Wie weiter Jenny - Ulrich Conrad - E-Book

Wie weiter Jenny E-Book

Ulrich Conrad

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Beschreibung

Beim vergeblichen Versuch seine Beziehung zu Svenja zu retten, trifft der zwanzigjährige Jannik auf Jenny, die ihren Freund an ihre beste Freundin Svenja verlor. Enttäuscht will Jannik so schnell wie möglich in seine Heimatstadt Eisenach zurück. Hilfsbereit wie er ist, bietet er Jenny eine Mitfahrgelegenheit, doch von ihren Eltern verstoßen, hat sie kein Zuhause mehr. Wohin mit Jenny?

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Seitenzahl: 98

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Über den Autor:

Der Berliner Ulrich Conrad, Jahrgang 1966, begann 2004 mit Veröffentlichungen von Fachartikeln und Büchern über Schienenverkehr. Später folgten auch Artikel im Gemeindeblatt seiner Kirchengemeinde.

Ab 2015 besuchte er verschiedene Schreibkurse der Victor-Gollancz-Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf, um für Kurzgeschichten und Romane seinen Schreibstil zu verbessern. Inzwischen veröffentlichte er diverse Kurzgeschichten und Novellen.

Er ist Mitglied der Autorengruppen:

Berliner Autoren-Gruppe

Die Hofpoeten

Die Schlangenbader

Forum Wort

Romaniacs

In eigener Sache:

Ich bedanke mich für den Kauf dieses Buches.

Sollte es gefallen, würde ich mich über entsprechende Rezensionen, Empfehlungen und wohlwollende Bewertungen an jeder denkbaren Stelle, z. B. auf Buchblogs, auf sozialen Netzwerken oder im Bekanntenkreis sehr freuen, da ich selbst kaum Möglichkeiten zur Werbung habe.

Ich bedanke mich bei meinem Onkel, Thomas Günther, Lektor im Ruhestand, für das Lektorat.

Ulrich Conrad

Inhaltsverzeichnis

Rückkehr in die Fremde

Erstmal unterkommen

Kein Job ohne Zeugnis

In der Höhle des Löwen

Eine böse Überraschung

Job oder Liebe?

Rückkehr in die Fremde

Mit mir und Svenja ist es aus! Ein für alle Mal! Statt ihr nimmt Jenny auf dem Beifahrersitz Platz. Ihre beste Freundin. Jedenfalls war sie es. Nachdem Svenja ihr den Freund weggeschnappt hat, dürfte das vorbei sein.

Noch immer aufgeregt, starte ich mit zittrigen Fingern den Motor. Ich hätte gar nicht herkommen sollen. Es war absurd zu hoffen, dass ich Svenja zur Vernunft bringen könnte.

Jennys Gesicht wirkt versteinert. Gerade wurde sie von ihrem Freund abgewiesen. Wäre ich nicht hier, stünde sie mutterseelenallein in Leipzig. – Jenny Lehmann, die blondgelockte Schönheit, der schon in der Schule alle hinterherrannten. Mir hatte sie nie auch nur einen Blick zugeworfen. Sie wird bestimmt schnell einen neuen Freund finden.

Mit unsicherer Stimme bedankt sie sich fürs Mitnehmen. Ihr Make-up ist von Tränen verwischt.

„Kein Problem, Jenny“, antworte ich, „ich fahre ja sowieso zurück nach Eisenach.“ So schnell wie möglich, will ich nach Hause und Svenja vergessen.

Jenny schnallt sich an, sieht sich um und winkt einem Mann zurück, der sie bis eben begleitet hat.

Die Ampel springt auf Grün. Mit quietschenden Reifen biege ich ab. Möglichst rasch möchte ich Leipzig verlassen und Abstand von Svenja gewinnen. „Wer war eigentlich dieser Typ eben?“

„Das war der Andi“, antwortet Jenny. „Er hat uns hinterhergewinkt. Ein richtiger Kavalier. Gestern saß er mir im Zug gegenüber, als Dennis anrief und Schluss gemacht hat. – Am liebsten wäre ich vor einen Zug gesprungen, aber er hat mir geholfen.“

Mein Gott, da hätten Svenja und Dennis ja etwas angerichtet! „An so was solltest du nie denken, Jenny. Für dich geht es immer irgendwie weiter.“

„Aber wie denn, Jannik?“, jammert sie. „Hast du eine Idee, warum mir deine Freundin meinen Freund weggenommen hat?“

„Keine Ahnung, was sie an ihm findet, aber meine Freundin ist sie jetzt wohl nicht mehr.“ Dieser Gedanke vermischt Trauer und Zorn in mir. Warum hat sie das nur getan? Warum haben Svenja und Dennis uns das angetan? – Für Jenny muss es noch schlimmer sein. Sie hat nicht nur ihren Partner, sondern auch die Freundin verloren. – Endlich haben wir Leipzig verlassen. Auf der Landstraße werde ich schneller.

Gut, dass Jenny diesen seltsamen Helfer gefunden hat. Ob sie sich sonst wirklich das Leben genommen hätte? „Und dieser Andi hat sich von gestern bis heute um dich gekümmert?“

„Er hat mir eine Hotelübernachtung bezahlt. Ganz ohne Gegenleistung! Schließlich hat er mich sogar zu Dennis begleitet, um meinen Laptop zu holen.“

„Was für einen Laptop?“

„Den wollte ich auf keinen Fall bei Dennis lassen. Meine Klamotten und ein paar Kosmetika sind nicht so wichtig, aber auf dem Laptop sind Bilder von Omas letztem Geburtstag.“

„Oh, Svenja hat erzählt, dass sie gestorben ist. – Das tut mir leid. – Und dieser Andi hat dich in die Höhle des Löwen begleitet? Das muss ja ein echter Held sein. Wollte er gar nichts von dir?“

„Nein, nichts. Er war nur unglaublich hilfsbereit.“

Tja, Jenny findet eben immer einen, der ihr zur Seite steht. Ich dagegen? Eine Frau, wie Jenny, kann sich ihre Freunde aussuchen. Mit ihrem sonst so fröhlichen Lächeln könnte sie jeden haben, aber einen wie mich würde sie gar nicht erst ansehen. Immer müssen es durchtrainierte Sportler sein. Große, kräftige Kerle. – Ob sie was im Kopf haben, ist unwichtig. Dieser Andi war wohl nicht so. Klar, sonst wäre sie sicher gleich bei ihm geblieben.

„Ja, Andi war super. Hoffentlich finde ich wieder einen, der mir weiterhilft.“

Was soll denn das heißen? „Du hast doch mich gefunden.“

„Dich?“

„Wäre ich nicht nach Leipzig gekommen, um Svenja zur Vernunft zu bringen, stündest du jetzt alleine da.“

„Ja, danke, aber du bringst mich nur zurück nach Eisenach. Wo soll ich denn da hin?“

„Na, zu deinen Eltern, nach Hause.“

Sie schüttelt den Kopf. „Das wird nicht gehen. Mein Erzeuger hat ganz klar gesagt, dass ich mich nicht wieder sehen lassen darf, wenn ich zu Dennis reise.“

„Ich habe ihn doch geliebt!“, ruft sie verzweifelt.

„Das hat dein Vater sicher nicht so gemeint.“

Mit scharfem Blick sieht sie mich an. „Was meinst du, wer von uns beiden ihn besser kennt?“

„Ja, okay, du natürlich.“

„Vielleicht kann ich bei einer Freundin Unterschlupf finden. Ich muss gleich mal herumtelefonieren, wer mich aufnimmt.“

„Bei einer Freundin? Na, wie du meinst.“ Bei mir wäre ja auch Platz, aber ich muss erstmal über Svenja hinweg kommen. Treue ist so wichtig, und dafür ist Jenny nicht gerade bekannt.

Hinter Markranstädt gebe ich Gas. Möglichst schnell auf die Autobahn, nach Hause kommen und diesen Sonntag vergessen!

„Ich werde mal Johanna anrufen“, verkündet Jenny. „die war immer nett und hilfsbereit.“

Sie führt ihr Smartphone zum Ohr. „Ja, hier ist die Jenny. Eine Schulfreundin von Johanna. Ist sie zu sprechen? – Dann grüßen Sie sie bitte von mir.“ Jenny klingt enttäuscht. „Mist. Das war ihr Vater. Seit zwei Wochen hat sie einen Job in Kassel und lebt jetzt dort.“

„Oh, das tut mir leid.“

„Egal. Dann frage ich Mia. Die ist zwar ein bisschen langweilig, aber das macht nichts. Es wird Zeit, dass ich mich bei ihr mal melde.“

Zur A9 geht es rechts in Richtung Bad Dürrenberg. Zu schnell nehme ich die Kurve, das Kreischen der Reifen sollte nicht sein.

Jenny hält sich fest, während sie Mias Nummer wählt. „Hallo Mia, hier ist Jenny. Ich wollte mal wieder hören, wie es dir geht. – Echt? So richtig verlobt? – Nach Saarbrücken?“

Und schon schlägt ihre Stimme von aufgesetzter Fröhlichkeit in pure Enttäuschung um.

„Ja. Es wäre schön, wenn man sich irgendwann mal wiedersieht.“ Sie verabschiedet sich.

Auf dem Smartphone sucht sie nach weiteren Nummern. „Das kann doch nicht wahr sein! Wer kommt denn noch in Frage?“

Unfassbar, welche Energie sie einsetzt, um nicht nach Hause zu müssen, aber mich fragt sie nicht. – Vielleicht ist das besser so. Am Ende würde ich mich noch in sie verlieben. Immerhin sieht sie Svenja durchaus ähnlich, auch wenn ihr Haar lockiger und länger ist. Außerdem hat sie ein runderes Gesicht und ist etwas kleiner, aber trotzdem eine Schönheit.

Könnte sie mir Svenja ersetzen? Ihre Beziehungen haben nie lange gehalten und Zuverlässigkeit ist so wichtig.

Treu ist Svenja aber auch nicht! – Als Kinder haben wir miteinander gespielt, später haben wir uns verliebt und nun ist sie weg.

Endlich ist die Autobahn erreicht. Auf der linken Spur gebe ich Vollgas. Ab nach Hause, um Svenja, so schnell es geht, hinter mir zu lassen!

Jenny hält sich krampfhaft fest. „Du hast es aber eilig!“

„Ich will nur zurück nach Eisenach.“

„Wie schnell fährst du?“

„Soll ich langsamer fahren?“

„Ja, bitte.“

„Okay, wie du meinst.“ Sie hat ja Recht. Der Straßenverkehr ist kein Ort, um Frust auszuleben.

Jenny bedankt sich kurz. Sie wischt auf ihrem Smartphone herum und sucht nach weiteren Kontakten. „Lilly. Die hat Temperament. Sie hat immer für Stimmung gesorgt. Die rufe ich an.“

Sie wählt ihre Nummer, wartet einen Moment und legt wieder auf.

„Ihre Handynummer ist nicht mehr vergeben! Hast du vielleicht die Nummer von Lillys Eltern, Jannik?“

„Nein.“

„Verdammt!“

Nachdenklich kaut Jenny auf ihrer Unterlippe.

„Verdammt, Jannik, ich will nicht nach Eisenach.“

„Was? Nicht nach Eisenach? Wohin denn sonst?“

„Ich habe eine bessere Idee. Kannst du mich nicht nach Dresden bringen? Vielleicht würde der Andi mich eine Weile aufnehmen. Der war so hilfsbereit."

Ich fasse es nicht! „Dieser Andi von vorhin? Ist das dein Ernst? Nach Dresden sind es bestimmt hundertfünfzig Kilometer in der falschen Richtung! Ich will nach Hause!“

„Aber, er war so nett. Der würde mir sicher helfen.“

„Oh, mein Gott!“, stöhne ich. Wäre er überhaupt schon in Dresden? „Hatte er denn ein Auto?“

„Nein, wieso?“

Lächelnd schüttle ich den Kopf. „Der wäre noch gar nicht zu Hause, wenn wir bei ihm einträfen.“

Für einen Moment erkenne ich, wie sie mich mit leicht geöffnetem Mund anstarrt. Daran hat sie nicht gedacht.

„Er wird sich veräppelt fühlen, wenn wir vor ihm dort wären, anstatt ihn mitzunehmen.“

Ihre Stimme klingt traurig. „Ja, da hast du Recht.“

„Und wenn er irgendwann endlich kommt und dir nicht hilft, stehst du allein in Dresden.“

Nach kurzem Zögern beginnt sie zu säuseln. „Kannst du nicht auch dort warten und mich notfalls nach Eisenach fahren, wenn er mich wegschickt?“

Das fehlte noch. „Sonst noch was? Sollen wir ihm stolz vorführen, dass man im Auto schneller ist? Er wird sich veralbert fühlen. Hat er nicht genug für dich getan? Das ist doch Blödsinn!“

Sie schweigt.

Bei einem schnellen Seitenblick entdecke ich Tränen auf ihrer Wange. „Weinst du?“

Schnell fährt sie sich kopfschüttelnd mit einem Taschentuch durchs Gesicht. Sie schweigt.

War ich etwa zu hart? – Ich darf meine schlechte Laune nicht an ihr auslassen! Sie hat mindestens so viel Enttäuschung erlebt wie ich. – Nun weint sie auch noch. „Hey, Jenny, das war nicht so gemeint.“

Sie schnieft.

Was mache ich nur? Sollte ich sie doch nach Dresden bringen? Die Zeit hätte ich und gegen Tränen komme ich nicht an. „Also gut, wenn du unbedingt willst, bringe ich dich zu diesem Andi.“

Mit feuchten Augen sieht sie mich an. „Lass mal, du hast ja Recht. Das wäre Quatsch.“

Erleichtert atme ich auf.

„Wenn ich nur wüsste, wo ich hin soll.“

Hoffentlich will sie nicht zu mir. Ich kann noch keine neue Beziehung gebrauchen, und schon gar nicht mit Jenny, die sich wohl kaum in mich verlieben würde. „Wie wäre es, wenn ich dich doch zu deinen Eltern bringe? Sie werden dich nicht abweisen. Das machen keine Eltern. Sie drohen vielleicht damit, aber sie tun es nicht.“

„Mein Alter macht es. Ich kenne ihn.“

„Du solltest die Probleme mit deinen Eltern klären.“

Sie schüttelt den Kopf. „Er hat alles gesagt. Er will keine Tochter, die angeblich ständig den Freund wechselt. Was soll ich ihm denn jetzt sagen?“

„Vielleicht, dass er Recht hatte Dennis abzulehnen?“

Sie weint heftiger. „Aber er hätte jeden abgelehnt!“

„Was sagt denn deine Mutter dazu?“

„Nichts. Die hat nichts zu sagen. Sie hält immer zu ihm. Klar, ohne ihn könnte sie in keiner schicken Villa wohnen, mit Gold an Hals und Fingern und ständig neuen Klamotten. Ihr Wohlstand ist ihr wichtiger als ich. Sie wird nicht helfen und er wird mich abweisen.“

Nachdenklich schüttle ich den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Lass es uns wenigstens probieren.“

Jenny stöhnt. „Und was ist, wenn sie mich nicht aufnehmen? Hast du dafür auch eine Idee?“

Das passiert bestimmt nicht, aber falls doch, bleibt mir nichts anderes übrig. „Notfalls kannst du bei mir unterkommen.“ – Hoffentlich hält sie das nicht für eine plumpe Anmache.

Nimmt sie mich nicht ernst? Was soll das? Warum nimmt sie mein Angebot nicht an?

Verunsichert betrachtet sie mich. „Wahrscheinlich muss ich auf dein Angebot eingehen.“