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Ein brüchiger Frieden, ein gefährliches Bündnis - und ein Verlangen, das stärker ist als Hass
Alisha ist Alpha des Wolfsrudels von Downtown Los Angeles und fest entschlossen, den brüchigen Frieden mit den Vampiren aufrechtzuerhalten. Doch eine Reihe gezielter Angriffe bringt die fragile Waffenruhe ins Wanken.
Um zu verhindern, dass der Konflikt ausartet, muss Alisha ausgerechnet mit Mason zusammenarbeiten. Der Älteste der Vampire ist kühl, berechnend und gewohnt, zu bekommen, was er will - und dabei gefährlich attraktiv. Alisha weiß, dass sie ihm nicht trauen darf. Er ist ihr Feind. Doch sie kann sich der Anziehung zwischen ihnen nicht entziehen.
Eine Spur führt Mason und Alisha in die geheime Unterwelt der Nachtwesen - ein Ort, den selbst Mason meidet. Und je tiefer sie in die Schatten vordringen, desto schwieriger wird es, die Grenze zwischen Hass und Verlangen zu ziehen ...
Verbotene Liebe, dunkle Geheimnisse und eine Stadt, die in Flammen steht - der zweite Band der düster-romantischen Urban-Fantasy-Reihe um die Werwölfe von L.A.
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Seitenzahl: 354
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Inhalt
Grußwort des Verlags
Über dieses Buch
Titel
Playlist
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
Epilog
Danksagung
Über die Autorin
Hat es Dir gefallen?
Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Titelseite
Inhaltsbeginn
Impressum
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Alisha ist Alpha des Wolfsrudels von Downtown Los Angeles und fest entschlossen, den brüchigen Frieden mit den Vampiren aufrechtzuerhalten. Doch eine Reihe gezielter Angriffe bringt die fragile Waffenruhe ins Wanken.
Um zu verhindern, dass der Konflikt ausartet, muss Alisha ausgerechnet mit Mason zusammenarbeiten. Der Älteste der Vampire ist kühl, berechnend und gewohnt, zu bekommen, was er will – und dabei gefährlich attraktiv. Alisha weiß, dass sie ihm nicht trauen darf. Er ist ihr Feind. Doch sie kann sich der Anziehung zwischen ihnen nicht entziehen.
Eine Spur führt Mason und Alisha in die geheime Unterwelt der Nachtwesen – ein Ort, den selbst Mason meidet. Und je tiefer sie in die Schatten vordringen, desto schwieriger wird es, die Grenze zwischen Hass und Verlangen zu ziehen ...
Maria Winter
When the Shadows whisper my Name
Man on a Mission – On The Larceny
The Way I Are – Timbaland, Keri Hilson, D.O.E.
Breakout – The Score
Gallows – The Score (feat. Jamie N Commons)
Not Scared of the Dark – Zayde Wolf
The Monster – Eminem, Rihanna
The Ghost Intervention (Demo) – Imagine Dragons
Morning After Dark – Timbaland, Nelly Furtado, Soshy
The Emptiness Machine – Linkin Park
How Did It End? – Taylor Swift
The Last Bit Of Us – Dean Lewis
The Heat – The Score
Mason
Es war der Duft von Blut, der einem Untoten wie mir wieder das Gefühl von Lebendigkeit verlieh – oder zumindest eine Vorstellung davon.
Ich hob das kristallene Whiskeyglas an meine Nasenspitze und nahm einen tiefen und genüsslichen Atemzug. Und ich wusste, dass es genau das war, wonach ich mich den ganzen Tag gesehnt hatte. Jede einzelne meiner Zellen lechzte danach, während der metallisch glatte Geruch in meine Lunge drang und sie mit einer Mischung aus Leben und Tod gleichermaßen füllte.
Ich ließ den Rand des Glases an meine Lippen gleiten, ehe ich es kippte und die eiskalte Flüssigkeit in meinen Mund rann. Eisen überzog meine Zunge, während ich einen Hauch bitterer Vanille herausschmeckte.
Ich schloss die Augen, als ich mich auf der ledernen Couch zurücklehnte, tief in das Polster sank und sich das Genusserlebnis vervollständigte.
Es waren Momente wie diese, in denen ich den Wert der roten Flüssigkeit vollumfänglich zu schätzen wusste. Es hatte etwas unbeschreiblich Machtvolles an sich, das Lebenselixier eines Menschen zu trinken. In dem Wissen, ihn und Generationen nach ihm zu überdauern.
Ich war ein Vampir. Mein Blut war längst zu einer zähen schwarzen Paste gefroren. Meine Haut strahlte die Kälte einer wolkenlosen Nacht aus. Und mein Schicksal war es, in den Schatten zu wandeln. Mit der Dunkelheit zu verschmelzen.
Ich öffnete die Augen, drehte das Glas in meiner Hand und beobachtete, wie die Flüssigkeit gegen die Seiten schwappte.
Das war der Preis, den ich zahlte, damit ich noch auf der Erde weilen würde, während die rote Substanz vor mir längst zu Staub zerfallen war.
»Da scheint jemand einen anstrengenden Tag gehabt zu haben.«
Ich drehte meinen Kopf in Richtung der Eingangstür des Darkrooms. Der silberne Rahmen glitzerte im ozeanblauen Licht, das den Raum ausfüllte und ihm eine eigentümliche Ruhe verlieh. Sie war es, weshalb ich die meiste Zeit im Golden Rush hier hinten verbrachte. Abseits der lauten Gespräche an der Bar oder der grunzenden Laute vor der Bühne.
Grave Thorne schloss die schwarz lackierte Tür hinter sich und musterte mich grinsend.
»Du siehst scheiße aus, Mason.«
Ich verengte die Augen zu Schlitzen. Wenn ein anderer Vampir so mit mir reden würde, würde ich nicht zögern, ihm auf der Stelle eine seiner Gliedmaßen auszureißen. Damit er wusste, wo sein Platz war.
Doch bei Grave war es etwas anderes. Er war mit seinen hundertdreiundachtzig Jahren fast so alt wie ich. Und ich kannte ihn bereits mein gesamtes vampirisches Leben lang.
Mein Blick fiel auf seine langen braunen Haare, die er zu einem Zopf gebunden trug. Zusammen mit dem leichten Bartschatten und seinem dunklen Blick wirkte er nicht gerade wie einer der ältesten Vampire von Los Angeles. Oder vielmehr wie jemand, der sich seines Alters und seiner Erfahrung bewusst war.
Nur sein perfekt sitzender nachtblauer Anzug, der zweifellos maßgeschneidert war, ließ darauf schließen, dass er wohlhabender war, als er auf den ersten Blick aussah.
Mein Mundwinkel zuckte. »Sagt der Nachtclubbesitzer mit den unrasierten Wangen und dem Frauenhaarschnitt.«
Grave funkelte mich an, ehe er auflachte. Er trat zu mir und hob sein Glas, um anzustoßen.
Unter anderen Umständen könnten solche Provokationen unter Vampiren wie uns schnell in einem todbringenden Gerangel enden. Glücklicherweise verband Grave und mich nicht nur das ähnliche Alter, sondern auch eine langjährige Freundschaft.
»Cheers.«
Grave hob sein Glas an seine Lippen und leerte es in einem Zug, während ich mir weiter Zeit mit meinem Getränk ließ. Er stellte es vor mir auf den Beistelltisch, ehe er neben mir Platz nahm.
»Zum Glück habe ich etwas mitgebracht, was deine Stimmung auf jeden Fall heben wird.« Grave warf mir ein anzügliches Grinsen zu. »Oder vielmehr jemanden.«
Wie aufs Stichwort leuchtete auf der Solo-Bühne vor uns ein gedimmtes Licht auf, und eine Blondine mit traumhaft langen Beinen trat hinter dem Vorhang hervor.
Sie fixierte mich mit ihren grünen Augen und senkte demütig den Kopf.
»Meister.«
Grave gab ihr ein Handzeichen, woraufhin sie sich an der silbernen Stripstange in der Mitte der Bühne zu räkeln begann. Ihre schwarze Unterwäsche war so knapp geschnitten, dass sie sie auch direkt hätte weglassen können. Ihre harten Nippel zeichneten sich gut sichtbar unter dem dünnen Stoff ab, und der winzige String bedeckte geradeso den Bereich zwischen ihren Schenkeln.
Es war kein Anblick, der mich überaus erregte – zumindest noch nicht. Doch er verfehlte seine Wirkung nicht. Ich begann mich tatsächlich zu entspannen.
»Liana«, sagte ich anerkennend in Richtung der Frau. »Du weißt, was ein Mann braucht, der den ganzen Tag nur mit horrenden Zahlen und den Schmierlappen zu tun hat, die sogar ihre eigene Mutter verkaufen würden, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen.«
Ich sprach aus Erfahrung. Um mit mir auf dem Immobilienmarkt der Stadt ins Geschäft zu kommen, wurde mir nicht nur breit ins Gesicht gegrinst, sondern auch Zahlen und Datenblätter gefälscht. Besonders, wenn es darum ging, etwas an mich zu verkaufen. Ich hatte diese Vorgehensweise längst durchschaut und an der ein oder anderen Stelle ein Exempel statuiert, sodass sich das Ganze mittlerweile in Grenzen hält.
»Ich frage mich sowieso, wie du das Tag für Tag aushältst. Ich würde sterben vor Langeweile«, brummte Grave, und ich musste schmunzeln.
Das glaubte ich ihm sofort. Nicht umsonst hatte er entschieden, als Geschäftsmann im Nachtclubbusiness tätig zu sein. Sein Gewerbe bestand aus Frauen, Geld und Feierlichkeiten. Was zumindest auf den ersten Blick spannender wirkte als der An- und Verkauf von Immobilien.
»Es ist nicht langweilig.« Das war definitiv der falsche Begriff für das, was ich tat. »Es ist ein Spiel. Ein Spiel um Macht und Geld.«
Das fasste es tatsächlich ganz gut zusammen. Meine alltägliche Aufgabe bestand darin, Investitionen zu erkennen und Chancen zu nutzen. Menschen zu lesen und zu verstehen. Und schließlich ein gewinnbringendes Geschäft abzuschließen.
Dass ich gut darin war, hatte ich bereits früh erkannt. Im wilden achtzehnten Jahrhundert, während die Stadt Stück für Stück expandierte und sich ausgiebiger Gewalt hingab, hatte ich es mithilfe dieses Talentes geschafft, mich als Geldgeber für kleinere Bauprojekte zu etablieren. Es war ein Geschäft, das ich nie vernachlässigt hatte und das in den letzten Jahrzehnten schließlich zu vollem Umfang gewachsen war. Nahezu jedes größere Bauprojekt in L.A. ging mittlerweile über meinen Tisch.
»Du nennst es ein Spiel.« Grave warf mir einen strengen Blick zu. »Bis aus dem Spiel plötzlich Ernst wird.«
Ich wusste, auch ohne dass er es genauer benannte, dass er Lester Anderson meinte. Jener Konkurrent, der mir schon lange geschadet hatte und dabei alles gefährdete, was mich und meine Art ausmachte.
Er war ein Mensch, der herausgefunden hatte, was ich war. Und der allein aus diesem Grund ein Mittel hatte entwerfen lassen, was mir und meinen Angestellten gefährlich wurde. Es schwächte meine Untergebenen so stark, dass ich mich gezwungen sah, Werwölfe entführen zu lassen, damit ihr Blut meinen Leuten wieder zu Kräften verhalf. Was wiederum beinahe einen eskalierten Konflikt mit dem Rudel von Downtown, welches das größte der Stadt darstellte, nach sich gezogen hätte. Doch mit vereinten Kräften war es uns schließlich gelungen, Lester Anderson mit all seinem Wissen über uns aus dem Weg zu schaffen. Das Mittel und seine Waffen hatten wir sichergestellt und sorgsam verwahrt, sodass sie nie wieder einem Vampir in der Stadt schaden würden.
Mit tiefer Genugtuung dachte ich daran, wie ich meine spitzen Zähne in seinen Hals geschlagen hatte, um das letzte bisschen Leben aus diesem Mistkerl zu saugen.
»Nichts ist ohne Risiko«, entgegnete ich, weil es tatsächlich so war. Das hatte ich in meinen zweihundert Jahren nur zu gut gelernt.
»Das nächste Mal schaltest du einen Kerl wie diesen direkt aus.«
In diesem Punkt allerdings hatte Grave recht. Ich hatte viel zu lange gewartet, mich um Anderson zu kümmern. Hatte die Gefahr nicht ernst genug genommen. Noch einmal würde mir das ganz sicher nicht passieren.
Ich stützte mich auf der Lehne der Couch ab und hielt mir das kalte Glas gegen die Schläfe, um den Druck dahinter zu mildern. Er zeigte sich immer, wenn ich an Anderson zurückdachte. Und daran, was sein Verhalten angerichtet hatte.
Immerhin wollte ich kein weiteres Mal auf die Hilfe von Alisha Garcia und damit die eines Werwolfs angewiesen sein.
»Hat sich die Werwolflady eigentlich wieder beruhigt?«, fragte Grave, als hätte er meine Gedanken gelesen.
Wir waren damals ordentlich aneinandergeraten. Zu Recht, wie ich zugeben musste. Ich wäre an ihrer Stelle auch nicht erfreut über mein Vorgehen gewesen. Alisha leitete das Rudel in Downtown – einen mehr oder weniger losen Zusammenschluss ihrer Artgenossen. Und als Alpha fühlte sie sich für ihre Wölfe verantwortlich, was sie mich damals hatte spüren lassen.
»Soweit man bei einem Werwolf davon reden kann«, entgegnete ich und erinnerte mich an die Ohrfeige, die sie mir in meinem Penthouse verpasst hatte. Es war das erste und einzige Mal gewesen, dass ich so einen Frevel hinnahm. Sollte sie noch einmal Hand an mich legen, würde sie das bereuen.
Grave lachte dunkel, ehe er wieder ernst wurde. »Ich weiß, du vertrittst diese Meinung nicht, doch es ist nach wie vor eine Schande, dass wir diese wunderbare Stadt mit ihnen teilen müssen.«
So wie Grave dachten viele in unseren Reihen. Und ich konnte es ihnen nicht verübeln. Wenn ich ehrlich war, wäre es mir auch lieber, die Werwölfe hätten Los Angeles längst den Rücken gekehrt. Wo unsere Arten aufeinandertrafen, waren Spannungen vorprogrammiert.
Doch die immer wiederkehrenden Kämpfe der vergangenen Jahrzehnte hatten gezeigt, dass keiner von uns weichen wollte und eine Waffenruhe die beste Methode war, um ein Zusammenleben zu ermöglichen.
»Sie sind und bleiben Tiere«, knurrte Grave neben mir, während sein Blick auf der Stripperin lag.
Ich wandte mich zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Ich wollte nicht, dass er Zweifel daran hegte, dass ich auf seiner Seite stand. »Und genau das werden wir sie immer spüren lassen.«
Zwar war es nicht ganz so einfach. Erst recht nicht nach den jüngsten Ereignissen, bei denen ich sogar aus diplomatischen Gründen eine hübsche Summe an die geschädigten Werwölfe gezahlt hatte. Doch tief im Herzen teilte ich Graves Abneigung gegen die Flohträger. Dafür hatte ich bereits zu viele Kämpfe gegen sie gefochten.
Wie auch ich war Grave nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg nach Los Angeles gekommen. Es war eine Zeit des Umbruchs und der Findung gewesen. Die Stadt begann sich erst gerade richtig zu entwickeln. Und als ich in den Immobilienmarkt einstieg, traf ich auf Grave, der eine alte Stallung von mir erwarb und sie zu einer Bar umbaute. Es gab nicht besonders viele Vampire in der Stadt, weshalb wir schnell zueinanderfanden, um uns auszutauschen und uns mit Blut auszuhelfen. Daher bekam ich es auch am eigenen Leib zu spüren, als Graves Bar eines Nachts von streitsuchenden Schlägern heimgesucht wurde, die nach dem Krieg von der Sinnlosigkeit ihrer Existenz angetrieben wurden. Sie zerschlugen nicht nur sämtliches Mobiliar, sie gingen auch gnadenlos auf uns los. Nicht umsonst galt Los Angeles während dieser Periode als die härteste und gesetzloseste Stadt westlich von Santa Fe.
Das war das erste Mal, dass wir Bekanntschaft mit Werwölfen machten. Und es war der Beginn einer langen, blutigen Auseinandersetzung, während der wir Dutzende Male aneinandergerieten und Grave seine Bar zweimal beinahe von Grund auf wiederaufbauen musste. Bis zu jener Nacht, in der sie versuchten, uns und andere vampirische Gäste abzufackeln. Und in der wir zurückschlugen und fünf Wölfe ihr Leben lassen mussten.
Es war eine radikale Entscheidung gewesen, die zumindest vorübergehend für Ruhe gesorgt hatte und meine Stellung als Ältester in der Stadt begründete.
Meine Versicherung, dass ich unsere gemeinsame Abneigung nie vergessen würde, entlockte Grave ein Lächeln, ehe er sich schließlich erhob.
»Genieß deinen Feierabend. Du hast ihn dir verdient.«
Grave entfernte sich von mir, und als er die Tür hinter sich zugezogen hatte, verließ Liana die Bühne und kam mit lasziven Schritten auf mich zu. Mit funkelnden Augen blieb sie stehen und öffnete mit ihren geschickten schmalen Fingern den Verschluss ihres BHs. Sie ließ die Träger über die Arme gleiten und entblößte damit ein wohlgeformtes Paar Brüste. Ich wusste, auch ohne dass ich sie berührte, dass sie perfekt in meine Hände passen würden.
Ohne zu zögern kletterte Liana auf meinen Schoß, um sich direkt über meinen Schwanz zu positionieren. Sie rieb sich an ihm, was dazu führte, dass er meine Hose vollends ausbeulte. Sie beugte sich herab zu meinem Hals, um zuerst mit ihren Lippen, dann mit ihren Reißzähnen über meine Haut zu kratzen.
Es war dieser Moment, der mich die Hürden des Tages, das Spiel um Macht und sogar die verdammten Werwölfe vergessen ließ.
Grave hatte gewusst, was ich brauchte, und ich dankte ihm stumm dafür, dass er mich so gut kannte.
Mason
Die Nachtluft umfing mich mit ihrer kühlen Brise, als ich das Golden Rush verließ. Mein Blick glitt zum nächtlichen Himmel über mir, dessen Sterne kaum sichtbar waren. Dafür war die Lichtverschmutzung zu stark, selbst um drei Uhr morgens.
Auf dem Parkplatz vor mir leuchteten die Scheinwerfer einer Limousine. Mit schnurrendem Motor fuhr sie aus der Lücke direkt auf mich zu. Als sie mich erreicht hatte, trat ich an das Fenster des Fahrers. Ich gab ein Handzeichen, und die getönte Scheibe wurde hinuntergelassen.
»Mr. Carter«, sprach mich Joseph mit meinem Nachnamen an. Der Mann, der sich bereits in seinen Fünfzigern befand und seine schneeweißen, schulterlangen Haare zu einem akkuraten Zopf gebunden trug, nannte mich nicht Meister, weil er kein Vampir war. Und dennoch war er mehr als bereit, meinen Befehl zu empfangen. Er arbeitete seit fünfzehn Jahren für mich. Joseph war bereits davor als Taxifahrer tätig gewesen. Niemand kannte die Stadt und ihre Straßen so gut wie er.
Das war ein Grund, weshalb ich ihn engagiert hatte. Ein anderer war, dass er äußerst diskret arbeitete. Als vor einigen Jahren ein Deal mit einem Konkurrenten ausgeartet war, hatte er etwas von meiner anderen Seite mitbekommen. Doch anders als erwartet zeigte sich Joseph nicht entsetzt. Vielmehr half er mir beim Beseitigen der Spuren.
Er schien kein Problem damit zu haben, dass ich ein Vampir war. Natürlich hatte ich ihn eine Verschwiegenheitserklärung der Extraklasse unterschreiben lassen, doch insgeheim hatte ich nie befürchtet, dass mich Joseph verraten könnte.
Und ich musste zugeben, dass ich seine schweigsame Gesellschaft mochte. In einer Welt, in der andauernd irgendjemand etwas von mir wollte, war eine Fahrt mit Joseph eine willkommene Abwechslung. Heute jedoch stand mir der Sinn nach etwas anderem.
»Mach dich auf den Weg zum Penthouse. Ich werde laufen.«
Die Morgendämmerung lag noch in weiter Ferne. Dies war eine der Nächte, in der ich diesen Fakt ausnutzen konnte.
Joseph nickte lediglich, ehe er das Fenster wieder schloss und in Richtung Main Street fuhr. Er hatte die ganze Nacht auf mich gewartet, nur damit ich ihn jetzt wegschickte.
Am Anfang unserer Zusammenarbeit hatte ich trotz meiner Stellung als Arbeitgeber ein schlechtes Gewissen gegenüber Joseph gehabt. Er musste mir meinen Zwiespalt angemerkt haben, auch ohne dass ich etwas sagte. Joseph beteuerte mehrmals, dass ihm das Warten nichts ausmache. Er lebte ohnehin allein, und für mich wartete er gern.
So wie auch die meisten Vampire gern für mich arbeiteten. Ich wusste, wie das eiserne Konstrukt eines Ältesten-Meisters in der Stadt wirkte. Doch die Vampire lebten unter mir in einer Struktur, die sie brauchten. Immerhin war jeder Einzelne von uns ein blutsaugendes Monster. Und jeder Einzelne würde für seine nächste Mahlzeit töten, wenn es darauf ankam.
Ich verließ den Parkplatz und schlug den mir bekannten Weg durch South Park in Richtung Financial District ein. Er führte durch eine Nebenstraße auf die beleuchtete Main Street. Um diese Uhrzeit war ich nahezu allein. Nur ich und der abgeschwächte Puls der Stadt. Es war ein eigentümliches Gefühl, das mir einen angenehmen Schauer über die Haut jagte.
Mich streifte eine vage Erinnerung an das Leben vor meinem untoten Dasein. Damals wäre ich nicht durch das nächtliche Los Angeles gelaufen. Den Blick auf den Horizont gerichtet, um den nahenden Sonnenaufgang im Auge zu behalten.
Damals wäre ich nach einem Abend wie diesem erschöpft und müde heimgetorkelt. Trunken von scharfem Schnaps und der vergangenen Ekstase. Attribute, die mir seit meiner Verwandlung vollkommen abhandengekommen waren. Was auf den ersten Blick ein Vorteil war, keine Frage. Allerdings sehnte ich mich hin und wieder danach, die Beine hochzulegen und den Moment zu genießen, während der Verstand langsam wegdriftete.
Damals wäre ich nicht durch das nächtliche Los Angeles gelaufen, weil ich geschlafen hätte. Etwas, was ich seit knapp zweihundert Jahren nicht mehr erlebt hatte.
Ich griff in meine Jackentasche und fischte eine Zigarre heraus, die ich mit einem Feuerzeug anzündete. Genüsslich inhalierte ich den giftigen Rauch, während ich mich dem Financial District und damit den Wolkenkratzern der Stadt näherte. Mein Gebäude stand umringt von anderen ziemlich in der Mitte. Es war etwas kleiner als der Turm links daneben, und dennoch zählte es mit seinen zweihundertneunzig Metern zu den höchsten Gebäuden von Los Angeles. Ich hatte es mit als Erstes erbaut und stetig modernisiert, sodass es sich perfekt in das Bild der Stadt einfügte.
Ich wollte nicht sagen, dass es mein ganzer Stolz war. Doch ich hatte definitiv genug Geld und Zeit hineininvestiert, dass es gelogen wäre, wenn ich behauptete, dass es mir nicht wichtig war. Dieser Wolkenkratzer war das Aushängeschild meiner Firma. Und als solches sollte er auch von jedem Menschen und Nachtwesen in der Stadt wahrgenommen werden.
Ich inhalierte einen weiteren Zug, ehe ich in eine Nebenstraße abbog, die als Abkürzung fungierte. Gleich hätte ich mein Ziel erreicht und ...
Die Nebenstraße besaß nur eine einzige Fahrbahn, an deren rechter Seite eine Reihe an Fahrzeugen parkte. Und an die eine humpelnde Gestalt stolperte.
Was ...?, dachte ich und schärfte alle meine Sinne.
Natürlich konnte es sich auch einfach um einen Betrunkenen handeln, der sich auf dem Heimweg befand. So wie ich. Trotzdem, in einer Situation wie dieser machte ich mich auf alles gefasst.
Bis auf den blutüberströmten Anblick des Mannes, der sich mir bot, als er den Lichtkegel einer Straßenlaterne erreichte.
»Meister«, keuchte er, während er sich mit einer Hand die Wunde an seinem Hals hielt und mit der anderen den Pfahl in seiner Brust umklammerte. Der Wind trug den Geruch von Verwesung in meine Richtung. Doch ich hatte längst anhand der schwarzen Pampe, die einmal Blut gewesen war, erkannt, dass es sich um keinen Menschen, sondern um meinesgleichen handelte.
Ich ließ die Zigarre fallen und war mit zwei Schritten bei ihm. Gerade schnell genug, bevor er in meinen Armen zusammenbrach. Ich ließ mich mit ihm zu Boden sinken und starrte auf die Wunde an seinem Hals, die ihm offenbar ebenfalls mit einem Holzpfahl zugefügt worden war. Zwar hatte sie ihn nur verletzt und nicht gelähmt, trotzdem hatte sie eine tiefe Wunde hinterlassen, die zumindest für den Moment schrecklich schmerzhaft aussah.
»Sie haben mich erwischt, Meister. Sie ...«
»Wer war das?«, fragte ich mit meinem kühlen, geschäftlichen Tonfall. Bemüht, die Kontrolle über die Situation zu behalten.
»Sie ...«
Erneut wollte ich nachhaken, bis mir klar wurde, dass ich das nicht mehr musste. Jetzt, da ich ihm so nahe war, konnte ich deutlich den Gestank von räudigem Hund an seinem Körper ausmachen. Er haftete ihm an wie eine Krankheit.
»War das ein Werwolf?« Meine Stimme bebte.
Der Mann verzog das Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse.
»Es war eine dieser Bestien. Ich war gerade auf dem Heimweg, als sie mich hinterrücks angegriffen hat. Sie hat mir diese verdammten Pfähle in den Körper gejagt«, sagte der Mann und deutete auf die Wunde am Hals und auf den Pfahl, der noch immer in seiner Brust steckte.
Es war diese Information, die den Genuss der letzten Stunden gänzlich auslöschte. Und die mich wieder vollkommen zurück in meine Rolle als Meister katapultierte.
»Ich kümmere mich darum«, sagte ich daher. »Aber vorher wirst du kein Wort darüber verlieren. Zu niemandem.«
»Aber ...« Wut blitzte in seinen Augen auf, doch mein düsterer Blick ließ ihn sofort verstummen.
»Kein Aber. Du tust, was dir befohlen wird.«
Der Mann schluckte. »Ja, Meister.«
»Gut«, raunte ich und packte das Ende des Holzpfahls, der noch in seiner Brust steckte. »Bereit?«
Er nickte, und ich zog den Pfahl mit einem Ruck heraus. Dunkle, zähe Masse trat aus seinem Körper, während er einen Schrei unterdrückte. Glücklicherweise ersparte er uns damit neugierige Blicke, während ich ihm zurück auf die Beine half und ihn stützte.
Im Penthouse würde ich den Mann noch einmal genau zu diesem Vorfall befragen. Weil ich alles darüber wissen musste. Und weil ich bestens auf das Gespräch mit Alisha Garcia vorbereitet sein wollte.
Alisha
»Ich mache jetzt Feierabend«, meinte Aron hinter der Bar, während er das letzte Glas abtrocknete und zurück ins Regal stellte. »Oder brauchst du noch Hilfe?«
Ich ließ meinen Blick durch den fast leeren Club gleiten. Draußen begann es sicher bald zu dämmern, und die meisten Gäste waren längst gegangen. Der Rest war gerade dabei, die Jacken anzuziehen und sich zu verabschieden.
Bis auf Skylar und Ryan, die am anderen Ende des Tresens ihr Feierabendbier tranken. Ihre Schicht im Nightwing hatte erst vor einer halben Stunde geendet.
»Geh nur, wir sehen uns morgen Abend«, verabschiedete ich Aron und trat selbst um den Tresen, um mir einen letzten Drink einzuschenken.
Während ich den Whiskey in das kristallene Glas goss, fiel mein Blick auf Skylar und Ryan, die sich angeregt unterhielten. Skylar stützte sich mit einem Arm auf der Bar ab, während Ryan das Bier zwischen seinen Händen drehte.
Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich Ryans Tod gewollt. Er war eine Gefahr für uns gewesen. Hatte meinesgleichen gejagt, um uns für das Schicksal seiner Familie zur Rechenschaft zu ziehen. Also hatte ich Skylar beauftragt, ihn zu beseitigen. Doch anstatt ihn zu töten, hatte sie sich in ihn verliebt. Und jetzt saß er hier im Underground und trank regelmäßig umringt von Dutzenden Werwölfen sein Feierabendbier.
Hätte mir jemand dies vor wenigen Monaten prophezeit, ich hätte ihn ausgelacht. Ryan hatte uns abgrundtief gehasst. Es war Skylars Verdienst, dass er noch am Leben war. Es war ihr gelungen, die Wahrheit über den Mord an seiner Familie herauszufinden und Ryan damit letztlich zur Vernunft zu bringen.
Als sie das erste Mal gefragt hatte, ob Ryan sie nach ihrer Schicht in das Underground begleiten dürfte, war ich misstrauisch gewesen. Immerhin hatte ich keine Ahnung, wie die anderen Wölfe auf ihn reagierten. Oder wie ich es tat.
Doch Skylar hatte schnell klargemacht, dass Ryan fortan zu ihr gehörte. Da er ohnehin von unserer Existenz wusste und versprach, dieses Geheimnis zu bewahren, spielte es keine Rolle, ob er sich hier befand oder irgendwo anders in der Stadt. Zuerst hatte ich es praktisch gefunden, ihn im Auge behalten zu können. Mittlerweile hatte ich erkannt, dass Ryan ein anständiger Mann war. Er wandte seinen Blick kaum von Skylar ab. Achtete auf sie, ohne sie zu bedrängen. Außerdem sah er mit seinen kurz geschnittenen blonden Haaren und den smaragdgrünen Augen verdammt gut aus. Ich konnte Skylars Vernarrtheit in ihn durchaus verstehen.
Skylar lachte auf, als Ryan ihr irgendetwas Komisches erzählte, und legte dabei den Kopf in den Nacken. Sie sah glücklicher aus, als ich sie in meiner ganzen Zeit in L.A. erlebt hatte. Was allein Ryans Verdienst war.
Lautlos näherte ich mich den beiden und stellte mein Glas von der anderen Seite des Tresens zwischen ihre Bierflaschen. Erst da schien Skylar meine Anwesenheit bewusst wahrzunehmen. Ihr Blick glitt an Ryan vorbei zu mir, und sie setzte sich rasch auf. Dabei hatte ich sie nicht aufschrecken wollen.
»Oh, tut mir leid, Alisha.« Sie ließ ihren Blick durch den leeren Raum schweifen und bemerkte, dass wir die Letzten waren. »Ryan und ich trinken noch schnell aus, dann kannst du schließen.«
Ich stemmte eine Hand in die Seite, während ich einen Mundwinkel hob und sie mit einem verschmitzten Grinsen ansah. »Skylar Davis, wenn jemand bleiben kann, solange er möchte, dann bist du das.«
Sie war das treueste Mitglied in meinem Rudel. Und Ryan war mittlerweile ein Teil von ihr, weshalb ich mein Glas hob und auf ihn zeigte.
»Deinen Anhang eingeschlossen.«
Außerdem mochte ich ihre Anwesenheit. Sie zählten mit zu meinen liebsten Besuchern.
Ryan nickte dankbar, streifte meinen Blick jedoch nur flüchtig, ehe er ihn wieder senkte. Obwohl wir uns bereits seit einigen Wochen Nacht für Nacht im Underground sahen, zollte er mir mit seinem demütigen Verhalten Respekt. Er wusste, dass er hier lediglich Gast und geduldet war, und schien dieses Privileg nicht aufs Spiel setzen zu wollen.
Was ich nur guthieß. Mittlerweile sah ich viel zu gern dabei zu, wie gut er Skylar tat. Ich hätte nie gedacht, dass aus der Einzelgängerin noch ein richtiges Rudelmitglied werden würde. Doch die Zeit mit Ryan hatte sie nachhaltig verändert, wofür ich ihm tatsächlich dankbar war.
Skylar stieß mit mir an, ehe sie einen langen Schluck von ihrem Bier nahm.
»Wie war eure Schicht?«, hakte ich nach.
»Unspektakulär«, entgegnete Skylar routiniert. Sie arbeitete schon lange genug im Securitybereich, dass sie wohl wirklich nichts mehr schocken konnte.
Ryan hingegen hob eine Augenbraue und warf ihr einen überraschten Blick von der Seite zu. »Unspektakulär? So nennst du das also, wenn einer der Gäste entscheidet, blankzuziehen und kurzerhand auf das Mischpult des DJs zu steigen?«
»Wie bitte?«
Mit großen Augen beugte ich mich über den Tresen.
Skylar zuckte mit den Schultern, doch ein kleines Grinsen schob sich auf ihr Gesicht. Sie war doch nicht so unbeteiligt, wie sie sich gab. »Ich habe schon Verrückteres erlebt. Zum Beispiel, als einer der Gäste aus dem VIP-Bereich seinen Mageninhalt auf der Wendeltreppe entleert hat.«
»Und?«
Das klang zwar nicht besonders angenehm, doch es konnte durchaus bei zu viel Alkohol passieren, dass es der Trunkenbold nicht mehr bis zur Toilette schaffte.
Skylars Augen leuchteten amüsiert auf. »Na ja, die Stufen sind nach hinten hin offen und unter der Treppe knutschte gerade ein frisch verliebtes Paar ausgiebig herum.«
Ich brach in Gelächter aus und hielt die Hand vor meinen weit geöffneten Mund. Als ich mich wieder beruhigt hatte, schüttelte ich den Kopf. »Wenn ihre Beziehung diesem Erlebnis standgehalten hat, gibt es definitiv nichts mehr, was sie trennen könnte.«
Jetzt war es Ryan, der lachte und von Skylar daraufhin in die Seite geknufft wurde. »Das war nicht zu vergleichen mit dem tanzwütigen Nudisten. Außerdem hattet ihr die Situation doch schnell wieder unter Kontrolle.«
»Ja, weil ich den Kerl an einem Bein vom Pult gezerrt und sich Eli mit seinem Jackett auf ihn geworfen hat.«
»Das hätte ich zu gern gesehen«, gab ich zu und nippte an meinem Whiskey. Im Underground gab es solche Zwischenfälle nicht. Das ließ ich nicht zu. Doch davon zu hören, war mehr als amüsant.
Skylar verschluckte sich an ihrem Bier, ehe sie abwinkte. »Glaub mir, das wünschst du dir nicht wirklich.« Sie lachte auf, und ich stimmte in das Geräusch mit ein.
»Wann hast du eigentlich mal wieder Zeit für mich?«
»Du meinst für deinen Wolf?«
Ich nickte. Skylar hatte mir in der Vergangenheit schon oft angeboten, den Wolf in mir zu trainieren. Im Gegensatz zu Skylar war ich nicht von Geburt an ein Werwolf, sondern durch eine Bisswunde zu einem geworden. Zwar hatte mir Ira damals bereits viel beigebracht, als er mich bei sich aufnahm, jedoch faszinierte es mich seither, wie gut Skylar mit ihrem eigenen Wolf zurechtkam. Sie konnte sich verwandeln, wann sie wollte, und sie und ihr Wolf schienen vollkommen im Reinen miteinander zu sein, während ich mich bei Vollmond zumeist im Underground aufhielt. Einerseits, weil ich es als meine Pflicht ansah, für meine Mitglieder da zu sein. Andererseits, weil ich keine Ahnung hatte, was ich außerhalb dieser Mauern mit meinem Wolf anfangen sollte. Doch der Wunsch, stärker mit ihm verbunden zu sein, war schon lange da, und endlich hatte ich mir einen Ruck gegeben, Skylars Hilfe anzunehmen. Wann immer es sich daher zeitlich anbot, übten wir.
»Ich denke ...«, setzte sie gerade zu einer Antwort an, als sie unterbrochen wurde.
»Alisha?«
Joshs Stimme riss mich aus dem Moment. Ich drehte meinen Kopf und blickte zum Eingang des Underground. Josh übernahm bereits seit einer Ewigkeit die Aufgaben eines Türstehers und Wächters. In der Regel ging er erst nach Hause, wenn ich abschloss. Dabei holte ich ihn am Zugang ab. Daher verwunderte mich sein jetziges Kommen. Das sah ihm nicht ähnlich.
»Hier ist jemand, der dich dringend sprechen will.«
Hinter ihm bewegte sich aus dem Schatten des Durchgangs eine große Gestalt hervor. Als sie ins gedimmte Licht trat, überzog meinen Körper augenblicklich eine unangenehme Gänsehaut. Es dauerte keine Sekunde länger, bis der Geruch nach Verwesung an meine Nase drang. Instinktiv rümpfte ich sie.
Als Skylar erkannte, um wen es sich bei unserem Besucher handelte, versteinerte ihre fröhliche Mimik, und sie sprang sofort vom Stuhl. Ihre Alarmglocken schrillten ebenso laut wie meine, und sie bereitete sich auf das Schlimmste vor. Auch Ryans Blick verdunkelte sich. Er hatte erst ein einziges Mal Bekanntschaft mit dem Eindringling gemacht. In einer Situation, in der alle Monster von Los Angeles auf engstem Raum versammelt gewesen waren.
Mason Carters eisblaue Augen funkelten mich in dem wenigen Licht gefährlich an. Als fixierte ein Raubtier seine Beute. Sein maßgeschneiderter schwarzer Anzug schmiegte sich um seine breiten Schultern, die keinen Zweifel daran ließen, wozu er fähig war, wenn er beschloss, es ernst zu meinen.
Er überragte Josh um gut zwei Köpfe. Eigentlich wäre es seine Aufgabe gewesen, Mason am Betreten des Underground zu hindern. Doch ich konnte ihm keinen Vorwurf machen. Wer wollte einen Vampir wie diesen aufhalten?
Die Bilder von gefesselten Werwölfen zogen vor meinem inneren Auge vorbei, und ich musste einen Würgereiz unterdrücken. Dieser Anblick hatte sich in mich gebrannt und bereitete mir noch immer regelmäßig Albträume. Und er zerrte an meinem Gewissen.
Zwar hatte Mason allen Betroffenen eine großzügige Entschädigung angeboten, doch das änderte nichts an meiner Wut auf ihn und seine verdammten Blutsauger. Mit dem, was sie uns angetan hatten, hatten sie eine Grenze überschritten. Es war auf so viele Arten falsch gewesen, und dass Mason versuchte, die Situation mit Geld zu bereinigen, war so widerlich typisch für jemanden wie ihn, dass meine Verachtung für ihn trotz allem nicht abgenommen hatte.
»Du bist hier nicht erwünscht«, schmetterte ich ihm mit eiskalter Stimme entgegen.
Der einzige Grund, aus dem ich Vernunft der Rache gegen ihn und seine blutsaugenden Freunde vorgezogen hatte, war der Wille, diese Angelegenheit nicht weiter eskalieren zu lassen.
Denn sie hatte das Potenzial dazu. Das Potenzial, unseren langjährigen Frieden zu brechen und einen uralten Konflikt zu beschwören, der in Blut und Tragik enden würde. Für alle Beteiligten.
Masons Blick verdunkelte sich zunehmend.
»Das will ich auch gar nicht sein«, hielt er entschieden dagegen. »Glaubst du, ich würde mich freiwillig in diese Gosse begeben, wenn ich es nicht müsste?«
Seine Worte waren provokant. Ich wusste, dass er es liebte, so mit mir zu reden. Als wäre er etwas Besseres und alle anderen würden weit unter ihm stehen.
Ich musste mich zusammenreißen, nicht darauf einzugehen. Was immer er hier wollte, ich musste einen klaren Kopf bewahren.
Deshalb räusperte ich mich nur, während ich ihn anstarrte.
»Du hast Nerven, Mason Carter.«
Während ich ihn nicht aus den Augen ließ, überlegte ich, was ich tun sollte. Mason hatte noch nie das Underground betreten. Keiner der verdammten Vampire hatte das. Aus gutem Grund. Das hier war ein geschützter Raum für mein Rudel, und das sollte er bleiben.
Hitze schoss in meine Wangen, während meine Wut sich weiter in meinem Körper ausbreitete.
Immerhin befanden sich keine anderen Gäste mehr hier, was ein kleiner Trost war. Und Skylar und Ryan wussten über den Konflikt mit den Blutsaugern nur zu gut Bescheid. Immerhin waren sie bei Lester Andersons Ende dabei gewesen.
»Was willst du?«, spuckte ich ihm regelrecht entgegen.
»Reden«, antwortete er knapp. »Mit dir. Allein.«
Sein Blick wanderte zu Skylar und Ryan. Er musterte sie abfällig, als störten sie ihn.
»Auf keinen Fall«, sagte Skylar entschieden.
Sie wusste, dass das Risiko viel zu groß war. Was, wenn mir Mason etwas antun wollte? Was, wenn weitere Vampire dort draußen lauerten, um sich auf uns zu stürzen? Seitdem Mason Teile meines Rudels hatte entführen lassen, rechnete ich mit allem.
»Ich muss dich enttäuschen, die Besuchszeit ist leider vorbei.« Ich wandte meinen Blick entschieden von ihm ab und nahm stattdessen einen Schluck von meinem Drink.
»Alisha, es ist wichtig.«
Seine Stimme ließ mich erneut zu ihm herumfahren. Noch immer war sie gewohnt dunkel. Sie duldete keine Widerrede, und dennoch ... Da lag dieser Schatten einer Bitte in ihr, der mich verunsicherte.
Mason Carter hatte es nicht nötig, zu bitten. Außer er sah sich einer Situation gegenüber, die er nicht allein meistern konnte. Was ungewöhnlich wäre in Anbetracht seiner Stellung.
Dennoch durchbohrte ich ihn mit meinem Blick. Versuchte herauszufinden, was der Älteste der Vampire im Schilde führte. Und musste feststellen, dass Masons Maske einem geschlossenen Buch glich.
»Wirst du versuchen, mich zu töten?«, platzte die Frage aus mir heraus. Sie schwebte bereits seit dem ersten Schritt über mir, den er in diesen Raum gesetzt hatte.
»Nein«, raunte er zur Antwort, ohne sich von mir abzuwenden.
Mir war klar, dass ich ihm nicht trauen konnte. Auch wenn er schon längst angegriffen hätte, hätte er das wirklich gewollt.
»Gut, du würdest es bereuen«, sagte ich deshalb lediglich und wandte mich an Skylar und Ryan. »Lasst uns bitte allein. Und nehmt Josh mit.«
Skylar fuhr zu mir herum und schaute mich fragend an, als hätte sie sich verhört. »Alisha?«
Ich nickte ihr entschieden zu. »Geht.«
Skylar zögerte. Es gefiel ihr ganz und gar nicht, dass ich mich so entschieden hatte. Doch schließlich berührte sie Ryan an der Schulter und räumte mit ihm den Platz. Nicht ohne Mason beim Hinausgehen einen langen Blick zuzuwerfen. Auch Josh betrachtete ihn misstrauisch, ehe ich schließlich allein mit dem mächtigsten Vampir von Los Angeles war.
Bisher war das nie der Fall gewesen. Es waren aus Sicherheitsgründen immer mindestens ein weiterer Vampir und ein Werwolf anwesend.
Doch jetzt gab es nur mich und Mason Carter. Und ich musste zugeben, dass sich in meinen Hass eine Spur Unbehagen mischte.
Mason bewegte sich mit geschmeidigen Bewegungen auf mich zu. Und wieder musste ich an das Raubtier und seine Beute denken.
Ein Gedanke, der nicht abwegig war. Immerhin handelte es sich bei uns beiden um Monster. Er war nicht der Einzige, der eine dunkle, gefährliche Seite in sich trug.
Daher reckte ich das Kinn und verdrängte die aufkommende Unsicherheit. »Was ist los, Mason? Was führt dich zu mir, wenn du mich schon nicht töten willst?«
Die Worte waren sarkastisch gemeint, doch sie klangen verdammt ernst.
Mason hielt vor dem Tresen auf meiner Höhe an. Sein Mundwinkel zuckte böse. »Sag du es mir?«
Irritiert von seiner Aussage, tat ich das, was ich am besten konnte. »Drink?« Ich musste schleunigst mit meinen Händen arbeiten, um mich zu beschäftigen. Auf was zum Teufel spielte dieser Mistkerl an? Mir war klar, dass er mich absichtlich verunsichern wollte, weshalb ich schnaubte. »Oh, da fällt mir ein, du kannst gar nicht in den Genuss meiner Spezialitäten kommen. Du kannst dich ja seit Jahrhunderten lediglich von Blut ernähren, und das habe ich leider trotz der Vielfalt an Getränken nicht hier.«
Er fixierte mich düster. Sein Mundwinkel verzog sich weiter. »Ein wenig Blut befindet sich tatsächlich hier.«
Als mir bewusst wurde, dass er damit mich meinte, erstarrte ich zu Eis, und an seinem amüsierten Blick bemerkte ich, dass er sein Ziel voll getroffen hatte.
Ich nahm ein neues Glas und knallte es vor ihm auf den Tresen, sodass es fast zersprang. Wütend beugte ich mich zu ihm.
»Du hast kein Recht, so mit mir zu reden. Nicht nach alldem, was du meinen Rudelmitgliedern angetan hast.«
Zu meiner Überraschung senkte er eine Sekunde lang seinen Blick, anstatt mich weiter provozierend anzustarren.
»Du hast recht, es tut mir leid.«
Ich glaubte, mich verhört zu haben, während er vor mir auf einem Barhocker Platz nahm. Verarschte er mich, oder was sollte dieses wechselhafte Benehmen? Doch ich erkannte keine Anzeichen der Lüge. Zu seiner Verteidigung musste ich zugeben, dass ich ihn zuerst provoziert hatte, weshalb ich zähneknirschend meine Wut herunterschluckte.
Mason wäre nicht hier, wenn es nicht wichtig wäre. Wir waren beide erwachsene Nachtwesen. Wir sollten uns auch so benehmen.
»Ist das Macallan Single Malt Scotch?«, wechselte er plötzlich das Thema. Er zeigte auf den sündhaft teuren Fusel hinter mir.
»1990er Jahrgang. Schwer zu bekommen.«
Ich nahm die Flasche aus dem Regal und drehte sie in meiner Hand, ehe ich kurzerhand einen Schluck in Masons Glas schüttete.
Der Vampir hob das Glas an seine Nase und schloss die Augen, während er den Duft einsog. Etwas in seinem Gesicht veränderte sich. Seine harten Züge wurden eine winzige Spur weicher.
»Muss ziemlich beschissen sein, nichts trinken zu dürfen.«
Nichts außer Blut, dachte ich, doch schwieg.
»Ist es«, gab er zu und nahm einen weiteren tiefen Atemzug des torfartigen Duftes, ehe er das Glas abstellte und die braune Flüssigkeit betrachtete.
Ich hob mein eigenes Glas an meine Lippen und schmeckte den Alkohol einen Augenblick länger als sonst. Ich wurde mir dieses Privilegs bewusst. Und ich konnte mir nicht vorstellen, wie es sein musste, mein ganzes Leben lang auf einen Geschmack wie diesen verzichten zu müssen.
Ich schüttelte den Kopf. Mitgefühl war fehl am Platz.
»Da fällt mir ein, ich habe dir noch immer nicht dein hübsches Gesicht poliert für damals.«
Mason musterte mich spitz. »Hübsch? Gefalle ich dir etwa?«
Ich rollte mit den Augen.
»Willst du das jetzt nachholen?«, fragte er ernst.
Ich drehte das Glas in meiner Hand und antwortete wahrheitsgemäß. »Ich bin mir nicht sicher.« Ich schüttete den restlichen Alkohol runter, der sich brennend seinen Weg in meinen Magen suchte. »Warum bist du hier, Mason?«
»Es gab einen Angriff«, antwortete er ohne Umschweife.
Überrascht hob ich die Augenbrauen. »Einen Angriff?«
»Auf einen meiner Vampire. Er wurde durch Pfähle verletzt. Er sagte, es war ein Werwolf.«
Das konnte ich mir nicht vorstellen. Es wäre ein strenger Bruch der Waffenruhe. Und soweit ich wusste, waren alle Rudelmitglieder mehr oder weniger froh, keinen Konflikt mit den Blutsaugern ausfechten zu müssen. Warum sollten sie also einen provozieren?
Sollten sie das tun, würden sie außerdem hart von mir bestraft werden. Das wussten sie auch. Ich ging in dieser Hinsicht keine Kompromisse ein.
»Das glaube ich kaum«, entgegnete ich daher.
»Ich habe es selbst gerochen. Der Gestank eines Wolfs.«
»Hat er ihn gesehen?«, hakte ich nach. »In seiner Wolfsgestalt?«
»Nicht besonders viel davon«, brummte Mason.
»Dann kann es jeder gewesen sein«, wich ich aus.
»Alisha, du weißt selbst so gut wie ich, dass das unwahrscheinlich ist. Es war ein Werwolf.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wahrscheinlich. Aber es war ganz sicher kein Wolf aus meinem Rudel.«
»Wie kannst du dir da so sicher sein?«
Ich hielt einen Moment inne. »Sie wissen, dass ich sie einen Kopf kürzer machen würde, wenn sie so etwas Dummes täten. Ich kann dich und deine Gefolgschaft zwar auf den Tod nicht ausstehen. Aber im Gegensatz zu dir bedeutet mir die Waffenruhe etwas.«
Er wusste, dass ich erneut auf seine Taten anspielte, mit denen er dieses fragile System beschädigt hatte, um seine Art zu retten.
Mason lehnte sich nach vorne. »Daran habe ich keinen Zweifel. Ich weiß, dass dir Regeln viel bedeuten. Jedoch geht es vielleicht nicht allen so.«
Ich seufzte. »Was willst du von mir? Soll ich Angst und Schrecken unter meinen Mitgliedern verbreiten, so wie du es bei deinen Leuten tust?«
»Angst und Schrecken sind manchmal die einzigen Mittel«, sagte er bitter, schüttelte aber den Kopf. »Ich bitte dich lediglich, dich umzuhören. Oder dir Gedanken zu machen, ob dir jemand in den Sinn kommt, der es auf uns abgesehen hat. Mehr als du, versteht sich.« Er grinste diabolisch, und ich musste mir einen Kommentar verkneifen.
»Dürfte schwer werden.« Ich knirschte mit den Zähnen. »Das Umhören stellt kein Problem dar«, stimmte ich schließlich beschwichtigend zu.
Nicht, weil ich ihm und seinen Leuten helfen wollte. Sondern weil ich wusste, dass diese Situation zu einem Pulverfass werden konnte, wenn sie sich wiederholte und Mason recht behielt. Sollte jemand aus meinem Rudel daran beteiligt gewesen sein, könnte das in einer echten Katastrophe enden.
Auch wenn ich mir immer noch nicht vorstellen konnte, dass einer meiner Wölfe so dumm war und sich an den Blutsaugern abreagierte.
Mason nickte, ein Danke brachte er nicht über die Lippen.
Ich blickte auf die Wanduhr hinter ihm. »Du solltest dich beeilen, die Sonne geht bald auf. Nicht dass deine engelsgleiche Haut verbrennt.«
