Wie eine leichte Brise - Sigrun Kurz - E-Book

Wie eine leichte Brise E-Book

Sigrun Kurz

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Beschreibung

Auf Entdeckungsreise im Land der Trance Selbsthypnose ist nicht nur ein faszinierendes Phänomen, das jeder von uns schon einmal im Alltag erlebt hat. Systematisch und gezielt eingesetzt ist sie vor allem äußerst effektiv. Sie kann zur Stärkung bei ernsthaften Krankheiten ebenso verwendet werden wie im Umgang mit kleineren "Zipperlein": gegen schlechte Laune oder Konzentrationsstörungen, zur Steigerung der Kreativität, zur Unterstützung bei Erkältungen oder vor einem Zahnarzttermin. Leider wissen viel zu wenig Menschen, wie sie diese Methode für sich nutzen können. Dieses Buch bietet die ideale Einführung in die Technik der Selbsthypnose. Es eignet sich für Interessierte jeden Alters und zeigt, wie einfach eine heilsame Trance erfahren werden kann und was es zu beachten gilt, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen und situationsspezifische Hypnosetexte finden Sie auf der CD, welche als Download in der Mediathek zu dem Titel bereitsteht.

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Seitenzahl: 323

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Sigrun KurzWie eine leichte BriseLebenshilfe durch Selbsthypnose

Über dieses Buch

Auf Entdeckungsreise im Land der Trance 

Selbsthypnose ist nicht nur ein faszinierendes Phänomen, das jeder von uns schon einmal im Alltag erlebt hat. Systematisch und gezielt eingesetzt ist sie vor allem äußerst effektiv. Sie kann zur Stärkung bei ernsthaften Krankheiten ebenso verwendet werden wie im Umgang mit kleineren „Zipperlein“: gegen schlechte Laune oder Konzentrationsstörungen, zur Steigerung der Kreativität, zur Unterstützung bei Erkältungen oder vor einem Zahnarzttermin. Leider wissen viel zu wenig Menschen, wie sie diese Methode für sich nutzen können. 

Dieses Buch bietet die ideale Einführung in die Technik der Selbsthypnose. Es eignet sich für Interessierte jeden Alters und zeigt, wie einfach eine heilsame Trance erfahren werden kann und was es zu beachten gilt, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen und situationsspezifische Hypnosetexte erleichtern den Einstieg.

Dr. Sigrun Kurz ist Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis in Bremen. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die psychotherapeutische Behandlung von Menschen mit schweren körperlichen oder chronischen Erkrankungen, psychosomatischen Störungen, Schmerzen und Unfallfolgen.

Im Land der Trance,

das gleich hinter dem alten Tor beginnt,

fliegen wir auf den Flügeln der Fantasie

hin zu ganz besonderen Orten,

zu den Hügeln, dort, wo die Sonne untergeht,

und tanzen auf nächtlichen Mondscheinwiesen,

schweben durch feine Gespinste von farbigem Licht,

getragen von zarten Klängen,

und leicht und unbegreiflich findig

entdecken wir in der Wasserspiegelung verwunschener Teiche

neue Wege und Möglichkeiten,

die wir uns im hellen Tageslicht kaum auszumalen vermochten.

Copyright: © Junfermann Verlag, Paderborn 2017

Coverfoto: © dubok77 – fotolia.com

Covergestaltung / Reihenentwurf: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn

Alle Rechte vorbehalten.

Erscheinungsdatum dieser eBook-Ausgabe: 2017

Satz, Layout & Digitalisierung: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn

ISBN der Printausgabe: 978-3-95571-630-1

ISBN dieses E-Books: 978-3-95571-650-9 (EPUB), 978-3-95571-652-3 (PDF), 978-3-95571-651-6 (MOBI).

Sicherheitshinweis

Bitte beachten Sie unbedingt die folgenden Sicherheitshinweise:

Sämtliche Hypnoseanleitungen in diesem Buch wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass die Anwendung in Ihrer eigenen Verantwortung liegt.

Sollten Sie sich in psychiatrischer oder neurologischer Behandlung befinden, besprechen Sie dort, ob Sie besondere Bedingungen hinsichtlich der Selbsthypnose zu beachten haben.

Für jede Anwendung gilt unbedingt: Hypnose niemals bei aktiver Teilnahme im Straßenverkehr, also niemals wenn Sie Auto oder Fahrrad fahren oder andere Fahrzeuge lenken, auch nicht als Fußgänger und niemals beim Arbeiten mit Maschinen oder wenn Ihre Aufmerksamkeit in irgendeiner anderen Weise für das aktuelle Geschehen um Sie herum gefordert ist!

1. Bevor es losgeht

Liebe Leserin,

lieber Leser,

„Trance … Selbsthypnose … – das klingt ja spannend!“ So etwas in der Art haben Sie vielleicht gedacht, als Sie dieses Buch entdeckten. Und da haben Sie völlig recht: Selbsthypnose ist tatsächlich spannend und faszinierend und außerdem auch noch hilfreich. Leider wissen viel zu wenig Menschen, wie sie diese Methode für sich nutzen können.

Die Literatur für die Fachexperten ist umfangreich. Allgemeinverständliche Anleitungen für Laien hingegen gibt es jedoch nur wenige: Revenstorf & Zeyer (2009), Alman & Lambrou (1993), Tepperwein (2009). Dabei ist die Verwendung von Trance gerade für die Bewältigung alltäglicher Herausforderungen ausgesprochen nützlich – wenn man weiß, wie es geht. Und zusätzlich sorgt sie noch für gute Stimmung. Eine meiner Patientinnen brachte es auf den Punkt: Hypnose ist wie ein Sahnebonbon für die Seele.

Nachdem ich 2014 mein Buch Verborgene Kräfte wecken – Stärkende Selbsthypnose bei Krebs herausgebracht hatte, wurde ich immer wieder angesprochen: „Da sind so viel hilfreiche Elemente enthalten, die jedem Menschen guttun, schreib doch mal ein Selbsthypnosebuch für alle und vor allem auch für Gesunde.“ Ja, dem konnte ich nur zustimmen, denn schließlich nutze ich selbst die Hypnose nicht nur für die Unterstützung und Bewältigung bei Krankheit, sondern wirklich für viele unspektakuläre Anlässe: zur Entspannung, gegen schlechte Laune, für die Verbesserung meiner Konzentration und Kreativität, zur Unterstützung bei Erkältung und verbrannten Fingern, zum Loswerden von unangenehmen Erinnerungen oder um einen Zahnarzttermin möglichst gut zu überstehen. Also machte ich mich an die Arbeit – und bitte sehr, hier ist es: das Buch zur Selbsthypnose für ganz gewöhnliche ­Gelegen­heiten.

Es geht dabei ausdrücklich nicht um Therapie und Heilung von Krankheiten, sondern um die vielen kleinen Anliegen, die das Alltagsleben so mit sich bringt. Wenn Ihre Probleme oder Schwierigkeiten größerer Natur sind, finden Sie hier zwar einiges, was Sie unterstützen kann. Aber um wirklich weiterzukommen, benötigen Sie professionelle Hilfe. Wenden Sie sich an eine psychotherapeutische Fachkraft, die über eine fundierte Ausbildung und Erfahrung zu Ihrem Thema verfügt.

Auch wenn die Grenze zwischen Therapie und Lebenshilfe manchmal fließend sein mag, die Anleitungen in diesem Buch sind in erster Linie für gesunde Menschen gedacht, die gern ein Handwerkszeug hätten, um sich selbst weiterzuentwickeln und das Alltagsleben angenehmer zu gestalten.

Manch einer von Ihnen ist vielleicht skeptisch und hat Zweifel, ob Hypnose nicht „Hokuspokus“ ist. Andere halten sich nicht für fähig, eigenständig in Trance zu gehen. Dieses Buch zeigt Ihnen, dass Trance eigentlich etwas sehr Einfaches ist und noch dazu ein Vorgang, den wir alle im Alltag sowieso gelegentlich erleben. Allerdings geschieht die Trance dann unsystematisch und ungesteuert, manchmal sogar in negativer Richtung (vor einer Prüfung oder einem Zahnarzttermin). Hier geht es jetzt darum, die Hypnose in positiver Weise zum eigenen Nutzen einzusetzen, zielgerichtet und mit System. Und wie das funktioniert, dafür liefert Ihnen dieses Buch einen Wegweiser.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in das Thema stelle ich Ihnen zuerst unterschiedliche Möglichkeiten vor, um eigenständig in eine Trance einzutauchen. Das ist leichter, als Sie vielleicht denken. Anschließend folgen dann viele verschiedene Hypnosetexte für zahlreiche Alltagssituationen, in denen bzw. für die Sie sich Unterstützung wünschen. Zur Erleichterung für Ihren Einstieg wurden von mir für Sie einige der hier vorgestellten Hypnoseanleitungen eingesprochen. So können Sie gleich loslegen. Und Sie bekommen einen Eindruck davon, wie und in welchem Tempo die Anwendung gedacht ist. Die entsprechenden Texte sind mit dem Icon  markiert und Sie finden Sie auf der Homepage des Junfermann Verlags unter http://www.junfermann.de (Mediathek zum Titel).

Bitte verstehen Sie all diese Texte als Vorschläge. Änderungen sind absolut erlaubt. Entscheidend ist letztlich, was Sie persönlich mögen und was zu Ihnen passt. Und das ist schließlich immer wieder ganz individuell. Gehen Sie auf Entdeckungsreise ins Land der Trance. Genießen Sie es. Und lernen Sie gute Selbsthilfestrategien, um sich das Leben leichter und angenehmer zu machen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und Erfolg dabei.

Ihre

Sigrun Kurz

2. Trance und Hypnose

Kaum eine Methode ist mit so vielen Vorbehalten besetzt wie die Hypnose. Manchen Menschen scheint sie unheimlich, andere halten sie für Hokuspokus oder Spielerei. Leider wird sie noch immer für das Showgeschäft missbraucht. In einigen Ländern wie zum Beispiel in Österreich sind Bühnenshows mit Hypnosevorführungen inzwischen gesetzlich verboten. Trotzdem wirkt natürlich etwas von diesem unseriösen Image nach. Das ist bedauerlich, denn dadurch bleiben die vielfältigen Möglichkeiten von Hypnose und Trance ungenutzt. Hypnose ist ein sehr altes und bewährtes Mittel für viele Gelegenheiten, zur Leistungsverbesserung, für Verhaltensänderungen und zu Heilzwecken. Mit diesem Buch haben Sie die Möglichkeit, sich selbst ein fundiertes Urteil zu bilden und zu entdecken, wie Sie persönlich davon profitieren können, um sich zu stärken und für Ihr Wohlbehagen zu sorgen.

2.1 Ich war wie in Trance

„Ich war wie in Trance“ – sicher haben Sie diesen Satz auch schon mal gehört. Möglicherweise haben Sie dasselbe auch bereits von sich selbst behauptet. Und damit hatten Sie aller Wahrscheinlichkeit nach – fast – recht. Denn vermutlich waren Sie zu diesem Zeitpunkt nicht nur wie in Trance, sondern tatsächlich in Trance. Gemeint ist dieser mehr oder weniger entrückte Zustand, einem Tagtraum gleich, in dem das innere Erleben die Oberhand gewinnt und das rationale Denken in den Hintergrund tritt.

Trance ist ein ganz alltägliches Ereignis, das jeder Mensch kennt: morgens beim Aufwachen, abends beim Einschlafen, in der Straßenbahn, bei einem anrührenden Film, bei einem fesselnden Buch, beim Vertiefen in einen Reiseführer, bei einem tollen Konzert … Wir befinden uns dann in einer Art Schwebezustand, sozusagen in einer Zwischenwelt, einer Welt zwischen Schlaf und Wachsein, zwischen dem Hier und Jetzt und unserer Fantasie. Dann sind wir innerlich ganz woanders und trotzdem nebenbei präsent. In Tagträumen driften wir innerlich zu der geplanten Verabredung am Abend, zum letzten Besuch in einem netten Biergarten oder zu Erinnerungen an den vergangenen Urlaub. All dies sind bereits kleine Trancezustände. Sie entstehen einfach so, ganz von allein und nebenbei. In der Hypnose macht man sich genau diese Fähigkeit zunutze, allerdings nun systematisch, gezielt und viel intensiver.

Trance bedeutet, sich in eine Art Versunkenheit zu begeben, unsere Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Ausschnitt unserer Wahrnehmung auszurichten – oder zu fokussieren, wie die Fachleute sagen –, während all die anderen Themen und Inhalte zurücktreten. Hypnose geht jetzt noch einen Schritt weiter. Damit aus Trance Hypnose wird, werden dem Inneren, dem Unbewussten, unterstützende Instruk­tionen, Hilfestellungen oder Handlungsanleitungen gegeben. Diese Botschaften werden im Trancezustand besonders gut verstanden und aufgegriffen. Deshalb ist diese Methode so erfolgreich.

Die Voraussetzung für eine gelungene Selbsthypnose ist also der Einstieg in eine Trance. Das hat übrigens nichts mit Schlaf zu tun, wie man früher glaubte und deshalb fälschlicherweise diesen Begriff erfand (griechisch hypnos = Schlaf). Vielmehr geht es darum, eine entspannte Haltung zu entwickeln, in der die Aufmerksamkeit konzentriert nach innen gerichtet ist. Wir öffnen die Türen zu unserem Inneren, zum Unbewussten, um hilfreiche Anstöße zu bekommen oder zu entdecken, und lassen das vernunftbetonte kontrollierende Denken weitgehend außer Acht.

In der zufälligen und ungeplanten Trance im Alltag sind die Inhalte manchmal positiv, so wie in den oben aufgeführten Beispielen. Dann fühlen wir uns wohl damit. Manchmal aber sind sie leider auch negativ, wenn wir uns in irgendwelchen Sorgen und Ängsten innerlich festfahren, wenn wir befürchten, uns zu blamieren oder zu versagen und uns das schon bildlich in allen Einzelheiten ausmalen. Dann rutschen wir in eine sogenannte Problemtrance und fühlen uns miserabel. Gerade in solchen Momenten wird eine hilfreiche, stärkende und unterstützende Trance gebraucht, um innerlich das Blatt zu wenden. Hier hilft die Hypnose besonders effektiv: Durch eine bewusst herbeigeführte Trancetiefe und gezielte innere Botschaften, die sogenannten Suggestionen, werden unserem Inneren, dem Unbewussten, neue Wege eröffnet, neue Sichtweisen angeboten, neue Lösungen vermittelt, sodass es gelingt, die Problematik zu mildern und neue Zuversicht zu gewinnen. Das kann im Alltag sogar mit offenen Augen im völlig wachen Zustand geschehen.

Stellen wir uns einen Fußballspieler vor, der einen Elfmeter verwandeln soll. Er konzentriert sich auf den Ball, auf das Tor, auf seinen Schuss. Dabei ist er – wenn es gut läuft – in einer Minitrance: Völlig konzentriert blendet er die Zuschauer, das Sta­dion, die anderen Spieler aus. Er stellt sich vor, wie der Ball exakt in die rechte oder linke Ecke trifft. Und mit diesem positiven inneren Bild erhöht sich die Chance, dass der Schuss tatsächlich gelingt.

Bei einer negativen Trance würden seine inneren Instruktionen und Bilder um die Befürchtung kreisen, dass der Ball am Tor vorbeigeht – und genau das wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch geschehen.

Die Kunst besteht also darin, sich das eigene Handeln und das eigene Ziel möglichst positiv und präzise vorzustellen und es damit innerlich zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Hypnose schafft mit der Trance eine andere – eine neue innere Wirklichkeit, die Wirklichkeit, die erwünscht ist, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten erreichen wollen. Das kann unter der Anleitung von Fachleuten vor sich gehen, oder wir übernehmen selbst die Regie. Dann handelt es sich um eine Selbsthypnose.

2.2 Irgendwo im Nirgendwo: Vorstellungskraft und Wirklichkeit

Wer sich näher mit Hypnose beschäftigt, stößt nahezu unausweichlich auf die Frage, wie beeinflussbar unser Inneres durch Fantasien sein kann. Vermag die Vorstellungskraft tatsächlich etwas in uns zu verändern? Oder ist das alles nur ein netter Zeitvertreib?

Hypnose und Trance vollziehen sich in einem Bereich, den wir letztlich nicht greifen können. Auch die raffiniertesten neurobiologischen Methoden können zwar zeigen, was währenddessen im Gehirn passiert, aber das Erleben selbst bleibt tief in unserem Innenleben im Verborgenen. Es geschieht in uns – irgendwo – und bewegt sich dabei gleichzeitig in einem Nirgendwo, an Orten, die sich dem Zugriff von außen entziehen. Unsere Fantasie ist einerseits nicht die Wirklichkeit im objektiven Sinne und besitzt andererseits so viel innere subjektive Wirklichkeit, dass sich unser Fühlen und unser Handeln danach richten.

So können wir uns fragen: Was ist überhaupt wirklich? Machen wir dazu ein kleines Gedankenexperiment: Stellen wir uns eine einfache Wand vor, vielleicht die Rückwand irgendeines Gebäudes, eintönig, grau und langweilig. Das Betrachten löst ein deprimiertes trostloses Gefühl aus, und wir wollen lieber woandershin sehen. Nehmen wir dieselbe Wand und bemalen sie kunstvoll mit wunderschönen blühenden Pflanzen, rechts und links von einem Weg, der zu einem geöffneten Tor führt, und dahinter breitet sich eine traumhafte Landschaft in zarten Farben aus, weit und hügelig bis zum Horizont und darüber der blaue Himmel. Wir können den Blick kaum davon lösen, so anziehend und einladend ist dieses Bild; es verbreitet Freude und Wohlbehagen, und am liebsten würden wir hineinsteigen in dieses Bild. Es ist die gleiche Wand, und natürlich ist in unserer Wahrnehmung beides wirklich – sowohl die graue Fläche als auch das Gemälde. Aber die Illusionsmalerei ist mehr als nur ein Bild, sie suggeriert uns eine Welt, die nicht hier an dieser Stelle existiert. Natürlich wissen wir das, aber trotzdem ist es für unser Inneres, als sei sie tatsächlich ­vorhanden.

Offenbar gibt es für uns alle verschiedene Wirklichkeiten. Unser Gehirn kann oft nur sehr begrenzt zwischen der objektiven Wirklichkeit draußen und unserer inneren Vorstellungswelt unterscheiden. So trainieren Piloten viele Stunden im Flugsimulator erfolgreich Start und Landung. Verkäufer üben im Rollenspiel ihr Verkaufsverhalten. Schauspieler leben während des Auftritts in den Figuren, die sie verkörpern. Und wenn Kinder „Mutter–Vater–Kind“ spielen, sind sie natürlich weiterhin Kinder, tauchen aber gleichzeitig in ihrem eigenen Erleben ganz in ihre angenommene Rolle ein. Die Vorstellungskraft suggeriert uns also eine Wirklichkeit. Unsere inneren Bilder und Vorstellungen, unser Erleben, unsere Fantasie vollziehen sich nirgendwo in der äußeren Wirklichkeit, existieren aber irgendwo tief in uns drinnen in unserer inneren Wirklichkeit. Und das hat Auswirkungen, Auswirkungen, die ganz enorm sein können, wie das folgende Beispiel zeigt.

Trance als innerer Spiegel

Einen besonders eindrucksvollen Beleg für die Bedeutung und Wirklichkeit der Vorstellungskraft gibt Alvaro Pascual-Leone, Neurowissenschaftler und Professor an der Harvard Medical School: In einem Experiment (Doidge 2014, S. 203 f.) wurden Versuchspersonen angewiesen, mit den fünf Fingern der rechten Hand ein paar Tage lang ein Klavierstück zu üben. Die anschließenden Messungen der Gehirnaktivitäten zeigten wie erwartet, dass sich im Gehirn die zuständigen Areale vergrößert hatten. Eine andere Gruppe von Versuchspersonen sollte sich über die gleiche Zeitspanne genauso oft lediglich vorstellen, mit der rechten Hand das Klavierstück zu spielen. Erstaunlicherweise zeigten die Messergebnisse etwa die gleichen Veränderungen im Gehirn. Offenbar waren die vorgestellten Fingerübungen für das Gehirn genauso wirklich wie die tatsächlich ausgeführten. Noch spektakulärer fiel die Fortsetzung dieses Experiments aus: Die Teilnehmer der Vorstellungsgruppe brauchten nur zwei Stunden tatsächliches Training, um genauso gut zu spielen wie die Personen, die schon fünf Tage lang „real“ geübt hatten.

Diese Forschungsergebnisse machen deutlich, wie nachhaltig die menschliche Vorstellungskraft und damit auch Fantasie und Trance sein können. Sie beeinflussen und verändern tatsächlich unser Denken, unser Fühlen, unser Handeln und sogar die Strukturen in unserem Gehirn. Es lohnt sich also, diese Einflussmöglichkeit für sich selbst zu kennen und zu nutzen. Trance ist sozusagen ein innerer Spiegel, in den wir schauen und der uns hilft, eine passende Vorstellung von uns selbst und unseren Anliegen zu finden.

Die Suggestionen, die wir uns selbst in diesem inneren Spiegel geben, sind Botschaften an unser Unbewusstes, Botschaften in Worten, in Bildern und manchmal sogar in Melodien. Im entspannten Zustand der hypnotischen Trance tritt das sachlich-rationale Denken des Verstandes in den Hintergrund und die Fantasiewelt übernimmt die Führung. Dieses innere Erleben bevorzugt Gleichnisse, die sogenannten Metaphern, kleine Geschichten, Fantasiebilder und Märchen.

2.3 Altes Wissen neu entdeckt

Hypnose ist eine uralte Methode, die schon aus dem Altertum überliefert ist.

Lassen wir die Fantasie spielen und unternehmen eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, in eine Zeit vor vielen tausend Jahren, als die Menschen noch in kleinen Sippen lebten. Diese Clans veranstalteten regelmäßig Wettkämpfe, vielleicht ein Wettrennen. Da ging es um die Ehre, um Ansehen, um Macht für die Sippe.

Einer der Wettläufer geht zum weisen Meister dieser Gruppe und bittet ihn um Hilfe, damit er das Beste geben und gewinnen möge. Der Meister überlegt einen Augenblick, nickt dann bedächtig und lässt ihn sich hinsetzen. Er nimmt eine Pfeilspitze und hält sie dem Läufer dicht vor das Gesicht und weist ihn an: „Schau auf die Pfeilspitze … schau auf die Pfeilspitze … schau auf die Pfeilspitze …“, und immer, wenn die Augen abschweifen wollen, wiederholt er: „Schau auf die Pfeilspitze …“ Schließlich kann der Läufer die Augen nicht mehr aufhalten, da gestattet der Meister ihm, sie zu schließen: „Schließ die Augen … und stell dir vor, wie du zum Startplatz gehst … Schritt für Schritt … und während du dem Startpunkt näher kommst … wirst du zum Pfeil … du wirst zum Pfeil … schnell wie der Pfeil … und dann bist du am Startplatz … bereit … schnell wie der Pfeil … die Läufer stellen sich auf … jetzt bist du der Pfeil … du bist der Pfeil … bereit und pfeilschnell … sobald das Startsignal ertönt … und jetzt der Start … du bist der Pfeil, der Pfeil, der von der Bogensehne davonzieht … pfeilschnell … du fliegst so schnell … schneller, als wir alle mit den Augen folgen können … du weißt, wie schnell ein Pfeil fliegen kann … du bist der Pfeil … pfeilschnell … bis ans Ziel … und erst nach dem Ziel bist du wieder ganz du selbst … so soll es geschehen … merke es dir gut … und nun öffne die Augen und sei wieder ganz wach und bereite dich gut vor auf den Wettlauf …“

Die alten weisen Meister von damals, die Zauberer, Schamanen, Hexen und Druiden heißen heute Trainer, Coach oder Therapeutin, und die verwendete Methode nennen wir modern Visualisierung, Imagination, Trance und Hypnose. Denn genau das ist es, was der weise Meister in unserem Beispiel getan hat: eine einfache kleine Hypnose. Zuerst ein Hineinführen in die Trance mithilfe der sogenannten Fixation („schau auf die Pfeilspitze“) und dann folgt die Zuhilfenahme eines Gleichnisses („der Pfeil“), eine sogenannte Metapher. Er benutzt eine Art innerer Programmierung, eine Suggestion („Du bist der Pfeil“) und schließlich noch einen sogenannten posthypnotischen Auftrag, einen Auftrag für nach (lat. post = nach) der Hypnose („sobald das Startsignal ertönt, bist du der Pfeil … pfeilschnell bis ans Ziel“). Zum Schluss gibt es dann die Beendigung der Trance, die Rückorientierung („erst nach dem Ziel bist du wieder ganz du selbst“).

In diesem Beispiel geht es um die Leistungsverbesserung bei einer sportlichen Aufgabe. Tatsächlich wird gerade im Sport die hypnotische Trance oft benutzt – manchmal ganz intuitiv durch die Athleten quasi in Eigenregie, manchmal angeleitet durch einen entsprechend geschulten Coach. Dafür hat sich inzwischen der Begriff Sporthypnose etabliert (vgl. Liggett 2010).

Ein anderes Betätigungsfeld für die Hypnose liegt in der Verhaltensänderung. Mithilfe der Vorstellungskraft werden unerwünschte Gewohnheiten blockiert und neue bessere Verhaltensweisen entwickelt. Das Paradebeispiel dafür ist die Raucherentwöhnung. Mit hypnotischer Selbstbeeinflussung verringert sich der Druck, zu den Zigaretten zu greifen, und es gelingt, rauchfrei zu werden (vgl. hierzu Riegel & Gerl 2012).

Das größte und wichtigste Anwendungsgebiet besteht jedoch im heilkundlichen Bereich. Als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren kommt die Hypnose sowohl bei seelischen als auch bei körperlichen Beschwerden zum Einsatz. In der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Ängsten, Depressionen und Traumafolgestörungen werden gute Ergebnisse damit erzielt. Stress, Schlafstörungen und Burnout lassen sich ebenfalls erfolgreich beeinflussen. Aber auch psychosomatische Beschwerden wie Reizdarmsyndrom oder Bluthochdruck gehören zum Indikationsbereich. Und beachtliche Beiträge leistet die Hypnose bei der Mitbehandlung körperlicher Problematiken wie Hauterkrankungen und Allergien, in der Geburtshilfe, bei der Wundheilung, bei Tinnitus und Hörsturz, bei Asthma und Immunerkrankungen. Als Unterstützung bei Krebs, Rheuma und anderen schweren körperlichen Leiden kommt ihr eine große Bedeutung zu. Einen besonderen Stellenwert und eine lange Geschichte hat die Hypnose in der Therapie von Schmerzstörungen, denn bevor die modernen Betäubungs- und Schmerzmittel entwickelt wurden, gab es nur die Kräutermedizin und die Vorstellungskräfte.

Aber Trance und Hypnose helfen nicht nur bei Erkrankungen. Sie unterstützen uns auch bei ganz gewöhnlichen alltäglichen Gelegenheiten. Und genau das ist Thema dieses Buches. Oft geht es nur darum, sich besser entspannen zu können, weniger Stress zu haben und aufzutanken. Oder wir wollen mit weniger unguten Gefühlen zum Zahnarzt gehen, unsere Konzentration beim Lernen verbessern, oder wir möchten uns stärken, möchten uns attraktiver fühlen und mehr Leichtigkeit in unser Leben bringen. Und manchmal würden wir gern besser einschlafen können oder die Folgen von Sonnenbrand und Mückenstichen mildern. Für all das und noch vieles mehr können Trance und Hypnose dienlich sein. Dieses Buch zeigt Ihnen, wie das möglich werden kann.

2.4 Besonderheiten der Selbsthypnose

Eine Hypnose kann angeleitet durch einen speziell ausgebildeten Experten geschehen oder aber in Eigenregie. Dann sprechen wir von Selbsthypnose.

Die angeleitete Hypnose scheint auf den ersten Blick leichter: Ich lasse mich führen und jemand anders kümmert sich um den richtigen Weg. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn auch bei der angeleiteten Hypnose geschehen die entscheidenden Schritte letztlich in uns selbst. Auch die tollste Anleitung werde ich nicht aufgreifen und umsetzen, wenn sie nicht zu mir und meinem Anliegen passt. Schließlich entwickelt jeder Mensch seine ganz persönlichen Ausgestaltungen, seine individuellen inneren Bilder, und die sind niemals identisch mit den inneren Vorstellungen der anleitenden Person. Wenn es gut läuft, gibt es eine große Ähnlichkeit, eine gute Passung. So gesehen, ist auch die angeleitete Hypnose immer eine Selbsthypnose. Und diese steht mir immer zur Verfügung, wenn ich sie brauche. Also bin ich unabhängiger und flexibler. Und die Kontrolle liegt ganz in meiner Hand.

Allerdings braucht jeder Mensch für eine erfolgreiche Selbsthypnose etwas Wissen und Übung. Dabei hilft Ihnen dieses Buch, und natürlich steht es Ihnen frei, sich an eine qualifizierte Fachkraft zu wenden und sich die Selbsthypnose dort beibringen zu lassen. Selbsthypnose kostet gerade am Anfang etwas mehr Mühe. Wir müssen selbst überlegen, was uns hilft und welchen Weg wir benutzen wollen. Leider sind die eigenen guten Ideen und kreativen Einfälle manchmal begrenzt. Zur Erleichterung finden Sie in den folgenden Kapiteln eine Reihe von Hypnoseanleitungen, die sich bewährt haben. Sie können die Texte genau so übernehmen, oder Sie verstehen sie als Anregungen und Vorschläge und wandeln sie nach den eigenen Bedürfnissen ab. Experimentieren Sie ein wenig, dann merken Sie, was für Sie persönlich stimmig ist und was nicht. Entscheidend ist, dass Ihr Inneres mit gutem Gefühl Ja dazu sagen kann.

In der Selbsthypnose ist die Trance gerade zu Beginn oft nicht ganz so tief wie in der angeleiteten Hypnose. Das ist verständlich, denn ich arbeite ja sozusagen zweispurig. Während ein Teil von mir sich in Trance begibt, ist ein anderer Teil mit dem Ablauf beschäftigt. Mit etwas Erfahrung und Übung gelingt es jedoch immer besser. Und oftmals wird eine sehr tiefe Trance gar nicht unbedingt gebraucht, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Einfache, kurze und klare Vorstellungsbilder haben den Vorteil, dass sie gut einprägsam sind und damit das Unbewusste leicht erreichen. Und das lässt sie besonders wirksam sein.

3. Wie Hypnose funktioniert

Egal ob angeleitet oder eigenständig durchgeführt, jeder Hypnoseablauf gliedert sich in drei Abschnitte. Zuerst geht es darum, gut in die Trance hineinzugelangen. Dann schließt sich die eigentliche hypnotische Aktivität an. Und im dritten Schritt erfolgt der Weg heraus aus der Trance, um wieder ganz verfügbar und voll da zu sein.

3.1 Hinein in die Trance

Auch wenn wir alle schon Trancephänomene erlebt haben, so wissen doch die meisten Menschen nicht auf Anhieb, wie der Weg dorthin funktioniert. Um in Trance zu gelangen, gibt es verschiedenste Wege, die sogenannten Induktionen (von lat. inducere = hineinführen). Einige dieser Induktionen, die sich besonders für die Selbsthypnose eignen, stelle ich Ihnen im Folgenden kurz vor. Im nächsten Kapitel finden Sie dann darauf aufbauend konkrete Übungen dazu, sodass Sie ausprobieren können, welche Möglichkeiten Ihnen am besten gefallen und am leichtesten gelingen.

Eine Induktionsmethode mit besonders langjähriger Tradition, die schon im Altertum in Ägypten genutzt wurde, ist die sogenannte Fixation. Mit den Augen wird konsequent auf einen bestimmten Punkt geschaut – wie auf die Pfeilspitze in unserem Beispiel, die der alte Schamane dem Wettläufer präsentierte. Die Wahrnehmung fokussiert sich und eine Art Leere kehrt ein. Nach kurzer Zeit besteht nur noch das Bedürfnis, die Augenlider zu schließen und die Trance sich weiter ausbreiten zu ­lassen.

In vielen therapeutisch angeleiteten Hypnosen wird heute noch diese Form der Induktion benutzt. Manche Menschen erwarten das geradezu, weil sie schon davon gehört haben. Also werden Kugelschreiberspitzen und Pendel gern zum Fixieren eingesetzt. In der Selbsthypnose erfordert diese Methode allerdings etwas Disziplin, denn ich muss darauf achtgeben, dass die Augen nicht vom Fixationspunkt abschweifen. Das ist Übungssache. Und wem das gelingt, der kann diese Möglichkeit auch gut in Eigenregie für sich nutzen. Viele Menschen denken bei Hypnose an einen schlafähnlichen Zustand. In der Praxis erlebe ich es oft, dass deshalb die Augen schon von vornherein geschlossen werden, um in Trance zu gelangen. Das ist natürlich sehr einfach – wenn es gelingt. Denn geschlossene Augen bedeuten noch nicht automatisch Trance. Entscheidend ist das innere Konzentrieren der Aufmerksamkeit. Das lässt sich durch verschiedene Entspannungstechniken gut unterstützen. Die einfachste Form ist entspanntes Atmen. Das bringt Ruhe und Versunkenheit. In meinen Tranceanleitungen benutze ich dieses Element daher gerne und häufig.

Eine weitere, vergleichsweise einfache und im Gebrauch sehr sichere Methode ist das Hineinzählen in die Trance. Zählen kann jeder. Also ist das etwas sehr Vertrautes. Dazu wird in langsamen Zählschritten der Weg in die Trance vorgenommen. Dieses Hineinzählen in die Trance wird gern von Menschen genutzt, die sich viel mit Technik beschäftigen. Ihnen ist die Welt der Zahlen vertraut. Auch wenn man noch unsicher ist, eignet sich die Methode hervorragend. Sie gibt eine klare Struktur und gewährt Halt.

Eine Variante der Zähltechnik ist die Schritttechnik. Hier werden nicht einfach nur Zahlen benutzt, sondern der Weg in die Trance hinein wird in einem Gleichnis, einer sogenannten Metapher vollzogen. So kann der Weg über eine Brücke führen, über Treppenstufen oder über die Etagen eines Fahrstuhls im Hochhaus.

Der Weg in die Trance lässt sich auch gut durch Fantasien fördern. So kann eine bildhafte Vorstellung, eine sogenannte Imagination, eingesetzt werden, um den Weg hinein in die Trance zu erleichtern. Besonders geeignet sind bildhafte Vorstellungen von Situationen oder Abläufen, die wir tatsächlich schon erlebt haben. Dann kann unser Inneres an Körpererinnerungen anknüpfen und sich besser hineinversetzen. Andere Metaphern auf dem Weg hinein in die Trance lösen sich davon und lassen die Fantasie noch stärker tätig werden: Vorstellungen wie ein Eintauchen, ein Dahinfließen oder auch ein Davonschweben sind solche Trancebilder. Sie gelingen immer dann besonders gut, wenn jemand ohnehin sehr fantasiebetont ist.

Eine ganz besondere Technik, um die Trance einzuleiten und zu vertiefen, ist die sogenannte Handlevitation (von lat. levitas = Leichtigkeit). Hier geht es darum, eine Hand und den dazugehörigen Unterarm sozusagen in Körpertrance zu versetzen. Wir lassen sie mithilfe der Vorstellungskraft ganz leicht werden, bis sie langsam aus dem Ellbogengelenk heraus wie von einem unsichtbaren Faden nach oben gezogen wird und zu schweben beginnt. Das klingt für Sie wahrscheinlich erst einmal etwas exotisch. Aber wenn Sie es ausprobieren, werden Sie vielleicht entdecken, dass diese Form auch für Sie durchaus hilfreich sein kann. (Sie finden übrigens auch auf You­tube einige schöne Videos, die Ihnen das Prinzip veranschaulichen.)

Einfacher und deshalb ganz besonders geeignet ist die umgekehrte Handlevitation. Sie wird in der Fachliteratur eher selten beschrieben. Das ist schade, denn sie ist meiner Erfahrung nach äußerst hilfreich. Und sie gelingt leicht. Dafür wird zu Beginn der Trance ein Unterarm im Ellbogen aufgestützt, um dann im Laufe der Induktion immer weiter abwärts zu sinken, bis Unterarm und Hand wieder auf der Unterlage angekommen sind.

Wenn Ihnen eine dieser Methoden nicht zusagt oder zu schwierig erscheint – macht nichts! Dann benutzen Sie eine der anderen Techniken. Mit zunehmender Übung werden Sie wahrscheinlich bald eine Lieblingsform entdecken. Gut! Dann benutzen Sie Ihren Favoriten. Wichtig ist, dass Ihnen der Weg in die Trance möglichst leicht und reibungslos gelingt. Sie kennen doch das Sprichwort: Viele Wege führen nach Rom. Und das gilt auch hier: Viele Wege führen in die Trance.

3.2 Mittendrin: die eigentliche Selbsthypnose

Sobald eine brauchbare Trancetiefe erreicht ist, beginnt die eigentliche hypnotische Aktivität. Die Türen zur Innenwelt sind geöffnet, und wir können mit dem Unbewussten in Kontakt treten. Nun lassen sich Botschaften, Mitteilungen oder Anregungen an das Innere vermitteln.

Diese Suggestionen können sehr direkt sein wie beispielsweise beim Fußball: „… und ich treffe das Tor in der rechten Ecke“, oder aber indirekt. Dann sind sie in symbolische Geschichten und Gleichnisse, in Metaphern also, verpackt. So suggeriert der Schamane in unserem Beispiel vom Wettläufer: „Du bist der Pfeil!“ Zu diesen indirekten Suggestionen können eigene Erfahrungen, persönliche Erlebnisse und Stärken aus der eigenen Lebensgeschichte gehören. Oder es wird an Märchen, Bilder, Geschichten angeknüpft. Unser Unbewusstes kann mit dem verstandesmäßigen Denken wenig anfangen und versteht die bildhafte Kommunikation sehr viel besser.

Die suggestive Wirkung soll natürlich möglichst intensiv sein. Dafür müssen die Formulierungen glaubhaft sein und Wahrheiten beinhalten. Das Unbewusste lässt sich nicht belügen. Wenn ich den Prüfungsstoff nicht gelernt habe, kann ich mir vor der Klausur tausendmal suggerieren, dass mein Wissen ausreicht und ich deshalb ganz gelassen sein kann. Mein Inneres weiß es besser und sagt: „Nein, du hast nicht gelernt!“ Folglich wird diese Suggestion zerplatzen wie eine Seifenblase.

Es ist also entscheidend, ein inneres Ja zu produzieren. Besonders wirkungsvoll ist der Aufbau einer sogenannten Ja-Reihe. Dazu werden mehrere einfache Aussagen getroffen, die den Tatsachen entsprechen. Folglich wird das Unbewusste zustimmen und Ja sagen können. Wenn diese Reihe aufgebaut ist, wird die darauf folgende Suggestion mit großer Wahrscheinlichkeit auch innerlich bejaht: „Ich sitze in meinem Sessel … (Tatsache: ja) … meine Augen sind geschlossen … (Tatsache: ja) … ich spüre die Lehne im Rücken … (Tatsache: ja) … mein Kopf ist angelehnt … (Tatsache: ja) … ich atme ruhig ein und aus … (Tatsache: ja) … ganz entfernt höre ich die Geräusche vom Straßenverkehr … (Tatsache: ja) … ich bin ruhig und gelassen … (Tatsache: ja) … und wenn ich an die Prüfung denke, wird diese innere Gelassenheit noch stärker … (Suggestion [!]: ja) … und ich erinnere mich an den Moment, als ich schon einmal eine Klausur ganz erfolgreich bewältigt habe … (Tatsache: ja) … damals ging es um X … (Tatsache: ja) … und ich war gut vorbereitet … (Tatsache: ja) … genauso wie heute … (Tatsache: ja) … und ich erinnere mich daran, wie es war, als ich die Aufgaben bekam und wusste „Das kann ich!“ … (Tatsache: ja) … und das Stückchen Aufregung, das auch vorhanden war … (Tatsache: ja) … gab mir den richtigen Kick, um die volle Leistung zu bringen, um über mich hinauszuwachsen … (Tatsache: ja) … und genau so wird es auch dieses Mal sein … (Suggestion [!]: ja) … denn ich bin gut vorbereitet (Tatsache: ja) … ich habe gut gelernt … (Tatsache: ja) … jetzt werde ich allen zeigen, was ich so draufhabe … (Suggestion [!]: ja) …“

Zur Unterstützung können die verschiedenen Sinneseindrücke benannt werden, die zu dem jeweiligen inneren Erleben dazugehören. Was kann ich sehen? Wie fühlt es sich an? Was ist zu hören? Wonach riecht es? Und welcher Geschmack gehört dazu? Dadurch wird das Erleben besonders realistisch und umso mehr Gültigkeit bekommt es. Und umso wirkungsvoller ist die Hypnose.

Unser Unbewusstes hat Schwierigkeiten mit Verneinungen. Deshalb ist es wichtig, die Suggestionen positiv und eindeutig zu formulieren. Dafür ist ein bisschen Gedankenarbeit notwendig. Der Fußballer denkt vielleicht zuerst daran, dass er auf keinen Fall danebenschießen will. Sobald er jedoch innerlich Formulierungen wählt wie „bloß nicht vorbeischießen“, sind in seinem Gehirn die Areale für das Vorbeischießen aktiviert und vor seinem inneren Auge sieht er vielleicht sogar, wie der Ball drei Meter neben dem Tor ins Aus rollt. Kein Wunder, wenn das dann auch wirklich so passiert. Um die richtige und erwünschte Wirkung zu erzielen, ist es erforderlich, innerlich die richtigen und erwünschten Bilder und Instruktionen zu entwickeln. Dann steigen die Erfolgsaussichten.

Vielleicht haben Sie schon einmal den Begriff der sich selbst erfüllenden Prophezeihung gehört. Gemeint ist damit, dass unsere inneren Überzeugungen, unsere inneren Programmierungen dazu neigen, sich in Wahrheiten zu übersetzen. Negative Visionen steigern die Wahrscheinlichkeit für negative Ergebnisse. Positive Vorstellungen hingegen fördern ein gutes Gelingen. So beeinflussen wir mit unseren Suggestionen unser Fühlen, unser Handeln und unsere Resultate.

Im Alltag geben wir uns auch im nichthypnotischen Zustand immer wieder kleineren oder größeren Suggestionen hin. Und die beeinflussen uns nachhaltig. Ein guter Bekannter von mir äußert beispielsweise ganz oft beim Erreichen einer Stadt: „Oh ist das voll! Ich finde bestimmt keinen Parkplatz …“, und wenn er dann in der Innenstadt angekommen ist, übersieht er schlicht die freien Plätze: „Hab ich doch gewusst! Es ist voll, ich kriege keinen Parkplatz!“ Da hat sich eindeutig die Wahrnehmung nach der Suggestion gerichtet und all die freien Plätze ausgeblendet. Und wenn man dann auf die Lücken hinweist, lautet die Antwort: „Ach, hab ich gar nicht gesehen …“

Wenn Suggestionen schon ohne Trance dermaßen wirksam sind, um wie viel effektiver sind sie dann erst mit Trance! Die Selbsthypnose mit passenden Sugges­tionen kann uns also eine große Hilfestellung sein, um eine Programmierung in die angestrebte Richtung vorzunehmen. Deshalb: Malen Sie sich das Gewünschte so konkret wie möglich aus, am besten mit all den Sinneseindrücken, die dazugehören.

Es ist durchaus hilfreich, wichtige Botschaften für das Innere zu wiederholen. Je öfter wir einen Satz denken und je öfter wir uns einen Ablauf vorstellen, umso nachhaltiger wird er im Gehirn und damit in unserer Schaltzentrale verankert. Erinnern Sie sich an den Wettläufer? Der Schamane wiederholt: „Du bist der Pfeil … du bist der Pfeil ….“ Das ist vergleichbar mit einem Mantra. Und deswegen sollten diese Kernsätze auch ruhig kurz sein. Das ist einprägsamer und deshalb wirkungsvoller.

Eine besonders gute Unterstützung für die Verankerung in unserem Inneren sind die sogenannten posthypnotischen Aufträge. Dabei geht es um die Wirkung, die zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen soll, also nach der Trance. Damit lassen sich in der Hypnose die gewünschten Anweisungen, gute innere Programmierungen, für die Zukunft installieren, beispielsweise: „… und sobald das Startsignal ertönt …“, oder: „… und sobald ich den Prüfungsraum betrete, breitet sich eine große Ruhe in mir aus … genau die Ruhe, die ich jetzt im Moment verspüre …“ Wir nehmen in unserem inneren Erleben das Ereignis vorweg und liefern dem Unbewussten eine klare Verfahrensregel. Das braucht natürlich etwas Übung und meistens auch mehrere Durchgänge. Erst dann ist das neue Verhaltensmodell fest im Inneren gespeichert.

3.3 … und wieder heraus aus der Trance

Im dritten Abschnitt der Hypnose erfolgt die sogenannte Rückorientierung. Wenn sämtliche Suggestionen formuliert sind, geben Sie sich noch etwas Zeit, damit das Ganze sich gut im Innern verankern kann. Und danach geht es darum, wieder aufzutauchen und in den Alltag zurückzukehren. Denn natürlich können wir nach dieser tiefen Entspannung, in der wir in andere Welten abgetaucht sind, nicht einfach aufspringen und sofort hellwach sein. Der Körper war in einem mehr oder minder tiefen Ruhezustand, da müssen wir uns erst wieder aktivieren.

Für das Innenleben ist es hier naheliegend, genau die gleiche Methode wie in der Induktion zu benutzen – nur umgekehrt. Also: Wenn Sie sich in die Trance hi­nein­gezählt haben, zählen Sie jetzt zurück. Sind Sie hineingegangen, gehen Sie jetzt den Weg zurück. Sind Sie hineingetaucht, tauchen Sie jetzt wieder auf. Haben Sie die Handlevitation benutzt, lassen Sie die Hand wieder normal schwer werden und herabsinken. Sind Sie ausschließlich über Entspannung in die Trance gelangt oder mithilfe der umgekehrten Handlevitation, ist es ebenfalls nötig, sich wieder zu aktivieren.

In jedem Fall ist es hilfreich, am Schluss der Rückorientierung einen Countdown („drei … zwei … eins …“) durchführen und dabei kräftig durchzuatmen und sich zu recken und zu strecken und dann die Augen zu öffnen. Als Abschluss sind Formulieren wie „wieder voll da“, „wach“, „aktiv“, „frisch und klar“ angebracht (auch das sind Suggestionen, die Ihnen signalisieren: „Die Trance ist jetzt zu Ende“).

Ebenso ist bei unerwarteten Unterbrechungen oder Störungen eine Rückorientierung sinnvoll. Durch die Störung sind Sie zwar schon etwas aktiviert, aber um zu einem guten – vorübergehenden – Abschluss zu kommen, aktivieren Sie sich bitte auch hier durch kräftiges Recken und Strecken und Instruktionen wie „hellwach, völlig wach und klar“.

Sollte sich während der Trance ein unangenehmes Gefühl bei Ihnen einstellen, vielleicht weil Sie sich unsicher fühlen oder den roten Faden verloren haben oder wenn Sie sich mit der Trance einfach nicht wohlfühlen, beenden Sie ebenfalls am besten auf diesem Wege den Ablauf.

Manchmal macht es etwas Mühe, in den Alltag zurückzukehren. Das ist meist dann der Fall, wenn die Trance sehr tief war. Vielleicht brauchen Sie dann etwas mehr Zeit. Ansonsten ist es nützlich, sich an ganz konkrete Alltagsdinge wie das Kalenderdatum oder die Tageszeit zu erinnern. Sie können sich auch aktivieren und wieder voll in der Gegenwart sein, indem Sie sich mit der flachen Hand behutsam abklopfen.

Es besteht eine Ausnahme zur Rückorientierung: Wenn Sie die Selbsthypnose direkt vor dem Einschlafen durchführen – und das gilt auch für ein Mittagsschläfchen –, wäre es unsinnig und störend, sich zum Abschluss zu aktivieren. Dann gleiten Sie ganz normal in einen guten Schlaf und lassen die Suggestionen aus der Hypnose noch weiterwirken. Die Ergebnisse sind dann besonders gut, denn im Schlaf kann das Unbewusste sich ganz und gar und ohne Ablenkung auf die Inhalte der Trance konzentrieren und damit weiterarbeiten. Und wenn Sie ausgeschlafen haben, wachen Sie ganz normal auf, so wie üblich, aber möglicherweise erholter als sonst.

3.4 Was noch zu beachten ist: praktische Tipps und Sicherheitshinweise

Anfangs brauchen Sie vielleicht erst etwas Zeit, um in Trance zu gelangen. Das ist verständlich. Sie üben ja noch. Und da Ihnen das alles noch fremd ist, möchten Sie wahrscheinlich gern den Überblick behalten und nicht einfach „nur“ loslassen. Keine Sorge – das macht nichts. Auch eine kleine Trance ist eine Trance, und selbst eine halbe Trancetiefe eignet sich, um Hypnose zu üben. Von Mal zu Mal werden Sie sich sicherer fühlen, und mehr Tiefe kann sich einstellen.

Genug Zeit einplanen

Erwarten Sie bitte keine Wunder. Hypnose ist ein sehr mächtiges Handwerkszeug, aber keine Zauberei. Änderungsprozesse brauchen Zeit – und Übung. Auch ein Meister der Selbsthypnose fällt nicht vom Himmel.

Üben Sie, sooft Sie mögen, aber spielerisch. Achten Sie dabei darauf, dass Sie sich die Freude und Leichtigkeit erhalten. Hypnose mit Widerwillen, sozusagen als „Pflichtprogramm“, das wird nicht funktionieren.

Wählen Sie sich einen geeigneten Übungszeitpunkt. Erst wenn Sie richtig erfahren sind, können Sie auch zwischen Tür und Angel in Trance gehen. Aber es ist immer unglücklich, wenn der Zeitrahmen eng ist und direkt anschließend dringend und pünktlich etwas erledigt werden soll. Also: Kalkulieren Sie genügend Zeit ein. Umso lockerer können Sie in Trance gehen. Bei den Hypnoseanleitungen in diesem Buch ist die ungefähre Dauer angegeben. Aber manchmal benötigt man vielleicht etwas länger. Und es ist natürlich sehr viel besser, anschließend noch etwas Nachwirkungszeit zur Verfügung zu haben.

Störgeräusche