Wissenstransfer im Community Based Tourism - Alexander Ell - E-Book

Wissenstransfer im Community Based Tourism E-Book

Alexander Ell

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Beschreibung

Von alternativen Konzepten, wie dem des Community Based Tourism, erhofft man sich, die oftmals negativen Auswirkungen von Tourismus auf die lokalen Bevölkerungen und ihre Lebenswelten zu verbessern. Allerdings zeigt sich, dass auch dieser Ansatz in der Praxis oftmals nicht wie erhofft funktioniert. Der Mangel an Wissen und Verständnis für Tourismus der lokalen Akteure wird als grundlegendes Hindernis der Entwicklung nachhaltiger alternativer Projekte gesehen. Beruhend auf einer 10-wöchigen durchgeführten Feldstudie behandelt diese Arbeit den Transfer von Wissen in zwei Community Based Tourism-Projekten auf Java, Indonesien. Dort entstehen in den ländlichen Gebieten der Region Yogyakarta seit einigen Jahren vermehrt desa wisata (Tourismusdörfer). Diese beruhen hauptsächlich auf der Vermarktung von Traditionen und Kultur im weitesten Sinne. In dieser Arbeit werden für die theoretische, aber auch praktische Beschäftigung mit dem Thema relevante Erkenntnisse gewonnen. Es lassen sich auch Handlungsanweisungen für die Praxis der Wissensvermittlung zur Ermächtigung der Durchführung von CBT-Projekten ableiten. Folgende Leitfragen ziehen sich durch die Arbeit: Welche Akteure in den Projekten sind Träger welchen Wissens? Wie wird Wissen vermittelt, und vor allem: welche Faktoren bedingen diesen Prozess?

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Seitenzahl: 225

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Alexander Ell

Wissenstransfer im Community Based Tourism

Alexander Ell

Wissenstransfer im Community Based Tourism

Eine Feldstudie in der Region Yogyakarta, Indonesien

Tectum Verlag

Alexander Ell

Wissenstransfer im Community Based Tourism. Eine Feldstudie in der Region Yogyakarta, Indonesien

 

© Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019

 

 

ePub 978-3-8288-6806-9

(Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-3977-9 im Tectum Verlag erschienen.)

 

 

Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung des Bildes # 663391258 von windu_dolan | shutterstock.com

 

 

 

 

Alle Rechte vorbehalten

 

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www.tectum-verlag.de

 

 

 

 

 

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Tourismus

1.1. Tourismus und Ethnologie

1.2. Tourismuskritik

1.3. Alternative Ansätze

1.3.1. Nachhaltigkeit und Partizipation

1.3.2. Community Based Tourism (CBT)

2. Wissenstheoretische Grundlagen

2.1. Wissenssoziologische Grundlagen

2.2. Lokales Wissen

2.3. Kommunikation von Informationen

2.4. Bedingende Faktoren für die Diffusion von Innovationen

3. Einführung in die Region und Forschungsgegenstand

3.1. Tourismus in Indonesien und der Region Yogyakarta

3.2. Forschungsstand zu Tourismus in Yogyakarta und der Desa Wisata

4. Das Forschungsfeld

4.1. Das Tourismusdorf Ketingan

4.2. Das Tourismusdorf Sambi

5. Die Feldforschung

5.1. Der Rahmen der Forschung

5.2. Die Suche nach dem Feld und die Rolle der Forscher

5.3. Methoden der Datenerhebung und Auswertung

6. Akteure und Strukturen des Comunity Based Tourism in Yogyakarta

6.1. Die Organisationsstrukturen in den Tourismusdörfern

6.2. Staatliche, universitäre und private Akteure

7. Projektrelevantes Wissen der lokalen Bevölkerung

7.1. Wissen über touristische Potenziale

7.2. Die Verteilung und Aneignung von Wissen

7.3. Motivationen zur Partizipation am CBT-Projekt

7.4. Zwischenfazit

8. Orte und Situationen des Wissenstransfer

8.1. Schulungen und Trainings für die Tourismusdörfer

8.1.1. Spezielle Trainings und Schulungen in Ketingan

8.1.2. Inhalte der Tourismusschulungen

8.1.3. Faktoren des Wissenstransfers durch Tourismusschulungen

8.1.4. Meinungen über die Inhalte der Tourismusschulungen

8.1.5. Zwischenfazit

8.2. Vergleichsstudien und das Kommunikationsforum der Tourismusdörfer

8.2.1. Vergleichsstudien

8.2.2. Das Kommunikationsforum der Tourismusdörfer (FKDW)

8.2.3. Zwischenfazit

8.3. Der Wissenstransfer innerhalb der Tourismusdörfer

8.3.1. Zwischenfazit

8.4. Schlüsselpersonen für die Entwicklung der Tourismusdörfer

8.4.1. Bu Suryantoro, Unternehmerin und Change Agent

8.4.2. Pak Sumantri, ehemaliges Dorfoberhaupt und Opinion Leader

8.4.3. Mas Destha, Wissenschaftler und Change Agent

8.4.4. Zwischenfazit

9. Zusammenfassung und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Glossar

Profile und Werbung der Tourismusdörfera

Einleitung

Tourismus als ein stetig wachsender internationaler Industriesektor ist nicht nur für Ökonomie und Ökologie von großer Bedeutung, sondern auch für die Menschen und ihre Lebenswelt. Einerseits bietet Tourismus eine bedeutende Einnahmequelle und die Möglichkeit zum Kulturkontakt und Austausch, andererseits hat sich gezeigt, dass besonders der Massentourismus viele negative Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hat. Von alternativen Tourismusformen bei denen ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Nachhaltigkeit und Partizipation der lokalen Bevölkerung auf verschiedenen Ebenen unterschiedlich stark betont werden, verspricht man sich eine Minimierung negativer Effekte. Darüber hinaus sehen Wissenschaftler1, Regierungen, Entwicklungshilfeorgane und auch lokale Bevölkerungen den Empfang von Besuchern als Mittel zur Bekämpfung von Marginalisierung und Armut an. Ein Konzept, das seit den 1990er Jahren verstärkt als Instrument der Regionalentwicklung eingesetzt wird und eine möglichst umfassende Partizipation der lokalen Bevölkerung der Tourismusdestination gewährleisten soll ist der Community Based Tourism (CBT, Gemeindebasierenden Tourismus). Allerdings zeigte sich, dass auch dieser Ansatz in der Praxis oftmals nicht wie erhofft funktioniert. Der Mangel an Wissen und Verständnis für Tourismus der lokalen Akteure wird als grundlegendes Hindernis der Entwicklung nachhaltiger CBT-Projekte gesehen. Mit Schulungsmaßnahmen versucht man bei den Zielgemeinden ein Bewusstsein für Tourismus und seine Implikationen zu schaffen und Wissen aus den vielen Fachereichen wie Management, Finanzwesen, Kundenservice etc. zu vermitteln. Damit rücken der Transfer von Wissen und die ihn bedingenden Faktoren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Transfer von Wissen in zwei Community Based Tourisms-Projekten auf Java, Indonesien. Dazu führte ich im Sommer 2008 eine zehnwöchige Feldstudie zusammen mit meiner indonesischen Forschungspartnerin Rian Indriani durch. In den ländlichen Gebieten der Region Yogyakarta (Daerah Istimewa Yogyakarta, D.I.Y.) in Zentraljava entstehen seit einigen Jahren vermehrt CBT-Projekte, desa wisata (Tourimusdörfer) genannt. Diese beruhen hauptsächlich auf der Vermarktung von Traditionen und Kultur im weitesten Sinne. Ein in Deutschland geführtes Expertengespräch (IWeb)2 ließ vermuten, dass auch diese Projekte mit den typischen Problemen zu kämpfen haben.

Da ich von der Idee des CBT so begeistert, wie von seinen offensichtlichen Fehlschlägen in der Implementierung ernüchtert war, lag es nahe der Frage nach dem angeblichen Mangel an Wissen nachzugehen und mittels einer ethnologischen Feldforschung die emische Sichtweise dieses Phänomens zu untersuchen.

In dieser Arbeit werden für die theoretische, aber auch praktische Beschäftigung mit dem Thema wissenstransferrelevante Erkenntnisse gewonnen, die Anreiz zu weiterer wissenschaftler Beschäftigung geben. Es lassen sich aber auch Handlungsanweisungen für die Praxis der Wissensvermittlung zur Ermächtigung der Durchführung von CBT-Projekten ableiten.

Folgende Leitfragen ziehen sich durch die gesamte Arbeit:

1. Welche Akteure in den Projekten sind Träger welchen Wissens?

2. Wie wird Wissen vermittelt und vor allem: welche Faktoren bedingen diesen Prozess?

Zunächst wird die Beschäftigung der Ethnologie mit Tourismus dargestellt und die vorliegende Arbeit innerhalb dieser verortet. Im Anschluss werden die verschiedenen Strömungen der Tourismuskritik und alternative Ansätze thematisiert. Anschließend befasst sich die Arbeit mit dem aus der Kritik an Tourismus und Methoden der Entwicklungszusammenarbeit entstandenen alternativen Konzept des CBT, den dahinter stehenden Ideen, den Ansprüchen und damit verbundenen Hoffungen. Die empirischen Erkenntnisse verweisen auf die Wichtigkeit von Bildungsmaßnahmen in der lokalen Bevölkerung für die Entwicklung von CBT-Projekten und geben erste Hinweise auf Faktoren, die den Wissenstransfer bedingen. Der nächste Teil beschäftigt sich mit den wissenstheoretischen Grundlagen. Dabei sind Aussagen zur Kommunikation von Informationen in Bezugnahme auf die Diffusionstheorie nach Rogers hilfreich, um Erkenntnisse über die Faktoren des Wissenstransfers zu erhalten. Es folgt eine Einführung in die Forschungsregion, die aus einer allgemeinen Beschreibung und der Darlegung des Forschungsstandes des Tourismus in Indonesien und Yogyakarta und der dort wachsenend Anzahl von Tourismusdörfern, gegeben wird. Zwei solcher auf der Grundlage des CBT- Gedanken entstandene Dörfer stehen im Mittelpunkt meiner Forschung. Mit diesen beiden Dörfern wird danach das Forschungs-feld beschrieben. Anschließend folgt eine Reflexion meiner Feldforschung. Hier werden die Arbeit im Feld und die in der Auswertung der Materialien angewandten Methoden offen gelegt. Es schließt sich ein Kapitel über die für den Wissenstransfer relevanten Akteure und Strukturen an. Die Art der Verwendung der finanziellen Einnahmen aus dem Projekt, sowie die relevanten Organisationen und Institutionen werden erklärt und die für den Wissenstransfer relevanten staatlichen, universitären und privaten Akteure genannt.

In den folgenden zwei Kapiteln erfolgt die Analyse der empirischen Daten in Bezugnahmen auf die Anfangs genannten theoretischen Aspekte. Zuerst wird nach dem Wissen der Bewohner bez. der Touristischen Potentiale ihrer Dörfer gefragt. Dabei werden Motivationen für eine Partizipation an den Projekten sichtbar die sich aus den erwarteten Gewinnen aber auch Befürchtungen ableiten. Die Verteilung von Wissen und dessen Quellen werden aufgezeigt. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den verschiedenen Orten und Situationen des Wissenstransfers von projektrelevantem Wissen zur Dorfbevölkerung. Dabei werden die Inhalte von Schulungen für am CBT interessierte Dörfer sowie die Meinungen der Teilnehmer und auch Durchführenden dazu untersucht. Die Beobachtung einer solchen Schulung, kombiniert mit den Stimmen der Teilnehmer und Trainer lässt Rückschlüsse auf den Wissenstransfer bedingende Faktoren zu. Neben Schulungen bieten die anschließend behandelten Vergleichsstudien und das Kommunikationsforum der Tourismusdörfer verschiedenen Akteuren die Möglichkeit des Informationsaustausches und Wissensgewinns. Der Wissenstransfer innerhalb der beiden Dörfer steht im Fokus der folgenden Analyse. Das folgende Kapitel widmet sich drei Personen die von herausragender Bedeutung für die Entwicklung der Tourismusdörfer waren. Die Sicht der Dorfbewohner wie auch ihre eigene auf ihr Handeln und ihren Einfluss, lässt weitere Schlüsse auf Wissenstransfer bedingende Faktoren zu.

In der abschließenden Zusammenfassung der Forschungsergebnisse werden einige der den Wissenstransfer bedingende Faktoren, die in den verschiedenen untersuchten Teilbereichen der Forschung aufgezeigt werden konnten, hervorgehoben. Abschließend werden einige Empfehlungen für Bildungsmaßnahmen im CBT-Bereich gegeben.

1Personen- und gruppenbezogene Bezeichnungen sind stets geschlechtsneutral zu verstehen und beziehen sich auf Männer und Frauen gleichermaßen. Die Verwendung der männlichen Form geschah allein aufgrund der vereinfachten Lesbarkeit.

2Die in der Arbeit verwendeten Kürzel für die jeweiligen Interviews setzen sich zum einen aus einem Großbuchstaben zusammen, der die Zugehörigkeit zur befragten Personengruppe anzeigt (S für Sambi, K für Ketingan, D für Dinas usw., wobei Experten und weitere Gesprächspartner, die in keine der Kategorien fallen ein I für Interview erhalten) und zum anderen aus der anschließenden Zahl, die sich auf die Nummer des Gesprächs mit der jeweiligen Person bezieht. Die nachfolgenden drei Buch-staben stehen zudem für die Anfangsbuchstaben des Namens. Dieser enstpricht bei den Forschungs-teilnehmern auf den Dörfern bis auf wenige Ausnahmen nicht dem wirklichen. Eine Auflistung aller Interviews findet sich bei den Quellenangaben.

1. Tourismus

1.1. Tourismus und Ethnologie

Tourismus ist ein relativ junges Thema der Ethnologie, das aber zusehends an Bedeutung gewinnt. Obwohl Ethnologen und Anthropologen die ersten waren, die mit Tourismus und seinen Auswirkungen in ihrem Forschungsfeld in Kontakt kamen, tendierten sie dazu, diese Auswirkungen herunterzuspielen oder zu ignorieren und nicht etwa dazu, sie in ihre Studien zu integrieren oder gar zu einem eigenen Forschungsfeld zu machen (Wallace 2005). Die deutsche Ethnologie war in der Adaption von Tourismus als Forschungsfeld noch langsamer als die fremdsprachige Anthropologie (Schilling/Beyer 2005).3 Für diese anfängliche Zurückhaltung oder auch Verweigerung gibt es verschiedene Erklärungen. Wie Wallace resümiert, fühlten sich Anthropologen als „professionals by definition” (Wallace 2005:4) gerade wegen der Ähnlichkeit von touristischer Reise und ethnologischer Feldforschung genötigt, sich von den gewöhnlichen Touristen abzugrenzen. Anthropologen war es höchst unangenehm, mit Touristen in Verbindung gebracht zu werden und wollten nicht wahrhaben, “that there were tourists who might have as much or more knowledge of local cultures than did anthropologists” (Wallace 2005:5-6, Crick 1985, Buchmann 2006). Außerdem wurde Tourismus als westliches Phänomen gesehen, und damit nicht als Forschungsgegenstand einer Wissenschaft, die sich mit der traditionellen Bevölkerung und ihrer Kultur beschäftigte. „Tourism was thought to be about economics and tourists, not about the local economy or host“ (Burns 2004: 7). So passte Tourismus nicht in die romantische Sicht von Anthropologen, die ethnographische Studien anfertigten (Nuñez 1989:265, Wallace 2005:6). Und obwohl der Artikel von Nuñez über „Weekendismo in a Mexican Village“ von 1963 mit Interesse wahrgenommen wurde, wurde Tourismus erst in den späten 70ern ein Forschungsfeld für Anthropologen.4 Touristen und ihr Einfluss auf das Feld der Anthropologie konnte nicht länger ignoriert werden, und mit der Orientierung des Faches hin zu Kulturkontakt und -wandel wurde auch Tourismus zusehends Thema der Anthropologie (Buchmann 2006:54). Autoren und Autorinnen wie Valene Smith (1977), Malcom Crick (1985, 1989), Dennison Nash (1981), Nelson Graburn (1977, 1983), Greenwood (1977), Erik Cohen (1974, 1979a, 1979b, 1984) sorgten dafür, dass Tourismus langsam aber sicher im Fach wahrgenommen wurde (Buchmann 2006: 53-66; Stronza 2001, Wallace 2005:5-6).

Das Erscheinen des von Valene Smith herausgegebenen Sammelbandes „Hosts and guests“ im Jahr 1977, welches aus dem ersten Symposium der „American Anthropological Association“ zum Thema Tourismus im Jahren 1974 entstand, war der Stein des Anstoßes für die Anthropologie. In der zweiten Ausgabe von 1989 schrieb Nuñez bereits: „the study of tourism finally has become respectable“ (Nunez 1989:265). Zur Zeit der Veröffentlichung der dritten, komplett überarbeiteten Version im Jahr 2001 machten Anthropologen Tourismus und seine verschiedenen Aspekte bereits vermehrt zum Gegenstand ihrer Forschungen. Dies zeigt sich durch zunehmende Veröffentlichungen auch von Einführungswerken und Bänden wie denen von Chambers (1997, 1999), Nash (1996) and Burns (1999). Zeigten frühe Veröffentlichungen meist nur negative Folgen des Tourismus für die indigenen Gemeinschaften, zu deren Schutz sich Anthroplogen verpflichtet fühlten (siehe Kapitel im 1.2 über Tourismuskritik), verschob sich in den 80er Jahren der Fokus hin zu den Reisenden, deren Motivation und Rollen. So wurden verschiedenen Touristentypen und die Bedeutung der Reise für sie untersucht.5 Allerdings geschah auch dies in der Tradition der Tourismuskritik, bei der der Tourist seiner Welt zu entfliehen versucht, auf der Suchen nach etwas Authentizität (Mc Cannell 1989). Erst in den letzten zwei Jahrzehnten wurden auch die Motive der lokalen Bevölkerung, am Tourismus teilzuhaben, registriert. Aus den Opfern wurden selbstbestimmte Individuen, die auch ihre Vorteile aus touristischer Entwicklung zu ziehen wissen, und deren Welt nicht aus den beiden Polen „Tradition“ und „Tourismus“ besteht. Tourismus ist für sie nur ein Einflussfaktor neben vielen anderen, wie z.B. Migrationsbewegungen, Medien, Industrialisierungs- und Urbanisierungstendenzen. Die Ethnologin Judith Schlehe fordert daher, dass „Tourismus längst als Bestandteil lokaler Realitäten und als mit konstituierender Faktor kultureller Identitäten“ gesehen werden muss, denn: „Tourismusinduzierter Kulturwandel ist ein komplexer, dynamischer und beidseitiger Prozess!“ (Schlehe 2003:36).6 Statt also nur auf die Auswirkungen von Tourismus auf die lokale Kultur zu schauen, beschäftigen sich Anthropologen auch mit dem Prozess der Nutzbarmachung und Deutung von Tourismus und der Konstruktion des eigenen Selbstverständnisses und persönlicher wie gemeinschaftlicher Identität in den lokalen Gemeinden (z.B. Yamashita et al 1997 und diverse Beiträge darin).7 In diesem Sinne ist auch meine Arbeit zu verstehen. Es gilt nicht den Einfluss von Tourismus zu ergründen, als etwas, dem die Bewohner der Dörfer ausgeliefert sind. Vielmehr geht es um dynamische Prozesse, die bei der touristischen Entwicklung zu erkennen sind, die emische Sicht der beteiligten Akteure sowie die Deutung und Bedeutung von Tourismus.

1.2. Tourismuskritik8

Die Kritik am Tourismus ist so alt wie das Phänomen an sich. So wie Tourismus ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sowie der Wünsche und Sehnsüchte ihrer Mitglieder ist, so wurde Tourismuskritik auch immer schon von gesellschaftskritischen Strömungen beeinflusst (Backes/Goethe 2003:2, Opaschowski 2001:14f). Mit der starken Zunahme von Reisenden gegen Ende der 50er Jahre, erklang die Kritik am Pauschal- und Massentourismus Seitens einiger Intellektueller, die sich um ihr Privileg des Erlebens der Andersartigkeit durch das Eindringen der Massen und der von ihnen mitgebrachten Gewohnheiten betrogen sahen (Backes 2009:1, Armanski 1978:90ff, Opaschowski 2002:124ff). Die moderne kritische Auseinandersetzung mit dem Tourismus seit dem Ende der 1950er wurde von dem viel zitierten Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger eingeleitet. In den Zeiten der Kritik am bürgerlich-kapitalistischen System der 60er und 70er Jahre wurde seine Theorie erneut rezitiert. Tourismus sei als Flucht vor dem Kapitalismus zu verstehen, der den Tourist aber paradoxerweise wieder in dessen Arme treibe. Der Tourist steht bei Enzensberger als Opfer des Systems da, der dieses durch sein Verhalten aber kritisiert: „Jede Flucht aber, wie töricht, wie ohnmächtig sie sein mag, kritisiert das, wovon sie sich abwendet“ (Enzensberger 1962:167). Auch wenn dieser Ansatz weithin rezitiert wurde, so hatte er doch keinen großen Einfluss auf die Entwicklung der Tourismusindustrie und das Verhalten ihrer Kunden, deren Zahl in den folgenden Jahren stetig weiter wuchs.

In den 70ern und 80ern galt die Kritik verstärkt dem in der internationalen Politik vorherrschenden Entwicklungs- und Modernisierungsgedanken und den daraus resultierenden Abhängigkeiten. Dem modernisierungstheoretischen Ansatz nach galt es, den „unterentwickelten“ Süden voran zu bringen. Der Tourismus als “elegante Form der Entwicklungshilfe“ schien ein geeignetes Mittel hierfür zu sein (Backes/Goethe 2003:14). Der Tourismus versprach nicht nur Devisen, Beschäftigungs- und damit Einkommensmöglichkeiten, sondern auch Multiplikatoreffekte (Nohlen 2000:737f.). Neben den Einnahmen aus dem Warenhandel und diversen Dienstleistungen, ging man von einer dadurch induzierten Wertschöpfung aus, die in einer erhöhten Kaufkraft besteht und so das Wirtschaftswachstum in einer Region weiter beschleunigen kann (Bütow 1995:14). Die Kritik an dieser Idee ließ nicht lange auf sich warten. Diese bezog sich auf die Abhängigkeiten, die durch den Tourismus entstehen und der angesichts von politischen Instabilitäten, Naturkatastrophen und auch touristischen Trends ein sehr unsicherer Wirtschaftszweig sei. Hohe Investitionen der „Entwicklungsländer“, ermöglicht durch teils hoch verzinste Kredite aus dem Ausland, sowie der Abfluss von Devisen an die ausländischen Reiseunternehmen und Zulieferer, ließen den „Devisenbringer“ Tourismus zur „Schuldenfalle“ werden (Backes/Goethe 2003:6f, Lagger 1995:9-12). Die angebliche Schaffung von Arbeitsplätzen wurde kritisch betrachtet, da von der lokalen Bevölkerung meist nur saisonale, schlecht bezahlte Stellen besetzt wurden. Oftmals wurden auch durch die Aufnahme des touristischen Betriebs andere Einkommensquellen zerstört. Die seitens der „Entwicklungsländer“ und lokaler Akteure vermehrt geäußerte Kritik an den negativen Effekten des Tourismus in ihrer Heimat wurde im Westen nicht sonderlich differenziert wahrgenommen. Sie wurde allenfalls in den vorherrschenden Diskurs über Abhängigkeiten eingegliedert (Backes/Goethe 2003:7f). Trotzdem führte dieser „Aufstand der Bereisten“ (Krippendorf 1988:21) zusammen mit der zunehmenden Kritik kirchlicher Organisationen und Nichtregierungsorganisationen sowie engagierter Bürgervereine zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem Thema (Backes 2009:3). Neben den wirtschaftlichen Folgen rückten so auch immer mehr die ökologischen und soziokulturellen Auswirkungen in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Touristen wurden als „Landschaftsfresser“ (Krippendorf 1975) bezeichnet, sowie die Zerstörung und Verschmutzung von Naturlandschaften und Lebensräumen von Mensch und Tier, der hohe Verbrauch von Energie, Wasser und andere Ressourcen angeprangert (siehe z.B. Mäder 1986, Armanski 1978).9 Daneben wurden zunehmend negative soziokulturelle Effekte aufgezeigt:

„Tourismus – so lautet die oft wiederholte Kritik – zerrütte intakte Sozialformen und alte Traditionen. Wo die UrlauberInnen hin gelangen, verschwinde die Gastfreundschaft, löse sich das Gemeinschaftsleben auf, trete egoistisches Gewinnstreben an die Stelle ehrwürdiger Bräuche und Gewohnheiten. Vereinzelung bzw. Individualismus, Verelendung, Kriminalität und Werteverfall lauten die pauschal aufgezählten Negativfolgen. Über den Tourismus würden bisher 'unberührte' Kulturen mit Zivilisationskrankheiten angesteckt“ (Backes u. Goethe 2003:8).

Die Liste dieser Vorwürfe ist lang. Preiserhöhungen infolge von Tourismus hätten eine stärkere Stratifizierung der Gesellschaft und Armut von Teilen ihrer Mitglieder zur Folge. Familienbande würden z.B. durch Arbeitsmigration zerstört. Durch die Zurschaustellung von westlichen Luxusgütern, sowie den Einstellungen und Lebensstilen der Touristen würden bis dahin unbekannte Begehrlichkeiten geweckt. Zuvor unbekannte kapitalistische Werte, Unzufriedenheit, Neid, Missgunst, Kriminalität, Prostitution etc. seien die Folge (Böhnke 1998:67ff, Hauck 1996:135ff, Iz3w 1986). Weiterhin würden Kultur und Traditionen zu Folklorismus verkommen sowie Bräuche verändert, den Anforderungen des Tourismus angepasst oder gar neu erfunden werden. Tourismus bietet also Kulturkonsum ohne wirklichen Kulturkontakt, Folklore und Klischees statt authentischer Kultur. Somit verweigere sich der Tourismus dem lange von seinen Befürwortern proklamiertem erhofften Beitrag zur Völkerverständigung, und einem wirklichen Verstehen der „Anderen“. Er fördere vielmehr die Festigung und das Entstehen von Klischees und Stereotypen (Cochrane 1996:245, Bruner 2005, Hauser-Schäublin 2000, Ramstedt 2000:132f, Rein 2000, Wahrlich 1984).

1.3. Alternative Ansätze

Mit zunehmender Kritik an den negativen Auswirkungen des im Wachstum befindlichen Tourismus, wurden zusehends auch Ideen zu deren Vermeidung, oder Verringerung erdacht. Die wohl radikalste Idee war die eines totalen Verzichts auf Urlaubsreisen in die „dritte Welt“, die sich jedoch als unrealistisch herausstellte. Die Suche nach pragmatischen Lösungen anstelle der Proklamation ideologischer Wunschvorstellungen wurde auch durch die differenzierte Kritik von Akteuren der Zielländer und westlichen Wissenschaftlern vorangebracht. Die Bevölkerung und Regierungen in den Urlaubsländern sahen nicht Tourismus generell als schlecht an. Vielmehr wurde eine touristische Entwicklung teilweise ausdrücklich erwünscht, dabei aber Fehlentwicklungen kritisiert. Besonders die Eliten der bereisten Länder warfen den Tourismuskritikern vor, sie wollten ihre Länder bewusst in sozioökonomischer Rückständigkeit und damit auch in Abhängigkeit halten (Vorlaufer 1990:6). Viele Experten stuften die geäußerten Erwartungen der Bevölkerung an Urlaubsziele oft als unrealistisch ein. Auch könne die Bevölkerung die negativen Folgen des herbeigesehnten Tourismus nicht abschätzen (Kane 1997:215).10 Wie der Geograph Karl Vorlaufer, der sich früh intensiv mit den Auswirkungen von Tourismus auf die damals so bezeichnete „Dritte Welt“ beschäftigt hatte, bemühten sich viele Wissenschaftler um eine differenzierte Darstellung von Gefahren und Chancen von Tourismus in Entwicklungsländern (wie Vorlaufer 1984, 1990, 1996). Spätestens in den 90er Jahren erkannte man, dass die Bevölkerung in den Zielregionen keineswegs ausschließlich Opfer einer ungewollten und unbeeinflussbaren Entwicklung war, sondern aktiv an den touristischen Entwicklungen teilnahm und ihre Vorteile daraus zog, womit „Agency“ zum Schwerpunkt vieler Untersuchungen wurde.

Karl Jungk setze sich 1980 in seinem erstmals im GEO-Magazin erschienenen Artikel mit steigenden Touristenzahlen in den Destinationen und deren Tragbarkeit für die bereisten Regionen auseinander. Er machte sich Gedanken darüber, wie man die „herrliche aber durch ihre industrielle Ausformung gefährdete Aktivität des Reisens“ (Jung 1989: 59) erhalten könnte und plädierte für einen „sanften Tourismus“. Damit prägte er einen Begriff, der in der darauf folgenden Zeit wie kaum ein anderes Schlagwort zum Inbegriff einer tourismuspolitischen Alternative wurde (Baumgartner/Röhrer 1998:10).11 Auch wenn die Ideen hinter diesem Begriff im Detail unterschiedliche Ausprägungen erfuhren, betonten sie doch alle grundlegende Gemeinsamkeiten: In erster Linie wurde „Sanfter Tourismus“ als ein umweltfreundlicher Tourismus mit möglichst wenig Eingriffen in die Natur verstanden. Ebenso sollte er ein sozialverträglicher Tourismus sein, also die negativen soziokulturellen Auswirkungen so gering wie möglich halten. Um dies zu erreichen, soll Tourismus „Rücksicht auf die einheimische Kultur und Lebensweise“ nehmen und den „Bewohnern einer Region ein Höchstmaß an Eigenständigkeit bei der Entscheidung über die zukünftige Entwicklung ihres Lebensraums“ gewähren (Baumgartner/Röhrer 1998:11). Den Bewohnern des bereisten Landes und deren Kultur sollen Toleranz und Interesse entgegengebracht werden. Neben den emanzipatorischen Potentialen für die Bevölkerung in den Zielländern wurde aber auch die der Reisenden besonders betont. Besonders in den Anfangsjahren des „Sanften Tourismus“ hoffte man mit der Sensibilisierung des Einzelnen durch „ein neues Verständnis von Freizeit und Reisen“ (Krippendorf 1984) zu einer Änderung des Reiseverhaltens beizutragen. So plädierte Krippendorf 1988 für einen ganzheitlich orientierten Tourismus und äußerte seinen Glauben an eine „Emanzipierung des Touristen“ (Krippendorf 1988:24f). Diese sollte zu einem System führen, in dem der aufgeklärte Käufer anstelle des Produzenten den Markt bestimmt. Dieser erdachte neue Typ eines Touristen welcher einsichtig, konsumkritisch, rücksichtsvoll, experimentierfreudig, kreativ, lernbereit, genügsam und anpassungswillig ist, beschränkt sich selbst in seinem Reisen zugunsten der Bedürfnisse der Bevölkerung im Urlaubsort (Krippendorf 1988c:66). Doch die Hoffnung Krippendorfs und seiner Mitstreiter auf eine „Humanisierung des Reisens“ und einer Entwicklung „vom fremdbestimmten/manipulierten über den informierten/erfahrenen zum emanzipierten/mündigen Touristen“ (Krippendorf 1988:24), der das System durch ein entsprechendes Verhalten ändert, wurde weitestgehend enttäuscht. Im Jahr 1997 stellte das Büro für Technikfolgen-Abschätzung im deutschen Bundestag fest: „Das Potential an individueller Verhaltensänderung ist spärlicher als vielfach behauptet oder erhofft“ (zitiert nach Opaschowsky 2001:74). Opaschowski kommt 2001 zu dem Schluss, dass im touristischen Umweltdiskurs der letzten Jahre „die Wirkung von Wissen und Einstellung auf das Handeln maßlos überschätzt“ worden sei (ebd.:76). Müller bestätigt dies, indem er auf Grundlage diverser Studien eine „Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten“ feststellt (Müller 2007:41). Ein Teil der Ideen zur „Emanzipierung des Touristen“ (Krippendorf 1988:24f) bestand darin, dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, zwischen den vielen Angeboten die richtigen - also ökologisch und sozial verträglichen - auszuwählen. Eine Flut von Gütesiegeln war die Folge. Über die Richtlinien, nach denen diese Siegel vergeben wurden, konnte der Verbraucher kaum den Überblick bewahren (Mies et al. 1991:52). Die aufkommende Menge dieser Siegel ist auch Ergebnis eines neuen Trends der Mitte der 90er Jahre in Deutschland aufkam: „Ökotourismus“ löste den „Sanften Tourismus“ auf der Suche nach einem besseren Reisen ab.12 Unter dem im Englischen bereits seit den 60er Jahren kursierenden Begriff „Ecotourism“ tummeln sich noch mehr verschiedene Vorstellungen und Angebote als unter seinem Vorgänger (Friedl 1998:50ff, Fennel: 2008:17-46).13 Dem Öko-Trend der Zeit folgend, der von der angefeindeten Industrie für ihre Zwecke vereinnahmt wurde, wird mit dem Begriff „Ökotourismus“ ein neuer, naturnaher und vor allem auch umweltverträglicher Tourismus suggeriert. Natur kann erlebt werden, ohne ein schlechtes Gewissen wegen eventueller negativer Auswirkungen zu haben, denn Ökotourismus steht für eine umwelt- und sozialverträgliche Art des Urlaubs (Friedl 2001:50). Die Expertin für neue Tourismusformen Janet Cochrane bringt auf den Punkt, was es mit dieser Vorstellung auf sich hat „This labeling, however, may bear no relation to reality“ (Cochrane 1996:241). Bei genauer Betrachtung entpuppen sich viele Angebote unter dem Label „Ökotourismus“ als Augenwischerei. „In the wider world, where tour companies and destinations compete for market shares, there is de facto use of 'ecotourism' to describe almost any holiday based on natural attraction” (ebd.:243).

1.3.1. Nachhaltigkeit und Partizipation

Das neue Schlagwort im Tourismus heißt „Nachhaltigkeit“. Bekannt wurde der Begriff durch den sogenannten „Brundtland-Bericht“14 von 1987, der sich mit den Perspektiven einer langfristig tragfähigen, umweltschonenden Entwicklung im Tourismus beschäftigt (Baumgartner/Röhrer 1998:16).15 Darin heißt es: „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“16 Eingang in die Tourismusdebatte fand der Begriff durch die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 in Rio de Janeiro und die „World Conference on Sustainable Tourism“ 1995 wo er laut Opachowski endgültig den Begriff des sanften Tourismus ablöste (Baumgartner/Röhrer 1998:17, Opaschowski 2001:43). Wie der Dozent und Berater für Regionalplanung und Tourismusmanagement Matthias Beyer betont, existiert allerdings weiterhin keine allgemeingültige Definition von Nachhaltigkeit (Beyer 2006:127ff, Damanik 2001:21-24). Jedoch herrscht Konsens, dass Nachhaltigkeit eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale Dimension einschließt. Die häufig zitierte Definition des „Forum Umwelt und Entwicklung“ lautet:

„Nachhaltiger Tourismus muss soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig“ (Forum Umwelt und Entwicklung 1998:7).

Der entscheidende Fortschritt zum sanften Tourismus ist laut dem Fremdenverkehrsgeograph Christoph Becker der „zeitliche Weitblick, die Berücksichtigung räumlicher Verflechtungen, sowie die stringente, vernetzte Sicht der drei Dimensionen“ (Becker at al.).17

Neben dem Schlagwort Nachhaltigkeit wird die Debatte um alternative Tourismusformen vom Begriff Partizipation geprägt, der aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) stammt. In den Entwicklungstheorien bis Ende des Millenniums spielten partizipatorische Ansätze kaum eine Rolle. In den 50er und 60er Jahren, die ganz im Zeichen der Modernisierungstheorien standen, wurde Entwicklung mit Wachstum gleichgesetzt (Beyer 2003:21). Man glaubte, dass der Weg aus der „Unterentwicklung“ nur in einem „Prozeß der Nachahmung und der Angleichung unterentwickelter Gesellschaften an die westlichen Gesellschaften“ (Nohlen 2000:523) bestehen konnte. Die Unterentwicklung wurde auf endogene Ursachen zurückgeführt, die es mit den externen Mitteln der Entwicklungshilfe zu überwinden galt. Der Logik dieser Sicht folgend fand Partizipation der lokalen Bevölkerung nur insofern statt, dass sie an der Umsetzung der extern bzw. von den Gebernationen entworfenen und geplanten Programmen und Projekten beteiligt war (Beyer 2003:22f). Durch die in Gang gesetzte Entwicklung erhoffte man sich ein Durchsickern der Gewinne des einsetzenden Wachstums auch bis zu den ärmsten Bevölkerungsschichten. Leider trat dieser Effekt nicht ein (Beyer 2003:22). Auch der neu aufkommende Ansatz des community development der entgegen der üblichen top-down-Methode davon ausging, dass man Entwicklung von der Basis aus beginnen sollte, kann rückblickend als weitgehend erfolglos beurteilt werden (Beyer 2003:23). Trotz der Absicht, die Eigeninitiative und Beteiligung der Bevölkerung zu fördern, wurden auch hier Ziele, Ablauf und Methoden von ausländischen Experten und der einheimischen Administration festgelegt. Deren Vorstellungen waren allerdings oft nicht deckungsgleich mit den Zielen und Zwecken der Dorfbewohner (Beckmann 1997:45 aus Beyer).18