Wie wir überwintern - Mirjam Zadoff - E-Book

Wie wir überwintern E-Book

Mirjam Zadoff

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Beschreibung

Wie wir in harten Zeiten nicht resignieren, sondern neuen Lebensmut im Alltag finden. Darauf waren wir nicht vorbereitet: dass in Europa Krieg herrscht, die westliche Allianz zerbricht, Rechtsradikale Wahlen gewinnen. Es kann noch lange dauern, bis die Zeiten wieder besser werden. Was tun? Wir müssen uns engagieren, brauchen aber auch Ideen, wie wir diese harten Jahre durchstehen. Mirjam Zadoff macht ein paar Vorschläge: Wir bleiben menschlich, solidarisieren uns mit Schwächeren, schmieden ungewohnte Allianzen, öffnen unsere Türen und lesen endlich die Bücher von Hannah Arendt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wach zu bleiben und trotzdem ein gutes Leben zu führen. Fangen wir an!

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das ist das Cover des Buches »Wie wir überwintern« von Mirjam Zadoff

Über das Buch

Wie wir in harten Zeiten nicht resignieren, sondern neuen Lebensmut im Alltag finden.Darauf waren wir nicht vorbereitet: dass in Europa Krieg herrscht, die westliche Allianz zerbricht, Rechtsradikale Wahlen gewinnen. Es kann noch lange dauern, bis die Zeiten wieder besser werden. Was tun? Wir müssen uns engagieren, brauchen aber auch Ideen, wie wir diese harten Jahre durchstehen. Mirjam Zadoff macht ein paar Vorschläge: Wir bleiben menschlich, solidarisieren uns mit Schwächeren, schmieden ungewohnte Allianzen, öffnen unsere Türen und lesen endlich die Bücher von Hannah Arendt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wach zu bleiben und trotzdem ein gutes Leben zu führen. Fangen wir an!

Mirjam Zadoff

Wie wir überwintern

Den Lebensmut durch die harten Zeiten retten

Hanser

Übersicht

Cover

Über das Buch

Titel

Über Mirjam Zadoff

Impressum

Inhalt

Steigt ins kalte Wasser

Die Zukunft in der Hand

Lasst sie nicht allein

Lest Bücher

Seid zuversichtlich

Auf die Straße, auf die Bühnen

Holt Atem

Schafft Räume

Seid feministisch

Schaut hin

Kauft euch frei

Sorgt euch

Rauft euch zusammen

Trauert gemeinsam

Feiert Feste

Seid Menschen

Be kind

Dank

Anmerkungen

Steigt ins kalte Wasser

Ich kann nicht aufhören zu schwimmen. Das Wasser ist eiskalt, blaugrün und weich. Ich sehe den Meeresboden unter der Oberfläche, und wenn ich die Beine ausstrecke und die Zehen in den Sand grabe, ist er warm. Ich schwimme von einem Ende der Bucht zum anderen und zurück, hin und her. Der Strand ist leer, bis auf ein paar vereinzelte Menschen. Dahinter erstreckt sich grün und gelb leuchtend die Macchia bis hinauf in die Berge. Dort blühen Myrte, Wacholder, Ginster, Mäusedorn, Rosmarin, wilder Fenchel und wer weiß was noch in knallbunten Blumenteppichen. Es ist April, und die Insel ist fast sich selbst überlassen.

Die Krebsdiagnose meines Vaters liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Die Nachricht kam und es ging alles viel zu schnell, zuerst die ambulante Immuntherapie, dann das Krankenhaus. Innerhalb von drei Wochen veränderte er sich von einem lesenden, lachenden Menschen mit blitzenden Augen in einen, der mager und schwach im Bett liegt, dankbar für jede Zuwendung. Meine Mutter hoffte trotzdem, baute das Badezimmer um und bereitete seine Rückkehr vor.

Wenn ich zu Besuch kam und neben ihr im Bus zum Krankenhaus saß, sprachen wir über die Zukunft. Wir schmiedeten Pläne, während vor dem Fenster die Bergwiesen von gelb zu grün wechselten. Wir kamen an, stiegen hoch in den obersten Stock, öffneten die Zimmertür und seine Freude war groß, immer wartete er schon ungeduldig. Das Sprechen fiel ihm schwer, doch er erzählte von seinen Träumen, die ihn nachts begleiteten, in denen häufig kaltes Wasser vorkam, Wasser zum Trinken oder darin zu schwimmen. Die Therapie machte ihn durstig, doch er konnte nicht schlucken und nur wenig Wasser behalten. Er sprach über den Wald und die Berge und das Quellwasser, das klar und eisig von ganz oben kommt. In dem großen Krankenhausbett ähnelte er einem alten Baum, einer schmalen Birke, deren Arme wie dünne Äste nach unten hängen, die Finger blass und lang.

Während ich meine Runden im kalten Wasser ziehe, denke ich darüber nach, was für ein Glück es ist, dass er das letzte Jahr nicht mehr erlebt hat. Er gehörte der Generation an, die — erwachsen geworden in den 1950er und 60er Jahren — daran glaubte, dass sich alles zum Guten wenden würde, müsste. Die Sorge um die Welt, ihre Narben und Wunden, waren ihm bei allem, was er tat, ein Anliegen gewesen. Doch die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre, die Erosion vieler Errungenschaften der Zeit nach 1945, haben ihn ratlos gemacht. Er begann den Tag mit der Zeitung und beendete ihn abends am Laptop, wo er andere Zeitungen und Zeitschriften las, leise kopfschüttelnd oder, wenn das Bedürfnis zu stark wurde, voll laut artikulierter Verzweiflung. Er konnte die Finger nicht von den schlechten Nachrichten lassen, bis er erfuhr, wie schlecht es um ihn selbst stand. In den wenigen Wochen, die ihm noch blieben, las und schrieb er über den Tod und fand Trost in der Literatur.

Der lange Weg, der zur Insel führt, das Meer zwischen mir und dem Kontinent, hilft mir, das Gefühl der rasenden Sorge um die Welt in meinem Kopf zu beruhigen. Im Hinterland dieser Küste wurde Ende des 19. Jahrhunderts der Philosoph und Politiker Antonio Gramsci geboren. Nicht weit von meinem Badeplatz ging er zur Schule. Von den Faschisten bereits in den ersten Jahren von Mussolinis Regierung inhaftiert, saß er elf Jahre im Gefängnis. Seine Gesundheit verschlechterte sich dort so sehr, dass er nach seiner Freilassung starb. Den Plan, sich in Sardinien von den Anstrengungen der Haft zu erholen, konnte er nicht mehr umsetzen.

Bis heute ist die Insel eine der einkommensschwächsten Regionen Italiens — und die erste Provinz, wo die sogenannten Postfaschisten 2024 eine regionale Wahl verloren haben. »Sardigna no est Italia« hat jemand in großen Lettern auf ein verfallenes Gebäude an der Küste gesprayt. Und an vielen Hausecken steht der gleiche oder ein ähnlicher Satz. Der sardische Separatismus konnte die Insel nicht vor zwei Weltkriegen bewahren, deren Spuren überall noch sichtbar sind. Auf jedem Dorfplatz findet sich ein Kriegerdenkmal, und die Westküste säumen bis heute halbverfallene Bunker, die hoch über türkisblauen Buchten sitzen. Sardinien war einer der Außenposten von Hitlers »Festung Europa«, und heute verwandelt sich derselbe Kontinent unter anderen Vorzeichen wieder in eine Festung.

»Das Alte stirbt und das Neue kann nicht zur Welt kommen: Es ist die Zeit der Monster«, notierte Antonio Gramsci 1930.1 Trotz aller Verschiedenheiten ähneln sich die Zeiten, die Monster haben viele Gesichter. Jeden Tag sterben Menschen in diesem Meer lediglich dafür, dass sie sich eine Zukunft wünschen. Im selben Meer, in dem ich schwimme.

Das kalte Wasser macht wach, ich nehme die Kälte weniger und weniger wahr. Kann ich mich an diese Kälte gewöhnen, aber sie zugleich wahrnehmen und aus dem ungewohnten Moment der Klarheit Kraft schöpfen? Wie lässt es sich daran gewöhnen, dass Faschismus kein Ding der Vergangenheit mehr ist? Dass Menschenfeindlichkeit nicht mehr verstohlen, sondern offen und stolz im Mund geführt wird, als handele es sich um eine besonders feine Delikatesse, die endlich wieder verkostet werden darf. Wie lässt es sich resilient werden, dickhäutig dem Wind trotzen, ohne dabei abzustumpfen? Wie den rauen Ton wahrnehmen, die soziale Kälte, aber nicht einem andauernden Krisenmodus zum Opfer fallen, um dann — ungefragt — von einem Smartphone gesagt zu bekommen, es habe »einen erhöhten Stresslevel« festgestellt und empfehle Beruhigung?

Während der friedlichen Tage auf der Insel frage ich mich auch, ob mein Kraftschöpfen nicht längst ein Einlenken ist, ein Nachgeben und Rückzug ins Private. Wenn ich die Zeitung heute nicht lese? Wenn ich den Tag mit Lachen, Freunden und Essen verbringe? Wenn ich das Telefon nicht auf die Wanderung mitnehme? Viele kleine Entscheidungen wollen getroffen werden, um weiterzukommen, anstatt sich im immer neuen Entsetzen zu verbrauchen. Eine Haut zu bekommen, die durchlässig ist für ein empathisches Wahrnehmen des Anderen, aber die zugleich Schutzbarrieren aufbaut gegen die Erschöpfung. Nein, es gibt kein Weglaufen, und nach dieser Woche zwischen Wildblumen, Schwalben und Hummeln geht es zurück in das Abwägen und Sorgen.

Mit jedem Mal Schwimmen gewöhne ich mich mehr an das kalte Wasser, die Überwindung wird von Mal zu Mal kleiner, stattdessen durchströmt mich ein Glücksgefühl. Das Meer ist manchmal wild und wellig, ein andermal ruhig und fast bewegungslos. Ich denke an meinen Vater, der mich immer, wenn eine Veränderung anstand, ermutigte, es doch zu versuchen. Nicht nach hinten zu schauen, nicht zu bereuen, das Leben sei nur nach vorne interessant.

Ich denke auch an meine Mutter, ihre überraschten, grünen Augen. Bis zum letzten Moment weigerte sie sich, die Hoffnung aufzugeben, dass sich doch noch alles zum Guten wenden würde. Das Erstaunen und die Zuversicht sind noch immer nicht aus ihrem Blick verschwunden, und sie teilen sich jetzt den Raum mit der Trauer.

Kann ein Erbe, das wir erhalten oder weitergeben, etwas anderes sein als ein Haus, Geld oder Besitz? Manchmal ist das Erbe vielleicht einfach die Chronologie der Hoffnungen eines Lebens. Es immer wieder versucht zu haben, und selbst wider besseres Wissen.

Die Zukunft in der Hand

Eigentlich geht es uns gut, so gut wie nie zuvor. Wir leben in der besten aller Welten, und doch: Es breitet sich ein Gefühl der Kälte aus. Jahrzehntelang schien es voranzugehen, die Menschen wurden klüger und die Gesellschaft gerechter. Achtzig Jahre ist es her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ging und das Nazi-Regime besiegt war. 1949 legte das westdeutsche Grundgesetz die Basis für ein neues Zusammenleben in den Ruinen der Diktatur. Im Land von Auschwitz und Treblinka sollten alle Menschen frei und gleichberechtigt leben, egal welcher Minderheit sie angehören, so dachten die Eltern der neuen Verfassung. Die Würde des Einzelnen und das Recht auf Asyl standen über allem. Das war die Konsequenz aus einem Regime, das Millionen von Menschen unschuldig ermordet und einen Krieg geführt hatte, der mehr Heimatlose hinterließ als jeder andere zuvor. Artikel 21 der neuen Verfassung nahm auch die Demokratie selbst in Schutz, indem er extremistische Parteien verbietet. Denn dass sich in einer fernen Zukunft wiederholen könnte, was von den meisten Deutschen und Österreichern so bereitwillig in Kauf genommen worden war, schien außer Zweifel.

Das geächtete Deutschland fand seinen Weg zurück in den Kreis der demokratischen Länder Europas. Ein rascher Wohlstand ließ die Menschen vergessen, dass das Wirtschaftswunder kein Wunder war, sondern auch ein Ergebnis von Zwangsarbeit, Enteignung jüdischen Besitzes und Kriegsökonomie. Immer mehr Menschen genossen bescheidenen Reichtum, ein Eigenheim, das erste Auto und Urlaub am Meer. Als später die Mauer fiel und der Kalte Krieg endete, griff ein Gefühl der Freiheit um sich, das — zumindest aus europäischer Perspektive — den ganzen Globus zu umspannen schien. Technologische Innovationen bewältigten neue Herausforderungen, wie das Ozonloch oder das Waldsterben, und brachten Debatten über den Kapitalismus und das Klima für mehr als eine Dekade zum Schweigen.

In einem späten Akt der »Vergangenheitsbewältigung« wurden Institutionen gegründet, die sich der mahnenden Erinnerung an ein Jahrhundert der Kriege, der Genozide und des Faschismus annehmen würden. Das wiedervereinigte Deutschland fand seine demokratische Stabilität bestätigt in diesem »nie wieder«. Doch der Krieg verschwand nicht aus der Welt, nur aus Deutschland. Dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschahen, in Bosnien oder Ruanda, konnte dem Optimismus dieser Jahre nichts anhaben. Auch gewalttätige Ausbrüche von Antisemitismus, Rassismus und Schwulenfeindlichkeit auf den Straßen nach der Wende sollten uns nicht davon abbringen: Das Imperium war besiegt, der Herr der Ringe in den Abgrund gestürzt, und das Leben der Hobbits im Auenland verlief ungestört und glücklich, zumindest eine Zeitlang.

Es gibt ein Sprichwort, das der Legende nach auf einen chinesischen Fluch zurückgehen soll: »May you live in interesting times«, mögest du in interessanten Zeiten leben. Was sich wie ein Wunsch anhört, wie eine Verheißung, ist in Wahrheit ein Unheil, das man nur seinen Feinden wünscht. Gute Zeiten sind demnach langweilige Friedenszeiten, denen ein Geschichtsbuch nicht mehr als ein paar Zeilen widmet. Als die Kunstbiennale Venedig 2019 unter diesem Titel eröffnete, war das Festival mitnichten prophetisch, es bildete lediglich einen düsteren Zeitgeist ab. Der Optimismus der 1990er Jahre hatte sich längst verbraucht. Vieles war geschehen, das unseren Blick auf die Welt verändert hatte: der 11. September 2001, der Krieg in Afghanistan, die Wirtschaftskrise, der Bürgerkrieg in Syrien und damit zum ersten Mal mehr Schutzsuchende weltweit als 1945. Auch die dramatischen Auswirkungen des globalen Klimawandels auf unsere Lebensräume waren nicht mehr wegzureden. Und nicht zuletzt zog in Deutschland zum ersten Mal seit Kriegsende eine — so der Verfassungsschutz 2025 — gesichert rechtsextreme Partei in den deutschen Bundestag ein. Die Biennale hatte also 2019 bereits reichlich Grund zur Düsterkeit. Und als das Festival nach einem erfolgreichen Kunstsommer im November seine Türen schloss, brach wenige Wochen später die Covid-19 Pandemie aus.

Interessante Zeiten — und vom Optimismus war nur mehr wenig zu spüren. Auch in der Kunst, in der Literatur und im Film waren die Utopien zur Mangelware geworden. Plötzlich musste jede Erzählung dystopisch, gewalttätig und endzeitlich sein, um ernst genommen zu werden. Seit der Aufklärung war die Hölle mit ihren Drohungen aus dem Leben der Menschen verschwunden. Jetzt kehrte sie zurück, auch ohne Religion, Hollywood tat das seine. Dieser neue Determinismus schien jedes Engagement überflüssig zu machen. Wozu aktivistisch werden, wenn ohnedies alles vorbestimmt und das Ende nahe ist? Utopien, sollte man ihnen noch irgendwo begegnen, haftete eine Aura des Rückwärtsgewandten an: ganz nett, aber längst vergangen und einer Zeit entsprungen, in der Menschen noch naiv und leichtgläubig dachten, sie könnten sich eine Zukunft bauen, wie sie wollten.

Candide, der berühmteste Optimist der Literaturgeschichte, findet seine beste aller Welten in einem Leben im Kleinem, im Alltäglichen und im Rückzug. Voltaires Roman ist ein Buch über die Unmöglichkeit einer optimistischen Lebenshaltung, eine bittere Satire auf die Gutgläubigen. Leonard Bernstein verwandelte Voltaires Satire nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Musical. Der amerikanische Komponist und Sohn jüdischer Einwanderer hatte dabei nicht nur den friedlichen Kleinbürger im Kopf, sondern auch den Mitläufer und Wegschauer, der es sich gemütlich macht in seinem Garten, während um ihn herum die schlimmsten Verbrechen geschehen.

Die Suche nach dem Optimismus vergangener Zeiten hilft genauso wenig wie die Rückkehr ins Auenland, es sei denn für einen vergnüglichen Filmabend oder noch besser einen lesenden Sonntag lang. Es wäre falsch, so zu tun, als gäbe es jetzt einfache Lösungen, Trost oder schlichtweg die Versicherung, dass alles nicht so schlimm sei. Immer wieder denke ich an »Alice hinter den Spiegeln«, Lewis Carroll’s Kinderbuch für Erwachsene, dessen erstes Kapitel den Titel trägt: »Down the rabbit hole — hinunter in den Kaninchenbau«. Auf Englisch steht der Ausdruck »Down the rabbit hole« inzwischen dafür, sich im hetzerischen Internet zu verlieren oder von einer radikalen Politik verführen zu lassen. Das größte Kaninchen im Raum ist Donald Trump, der Menschen dazu bringt, gegen ihre eigenen Interessen und die eines demokratischen Amerika zu wählen, der Politiker überall auf der Welt darin bestärkt, seinen Weg der Korruption und Gewalt zu gehen, und der sich dazu noch mit den Ingenieuren der digitalen Überwachung verbrüdert. Diese Weltsicht verunglimpft Empathie als grundlegende Malaise der westlichen Zivilisation, schmäht Sorge als Schwäche, Haltung und Vertrauen als Naivität.

Aber Alice’ Reise ins Wunderland ist mehr als ein Abstieg in die gewollte politische Hoffnungslosigkeit. Alice erfährt eine Welt, in der sich bekannte Dimensionen verschieben, kleiner oder größer werden, wo es mal wärmer wird oder kälter. Hinter jeder Ecke lauert etwas Unbekanntes, das manchmal bedrohlich, ein anders Mal freundlich und lustig oder einfach nur lächerlich ist. Diese Welt verlangt ihr ein gehöriges Maß an Neugier ab, aber auch die Fähigkeit, aufmerksam und wach zu beobachten, und wenn nötig schnell zu reagieren. Und es bringt sie zu der Einsicht, dass »die beste aller Welten« vielleicht einfach nur die einzige ist, die wir kennen.