Würde und Kraft sind dein Gewand - Christin Müller - E-Book

Würde und Kraft sind dein Gewand E-Book

Christin Müller

0,0

Beschreibung

In uns Frauen ist eine große Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung, nach Zufriedenheit und einem Ruhen in uns selbst. Doch viele von uns fühlen sich oft wert- und kraftlos. Kann diese Sehnsucht überhaupt erfüllt werden? Die Antwort lautet: Ja! Mit diesem Buch hilft Christin Müller dir dabei, dass du die Kraft, Würde und Schönheit entdeckst, die bereits in dir liegen. Einen Leitfaden dazu stellt die bekannte biblische Passage aus Sprüche 31 dar. Richtig verstanden, steckt in ihr eine enorme Kraft - und man kann nur staunen, wie zeitgemäß der Inhalt ist. Als messianische Jüdin hat sich Christin Müller intensiv mit dem hebräischen Ursprungstext auseinandergesetzt. Dadurch hat sie wertvolle Erkenntnisse gewonnen und zu Freiheit und Lebensfreude gefunden. Dieses Buch ist eine Einladung, verborgene Schätze zu finden und deine wahre Identität als geliebte Tochter Gottes zu entdecken.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 267

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über die Autorin

Christin Müller ist verheiratet und Mutter von vier Kindern zwischen 10 und 24 Jahren. Sie ist ausgebildete Arzthelferin und Kosmetikerin sowie Fußpflegerin. Sie lebt in Glindenberg, in der Nähe von Magdeburg, und leitet dort mit ihrem Mann eine kleine jüdisch-messianische Gemeinde. In ihrem Blog (https://lebenslust.blog) und Podcast „Lebenslust“ ermutigt sie dazu, Gott zu vertrauen. Sie hat viele Jahre lang die Bibel studiert und schreibt theologische Artikel für die Website ihrer Gemeinde. Ihr Anliegen ist es, Gottes Wort in den Alltag der Menschen zu bringen.

Ein Loblied auf die tüchtige Frau

Eine tüchtige Frau – wer hat das Glück, sie zu finden?

Sie ist wertvoller als viele Juwelen!

Ihr Mann kann sich auf sie verlassen,

sie bewahrt und vergrößert seinen Besitz.

Ihr Leben lang tut sie ihm Gutes, niemals fügt sie ihm Leid zu.

Sie besorgt sich Wolle und Flachs und verarbeitet es mit geschickten Händen.

Von weit her schafft sie Nahrung herbei,

wie ein Handelsschiff aus fernen Ländern.

Noch vor Tagesanbruch steht sie auf und bereitet das Essen;

den Mägden sagt sie, was zu tun ist.

Sie hält Ausschau nach einem ertragreichen Feld und kauft es;

von dem Geld, das ihre Arbeit einbringt, pflanzt sie einen Weinberg.

Unermüdlich und voller Tatkraft ist sie bei der Arbeit;

was getan werden muss, das packt sie an!

Sie merkt, dass ihr Fleiß Gewinn bringt;

beim Licht der Lampe arbeitet sie bis spät in die Nacht.

Mit geschickten Händen spinnt sie ihr eigenes Garn.

Sie erbarmt sich über die Armen und gibt den Bedürftigen, was sie brauchen.

Den kalten Winter fürchtet sie nicht,

denn ihre ganze Familie hat Kleider aus guter und warmer Wolle.

Sie fertigt schöne Decken an, und ihre Kleider macht sie aus feinem Leinen und purpurroter Seide.

Ihr Mann ist überall bekannt, und was er sagt, hat Gewicht im Rat der Stadt.

Sie näht Kleidung aus wertvollen Stoffen und verkauft sie,

ihre selbst gemachten Gürtel bietet sie den Händlern an.

Sie ist eine würdevolle und angesehene Frau,

zuversichtlich blickt sie in die Zukunft.

Sie redet nicht gedankenlos, und ihre Anweisungen gibt sie freundlich.

Sie kennt und überwacht alles, was in ihrem Haus vor sich geht

– nur Faulheit kennt sie nicht!

Ihre Kinder reden voller Stolz von ihr,

und ihr Mann lobt sie mit überschwänglichen Worten:

„Es gibt wohl viele gute und tüchtige Frauen, aber du übertriffst sie alle!“

Anmut kann täuschen, und Schönheit vergeht

– doch wenn eine Frau Ehrfurcht vor dem HERRN hat,

dann verdient sie das höchste Lob! 

Rühmt sie für ihre Arbeit und Mühe!

In der ganzen Stadt soll sie für ihre Taten geehrt werden!

Vorwort

Jeden Shabbat ist es eine „Wonne“, wie es auf Hebräisch in der Formulierung „Oneg Shabbat“ heißt, wenn wir als ganze Familie gemeinsam am festlich gedeckten Tisch in unserer Heimatstadt Jerusalem zusammensitzen. Bis zu den Kindern und Enkelkindern sind alle feierlich gekleidet und feierlich gestimmt. Dann wird das „Eshet Chayil“ – dieses Loblied der tüchtigen Frau aus Sprüche 31 vorgelesen. Als Hausvater sage ich immer den ersten Buchstaben der 22 Verse und die Kinder sagen anschließend den Vers. Ja, man hat es uns Ehemännern durch diese Tradition leicht gemacht, wenigstens einmal in der Woche seine geliebte Ehefrau zu ehren und zu loben für alle ihre alltäglichen Arbeiten. So hat der liebe Gott diese Verse alphabetisch für uns aufgelistet. Wenn der Vers kommt „und bei Nacht geht ihre Kerze nicht aus“ (Vers 18) schmunzelt jeder am Tisch, weil im Hebräischen hier ihre Freude an der intimen Liebe mit ihrem Mann ausgedrückt wird. Die letzten drei Verse werden besonders laut gesprochen:

Ihre Kinder reden voller Stolz von ihr,

und ihr Mann lobt sie mit überschwänglichen Worten:

„Es gibt wohl viele gute und tüchtige Frauen, aber du übertriffst sie alle!“

Anmut kann täuschen, und Schönheit vergeht

– doch wenn eine Frau Ehrfurcht vor dem HERRN hat,

dann verdient sie das höchste Lob! 

Rühmt sie für ihre Arbeit und Mühe!

In der ganzen Stadt soll sie für ihre Taten geehrt werden!

Auch in Sprüche 14 wird gesagt, dass „eine weise Frau ihr Haus baut“ und genau das tun die Frauen: Sie versorgen die Kinder, erledigen viel Arbeit für den Haushalt und besonders auch für uns Männer. Psalm 128 sagt uns, wie schön es ist und was für ein Segen es ist, mit Frau und Kinder am Tisch des Herrn zu sitzen. So heißt es dort: „Deine Frau wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her. 4 Siehe, so wird gesegnet der Mann, der den HERRN fürchtet“ (Psalm 128,3; LUT).

Ja, das ist ein wahrhaft gesegneter Mensch. Jede Frau ist so ein Schatz und Geschenk Gottes, und jeder Mann wird sich freuen, wenn ihm eine Frau geschenkt wird, die mit ihm am Tisch sitzt und ihm viel Gutes tut. Das sollen wir anerkennen, diesen Segen Gottes.

Wir haben es mit den Versen aus Sprüche 31 mit einem einzigen Lob zu tun (es ist weise, die Frau zu loben!) und die Frau findet darin Anregungen, die sie umsetzen darf. Es richtet sich also an beide Seiten.

Am Shabbat kommen wir zur Ruhe, und diese Ruhe beginnt damit, dass wir diesem Geist des Lobes und Dankbarkeit Raum geben und die Freude darüber ausbreiten. Und das geschieht auch durch dieses Lied, indem wir unsere Frauen loben und sehen und anerkennen, was sie getan haben und es gemeinsam genießen.

Ich freue mich, dass nun auch deutsche Leserinnen mehr und mehr in diese wertvolle biblische Tradition eintauchen können und dadurch Segen dadurch erfahren werden. Ich kann dieses Buch von Christin sehr empfehlen, denn es gibt einen guten Einblick in die Verhältnisse eines göttlichen und gottgewollten Familienlebens: Man kommt in eine geistliche Ruhe, widmet die Zeit ganz Gott und seinen Lieben. Dieses Buch bringt auf den Punkt, was die tiefe und wahre Bedeutung von Sprüche 31 ist, weil in allen Erklärungen dieses Buches Jesus/ Jeshua das Zentrum ist und Christin es versteht, die Schätze der Bibel auf das Hier und Heute zu übertragen.

Wir wünschen Ihnen viel Segen beim Lesen!

Orly und Michael Schneider aus Jerusalem

www.JerusalemMessenger.com

Einführung

„Hallihallo und herzlich willkommen …“ – so fange ich immer meine Podcasts an. Und ich möchte dich auch hier begrüßen und fragen: Wie geht es dir, wenn du diesen Bibeltext aus Sprüche 31 liest? Oder wie geht es dir überhaupt, wenn du die Bibel liest?

Wie wir die Bibel empfinden und verstehen, hat viel mit unserer Herkunft und unserer Prägung zu tun. Alles, was wir erleben, sehen und lesen, betrachten wir durch die ganz eigene Brille unserer unverwechselbaren Geschichte. Deshalb ist jede einzelne Sicht so interessant und kostbar.

Unsere Geschichte beginnt nicht erst mit uns, sondern lange vor unserer Geburt mit unseren Vorfahren. Wer hat dein Glaubensleben am meisten geprägt?

Meine Glaubensgeschichte beginnt mit meiner Großmutter. Sie wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg konfirmiert und ging von da an auch regelmäßig in die Kirche, aber das war ihr noch zu wenig. Sie wollte mehr erfahren. Und so sagte der damalige Superintendent ihrer Gemeinde zur ihr und ihren Freundinnen: „Dann geht doch auch Sonntagnachmittag zur Bibelstunde der Landeskirchlichen Gemeinschaft, da erfahrt ihr mehr über die Bibel. Ich selbst gehe, wenn es meine Zeit erlaubt, auch ab und zu hin.“

Die Landeskirchliche Gemeinschaft war zu dem Zweck gegründet worden, Mitgliedern der Kirche, die Interesse daran hatten, mehr über Gottes Wort zu lehren. Dort lernte meine Oma dann meinen Opa kennen, der aus einer sehr religiös geprägten Gegend im heutigen Polen kam.

Es gab jedoch noch einen weiteren, verborgenen Grund, warum meine Oma so offen für die Bibel war: Sie hatte jüdische Vorfahren. Aufgrund des Krieges und der Angst, entdeckt zu werden, konnte dieser Glaube nicht gelebt werden. Heimlich feierte sie mit ihrer eigenen Oma das Passahfest (oder auch „Pessachfest“), aber sie durfte nicht darüber reden. So erlebte sie in ihrem Innern ein Vakuum, das nun zum Teil gefüllt wurde. Sie lebte ihren christlichen Glauben, fand aber nie wieder einen Zugang zu ihren jüdischen Wurzeln. Durch die erlebte Angst und die Propaganda in ihrer Kindheit waren sie tief verschüttet.

Es gab kleine Momente, in denen etwas davon durchschimmerte. Als wir einmal über das Passahfest sprachen, erzählte sie, dass im Frühling eine Woche lang der Sauerteig aus dem Haus musste, da in der jüdischen Tradition rund um Pessach nichts Gesäuertes gegessen werden durfte (vgl. z. B. 2. Mose 12,14–20). Während dieser Zeit buk ihre Oma dann nur flache Fladen.

Außerdem bat sie darum, ihrem Erstgeborenen, meinem Vater, einen jüdischen Zweitnamen zu geben: Benjamin.

Mein Vater erlernte zuerst den Beruf des Kranschlossers. Nach der Ausbildung spürte er aber, dass Gott ihn zum Pastor berief. So studierte er am Theologischen Seminar in Falkenberg und wurde ein wunderbarer Bote Gottes, weil er lebte, was er predigte. Bei ihm gab es keine Diskrepanz zwischen Kanzel und Alltag; er war authentisch. So war es dann auch, als er seine jüdische Herkunft entdeckte. Er nahm seine Gemeinde mit und bezog sie in seine Entdeckungen ein, so gut er konnte.

Gemeinsam mit meinem Vater begannen wir uns als Familie zaghaft auf die Suche nach unseren jüdischen Wurzeln zu machen. Die biologische Komponente ließ sich schnell klären. Durch die Berichte meiner Großmutter und mittels eines Gentests wurde die tatsächliche Abstammung nachgewiesen.

Die geistliche Orientierung war nicht so schnell und einfach zu vollziehen. Es ist ein Prozess, so wie unser ganzes Glaubensleben ein Prozess ist. Nachdem ich in einem evangelischen Elternhaus groß geworden bin, studiere und lebe ich nun seit mehr als zehn Jahren intensiv die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens. Dadurch ist eine Tiefe in mein Glaubensleben gekommen, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte. Einen winzigen Teil davon möchte ich in diesem Buch über die Frau aus Sprüche 31 mit dir teilen.

***

Dieses Kapitel ist ein alter Text, mit alten Worten, und doch voller Weisheit und hilfreicher Ordnung. Diese Verse können dein Leben verändern, sie können dir Klarheit geben und dir deine Bestimmung zeigen. Suchen wir als Frauen nicht oft nach Wegweisung? Gerade in der heutigen Zeit, wo alles möglich scheint und neue Wege gegangen werden können, suchen wir doch oft nach Vertrautem, Bewährtem, das aber auch in unserer Zeit funktioniert und nicht veraltet ist. Wir suchen nach etwas, das uns hilft, all unsere Rollen und Aufgaben zu sortieren und zu erfüllen. Wir suchen nach Kriterien, die uns helfen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden.

Wir werden in diesem Buch gemeinsam untersuchen, was Gott uns mit diesem Text sagen möchte, und werden so viele Schätze entdecken, die uns stärken, uns vorwärtsbringen und uns zeigen, worauf es ankommt.

Wenn du diese Bibelverse zum ersten Mal liest, kommen sie dir vielleicht nicht wichtig vor. Sie erscheinen – gemessen an den Texten des Paulus oder den Evangelien – geradezu nichtig. Aber Gott wollte, dass dieser Text in der Heiligen Schrift steht, und es ist der längste Passus in der Bibel, der von den Eigenschaften einer Frau spricht, die nach Gottes Herzen lebt. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass er für uns Frauen wichtig ist.

Ich muss zugeben, dass ich viele Jahre mit diesem Text gerungen habe. Manches erschien mir unerreichbar, einiges unverständlich. Aber ich habe in der Auseinandersetzung mit diesem Text viel Freiheit und Freude gewonnen, die ich hier mit dir teilen möchte.

Vielleicht ging es dir beim Lesen dieses Bibeltextes so, dass dir die Messlatte viel zu hoch erschien. Unerreichbar. Warst du versucht, das Buch resigniert zuzuschlagen? Oder hast du dir deine Freundinnen und Nachbarinnen vor Augen gehalten und kamst dir so klein und unfähig vor?

In uns Frauen ist eine große Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung, nach Zufriedenheit und danach, in uns selbst zu ruhen. Und dann sehen wir das, was wir nicht können und andere scheinbar mühelos auf die Reihe kriegen. Durch das Vergleichen fühlen wir uns klein und unfähig und möchten am liebsten aufgeben, gelähmt von unerreichbaren Zielen. Oder aber wir schlagen um ins andere Extrem – mit der Wut der Verzweiflung wollen wir es schaffen, und so treiben wir uns an und fordern von uns selbst unbarmherzig Erfolg in allen Lebensbereichen.

Aber wer definiert, was Erfolg ist? Wann sind wir mit uns zufrieden oder wann dürfen wir es sein??

Ich habe jahrelang versucht, in allen Bereichen, die hier angesprochen werden, „erfolgreich“ zu sein, und habe mich dadurch teilweise bis an den Rand meiner Kräfte gebracht. Ich wollte so gern, dass Gott mit mir zufrieden ist und dass Menschen mit mir zufrieden sind, und dachte, dass ich dann auch endlich mit mir zufrieden sein könnte. Mehrmals bin ich auf diesem Weg zusammengebrochen. Ohne mein Ziel zu erreichen.

In meinem sozialen Umfeld gibt es einige Personen, die narzisstische Verhaltensweisen an den Tag legen. Mir wurde immer wieder vermittelt: Du bist nicht gut genug, streng dich mehr an! Aber was ich auch tat, es hat nie gereicht.

Vielleicht geht es dir auch so, und dann liest du diesen Text und denkst: Das schaffe ich nie. Aber ich schreibe dieses Buch gerade für Frauen, die verwundet sind und bei denen nicht alles super lief. Frauen, die sich abmühen und geliebt werden wollen. Ich kenne so viele Frauen, bei denen nach außen hin alles gut aussieht. Lernt man sie aber näher kennen, begegnet man hinter ihrem strahlenden Äußeren so viel Sehnsucht, Trauer und Erschöpfung.

Wir Frauen neigen leider häufig dazu, uns zu vergleichen und unbarmherzig anzutreiben. Es fällt uns unheimlich schwer, uns ehrlich einzugestehen, wenn uns manchmal alles zu viel ist. Stattdessen bemühen wir uns lieber, die gepflegte und lächelnde Fassade aufrechtzuerhalten. Jesus sagt aber zu uns: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht, und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen“(Matthäus 11,28–30).

Wenn das die Wahrheit ist, haben wir bisher einiges falsch verstanden. Dann muss es einfach so sein, dass wir bisher einiges falsch verstanden haben. Auch diesen Bibeltext der „tüchtigen Frau“. Denn die meisten Frauen, die ich kenne, tragen kein sanftes Joch und keine leichte Bürde.

Was tragen wir aber dann? Wer hat uns das auferlegt, was wir tragen?

Ich hoffe, dass wir gemeinsam einige Lasten ablegen können, die viel zu schwer für uns sind. Aber als Erstes möchte ich dir mitgeben, dass es sich bei dem, was Sprüche 31 beschreibt, um einen Prozess handelt, einen Weg. Wenn ich diesen Text früher gelesen und gehört habe, hat das in mir ungeheuren Druck erzeugt. Ich wollte ja so sein und es frustrierte mich enorm, dass ich es eben nicht war!

Aber niemand ist so. Wir lernen alle auf unserem Weg und reifen. Wir müssen begreifen, dass in der Bibel oft dasZiel dargestellt wird. Uns wird vor Augen gehalten, wo wir hinwollen. Wir sind alle noch nicht da. Zwischen unserem jetzigen Zustand und dem Ziel klafft eine Lücke und dafür haben und dazu brauchen wir Jesus. Er hilft uns, auf unserem Weg voranzukommen. In seiner Kraft werden wir Hindernisse überwinden, er löscht unsere Schuld aus und ermöglicht jeden Tag einen Neuanfang.

***

Im Judentum sind Namen von entscheidender Bedeutung. Es gibt dort die Auffassung, dass Namen wie ein Kanal sind, durch den göttliche Energie fließt. Vor diesem Hintergrund kann man auch besser verstehen, warum es so eine wichtige Rolle spielt, wenn Gott Namen ändert. Als Josef durch den Engel über Marias Schwangerschaft informiert wurde, sagt der himmlische Bote zu ihm:

„Sie wird Mutter eines Sohnes werden, dem du den Namen Jesus geben sollst; denn er ist es, der sein Volk von ihren Sünden erretten wird“ (Matthäus 1,21; Menge).

Dies ist eine von vielen Passagen, die nur Sinn machen, wenn wir die jüdischen Wurzeln oder ein klein wenig Hebräisch beherrschen. Auf Hebräisch lautet der Name Jesu „Jeshua“. Dieses Wort kommt sehr oft in der Bibel vor. Wenn man eine Synagoge besucht und dort aus der Torah vorgelesen wird, dann wird man sehr oft das Wort „Jeshua“ hören. Denn es bedeutet: Gott rettet. Das war der Grund für diese Namensgebung. Sein Name war sein von Gott bestimmtes Programm: Menschen zu retten von ihren Sünden.

Letztes Jahr bekam ich von meiner Patentante einen ganzen Stapel Bücher geschenkt, richtige Schätze. Darunter befand sich ein Band von Hannelore Frank, einer leider sehr früh verstorbenen, bemerkenswerten Sylter Pastorin. Das Büchlein enthält Gedichte und Gedanken für jeden Tag des Jahres, und für das Jahresende hat sie ein besonders ergreifendes Gedicht geschrieben. Es heißt „Rückschau“.1 Sie beschreibt darin den Prozess, wenn man am Ende des Jahres Bilanz zieht und das Jahr aufrechnet nach Versäumnissen und Dingen, die nicht gut gelungen sind, Dingen, die schmerzhaft waren und für die man sich schämt, Ereignisse, an die man sich nur ungern erinnert. Es ist so wunderbar beschrieben, dass man sich selbst sehr gut darin wiederfinden kann. Sie beschreibt unsere Sehnsucht danach, besser dazustehen, besser zu sein.

Sie schreibt weiter, dass wir diese Bilanz ja nicht nur vor uns selbst ablegen, sondern vor allem vor den Augen Gottes und dass es im Letzten oft Schuld ist, die uns quält. Ja, das, was am meisten schmerzt, ist, wenn wir an Gottes Willen vorbeileben.

Doch dann stellt sie uns so richtig erlösend vor Augen, dass die Weihnachtsbotschaft lautet: Gott rettet. Gott rettet uns. Aus aller Schuld und aus allem Versagen. Es ist so wunderbar, diese Botschaft am Jahresende noch einmal bewusst zu lesen und zu hören. Dann, wenn wir uns vielleicht wirklich fragen: Was haben wir in diesem Jahr erreicht und was versäumt? Aber was ist mit den vielen Tagen inmitten des Jahres, wenn uns die Verzweiflung überkommt über unser eigenes Versagen, wenn der Anspruch an uns selbst und die Wirklichkeit noch weit auseinanderklaffen? Dann gilt Gottes Verheißung immer noch.

Die gute Botschaft ist, dass Gottes Gnade jeden Tag neu ist und wir jeden Tag alles ablegen dürfen, was uns so niederdrückt, nicht nur am Jahresende. Denn Jeshua kam, um uns zu retten, uns freizumachen von allen unberechtigten Ansprüchen oder tatsächlichen Versäumnissen. Das macht Gott in seinem Namen ganz klar, daran gibt es keinen Zweifel. Und es gilt gerade für uns Frauen.

Eine Frau bringt den zur Welt, der sie später retten wird, und es sind Frauen, die die ersten Zeuginnen der Auferstehung werden und die frohe Botschaft davon verkünden. Frauen, die tief in dem Schlamassel eigener und fremder Überforderung stecken, in der Angst, nicht zu genügen, wird eine entscheidende Rolle zuteil in Gottes Rettungsplan für die Menschen! Das sehen wir in der ganzen Bibel!

Es würde viel zu weit führen, hier näher darauf einzugehen, aber die Frauen, die den Stammbaum unseres Erlösers zieren, erzählen wunderbare Geschichten von Gnade, Sieg und Kraft, nachdem sie Schwierigkeiten, Entmutigungen und Ablehnung erfahren haben. Das alles bildet den Hintergrund für dieses Loblied einer tüchtigen Frau.

Was uns hier vorgestellt wird, ist also das Bild einer Frau, die diesen Weg vor uns gegangen ist. Sie ist das Ziel, aber niemand verdammt uns dafür, dass wir es noch nicht erreicht haben. Wir sind auf dem Weg – und das ist, was zählt! Wir sind auf dem Weg als ganz normale Frauen, durch die Gott dennoch ganz besonders wirken kann und will.

Sprüche 31 – für ganz normale Frauen

Ich lese sehr gern. Von klein auf war das mein liebstes Hobby. Mit acht Jahren bekam ich von meinem Vater eine Bibel geschenkt. Er hatte mir dafür einen Lederumschlag genäht und die Seitenränder rot gemacht, denn er wollte, dass ich darin seine Liebe sehen und anfassen kann, wenn ich in der Bibel lese.

Ich liebte es, darin zu lesen, und löcherte ihn mit Fragen über das, was ich las. Noch heute liegt diese Bibel als ein sichtbarer Hinweis auf die Liebe meines irdischen und meines himmlischen Vaters auf meinem Nachttisch. Obwohl sie sehr zerlesen ist und fast auseinanderfällt, ist sie eine ständige Erinnerung daran.

Als ich Kinder bekam, nutzte ich die arbeitsfreien Elternzeiten dazu, um Studienfernkurse in Theologie zu belegen. Ich habe viel gelernt bei orthodoxen und messianischen Rabbinern, bei Professoren und Doktoren. Aber auch viel durch Ausprobieren, durch eigenes „Schmecken und Sehen“. Unser Glaube ist ein Glaube zum Anfassen. Nicht umsonst steht in der Bibel: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ (Psalm 34,9; LUT).

Gott hat es alles so gemacht, damit wir sein Vaterherz kennenlernen. Wir dürfen seine Liebe auf so vielfältige Weise erfahren. Jede von uns wird einen anderen Zugang zum Glauben finden: eine durch den Verstand, eine durch das Gefühl, eine andere durch das Schmecken und Sehen. Gott weiß das, und er schenkt uns allen individuelle Möglichkeiten, ihn zu erfahren. Wenn wir die Auferstehungsgeschichten lesen, können wir sehen, dass Maria Jesus an der Stimme erkannte, Thomas glaubte, als er seine Wunden berühren durfte, die Emmaus-Jünger erkannten ihn an seiner Art, das Brot auszuteilen.

***

Gott hat uns einen Tag in der Woche gegeben, an dem wir ihn mit all unseren Sinnen erfahren können, den Shabbat. Dieser Feiertag beinhaltet so viele Elemente, Gottes Wort zu erleben, zu schmecken, zu riechen und zu erfahren. Wir schmecken z. B. das leckere Brot, die Challah. Wir salzen das Brot, weil wir das Salz der Erde sein sollen und Jesus das Brot des Lebens ist, das wir an andere weitergeben sollen, so wie wir die Brotstücke weitergeben. Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass Gott uns versorgt, so wie er die Israeliten in der Wüste versorgte.

Jeden Freitagabend, wenn der Shabbat beginnt, werden in jüdischen Familien die Kinder von ihrem Vater gesegnet. Er spricht den Aaronitischen Segen über ihnen aus und legt segnend seine Hände auf ihren Kopf:

„Der HERR segne dich und behüte dich! Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden“ (4.Mose 6,24–26; SLT).

Über seinen Söhnen spricht mein Mann dann zusätzlich: „Der HERR lasse dich werden wie Ephraim und Manasse“ (vgl. 1. Mose 48,20). Und über den Töchtern: „Der HERR lasse dich werden wie Sara, Rivka, Rahel und Lea.“ Und auch die Ehefrau und Mutter bekommt einen Segen: Mein Mann liest für mich unseren Abschnitt aus Sprüche 31 vor. Er ist ein Segen, wenn wir ihn richtig verstehen und diese Vorlage nicht nehmen, um uns selbst unter Druck zu setzen.

Worte haben viel Kraft. Das werden wir später auch noch sehen. Worte des Segens und des Wachstums sollten wir am besten täglich in unseren Familien aussprechen. Die Verse aus Sprüche 31 wurden ursprünglich als Lied vorgetragen, das eine Frau segnet. Es spricht aus, was wird, auch wenn es noch nicht so vollkommen ist und das Ziel noch nicht erreicht ist. Die Worte setzen aber etwas frei. Der Mann segnet seine Ehefrau mit diesen Worten. Er würdigt das, was da ist, und spricht in ihr Leben, was entstehen soll. Er segnet sie und setzt Kraft frei, damit etwas entstehen kann.

So ist es auch mit den zehn Worten – den Zehn Geboten. Im Hebräischen wird darin nicht die deutsche Formulierung „Du sollst …“ verwendet, sondern „Du wirst …“. Das macht einen großen Unterschied.

„Du wirst nicht falsch Zeugnis reden.“ Auch wenn es mir passiert ist, ist das Ziel doch klar. Ich werde es irgendwann einmal nicht mehr tun. Ich arbeite daran und diese Worte segnen mich und helfen mir. Deshalb werden wir in der Bibel immer wieder aufgefordert, diese Worte zu lesen, zu unseren Kindern zu sprechen und uns damit zu beschäftigen: Diese Worte sind das Leben und sie setzen Leben frei.

***

Der Begriff „Sünde“ bedeutet im Hebräischen „Ziel verfehlt“. Er bezeichnet einen Fehler beim Bogenschießen. Der Schütze hat die Scheibe, das Ziel, nicht getroffen. Was Gott tut und was wir für unsere Kinder tun, ist also bildlich gesprochen diese Zielscheibe zu malen, vorzustellen und zu zeigen. Wir zeigen ihnen, wo das Ziel ist. Dann versuchen sie (und auch wir), dieses Ziel zu treffen. Manchmal klappt es, manchmal auch nicht. Aber die Richtung ist klar. Es ist die Richtung, die zum Leben führt. Deshalb ist Gottes Wort so wichtig für uns – es zeigt uns, was das Ziel ist. Es zeigt uns, wie wirkliche Liebe, Mitmenschlichkeit und Fürsorge aussehen.

Auch Sprüche 31 ist wie so eine Zielscheibe. Die Worte sind für uns als Ziel aufgeschrieben, damit wir es erkennen und uns danach ausstrecken können. Sie sind keine Stellenbeschreibung und keine Aufgabenliste, hinter der wir unsere Häkchen setzen sollen – und die uns ständig einen stillen Vorwurf macht, wenn es uns nicht gelingt.

In Sprüche 31 steckt viel Leben für eine Frau und eine enorme Kraft. Das gilt auch heute noch und wir werden staunen, wie aktuell diese Verse sind und was sie uns zu sagen haben.

Ich segne dich mit diesen Worten und bete darum, dass sich dieser Segen in deinem Leben entfaltet und du Gottes Liebe erfahren kannst. Denn du bist eine unendlich geliebte Frau! Stell dir vor, wie dein Vater im Himmel gerade jetzt sanft eine Hand auf deinen Kopf legt und diese Worte in dein Leben spricht. Er hat genau diesen Samen schon längst in dein Inneres gelegt, und du wirst sehen, dass alles schon angelegt worden ist. Sein Segen sei mit dir, wenn du beim Lesen dieses Buches entdeckst, wie wundervoll du bist!

Kapitel 1

„Eine tugendhafte Frau, wer findet sie? Sie ist weit mehr wert als die kostbarsten Perlen.“ Sprüche 31,10; SLT

Tugendhaft – ein sehr altes deutsches Wort, das eigentlich kaum noch gebräuchlich ist. Die Schlachterübersetzung gibt es so wieder, andere Übersetzungen sagen „tugendsam“ oder „tüchtig“. Das erscheint mir ziemlich widersprüchlich; zumindest sehe ich es so, dass zwischen tugendhaft und tüchtig im Deutschen doch ein Unterschied ist. Was verstehst du unter diesen Worten? Ist das eine Eigenschaft, die dich anspricht, die du haben möchtest?

Im Hebräischen steht hier das Wort „chayil“ (H2428)2. Es kennzeichnet eine große Kraft, eine Armee; es bedeutet, organisiert, tapfer, gerüstet zu sein. Es steht außerdem für Stärke und Können und bedeutet, angesichts von Gefahr und Ärger standhaft zu bleiben. Im ganz normalen Leben mit all seinen Problemen und Sorgen, Kraft und Mut zu beweisen.

Die deutschen Übersetzungen geben das meiner Meinung nach nur unzulänglich wieder. Es ist hier nicht von einem grauen Mäuschen die Rede, sondern von einer Frau in ihrer Bestimmung, in ihrer Kraft. Und eine solche Frau ist ein unwahrscheinlicher Schatz. Sie ist unbezahlbar. Sie ist mehr wert als Edelsteine oder kostbare Korallen.

Du bist eine solche Frau! Du bist von Gott geliebt und er hat unendlich viele Talente in dich hineingelegt. Manche sind verschüttet, andere noch gar nicht entdeckt, wie verborgene Schätze.

***

Gott fordert uns auf, eine solche Frau zu suchen: „Wer findet sie?“ Wer entdeckt die Dinge, auf die es ankommt, wer sucht danach? Bei sich und auch bei anderen? Es lohnt sich, sich auf die Reise zu machen und diese Frau in uns zu entdecken. Denn das Wort, was hier für „finden“ steht, ist im Hebräischen „matsa“ (H4672), und es bedeutet, etwas zu erreichen, zu erwerben, zu sichern oder zu bekommen.

So eine Frau fällt keinem Mann in den Schoß, das ist uns allen klar. In Sprüche 31 wird König Lemuel von seiner Mutter dazu ermutigt, nach diesen Eigenschaften in seiner (zukünftigen) Frau zu suchen und diese Eigenschaften zu fördern, denn sie sind in ihr! Er kann ihr helfen, diese Stärke zu entwickeln.

Doch der Text richtet sich ebenso an uns Frauen. Solch ein Charakter fällt uns nicht in den Schoß. Ich war früher nicht so, und ich bin in manchen Bereichen immer noch nicht so wie die tüchtige Frau. Wir dürfen aber danach suchen und streben, dieses Ziel zu erreichen. Sei dabei jedoch nicht so unbarmherzig, selbstverurteilend und krampfhaft, wie ich es früher war. Entspann dich. Dieser Charakter wird sanft entfaltet.

Gott legt mehr Geduld mit uns an den Tag, als wir oft selbst mit uns haben. Wir dürfen nach bereits vorhandenen Ansätzen in uns suchen und sie feiern. Auf gar keinen Fall sollten wir uns dafür verurteilen, wo wir noch nicht an das beschriebene Ziel heranreichen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Vorgehensweisen, die aber letztlich bestimmen, wie wir uns fühlen und auch über unseren Erfolg entscheiden.

Ein guter Wein, der eingelagert wurde, um zu reifen, ist doch bereits Wein. Er wird nur besser mit der Zeit. So macht Gott es mit uns. Wir sind völlig in Ordnung so, wie wir momentan sind. Wir sind genau in der Reifungsstufe, die Gott für diesen Abschnitt unseres Lebens vorgesehen hat.

Lass uns schauen, was in deinem Leben bereits da ist. Das, was du erkannt hast, beginnst du umzusetzen und – lass uns diese Dinge feiern! Alles andere nehmen wir als Anregung und als Ziel für unsere Entwicklung und dann bitten wir Gott, dass er uns dahin bringt. So wird es Spaß machen! Es wird kein stressiger Selbstoptimierungskrampf. Wir arbeiten zusammen mit dem Heiligen Geist, und er arbeitet in uns und für uns.

***

Beginnen wir also damit, uns diese tüchtige Frau näher anzuschauen. Gott sagt über sie, dass sie stark ist, wie eine gerüstete Armee. Sie steht bereit, um zu kämpfen, um zu schützen. Wofür sollen wir denn kämpfen?

Gestern begleitete ich meine Tochter zu einer Prüfung an ihrer Uni. Während ich auf sie wartete, spazierte ich über den Campus. Auf den Asphalt gesprüht stand dort: „Freiräume schaffen, Schutzraum sein.“

Dieser Spruch gefiel mir sehr gut. Eine Frau schafft Freiräume und bietet ihren Lieben gleichzeitig Schutzräume. Dafür muss gekämpft werden. So sagt die Bibel ja auch: „Jagt dem Frieden nach“ (Hebräer 12,14; LUT). Wir müssen dem nachjagen und eifrig danach suchen, dass wir und unsere Familie diese Freiräume genießen können. Dafür brauchen wir Kampfgeist, Stärke und Kraft.

Du hast in dir Macht und Kraft und Stärke.

Ist dir das neu? Mir war das lange nicht bekannt. Ich habe mich viele Jahre als Opfer gefühlt. Mein Mann nahm mich oft ganz anders war. Er sagte zu mir: „Aber du schaffst doch so viel. Du kannst so viel.“ Aber ich konnte das nicht sehen. In mir waren andere Stimmen. Verurteilende Stimmen. Stimmen aus meiner Vergangenheit, die mich kleinhielten. Stimmen, die mir sagten, dass ich nicht genug sei. Ich sah mich nicht als stark an. Mein Selbstbild war durch meine Vergangenheit geprägt.

Unsere Prägung ist wie eine Brille, durch die wir uns und die Welt sehen. Wenn wir in unserer Kindheit und Jugend viele kritische und verurteilende Stimmen gehört haben, tragen wir viel Abwertung in uns. Auch ich kenne emotionalen und psychischen Missbrauch in Form von Ablehnung und Manipulation. Wenn Beziehungen geprägt sind von Drama und Aufruhr und man immer wieder in Kämpfe verwickelt wird, die niemand gewinnen kann, ist es sehr schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. So haben wir später kaum Kraft zum Kämpfen.

Viele von uns tragen Scham und Schuld in sich. Wir sehen uns nicht als starke Frauen. Wir sehen uns nicht als fähig an. Wir empfinden uns nicht als gut genug. Wir sehen uns immer noch mit den Augen von Klassenkameraden, die auf uns herabgeschaut haben. Wir spüren immer noch die brennenden Blicke der Ablehnung von Menschen, die wir verehrt, aber die uns missachtet haben. Wir spüren keine Kraft, sondern Unfähigkeit, Machtlosigkeit und Scham.

Wir alle kennen Menschen, die zerstören und Worte der Zerstörung sprechen. Ein naher Verwandter von mir sagte einmal zu meinem Vater: „Aus deinen Kindern wird sowieso nichts.“ Meinen Vater hat diese Aussage sehr getroffen. Hast du solche Worte auch schon gehört? Sie können Menschen regelrecht schachmatt setzen und sie lähmen. Auf diese hinterhältige Weise können sie wie eine Prophezeiung wirken, die sich erfüllt.

Einige Menschen in meinem sozialen Umfeld waren nicht in der Lage, Worte des Segens zu sprechen, sondern haben Fluchworte und Schimpfworte ausgesprochen. Eine Person sagte mir einmal, dass ich später eine der Mütter werden würde, denen man die Kinder wegnähme, weil ich so viel las. Solche Worte stehen über unserem Leben und sie haben Macht. Wenn wir uns solchen Worten nicht aktiv entgegenstellen, schwächen sie uns. Wir haben aber oft nicht gelernt zu kämpfen und solche geistlichen und geistigen Angriffe – denn nichts anderes sind solche Worte – abzuwehren.

***