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Whisky-Jack Bullwhip und sein mexikanischer Freund Luis Barranca sollen den zum Tode verurteilten Verbrecher Jeff Erlanger nach Phoenix bringen, damit dort der Henker seines Amtes walten kann. Aber das ist nicht so einfach, wie sie sich das anfangs vorgestellt haben. Nicht ohne Grunde war die Rede von einem hochbrisanten Auftrag, bei dem sie ordentlich ins Schwitzen geraten werden. Dieser Jeff Erlanger ist nämlich ein ganz außergewöhnlicher Desperado. Diesen Hombre will nicht nur der Henker haben. An seinem Skalp sind noch eine Menge anderer Leute interessiert ...
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Unterwegs mit heißer Fracht
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Von John Reno
Whisky-Jack Bullwhip und sein mexikanischer Freund Luis Barranca sollen den zum Tode verurteilten Verbrecher Jeff Erlanger nach Phoenix bringen, damit dort der Henker seines Amtes walten kann. Aber das ist nicht so einfach, wie sie sich das anfangs vorgestellt haben. Nicht ohne Grund war die Rede von einem hochbrisanten Auftrag, bei dem sie ordentlich ins Schwitzen geraten werden. Dieser Jeff Erlanger ist nämlich ein ganz außergewöhnlicher Desperado. Diesen Hombre will nicht nur der Henker haben. An seinem Skalp sind noch eine Menge anderer Leute interessiert ...
Ein Blitz zuckte über den grauen Himmel. Donner grollte in der Ferne. Der Conestoga-Wagen schlingerte eine sandige Steigung hinauf.
»Los, ihr Schnecken!«, brüllte Barny, der Fahrer, und ließ die Peitsche knallen. »Lauft, ihr müden Möpse! Wir wollen im Fort sein, ehe der große Regen ...«
Der Rest ging im Krachen eines Gewehrschusses unter. Das rechte Führpferd des Gespanns brach mit schrillem Wiehern zusammen.
Der Mann neben Barny riss seinen Karabiner hoch.
Wieder blitzte und krachte es zwischen den Felsen am Rande des Trails.
Barny sah entsetzt, wie sein Kamerad getroffen vom Wagenbock stürzte. Eine Kugel tötete ein weiteres Gespannpferd.
»Stopp!«, rief eine raue Stimme.
Die Aufforderung war überflüssig. Die toten Pferde hatten den Wagen schon gebremst.
Barny hob die Arme. »Es hat den Lieutenant erwischt«, raunte er über die Schulter in den Wagen seinen Kameraden zu.
Vier Männer begleiteten den geheimen und als Frachtlieferung getarnten Transport. Sie trugen Zivil, doch sie waren Soldaten.
Abermals ertönte zwischen den Felsen die raue Stimme.
»Runter vom Wagen, oder wir schießen euch runter!«
»Kämpfen ist sinnlos!«, raunte Barny seinen Kameraden zu. »Sie stecken in guter Deckung! Wir können nur hoffen, dass sie auf unseren Bluff hereinfallen und sich mit Mehl und Salz und Whisky zufriedengeben.«
Er kletterte vom Wagen. Die beiden anderen Soldaten sprangen hinten vom Wagen und hoben die Hände.
Dann tauchten die Banditen zwischen den Felsen auf.
Fünf Männer.
Alle hielten Gewehre im Anschlag.
»Gut so!«, rief der Mann mit der rauen Stimme, offenbar der Anführer. Er war groß und unglaublich mager. Sein kariertes Hemd war bestimmt zwei Nummern zu groß. Die vor Schmutz starrende Hose schlotterte ebenfalls um seinen Körper.
Von Weitem hätte man den Mann für einen heruntergekommenen Farmer halten können.
Heruntergekommen war er, doch er war ebenso wenig ein Farmer wie die anderen.
Er war auch kein kleiner Wegelagerer, wie die Soldaten annahmen.
Er war ein gnadenloser Mörder.
Er schritt mit dem Gewehr im Hüftanschlag heran und sah kurz auf die reglose Gestalt des Lieutenants.
Die Soldaten schluckten, als sie ihren blutüberströmten Lieutenant sahen.
Dann starrte der Anführer die Soldaten an. Er hatte tief liegende schwarze Augen. Sein Blick war stechend, und irgendetwas am Ausdruck dieser Augen ließ die Soldaten frösteln.
Die schmalen Lippen des Banditen verzogen sich zu einem Grinsen. So musste der Satan grinsen, bevor er jemanden ins Höllenfeuer schickte.
»Wo ist der fünfte Mann?«, fragte er ruhig, fast gelangweilt.
Woher wissen sie, dass wir zu fünft waren?, durchfuhr es Barny. Der fünfte Mann war unterwegs an einem Schlangenbiss gestorben. Wussten sie über den geheimen Transport Bescheid? Erst einmal dumm stellen!
»Welcher fünfte ...?«, begann er.
Der Anführer der Banditen hob wortlos sein Gewehr an und drückte ab.
Barny brach tödlich getroffen zusammen.
Seine Kameraden waren vom Grauen wie gelähmt.
Der Verbrecher repetierte die Winchester. »Wenn ich was frage, will ich eine vernünftige Antwort!«, sagte er kalt. Er richtete die Winchester auf Sergeant Pete Tomkins. »Also ...?«
Der Sergeant schluckte. Seine Kehle war wie zugeschnürt.
»Er – er – ist von einer Viper gebissen worden«, krächzte er.
Der Anführer warf einen Blick auf einen der Banditen und rief: »Jake, sieh dich mal auf dem Wagen um!«
Jake lief zum Heck, schwang sich auf die Ladefläche hinauf und verschwand unter der Zeltplane.
»Mister«, krächzte Sergeant Tomkins, »wir sind Händler auf dem Weg ...«
Sein gellender Aufschrei ging im Krachen des Schusses unter.
Sergeant Tomkins taumelte gegen das hintere Wagenrad und sackte daran herab. Die Kugel hatte ihn in die Brust getroffen. Er rührte sich nicht mehr, aber er war nicht tot.
»Den hatte ich nichts gefragt«, sagte der Verbrecher und starrte den letzten Soldaten des Sonderkommandos an. Und spöttisch, mit einem Kopfschütteln fügte er hinzu: »Was habt ihr nur für eine Disziplin bei der Armee?«
Master-Sergeant Wellers' erhobene Hände begannen zu zittern.
Armee!, durchfuhr es ihn. Sie wissen, dass wir Soldaten sind. Verrat!
»Was ist, Jake?«, rief der Outlaw-Boss ungeduldig und repetierte sein Gewehr. »Ich erwarte deine Meldung!«
»Alles klar«, ertönte Jakes Stimme vom Wagen. »Es ist die richtige Fuhre.«
»Na also«, sagte der Anführer zufrieden. »Wäre doch schade gewesen, wenn meine Informationen nicht gestimmt hätten.« Er warf einen Blick auf die reglosen Gestalten. »Dann wären die Leute ganz umsonst gestorben.«
Er gab seinen Männern einen Wink. »Ihr könnt auch was tun!«
Master-Sergeant Wellers sah, wie sie die Gewehre anlegten. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.
»Nein!«, schrie er mit erstickter Stimme. »Nein!«
Er warf sich auf die Knie. »Lasst mich am Leben!«
»Das geht leider nicht!«, sagte der Anführer kalt. »Euer Pech, dass ihr ein bisschen zu früh dran seid. Wir hatten keine Zeit mehr, uns zu maskieren.«
Er gab seinen Männern einen herrischen Wink.
Dann krachten die Gewehre.
Master-Sergeant Sam Wellers sank tödlich getroffen zu Boden.
Der Anführer warf einen Blick zum Himmel. Die ersten Regentropfen fielen.
»Holt die Pferde und die Packtiere«, sagte er zu seinen Banditen. »Und dann Beeilung beim Umladen der Beute!«
Captain Russ Gilmore sah kopfschüttelnd die beiden Männer an, die sein Büro in der Kommandantur betreten hatten.
Jack Bullwhip, bei seinen Freunden auch als Whisky-Jack bekannt, und sein Amigo Luis Barranca.
Beide sahen ziemlich verbeult aus. Luis hatte ein geschwollenes Auge, und Jacks Gesicht wies zahlreiche Schrammen auf. Auch ihre Kleidung war ziemlich ramponiert. Wer sie nicht kannte, würde sie für Strolche halten, die sich mit anderen Strolchen angelegt und den Kürzeren gezogen hatten.
Captain Russ Gilmore kannte sie. Er erhob sich hinter dem Schreibtisch, trat auf sie zu und reichte jedem die Hand.
»Musste das denn sein?«, fragte er mit leichtem Tadel, doch seine braunen Augen funkelten amüsiert.
»Es ergab sich so«, erwiderte Whisky-Jack mit einem Schulterzucken.
»Keine fünf Minuten seid ihr im Fort, und schon ist der Teufel los. Ein Glück, dass Lieutenant Hendricks eingreifen und Schlimmeres verhindern konnte.«
Jack rieb sich mit einem säuerlichen Grinsen über die Beule am Hinterkopf. »Er hätte mich ruhig etwas sanfter niederschlagen können.«
»Wir hatten die Jungs gerade so richtig im Griff«, sagte Luis Barranca.
Captain Gilmore hatte Mühe, eine ernste Miene zu behalten. »Das sehe ich«, sagte er trocken. »Ihr seht aus, als wärt ihr unter die Räuber geraten.«
»Nie hätten wir gewagt, Ihre Soldaten als Räuber zu bezeichnen«, erwiderte Luis grinsend. »Und falls es Sie interessiert, die Jungs sehen auch nicht besser aus als wir.«
Der Captain schüttelte von Neuem den Kopf. »Ich weiß Bescheid. Aber gegen sechs Mann hätten Sie doch keine Chance gehabt! Gut, dass Lieutenant Hendricks ...«
»Klar hätten wir eine Chance gehabt«, unterbrach Jack ziemlich respektlos. »Es ging genau auf. Drei für Luis und drei für mich.«
Die Augen des Captains funkelten amüsiert. Er lächelte leicht.
Er wies auf die Stühle vor seinem Schreibtisch und nahm dann selbst Platz.
»Wer angefangen hat, ist ja geklärt worden«, sagte er. »Nach Aussage des Salooners war es Corporal Sellman, der Sie angegriffen hat. Er muss mit einer Disziplinarstrafe rechnen. Aber er war betrunken. Konnten Sie sich da nicht zurückhalten?«
»Da war nicht viel zurückzuhalten«, erklärte Luis Barranca. »Ein Wort ergab das andere, und schließlich ging es Schlag auf Schlag. Jack und ich verhandelten gerade mit dem Salooner, damit er die Zeche anschreibt. Dazu war er auch bereit, als wir ihm erklärten, dass wir mal wieder einen Job für die Army übernehmen und einen saftigen Vorschuss bekommen, nicht wahr, Captain?«
Captain Gilmore lächelte ein wenig gezwungen. »Wir werden uns schon einigen. Zur Begleichung Ihrer Zeche wird der Vorschuss gewiss reichen.«
»Das soll ein Wort sein«, sagte Luis und zwinkerte Jack zu. »Da wird sich der Salooner aber freuen, wenn wir die voll bemalten Bierdeckel begleichen.«
Die weißen Augenbrauen des Captains ruckten hoch. »Vollgemalte Bierdeckel? In fünf Minuten?«
Jack zuckte mit den Schultern. »Der Salooner hatte noch vom letzten Mal ein paar Bierdeckel mit unserem Namen in der Schublade herumliegen.«
Captain Gilmore lächelte säuerlich. »Aber erzählen Sie nur weiter«, forderte er Luis auf. Natürlich wollte er von dem voreilig versprochenen Vorschuss ablenken. Sie kannten ihn. Er feilschte immer, als sei das Geld der Army sein eigenes mühsam Erspartes.
»Nun«, fuhr Luis fort, »wir verhandelten mit dem Salooner, da grapschte der Corporal in meinem Bierglas herum. Als ich ihn fragte, was das zu bedeuten hat, lallte er: ›Da ist 'ne Fliege drin.‹ Ich sagte ihm, er solle sich seine dreckigen Finger bitte nicht in meinem Bier waschen, und da schlug der Knabe gleich los. Er war ziemlich blau, und ich konnte leicht mit ihm fertigwerden. Aber dann mischten sich seine Kameraden ein ...«
»Als gleich ein paar Männer über Luis herfielen, fürchtete ich um seine edlen Gesichtszüge«, warf Whisky-Jack ein.
»Und dann ging's rund«, vollendete Luis mit einem Schulterzucken. »Sagen Sie mal, Captain, Sie haben nicht zufällig noch etwas von dem köstlichen Bourbon, den Sie uns beim letzten Mal kredenzten?«
Der Captain holte Flasche und Gläser aus dem Schrank. Er schenkte ein.
»Sie trinken nichts, Captain?«, fragte Luis.
Gilmore schüttelte den Kopf. »Ich bin im Dienst. Cheerio.«
»Cheerio.« Jack und Luis prosteten dem Captain zu und tranken.
Der Captain erhob sich hinter seinem Schreibtisch, schritt zum Fenster und blickte hinaus.
Luis bediente sich schnell noch einmal aus der Whiskyflasche.
Als sich der Captain wieder umwandte, war seine Miene sehr ernst.
Sie kannten den Captain lange genug, um zu ahnen, dass sich Gilmore längst mit einem anderen Thema beschäftigte. Er hatte sie nicht kommen lassen, um Einzelheiten über den Zwischenfall im Saloon zu erfahren. Er hatte sie für einen neuen Job bestellt.
Da sagte der Captain auch schon: »Ich habe einen neuen Auftrag für Sie beide. Sie erinnern sich, dass mit Ihrer Hilfe ein Verräter in der Wachmannschaft überführt werden konnte, der gemeinsame Sache mit Banditen machte und geheime Transporte der Armee verriet. Der Mann wurde zum Tode verurteilt.«
Jack und Luis nickten und warteten darauf, dass der Captain fortfuhr.
»Wir glaubten, die undichte Stelle gefunden zu haben«, sagte Gilmore. »Doch das erwies sich als Irrtum. Es muss einen weiteren Verräter geben. Denn schon wieder ist ein Waffentransport überfallen worden. Die Banditen gingen mit beispielloser Brutalität vor.«
Der Captain schritt zum Schreibtisch und nahm einen Aktenhefter heraus.
»Es war ein getarnter Transport, streng geheim. Ein Wagen mit der Aufschrift eines Stores. Fünf Soldaten in Zivil, von denen einer unterwegs an einem Schlangenbiss starb. Die anderen vier wurden von den Hundesöhnen ermordet – doch einer lebte noch zwei Tage lang.« Der Captain überflog den Bericht und sprach mit ernster Stimme weiter. »Sergeant Tomkins. Die Verbrecher hielten ihn wohl für tot. Bevor er seinen schweren Verletzungen erlag, konnte er noch ein paar Worte sagen, aus denen hervorging, dass der Transport verraten worden war. Eine Beschreibung der Banditen konnte er nicht mehr geben.«
»Wie viele Leute wussten denn außer den direkt Beteiligten von dem Transport?«, fragte Luis Barranca.
»Nur das Department in Phoenix«, sagte der Captain.
»Und wie viele arbeiten da?«, setzte Luis nach.
»Ein halbes Dutzend Personen hat Einsicht in die Materialanforderungen der einzelnen Forts und kennt die Liefertermine.«
»Streng geheim«, sagte Jack spöttisch.
»Geheimer geht's nun mal nicht«, erwiderte der Captain mit einem leichten Lächeln. »Unser Oberst kann schließlich nicht die Waffen selbst zu jedem Fort bringen, dessen Besatzung verstärkt oder dessen Bestände ergänzt oder erneuert werden. Das alles muss koordiniert, verwaltet, geplant und durchgeführt werden. Natürlich werden die Leute im Stab einer strengen Kontrolle unterzogen und sorgfältig ausgewählt. Sie sind überprüft worden, und es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen Verdacht.«
»Könnten nicht andere von dem Transport erfahren haben?«, fragte Jack. »Hier im Fort zum Beispiel wusste man doch auch von der Waffenlieferung?«
Der Captain schüttelte den Kopf. »Von diesem Transport wussten nur das Department in Phoenix und die Männer, die ihn durchführten. Aber kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wir haben einen Mann, der den Verräter kennt.«
Er genoss sichtlich Jacks und Luis' Überraschung.
»Dann ist doch alles geritzt«, sagte Jack.
»Nicht ganz«, widersprach der Captain. »Der Mann heißt Jeff Erlanger und sitzt im Gefängnis von Safford. Schnell zur Vorgeschichte. Eine Posse von Safford verfolgte nach einem Raubüberfall drei Banditen. Zwei konnten entkommen und einer, eben dieser Jeff Erlanger, wurde gefasst und zum Tode verurteilt. Natürlich setzte er alles daran, um seinen Kopf zu retten. Er verpfiff seine Komplizen und verriet ihren Schlupfwinkel. Sie konnten gestellt werden und wurden ebenfalls verurteilt. Sie revanchierten sich für den Verrat, indem sie Jeff Erlanger noch mehr belasteten und ihn weiterer Verbrechen bezichtigten. Erlanger drohte von Neuem der Galgen. Da rückte er mit einer anderen Sache heraus. Er erzählte, dass er ein ›ganz großes Ding‹ aufklären könnte. Er wisse, wer für die Überfälle auf Armeetransporte verantwortlich sei. Ein hohes Tier in Phoenix, sagte er. Der Sheriff von Safford informierte sofort die Armee. Jeff Erlanger soll nach Phoenix überführt werden. Dort will er aussagen.«
»Und warum sagt er nicht gleich in Safford aus?«, fragte Jack.
»Er kennt den Namen des Verräters nicht. Er hat den Mann nur einmal gesehen, als er mit der früheren Bande einen Auftrag bekam. Erlanger ist bereit, den Mann zu entlarven, wenn ihm das Gesetz Strafmilderung zusichert.«
»Und?«, fragte Luis. »Ist man auf den Kuhhandel eingegangen?«
»Noch nicht«, erwiderte der Captain. »Das wird erst in Phoenix entschieden. Aber wenn Sie mich fragen, so glaube ich, dass Erlanger als Kronzeuge sogar straffrei davonkommt. Dem Verräter im Department muss unter allen Umständen das Handwerk gelegt werden. Abgesehen von den Verlusten an Menschen und Waffen gibt es da nämlich noch ein anderes Problem. Es gibt Anzeichen dafür, dass die erbeuteten Waffen und die Munition an die Apachen geliefert werden und dass uns ein neuer Indianerkrieg bevorsteht.«
Er klappte das Zigarrenkästchen auf und bot Jack und Luis Zigarren an. Sie bedienten sich.
Jack gab dem Captain Feuer. Als Gilmore die Zigarre angeraucht hatte, wedelte er den Rauch zur Seite und sah von einem zum anderen.
»Sie werden Jeff Erlanger nach Phoenix bringen«, erklärte er.
»Wenn das alles ist«, sagte Jack, und es klang fast ein wenig enttäuscht.
»Aber weshalb haben ausgerechnet wir die Ehre?«, fragte Luis Barranca verwundert. »Das könnte doch der Sheriff von Safford oder ein Deputy oder die Armee erledigen?«
»Der Sheriff von Safford wird Sie begleiten. Es ist übrigens ein guter Bekannter von Ihnen. William Webster!«
»Wild Bill!«, sagten Jack und Luis überrascht. Er war ein Freund von ihnen, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Sie hatten einige aufregende Abenteuer gemeinsam überstanden, und dann hatte Bill geheiratet und sich auf eine Farm in der Nähe von Gila Bend zurückgezogen.
»Mr. Webster brachte mich auf die Idee, wie ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann«, erklärte der Captain.
»Denn da wäre noch eine Kleinigkeit zu erledigen.«
Er blies einen Rauchring, bevor er die Katze aus dem Sack ließ. »Und das ist der eigentliche Grund, weshalb ich ausgerechnet auf Sie beide gekommen bin. Auf einem Weg werden sie die Tochter des Kommandeurs mitnehmen. Sie reist nach Safford und von dort aus weiter nach Superior. Also genau die Route, die Sie haben. In Safford werden Sie die junge Lady anderen Leibwächtern übergeben, die sie auf dem restlichen Weg beschützen wird. Und Sie werden dann mit Sheriff Webster den Gefangenen nach Phoenix bringen. Noch irgendwelche Fragen?«
»Hörte ich Tochter?« Luis warf einen schnellen Blick zu Jack.
»Ja, Miss Jenny Elder. Seit Colonel Elders Frau von Apachen getötet wurde, lässt der Colonel seine Tochter niemals ohne Begleitschutz reisen. Er hat mich gebeten, gute und zuverlässige Leute anzuwerben ...«
»Da habe ich daran gedacht, dass Sie bei den Apachen ›Viel-laut-bei-Feind‹ genannt werden und ein Freund von Häuptling Great Wolf und seinem Sohn Little Wolf sind.«
