
Erste Auflage 2015ISBN 978-3-86337-088-6
Dieses eBook ist auch als Printversion erhältlichISBN: 978-3-86337-032-9
weissbooks.com
Mona JaegerWer will schon Quotilde sein?
Gegen Quotenwahn und Gleichmacherei.Eine Polemik
Vorwort
Teil 1
Gefahr!
Kopf einziehen
Weg mit den Mythen
Jetzt schlagen die Männer zurück
Ätsch!
Entspannt euch
Frauen sind nicht besser, aber anders
Die Politik muss uns nicht vor uns selbst schützen
Glück per Gesetz
Eine Studie für alles
Schöne neue Frauenwelt
Erst die Wirtschaft, dann die Politik
Die Kritiker sollen ruhig sein
Teil 2
Leistung wird zum Schimpfwort
Seien wir mal ehrlich
Gender, Gender, Gender
Helft den Männern
Nicht jeder ist gleich gut
Schluss mit der Engstirnigkeit
Wer will schon Quotilde sein?
»Das haben wir Frauen doch gar nicht nötig! Wer will denn schon gern die Quotilde sein?«
Nicola Leibinger-Kammüller
Es ist ein großes Glück, eine Frau zu sein. Und es ist ein großes Unglück, eine Frau zu sein. Aus eigener Erfahrung kann ich erst einmal sagen: Eigentlich fühlt es sich ganz gut an, als Frau. Zwar habe ich keinen direkten Vergleich, aber ich bin durchaus zufrieden. Darf ich das überhaupt sein? Stecke ich nicht eigentlich in einem »geschlechtsspezifischen Gefängnis«, wie es die Wirtschaftswissenschaftlerin, Buchautorin und Frauenberaterin Barbara Schneider in ihrem Buch »Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf« sagt? Angeblich stecke ich, stecken all wir Frauen nämlich in der Fleißfalle, wollen jedem gefallen und lassen uns von Männern immer noch den Stempel aufdrücken. Überall wird uns Frauen eingeredet, wie schlecht wir behandelt werden; mal sind die gesellschaftlichen Strukturen Schuld, mal das Steuerrecht, im Zweifel aber sind es immer die Männer, denn die haben sich schließlich sowohl die Strukturen als auch das Steuerrecht ausgedacht. Wir Frauen werden noch immer unterdrückt und drangsaliert, so die Botschaft. Wir sind noch immer das schwache Geschlecht, dabei sind wir doch eigentlich stark. Viel stärker zumindest als die bösen Männer. Mit ihren selbstgemalten Pappschildern und gebrüllten Parolen wollen uns die Frauenversteher endlich zum Kampf aufrufen. Und wer nicht kämpfen will, hat einfach nur noch nicht kapiert, dass man immer auf der richtigen Seite steht, wenn es die der Frauen ist. Und wer ist schuld daran? Richtig, auch die bösen Männer.
Doch keine Angst: Die Frauenkämpfer haben sich da etwas ausgedacht. Das Wundermittel heißt: Frauenquote! So steigen die Frauen endlich auf, übernehmen die Chefsessel in den Dax-Vorständen und regieren die Welt. Von überall schallt es her: Frauen an die Macht! Mit Frauen geht’s uns besser! Weg mit den Männern! Und das Erstaunliche: Viele finden das gut, sogar einige Männer. Aber muss man es wirklich gut finden, wenn die Forderung nach einer Frauenquote immer mehr zum Selbstzweck zu verkommen scheint? Hat eigentlich jemand die Mehrzahl der Frauen gefragt, was sie wollen?
Vielleicht wäre es ihnen ja viel lieber, wenn sie nicht als »Quotenfrau« an ihren männlichen Kollegen vorbeiziehen, sondern wegen ihrer guten Leistungen befördert würden. Wenn sich Leistung überhaupt wieder mehr lohnt. Und wir endlich von der paradiesischen Vorstellung wegkommen, dass wir alle gleich talentiert, gleich wunderbar, überhaupt irgendwie gleich sind. Aber dazu gehört auch, zuzugeben, dass man manches nicht so gut kann, dass sich vielleicht nicht jede Frau für jeden Beruf eignet (wie auch nicht jeder Mann) und man stattdessen zu seinen Entscheidungen, zum Beispiel für’s Kinderkriegen und gegen den nächsten Karriereschritt, stehen muss. Das kann unangenehm sein. Von mir aus. Aber es ist bitter nötig.
Frauen sind überall von Feinden umgeben. Die größte Gefahr sind natürlich erst einmal die Männer, denn von ihnen gibt es viele und sie sind stark. Und sie wollen das, was sie über Jahrhunderte angesammelt haben – ihre Privilegien, dicken Portemonnaies und Vorstandsposten – natürlich behalten. Wer würde das nicht wollen. Und deswegen bekämpfen sie die Frauen. Denn die wollen inzwischen auch ran an die dicken Portemonnaies und aufsteigen in die Führungsetagen der großen und wichtigen Unternehmen.
Aber die Frauen haben noch einen Gegner, der sich gegen ihren Aufstieg stemmt – und der sitzt in ihnen selbst. Wenn gerade kein böser Mann zur Hand ist, behaupten Frauen deswegen gerne: »Ich traue mir das nicht zu.« oder »Das kann ich nicht.« Aber wahrscheinlich wurde ihnen das auch nur über Jahrhunderte von den neidischen Männern eingeredet, die Angst um ihre Pfründe haben. Denn dass eine Frau sich für eine Aufgabe, zum Beispiel das Führen eines Dax-Konzerns mit Milliardenumsatz, nicht geeignet fühlt, kann es doch gar nicht geben, oder? Frauen können doch alles! Mindestens so gut wie Männer! Eigentlich sogar besser! Weil sie verständnisvoller, einfühlsamer und ausgeglichener sind als der Rest der Welt. Das ist ja offensichtlich. Oder etwa nicht?
Die Welt, das glauben immer mehr Menschen, wäre eine bessere, wenn es nur Frauen gäbe – vor allem in der Wirtschaft und in der Politik. Denn Frauen fahren keine Firmen an die Wand und führen keine Kriege. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das womöglich ganz anders aus, aber für die Realität haben sich all die Feministinnen, Frauenförderer und Frauenversteher noch nie sehr interessiert, und in der Vergangenheit hatten sie auch immer ein gutes Argument auf ihrer Seite. Denn sie konnten nicht zu Unrecht behaupten, dass es ja kaum Frauen an der Spitze der Wirtschaft und der Politik gibt und dass deswegen all die Katastrophen, die uns tagtäglich umgeben, von Männern verursacht sein müssen. Und dass die Frauen nur deswegen nicht aufsteigen und die Welt verzaubern können, weil die Männer das verhindern. Deswegen kann auch niemand etwas dagegen sagen, wenn behauptet wird, Frauen würden alles besser machen, würde man sie nur lassen.
Aber noch immer gibt es angeblich so viele Dinge, die Frauen daran hindern. Um ihre Fleischtöpfe zu retten, haben die Männer zum Beispiel die sogenannte gläserne Decke erfunden. Sie ist genial: Man sieht sie nicht, aber sie ist trotzdem da. Das macht sie für alle Beteiligten zu einer wunderbaren rhetorischen, fast unschlagbaren Waffe. Diejenigen, die behaupten, dass Frauen nicht aufsteigen können, brauchen sich um den Beweis der gläsernen Decke nicht zu kümmern, denn schließlich ist die prägende Eigenschaft dieser Decke, nicht sichtbar zu sein. Man beobachtet vielmehr nur ihre Wirkung, was sie in den Augen der Kämpferinnen für die Frauenrechte zu einer noch fieseren Sache macht. Und diejenigen, die behaupten, es gebe keine gläserne Decke, können sagen: Zeigt ihn uns doch, euren bösen Glasdeckel. Wir sehen ihn nicht.
Wer hat Recht? Gibt es nun eine gläserne Decke? Erst einmal sieht man an den Diskussionen darüber, welche Karriere ein einprägsamer Begriff machen kann. Er taucht in den Titeln von Talkshows, den Covern von Zeitschriften und in diversen Zeitungsartikeln auf. Weil er so schön bildlich das Thema Quote illustriert und sich jeder eine gläserne Decke (die dann vielleicht nicht ganz so unsichtbar ist) gut vorstellen kann. Frauen können sich an ihr den Kopf stoßen und dabei sehen, wie die Männer mit ihren Businessschuhen auf ihnen herumtrampeln.
Selbst Hillary Clinton, Expräsidentengattin und frühere amerikanische Außenministerin, beschreibt in ihren Erinnerungen über ihre Jahre im State Department die gläserne Decke, an der sie selbst freilich irgendwie vorbeigekommen sei und die nun einige Sprünge habe, weil sie, Clinton, und eine Reihe ihrer weiblichen Mitarbeiter dafür gesorgt hätten, dass sich Frauen mehr für Politik interessieren. Wie schön, Frauen als Vorbilder. Darüber wird noch zu sprechen sein, aber erst einmal fällt doch auf: Offenbar ist die gläserne Decke nicht ganz so hinderlich, wie alle behaupten, schließlich gibt es ja Frauen, die sie überwinden und an die Spitze gelangen, nicht nur Hillary Clinton gehört dazu.
